First Case:  Snow Paw

GeschichteDrama, Mystery / P16
Baron Haru Yoshioka Muta OC (Own Character) Toto
03.01.2016
17.01.2016
2
7.160
4
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03.01.2016 2.897
 
Episode 1.: The Black Feather
Chapter 1.: Destiny

Der gesamte Himmel war bis zum Zenit geschwärzt und tauchte Pflastersteine in Zwielicht. Mühevoll waren einige Sterne aus den Sternbildern zu erkennen, andere fehlten gänzlich. Über dem Horizont häuften sie sich, überspannten das gesamte Firmament und schien verwaschen am Höhepunkt. Die azurblaue Hausfassade verwandelte sich in schwarzes Blei, und der Himmel schien direkt mit dem Haus, vor dem Haru stand, verwachsen zu sein. Ein Anblick der sich ausgezeichnet als Kulisse für ein tragisches Ölgemälde eignete, aber geradezu beruhigend befand sich im Zentrum eine Lichtquelle, als habe man sie absichtlich dort platziert, zum Amüsement der Beobachter. Ein leicht offen stehendes Fenster, welches gedämpft Geräusche der Stadt willkommen hieß und mit dem strahlenden Licht die abgenutzten Fensterrahmen beleuchtete. Haru war schon oft an der verschrumpelten Fassade vorbeigegangen, doch diesmal würde sie sich hineinwagen. Ihre vertrauenswürdigen braunen Augen überblickten erneut das Schild über dem kleinen Haus. Das Paradiso, ein kleines Geschäft in einer schmalen Seitenstraße, wessen Besitzer wohl sehr kreativ war, da er sowohl Tiere als auch seltene Bücher verkaufte. Eine Mischung die zwar nicht üblich war, jedoch Haru auf eine seltsame Weise faszinierte. Obwohl das weiß lackierte Brett hinter der gläsernen Tür sie mit feinen goldenen Schriftzügen darauf hinwies, dass der Laden geschlossen sei, wagte sie es die Klinke zu umklammern. Ein kleines Glockenspiel ertönte als sie eintrat und sie wurde sofort von allen Blicken empfangen. Sämtliche Wellensittiche hinter den silbrigen Gittern wandten sich ihr zu. Einmal bekam sie zum Geburtstag eine Vogelvoliere für den Garten, die sie ebenfalls mit Wellensittichen bestückte. Heute, als Erwachsene, fand sie es grausam, Vögel in Käfigen zu halten vor allem große Papageien in kleinen Zimmerkäfigen, aber als Kind waren ihr solche Bedenken fremd. Ihr war es nie unangenehm, wenn ihr die Vögel um den Kopf flatterten oder sie anstarrten, doch den einen oder anderen würde sie wahrscheinlich Paranoid machen. Ihr Gedächtnis schallte erneut in ihrem Kopf als sie die Käfige fast schon nostalgisch überblickte. Jungtiere waren in ihren Augen immer unglaublich hässliche nackte Kreaturen mit übergroßen Schädeln. Normalerweise wächst ihnen rasch Gefieder, und sie sehen bald um einiges niedlicher aus, aber ein armes Vogeljunges blieb fast völlig kahl. Haru hoffte, dass dieser Kleine trotz seiner Erscheinung in kürze ein warmherziges Zuhause finden würde. Neben einem hölzernen  Kassentresen befand sich ein gigantisches Regal, welches einige der ihr bekannten Buchreihen enthielt sowie zahllose Bücher über Tierhaltung.

