Knast-Geflüster

GeschichteDrama / P18 Slash
Ian Gallagher Mickey Milkovich
02.01.2016
02.01.2016
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02.01.2016 3.422
 
Einige Wochen waren vergangen, seit Ian Mickey im Gefängnis besucht hatte. Oder waren es nur ein paar Tage? Die Medikamente ließen einen so manches Mal das Zeitempfinden komplett verdrehen.
Zwar war er schon einmal dort gewesen, aber es war dennoch ein merkwürdiges Gefühl, wenn man bedenkt, dass auch Ian jetzt hinter Gittern sitzen könnte – wäre da nicht diese gottverdammte Krankheit. Die Krankheit, die einen angeblich so verrückte Dinge tun lässt. Dabei fühlten sie sich gar nicht so verrückt an. Allerdings war da eine Sache, bei der Ian so überhaupt nicht wusste, wie er fühlen sollte. Die Sache mit Mickey...
Nach all der Sehnsucht, dem Schmerz und dem endlos scheinenden Kampf, hatte er die Beziehung mit Mickey beendet und dass, obwohl er endlich erreicht hatte, wovon er damals immer träumte. Mickey, der Mensch, der Jahre brauchte, um zu ihm und zu sich selbst stehen zu können, der es sogar fertig brachte die 3 Worte zu sagen, die Ian nach all dem Scheiß doch die Welt bedeuten müssten.
Es war als hätte jemand Stück für Stück die Drähte in seinem Kopf neu verkabelt; alles schien so wirr. Nicht einmal Ian selbst wusste noch so wirklich wer er ist und was er will, er wusste nur was er nicht will. Vor einiger Zeit waren es noch die Medikamente, die er nicht wollte. Dann wollte er die hart erkämpfte Beziehung mit seinem Freund nicht mehr. Es schien damals so logisch, dass wenn er selbst nicht mehr wüsste wer er sei, auch niemand Anderes es wissen würde. Ian wollte nicht, dass Mickey einen Fremden liebt... und noch nicht mal weiß wieso. Mickey war ja zuletzt auch nicht mehr der, der er mal war.

Mit den Tabletten hatte er sich inzwischen zwangsläufig arrangiert. Man kann sich recht gut vorstellen, dass der verbale Kampf mit Fiona, ob er die Medizin nun nimmt oder nicht, auf Dauer einfach zu stressig wird. Und Stress ist nun das letzte was jemand wie Ian jetzt gebrauchen kann. Sowieso kann er sich kaum zu etwas aufraffen.
Inzwischen hatte er auch wieder angefangen zu arbeiten. Wirklich kein Traumjob mit großen Aufstiegschancen, aber das hatte er sich selbst zuzuschreiben. Wenn man die Schule abbricht, darf man ohne Abschluss nicht viel erwarten. Ja, so langsam werden ihm die Fehler, die er im letzten Jahr gemacht hatte, mehr und mehr bewusst. Einzusehen, dass man Mist gemacht hat, ist unter normalen Umständen schon nicht leicht. Aber wenn man erst mal anfängt zu sortieren, was vom falsch Verdrahteten in seinem Hirn nun gut oder schlecht ist, wird das schon eine Herausforderung. Denn nicht die Erinnerung an sich ist gestört, sondern die Empfindung dazu. Und der fehlende Kontakt zu dem Teil, der einem die Konsequenzen seines Handels aufzeigen solte. Irgendwie ähnlich wie bei einem kleinen Kind. Ein Kind kann meistens noch nicht wirklich unterscheiden, was gut ist und was schlecht ist, es macht einfach was ihm in den Sinn kommt. Vielleicht behandelt Fiona deshalb ihren Bruder manchmal wie ein Kind und fragt, ob er auch brav seine Medikamente eingeworfen hat. Dabei sollte sich Fiona, nach Ian's Meinung, lieber um die jüngere Schwester Debbie sorgen.
Ian hatte noch immer Probleme mit der Einordnung von Gefühlen und der Wahrnehmung gegenüber anderen Menschen. Auch wenn er sich erinnert, wie es früher war, aber die verdammten Pillen hemmen seine Empfindungen. Obwohl sich das mittlerweile nach und nach zu legen scheint.  Wie dieses dumpfe Gefühl am Anfang, als würde man in einer riesigen Seifenblase wandeln, welche die Geräusche der Umgebung wiedergibt, als wäre man den ganzen Tag betäubt. Tiefe Töne waren gerade so wahrzunehmen, doch die hohen wirkten dafür sehr viel lauter und schriller als sie tatsächlich waren. Wenn ein Messer zu Boden fiel oder jemand einen Teller in den anderen stellte. Dröhnend, fast stechend hatte sich das angefühlt.

