Holy night

KurzgeschichteRomanze / P16 Slash
30.12.2015
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Es war bereits dunkel als er das Bürogebäude verliess. Fröstelnd zog er den Mantelkragen etwas höher. Es roch bereits nach Schnee, welcher aber wie üblich auf sich warten lassen würde. Hier in Tokyo war einfach zu viel Beton verbaut, als dass sich alles genug abkühlen konnte für eine anständige Schneedecke. Das vermisste er eigentlich am meisten. Eine Schneeballschlacht. Eine Schlittenfahrt. Ein schiefer Schneemann. Seinetwegen auch ein billiger Schneeengel. Hier war alles, das auf ihn wartete, eine kleine chaotische Wohnung ohne Küche. Es kam ihm länger vor als drei Jahre seit er hierher gezogen war. Und wäre nicht eine kleine Katze, die miauend vor dem Wohnblock wartete bis er Heim, kam wäre er wieder abgehauen. Er hatte keine Ahnung wem sie gehörte. Am liebsten würde er sie adoptieren, aber sie trug ein Halsband.
Der Bürojob nagte an seinen Nerven. Es war langweilig und anspruchslos. Kein einziger Funken Kreativität war gefragt. Lediglich unermüdliches Abwickeln von Bestellungen, stundenlang. Aber im Moment war er auf ein festes Gehalt angewiesen, ob er wollte oder nicht.
Ein fester Griff um seinen Arm liess ihn zurück taumeln. Er brauchte einen Moment um den stechenden Blick aus den schmalen, leicht geröteten dunkelbraunen Augen jemandem zuzuordnen. Yanagi. Nur er konnte sein Gegenüber auf diese Weise ansehen. Es wirkte sogar noch eindringlicher als früher. Was nicht nur an den Schatten unter seinen Augen lag.
"Steig ein, wir kommen sonst zu spät", wies ihn der Datenmeister kühl an und öffnete die Tür des schwarzen Wagens vor dem sie standen. Er war eingerostet. Ganz klar. Sein Kopf kam nicht ganz mit was gerade los war. Oder weswegen es los war. Oder warum Yanagi ein schwarzes Auto mit getönten Scheiben fuhr das eher zu einem Yakuza-Mitglied passte.
"Nioh, steig schon ein." Yanagis Tonfall war schon wesentlich wärmer als eben noch und Nioh setzte sich verdutzt in den Wagen und schnallte sich artig an. Er folgte Renji mit den Augen als er um den Wagen eilte und sich ans Steuer setzte. Es war ein merkwürdig unwirkliches Gefühl ihm dabei zuzusehen wie er den Motor startete. Es war schwer vorstellbar, dass irgendjemand von seinen Freunden ein Auto lenkte. Aber so wie er ihn einschätzte, würde er bei Yanagi am wenigsten Gefahr laufen in einen Unfall verwickelt zu werden.
"Wir fahren zu Atobes Anwesen. Er gibt eine Art von Klassentreffen. Ich persönlich würde es als nostalgische Wiedersehensgelegenheit der damaligen U-17  bezeichnen. Yukimura besteht auf unsere Anwesenheit", klärte ihn Renji endlich auf. Sofort war Niou wieder hellwach.
"Treffen? Du meinst alle Trottel von damals werden dort sein?", fragte er skeptisch nach.
Natürlich traute er Atobe zu genug Platz für alle bieten zu können. Vermutlich für das Zehnfache von ihnen. Vermutlich gab es sogar einen Dresscode, an den er sich auch mit Vorwarnung nicht gehalten hätte. Mit Vorwarnung hätte er dafür sorgen können ausser Landes zu sein. An einem Ort, an dem ihn nicht einmal Renji finden konnte. Er hatte niemandem seine Nummer oder seine Adresse hinterlassen. Dass es Yanagi gelungen war ihn zu finden, wunderte ihn trotzdem nicht. Niemand kam gegen ihren Datenmeister an.
"Natürlich. Darum habe ich dich abgeholt."