Im inneren des Hauses hing ein frischer Duft in der Luft, die angenehme Wärme des Kamins vermischte sich hin und wieder mit einem kühlen Luftzug. Die Wände waren kunstvoll mit frivolen Zeichnungen verziert, welche sich offenbar durch sämtliche Räumlichkeiten verteilten. Der Eingangsbereich galt als herrlicher Empfang für alle Gäste. Die meisten Läden im Umkreis waren schmal geschnitten oder einfach klein, hatten keine Fenster und waren düster, doch dieser wurde durch Pastellfarben und Spiegeln optisch geweitet. Beim Einrichten wurden mit einigen Gemälden von verschiedenen Landschaften einige Risse der Tapette kaschiert. Ein einheitlicher Bodenbelag sorgte für ein stimmiges Gesamtbild. "Hallo, ist hier jemand?" rief sie Laut und erhob ihren Kopf aus ihrem dicken hellpinken Schal, welcher sie sonst vor einem kaltem Atem bewahrte. "Ich bin Yoshioka Haru. Ich war am Nachmittag schon hier wegen dem Bewerbungsgespräch." Sie starrte wie gebannt zur Hintertür, welche zwar weit offen stand, jedoch konnte sie im hinteren schmalen Flur nur Dunkelheit erkennen. Sie erinnerte sich daran, dass der Besitzer sich im hintersten Teil häuslich einrichtete. "Moment, ich komme schon." hörte sie eine dunkle Männerstimme rufen und obwohl er sie nicht sah nickte sie stumm. Der alte Dielenboden knarzte unter seinen Füßen bei jedem Schritt. Eine angenehme Eigenschaft des Hauses, da Haru diese kleinen Makel des alten Bodenbrettes gerne in kauf nahm für einen anständigen Job. Ihre Augen überwanderten erneut das Geschäft mit erwartungsvollem Leuchten. Sie erblickte im gedämpften Licht die schauderhafte Silhouette des Hausherren. Nun trat der Mann hervor und schaltete den Lichtschalter, außerhalb ihrer Reichweite ein. Nach kurzer Zeit verstärkten große weiße Papierleuchten in denen sich wie erwartet Sparlampen befanden den Größeneffekt des Raumes, indem sie ausreichend helles, warmes Licht spendeten. "Ah, Fr. Yoshioka, ich hoffe Sie haben nicht lange gewartet." "Kürzer als es mir vorkam, außerdem habe ich mich nicht wirklich gelangweilt, der Laden ist sehr schön." "Das sagten Sie heute schon einmal." Er grinste mit seinen strahlend weißen Zähnen, was ein kleines Déjà Vu auslöste.
Ja, sie war am Nachmittag schon einmal hier und obwohl sich der Tag zum Ende neigte war die Erinnerung schon frisch. Sie schlenderte den ganzen Morgen durch die Straßen, vorbei an überfüllten Boutiquen mit ignoranten Verkäufern und überbesetzten Antikläden, welche kurz vor dem Zerfall standen. Umso mehr abfuhren sie bekam desto herzlicher fand sie den Empfang im Paradiso. Der eigentliche Ladenbesitzer war dienstlich Unterweg, aber sein Neffe war offensichtlich Vollzeit angestellt. Glücklicherweise konnte sie bei ihm einen guten Eindruck hinterlassen, weshalb er anbot, dass sie nach den Öffnungszeiten mit seinem Onkel sprechen könnte. Ein Angebot, welches sie nicht ohne Zweifel einging, jedoch konnte er sie mit einer charmanten Art überzeugen.

