Um der Rache willen

von Torbr
KurzgeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Drachen Elben & Elfen Zauberer & Hexen
03.01.2016
03.01.2016
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Tief in der hintersten Ecke der heruntergekommenen Dorfkneipe saß Loyer allein an seinem Tisch und nippte leicht an dem Kräuterschnaps, den er sich bestellt hatte. Die Kapuze seines Umhangs hatte er weit über den Kopf gezogen, sodass sein Gesicht im Schatten verborgen blieb. Aufmerksamkeit war das letzte, das er gebrauchen konnte, insbesondere inmitten eines Menschendorfs. Seine eigene Aufmerksamkeit jedoch galt voll und ganz der kleinen Gruppe Männer, die am Tresen saß.

Es waren drei an der Anzahl. Er schätzte zwei von ihnen auf gut über dreißig, wohingegen der Mann, welcher zwischen seinen beiden Gefährten saß noch recht jung, vielleicht Anfang Zwanzig wirkte. Sie trugen allesamt abgenutzte Kleidung und der fast schon ekelerregende Geruch von wochenaltem Schweiß drang Loyer heftig in die Nase. Es war offensichtlich, dass es sich um irgendwelche armen Bauern handelte. Und doch war ihr Gesprächsthema von höchstem Interesse für ihn. Der junge Mann saß nämlich schluchzend da, hatte sein Gesicht in die geschundenen Hände gelegt und wurde von seinen beiden Kameraden brüderlich getröstet. Während diese natürlich jeder einen Humpen Bier in der Hand hielten.

Loyer spitzte seine Ohren.

„Warum musste er sie holen? Ich habe mich ihm flehend angeboten! Aber er? Er hat sie einfach nur –oh meine arme, kleine Iris!“  hörte er den Jüngeren heulend fluchen, während der Mann rechts neben ihm, der stämmigste der drei, mit einem dichten, schwarzen Bart und langem, zerzaustem Haar, ihm den Arm um die Schultern legte und tröstend sprach: „Du konntest nichts tun Helmond. Niemand von uns hätte etwas tun können. Dieser geschuppte Bastard macht einfach was er will und behandelt uns wie billiges Weidevieh!“ „Ich sage schon immer, wir sollten unsere Dukaten zusammenlegen und einen dieser Drachenjäger anheuern!“ warf der dritte im Bunde schon leicht angetrunken und genehmigte sich einen weiteren Schluck aus dem großen Humpen. Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte Loyer, wie die anderen Gäste der Kneipe mit einem Schlag, ihre Aufmerksamkeit dem Trunkenbold widmeten.

„Bist du noch ganz bei Trost, Bertel? Die meisten von diesen Kerlen werden steckbrieflich von den Spitzohren gesucht! Und selbst wenn wir einen von ihnen finden, glaubst du, wir arme Schlucker könnten den Betrag aufbringen, den der Jäger verlangt?“ widersprach der Schwarzhaarige seinem Kumpanem laut und einer der anderen Gäste warf lautstark ein: „Außerdem sind die meisten von ihnen Magier!“ Zustimmendes Gemurmel erfüllte den gesamten Schankraum und Loyers Haltung versteifte sich etwas. Menschen hassten Magie und all jene die sie einsetzten, woran die Kirche mit ihren Parolen, dass Magie das Werk des Teufels wäre nicht ganz unschuldig war. Umso erstaunter war er, als der Mann, der offensichtlich seine kleine Tochter verloren hatte hasserfüllt entgegnete: „Lieber würde ich die Hilfe eines Magiers in Kauf nehmen, als weiter unter der Tyrannei dieses Drachens zu leiden! Soll doch meine Seele dafür in die Hölle fahren, doch wenn wir damit verhindern können, dass dieses Monster Monat für Monat unsere Söhne, Töchter und Frauen frisst, dann, bei Gott, würde ich dafür alles geben!“ Daraufhin verstummte die komplette Kneipe und jeder der Gäste sah betroffen und beschämt zu Boden.

Loyer, beeindruckt von dem Mut des Mannes, eines der Gebote der Kirche zu missachten, sah sich aufmerksam um und bemerkte zufrieden, wie immer mehr der Männer dem Vater murmelnd zustimmten. Jeder der Anwesend besaß Familie und viele von ihnen hatten bereits die Grausamkeit des Drachens am eigenen Leib erfahren. ‘Der Klerus mit seinem dummen Geschwätz mag zwar ihren Geist vergiftet haben, doch die Realität ist immer noch das beste Gegengift.‘ dachte er und leerte das Schnapsglas vor sich, bevor er aufstand und dabei sein Schwert von der Bank auflas. „Wohl gesprochen Helmond. Auch ich würde alles dafür geben, meine kleine Evy, Sepp und Martha in Sicherheit zu wissen. Aber es bleibt immer noch die Frage offen, wie wir so viel Gold zusammenklauben sollen? Niemand im Dorf besitzt mehr als ein paar Silbermünzen.“ meinte der Schwarzhaarige und fuhr sich seufzend über die Augen.

„Behaltet euer Geld, Mensch. Sagt mir einfach nur, wo ich den Drachen finden kann.“

Sofort richtete sich die ganze Aufmerksamkeit im Schankraum auf Loyer, der mit seinem schweren Kapuzenumhang direkt hinter die drei Männer getreten war, wobei er nur ein paar Zoll größer war, als jene. Diese sahen ihn vollkommen verdutzt an, bis der schwarzhaarige sich schließlich einen Ruck gab und nach einem lauten Räuspern fragte: „Und ihr seid ein Drachenjäger?“ „Sagen wir es so, ich habe noch die ein oder andere Rechnung mit ihnen offen.“

Er neigte leicht den Kopf nach vorn, sodass die Spitze seiner Schnauze aus dem Schatten der Kapuze herausragte. Die Drei vor ihm, die diese Kleinigkeit in der schummrigen Beleuchtung als einzige sahen, erschraken aufs heftigste und wurden todbleich im Gesicht.

„Ihr – ihr seid ein Drakol!“ „Du hast gute Augen, Mensch. Aber verschwendet nicht meine Zeit. Ihr wisst, wo sich dieser Drache aufhält? Ich habe in den letzten paar Tagen versucht, seine Spuren zu finden, doch er nutzt scheinbar eine Art magischen Talisman, um sie zu verbergen.“ entgegnete Loyer ernst und verbarg seinen Kopf wieder vollständig. Der schwarzhaarige Mann schluckte schwer, entschied sich jedoch langsam zu nicken. „Ja, seine Höhle liegt etwa zwei Tagesmärsche gen Norden, am Fuß des ‘Grauen Riesen‘. Sie ist nur schwer zu erreichen, da der Wald an dieser Stelle sehr dich steht, noch dazu liegt sie knapp hundert Fuß über dem Boden.“ Loyer knurrte verdrossen. „Der ‘Graue Riese‘, das hätte ich mir auch denken können. Gut, ich werde mich um ihn kümmern. Erwartet mich im Morgengrauen zurück.“ Mit diesen Worten, drehte er sich um und huschte geschwind aus der Kneipe, noch bevor einer der Anwesenden etwas erwidern konnte.