Yanagis Mundwinkel verzogen sich nach unten und eine steile Falte bildete sich auf seiner Stirn. Es war offensichtlich, dass er etwa so begeistert war wie Nioh selbst von der Aussicht manche Leute wieder zu sehen. Es überraschte Nioh, schliesslich war so ein Ehemaligen-Treffen die perfekte Fundgrube für Daten. Niou lehnte sich zurück. Der Sitz war sogar beheizt. Ihm war nicht nach Reden zumute und auch Renji schwieg, ignorierte sein Handy, das ständig vibrierte und Niou vom Schlafen abhielt. Die Fragen brannten ihm auf der Zunge, aber er war müde vom vielen monotonen Tippen. Und das nicht nur heute.
Sie kamen nur schleppend voran. Der Verkehr war auch zu dieser Nachtzeit noch nicht abgerissen. Niou würde es begrüssen, sie kämen nie an. Aber es war zu spät auszusteigen, es gab nur ein Gebäude, das derart prunkvoll beleuchtet war und das näherte sich langsam, aber beständig. Seufzend liess er sich gegen die Fensterscheibe sinken und schloss die Augen. Sein Herz schlug nervös und aufgebracht. Es graute ihm davor seine alten Freunde zu sehen. Hiroshi zu begegnen, der ihm das Herz gebrochen hatte. Er biss sich auf die Lippen und drängte die aufkeimenden Tränen zurück. Er hoffte, dass Yukimura auch Kirihara und Marui angeschleppt hatte. Und Fuji wieder zu sehen und Atobe zu piesacken waren ebenfalls lohnende Aussichten. Er musste nur dafür sorgen, dass er Yagyuu nicht begegnete.

Unruhig leerte er das dritte Bier in Folge. Die Krawatte, zu der er sich von Yanagi hatte überreden lassen, steckte schon längst wieder in seiner Hosentasche. Noch immer stand er am Eingang der angeblichen Gartenparty. Der Torbogen war aus Eis und das Einzige, das ihn bisher irgendwie zum Lachen gebracht hatte, war der Leoparden-Trottel der zwar gewaltig in die Höhe geschossen, aber noch immer der gleiche Kindskopf war wie damals. Die Leute aus Osaka eben, ein spezielles Volk. Nur so jemand kam auf die Idee den Torbogen abzulecken und dabei natürlich kleben zu bleiben.
Die dicken Flocken, die hier fielen waren leider Kunstschnee und daher perfekt regelmässig eingestellt. Wäre es richtiger Schnee, wäre es wirklich schön gewesen, aber ein Prahlhans wie Atobe überliess nichts dem Zufall. Einige Eisstatuen zierten den Garten. Lichterketten in den Bäumen symbolisierten die Schulfarben. Um den roten Weihnachtsbaum hatte sich Rokkaku versammelt, wenigstens sie schienen richtig viel Spass zu haben. Die durchgeknallten Trottel aus Osaka hörte er zum Glück nur. Vielleicht wäre es besser gewesen damals nach Osaka zu ziehen und mit Shiraishi als Captain Tennis zu spielen.
Er hatte Atobes rührender Ansprache gelauscht, die junge Frau an seinem Arm schien verlegen zu sein, aber wie von Atobe zu erwarten hatte sie Model-Flair. Vermutlich zählte für eine Familie wie diese nur das Gesicht und das Bankkonto. Schon traurig so zu leben. Aber seines war nicht viel besser. Weiter hinten im Garten leuchtete der gelbe Weihnachtsbaum mit den roten Glitterboas. Sanada und Yanagi schwiegen eisern und Yukimura bemühte sich zumindest um Interesse für Yagyuus Flitterwochen-Fotos. Natürlich nicht digital. Er machte einen zufriedenen Eindruck dabei. Wenigstens hatte er nicht versucht sie ihm zu zeigen, dann hätte er ihn mit irgendetwas bewerfen müssen. Und die Bierflasche war gerade das einzige, dass er zur Hand hatte.  Die Scherben würde ihm Atobe nicht verzeihen. Eigentlich ein Punkt, der für diese Aktion sprach.