Er fuhr sich mit den Fingern durch seine dunklen Haare, die sogenannte Bettfrisur schmückte dabei seinen Kopf. Sein Teint war leicht gebräunt, was das leuchtende Blau seiner Augen unterstrich. Seine woll Ärmel rutschten ihm hoch, und Haru starrte seinen vernarbten Arm an. Sie stellte schnell fest, dass dies keine Schnittwunden waren, sondern er wohl kurzlich einen Kampf mit einem Tier hatte. "Ah, das war die Katze von unseren Nachbarn. Sie kommt manchmal und gestattet unseren Vögeln einen Besuch." Haru lächelelte, wobei sie den leichten Geschmack ihren Lipglosses erfasste. Inzwischen hatte sie sich häufiger dezent Geschminkt mit einem hellen Lidschatten, rosigen Wangen und taktvoll pinken Lippen. "Ich dachte schon an so etwas. Katzen können lästig sein." Die Nostalgie überführte sie erneut, als ihre Gedanken sie  zurück in die Vergangenheit spülten. Der Baron, Muta, Toto, das Königreich der Katzen, all dies lag in der Vergangenheit und kam ihr nur noch wie ein schrecklich zarter Traum vor. Ein Wimpernschlag, und die tragisch schöne Erinnerung an das Büro und die Erlebnisse mit dem Baron und seinen Freunden schwand langsam. "Du bist bestimmt wegen meines Onkels hier, nicht? Dummerweise fahren die offentlichen Verkehrsmittel zu dieser Zeit nicht mehr, er wird wohl erst Morgen hier sein." "Verstehe..." Ihr kopf kippte zurück in die annehmbare Wärme ihres Schals. Er rünzelte die Stirn angesichts ihrer offensichtlichen Enttäuschung, allerdings nicht wegen ihm sondern den hoffnungsvoll düsteren Erlebnissen einer bereits vergangenen Zeit. "Hm, du könntest mir deine Nummer aufschreiben." Rasch blickte sie zu ihm hoch, jede Nostalgie zerstört. Nun bemerkte sie den Größenunterschied, denn er war mindestens ein Kopf größer als sie. "Ich meine, ich könnte 'Sie' benachrichtigen sobald er wieder da ist, wenn 'Ihnen' das Recht ist." Sein Kopf senkte sich und seine azurblauen Augen huschten über den Boden, unfähig ein Ziel aufindig zu machen. Seine zerkratze Handfläche strich nahezu verlegen über seinen Hinterkopf. Sie war nicht empört über seine dramatischen Wendung von einem höfflichen Fremden zu einem dominanteren Bekannten mit einem freundschaftlichen Unterton. Im Gegenteil, dieser Zustand gefiel ihr lieber, vor allem da ihr Gegenüber im gleichen Alter wie sie war. "Selbstverständlich." sprach sie sanft und nach kurzem Zögern griff sie in ihre kleine weiße Umhengetasche. Sie zückte eine kleine Karte und griff zu einem blauen Kugelschreiber, welcher auf dem breiten Tresen lag. Der Herr starrte noch etwas fragwürdig auf ihre gepflegten Fingernäger, welche feinsäuberlich mit einem durchsichtigen Glanz bedeckt waren. Er steckte die Karte zu anderen unter den Rand eines Spiegels, wie eine Trophäe, und begann, die verschwitzten Spuren seines Schlafs wegzuwischen. Sie verbeugte sich und griff bereits erneut zur Klinke. "Diesmal schließen sie besser die Tür ab, Herr...?" ihr fiel ein, dass sie nichtmal nach seinen Namen gefragt hatte, doch unter seiner Visitenkarte, die sich auf dem Tresen befand stand in schwarzgedruckten Buchstraben der Name "Moriyama". "Mein Name ist Livius. Ich werde mich bei ihnen melden, sobald mein Onkel hier ist." "Danke, dass ist sehr freundlich." Er nickte stumm. "Auf wiedersehen, Fr. Yoshioka" "Haru, so können sie mich nennen." Sie lächelte erneut und war diesmal entschlossen den Laden zu verlassen. "Eine Frage habe ich noch." "Ja?" "Warum verkauft Ihr Onkel Vögel?" Erneut blickte sie zurück und bemerkte, dass ihr neuer Bekannter nicht eine Bewegung machte, sondern offenbar wartete bis sie außerhalb seiner Sichtweite war.
"Er meint, Tiere kennen ihre Aufgabe in der Menschenwelt sehr genau: sie machen das Alleinsein erträglich, verzeihen uns und sie können uns so viel lehren: nicht als Kindersatz, nicht als Freund­ersatz, einfach als Begleiter. Trotzdem haben wir eine kleine Abneigung gegen Katzen, aber das ist ein Geschäftsgeheimnis, wenn du verstehst?"
"Natürlich. " Sie nickte stumm. "Ein Begleiter, hm? Hört sich wundervoll an."

Als sie das Herz des Hauses verließ, überfiel sie ein kalter Luftzug, welcher über ihren Nacken zischte. Feuchtigkeit kroch wie Nebel über ihren beigen Mantel, drang in jede Faser ihres Körpers. Sie sah wie die Lichter eines Hauses erloschen und richtete sich schwitzend auf. Sie misste die liebliche Wärme des Geschäfts. Die Verlockung war stark sich zurück in die isolierten Räumlichkeiten zu schleichen, doch sie war sicher, dass sie das Türschloss diesmal zuschallen hörte. Sie spürte nun ein absurdes Verlangen, einen Umweg zu gehen um ihre Gedanken zu ordnen. Zwar war sie glücklich, da sie den Job dank ihrer Referenzen und ihrer offenen Art wahrscheinlich erhalten würde, doch fühlte sie sich abermals Leer. Ihre Augen versuchten mit ihren Fußspitzen mitzuschreiten, wobei der Wind ihr über die Wangen glitt und  ihre langen Haarsträhnen genussvoll aus dem Gesicht strich. Die Straßen sahen durch den Temperatur geschwächt aus, nichts als kahle Straßen, Fenster mit Wasserglanz und eine Welt aus dumpfen Licht und Schatten. Ihr Händy vibrierte in ihrer Manteltasche, der einzige Gegenstand den sie immer direkt bei sich trug und nicht in eine kleine aber praktische Handtasche stopfte. Sie stoppte und las eine SMS von Hiromi, ihrer besten Freundin und zwischenzeitigen Zimmergenossin. "Haru! Ich hatte Kopfschmerzen und bin früher nach Hause gegangen. Kannst du Milch mitbringen?" Haru seufzte. "Mal wieder Kopfschmerzen?" bemerkte sie schnippisch und wollte Hiromi schon die Meinung schreiben, doch dann verließ sie jeder Schwung. Ihre Finger waren schon ganz taub von der Kälte als sie ihre Antwort tippte.
"Sicher, bis später."