Nun stand er also vor dem großen metallenen Außentor der Gefängnisanlage, während man seine Personalien prüfte. Die Sonne blinzelte zwischen den Wolken hindurch und ließ Ian die Augen zusammen kneifen als der Typ, der ihm den Ausweis abgenommen hatte, zurück kam und einige weitere Fragen stellte: „Zum ersten mal hier?“, knurrte es aus der Kabine und Ian schüttelte den Kopf. „Gut, dann muss ich ihnen ja nicht erklären wie das hier abläuft“, sprach er und händigte ihm seinen Personalausweis und eine Besucherkarte aus. Ian klemmte sich das Ding an die Brusttasche seines Hemdes und zurrte seine Jacke darüber zurecht, bevor er erneut angesprochen wurde: „Beziehung zu dem Insassen?“ Es lag ihm im ersten Moment förmlich auf der Zunge 'Familie' zu sagen, doch tat er es nicht und antwortete nach einem genervten wartenden Blick vom uniformierten Kerl: „Ein Freund. Nur ein Freund...“ Den letzten Teil sprach er mit immer leiser werdender Stimme. Denn Beides, Familie und Freund, klang merkwürdig und befremdlich. Tief durchatmend verfluchte er innerlich diesen Konflikt, zwischen dem was er fühlen will, was er fühlen müsste und was letztlich an Chaos dabei raus kam, auf ein Neues.
Der Mann tastete Ian noch nach Waffen ab und schickte ihn zu seinem Kollegen an der Pforte weiter.

Der Grund, weshalb Ian überhaupt wieder hier war, ist der, dass er nach dem letzten Besuch bei Mickey unweigerlich immer wieder daran denken musste. Svetlana war sogar diejenige, die ihn erst dazu gebracht hatte, wenn auch mit Geld.
Obwohl sie nicht übermäßig viel miteinander gesprochen hatten, waren es auch die Dinge, die nicht ausgesprochen wurden, die ihn im Anschluss dessen beschäftigten. Mickey hatte sich ein Tattoo selbst gestochen. Im Knast. Wie bescheuert. Und auch noch falsch buchstabiert. Aber irgendwie kam Ian nicht umhin zuzugeben, dass diese dämliche Aktion ihn im Nachhinein lächeln ließ. Ansonsten sah Mickey weniger gut aus, oder es waren wieder die chaotischen Gefühlsbrocken, die Ian dies denken ließen. Womöglich auch nur die beschissene Beleuchtung. Aber immerhin lächelte Mickey. Es war für ihn dennoch nicht einzuordnen, ob dieses Lächeln zu bedeuten hatte, dass es ihm gut ging. So gut wie es einem im Knast schon gehen kann. Das grell orange Outfit betonte allerdings die Sorgenfalten. Oder war das wieder nur verzerrte Wahrnehmung? Vielleicht ist aber auch alles Andere nicht so wie es den Anschein hat.

Das einzige was relativ klar ist, ist dass Frank unglaublich nervte mit seinen neusten Anwandlungen und Liebesbekundungen gegenüber seiner Familie. Gut, dass Ian sich eine Pause vom Gallagher-Alltag nahm und in eine andere, nicht minder verwirrende Welt eintauchte. Eine Welt in der er Antworten zu finden glaubte, weshalb Mickey nach ihrem letzten Treffen, in ihm diese Fragen aufwarf und er ständig daran denken musste. Allein dieser Umstand reichte aus, um wieder zu kommen.
Trotz der Abgeschlagenheit durch die Pillen, blieben gelegentliche kleine Wutanfälle nicht aus, welche seine Unzufriedenheit über seinen gegenwärtigen Zustand zum Ausdruck brachten. Nach dem letzten Besuch im Gefängnis schien sich das verstärkt zu haben. Ian wusste, dass da etwas ist. Dass da gewaltig viele angestaute und unterdrückte Emotionen sind. Nur wusste er nicht, wie er sie in die richtigen Bahnen lenken kann und hoffte nun auf diesem Weg eine Lösung zu finden. Indem er sich mit der Ursache konfrontiert.