Unvermittelt klammerte sich jemand an ihn und noch ehe er sich darüber beschweren konnte heulte das braunhaarige, noch immer zierliche Kakteenliebhaberchen los als wäre gerade seine Sammlung unter Wasser gesetzt worden. Seufzend legte er einen Arm um die Heulboje und winkte nach einem armen Kerl der auf einem Tablett Gläser und Getränke balancieren musste um nach einem Wein zu verlangen. Ein chemisch beschneiter Abend, der so zum heulen war, das sogar Fuji in Tränen ausbrach, verlangte nach einem deprimierend schweren Rotwein.
"Verwandle dich in Tezuka - sofort!", verlangte Fuji mi weinerlicher, aber sehr energischer Stimme. "Du weisst dass ich keine magischen Kräfte habe, ja?", entgegnete er genervt. Es war Jahre her dass er jemanden von den anderen imitiert hatte. Und es war ohne Verkleidung nicht ha.b so wirkungsvoll. Ganz abgesehen davon, dass er von den Meisten hier keine Ahnung hatte was sie eigentlich inzwischen taten. Er wusste dass Yagyuu geheiratet hatte, seinen Weg als Arzt ging und glücklich war. Das hatten die Postkarten, die er nicht vernichten konnte ihm verraten. Renji lebte in China, was auch immer er dort tat, Atobes Tätigkeiten sah man in der Zeitung und Tezuka war mit Echizen oftmals im Sportteil zu finden.  
"Ich hasse sie, alle beide! Wie konnte Eiji mir das nur antun...", jammerte das Genie weiter ohne auf seine Gegenfrage einzugehen. Natürlich, wie hatte er vergessen können welche schönen, kleinen, dramatischen Geschichten sich hier anbahnen konnten. Er hatte nur genug damit zu tun selbst deprimiert zu sein als dass er grosse Lust gehabt hätte Fujis Gejammer zu lauschen.
"Keine Ahnung, kümmere dich selbst darum", knurrte er erbarmungslos und schob ihn von sich. Fuji schnaubte beleidigt und warf ihm einen vernichtenden Blick zu ehe er in Richtung Rokkaku stapfte. Da gehörte er auch hin, wofür hatte man alte Kindheitsfreunde wenn nicht dafür? Es war ihm egal was Fuji jetzt schon wieder für ein Problem mit Kikumaru und Tezuka hatte. Es würde sich bestimmt in der nächsten halben Stunde legen. Und sonst drohte der Untergang ganz Japans, auch das wäre ihm recht gekommen.
Schnell trank er das Glas mit dem Rotwein aus, das ihm der Kellner brachte. Es schmeckte grässlich, mit dem verwässerten Traubensaft hatte er noch nie etwas anfangen können. Aber wenn Renji ihn schon im Auftrag von Yukimura nötigte das hier zu ertragen, dann würde er sich auch auf Kosten von Atobe betrinken.
"Da hat aber wer richtig miese Laune, was?", sprach ihn schon der Nächste von der Seite an. Entnervt funkelte er Marui an, dessen breites Grinsen dadurch nicht einmal verrutschte. Genüsslich steckte er sich eine Erdbeere mit viel Schlagsahne in den Mund und machte ein verzücktes Geräusch. Unwillig schnaubte Nioh, das brachte ihn fast dazu selbst zu Lächeln.
"Es ist Weihnachten Niou...Die Zeit der Schokokekse, Zuckerstangen und all dem anderen leckeren Sachen. Es kann nicht dein Ernst sein so ein Gesicht zu ziehen!" Er konnte nicht verhindern, dass Maruis Gegenwart ihn unerklärlicherweise aufmunterte.
"Erdbeeren mit Schlagsahne sind aber ausserhalb der Saison", gab er lasch zurück. Mit einem neckischen Funkeln in den Augen hielt Marui ihm einen Finger voller Sahne hin.