Kurz nach ihrem Abschluss verbrachte Haru einige Semester im Ausland und hatte eigentlich auch nicht vor zurückzukehren doch zog ihre Heimatstadt sie erneut in den Bann, weshalb sie vorrübergehend bei Hiromi zur halben Miete einzog. Sie hatte schon so lange nach einen Beruf gesucht. Sie war teilzeit in einem Kindergarten eingestellt, Journalistin, dann eine Kellnerin,  dann wieder Kindergärtnerin und noch einmal Kellnerin. Hiromi hingegen arbeitete inzwischen als Bühnenarbeiterin in einem Theater, ein wenig Außerhalb, weshalb sie häufiger behauptet hat, dass Haru eines Tages nachhause kommen würde und sie ihr ein leeres Zimmer hinterlassen würde und doch machte sie bisher keinerlei anstalten sich einen neuen Lebensraum zu schaffen und so hockten beide weiterhin aufeinander.


Die Wolken am Himmel waren nur als dunkle Löcher oder als schwarze Leere vor dem sternenübersäten Hintergrund zu sehen. Viele Sternenhaufen waren mit bloßen Auge gut zu erkennen. Der Morgen war kühl, zwischen den Zweigen hing ein leichter Nebel. Die Sonne würde in den nächsten Stunden aufgehen hinter den Hügeln im Osten und nach langem warten einen schönen warmen Tag versprechen.
Haru wanderte allein durch die Straßen. Sie ließ sich wie eine Motte von dem Licht der entfernten Tankstelle anziehen.  Sie zögerte einen Moment, als das Licht der Tanktstelle nun endlich das verborgene enthüllte. Auf flachen Dächern, den Straßenlaternen und Zäunen saßen Vögel, schwarze Krähen. Es stimmt, sie war noch nie so betroffen von der Paranoia wie andere, doch sie könnte schwören, dass die schwarzen Augen der Tiere sie bis aufs Knochenmark durchbohrten. Sie brachte ihre Gedanken auf ihre Mutter, auf das Fernglas, mit denen sie gemeinsam, wenige Male, zusammen die Vögel beobachteten. Doch diesmal war es anders. Die Vögel beobachteten sie, weshalb sie zügig durch die automatische Tür wanderte. Helle Lichtquellen wirkten aus allen Richtungen ein und breiteten eine beruhigende Wirkung in ihr aus, bis sie merkte dass der Zustand in der Tankstelle keineswegs besser war. Sie rannte geradezu in eine lautstarke Unterhaltung zwischen einer Kassiererin und einem Kunden. "Hör mir einfach zu, Lisa." betonte er lautstark, während Haru durch die Gänge huschte "So, wo ist die Milch..?" "Hast du nicht die Nachrichten gesehen?!" schrie der Mann erneut, was das weghören erschwerte. "Beruhige dich erstmal, sonst bekommst du noch eine weitere Panikattake." sagte sie mit desinteressiertem Ton und klimperte mit ihren Nägeln auf einer Glasvitrine. "Es sind die Krähen, Lisa. Sie sind wütend." Während Haru nun hellhörig wurde, erstarrte sie mit einer Bio-Milch fest in der Hand. "Es gibt bereits viele Patienten auf der Intensivstation." Er wedelte wild mit dem Armen wobei Haru zum ersten Mal feststellte, dass er steril-weiß angezogen war. Ein schneeweißes Polo-shirt mit passender Hose. Nicht Wintertaugliches, doch Haru erkannte die kleine Marke neben seinem aufgestickten Namen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Krankenwärter der seine Arbeit aufschob um diese Botschaft zu übermitteln. "... ein Sanitäter?" murmelte sie zurückhaltend in ihren Schal. "Du weisst ich schnappe dann und wann Informationen über die Medien von der Kundschaft auf, aber sie übertreiben meistens, also lass dich nicht blenden." sagte Lisa nun deutlich tadelnd. "Du solltest die Stadt verlassen, Lisa."  Jetzt wurde Haru klar, dass der Unterton in seiner Stimme nicht nur bloße Angst war. Dieser Mann schien sehr Erschöpft.  Die Kassiererin ignorierte jedoch seinen Ratschlag und verdrehte nur ungläubig die Augen. "Glaub mir, du wärst der letzte Mensch, zu dem ich fahren würde, wenn ich wüsste, dass es nicht schlimm ist." "Du solltest zurück zur Arbeit, ihr seid schon unterbesetzt. Oder willst du Ärger mit deinem Vorgesetzten?." Schüttelte Lisa ihn ab. Wütend schlug er auf den gläsernen Tresen. "Nun sieh doch wenigstens einmal raus." seine stimme berühigte und ging fast in Verzweiflung unter.  Doch sie würdigte ihm kaum eines Blickes. "Lisa, warte wenigstens hier. Ich hole dich nach der Arbeit ab, versprochen." Damit verließ er denn Laden. Haru traute sich langsam zur Kasse und somit auch zur entnervten Lisa. Sie seufzte, doch ihre blauen Augen folgten seinen Blick. "Das ist ein Hirngespennst." sprach sie ohne Haru dabei anzuschauen. "Vergessen Sie was er sagte. Phil ist nur Paranoid." Paranoia, der Zustand der Haru bis heute fremd war. "Passen Sie trotzdem auf sich auf, Lisa." sagte Haru und verließ den Laden mit begründeter Besorgnis.

