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Opferlämmer

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Citra Talugmai OC (Own Character) Vaas Montenegro
03.01.2016
31.03.2019
8
13.894
13
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10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
03.01.2016 2.095
 
Hallo!
Ich hab' ehrlich gesagt nicht viel zu sagen außer,
viel Spaß beim Lesen!
Und sorry not sorry für dieses einleitende Kapitel...

LG xRedPantherx

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1. Der Tag an dem es Geld regnete

Wenn es etwas gab für das ich mich in diesem Moment nicht interessierte dann war es Neelas Gequatsche über den neuen Jimmy Choo-Store in der 4th Street gegenüber unserer Uni. 40°C und pralle Sonne waren nicht unbedingt das Highlight dieser Expedition, die besagte Universität organisiert hatte. „Du solltest sowieso mal deinen Kleiderschrank ausmisten. Ich weiß zwar, dass du deinen eigenen Style hast aber bitch, einige von den Teilen trägst du seit Jahren nicht mehr.“
Übertrieben, ich kannte Neela erst seit zwei Jahren. Sie kann also gar nicht wissen was ich wie oft anziehen und was nicht.
Und warum denke ich jetzt darüber nach?
Mich von der Reling abstoßend lief ich hinüber in den Schatten wohin mir die lieblich schnatternde Neela sofort hin folgte, sich mit ihrer Gucci-Clutch Luft zufächernd. „Ich spüre deine Gereiztheit liebste Agnes und lasse dich mit dem Thema nun in Ruh'!“ „Amen!“ Mich bekreuzigend grinste ich meiner Freundin zu die zwar wie das clichéhafte, reiche Mädchen schlechthin wirkte tief im Innern jedoch ein richtiger Goldspatz war Betonung auf Gold.
„Die Insel sieht schon mal echt beeindruckend aus findest du nicht?“ Ich nickte. „Es heißt, dass es dort noch unerforschte Tierarten gibt, ha! Stell' dir vor ich entdecke eine solche! Dann wird sie nach mir benannt, haha!“ Ich schmunzelte nur und drehte einiger meiner Locken. „Die Luftfeuchtigkeit, ich weiß. Zum Glück habe ich Braids.“
Neela Zeilman kam vor zwei Jahren aus Europa nach Amerika um an unserer Uni zu studieren. Ihr Vater, Mr. Zeilman ist ein niederländischer Künstler der Neelas Mutter in der Elfenbeinküste kennengelernt hat. Beide leben in Rotterdam doch Neela hatte beschlossen ihren eigenen American Dream zu leben und kam zu uns. Um Biologie zu studieren während ihr Swarovski-Kugelschreiber Millionen an Checks ausfüllte für überteuerten Luxus. Ich glaube nicht, dass man das unter dem American Dream versteht doch hey, Zeiten ändern sich und wie man so schön sagt; Money makes the world go round.
„Ladies~ Professor Bloomberg meinte, dass wir an Land gehen.“
Todd Jenkins grinste uns im Vorbeigehen zu und deutete mit seinem Daumen kurz auf das grüne Dickicht. „Bin gespannt welche Ungeheuer darin lauern.“
„...Ich hoffe mal nicht noch ein paar deiner Brauen, Jenkins. Gott, die müssten echt mal getrimmt werden, nicht?“
Ich antwortete nicht einmal, sah stattdessen lieber zum Steg der immer näher kam.