Er wusste nun, wo sich sein Ziel aufhielt und wollte keine weitere Zeit vergeuden. Schon nach wenigen Sekunden Spurt, befand er sich außerhalb des kleinen Bauerndorfs, wo er sich eiligst den Umhang von den Schultern riss und einfach in seine Umhänge Tasche stopfte, die auf Höhe seiner rechten Hüfte hing. Er seufzte innerlich, endlich nicht mehr seinen Schwanz eng an den Rücken gepresst zu halten und mit einem lauten Flattern entfalteten sich seine drachenartigen Schwingen, die er ebenfalls unter dem Umhang versteckt gehalten hatte. Mit einem mächtigen Satz, schwang er sich in die Lüfte und gewann mit einigen kräftigen Flügelschlägen schnell an Höhe.

Die Nacht war sternenklar und der abnehmende Mond tauchte das Land unter ihm in sein  silbriges Licht. Der Wind, der ihm entgegen stieß, war kühl und zerzauste seine silberne Mähne. Die verzauberte, schwere Lederrüstung, welche er trug, verhinderte, dass seine blau-silbernen Schuppen das Mondlicht reflektierten. Lediglich sein Gesicht, beziehungsweise seine Schnauze, und der Schwanz lagen relativ frei. Im Gegensatz zum Rest seines Körpers, waren die feinen Schuppen an seinem Kopf fast rein silbrig gefärbt, wohingegen die an seinem Schwanz fast ausschließlich blau waren. Mituviel hatte sein Schuppenmuster immer geliebt, den blauen Kern inmitten der Schuppe und ein metallisches Silber darum herum und ihn sogar den Hintern versohlt, als er einmal versucht hatte, sie mit Magie einfarbig Silber zu machen.

Der kurze Gedanke an seine verstorbene Ziehmutter verstärkte seinen Hass auf den Drachen, den er jagte noch einmal und mit hochgezogenen Lefzen sah er dem ‘Grauen Riesen‘ einem knapp 5.000 Fuß hohen, einsamen Berg entgegen, der seinem Namen dem grauen Gestein verdankte, aus dem er bestand.  Es dauerte nur knappe drei Stunden, bis er nah genug an den Berg herangeflogen war, um ihn nach dem Eingang zum Hort des Drachens abzusuchen. Auf seine Nase konnte er sich dabei nicht verlassen, da der Talisman auch den Geruch des geschuppten Untiers verbarg. Den einzigen Trost, den er hatte, war, dass sein verzauberter Ring, den gleichen Effekt hatte. So also suchte er den kahlen Fels des Riesen mit seinen kristallblauen Augen ab und flog dabei so dicht über dem Wald, wie er nur konnte.

So würde der Drache ihn nicht direkt sehen, falls er vor seiner Höhle auf einem Vorsprung saß.

Er brauchte einige Minuten und musste etliche Kreise drehen, bis er endlich den Eingang entdeckte. Er lag, wie von dem Mensch beschrieben, knapp hundert Fuß über den Baumwipfeln und bot Platz für einen knapp hausgroßen Drachen. Der Vorsprung davor, war nur so von Kratzspuren seiner mächtigen Krallen überzogen. Nun hieß es leise sein. Wenn er einen harten und blutigen Kampf vermeiden wollte, brauchte er das Überraschungsmoment. Vorsichtig setzte er direkt vor der Höhle zu Landung an. Seine schweren Stiefel setzten zum Glück relativ leise auf dem abgekratzten Felsgestein auf und mit einem schwachen, metallischen Schaben zog Loyer das einhändige Elfenschwert aus seiner Scheide. Mituviels letztes Geschenk. Das erste, das ihm auffiel, als er die Höhle betrat, waren die vielen skelettierten Überreste, sowohl von Tieren, als auch Menschen.  Es waren zwar keine vollständigen Skelette, doch Loyer erkannte einen menschlichen Schädel, wenn er einen sah.

‘Keine große Überraschung, schließlich hat der Mensch ja gemeint, dass der Drache seine Tochter gefressen hat. Ich frage mich nur –‘ dachte er angewidert und bezweifelte, dass der Drache seine Beute bereits getötet hatte. Der Drakol hatte auf seinem Rachefeldzug schon mehrere solcher menschenfressender Monster beseitigt und allesamt hatten sie perverses Vergnügen damit gehabt, mit ihrer Beute zu spielen, sie im ganzen zu verschlucken und immer wieder hervorzuwürgen, nur, um sie wenige Augenblicke später wieder in ihren glühenden Magen zu befördern. Oder Schlimmeres. Für gewöhnlich hatte Loyer jedoch kein Mitleid mit diesen Menschen, schließlich waren sie es, die ihn immer wieder an den Klerus, oder die verfluchten Elfen verrieten. Es widerte ihn nur der Gedanke daran an, dass ein Drache überhaupt mit einem fühlsamen Wesen seine grausigen Spielchen trieb, unabhängig davon, ob es nun ein Mensch war, oder nicht.

So überraschte es ihn nicht, das geschuppte Monstrum bei gerade solch einer Aktion zu ertappen, als er vorsichtig um die nächste Ecke lugte.

Der Drache, ein etwa 30 Fuß langes, ausgewachsenes, rotes Männchen, was Loyer an den Stacheln am Schwanz erkannte, lag auf der rechten Seite und schleckte mit seiner rauen Zunge genüsslich über die nackte Haut des Mädchens, das er vor sich in seiner Pranke hielt. Ihre Haut war knallrot, angefressen vom starken Magensaft und etliche Kratzer und Bissspuren waren über ihren gesamten Körper verteilt. Sie war vielleicht gerade einmal 12 Jahre alt. Zu ihrem Glück schien sie ohnmächtig zu sein und bekam so nicht mit, wieder rote Lüstling, sich an ihrem jungfräulichen Körper verging.

Es war das Letzte, was der Drache je in seinem Leben tun würde.

Mit grimmiger Miene begann Loyer leise eine Zauberformel zu murmeln und legte die Hände übereinander, sodass die Handflächen auf den geschuppten Bastard zeigten. Eine eisige Kälte begann sich an seinen Fingerspitzen auszubreiten, welche sich dann mit einem Schlag entlud, als er das letzte Wort des Zaubers aufsagte. Wie ein Blitz raste ein knapp armlanger, rasiermesserscharfer Eisplitter auf den Drachen zu und traf ihn mittig in den Halsansatz. Die Echse jaulte gurgelnd und schlug instinktiv um sich, wobei das Mädchen gegen die Höhlenwand geschmettert wurde. Wild blickte der Drache sich um und fixierte dann Loyer, der gelassen im Gang stand. Wütend brüllend wollte er sich aufrappeln, doch die Wunde forderte ihren Tribut und er sank zurück auf den Boden. Der Drakol hatte genau dort getroffen, wo er seinen magischen Eisblitz hinbeordert hatte. Direkt durch Speise- und Luftröhre hindurch mit einem leichten Schnitt an der Halsschlagader.

Doch die Wunde selbst, war nicht das Gefährliche.

„Ihr Drachen seid dermaßen arrogant und von euch eingenommen, dass ihr nicht einmal daran denkt, dass euch jemand in eurem Hort angreifen könnte. Versuch gar nicht erst aufzustehen, oder Feuer zu spucken, der Eisbolzen in deiner Brust ist verzaubert. Du solltest spüren, wie sich die Kälte langsam aber sicher immer weiter in deinem Körper ausbreitet und dein Herz umschließt.“ erklärte Loyer mit gehässiger Stimme und trat mit dem Schwert an die Schulter gelehnt an den Drachen heran, der ihn zwar hasserfüllt anstarrte, aber nicht einmal mehr eine Kralle rühren konnte. Der Frostbrand, von dem der Drakol sprach hatte sich inzwischen bereits bis zur Brust hin ausgebreitet und hüllte die blutroten Schuppen in ein kristallblaues Eis ein.

