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OneshotFamilie / P12 / Gen
Daniel "Danny" Reagan Jameson "Jamie" Reagan
03.01.2016
03.01.2016
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1.013
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Lautlos spurtet Detective Daniel Reagan die Treppe nach oben. Nur die Handschellen klirren leise mit jedem Schritt, den er tut. Als er am Fenster vorbei huscht und das Mondlicht durch einen Spalt in der dicken Wolkenwand fällt, blitzt das Metall hell auf. Wie die schwarzen Flügel eines Raben wedelt Dannys Mantel hinter ihm her, als er zwei Stufen auf einmal nimmt. Schlussendlich erreicht er den dritten Stock. Vor ihm erstreckt sich ein langer Gang, von welchem mehrere Türen abgehen. Der Teppich ist ausgetreten und die Tapete, welche die Wände auskleidet, hängt größtenteils in Fetzen herab. Über allem liegt eine Schmutz- und Staubschicht. Erleuchtet wird die Szenerie vom silbernen Licht des Mondes und dem Strahl der Taschenlampe, die der Detective soeben gezückt hat. Vorsichtig setzt Danny den ersten Schritt in den verwaisten Flur und zieht seine Waffe. Er stützt sie auf die Hand, in der er die Taschenlampe hält, damit er genau sieht, worauf er zielt.
An der ersten Tür angekommen, drückt er die Klinke nach unten und stößt sie auf. Geübt schwenkt er die Taschenlampe, um jeden Winkel des Raumes auszuleuchten. Ihm offenbart sich jedoch nichts weiter, außer Staub. Nach einem letzten prüfenden Blick widmet er sich der nächsten Tür, doch auch hinter dieser wartet nur der Schmutz vergangener Zeiten. Mit der Waffe im Anschlag arbeitet sich Danny den Flur entlang, bis er schließlich vor der letzten Tür steht. Nichts weiter, als den altbekannten Staub erwartend, öffnet er die Tür. Ein Blick in den Innenraum genügt, damit ihm das Herz in der Brust stehen bleibt.
Das kühle Mondlicht bricht durch die verdreckten Fenster und erhellt den kleinen Raum. Obwohl sich nicht viel in diesem befindet, entsteht ein Muster aus Licht und Schatten. In einem dieser Schatten erkennt er eine Person. Trotz der Dunkelheit weiß Danny genau, wer diese Person ist. Er hätte sie überall wiedererkannt. Der Unglückselige wurde mit Handschellen an den Heizkörper gefesselt, den Kopf auf den Oberarmen ruhend. Mit eiligen Schritten geht Danny auf die Person zu, die Waffe und Taschenlampe verstauend, und kniet sich neben ihr nieder. Jetzt, wo er so nah ist, erkennt er das volle Ausmaß der Verletzungen.
Auf der Stirn des am Boden liegenden, direkt unter dem Haaransatz, befindet sich eine lange und tiefe Platzwunde. Durch diese wurde beinahe die Hälfte des Gesichtes mit Blut bedeckt. Doch die Platzwunde ist nicht die einzige Verletzung im Gesicht des Bewusstlosen. Die Nase wurde mindestens einmal gebrochen, die Lippe ist aufgeplatzt und der Teil, der nicht von Blut bedeckt ist, schimmert in Blau- und Grüntönen. Allein diese offensichtlichen Wunden lösen bei Danny ein Gefühl der Wut aus.
„Oh nein“, stößt er hervor.
Mit geübten Fingern sucht er nach einem Puls und er atmet erleichtert aus, als er ein Pochen spürt. Schwach und unregelmäßig, dennoch ein Pulsschlag. Er lässt die Hand auf dem Hals des Bewusstlosen ruhen und mit der anderen Hand zieht er sein Handy aus der Innentasche hervor. Mit flinken Fingern wählt er den Notruf.