"Für Eis, Erdbeeren und Schlagsahne ist es nie zu kalt", entgegnete er und ja, Niou wusste, dass sich der süsse kleine Rothaarige Zwerg der Rikkai von Jahreszeiten nicht aufhalten liess. Er schnappte nach dem ihm dargebotenen Finger und leckte die Sahne ab. Ihm war bewusst wie zweideutig das war, genau darum machte es ihm sogar etwas Spass. Doch auch Maruis Augen funkelten vielsagend. Sie waren keine kleinen unschuldigen Jungs mehr. Und er zu betrunken um ein vernunftbegabter Erwachsener zu sein und nicht mehr als nötig an dem schlanken Zeigefinger zu lecken. Marui atmete angespannt aus und zog ihn dann harsch am Hemdkragen zu sich hinab. Niou liess es geschehen, empfing die süssen Lippen mit seiner aufkeimenden Leidenschaft. Es war so lange her, dass er Zeit dafür gehabt hatte. Das Leben als ordentlicher Teil der Gesellschaft war verdammt langweilig und hatte aus ihm auch schon fast einen richtigen Langweiler gemacht. Aus den Augenwinkeln schielte er hinüber zu Yagyuu. Fast hofft er, er würde sich her drehen und sehen wie sie sich küssten. Er wollte sehen wie die fröhliche Fassade bröckelte, wollte einen eifersüchtigen Blick sehen, ein verletztes Aufblitzen in den Augen. Das hätte ihm Genugtuung verschafft. Maruis Finger waren kühl als sie auf seinen ungeschützten Nacken trafen. Sonst verbarg ihn stets sein Rattenschwanz, aber diese kurzen schwarzen Haare waren fürs Büro gedacht. Damit er einigermassen vertrauenserweckend aussah. Mit einem süssen, unwilligen Seufzen liess Mauri von seinen Lippen ab. wich jedoch nicht zurück und schmiegte sich eher noch etwas mehr an ihn.
"Ich habe dich vermisst....", murmelte das rothaarige Genie und verbarg schliesslich sogar das Gesicht an seiner Schulter. Er hatte damals etwas mit Yagyuu und Marui am Laufen gehabt, beides irgendwie. Als Teenager hatte man eben merkwürdige Vorstellungen von der Liebe. Und er hatte sich damals für Yagyuu entschieden, was Marui mit einem Wink abgetan hatte. Er und Jirou waren eigentlich ein niedliches Pärchen. Das Schaf und die Zuckerwatte. Da ihn Marui jetzt so unverhohlen anmachte konnte nur bedeuten, dass er sich von  Akutagawa getrennt hatte. Oder sie führten eine sehr offene Beziehung.
"Ich überleg's mir noch", entgegnete Nioh etwas neben sich. Er spürte es langsam. Alkohol auf nüchternen Magen war einfach nie eine gute Idee. Er sollte es inzwischen eigentlich wissen. Der Alkohol hatte ihm schon einmal gewaltigen Ärger eingebrockt. Marui boxte ihn in die Seite und steckte etwas weiteres Süsses in den Mund. Nioh musste sich abstützen. Der Schwindel nahm zu, er hatte heute auf das Mittagessen verzichtet und das rächte sich jetzt.
"Oi Nioh...ich glaub du solltest Heim bevor du in Atobes Garten reiherst", meinte Marui wenig mitfühlend und deutete hinüber zu Yagyuu, der nun doch in ihre Richtung blickte und nicht recht wusste wie er reagieren sollte. Er kannte diesen Ausdruck. Schnell wandte er sich ab.
"Ja, ich ruf mir ein Taxi", stimmte er zu, als vernünftiger Erwachsener der dem Drang widerstand den Weihnachtsbaum anzuzünden.
"Kommt nicht in Frage, ich fahre dich", widersprach ihm Marui. Das war sogar noch merkwürdiger als mit Renji mitzufahren. Skeptisch nickte er und liess sich von Marui mitziehen. Es war kein heisser Schlitten sondern eine gewöhnliche Schrottlaube und nachdem Marui sich die Finger abgeleckt hatte steckte er einen Kaugummi in den Mund. Natürlich konnte er nicht ohne Kaugummi Auto fahren.