„Du – du bist – Abschaum – Drakol! Deine – gesamte – Rasse!“ brachte der Drache knurrend hervor, während seine Atmung immer keuchender wurde. Loyer nickte mit gespielt beeindrucktem Ausdruck. „Große Worte für einen im Sterben liegenden Drachen, der gerade damit beschäftigt war, ein kleines Mädchen zu vergewaltigen.“ meinte er sarkastisch und trat der Echse mit voller Wucht in die Seite, gefolgt von einem schmerzerfüllten Jaulen. „Monster!“ krächzte der Drache jaulend, worauf der Drakol trocken lachte. „Ein Monster, ich? Du bist wohl der letzte, der jemanden so bezeichnen darf, Drache!“

Dann zog er skeptisch eine Augenbraue empor, als er den magischen Talisman erblickte, der feinsäuberlich an einer der Brustschuppen angebracht worden war. Er erkannte seine Herkunft sofort. „Du beschmutzt die Handwerkskunst meiner Mutter, Drache.“ knurrte er wütend und riss den Talisman mit einem Ruck von den mittlerweile steifgefrorenen  Schuppen. Er besah sich den feinverzierten, kleinen Metallgegenstand kurz und verstaute ihn dann in seiner Tasche, bevor er nach vorne zum Kopf des Drachens trat, dessen Atmung nun fast nicht mehr zu sehen und hören war. Der blaue Frostbrand hatte inzwischen seine Kiefer erreicht und der Blick der Echse wurde starr vor Angst. Noch ein paar Sekunden und der Bastard würde, ohne großen Schmerz, sterben, doch Loyer holte weit mit seinem Schwert aus und Hieb dann mehrmals hasserfüllt auf den Schädel des Drachens ein. Blut spritzte über seine Panzerhandschuhe, die Hose und die Arme und mit einem letzten Stich trieb er die Klinge brüllend durch das Auge des Reptils, genau in dem Moment, als auch das Eis jenes erreichte.

Wie Glas zersprang der gesamte Kopf des Drachens in tausende Splitter und verteilten sich kullernd über den blutbenetzten Höhlenboden. Lediglich die gewundenen Hörner waren noch ganz. Wütend bespucke Loyer den nun kopflosen Leichnam seines Widersachers und knurrte hasserfüllt: „Für das was dein Volk mir angetan hat, bist du noch viel zu glimpflich davongekommen!“ Anschließend wischte er das Elfenschwert an seinem Ärmel ab, steckte es zurück in die Scheide und trat hinüber zu dem malträtierten Mädchen, das blutend und zusammengesackt an der Wand lag.

Er fluchte leise, als er sie nun genauer betrachten konnte.

Der Drache hatte sich offensichtlich auch mit seinem Gemächt an ihr vergriffen, ihr kompletter Hüftbereich war eine einzige braunrote Masse aus Fleisch, Knochen, Innereien und Körperflüssigkeiten, dessen ekelerregender Geruch Loyer in die Nase stieg und über die er überhaupt nicht nachdenken wollte. Das Schlimmste war jedoch, dass das Mädchen immer noch am Leben war, von was für feinen Fäden ihre Seele auch immer dort noch gehalten wurde. „Tut mir Leid Kleine, das einzige was ich dir noch geben kann, ist einen schnellen Tod.“ sagte er kopfschüttelnd und zog erneut sein Schwert. Ein Hieb später war das junge Mädel von seinen Qualen erlöst.

Er blickte noch einmal auf den mittlerweile komplett eingefrorenen Kadaver des Drachens und wünschte sich insgeheim den Eisblitz nicht eingesetzt zu haben. Dieser Bastard hatte weit mehr verdient, als er bekommen hatte. Mit knirschenden Zähnen stapfte er wieder zurück zum Höhleneingang und wischte währenddessen sein Schwert erneut an der Hose ab. Im Vorbeigehen, klaubte er eines der armlangen Hörner auf und schob es zu seinen anderen Utensilien in die Tasche. Draußen angekommen schloss er für kurzen Moment die Augen und atmete erleichtert die frische, kühle Nachtluft ein.

Ein weiterer toter Drache auf seinem Rachefeldzug und viele weitere würden noch folgen. Solange, bis entweder alle Drachen aus dem getilgt waren, oder aber er selbst sein Ende zwischen den Zähnen einer der Echsen fand. ‘Jetzt gilt es nur abzuwarten, was die Menschen wieder ausgeheckt haben. Das letzte Mal haben sie mir die Kirche und die Elfen gleichzeitig auf den Hals gehetzt. Undankbares Pack.‘ dachte er grimmig und hoffte, dass diese einfachen Bauern davon absehen würden. Vielleicht würden sie ihm sogar einen Hinweis auf seinen nächsten Drachen liefern. Zum Dorf zurückkehren würde er ohnehin, sein Ehrgefühl war zu groß dafür, um ohne Bescheid zu geben abzuhauen. So also verstaute er sein Schwert wieder in der Scheide, vergewisserte sich, dass sein Beutel fest verschlossen war und schwang sich dann mit Anlauf zurück in die Lüfte.

Während des Fluges begann allmählich  die Nacht dem Tag zu weichen und weit entfernt am östlichen Horizont begann die Sonne über den Tellerrand zu lugen. Schon bald ließ er den ‘Grauen Riesen‘ weit hinter sich zurück und der Wald wich einer grünen Ebene, welche die Bauern als Vieh- und Ackerland nutzten. Das Dorf lag in der Nähe eines kleinen Sees, von dem aus sich ein schmaler Fluss mitten durch die Siedlung wand. Schon von weitem konnte die kleine Menschenmasse erkennen, die sich vor dem nördlichen Eingang des Dorfes versammelt hatte und setzte zu Landung an. Die Mensch wichen mit lauter erschreckten und überraschten Ausrufen vor dem gerüsteten Drakol zurück und bildeten so unfreiwillig einen Halbkreis um ihn herum.

Loyers Miene war hart und die Augen skeptisch, während er jeden einzelnen der Bauern, sowohl Männer, als auch Frauen, betrachtete. In der Luft lag ein nicht näher zu beschreibender Geruch, der ihm zweifelsohne bekannt vorkam, er jedoch nicht auf die Schnelle zuordnen konnte. Einige der Männer trugen lange Mistgabeln bei sich und ihre zittrigen Hände verrieten ihm, dass sie ihm kein Stück weit trauten. Vorsicht war geboten. Der junge Mann, den er in der Nacht zuvor in der Kneipe belauscht hatte, trat als einziger auf Armlänge an ihn heran und meinte mit ehrfürchtiger, ängstlicher Stimme: „U –und? K – k – konntet ihr die Bestie erlegen, Meister Drakol?“ Zur Antwort kramte der Drakol das abgetrennte Horn des Drachens hervor und warf es dem Bauern vor die Füße. „Der Drache ist tot, Mensch. Eure Tochter wurde gerächt und niemand aus eurem Dorf, wird je wieder von diesem Ungetüm bedroht werden.“ knurrte er einschüchternd und zeigte dabei seine scharfen Reißzähne.

