Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Erotik / Bloodlust

Bloodlust

GeschichteDrama, Romanze / P18
31.12.2015
31.12.2015
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Hey ^^
Tja, eine kleine Story von mir. Bis jetzt weiß ich nicht ob ich weiterschreibe. Das erste Kapitel hier wollte ich mir aber von der Seele schreiben ^^ Vielleicht wird ja mal mehr draus.
Lasst euch von der Vampir-Thematik nicht abschrecken, das hier wird nämlich nicht so wie die meisten solcher Storys ^^
Achja, diese Geschichte hat aber, obwohl er auch hier ihr Boss ist, überhaupt nichts mit "One of those darkest Words" zu tun. Das ist in dieser Story eigentlich nur Nebensache. Und nein, es wird auch kein schlechter Twilight-Abklatsch ;D
Aber jetzt viel Spaß beim Lesen :D
Achja... Meinung, Lob, Kritik, Liebeserklärungen und Morddrohungen sind wie immer gerne in den Reviews  gesehen :) Mit anderen Worten: Lasst ein Review da ^^   
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Schlecht gelaunt und unausgeschlafen stieg ich in den Fahrstuhl, warf seufzend einen Blick auf die Uhr. Die Zahlen meiner Armbanduhr sagten mir das, was ich eigentlich schon wusste, seit ich heute Morgen aufgestanden war. Es war eindeutig zu früh, um zu arbeiten. Viel zu früh.
Halb sechs Uhr morgens!
Und das alles nur wegen dem Mann, der die Firma gerade eben erst übernommen hatte. Noah Grayson. Zwar war ich ihm noch nie begegnet -wofür ich mehr als dankbar war!- doch unter diesen Umständen war mir der Mann jetzt schon unsympathisch.
Missmutig, meinen Kaffee in der Hand, der mir allerdings heute nicht schmecken wollte, machte ich mich auf den Weg in mein Büro. Kurz betrachtete ich meine Reflexion in einer der Glastüren. O Gott, Kyra! Wofür hast du dir eigentlich die Mühe gemacht?
So herausgeputzt hatte man mich im Büro vermutlich seit Monaten nicht mehr gesehen. Nicht, dass ich mich nicht bemühte jeden Tag hübsch auszusehen. Doch bei meinem alten Chef hatte ich mir damit leider eher Probleme eingefangen, als den ein oder anderen bewunderten Blick. Schließlich "war dies ein Büro und kein Bordell", wie er zu sagen pflegte.
Doch heute hatte ich tatsächlich sehr viel Mühe in dieses Outfit gesteckt, wofür ich mich im Nachhinein hasste. Hätte ich besser eine halbe Stunde länger geschlafen... Mit einem prüfenden Blick richtete ich meinen doch eher kürzeren schwarzen Rock zurecht, dann meine körperbetonte Bluse und letzten Endes betrachtete ich mein Gesicht.
Das Make-Up hatte die Müdigkeit nicht völlig aus meinem Gesicht vertreiben können, doch wenigstens großzügig kaschiert. Erst jetzt wurde mir klar, dass ich mir selbst hierfür viel mehr Mühe gegeben hatte als sonst. Auf den Eyelinerstrich, der meinen grünen Augen nun beinahe schon etwas katzenhaftes verlieh, verzichtete ich sonst.
Eigentlich wusste ich selbst nicht so genau, was ich damit beabsichtigt hatte. Vielleicht war es auch nur der kurze Anflug von Euphorie mal einen netteren Boss zu bekommen. Kopfschüttelnd setzte ich meinen Weg fort, passierte einige Büros und traf auf ein paar meiner Kollegen.
Vor einem Büro machte ich halt und betrat es. Brandon Martins sah müde zu mir auf, als ich ihm ein paar Akten auf den Tisch knallte. "Hm...Kyra, was für ein schöner Anblick am Morgen", murmelte grinsend. Ich seufzte innerlich. Es gab wohl keinen Tag an dem er es nicht wieder versuchte und das seit ich hier arbeitete. Jedes Mal die selben schlechten Sprüche. Mittlerweile sollte er gelernt haben, dass ich alles andere als interessiert an ihm war.
"Spar' dir die Sprüche für eine Frau, die drauf reinfällt", erwiderte ich nur, wandte mich bereits wieder ab.
"Aber aber, Süße, warum so schnippisch?"
"Du weißt, ich kann es nicht ausstehen, wenn du mich so nennst", entgegnete ich kühl. "Mach dich lieber an die Arbeit."