"Weisst du.....hätte ich gewusst, dass du in Tokyo wohnst dann wäre ich auch hergezogen...", begann er das Gespräch, warf ihm so oft einen Blick zu wie es die roten Ampeln erlaubten. Er war zu betrunken um so ein Gespräch zu führen.
"Irgendwann wär's uncool gewesen sich noch zu melden..." Er wand sich unwohl auf dem Beifahrersitz. Er überlegte aus dem Auto zu hechten aber das war wirklich übertrieben so vor einem Gespräch zu flüchten.
"Du hattest Liebeskummer. Yukimura hat es uns erzählt...weisst du, ich hasse es die zweite Wahl zu sein aber...du bist für mich der Eine...und darum nehme ich das in Kauf", murmelte Marui und Nioh schluckte schwer. Er war also...noch immer in Maruis Herzen verankert.
"Die Ampel war Rot, Piyo", entgegnete er einsilbig und rieb sich über die Augen während Marui vor sich hin fluche. Gut war in diesem Viertel um diese Zeit nicht viel los.           
Schon wieder verfielen sie in Schweigen. Das Ploppen der Kaugummiblasen unterbrach sie und Nioh wäre fast eingeschlafen, wenn Marui nicht ständig so ruckartig aufs Bremspedal gedrückt hätte. Irgendwie beunruhigend. Vorsichtig, um keine ausladenden Schwankungen in der Fahrspur zu provozieren legt er die Hand auf Maruis Oberschenkel. Das wärmte seine klammen Finger und entlockte Marui ein Seufzen.
"Du weisst warum ich dich Heim fahre, oder...?", fragte Marui leise, legte kurz seine Hand über Niohs ehe er wieder mit beiden Händen fest das Lenkrad umklammerte als hinge sein Leben davon ab. Wusste er es? Eigentlich schon. Viel offensichtlicher könnten Maruis Absichten eigentlich nicht mehr sein.
"Ist das ein Weihnachtsgeschenk?", fragte er träge, stricht mit den Fingern weiter hinauf und sah Maruis Mundwinkel zucken. Aber mehr konnte er nicht tun, manche Regeln beachtete sogar der Trickser.

Kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, zerrte Nioh an seiner Jacke. Er zog sie ihm samt Pullover über den Knopf und zerknitterte alles völlig als er die Kleider achtlos zu Boden warf. Aber es interessierte ihn herzlich wenig. Marui schauderte als er mit nackter Haut gegen das kalte Holz der Tür stiess, aber Nioh bedrängte ihn so ungestüm dass er dagegen prallte. Seine Lippen waren kühl, die Zunge, die sofort seinen Mund eroberte, war hingegen brennend heiss. Er wollte anscheinend keine Zeit verlieren, und Marui musste zugeben, dass er selbst es auch eilig hatte. Er vergrub die Finger in Niohs Haaren und seufzte erleichtert auf als er gegen die Maschen einer Perücke traf. Mit einem Ruck zog er sie von Niohs Kopf, zwei Spangen blieben noch in den weichen, weissen Haaren hängen, die er so an ihm mochte. Nioh quittierte dieses grobe Reissen mit einem unwilligen Zischen, das hielt ihn jedoch nicht davon ab ihn um den Verstand zu küssen. Seine Lippen schmeckten noch immer nach schwarzer Schokolade, bitter und süss zugleich. Darüber klagen, dass ihn Nioh damals verlassen hatte um mit Yagyuu zusammen zu sein, hatte er aufgegeben. Das war kalter Kaffee. Dass er sich nie mehr gemeldet hatte nachdem das zwischen ihm und Yagyuu in die Brüche ging…auch das war alter Kaffee. Was zählte war, dass er jetzt die Arme um ihn legen konnte und endlich, nach all der Zeit, wieder diese Nähe geniessen durfte. Er löste sich von diesen Lippen um den Blick auf seine Finger zu senken, die mit dem Reissverschluss der Jacke kämpften. Das dunkle, vielleicht sogar etwas nervöse Lachen von Nioh liess ihn erschaudern. Nioh öffnete den Reissverschluss schliesslich selbst und knöpfte auch das Hemd auf. Beide segelte ebenso lieblos zu Boden wobei es unheilvoll klimperte. Es beruhigte ihn dass sich diese Tatsache nicht verändert hatte. Bei diesem Mann wusste man eben nie, worauf man sich einliess oder was in seinen Taschen steckte. Fasziniert atmete Marui tief durch. Nioh war keine 16 mehr. Seine Statur, sein Körperbau, alles war erwachsen und männlicher geworden. Es hatte Marui Mut gekostet auf diese düstere Gestalt zuzugehen. Nioh hatte sich nicht einmal in die Nähe von Yagyuu getraut und er könnte ihm den Hals umdrehen, wenn er daran dachte wie sehr er seinen, ja, seinen Nioh verletzt hatte. Seinen grossen Kater, der die Marshmallows in der heissen Schokolade verschmähte.