Alle umstehenden Bewohner starrten nacheinander zuerst das am Boden liegende Horn und danach den mit verschränkten Armen dastehenden Loyer an. Dieser begann lauernd mit seinem Schwanz hin und her zu wedeln, während das Gemurmel der Menschen immer lauter wurde. Von dem, was er mit seinem ausgezeichnetem Gehör aufschnappte, hatte scheinbar keiner von tatsächlich damit gerechnet, dass er Erfolg haben würde. Schließlich trat der schwarzhaarige, ältere Mann von gestern Nacht neben seinen Kameraden und setzte ein Lächeln auf, dass Loyer sofort als falsch erkannte. Etwas stimmte ganz und gar nicht. Seine gesamte Muskulatur spannte sich an und seine Hand wanderte langsam hinunter zum Griff des Schwerts. Seine Ohren stellten sich überrascht auf, als der Mensch zwischen seinen falsch lächelnden Zähnen ihm ernst zuraunte: „Verschwindet von hier Drakol! Kurz nach eurem Aufbruch tauchte eine ganze Kompanie Spitzohren hier im Dorf auf, sie warten zwischen den Häusern versteckt auf euch. Bitte, flieht!“

Diese Warnung legte sofort einen Schalter in Loyers Gehirn um. Ohne länger zu warten sprang er aus dem Stand heraus auf das nächstbeste Hausdach und von dort direkt in die Luft. Mit einigen Flügelschlägen gewann er rasch ein paar Meter an Höhe, doch er konnte laut und deutlich den Elfenkommandanten unter sich Befehle brüllen hören. Im nächsten Moment zischten auch schon Dutzende von spitzen Pfeilen an seinen Ohren vorbei. Instinktiv begann er wild im Zickzack hin und her zufliegen, um es den Bogenschützen so schwer wie möglich zu machen einen Treffer zu landen. Er fauchte unwillkürlich, als eines der Geschosse seinen gedrungenen Schwanz aufschlitzte. Er musste höher kommen! Zwei weitere Pfeile durchbohrten die feine Flügelhaut seiner linken Schwinge und brachten ihn leicht ins trudeln. Doch er zwang sich trotz der enormen Schmerzen weiterzufliegen. Glücklicherweise prallte ein weiteres Geschoss wirkungslos gegen seine verstärkte Brustplatte und ein fünftes blieb im Leder seiner Hose stecken.

‘Noch weiter!‘ rief er sich krampfhaft in Gedanken zu, während er spüren konnte, wie ihm das Flügelschlagen immer schwerer fiel. Eine letzte Salve Pfeile erreichte ihn. Drei durbohrten und zerrissen die Flügelhaut seiner rechten Schwinge und ein vierter schnitt tief durch seine Wange. Unglaubliche Schmerzen übermannten ihn. Seine Flügel brannten, als hätte er sie in siedendes Öl getaucht und auch die Wange pochte, wie wenn er ein glühendes Eisen darauf gepresst hätte. Aber er hatte es geschafft! Mit einem letzten kraftvollen Schlag, durchbrach er die Wolkengrenze und keuchte erleichtert.

Doch Erleichterung, war fehl am Platz.

Er verlor unbemerkt große Mengen Blut durch seine Wunden in der Flügelhaut und durch die ständige Belastung durch seinen Flug vergrößerten sich die Risse und Löcher in ihr noch weiter. Ihm wurde schummrig im Kopf und er dachte mit pochendem Herzen daran seine Flughöhe zu verringern, um nicht hunderte Meter in die Tiefe zu fallen. Mit ausgebreiteten, blutig zerfetzten Schwingen setzte er zu einem steilen Sinkflug an, während sein Bewusstsein immer weiter in die  Leere abdriftete. ‘Muss runter. Flughöhe – verringern. Absturz.‘ schoss es ihm durch seinen benebelten Verstand und mit einem Schlag wurde alles Schwarz.

Wie ein Backstein begann der Drakol bewusstlos gen Boden zu trudeln und wurde dabei vom Wind stark nach Westen in ein bewaldetes und hügeliges Gebiet getragen. Er wurde immer schneller und schneller und nur seinen fixen Verstand hatte er es zu verdanken, dass er bis auf knapp 300 Fuß abgestiegen war, bevor er ohnmächtig wurde. Dennoch katschte er nach schier endlosen Sekunden heftig durch das Blätterdach des Waldes, durchbrach etliche Zweige und Äste auf dem Weg nach unten und landete, stark vom Laubwerk abgebremst, im kühlen Wasser eines kleinen, kristallklaren Sees.

Der Aufschlag im eiskalten Wasser war wie ein kurzer Weckruf für den bewusstlosen Loyer, der prustend, keuchend und nach Luft schnappend, wild  im Wasser umher patschte, um nicht unterzugehen, bis er sich dazu zwang in eine bestimmte Richtung zu schwimmen. Nach ein schieren Unendlichkeit für ihn, bekam er endlich Land unter seinen Fingern zu spüren und völlig erschöpft schaffte er es gerade noch so sich auf den Rücken zu wuchten, bevor er erneut vollkommen entkräftet zusammenbrach. Dieses Mal jedoch in der relativen Sicherheit des Ufers. Die Stunden vergingen, während der Drakol von den leichten Wellen des Sees hin und her gewippt wurde. Das Wasser half ihm sogar in gewisser Weise seine Verletzungen zu überstehen, da es durch seine extreme Kälte dafür sorgte, dass sich seine Blutgefäße zumindest leicht zusammenzogen.
Es stoppte seine Blutungen also auf natürliche Weise.

Es war schon später Nachmittag, als Loyer allmählich wieder zu sich kam und es fast augenblicklich bereute. Sein gesamter Körper fühlte sich an, als hätte man ihn zunächst mit Dreschflegeln verkloppt und anschließend durch eine Mange gedreht. Insbesondere seine Flügel schmerzten extrem. Vorsichtig richtete er sich auf, woraufhin sich, aufgrund seines enormen Blutverlusts, tausende Sternchen vor seinen Augen auftaten. Er brauchte einige Minuten, um sich halbwegs zu akklimatisieren und einen halbwegs klaren Kopf zu bekommen.

‘Ich hatte großes Glück. Die Äste im Laubdach müssen meinen Sturz gut abgebremst haben, bevor ich in den See gefallen bin. Ich kann mich nicht daran erinnern an Land geschwommen zu sein, entweder habe ich mich irgendwie im halbwachen Zustand hierhergeschleppt, oder die Wellen haben mich glücklicherweise ans Ufer gespült. Argh! Egal, ich muss erst einmal nach meinen Verletzungen sehen, bevor ich überhaupt anfange darüber nachzudenken, was geschehen ist. Ich habe mir mindestens zwei Rippen und beide Flügel gebrochen!‘ überlegte Loyer mit zusammengepressten Kiefern und begann dann langsam und behutsam seinen Körper zu untersuchen. Dazu musste er jedoch zunächst irgendwie seine Lederrüstung ablegen, was an sich schon schwer genug war, mit zwei gebrochenen Flügeln, geprellten Schultern und angebrochenen Rippen. Er benötigte geschlagene 20 Minuten, bis er endlich die Hose auf die Stiefel und das Oberteil pfeffern konnte.