Er erhob sich, trat hinter mich. "Ich liebe es, wenn du wütend wirst", murmelte er mir ins Ohr.
Säuerlich schob ich ihn von mir. "Du willst gar nicht wissen, wie es ist, wenn ich wirklich wütend bin." Damit verließ ich sein Büro einfach, ohne auch nur einmal zurückzublicken. Ein weiterer Blick auf die Uhr genügte, dass ich meinen Schritt beschleunigte.
Mit jedem Meter, den ich mich den Büroräumlichkeiten im zehnten Stock näherte, unter denen sich auch meines befand, schien mein Selbstbewusstsein ein klein wenig zu schrumpfen. Bevor ich die Michglastür schließlich öffnete, atmete ich noch einmal tief durch.  Zeit, meinen neuen Boss kennenzulernen!

Da stand er also vor mir, der wohl angsteinflößendste Mann, dem ich jemals begegnet war.  Mein neuer Boss, Noah Grayson.
Als mir meine Kollegin und beste Freundin Isabell von ihm erzählte hatte, hatte ich mit allem gerechnet. Aber bestimmt nicht mit dem Mann der nun in seinem neuen Büro stand, das er gerade eben übernommen hatte, und mich musterte.  
Noah war hochgewachsen, gut einen Kopf größer als ich und durch den grauen Anzug hindurch konnte man einen kräftig gebauten, geradezu muskulösen Körper erahnen. Eigentlich würde er seinem Aussehen nach zu urteilen gar nicht hierher passen, nicht an die Spitze einer Firma.
Er wäre eher noch als Schauspieler durchgegangen. Mit seinen strahlend dunkelblauen Augen, dem etwas markanter geschnittenen Gesicht und dem schwarzen Haar schien er keinesfalls dem typischen Erscheinungsbild eines -wie hatte Isabell ihn genannt?- strengen, unnachgiebigen und kühlen Firmenchefs zu entsprechen.
Ich hatte mich allerdings gewaltig getäuscht. Und das bemerkte ich jetzt schon, als ich ihm direkt gegenüberstand und seine berechnenden Blicke über mich ergehen lassen musste.  Ein durchdringliches Paar dunkelblauer Augen bohrte sich in meinen Körper, spürbar, beinahe so als könne es durch mich hindurch zu meinen tiefsten Gedanken blicken. Er schien meine Gedanken und Gefühle mit einer Leichtigkeit von meinem Gesicht ablesen zu können, die mich verunsicherte und noch im selben Moment den Blick senken ließ.
"Sie sind also...?", setzte Noah mit dunkler samtiger Stimme an, musterte mich fragend.
"K-Kyra", stotterte ich unsicher, räusperte mich allerdings sofort.
Ein kühles Lächeln legte sich um seine Lippen. "Und Ihren Nachnamen dürfte ich vielleicht auch erfahren, Miss Kyra?"
"Natürlich...Verzeihung. Blaine... Kyra Blaine." Ja, Kyra du wirkst wirklich hochprofessionell vor deinem neuen Boss! , schoss es mir sarkastisch durch den Kopf. Sonst war ich doch nie so... unsicher, ganz im Gegenteil. Ich hasste es, nicht Herr einer Situation zu sein, umso verwirrender schien es mir, wie mich dieser Mann durch seine bloße Anwesenheit einschüchterte.
Grayson streckte mir seine Hand entgegen und es brauchte tatsächlich einen Moment, bis ich begriff und einen weiteren bis ich fähig war sie zu ergreifen. Sein Händedruck war fest, nein, eher schon grob, jagte mir einen kühlen Schauer über den Rücken und...seine Haut fühlte sich überraschend kalt an, was irgendwie nicht zu passen schien, so...unnatürlich wirkte.
"Freut mich Sie kennenzulernen, Miss Kyra." Ein beinahe spöttischer Unterton schlich sich in seine Stimme, als er meinen Namen aussprach.
Wütend verkniff ich mir eine bissige Antwort. Arrogant war der Herr also auch, na ganz toll! Schnell zog ich meine Hand zurück.
Wieder ließ er seine inspizierenden Blicke über mich schweifen, während er auf seinem Bürostuhl hinter dem gewaltigen Schreibtisch Platz nahm und nickte schließlich. "Sie waren führ meinen Vorgänger, Mr. Anderson, also als Sekretärin tätig?"
Ich nickte zögerlich. "Ja."