Ungeduldig dirigierte ihn Nioh durch die Wohnung. Die kurzen Blicke, die Marui erhaschen konnte, erstaunten ihn. Keine kleinen Überreste von Basteleien, ungewaschene Socken, herumstehendes Geschirr. Es war ordentlich und überhaupt nicht so wie er sich eine Wohnung von Nioh vorgestellt hatte. Kurz beschlich ihn die Befürchtung, dass hier noch jemand wohnte, aber er verwarf den Gedanken schnell. So betrunken war Nioh auch wieder nicht als das er genau an Weihnachten fremdgehen würde. Mit einem Ächzen landete er auf dem weichen Futon am Boden. Er roch ausschliesslich nach Nioh und war noch völlig zerwühlt. Es war also nicht alles anders.
Liebevoll schlang er die Arme um seinen Nacken, strich über die kalte Haut hinauf in die Haare und zog Nioh zu seinem Mund. Ihre Zungen widmeten sich einem wilden, ungezügelten Spiel und es dauerte nicht lang bis auch der Rest der Kälte dieser Winternacht verflogen war. Nioh liess von seinen Lippen ab, die schon richtig pochten und küsste seinen Hals, touchierte hauchzart sein Schlüsselbein und leckte schliesslich nachdrücklich über seine bereits harten Knospen. Und obwohl es Masaharu war, der ordentlich beschwipst war, brachte er allein mit dem zarten Zupfen und den gelegentlichen frechen Bissen beinahe schon jetzt um den Verstand. Völlig unerwartet spürte er plötzlich Niohs Zähne die sich in den Stoff über seinem besten Stück bohrten und entlockte ihm ein heiseres Stöhnen. Nur zu gerne hob er sein Becken als Nioh mit der gleichen Ungeduld, die auch Marui selbst verspürte begann an seiner Hose zu zerren und war erleichtert als auch seine Shorts in hohem Bogen davon flog. Er errötete, so nackt und entblösst vor jemand anderem zu liegen, war nach wie vor etwas beschämend, aber heute wollte er, dass sich Nioh alles von ihm nahm. Einladend öffnete er die Beine und streckte die Hand nach Nioh aus.
"Noch nicht. Du hast keine Ahnung wie lang es her ist...ich werd's geniessen", lehnte Nioh seine Offerte gleich zur Sache zu kommen mit einem Grinsen ab und kniff ihn in die linke Brustwarze ehe er mit dem Daumen fest über seine empfindliche Spitze rieb. Der süsse Schmerz entfachte das Feuer nur noch mehr und er drängte sich gegen Niohs Finger, Es dauerte nicht lange bis er seine Leidenschaft verspritzte und keuchend die Augen schloss um das Gefühl zu geniessen, dass ihm Nioh entlockt hatte. Der Trickser gewährte ihm jedoch keine Pause. Dreist drehte er ihn auf den Rücken und zog sein Becken zu sich in die Höhe. Ohne Bettrahmen bekam Marui nichts weiter zu fassen als das Kissen das ihm Halt geben konnte. Anscheinend war sein ehemaliger Klassenkamerad des Vorspiels nun Leid. Ohne eine Vorwarnung fanden gleich zwei Finger den Weg in sein Innerstes. Atemlos rang Marui nach Atem und versuchte seine Knie in eine angenehmere Position zu bringen. "Uh, ganz weich. verrätst du mir wer dich sonst so nagelt, mein Sahneschnittchen?", fragte Nioh dreist und berührte zielgerichtet einen Punkt, der ihn Sterne sehen liess.