Nun saß er splitterfasernackt im eiskalten Wasser, was ihm aufgrund Abstammung nicht allzu viel ausmachte und untersuchte zaghaft seine fast völlig zerfetzten Flügel. Von der hellblauen Flügelmembran waren nur noch vereinzelte Fetzen übrig, die auch mehr schlecht als recht an den schmerzhaft verformten Flügelknochen hingen. ‘Ich kann mit Magie die Knochen richten, aber fliegen wird wohl für die nächsten Wochen erst einmal ausfallen müssen.‘ stellte er grimmig fest und betastete dann sachte seinen Brustkorb, wobei er schmerzerfüllt grunzte. Wie sich herausstellte waren nicht nur zwei, sondern drei seiner Rippen angebrochen. Noch bevor er sich seinen weiteren Verletzungen widmete schloss der Drakol für einen kurzen Moment die Augen, um sich zu konzentrieren. Dann begann er leise murmelnd einen Heilzauber aufzusagen, der seine gebrochenen Rippen wieder richten würde. Es forderte eine große Menge an Energie von ihm und er atmete danach schwer, doch sobald er die Formel beendet hatte, füllte sich seine gesamte Brust kurz mit einem wohlig warmen Gefühl, welches genauso schnell wieder verschwand, wie es gekommen war. Erneut betastete er vorsichtig seine Rippen und stellte zufrieden fest, dass Mituviels alter Heilzauber seine Wirkung getan hatte.

Die restlichen  Wunden waren weitaus weniger gravierend, als Loyer zunächst angenommen hatte. Die meisten von ihnen waren nur einfache Prellungen oder Verstauchungen, nichts weiter ernstes. So kümmerte er sich schließlich mit einem weiteren Zauber um die Knochen seiner gebrochenen Flügel und musste mehrfach schmerzerfüllt stöhnen, als sich die Knochen magisch an ihren angestammten Platz zurückschoben. Leider kostete es ihn fast den Rest seines Energievorrats, weshalb ihm anschließend stark der Magen knurrte. „Soweit, sogut.“ murmelte er in Gedanken, als er sich daran machte die Wundränder seiner Flügelhaut, sowie seinen malträtierten Schwanz und die Wange mit Arznei aus seinem Reisebeutel zu behandeln.

Nachdem er damit fertig war, verstaute er die Salben und Tinkturen wieder feinsäuberlich in der wasser- und feuerfesten Tasche, zog die Beinkleider und Stiefel an und stopfte den Rest seiner Rüstung irgendwie auch in dem Beutel, welcher dadurch nun bis zum Bersten gefüllt war. Sein Schwert befestigte er sicher am Gürtel, sodass er nun mit nacktem Oberkörper und geschulterter Tasche im seichten Wasser stand und sich umsah. Seine Beine waren noch etwas wackelig von den kräftezehrenden Zaubern, weswegen er die Pause, die er brauchte, nutzte, um darüber nachzudenken, was geschehen war.

‘Diese drecks Elfen müssen mir von Kentol her gefolgt sein. Verfluchte Scheiße! Hätte der Mensch mich nicht gewarnt, wäre ich blindlings in ihre Falle getappt. Tod oder lebendig am Arsch, das steht einfach nur so auf dem verdammten Steckbrief. Wenn die mich in die Finger bekommen, lande ich aufgeknüpft am nächstbesten Baum. Warum können nicht mehr von deinem Volk so sein wie du Mutter? Jetzt helfen sie schon diesen feuerspeienden Eidechsen dabei, die letzten von uns zu jagen. Wie die Tiere! Aber ich werde es ihnen schon zeigen. Gnade war einmal. Die nächste Elfenpatrouille, die mir über den Weg läuft, wird sich wünschen nie geboren worden zu sein! Aber jetzt muss ich erst einmal herausfinden wo ich bin. Ein See und ein Wald? Schon mal ein guter Anfang, das könnte überall im nördlichen Königreich sein.‘ dachte der Drakol hasserfüllt und zog unwillkürlich die Lefzen nach oben, eine Eigenart, die nicht einmal Mituviel ihm hatte austreiben können.

So also sah er sich genauestens in der Umgebung um, doch selbst als er auf seinen immer noch zitternden Beinen knapp 1.000 Fuß in die Richtung, in der er Westen vermutete, durch den Wald stapfte, sah er nichts als große, dichtbewachsene Bäume und gelegentlich einen felsigen Hügel. Hier und da konnte er kleine Tiere im Unterholz herumspringen hören, was seinen Magen nur noch stärker knurren ließ. Was würde er jetzt für ein knusprig gebratenes Kaninchen geben? Fürs erste begnügte er sich jedoch mit den Blaubeeren, die er eilig von einigen Sträuchern pflückte und in das Maul warf. Seine Zähne eigneten sich nicht sonderlich zum kauen, aber zumindest leicht zerbeißen konnte er die kleinen Beeren.

So ging der Tag, der derartig hektisch begonnen hatte, eher ruhig zu Ende und Loyer legte sich für die Nacht an einen mit dichtem moosbewachsenen Baumstumpf. Schlaf war für ihn ein ohnehin seltenes Gut und das Beste, was er jetzt tun konnte. Morgen würde er dann schon irgendwie herausfinden, wo er sich befand. Im Traum jedoch erlebte er aufs Neue den Tod seiner Ziehmutter wieder. Wie die Drachen sie wie eine Stoffpuppe umher warfen und literweise Blut aus der Wunde in ihrer Brust quoll. Und erneut ihre kalten, toten Augen, als sie in seinen Armen starb. Erschrocken fuhr der Drakol keuchend aus seinem Albtraum auf, legte die Hände über die Augen und begann still zu weinen.

Ihr Tod war nun mittlerweile 12 Jahre her, doch der Schmerz in seiner Brust, war immer noch so gewaltig, wie in den ersten Sekunden danach.

Schließlich graute dann allerdings doch endlich der Morgen und kleine Tautropfen bildeten sich auf seinen blau-silbrigen Schuppen, da sein Körper von Natur aus sehr kühl war. Tief durchatmend wischte er sich die letzten Tränen aus den Augen, stand seufzend auf, streckte sich einige Augenblicke lang und nahm mehrere große Schlucke aus seinem Wasserschlauch, bevor er wieder den Beutel über die Schulter warf und gemächlich gen Westen weiterging. Soweit er jedoch auch ging, nichts an dem Wald kam ihm auf irgendeine Weise bekannt vor. Ihm blieb als einzige Möglichkeit nur, weiter in Richtung Westen zu gehen, bis er den Wald hinter lassen würde. Und dabei musste er noch hoffen, dass er nicht gerade in die Richtung lief, in welche der Bewuchs am stärksten ausuferte.

Es war schon fast Mittag, als ein lautes Gebrüll und ein darauffolgendes Geräusch eines nahen umstürzenden Baumes den Drakol abermals aufschrecken ließen. Das Brüllen war ein unverwechselbares Geräusch, dass Loyer schon hunderte Male in seinem Leben vernommen hatte. ‘Ein Drache? Hier? Jetzt? Verfluchter Mist! In meinem jetzigen Zustand bekomme ich wenn überhaupt einen kleinen Eisbolzen hin und der reicht in hundert kalten Wintern nicht, den Schuppenpanzer zu durchbrechen! Verflucht, denk nach Loyer!‘ dachte er angespannt und hechtete ins nächstbeste Gebüsch, um zumindest einmal halbwegs versteckt zu sein. Ein Drache war das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte. Einen einzelnen Elfen hätte er ohne Probleme bezwingen können, selbst in seinem geschwächten Zustand. Aber einen Drachen? Selbst bei voller Stärke war das ein schwieriges Unterfangen, wenn er die Echse nicht überraschen konnte. ‘Vielleicht mein Frostatem? Nein, das würde zu lang dauern. Verdammt, wären diese verschissenen Elfen nicht gewesen!‘ überlegte er fieberhaft und hielt dann die Luft an, als der Drache keine zehn Fuß von seinem Versteck entfernt durch das Dickicht brach.