Holz- und Wellblechhüten zogen sich an diesem Strandstrich entlang und wirkten so trostlos und heruntergekommen, dass man beinahe eine Gänsehaut bekam. Verlodderte Schilder und stinkende Fischkäfige kamen ebenfalls in Sicht und ich verzog das Gesicht als ich ein widerlich obszönes rotes Neonschild bemerkte.
„Hach...Mummy würde sich hier wie zu Hause fühlen~ Spaß!“
Neela kicherte und stieß ihre Hüfte an meine ehe sie einigen anderen aus unserem Kurs hinterherdackelte. Die Rampe war hinuntergelassen worden. Drängelnd tapsten alle unserem Professor hinterher, der in seinem durchgeschwitzten Hawaii-Hemd und dem Taschentuch mit dem er sich dann und wann die Stirn abtupfte einfach lächerlich aussah. Zumindest hat er auf die Sandalen verzichtet die er im Sommer in der Uni trug. Neela klammerte sich an meinen Arm und schien etwas mit den Zähnen zu knirschen. Ich folgte ihrem Blick und sah wie einige Jungs ein Mädchen aus unserem Kurs vom Steg ins Wasser warfen. Es war nicht tief und sie lachte auch, doch Neela rümpfte die Nase und zog mich mit sich Richtung Strand.
Neela hatte Angst vor Wasser und sie konnte nicht schwimmen.
Ich erinnere mich noch zu gut an die Hausparty die Mackenzie Brooks vor ein paar Monaten gegeben hatte. Etwas zu viel Alkohol hatte dazu geführt, dass Neela in den Pool fiel und beinahe ertrunken wäre. Der Notarzt war verständigt worden doch glücklicherweise hatte die Hausherrin selbst Neela herausfischen können und erste Hilfe leisten können. Wie auch immer, Neela hasste Wasser.
„Um Gottes Willen, ist das heiß hier. Professor, wann wird unser Gepäck entladen?“ Professor Bloomberg drehte sich zu uns und beäugte Neela mit seinen dunklen Schweinsäuglein.
„Dass muss ich noch rausfinden, Miss Zeilman. Wieso? Haben Sie etwas wichtiges in ihrem Koffer?“
„Meine Sonnencreme, Sir.“ Ich rollte die Augen und kramte in meiner Tasche während der Prof Neela mit ihrer Unsinnigkeit tadelte.
„Ich sage Ihnen Bescheid, wenn ich näheres weiß.“ „Hier, Neela.“ Ich überreichte ihr meine Tube, Lichtschutzfaktor 50 und sie strahlte wie eine Grinsekatze. „Danke, Schatz.“ „Was hast du eigentlich in deiner 'Tasche'?“ Bewusst setzte ich Gänsefüßchen und deutete auf die Clutch. „Du weißt schon, Lippenstift, Parfüm, Handy...apropos!“ Sie zückte ihr Smartphone hervor uns legte energisch einen Arm um meine Schultern.
„Lächeln Agnes!“
Sie schoss ein Foto und tippte sofort weiter. „Das kommt sowas von auf Insta. Hmph...Exkurs auf Urlaubsinsel – Einfach nur Unileben. Wie klingt das?“ „Ganz...okay. Denke ich.“ Die einheimischen Typen neben uns waren mir irgendwie nicht Geheuer. Immer wieder sprachen sie zusammen und warfen uns Blicke zu als wären wir hier alles andere als Willkommen. Ich könnte mich aber natürlich auch irren, denn Todd sprach einen von ihnen an und fragte (wie der Schnorrer der er war) nach einer Zigarette, die er auch lachend angeboten bekam. Mit gebrochenen Englisch unterhielten sich die Männer mit Todd der mit seiner offenen Art ziemlich gut ankam. Neela hatte sich unterdessen eingecremt.
„Soll ich dich auch?“ „Nein, danke.“ Ich packte die Creme wieder weg und lief gemächlich den Holzsteg entlang. Die Planken sahen morsch aus und man hatte das Gefühl bei jedem Schritt einzubrechen. Aber mal abgesehen von den etwas heruntergekommen Hütten war es hier wie im Paradies. Ein ehrliches Lächeln trat auf meine etwas rissigen Lippen und ich schnaubte amüsiert als Neela wieder begann von irgendwelchen Schuhen zu quatschen. Es war schon witzig wie das Leben so spielte. Nie hätte ich mir erträumt eine wunderschöne Insel, im Namen der Wissenschaft, zu besichtigen.
Da meine Eltern leider nicht über ein Kapital wie Neelas verfügten waren Urlaube für uns nie wirklich drin gewesen und wir hatten uns mit Stadtbesichtigungen und kleineren Campingausflügen innerhalb der Staaten begnügt. Und nun? Erst der Flug nach Bangkok und nun die Mini-Kreuzfahrt nach Rook Island. Zur Hölle, selbst wenn Professor Bloomberg mir sagen würde; Oh Miss Blanchard, es tut mir Leid aber Sie müssen nachts draußen schlafen! Es würde mich einen Dreck interessieren.