Heute allerdings führte man ihn nicht in diesen kalten Raum, mit noch kälterem Licht, in welchem man neben völlig Fremden sitzen musste, die ebenfalls mit Häftlingen sprachen. Das war beklemmend; einengend irgendwie. Es war dieses mal nicht wie beim letzten mal, wo sie Beide durch eine Wand aus Sicherheitsglas getrennt waren und man nur mit Hilfe eines Telefonhörers miteinander sprechen konnte.
Er wurde einige Flure weiter geführt und sollte nun einfach an Ort und Stelle warten. Wortlos sah sich Ian um und beobachtete die Wärter in den Gängen. Im Grunde war es jetzt noch unangenehmer, keinen Zivilisten außer ihn selbst zu sehen, was ihn unweigerlich an seinen Aufenthalt in der psychiatrischen Einrichtung erinnerte. Ian verfolgte jede Person und jeden Schritt den diese taten, fast schon paranoid. Unendlich lange Minuten später kam nun endlich dieser Typ zurück, der ihn hier her geführt hatte und schloss eine der Türen auf; mit den Worten: „Halbe Stunde, Mr. Gallagher.“ Auch jetzt nickte er nur und trat hinein.
Dort saß Mickey bereits, mit den Händen an eine metallene Bank gefesselt und schaute ihn an. Die Tür wurde hinter Ian abgeschlossen und dieser betrachtete sich den auf der Bank Sitzenden noch einmal, eh er fragte: „Die haben dich in Ketten gelegt?“ Angesprochener zuckte mit den Schultern: „Versuchter Mord. Was erwartest du, man? Das die mir hier 'ne verfickte Polsterecke und 'nen Longdrink rein stellen?“ Besagte Ketten klirrten, als Mickey seine Arme beim Reden bewegte. Währenddessen trat Ian langsam auf einen der Stühle zu, die dort gegenüber der Bank standen und setzte sich. „Warum zur Hölle sind wir hier?“, wollte Ian wissen und Mickey blickte an seinem Besuch hinunter und wieder auf, eh er antwortete: „Hab jemanden bestochen. Die Gelegenheit hat sich geboten.“ „Seit wann kannst du dir hier drinnen Bestechungen leisten?“, entgegnete Ian ihm und grinste schief. Auch Mickey's Lächeln kehrte zurück. Er kippte den Kopf zur Seite und sah auf den Boden vor sich, als er erklärte: „Iggy hat's Mandy gesteckt. Sie hat den ganzen Scheiß, der passiert ist, am Handy aus ihm raus gequetscht und dann hat sie den Dispo von unserem Dad angezapft." „Schon wieder?“, fragte Ian und musste sogar lachen, da ihm einfiel, dass Mandy das schon einmal für Lip getan hatte. Auf Mickey's fragenden Blick hin, schüttelte er nur mit dem Kopf und sprach in gedämpften Ton: „Nich so wichtig. Sie sollte nur aufpassen, dass er dass nicht rauskriegt.“ „Der Drecksack sitzt auch noch 'ne Weile im Knast und Mandy ist nach wie vor bei diesem Wichser Kenyatta in Indiana. Oder irgendeinem anderen Penner! Was weiß ich. Außerdem war's gar nicht so viel Geld. Da mach ich deutlich mehr, wenn ich hier jemanden umlege.“ Ian's Gedanken drifteten ab, während Mickey erzählte und er  erinnerte sich daran, wie er diesem Kenyatta damals ein Messer an den Hals hielt. Er wusste, dass er eigentlich denken sollte, dass es falsch war. Aber allein der Gedanke daran, was der mit seiner besten Freundin angestellte hatte und was er ihr noch antun könnte, ließ ihn wieder wütend die Fäuste ballen.
„Ian?“, wurde er von Mickey angesprochen und aus den Gedanken gerissen. Der Gemeinte blickte auf und versuchte das ganze so schnell wie möglich wieder zu verdrängen. Es gäbe eh nichts was er hätte tun könnte. „Ich komm klar“, sagte Ian und winkte Mickey's besorgten Gesichtsausdruck ab. Es war eine halbe Lüge, denn eigentlich hatte er nicht das Gefühl mit allem klar zu kommen, doch andererseits müsste man ja auch jeden überstandenen Tag als Erfolg ansehen können, oder?