„Ich brauche einen Krankenwagen in die 48E Washington Street. Ein Bewusstloser. Unregelmäßiger Puls. Mehrere Schnittwunden, eine gebrochene Nase und mögliche weitere innere Verletzungen. Beeilen Sie sich.“
Danny lässt das Handy einfach auf den Boden fallen, nachdem er das Telefonat beendet hat. Er greift nun in eine andere Tasche und holt aus dieser einen kleinen silbrigen Schlüssel. Vorsichtig öffnet er die Handschellen. Obwohl er sich bemüht den Regungslosen so wenig wie möglich zu bewegen, kommt er nicht umhin dessen Lage minimal zu verändern. Als er dies tut, verzieht sich das Gesicht des bisher Bewusstlosen vor Schmerz. Augenblicklich ist Danny über ihm und legt ihm sanft eine Hand auf die Wange.
„Hey, Jamie. Wach auf Schlafmütze!“
Doch trotz der flehenden Bitte seines älteren Bruders bewegt Jamie nur seinen Kopf leicht hin und her. Danny gibt jedoch nicht so leicht auf.
„Komm schon kleiner Bruder. Mach die Augen für mich auf.“
Diesmal scheint es zu funktionieren.
„D'nny“, nuschelt Jamie.
Vor Freude hätte ihn sein Bruder küssen können.
„Ja, ich bin es.“
„Lass … mich nich' … 'lein“, bringt Jamie schließlich schwer atmend hervor.
„Natürlich nicht! Ich würde dich niemals alleine lassen.“
Der Gedanke, dass sein Bruder glauben könnte, er würde ihn verlassen, versetzt Danny einen Stich. Um seine Aussage zu bekräftigen, greift er nach einer Hand seines Bruders und drückt sie vorsichtig. Als er wieder auf Jamies Gesicht herabblickt, schaut er in zwei müde Augen, die versuchen, ihn zu fokussieren.
„Hey Jamie! Ich bin hier.“
Aufmunternd lächelnd blickt Danny ihn an, doch trotz seiner Bemühungen gleicht das Lächeln eher einer verzerrten Grimasse. Plötzlich fangen Jamies Lider an zu flattern. Seine Augen drehen sich in den Schädel, sodass sein Bruder nur noch das Weiße seiner Augen sehen kann. Die Hand, welche Danny festhält, erschlafft in der seinen.
„Geh nicht weg“, murmelt Jamie noch leise, bevor er wieder in eine tiefe Bewusstlosigkeit versinkt.
Schnell überprüft Danny den Puls seines Bruders, nur um feststellen zu müssen, dass er kaum noch zu ertasten ist. Die Panik in Danny schwillt an und er hat das Gefühl nicht mehr ausreichend Luft holen zu können. Um sich selbst zu beruhigen, fährt er liebevoll mit der Hand über Jamies Gesicht, die verletzten Stellen aussparend, bevor er wieder dessen Hand in seine nimmt.
„Bitte verlass mich nicht kleiner Bruder!“, fleht er mit brechender Stimme.
Genau in diesem Moment ertönt das laute Heulen der Sirenen. Es wird immer lauter, bis das rote und blaue Flackern den kleinen Raum ausleuchtet. Tanzend zuckt das Licht über die verschlissene Tapete und lässt sie in einem ganz neuen Glanz erstrahlen.
Wie in Trance beobachtet Danny das Farbenspiel und erst das Geräusch von vielen Schritten reißt ihn aus seiner geistigen Abwesenheit. Er wendet sich um und sieht drei Notfallsanitäter auf sich zukommen. Sofort rutscht er aus dem Weg, jedoch ohne Jamies Hand loszulassen. Unablässig streicht er über dessen Handrücken. Einerseits um Jamie zu versichern, dass er da ist und anderseits um sich zu vergewissern, dass ihn sein Bruder nicht verlassen hat. Er schickt ein kurzes Gebet zum Himmel, während er den Sanitätern zusieht, wie sie sich um seinen Bruder kümmern.
„Es wird alles gut werden, kleiner Bruder!“
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