"Nun, ich kann Sie und ihre Arbeit nicht einschätzen. Außerdem möchte ich die Posten der Firma vorerst so belassen wie bisher. Was natürlich nicht bedeutet, dass sich hier nichts ändern wird." Seine dunkelblauen Augen fixierten mich kühl.
"Miss Blaine, Sie sollten wissen, dass ich hohe Erwartungen habe, an Sie wie an jeden anderen Mitarbeiter. Ich habe nicht vor jemanden für Untätigkeit zu bezahlen. Verstanden?"
Lediglich nickend sah ich ihn an. Ja, Isabell hatte recht gehabt. Noah wirkte streng und eiskalt. Kein Wunder, wenn er es sich mit siebenundzwanzig Jahren leisten konnte eine Firma wie diese aufzukaufen. Da musste man wohl eine gewisse Härte und Skrupellosigkeit besitzen. Was mir den Mann aber kein bisschen sympathischer machte.
Da konnte er noch so gut aussehen. Obwohl ich ja zugeben musste, dass  er das wirklich war. Gutaussehend. Und zwar ziemlich. So wie er aussah konnte er es bei den meisten Frauen ja nicht gerade schwer haben, ganz im Gegenteil.
"Machen Sie sich jetzt besser wieder an die Arbeit, Miss Kyra." Wieder zeichnete sich dieses unverschämt gutaussehende, spöttische Grinsen auf seinen Lippen ab. Aufgeblasener Idiot! Ich zwang mich zu einem höflichen Lächeln. "Natürlich, Mr. Grayson."  
Der einzige Trost, der mir blieb, war die Tatsache, dass ich ihm trotz allem wohl hier nicht allzu oft begegnen würde. Schließlich war das nicht die einzige der vielen Firmen, die er aufgekauft hatte. Er wäre also zu beschäftigt, um mir auch nur ein Bisschen mehr als das Nötigste seiner kostbaren Zeit zu widmen.
Seufzend strich ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich aus meinem Dutt gelöst hatte und ließ mich auf meinem Schreibtischstuhl nieder. Ich hätte zwar nie gedacht, dass ich das jemals sagen würde, doch ich vermisste meinen alten Boss, Mr. Anderson. Obwohl die Arbeit für ihn wirklich kein Spaß gewesen war. Charles Anderson war der wohl konservativste und humorloseste Mensch, dem ich jemals begegnet war. Streng, immer auf höchste Professionalität in seiner Firma bedacht und dabei noch griesgrämig.
"Und wie findest du ihn?", riss mich Isabells Stimme aus meinen Gedanken.
"Schrecklich. Unausstehlich. Arrogant. Aufgeblasen. Soll ich noch weiter machen?"
"Aber auch verdammt heiß", erwiderte sie schmunzelnd, während sie mit einer ihrer blonden Haarsträhnen spielte.
Ich verdrehte die Augen. "Und wenn schon. Er ist ein Arsch." Isabell hatte viele gute Eigenschaften, wofür ich sie wirklich liebte, doch leider auch die ein oder andere schlechte. Wozu nun zum Beispiel zählte, dass kein attraktiver Mann in ihrem Umfeld vor ihr sicher war. Dass sie selbst zudem wirklich hübsch war, machte das Ganze noch schlimmer.  "Isabell, bitte versprich mir, dass du die Finger von ihm lässt, ja?"
Sie winkte ab, rollte mit ihren blauen Augen. "Ja, ja vielleicht."
Ich sah sie ernst an. "Ich meine das ernst, Isabell."
"Miss Kingsley", Noahs Stimme ließ mich hochschrecken.
"Ja, Mr. Grayson?" Isabell schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.
"Ich bräuchte Sie kurz in meinem Büro." Kurz wanderte sein kalter Blick zu mir, was mir ungewollt einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte.
"Natürlich." Wieder erschien dieses unwiderstehliche Lächeln auf Isabells Lippen, während sie ihm in sein Büro folgte. Noch einmal wandte sie sich zu mir um und zwinkerte mir über ihre Schulter hinweg zu.
Meinen Blick nun stur auf meinen Computer gerichtet, meinte ich immer noch seine Augen auf mir zu spüren, wie sie mich so durchdringlich musterten. Langsam hob ich den Blick. Der Gang vor mir war leer. Aber wie...?
Kopfschüttelnd trank ich noch einen Schluck Kaffee. Ich war übermüdet, das war wohl alles.

Mein Blick löste sich nur einen kurzen Moment von meiner Arbeit, wanderte verstohlen zu meiner Uhr. Halb zwölf. Gähnend griff ich nach meiner vierten Tasse Kaffee heute.  Na ganz toll!