Lachend schüttelte ich Neelas Arm ab und lief den Steg hinunter, die Trägheit in meinen Beinen dabei verdrängend. „Na sieh mal an, wem da die Lebensgeister wieder eingehaucht wurden!“, rief Neela hinterher und schoss ein weiteres Foto von mir wie ich lachend im Sand stand, die Arme ausgestreckt als gäbe es kein trübes Wölkchen. „Agnes-BF-Wie man sie kennt und liebt~“, neckte Neela und tippte weiter frohlockend. „Wage dich das online zu stellen!“, schrie ich überdramatisiert und entlockte damit einigen Beistehenden ein Kichern. Etwas rot ließ ich die Arme sinken und lächelte ihnen verlegen zu.
„Erstes mal auf Insel?“, sprach mich einer nun direkt an und tippte kurz seinen Strohhut.
„Ja, es ist echt schön hier.“
„Hm, Orchideen blühen wieder.“
Etwas unangenehm war mir die Unterhaltung schon, denn abgesehen von seinem Geruch nach Schweiß, Schmutz und Zigaretten roch ich auch Alkohol und Gras und das machte mich etwas nervös. Klar hatte Professor Bloomberg uns darauf aufmerksam gemacht, dass Rook Island keinem Staat angehörte und auch keine nennenswerte Politik oder Wirtschaft betrieb, sodass Drogen hier schnell in Umlauf kamen. Auch gab es speziell dafür eine Art Drogen-Tourismus. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass Professor Bloomberg jedem versprochen hat, sollte er auch nur mit etwas anderem als Zigaretten und vielleicht gelegentlich Alkohol in Kontakt kommen, dies in seine Akte einzutragen. Und die Message kam an denn, naja wer möchte bei einem späteren Vorstellungsgespräch erklären wollen wie es dazu kam Kokain, Heroin oder LSD genommen zu haben?


„Miss Zeilman!“ Wenn man vom Teufel sprach. Verlegen verabschiedete ich mich von den Männern und lief hinüber zu meiner Freundin die sich samt Professor Bloomberg zu unserer Gruppe bewegte.
„Ich habe mit dem Kapitän gesprochen. Die Koffer werden entladen sobald die zweiten Jeeps kommen.“
„Und was ist mit den ersten?“ „Könnte mir vorstellen, dass wir darin sitzen.“, piepte ich dazwischen und Bloomberg grinste ein wenig.
„In der Tat. Sie bringen uns zum Hotel etwas weiter südlich.“ Neela nickte und verzog die Lippen zu einem vornehmen Kräuseln.
„Richtiger Service hier. Denkt man sich bei den Bruchbuden dahinten nicht.“ „Sie müssen wissen, Miss Zeilman, dass Rook Island früher durchaus floriert hat. Galt sogar eine Zeit lang als größte Fischerinsel hier im Südpazifik.“ Interessiert hakte ich nach. „Und was ist passiert?“ „Naja, Miss Blanchard, man ist sich nicht ganz sicher aber man munkelt, dass der Einheimische Stamm, sie nennen sich Rakyat, im Clinch mit den zugezogenen Händlern steht. Alles aber reine Spekulation.“
„Wir sind hier aber nicht inmitten eine Art Bürgerkrieg hinein, oder?“, erkundigte sich nun auch Todd der dazugestoßen war. Hatte wohl sein Raucherpäuschen beendet. „Keineswegs Mr. Jenkins. Sie tragen ihre Streitigkeiten nicht auf den Köpfen der Besucher aus.