„Warum sind wir hier?“, wiederholte Ian die Frage von eben und wieder wich Mickey seinem Blick aus, als er antwortete: „Ich wollte ein bisschen mehr... Privatsphäre.“ Ian registrierte dies zwar, jedoch reagierte er kaum darauf, weshalb Mickey nun wissen wollte: „Warum bist du hier?“ Sie schauten sich einen Moment schweigend in die Augen, bevor Ian sprach: „Selbstfindung. Schätze ich.“ Beide betrachteten sich nun einige Zeit im Ganzen, ohne ein Wort zu sagen. Mickey wurde immer nervöser, je länger er sein Gegenüber musterte und ihm wurde auch ziemlich schnell ziemlich warm. Er beugte sich zu einer seiner gefesselten Hände und öffnete umständlich die obersten Knöpfe seines orangen Gefängnis-Overalls und zupfte daran herum: „Schweineheiß hier drin!“, fluchte er und Ian schmunzelte: „Ach ja?“ „Leck mich!“, brachte Mickey dem entgegen und deutete einen leichten Tritt mit dem Fuß an. Allerdings waren zwischen ihnen Beiden noch etwas mehr als 2 Meter Platz.
Abermals herrschte Schweigen. Keiner wollte das Thema Pillen durchkauen oder wie es Ian damit geht.
Wiedermal war es an Mickey diese Stille zu durchbrechen: „Hab dich vermisst“, flüsterte er gerade so hörbar und Ian's Grinsen wurde breiter, als er mit einem Nicken auf den Schoß seines Gegenübers deutete und sagte: „Das kann ich sehen. Ziemlich deutlich sogar.“ Mickey sah an sich hinab und registrierte, dass er erregt war. Er ließ den Kopf hinter sich an die Wand kippen und versuchte an der Decke irgendetwas völlig Unerotisches zu finden. Ian schaute sich ebenfalls im Raum um und deutete auf ein schwarz verglastes Fenster. „Hockt dahinter jemand, der uns zusieht?“ „Und wenn schon. Der soll sich einen runter holen,“ kam es recht gleichgültig von Mickey, welcher bei seinen eigenen Worten noch etwas unruhiger wurde, als er es ohnehin schon war. Ian erhob sich von seinem Stuhl, trat an des Fenster und versuchte etwas zu erkennen. „Was machst du da?“, hakte Mickey nach, doch Ian antwortete nicht. Stattdessen drehte er sich bald darauf um, zog seine Jacke aus und warf diese auf die Stühle. Nun stand er vor Mickey. Wieder sahen sie sich an und dieses mal war das Knistern zu spüren. Das selbe Knistern, an dass sich Ian zu erinnern glaubte, was er immer fühlen konnte, kurz bevor sie Sex gehabt hatten. Er hockte sich hin, zögerte noch einen Augenblick und begann dann die restlichen Knöpfe des Overalls zu öffnen. Mickey indessen hatte Schwierigkeiten einzuordnen, ob er jetzt eher total aufgewühlt ist, oder geil oder beides. Die Ketten der Handschellen klirrten, doch ließen sie nicht genug Spielraum, um den vor sich Knienden großartig berühren zu können, welcher nun Mickey's Schwanz zu streicheln begann. „Oh Fuck...!“, stöhnte Mickey und ein weiteres mal schepperten die Ketten heftig. Zunächst leckte Ian nur sachte über die warme, fast heiße Haut an der Seite, hinauf zur Spitze, eh er Mickey's Schwanz so weit wie möglich in seinem Mund aufnahm. Die Hände des Gefesselten klammerten sich an der Bank fest und sein Kopf traf ein weiteres mal an unsanft die Wand hinter sich, während Mickey hoffte, dass das ganze kein allzu schnelles Ende nehmen würde. Doch dies schien vergebens. Nur wenige Minuten später kam er zum Orgasmus und auch Ian war etwas überrascht davon. Er schaute hinauf und betrachtete sein völlig fertig aussehendes Gegenüber.
Mickey deutete mit einer Hand an, dass Ian näher kommen sollte und als dieser der stummen Bitte nicht nachkam, beugte sich Mickey vor und überrumpelte Ian mit einem kurzen, aber heftigen Kuss. Erneut trafen sich ihre Blicke. Das Knistern. Die Spannung. Ian spürte die Leidenschaft. Endlich wieder! Es fühlte sich gut an. So gut...
Mickey's Zunge leckte sich über die Lippen; er schmeckte sich. Kaum einen Moment später erhob sich Ian, packte mit beiden Händen an die Knopfleisten des orangenen Gefängnis-Overalls und setzte sich auf Mickey's Schoß. Erneut entfachte ein ziemlich heftiger Kuss zwischen den Beiden und auch jetzt konnte man die Handschellen hören. „Gottverdammte Drecksdinger!“ knurrte Mickey zwischendurch und verfluchte zu keiner Zeit mehr, als ausgerechnet jetzt im Knast zu sein. Wenn er könnte, würde er jetzt den lieben langen Tag nichts anderes machen als mit Ian zu vögeln.
„Ich dachte, du hast hier drin schon Freunde gefunden“, flüsterte Ian und Mickey antwortete leise: „Eigentlich nur Einen. Aber der ist vor einer Weile entlassen worden.“ Kein Wunder dass Mickey so einen Schnellschuss hingelegt hatte. „Mach dein Hemd auf“, forderte Mickey, doch als Ian ihn nur wartend ansah, verdeutlichte er noch einmal: „Ich würd's selbst tun, aber diese verfickten scheiß Teile hier...!“ Jeder einzelne Fluch, den Mickey von sich gab, hatte etwas unglaublich Anregendes für Ian. Irgendwie fand er diese Eigenschaft an Mickey schon immer sexy. Langsam und provozierend öffnete Ian Knopf für Knopf sein Hemd. Für Mickey viel zu langsam! Er sah immer wieder mit diesem auffordernden Blick hinauf in die Augen des auf ihm Sitzenden und wieder ungeduldig auf dessen Hände, welche gemächlich voranschritten. Dann, endlich, war es soweit. Mickey presste sein Gesicht an Ian's nackte Brust, er roch dessen Duft und leckte über die blasse Haut, nach der er sich so lange sehnte. Die Handschellen ließen zwar nicht zu, dass er anfassen konnte, was er so dicht vor sich sah, aber es reichte immerhin aus, um an Ian's angewinkelte Beine zu packen.