Mit einem leisen Seufzer betrachtete ich die Stapel von Papierkram, die sich immer noch auf meinem Schreibtisch türmten.
Verdammter Grayson! Warum musste er auch gerade mir die ganze Arbeit "überlassen"? Vermutlich war ich jetzt die einzige, die immer noch im Büro saß und das noch dazu völlig übermüdet. Ich sehnte mich jetzt mehr als jemals zuvor nach meinem Bett, doch das würde wohl so bald nichts werden...
"Miss Kyra", die dunkle Stimme ließ mich aufblicken. "Möchten Sie nicht lieber nach Hause fahren? Das können Sie doch morgen auch erledigen." An den Türrahmen gelehnt deutete mit einer angedeuteten Geste auf meinen Schreibtisch.
Überrascht blinzelnd sah ich an. Hatte ich mich gerade getäuscht oder war Noah Grayson tatsächlich nett? "Aber...sollte ich das nicht bis morgen fertig haben?", fragte ich vorsichtig, nicht ohne Misstrauen.
"Bis morgen Mittag sollte es fertig sein, was aber nicht bedeutet, dass sie sich die Nacht hier um die Ohren schlagen müssen." Ein Schmunzeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab. "Ich bin nicht das Monster, für das sie mich halten."
"Da wäre ich mir nicht so sicher", murmelte ich, biss mir allerdings sofort auf die Unterlippe.  Verdammt, Kyra!
Ich meinte zu sehen wie sich sein Blick einen Moment verdunkelte. "Vielleicht haben Sie recht." Irgendetwas an seinem Tonfall verriet mir, dass er es verdammt ernst meinte, auch wenn ich nicht genau wusste, was. Schnell drängte ich diese Gedanken beiseite. Meine Müdigkeit spielte mir wahrscheinlich schon Streiche.
"Fahren Sie nach Hause", fügte er dann hinzu.
Ich lächelte etwas. "Danke. Und Sie? Wollen Sie hier etwa übernachten?", fragte ich mit hochgezogener Augenbraue. Was...machte er denn eigentlich noch hier? Eigentlich müsste er mit seiner Arbeit schon lange fertig sein, zumal er ja mir das meiste davon auf den Schreibtisch geknallt hatte. Schnell schluckte ich den Zorn runter, der schon wieder in mir aufstieg.
Auf Noahs Lippen zeigte sich ein amüsiertes Schmunzeln. "Nein, Miss Kyra, ich halte nachts nicht viel von...Schlaf."
Ehe ich darüber nachdenken konnte, ob das ein verdammt schlechter Versuch war mit mir zu Flirten oder ein Witz, den ich irgendwie nicht ganz verstand, sprach er auch schon wieder. "Keine Sorge, ich schließe nachher schon ab, fahren Sie einfach nach Hause."
Mein Blick wanderte zur Uhr. Verdammt! Schon zwölf! Das mit der U-Bahn kann ich heute vergessen...  
"Soll ich Sie fahren?", fragte Noah, riss mich so aus meinen Gedanken.
"Äh...was?"  Hatte ich meine Gedanken etwa laut ausgesprochen? Ich hätte schwören können, kein Wort gesagt zu haben. Bestimmt. Woher konnte er also wissen...? Okay, ich war definitiv übermüdet. Oder ich verlor langsam den Verstand.
Noahs fragender Blick ruhte auf mir, auf eine Antwort wartend.
"Äh...ich meinte, ja gerne. Wenn...es Ihnen keine Umstände macht, natürlich." Was ist mit mir heute los?
 Etwas unruhig rutschte ich Minuten später auf dem Beifahrersitz seines Mercedes hin und her. Mein Blick glitt hinaus zu den vertrauten Straßen New Yorks. Die Stille, die sich zwischen uns ausgebreitet hatte, trieb mich beinahe in den Wahnsinn. Doch ich wusste beim besten Willen nicht, was ich sagen sollte. Vielleicht war es auch besser so.
Der Wagen hielt und ich blinzelte überrascht. Wir waren schon da?  "Gute Nacht, Miss Kyra."
Ich begegnete Graysons kühlen Blick. Erst jetzt wurde mir klar, wie...gefühlskalt dieser Mann eigentlich wirkte. Ob er lächelte oder nicht, seine Augen hatten stets den selben Ausdruck. Eiskalt und gefühllos. Selbst sein Lachen wirkte dadurch irgendwie unnatürlich, aufgesetzt, wie eine Maske, mehr nicht. Was ging in ihm wirklich vor?