„Endlich! Gott sei Dank.“, murrte Neela und ich war kurzzeitig verwirrt ehe ich begriff was ich meinte. Jeeps am Horizont die mit beeindruckender Geschwindigkeit zu uns fuhren.
„Ich hoffe die haben Klima.“
„Die haben nicht mal, Seitenfenster Zeilman!“
„Ich meinte ja auch das Hotel, Jenkins! Gott, was für eine Nervensäge.“, ergänzte sie nun und wand sich dabei mir zu. „Wir teilen uns ein Zimmer, nicht?“ „Logo.“, grinste ich sie an und senkte etwas den Blick als die roten Jeeps mit verblichenen Lack vor uns hielten.
Braungebrannte Männer, einige ohne Oberteil, dafür aber gut bewaffnet traten heraus und begutachteten uns störrisch. Staunend, typisch Männer, begutachteten unsere Jungs unterdessen die Waffen der Typen. Todd, wie immer etwas zu vorlaut, fragte ob er mal eine halten dürfte. Zu unserer Überraschung sagte man nicht nein und so bekam Todd sogar ein Foto mit einer Schrotflinte. Die Männer schienen sich darüber genauso zu amüsieren wie wir doch die Art wie sie lachten schien alles andere als freundlich. Professor Bloomberg zählte indessen durch und bemerkte nicht mal Todds Shenanigans.
„Okay, wir sind alle vollständig.“
„Dann ab in die Jeeps...“, murrte einer der Männer, Dreadlocks und Sonnenbrille, und sprang hinters Steuer. Quatschend verteilten sich alle auf die knapp sieben Jeeps und man freute sich offensichtlich schon auf kühle Hotelzimmer und kaltes Zitronenwasser. „Ich hoffe die haben 'nen Pool! Warte mal!“, Neela lehnte sich zu dem Glatzkopf vor der unseren Jeep steuerte, „Verzeihen Sie Sir, hat Ihr Hotel hier einen Pool?“ „Eh...nein...Miss.“ Ich kniff die Augen zusammen. Nicht nur wegen dem nicht vorhandenen Pool. Der Typ war etwas zu angespannt als er das Miss praktisch ausspuckte. „Oh Mann!“, Neela ließ sich zurück in den Sitz plumpsen und schmollte. „Naja, dann werden wir eben sooft es geht zum Strand gehen.“
„Keine Chance Neela.“, Gloria, das Mädchen das vorhin bereits einen Tauchgang machen durfte, drehte sich vom Beifahrersitz zu uns, „Das Wasser ist genauso warm wie die Luft. Abkühlung kannst du vergessen.“ „Oh Mann!“, wiederholte sich Neela und grunzte übertrieben verzweifelt. „Wehe da keine Eiswanne in meinem Zimmer steht.“
Ich traf die Blicke des Mannes im Rückspiegel. Er schien sich das Lachen verkneifen zu müssen. Und es wäre ein hämisches gewesen, wie vorhin. Ich sah zur Seite. Das grüne Dickicht rannte an uns vorbei und Büsche und Bäume verschmolzen ineinander.
Dann und wann sah man ein Tier und ich bewunderte die freie Laufbahn die hier auf Rook Island gepflegt wurde. Sicher würde man Angst haben unbeaufsichtigt alles zu entdecken aber dennoch. Auch fuhren wir an kleineren...Siedlungen? vorbei die (noch) weniger einladend wirkten als das nette Fischerdorf vorhin. Denselben Gedanken schien Gloria auch auszubrüten denn sie fragte nach. Außenposten, damit man die Tiere unter Kontrolle hielt. Ich schnaubte. Der Mann hatte aber lange gebraucht um mit einer Antwort rauszurücken. Gloria schien davon allerdings nichts mitzukriegen sah stattdessen wieder nach vorn.

Neela sprang auf. „Da vorne! Wir sind da, wir sind da, wir sind- Was zum Fick?!“ Auch meine Augen nahmen die Größe von Untertassen an als wir die Bruchbude von Hotel sahen, zerbrochene Fenster, keine Türen alles überwuchert und verwachsen. Ein Stein legte sich in meinen Magen als der Jeep ruckartig anhielt. Die anderen schienen genauso verwirrt wie wir und unruhiges Gemurmel trat auf. Einige wandten sich an Professor Bloomberg der ebenfalls ratlos schien. Kaum, dass er sich mit zittrigen Händen zu einem der Männer drehte und nachfragen wollte was dieser Scheiß sollte, höflicher ausgedrückt natürlich, knallte man ihm die Waffe ins Gesicht. Ohnmächtig fiel Professor Bloomberg um. Kurze Stille herrschte unter unsereins.
Dann brach die Hölle los.
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