Meine schlimmste Angst überwinden!

KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
03.01.2016
03.01.2016
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Hallo!
Dies ist mein Wichtelgeschenk Nowra. Ich hoffe, er gefaellt dir und ein verspätetes frohes, neues Jahr 2016.



Meine schlimmste Angst überwinden!


„Komm, Simon, nicht so langsam!“, rief ein Junge mit braunen Haaren, der im Wasser schwamm, während sein bester Freund mit langsamen, ängstlichen Schritten durch das Wasser tappte, welches immer mehr von ihm verschluckte, bis es bis zu den Knien ging. Genau in diesem Moment suchte ihn eine Erinnerung heim. Damals war er mit seiner älteren Schwester schwimmen gewesen und zu weit ins Meer getrieben und dabei fast ertrunken. Sofort rannte er wieder zum Strand und ließ sich an ganzem Leib zitternd auf das Strandtuch sinken. Er hatte es wieder nicht geschafft. Dabei ging er schon seit Jahren zu einem Psychologen und ließ sich gegen diese Angst behandeln. Er hatte gedacht, dass er es endlich schaffen würde, aber wieder hatte seine übermächtige Angst gewonnen und er hatte seinen besten Freund enttäuscht. Frustriert schlug er mit der Faust auf das Strandtuch und vergrub sein Gesicht in den Händen. Ein nasser Arm legte sich um seine Schultern, während er spürte, wie sich jemand neben ihn sinken ließ. Er wusste, dass es Dominik war, aber er traute sich nicht ihn anzusehen vor lauter Scham. Zum Glück waren sie fast alleine am Strand und niemanden sonst interessierte sich für sie.
„Sorry, hab ich dich zu sehr unter Druck gesetzt?“, fragte Dominik.
„Nein!“, sagte Simon und schüttelte gleichzeitig den Kopf. „Ich habe mich überschätzt. Ich dachte, dass ich soweit sei.“
„Okay!“; sagte Dominik. „Wollen wir denn woanders hin?“
„Willst du nicht noch weiter schwimmen? Es ist doch so warm.“
Simon fühlte sich unwohl. Einerseits, weil er seinem besten Freund das Schwimmen vermieste und andererseits, weil er sich vor den Wassermassen fürchtete. Er wollte nicht noch einmal ins Wasser. In ihm tobte ein innerer Kampf, da er ja hier verschwinden, aber Dominik nicht enttäuschen wollte. „Du enttäuschst mich nicht!“, sagte sein bester Freund, der wieder einmal wusste, was er gerade dachte. War ja auch kein Wunder. Sie waren auf einer Wellenlänge und kannten sich schon seit dem Babyalter. Da war es schon fast normal. Deswegen wusste er auch die Ängste des Anderen. „Und ich will dir keine Angst machen. Es gibt ja genug andere Möglichkeiten sich zu kühlen und zu beschäftigen.“ Er stand auf, packte ihrer beider Sachen und hielt Dominik die Hand hin. Dieser ergriff sie und er stand auf. Dominik räumte das Strandtuch ein, dann verließen sie den Strand.