Schon komisch, wie etwas, das man früher als mehr oder weniger selbstverständlich ansah, nun so eine immense Verlockung darstellte. Es gab so viele Dinge, die Mickey ihm am liebsten sagen würde, doch befürchtete er, dass es die Stimmung killen könnte und schwieg. Er schwieg, wie er es immer getan hatte und behielt seine Gedanken für sich. Zur gegenwärtigen Situation wohl die beste Entscheidung, nicht dass die Sache hier ein jähes Ende haben würde, nur weil Mickey seine Gefühle nicht im Griff hat.
Als Ian damals abgehauen war, ging es ihm zwar nicht wesentlich besser als heute, aber immerhin war er auf freiem Fuß, konnte tun worauf er Bock hatte und es sich mit dem einzigen Foto, welches er von ihm besaß, jeder Zeit selbst besorgen.
Apropos besorgen...
Mickey stellte nach einem weiteren leidenschaftlichen Kuss fest, dass sich auch bei Ian in der Hose eine Beule abzeichnete. Er blickte hinauf in das grinsende Gesicht des Anderen, welcher flüsterte: „Diese verfluchte Knast-Kluft hat echt ein paar entscheidende Nachteile.“ Denn Mickey würde sich daraus nicht befreien können, solange seine Hände fest gekettet sind. Weshalb Ian sich nun erhob, seine Jeans öffnete und diese samt Shorts zu Boden glitt. Mickey ließ sich nicht zwei mal bitten und begann umgehend damit, den vor ihm Stehenden mit dem Mund zu verwöhnen.
Ian war nie der größte Fan von Blowjobs im Stehen, lieber saß oder lag er dabei, um sich voll und ganz auf die Sache einlassen zu können, statt aufzupassen, dass die Beine nicht vor lauter Ekstase weg knicken. Seine Hände fuhren durch das schwarze Haar und seine Hüfte bewegte sich ein wenig entgegen Mickey's Kopfbewegungen. Zwar dauerte es länger bis er ihn zum Orgasmus bringen würde, aber auch der Genuss hielt dafür länger an. Wenige Augenblicke bevor er kam, stützte sich Ian mit einer Hand an der Wand hinter Mickey ab, während sich die andere fest in dessen Haare krallte. Aus leisem Seufzen wurde langsam Stöhnen und gerade als Ian glaubte kurz vorm Höhepunkt zu sein, hämmerte jemand an die Tür. „3 Minuten, Mr. Gallagher!“, brüllte es von draußen und die Beiden hielten einen Moment inne vor Schreck. Da klopfte nicht nur ein Wärter, sondern auch die Realität an, die sie wieder aus ihrer kleinen Welt reißen wollte. „Ja!“ rief Ian ein wenig gequält klingend zurück und knurrte im Anschluss leise: „Verfluchter Penner...“ „Komm her...“ flüsterte Mickey und setzte sein Tun fort. Wenige Sekunden später biss Ian die Zähne zusammen, um möglichst kein Geräusch von sich zu geben als er kam. Leicht außer Atem, aber zufrieden zog Ian seine Hose wieder hoch und ließ sich neben Mickey auf die Bank fallen. Beide lehnten sich an die Wand dahinter und blickten zum leicht flackernden Deckenlicht. Jetzte ne Kippe rauchen... das wär's.
Doch viel Zeit zur Entspannung blieb nicht, denn nun begann jemand die Tür auf zu schließen. Während Mickey hastig und umständlich versuchte zumindest ein Paar der Knöpfe seines Overalls einhändig zu schließen, sprang Ian auf und holte seine Jacke, welche er sich über warf. Die Tür ging auf und der selbe Typ, der Ian hier her brachte, holte diesen auch wieder ab. Es war definitiv nicht zu übersehen oder sonderlich falsch zu interpretieren, was hier drinnen gerade abgegangen sein musste. Umso dreckiger mutete das Grinsen dieses Wärters an, als Ian an ihm vorbei ging und nun ebenfalls sein Hemd zuknöpfte. „Kommst du wieder?“, rief Mickey ihm hinter her und so blieb Ian stehen, betrachtete noch einmal den an die Bank Gefesselten und wurde dann von diesem Kerl weiter geschoben, damit der Eingang geschlossen werden konnte.