Sein Herz rutschte ihm hinunter in die Beinkleider.

Dort vor ihm, stand ein ausgewachsener, männlicher Drache, mit grasgrünen Schuppen und war von Kopf bis Schwanzende gut und gerne 35 Fuß lang. Mächtige Hörner und Stacheln prangten auf seinem Haupt und dem Schwanz. Ein ganz markantes Detail war jedoch  der reichverzierte, goldene Ohrring, indem ein walnussgroßer Smaragd steckte. Angst und Zorn stiegen gleichermaßen in ihm auf, wobei der Zorn zu gewinnen schien.

Er kannte diesen Drachen, oder vielmehr, er hatte ihn sehr oft gesehen.

Daheim, im Gespräch mit seiner Ziehmutter Mituviel.

Sie hatte immer fröhlich gewirkt, als dieser Drache mit seiner Partnerin bei ihr zu Besuch gewesen war, doch seinen Namen erwähnte die alte Hexe nie, als Loyer sie danach fragte. Aber Mituviel war tot. Und dieser Drache, dieser ‘Freund‘, wo war er gewesen, als vier seiner Artgenossen die Hexe tödlich verwundeten? Hatte er ihr geholfen? Hatte er sie gerächt? Nein!  

In Loyers von Zorn gelenktem Verstand entstand eine ganz eigenwillige Interpretation der Ereignisse. Nein! Dieser Drache hatte Mituviel verraten! Er war für ihren Tod mitverantwortlich! Er musste sterben!

Mit einem deutlich zu hörendem Schaben zog er wutentbrannt sein Schwert, sprang aus dem Busch auf und begann eine magische Formel zu brüllen, während er mit der Klinge eine Art Siegel in der Luft vor ihm zeichnete. Der Drache drehte ihm erschrocken den Kopf zu, doch anstatt den Drakol direkt anzugreifen, wirkte seine Miene eher überrascht und besorgt, als der Loyer erblickte. „Loyer?“ fragte die Echse mit tiefer Stimme. Aber der Drakol bekam davon in seinem Zorn nichts mit. Mit einem wilden Schwinger vollendete er den magischen Kreis, der nun vor ihm in weißen Linien in der Luft schwebte.

„Mortis Gelu!“ brüllte er abschließend, stieß das Schwert wuchtig durch die Mitte der Luftzeichnung und ein Strahl von abertausenden, rasiermesserscharfen Eissplittern schoss vom Zentrum des Beschwörungskreises direkt auf die Brust des Drachens zu. Dieser hatte keine Chance mehr diesem magischen Beschuss auszuweichen, beziehungsweise war zu schockiert über die Handlung, um überhaupt einen Schritt zur Seite zu tun und konnte nur vor Schmerzen brüllend durchleben, wie die dolchartigen Eissplitter zunächst seine Schuppen zerfetzten und danach seinen kompletten Körper durchpflügten, um hinten am Rücken wieder auszutreten.

Loyer hielt den Strom an eisigen Geschossen fast fünf Sekunden aufrecht, bevor er seine Magie wieder versiegen ließ und danach stark keuchend auf ein Knie stürzte. Der Zauber hatte ihm das meiste seiner Kraft geraubt, doch in seiner Rage interessierte ihn das überhaupt nicht. Vielmehr fasste er sein Schwert fester und stolperte auf den am Boden liegenden Drachen zu, unter dem sich eine große Blutlache zu bilden begann. „Du bist schuld! Deinetwegen ist sie tot! Wo wart ihr, als sie eure Hilfe gebraucht hätte? Sie wurde von deinesgleichen angegriffen! Du hast sie verraten!“ spie der Drakol ihm fast schon fanatisch entgegen und begann blindwütig auf den schwerverletzten Drachen einzuschlagen, der sich jedoch nicht wehrte, sondern bei jedem Schlag schmerzerfüllt aufjaulte.

Das der Echse sogar Tränen in die großen Augen traten fiel Loyer nicht auf.

Blut spritzte rechts und links neben ihm auf den Waldboden und auch seine Arme und der gesamte Oberkörper waren nach den dutzenden von Schwerthieben in Drachenblut getränkt. Es tropfte ihm sogar von den krallenbesetzen Fingern. Ein panisches Fiepen ließ ihn von seinem blinden Hacken, auf den mittlerweile toten Drachen, aufschrecken und mit purem Hass in den Augen bemerkte er einen kleinen, grünen Jungdrachen, der ihn traumatisiert ansah.

„Du!“ brüllte er völlig von Sinnen und stürmte dem Küken, so schnell ihn seine zittrigen Beine trugen, hinterher, als es panisch ins Dickicht davon sprang. Ein Blutspur hinter sich herziehend eilte er dem Kleinen hinterdrein zerriss sich dabei teilweise seine lederne Überhose, als der Jungdrache ihn durch ein Dornengestrüpp zog. Dann verschwand der Kleine in einer großen Höhle, welche in einem felsigen Hügel eingelassen war. Ohne nachzudenken folgte Loyer ihm ins Innere und fand sich Auge in Auge mit einem 30 Fuß großen, zähnefletschenden Drachenweibchen wieder.

Er bemerkte seinen Fehler jedoch erst, als es schon zu spät war.
Ein wuchtiger Schwanzhieb traf ihn mittig in die Bauchregion und zusätzlich zu der enormen Wucht, bohrte sich einer der großen Schwanzstacheln in seinen Unterleib. Der Hieb katapultierte ihn gegen die Höhlenwand, wo er keuchend zusammensank und die linke Hand fest auf das daumengroße Loch in seinem Bauch presste, aus dem einiges an Blut floss. Er japste, als das Drachenweibchen ihn mit der rechten Vorderpfote hart gegen den Boden presste und er konnte spüren, wie die zarten Knochen in seinen Flügeln erneut brachen. Mit wut- und schmerzverzerrter Miene blickte er nach oben in das Antlitz seines Feindes und war überrascht zu sehen, dass er nicht vor einer Wand aus Zähnen lag.

Aus irgendeinem Grund, sah ihn der Drache mit schräggelegten Kopf an und wirkte fast schon besorgt, oder zumindest traurig. Wollte die Echse ihn etwa verhöhnen?! „Loyer – “ konnte er sie mit sanfter Stimme sagen hören und holte tief Luft, als sie ihren Fuß von ihm nahm. Er wartete jedoch nicht darauf, dass sie ihren Satz fortführte, sondern rammte ihr sein Schwert mit einem Aufschrei, von unten durch die Brust. Eher würde er kämpfend sterben, als langsam während einer heuchlerischen Rede dieser vermaledeiten Echse zu verbluten. Das Drachenweibchen fauchte überrascht auf und stolperte zwei Schritte rückwärts, woraufhin Loyer mit grimmiger Miene die Augen schloss.

Seine Reise, sein Rachefeldzug würde hier Enden. Er würde so sterben wie seine Blutseltern und seine Ziehmutter Mituviel, zerfleischt von einem Drachen. Doch das Ende kam nicht. Vielmehr zuckte der Drakol erschrocken zusammen, als er plötzlich die sanfte, fast schön zärtliche Berührung der Drachendame auf seinem nackten Oberkörper spürte.