Nach einigen Wochen, in denen Simon wieder intensiver mit seinem psychologen gesprochen hatte, traute er sich wieder mit Dominik an einen Strand. Gerade saßen sie nur auf dem Sand und genossen die Sonne, als ihnen zwei Klassenkameraden unerwünschten Schatten spendeten.
„Na, wenn das nicht der kleine Schisser ist, der gleich wegrennt, wenn er nur in die Nähe eines Wasserbachs kommt.“
„Halt die Klappe, Betherly!“, fauchte Dominik, nachdem er sich aufgesetzt hatte.
„Ach, musst du jetzt auch noch diesen Feigling beschützen? Kann er sich nicht selber verteidigen? Ist er zu dumm dafür?“, sagte sie höhnisch und die beiden Weiber lachten.
„Lass ihn in Ruhe! Er kann nichts dafür!“, fauchte Dominik. „Genauso wenig, wie du für deine Gefühle für mich kannst. Doch ich sage dir immer und immer wieder. Für so eine hinterhältige, zickige, dumme Kuh wie dir werde ich nie was empfinden. Also verzieh dich und lass Simon in Ruhe!“
„Wage es dich nicht!“, knurrte Betherly und ballte ihre Hände zur Faust.
Dominik erhob sich und stellte sich vor Simon, der vollkommen verschreckt auf die Szene sah. Er hatte übelste Angst vor Betherly, denn sie war die anstrebende Kraft der Leute, die ihn in der Schule mobbten und das nur wegen seiner bescheuerten Angst. Jedes Mal, wenn sie ihn in die Mangel nahm hatte er Angst sich zu wehren, denn sonst drohte es ihm von ihrem großen Bruder Miles verprügelt zu werden. Einmal hatte er dieses zweifelhafte Vergnügen gehabt und das wollte er nicht noch einmal erleben und erstrecht nicht zulassen, dass sein bester Freund dies erleben musste. Auch, wenn Betherly ihn davon abhielt das zu tun, würde er es sicherlich tun, wenn Dominik sich richtig gegen sie behauptete. Deshalb hatte er auch jetzt solche Angst, aber er konnte seinen besten Freund doch nicht so alleine lassen. Mit einem mulmigem Gefühl ihm Magen stand er auf und wandte sich an seinen besten Freund. „Du brauchst mich nicht beschützen. Ich kann mich auch selbst verteidigen.“ Er verzog den Mund, da seine Stimme leicht zitterte. Die Weiber lachten wieder.
„Ach, traut sich der kleine Feigling traut sich ja was zu sagen.“, sagte Niemai belustigt. „Dann lass ihn doch vor. Ich will sehen, wie er sich gegen Miles zu behaupten. Dann wird er sicher wieder heulend nach Hause rennen.“
Simon biss sich leicht auf die Unterlippe. Sein Herz raste vor Angst.
„Miles hat hiermit nichts zu tun. Das ist ganz allein unsere Angelegenheit, oder bist du feige.“, sagte Simon mutiger als er sich gerade fühlte und trat hinter Dominik hervor. Dieser sah ihn besorgt an, doch er begegnete diesem mit einem teils trotzig, mutigem, teils ängstlichem Blick.
„Nenn mich nicht feige!“, schrie Betherly, trat auf Simon zu und wollte ihm eine Ohrfeige verpassen, doch er hielt ihre Hand fest.
„Was?“, fragte sie.
„Ich lerne Verteidigung. Damit komm ich leider nicht gegen Miles an, aber wozu mach ich es sonst.“, sagte Simon. Woher er seinen plötzlichen Mut hatte war ihm schleierhaft, aber es half ihm ungemein. Er wollte nicht mehr immer nur von Dominik beschützt werden. Das zeigte er auch jetzt. Sein bester Freund nickte ihm zu, auch, wenn er immer noch besorgt war.
„Lass mich los, oder ich hol meinen Bruder!“, sagte sie und versuchte ihre Hand aus seiner zu winden. Er ließ sie los.
„Bist du zu feige, um dich selbst zu verteidigen?“, äffte er sie nach.
„Halt dein Maul!“, schrie sie und schlug zu, zur gleichen Zeit, in der Simon zu Boden fiel schnappte sich Niemai das Plüschtier von Simon und lief damit ins Wasser.
„Komm doch, du kleiner Angsthase, oder willst du, dass dein kleiner, süßer Teddy im Wasser schwimmt.“; lachte sie gackernd.
Erschrocken stand Simon auf und sah ihr nach. Die Angst packte ihn wieder und er konnte sich nicht bewegen. Er sah, wie Dominik auf Niemai zu rannte und mit ihr um das Stofftier rangelte. Der Plüschbär fiel ins Wasser und sein bester Freund schwamm ihm nach, wobei er von einer starken Strömung mitgerissen wurde.
„Dominik!“, schrie Simon panisch, rannte los und sprang ins Wasser; Dabei seine Angst vor dem Wasser vergessend. Als er seinen besten Freund sah, der seinen Bären in der Hand und kaum noch die Augen offen halten konnte packte er seine Hand und versuchte mit ihm zum Strand zu Schwimmen, doch auch ihn riss die Strömung mit sich und er schluckte immer wieder Wasser, bis ihm die Sinne schwammen und er kaum noch wahrnahm, wie sie aus dem Wasser gefischt wurden.
Er kam erst wieder zu sich, als er wiederbelebt und dann auf eine Trage gelegt wurde.
„Wo ist Dominik?“
Er wollte aufstehen und sich umsehen, aber wurde von Kopfschmerzen und Schwindel daran gehindert.
„Dein Freund wird schon zum Krankenhaus gebracht und du jetzt auch. Er hat mich gebeten dir das zu geben.“, sagte die Pflegerin und reichte ihm seinen Teddy. Er nahm ihn an sich und schluckte schwer. Er wurde ebenfalls in einen Krankenwagen geschoben und zum Krankenhaus gefahren. Die Untersuchungen und das Gespräch mit dem Arzt nahm er kaum wahr. Erst als er in Zimmer war und Dominik wahrnahm, der mit geschlossenen Augen in einem Bett lag nahm er wieder was richtig war. Und zwar sein Herz, dass bei dem Anblick des Anderen zu brechen drohte. Er stand auf, ging zum Bett und sah auf Dominik hinab. Schuld übermannte ihn als er die kalte Hand in seine nahm.
„Es tut mir leid!“, schluchzte er und weinte. Um sich herum nahm er nichts war, auch nicht, dass seine Eltern und seine Schwester das Krankenzimmer betraten und seine Mutter ihn in seine Arme schloss. Erst, als der Griff des Anderen kräftiger wurde und er sprach nahm wieder seine Umgebung war.
„Du brauchst doch nicht weinen. Mir geht es gut und ich werde dich ganz sicher nicht – nie alleine lassen.“
Simon sah auf und in die grünen Augen seines besten Freundes, der ihn sanft lächelnd ansah.
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