I shall rise

von phantasos
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P16 Slash
Lara Croft
30.12.2015
13.07.2016
10
13.460
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
30.12.2015 1.057
 
I

Happyness doesn't work

Autumn



Durchnässt blieb Lara Croft stehen; hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Jede Faser zum Zerreißen angespannt, durchkämmten ihre Augen die Umgebung. Niemand durchquerte ihr Blickfeld, aber trat keine Erleichterung ein.
Mit zitternder Hand fischte sie die  Schlüssel aus ihrer Hosentasche. Durchnässt vom kalten Herbstschauer, in dem sie zurückgegangen war, spürte sie das Nagen an ihrem Körper. Tage hielt die Witterung an, nahm London in Beschlag und Lara musste feststellen, dass ihr der Umstand gelegen kam; all das spielte ihrem seelischen Zustand in die Karten.

Minuten später betrat sie ihre Wohnung; bevor sie die Türe schloss überprüfte sie neuerlich den Gang. Links, rechts. Niemand da. Den Rücken an die Tür gelehnt, stand sie nun da. Gedämpft hörte sie einen Donner grollen, aber innerhalb ihrer vier Wände hörte sie nichts. Nichts, das nicht hierher gehörte. Und so atmete sie tief durch, die Augenlider schlossen sich und langsam entlastete sie ihre angespannten, gereizten Muskeln.
Sie war Zuhause, alleine; ohne einen ungewollten Zwischenfall. Dumm nur, dass die Wohnung, in der sie seit knapp vier Wochen lebte, kein heimisches Gefühl bescherte. Ein Übergang, denn wohl würde sie sich hier niemals fühlen. Vermutlich hatte Lara deshalb kaum ausgepackt. Lediglich das Nötigste hatte einen Platz erhalten; daher stapelten sich genügend Pappkartons, vollgepackt mit allen Habseligkeiten und diese würden auch in den kommenden Tagen und Wochen kein Tageslicht erblicken.
Der Umzug. Ein Hoffnungsschimmer, eine Chance auf einen Neuanfang. Nach dem Bruch mit Sam, da hatte sie es in der gemeinsamen Wohnung kaum ausgehalten. Viel zu viele Erinnerungen, die sie plagten und in denen sie zu ertrinken drohte. Ein radikaler Tapetenwechsel erschien unausweichlich, aber die ersehnte Besserung, die trat nicht ein.

Ausgelaugt schlurfte sie in ihren klitschnassen Sachen zum Schreibtisch, schaltete den Laptop ein. Dieses Fleckchen war das einzige in ihrer Wohnung, das Hinweise auf die Bewohnerin gab. Die Wand war vollgepinnt mit Nachforschungen aller Art; Bilder, Dokumente, Ausschnitte und Karten. All das gehörte zu ihrer Arbeit. Mittlerweile hielten sie die Unterlagen mehr am Leben und bei Verstand als alles andere.
Bereits auf dem Frachter, der sie zurück in die Zivilisation brachte, spürte Lara das Verlangen. Yamatai – lange blieb der Name unausgesprochen – hatte ihr die Augen geöffnet. Eine bittere Erkenntnis, denn wie die Welt, hatte auch sie ihrem Vater nie den nötigen Glauben geschenkt. Oft dachte sie an ihn und seine verrückten Fantasien. Lord Richard forschte nach übernatürlichen Phänomenen. Wie überzeugt er davon war, dass es auf der Welt mehr gab als das Erklärbare. Heute verachtete sich Lara für ihre Einstellung und umso mehr wandelte sie nun in ihres Vaters Spuren. Sie musste dahinter kommen, jetzt, da es kein Zurück mehr gab und vielleicht, vielleicht machte sie so etwas gut. Aber so, wie sie sich derzeit fühlte, so hatte sie sich das Leben als Abenteuerin nicht ausgemalt.