Er riss die Augen auf und bemerkte vollkommen perplex, dass das Drachenweibchen ihn eine Art mütterliche Umarmung geschlossen hatte, indem sie sich vor ihn auf den Boden gelegt hatte und ihn mit ihrer Pfote vorsichtig an die Wange hielt. Dieses Verhalten war derart grotesk fehl am Platz, dass Loyer sie nur mit weit aufgerissenen Augen anstarren konnte. So ging es fast eine halbe Minute lang weiter, bis sich sein Geist auf seltsame Art und Weise anfing zu beruhigen und der Nebel des Zorns allmählich wieder klare Gedanken zuließ. Er blickte von dem Drachen zu sich selbst und sein Blick erstarrte aufs Neue, als er das viele Blut an seinen Armen und Oberkörper bemerkte, dass nicht aus seiner Bauchwunde stammen konnte! Es war das Blut des männlichen Drachens, den er barbarisch im Wald erschlagen hatte.

„Loyer, wir wollten niemals, dass Mituviel so etwas zustößt. Wir haben versucht, den Rat davon abzuhalten, doch unser Wort hatte kein Gewicht. Und als wir endlich bei eurem Heim ankamen, war meine alte Freundin bereits tot und du mit deiner Wut, deinem ganzen Hass und deiner Trauer warst allein im Wald verschwunden.“ konnte er das Weibchen mit ruhiger, ja fast schon entschuldigender Stimme sagen hören, doch er war zu schockiert, um etwas zu Antworten.

Nach einer kurzen Pause fuhr sie dann fort: „Mein Volk hat deinem Volk schreckliches angetan, Loyer und ich verstehe deinen Hass und deinen Zorn auf mich. Ich verdiene ihn, in gewisser Weise. Aber du sollst eines wissen: Wir, ich und mein Brutgefährte, hätten euch niemals verraten. Wir versprachen Mituviel sogar dich an ihrer statt aufzuziehen, falls sie aus irgendeinem Grund sterben sollte.“ Ihre Worte wurden von schweren Schluchzern unterbrochen und wie ein Stich schoss dem Drakol eine Erinnerung durch den Kopf.

Seine Ziehmutter Mituviel, wie sie in ihrer typisch schwarzen Robe vor den beiden Drachen stand und lachend mit ihnen redete, wie die Stimmung plötzlich ernster wurde und er die elfische Magierin sagen hörte: „Ihr müsst mir eines Versprechen, Kilandos. Versprecht, auf den Jungen aufzupassen, falls ich sterben sollte. Er weiß nichts von seiner grausamen Vergangenheit, ich habe die schrecklichen Erinnerungen tief in ihm verschlossen. Bitte, lasst ihn nicht mit dem gleichen Hass aufwachsen, der dieses Land schon seit Jahrzehnten zerrüttet.“
Er konnte die Zustimmung der Drachendame spüren und wurde zurück in die Gegenwart geschleudert, wo sein Blick unwillkürlich auf das kleine Küken fiel, dass zitternd in der anderen Ecke der Höhle hockte und ihn völlig entgeistert anstarrte.

Entsetzen trat auf sein Gesicht, als er die Unmengen an Blut auf den zierlichen, grünen Schuppen bemerkte, das Blut seines Vaters. Er sah hinunter auf seine blutbeschmierten Klauen und eine weitere Erinnerung, diesmal aus seiner eigenen Kindheit blitzte vor seinem inneren Auge auf.

Er tapste allein und heulend durch die lichterloh brennenden Überreste seines Dorfes, schmeckte Blut auf seiner Zunge, das nicht sein eigenes war und sah in der Ferne die großen furchteinflößenden Schatten der Drachen. Eine große, in schwarz gekleidete Elfe, mit glatten, pechschwarzen Haaren kam zu ihm gelaufen, hob ihn sanft auf ihren Arm und wickelte ihn in eine weiches, kuscheliges Tuch. „Psscht, alles gut mein Kleiner, alles gut. Tante Mituviel passt jetzt auf dich auf. Alles wird gut.“

Tränen stiegen ihm in die Augen und er sank hinunter auf die Knie. Was hatte er getan? Hatte er wirklich den Vater des Kleinen vor dessen Augen brutal erschlagen und auch noch mit seinem Blut bespritzt?

Wer war hier eigentlich das Monster?!

„Die Menschen haben wohl recht, wenn sie mich als Monster beschimpfen. Ich bin nicht besser als die Drachen!“ krächzte in schmerzhafter Selbsterkenntnis und zitterte leicht, als er die sanfte Berührung einer Zunge auf seiner Wange spürte.

„Du bist kein – Monster, Loyer. Nur ein guter Mann, mit einem – zerbrochenem Herzen.“ konnte er das Drachenweibchen flüstern hören. Ihre Stimme klang schwach. Erschrocken erkannte er die große Pfütze an Blut, in der er kniete. Zu viel Blut, für seine kleine Wunde. Stolpernd wich er zurück und fiel auf seinen Hintern, während er mit weitaufgerissenen Augen die smaragdgrüne Drachendame vor sich ansah. Ihr ganzer Körper zitterte und Unmengen an dickem Drachenblut flossen aus der Wunde, die Loyer ihr mit dem Elfenschwert zugefügt hatte.

Er musste ein großes Blutgefäß erwischt haben!

„Du stirbst!“ stellte er mit leichtem Anflug von Panik fest und war von sich selbst überrascht, dass er sich wirklich Gedanken um das Leben eines Drachens machte. Das Drachenweibchen schnaubte schwach und fixierte ihn mit ihrem smaragdgrünen Auge. „Meine Tage – sind gezählt, Loyer – ja. Das ist wohl der Preis –  den ich für die Sünden – meines Volkes – bezahlen muss. Mituviel bat mich einst – auf dich – achtzugeben. Nun bitte ich dich – kümmere dich um unsere – unsere Kinder. Sie – sollen nicht die gleichen – Fehler begehen – wie ihre Eltern. Nimm – der Kleinen die Erinnerung – sonst wiederholt sich – dieser Teufelskreislauf aufs Neue. Versprich es mir Loyer.“

„Ich –“ er zögerte und blickte beschämt zu Boden.

Zärtlich hob die Drachendame sein Kinn mit ihrer Pfote an und er schluckte als er ihren wohlwollenden Blick bemerkte. Selbst jetzt noch, als sie im Sterben lag, von der Wunde, die er ihr zugefügt hatte, nachdem er ihren Brutpartner brutal erschlagen hatte, selbst jetzt noch wollte sie ihm ihre Kinder anvertrauen, obwohl er ein Drakol war. In diesem Moment fasste er einen Entschluss und legte seine blutige Hand auf ihre Pranke. „Ich verspreche es, sie werden nicht so enden, wie ich.“

Ein glückliches Schimmern schien kurz über ihr Auge zu huschen, bevor sie es schloss und schlaff murmelte: „Danke, Loyer.“ Dann hob und senkte sich ihr Brustkorb noch ein letztes Mal, bevor sie reglos da lag.

Loyer starrte ihren leblosen Körper fast eine geschlagene Minute lang nachdenklich an, bevor von seinem eigenen schummrigen Kopf daran erinnert wurde, dass auch er eine große Stichwunde im Bauch hatte. Ein kleiner Zauber half zumindest einmal die Blutung zu stoppen. Danach sah er sich erneut in der Höhle um. Das kleine Drachenjunge saß mit Tränen in den Augen nach wie vor in der Ecke und heulte jaulend seine Trauer heraus. Vorsichtig näherte sich ihr, doch sofort änderte sich ihre Haltung und sie fauchte ihn wütend an. „Schlaf erst einmal ein Weile, Kleine. Danach sieht die Welt schon ganz anders aus.“ meinte er ruhig und war einen Schlafzauber auf das Drachenmädchen, welches sofort die Augen schloss und friedlich schlummernd zur Seite wegkippte.