Keine Antwort.
Mickey saß noch eine Weile da und starrte auf die stählerne Tür, als würde Ian gleich zurückkommen. Auf der gegenüber liegenden Seite dieses Ausgangs befand sich ein weiterer, durch welchen man Mickey herbrachte und auch jene Stahltür öffnete sich nun. Abermals dieser Typ, der Beide in diesen Raum gebracht hatte und er sagte: „Die Investition scheint sich ja gelohnt zu haben, was Milkovich?“ So sehr ihm solche Kommentare auf die Eier gingen, umso mehr verkniff er sich auch irgend was darauf zu kontern. Der da, war zwar nicht derjenige, den Mickey bestochen hatte, aber scheinbar wusste dieser Sack davon und er konnte auf jeden Extra-Monat im Knast verzichten, wenn sie ihm jetzt auch noch Beamtenbeleidigung ankreiden. Mickey wollte so schnell wie möglich hier raus. Das hieße ebenso Keinen mehr abstechen, auch wenn das gute Kohle für die Zeit nach dem Knast gab.  Er wollte zu Ian; um ihn kämpfen, oder wenigstens nicht im Knast verrückt werden. Egal ob er hier drinnen einen neuen Fuck-Buddy finden würde, niemand würde das ersetzen können, was er mit Ian hatte.
Niemand!

Song: Ian & Mickey - Basic Instinct
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