"Mein batteriebetriebener bester Freund...?", schlug er vor, leckte sich über die trockenen Lippen. Mit Jirou Sex zu haben war nicht gerade das Gelbe vom Ei, meistens schlief er dabei ein noch ehe sie etwas Befriedigendes tun konnten und so behalf er sich oft selber. Und nicht selten gehörten die Hände auf seiner Haut und die Stimme in seinen Gedanken Nioh.
"Oho, echt? Na um so besser, dann kann ich ja gleich loslegen", antwortete Nioh ungerührt. Seine warmen Hände strichen über die glatte Haut seines Hinterns und seine harte Spitze bahnte sich ohne grossen Widerstand den Weg. Er fühlte die Hitze, das Zucken von Nioh in ihm, hörte den etwas zittrigen Atem der ihm verriet, dass auch Nioh dieses Gefühl der Vereinigung in vollen Zügen genoss. Marui spannte sich bewusst an und entlockte damit Nioh ein leises Keuchen. Das reichte um ihn anzuspornen. Mit kräftigen, gleichmässigen Bewegungen begann er sich zu bewegen und Marui zog das Kissen eng an sich, versank in dem Wissen, dass er endlich wieder mit demjenigen vereint war, dem er vor Jahren in der Mittelstufe sein Herz geschenkt hatte. Selbst wenn es nur für diese Nacht sein sollte. Die Intensität, die er spürte bereitete ihm eine Gänsehaut und es dauerte nicht lange bis er seine Stimme nicht mehr zurückhalten konnte. Es erinnerte ihn an die Zeit als sie oft im Klassenzimmer miteinander solche Spielchen getrieben hatten, nur mit dem Unterschied, dass Nioh inzwischen sehr genau wusste wie er Marui durcheinander brachte. Heiss und wohltuend ergoss sich Niohs Beweis für die unbändige Lust, die er verspürte und  das brachte Marui auch zum Kippen. Völlig losgelöst zog Marui die Beine an und rollte sich zusammen. Nioh plumpste neben ihm auf die Matratze, sein Atem ging schwer und sein ganzer Körper strahlte eine ungemeine Hitze aus. Schwerfällig drehte sich Marui zu ihm und begann mit dem kleinen Zopf zu spielen.  Ein fieses Grinsen schlich sich auf seine Lippen als er etwas näher rückte und Nioh mit seinen eigenen Haaren an der Nase kitzelte. Träge hob Nioh den Arm um ihn zu verscheuchen und öffnete unwillig ein Auge. "Hey, Trickser. Wenn du willst, bleibe ich. Nicht nur für die Nacht", murmelte Marui leise. Er war es eigentlich Leid es Nioh so oft unter die Nase zu reiben, dass er nach wie vor eine feste Beziehung wollte ohne eine Antwort zu erhalten.  Und damit nach dem Sex wieder anzufangen war eigentlich nicht ganz fair.
"Mhm, es gibt da zwei Kleinigkeiten, die du erst noch wissen musst....", begann er und unterbrach sich mit einem ausgiebigen Gähnen.  Vage Hoffnung kam in Marui auf. Erst noch. Das bedeutete ganz klar, dass sein Trickser keineswegs abgeneigt war. Ein strahlendes Lächeln erhellte sein Gesicht.