Behutsam nahm er sie auf seinen Arm und ging dann hinüber zum großen Nest, das aus allerhand Zweigen, Ästen und Moos gebaut war. Darin liegend fand er zwei weitere kopfgroße, grüne Eier die er sicher in seinem Beutel verstaute und dafür seinen Umhang herausnahm, um das kleine Drachenmädchen wohlig darin einzuwickeln. Anschließend trat er zurück zum Kopf der großen Drachendame, die nicht einmal dazu gekommen war, ihm ihren Namen zu nennen. Er senkte respektvoll den Kopf. „Ich danke dir, Freund. Du hast mir nach all diesen Jahren des Hasses und Rachsucht die Augen geöffnet. Ruhe nun in Frieden.“ Mit diesen Worten zog er schmatzend das Elfenschwert aus ihrer Brust und ging schweren Schritts in Richtung Ausgang. Dort angekommen, drehte er sich noch einmal um und rammte dann das Schwert mit der Klinge voran in den Waldboden.

Es sollte dort bleiben und ihm als Mahnmal dazu dienen, niemals wieder aus purerer Rachsucht zu töten. Denn aus Hass entstand immer nur mehr Hass. Ein Kreislauf, der unbedingt im Keim erstickt werden musste, so sehr es auch einen danach drängte Rache zu üben.

Loyer sah hinunter auf den kleinen Drachen, der friedlich in seinen Armen schlief und völlig mit Blut besprenkelt war. „Du und ich, wir haben viel gemein.“ murmelte er leise und blickte in den wolkenbehangenen Himmel. „Nur wirst du nicht den gleichen Fehler begehen, wie ich. Darauf gebe ich dir mein Wort.“


15 Jahre später.


„Ich will aber bei dir bleiben und mit dir reisen, Vater! Bei dir ist es zumindest nie langweilig.“ maulte Mira bettelnd und stupste ihren Vater auffordernd mit der Nasenspitze an. Loyer seufzte kopfschüttelnd. „Mira, warum willst du denn unbedingt bei mir bleiben? Deine beiden Brüder haben sich schon vor knapp einem Jahr jeder ein eigenes Territorium gesucht. Tirlo hat sogar schon eine Gefährtin und sie erwarten im Frühjahr ihr erstes Gelege! Mein Beruf ist nichts für dich, schon gleich dreimal nicht, weil du ein Drache bist.“ Die junge Drachendame schnaubte widerspenstig und blies dem Drakol eine Rauchschwade ins Gesicht. „Ach papperlapapp, Vater. Ich will einfach noch nicht sesshaft werden und eine eigene Familie gründen. In ein paar Jahren vielleicht, aber bis dahin können sich diese möchtegern Halbstarken ihr Machogetue sonst wo hinstecken. Und es ist ja nicht so, als ob ich ungeeignet wäre, dir zu helfen. Erinnerst du dich noch daran, wie ich dir in Lominil den Hintern gerettet habe?“

Loyer rollte mit den Augen, als er erwiderte: „Ich hatte die Situation unter Kontrolle. Ich wollte nur nicht gleich die ganze Stadt auf mich aufmerksam machen, was du im Übrigen mit Bravur geschafft hast.“ „Pah. Aber sie haben sich nicht getraut uns zu verfolgen! Außerdem, selbst wenn du versuchst mich abzuhängen, oder zurückzulassen, kann ich dich immer noch mit Leichtigkeit aufspüren. Deinen Geruch kenne ich in und Auswendig.“ erwiderte sie trotzig und reckte stolz ihre Schnauze in die Höhe. Loyer schmunzelte amüsiert und kramte einen kleinen Ring aus seinem Beutel, den Mira fasziniert anstarrte. „Das hilft dir nicht sonderlich viel weiter, wenn ich den hier anlege.“ erklärte er grinsend und bemerkte, wie das Drachenmädchen kurz einen Anflug von Angst bekam, bevor sie schmollend knurrte: „Das wäre nicht fair.“

„Dann merke dir schon einmal die erste Regel im Bezug auf die Jagd: Fairness ist eine schöne Lüge.“ merkte er lächelnd an und tätschelte ihr die Schnauze, als sich ihre Augen vor Freude weiteten. „Ich verspreche dir, du wirst es nicht bereuen Vater!“ „Das weiß ich, Mira.“ Loyer blickte von dem kleinen Hügel hinunter auf die Hauptstraße, die knapp 300 Fuß vor ihnen lag. „Siehst du die Kutsche dort, Mira? Sie wird gerade von Banditen überfallen. Gehen wir ihnen doch einmal ‘Hallo‘ sagen.“ „Auja!“ rief sie begeistert, packte ihren Vater vorsichtig mit den Vorderklauen und schwang sich anmutig in die Lüfte.

Die Banditen sahen sie schon von weitem kommen und ergriffen schlagartig die Flucht sobald Mira ein lautes Brüllen vernehmen ließ. Sie landeten etwas abseits der eigentlichen Kutsche und der Händler, ein schon etwas älterer Mann, mit grauem Haar und zerzaustem Bart, kam erleichtert seufzend aus dem hinteren Teil des Wagens geklettert. „Habt vielen Dank, Herr. Kann ich euch etwas für eure Hilfe anbieten? Vielleicht ein paar Dukaten, oder doch eine Flasche mit bestem Wein aus den südlichen Fürstentümern?“ „Keine Ursache, alter Mann. Behaltet eure Waren und euer Geld, wir waren nur zufällig zur Stelle.“ entgegnete der Drakol ablehnend und warf Mira einen achtsamen Blick zu, als diese mit etwas zu viel Begeisterung die Pferde betrachtete.

„Nun denn, ich wollte mich nur erkenntlich zeigen, nicht das es wieder heißt, wir Händler wären geizige Säcke.“ meinte der Händler lachend und Loyer nickte zustimmend. Dann setzte jedoch fragend hinzu: „Ihr könntet uns eure Dankbarkeit zeigen, indem ihr uns Neuigkeiten aus den Fürstentümern berichtet. Gibt es zum Beispiel einen Drachen, der zu stark aus der Reihe tanzt?“ „Aber natürlich! Wartet, lasst mich kurz überlegen. Ah, ja! In der Stadt Hamendel suchen sie gerade händeringend nach einem fähigen Jäger. Es gibt dort eine Rotte junger Drachen, die immer wieder Bauernhöfe überfallen. Das wäre doch etwas für euch, oder?“ Der Drakol nickte abermals. „In der Tat, habt Dank, alter Mann.“ Er hob die Hand zum Gruß und drehte sich um zu Mira, die sich mittlerweile hingelegt hatte und geduldig auf ihn wartete. Da rief ihm der Händler noch hinterher: „Wartet noch kurz! Wie lautet eigentlich euer Name, damit ich euch auf meinen Reisen weiterempfehlen kann.“

Loyer drehte sich kurz zu ihm und meinte dann lächelnd: „Mein Name ist Loyer, Loyer Gansard.“






So, ich hoffe doch, die kleine Geschichte hat euch gefallen. ^^
Wäre schön, wenn ihr mir ein Feedback dalassen könnten und Fragen beantworte ich natürlich auch gerne. =)

lg Tobi
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