Hiromi lebte im östlichen Stadtteil, in einem Hochhaus mit Glasfassade, von dem man über die Stadt hinweg blicken konnte. Haru war zutiefst beunruhigt. Schnell ging sie weiter und dachte über die seltsane Diskussion nach. Trotz allem fühlte sie noch immer einen starren Blick auf ihrem hinterkopf. "Es wird schon gut gehen, Haru." Murmelte sie und beschleunigte ihr Tempo, doch stoppte als sie eine vertraute Figur an einer Fassade lehnen sah. Phil, der sich mit einer Hand am Geländer abstützte. Lisas ignoranz hatte ihn wohl sehr mitgenommen. Die andere Hand umklammerte fest sein Handy. "Die Notaufnahme ist voll?!" Haru starrte erneut nur fragwürdig. Hatte dies mit den Vögeln zutun? Waren sie wirklich sauer?

Phil verschwand kurze Zeit später hastig in Richtung Klinikum. Was sie seinem Gespräch entnehmen konnte, war dass auch das Personal, welches in wenigen Minuten die Schicht antreten sollte, betroffen war. Haru wurde sich allmählich den Außmaßen der Situation bewusst. An der Wand neben ihr hing beleuchtet ein abstraktes Plakat in schwarz-weiß. Abgebildet war eine Katze mit einem offensichtlich gesunden Appetit. "Karzen, huh?" Sie wandte ihren Blick ab und versuchte genauso Ignorant wie Lisa zu reagieren. "Lästige Tiere, nie wieder..."

Haru lief inzwischen mit einem sichereren Gefühl über den Parkplatz, direkt zur Lobby in der ein Fernseher des Wachmannes sie auf die Nachrichten  aufmerksam machen würde.  Sie hätte einen Reporter gesehen, welcher vor dem zentralen Krankenhaus stand in dem Phil arbeitete. Sie hätte die Attacken gesehen, die verletzten Menschen, doch ebenso eine hoffnungsvolle Statistik im Bildschrimrand, welche aussagte, dass bis zu dem Zeitpunkt keine Todesfälle gemeldet wurden. Die Meldungen hätten mit der Internetverbindung der Lobby ihrem Handy einen neuen SMS Rekord verpasst, da sie viele Newsletter abonniert hatte. Die Musik im Fahrstuhl, welche sie sonst verschmähte hätte sie beruhigen können. Wäre sie ins Apartment gegangen, dann hätte sie sich nach Hiromis Wohlbefinden persönlich erkunden können. Hiromi hätte die Nachrichten angesehen, sobald Haru bei ihr wäre, und dann würden sie ihre Kontaktliste durchforsten und ihre Bekannten informieren. Sie würden sich verbarrikadieren und Hiromi würde dies alles als Laune der Natur abstempeln, da ihr keine logische Schlussfolgerung einfallen würde. All dies wäre passiert, hätte Haru die Türschwelle der Lobby in diesem Moment erreicht.

ooOoo
Das war das erste Kapitel.
Es wird wahrscheinlich eine Geschichtsserie, da jede Geschichte sich mit einem bestimmten Fall befassen wird.
Ich schätze; dass diese etwa 7 Episoden haben wird mit mindestens 2 langen Kapiteln (oder mehr).
Ich bedanke mich fürs Lesen. Kritik ist gerne willkommen.
UND JAAAA, Romanze wird auch vorkommen allerdings mit dem Fokus auf die Fälle.
Ich geb mir weiterhin mühe und frohes neues Jahr!
TinyBlackSheep.
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