"Wenn du mir nicht gestehst, dass du eine neonpinke Giraffe angeschleppt hast, ist es mir egal. Haru, ich liebe dich", flüsterte er Nioh ins Ohr und erntete dafür ein unbeholfenes Schnauben und, tatsächlich, leicht rosa Wangen.
"Nach all dem Mist....du bist echt ein Sahnehäubchen im Leben Bunbun. Ich zeig dir morgen früh was ich angeschleppt habe", entgegnete Nioh und schlang den Arm um ihn, zog ihn an seine Brust und Marui schmiegte sich sehr gerne an, lauschte dem heftigen Herzschlag. Das war beinahe so gut wie ein "Ich liebe dich auch" hätte sein können. Zufrieden schloss er die Augen und versank in einem ruhigen Schlaf.

Verwirrt öffnete Marui die Augen. Der Duft nach leckerem Frühstück liess sein Magen laut knurren und der süsse Geschmack nach Honig hing an seinen Lippen. Begierig leckte er die Süssigkeit von seinen Lippen und strahlte dann Nioh an, der ihn etwas unsicher anlächelte.
"Es gibt Frühstück, Leckermaul. Aber du musst zumindest deine Shorts wieder anziehen. Sonst wird's peinlich", grinste er und entriss ihm die Bettdecke. Fröstelnd funkelte Mauri Nioh kurz wütend an eher er den Boden nach seinen Kleidern absuchte.
"Gibst du mir eine Antwort, wenn ich frage wieso?", maulte er, rieb sich über die Augen als er zumindest die Hose wiedergefunden hatte. Und darin steckte um Glück immenroch die Shorts. Eigentlich ganz praktisch.
"Nö. Das ist eine Entdeckungsreise in die Küche, Bunbun-Röllchen", antwortete der Trickser und leckte den Kochlöffel nun sogar selbst ab. Es würde also ein süsses Frühstück werden, Nioh hatte nicht vergessen was er am liebsten mochte. Er wartete artig im Türrahmen bis er sich etwas übergestreift hatte und ihm eilig hinaus folgen konnte um zu erstarren. Ungläubig sah er zwischen Nioh und den zwei Kleinigkeiten hin und her. Klein waren sie. Ihre grossen Augen musterten ihn neugierig.
"Hunger...", jammerte die eine Kleinigkeit und spielte ungeduldig mit einem Löffel. Wie alt waren sie? Fünf? Sechs?
"Nioh, ernsthaft? Kinder?!" Er musste einfach fragen. Sie sahen ihm sehr ähnlich. Helle Augen, helle Haare, aber leider ohne Muttermal. Das hatte er nicht vererbt.
"Puri."
"Das ist keine Antwort!"
"Pupina"
"Nioh!", er schlug ihn gegen den Arm und trotzdem sah er unschuldig an ihm vorbei.
"Yuki und Ren, sie hat ausgesucht. Sag das bloss nicht weiter, sonst werden mich beide ewig aufziehen. Ich sehe sie nur alle paar Wochen.  Ich war etwas neben mir, nach der Trennung von Yagyuu. Darum habe ich auch nie studiert", rückte er schliesslich mit der Erklärung raus und seufzte, lächelnd.
"Die schlechten Gene sind von ihr, klar wenn ich einmal über den Durst trinke erwische ich genau die, die Zwillingsgene hat", redete er weiter, und inzwischen kannte Marui ihn gut genug um zu wissen, wann er aus Unsicherheit plapperte.
"Auch dann lautet die Antwort Ja. Weisst du, eine pinke Giraffe wäre wirklich ein Problem gewesen, aber zwei Kinder alle paar Wochen...schlimmer als meine kleinen Brüder können sie nicht sein.
"Piyo", murmelte Nioh, kratzte sich verlegen am Kopf und spielte unschlüssig mit dem Kochlöffel, den Marui ihm weg nahm. Nachdrücklich zog er ihn zu sich herunter und küsste ihn leidenschaftlich. "Dann bleibst du bei mir?", flüsterte Nioh an seinen Lippen und Marui lächelte glücklich. "Dann...frohe Weihnachten, Muffin. Puri."
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