Als sie sich setzte, glitt ihr Blick zu den Fotografien. Jene der Schiffscrew, die sie im Zuge der Forschungsreisen verlor und … sie schluckte.
Der Schmerz hielt an, doch konnte Lara gewisse Bilder trotzdem nie in Schubladen oder Kartons verstecken; sie verbannen. Das Foto,  das sie und Samantha Nishimura nach dem Abschluss zeigte und das sie aus dem Wrack der Endurance mitnahm, war eines dieser Fotografien. In Lara steckten so viele Erinnerungen, verbunden mit großer Sehnsucht an die damalige Zeit, die nun ihr Ende gefunden hatte.
Für Sam hatte Lara Croft eine Insel auseinander genommen; weit war sie über ihre Grenzen hinausgegangen; hatte das eigene Leben für ihre Freundin aufs Spiel gesetzt. Heute, Monate danach, wusste Lara mehr denn je: Sie hatte versagt und zahlte den Preis.

Schließlich legte sie das Bild zur Seite und klickte auf einen Ordner, öffnete das darin platzierte Dokument, das mehrere Seiten enthielt. Das bisher Verfasste übersprang sie, ohne den Worten Aufmerksamkeit zu schenken. Ein paar Minuten verharrte sie bloß und starrte. Dann atmete sie tief durch und ihre Finger setzten sich in Bewegung.



Eintrag 19
Weitere Sitzung durchgestanden … ohne Ergebnis.
Nichts ändert sich, ich stecke fest. Vielleicht belasse ich es bei dem Versuch oder ich gaukle ihm eine Besserung vor. Der liebe Doktor bohrt zu sehr, gräbt an Stellen über die ich kein Wort verlieren möchte.
Er fragte nach Sam, obwohl ihm klar sein muss, wie sehr mir die Gedanken an Sam wehtun.
Sam …
Sam hat eine Entscheidung getroffen. Sam lässt mich nicht in ihre Nähe. Weder ihre Doktoren noch sie. Sam hat mich aus ihrem Leben gestrichen.
Warum bohrt er in der Wunde? Ich spürte den Schmerz, der mir die Kehle zuschnürte und … gleichzeitig kroch Wut hoch … dann geschah es. Wieder spielte mir mein Verstand übel mit.
Diese abgehakten Sequenzen. Ich sah die Bilder vor mir. So lebendig, zum Greifen nah und ich fühlte schon bald das verräterische Kribbeln meiner Fingerspitzen. Das leichte Zucken im Handgelenk. Mein vor Aufregung pochendes Herz. Real, wie aus einer Erinnerung. Ja, ich sah Wege vor mir den Doktor zum Schweigen zu bringen.
Erneut. Wie so oft in den letzten Monaten.  
Ich erkenne mich nicht.
Was ist los mit mir?
Warum sehe ich das?
Warum stelle ich mir vor, wie ich Menschen verletzen … töten kann? SCHON WIEDER!
Es hört erst auf, wenn ich die Augen schließe und auf meine Atmung achte. Es macht mich wahnsinnig …

Weil er mit ihr angefangen hat!

Verdammt. Vor Yamatai habe ich nie solche Gedanken gehegt. Nie habe ich anderen ein Haar gekrümmt. Und wie ich mich als Kind nach Abenteuern gesehnt habe … aber nicht nach solchen, die mich von Grund auf verändern! Was hat die Insel aus mir gemacht!
Aber was ist, wenn dieser Teil in mir geschlummert und auf seine Zeit gewartet hat? Das ist nicht normal. Das ist krank. Ich muss dagegen ankämpfen. Irgendwann, wenn es nicht aufhört, bleibt es nicht bei meiner bloßen Vorstellungskraft …

Und dann ist da weiterhin das Gefühl ständig verfolgt zu werden. Er meint, das läge an der Insel. Dort haben mich die Solarii ständig im Visier gehabt… ich glaube nicht daran. Jemand lauert mir auf. Jemand ist mir zur Therapie gefolgt. Ich habe den durchdringenden Blick im Nacken wahrgenommen …  Das bilde ich mir nicht ein! Weswegen? Liegt es an
 


Lara schreckte hoch. Da war etwas. Ihr Kopf schnellte in jene Richtung, aus der sie das verräterische Geräusch wahrnahm. Das Schloss! Jemand war an der Tür. Hastig klappte sie den Laptop zu und griff nach dem Eispickel, das stets der Nähe lag und seinen Einsatz wartete.
Review schreiben