Unmerklich schüttelte ich den Kopf. Kann mir doch egal sein. "Gute Nacht, Mr. Grayson."
Schnell stieg ich aus dem Wagen, ging die Treppe hoch zu meinem kleinen Haus, dass ich mir auch nur leisten konnte, weil ich nicht alleine dort wohnte. Mein Gehalt war, dank Mr. Anderson, ja auch nie herausragend hoch ausgefallen und irgendetwas verriet mir, dass Grayson das nicht ändern würde.
Kurz wanderte mein Blick über meine Schulter, darauf bedacht, dass Noah es nicht bemerkte. Er musste ja nicht sehen, dass ich mich nach ihm umdrehte. Warum machte ich mir überhaupt Gedanken darüber? Eigentlich konnte mir das doch egal sein, oder?  
Doch diese Sorge war wohl ohnehin überflüssig gewesen. Graysons Wagen stand nicht mehr da. Mein Blick glitt die Straße entlang. Sie war völlig verlassen.

"Kyra!  Kyra, wach auf!" Isabells Stimme riss mich aus dem Schlaf.
Grummelnd zog ich mir die Bettdecke über den Kopf, noch halb im Land der Träume. Und eigentlich hatte ich auch keine Lust aufzuwachen, nicht nach der langen Nacht gestern.
"Kyra! Du willst doch nicht zu spät zur Arbeit kommen, oder?"
"Ist doch egal..", murmelte ich, mich tiefer in die weichen Kissen kuschelnd. "Sag Mr. Anderson, dass ich krank bin...", nuschelte ich kaum verständlich.
"Süße, dir ist klar, dass wir seit gestern einen neuen Boss haben? Noah Grayson, sagt dir der Name noch was? Er ist übrigens der selbe Kerl, der dich gestern Nacht nach Hause gebracht hat."
Einen Moment dauerte es bis ich ihre Worte verstand, dann trafen sie mich wie ein Schlag, vertrieben jeglichen Gedanken an Schlaf. Augenblicklich schlug ich die Decke beiseite. Grayson! Verdammt! Ich durfte nicht auf keinen Fall zu spät kommen.
Isabell musterte mich fragend aus ihren blauen Augen. Ein Ausdruck von Misstrauen lag darin. "Was war da letzte Nacht eigentlich? Warum bist du erst mitten in der Nacht nach Hause gekommen? Und warum hat er dich hierher gefahren?"  
"Nichts." An ihr vorbei stürmte ich ins Bad, begann mit hastigen Bewegungen mein Haar zu kämmen, das in unordentlichen Locken um mein Gesicht fiel. Dunkle Schatten zeichneten sich unter meinen Augen ab, die müde in den Spiegel starrten. So konnte ich doch keinen Fuß vor die Tür setzten! Schnell griff ich nach meinem Make-Up, verteilte gefühlte Tonnen davon auf meinem Gesicht. Mit geringem Erfolgsergebnis. Ich sah immer noch schrecklich aus.
Als  ich nach dem Eyeliner griff, hielt ich inne. Was tue ich hier eigentlich? Sonst wäre es Kyra Blaine, so wie ich sie kannte, egal gewesen, ob sie mit Ringen unter den Augen und zerzaustem Haar vor ihren Boss trat. Warum verbergen, dass ich müde war, weil ich seine Arbeit erledigen musste? Mir war immer herzlich egal gewesen, ob ich vor anderen gut aussah, zumindest, was meinen Boss betraf.
Warum also heute nicht? Kopfschüttelnd warf ich meinem Spiegelbild einen letzten Blick zu, ehe ich das Badezimmer hastig verließ, um mich schnell anzuziehen. Als ich letztendlich, vermutlich ohnehin schon zu spät, das Haus verließ, hielt ich den Atem an. Vor mir stand ein schwarzer Mercedes. SEIN Mercedes.
"Guten Morgen, Miss Kyra."

Ein Lächeln legte sich um meine Lippen, als mein Blick ihren völlig überraschten traf. Ich konnte beinahe fühlen, wie sich ihr Pulsschlag beschleunigte, sie erschrocken den Atem anhielt. Einen kurzen Moment hätte ich zu gerne gewusst, was ihr durch den Kopf ging...
Ich lächelte sie strahlend an. "Guten Morgen, Miss Kyra."
Kyra, Kyra, wenn du nur wüsstest...
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