Oh, Lucy!

KurzgeschichteAngst, Familie / P12
30.12.2015
22.03.2016
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Heyooo. So, da will man einen Monat lang täglich einen One-Shot online stellen und schafft dann nicht einmal alle. Deswegen bleibe ich jetzt bei denen, die ich bislang veröffentlicht habe, mit diesem zusammen. Das ist der zehnte One-Shot und je nachdem, wie er ankommt und wie es mir gefällt, wird aus ihm eine kleine FF.
Also. Viel Spaß beim Lesen
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Seufzend saß er in der Gilde und presste die Fingerkuppen gegen seine Stirn. ,,Verdammt, wir suchen sie jetzt immer wieder seit einem ganzen Jahr. Und sie ist noch immer verschwunden'', beschwerte der Eismagier sich nun und sah die Leute aus seinem Trüppchen der Reihe nach an. Sein bester Freund legte eine Hand auf seine Schulter, während Juvia Augen verdrehend den Kopf in den Nacken legte. ,,Seit ich mit Lyon zusammen bin, bin ich nicht mehr eifersüchtig gewesen, gut und schön. Aber langsam nervt es, auch wenn ich Lucy fast genauso sehr vermisse, wie du es tust, Graysama'', murrte sie und starrte dann weiter die Decke an, als sich kühle Hände auf ihre Schultern legten und diese massierten. Lyon blickte seinen Kumpel an und lächelte kurz. ,,Wir werden sie sicher finden. Versprochen'', wiederholte er die Worte, die er jedes Mal aussprach, wenn in seiner Gegenwart das Thema Lucys Verschwinden war. Der Dunkelhaarige vor ihm verkrampfte sich und presste seine Lippen zusammen, heftigst darum bemüht, nicht seiner Trauer nachzugeben. Seit einiger Zeit hatte er das Gefühl, dass etwas passiert war. Dass Lucy nie mehr wiederkommen würde. ,,Ich glaube, ich sollte lieber heimgehen'', flüsterte er und stand auf.
Er hatte das Gefühl erdrückt zu werden, von all dem hier. Von der dauernden Fürsorge seiner Freunde, die zwar gut gemeint war, aber ihn immer wieder an ihren Verlust erinnerte. Es schmerzte ihn sehr, ihren leeren Platz zu sehen, sie nicht mehr auf seinem Schoß sitzen zu spüren, sie nie mehr in seinen Armen liegen zu haben, wenn sie des Abends gemeinsam in seinem Bett lagen. Er verließ mit gesenktem Kopf die Gilde und versuchte möglichst schnell zu sich nach Hause zu kommen, als er in eine zierliche Person stieß. ,,Oh, verzeihen sie'', flüsterte eine Stimme und die junge Frau wurde auf einmal von dem Dunkelhaarigen angestarrt, sein Gesicht sah vollkommen entsetzt aus. ,,Lucy?'', keuchte er auf und packte ihre Schultern. Doch sie zuckte nur zusammen und wich hastig zurück, stieß ihn beinahe von sich, presste dann fest ihre Hände auf ihren merkwürdig stark gewölbten Bauch und machte sich daran an ihm vorbeizurennen, als würde sie vor etwas flüchten. Das feine Rinnsal Blut an ihrem Schenkel bemerkte Gray, der ihr irritiert nachsah, erst in dem Augenblick, in dem sie zusammenbrach. Schnell scharrte sich eine kleine Menge Menschen um die junge Frau, aus deren Körper sich beinahe wasserfallartig Blut über den Boden ergoss. Hektisch geworden durch den Anblick der Frau, die er so sehr liebte, stieß der Dunkelhaarige die Leute eilig beiseite und kniete sich zu der Blondine hinunter. Irgendwie konnte er kaum einen klaren Gedanken fassen, wusste vor Nervosität einfach nicht, ob er es noch rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen würde, wenn er jetzt losrannte, oder ob sie es am Ende nicht überleben würde. Die Entscheidung wurde ihm von Lucy selbst abgenommen, die leise wimmerte und flüsternd um ihr Baby bangte. Diese Worte waren Gray genug, der sie eilig hochhob und losraste in Richtung des Krankenhauses. Hätte er gewusst, dass sie schwanger war, hätte er gewusst, dass sie ihn wegen einem anderen verlassen hatte, so hätte er sich vermutlich weniger Sorgen gemacht. Doch die Tränen auf seinen Wangen straften seine Gedanken Lügen, während er die für ihre Schwangerschaft eigentlich viel zu abgemagerte Lucy hochhob und sich beeilte, rechtzeitig mit seiner großen Liebe beim Krankenhaus anzukommen. Die Ärzte würden sie retten können. Zumindest hoffte er das.

,,Oh Gott Gray, wir sind so schnell wie möglich gekommen, als ein paar Zivilisten uns informiert haben'', rief Natsu lautstark und rannte seinem besten Freund mit besorgtem Blick entgegen. ,,Was genau ist passiert? Wir haben nur gehört, dass du eine Blondine ins Krankenhaus gebracht hast, bei der man vermutet, es handelte sich um Lucy. Stimmt das? Was ist mit ihr los? Lebt Lucy überhaupt noch und – du weinst ja'', fuhr dieser fort und kniete sich vor dem Dunkelhaarigen nieder, um ihm vorsichtig ins Gesicht zu blicken. Eine schmale Hand auf seiner Schulter versuchte ihn zu trösten und der Weißhaarige der sich neben ihn setzte, schwieg ihn an, übermittelte ihm ein Gefühl innerer Ruhe und Gray fühlte sich sehr wohl in der Nähe des kleinen Trüppchens, was versuchte ihn zu trösten. Leise begann er die Fakten aufzuzählen, die er zusammenbekam, musste dabei jedoch häufig weitere Tränen wegblinzeln und leise Schluchzer unterdrücken: ,,Sie ist im siebten Monat schwanger und während der sogenannten Übungswehen gab es Komplikationen. Scheinbar wurde sie verletzt und es begann, Lucy liegt im Sterben und wie es für das Ungeborene aussieht, das weiß man nicht. Aber … aber weiter mit den Informationen. Diese Verletzung hat eine Blutung ausgelöst, die Erklärung der Ärztin dafür habe ich vergessen, ich bin einfach zu nervös, nunja, Fruchtwasser begann auszutreten, zusammen mit einer verdammt riesigen Menge Blut, weshalb das Baby in Gefahr ist, in ihrem Körper zu ersticken und das und der Blutverlust könnten Lucys Tod zur Folge haben''. Irgendwie bekam Gray die wichtigsten Fakten zusammen, ehe er innerlich zusammenbrach und schluchzend in sich zusammensackte. Er wurde von Lyon aufgefangen, der mittlerweile verunsichert über Gray seinen Rücken strich und seinen Freund früherer Zeiten leicht drückte. Juvia versuchte auch ihr Bestes den Schwarzhaarigen mit Worten zu trösten, während Natsu sich mit geweiteten Augen auf dem Boden zusammenkauerte und an die gegenüberliegende Wand starrte. Er hatte Angst. Er hatte riesige Angst um seine beste Freundin und Teampartnerin. Lucy durfte einfach nicht sterben, darum begann er die Götter anzuflehen, dass alles gut werden würde. Doch die Folgen waren doch ganz anders, als sie es sich erhofften.

Vorsichtig die kleine Gruppe anschauend, trat eine junge Schwester aus dem OP-Saal, ein kleines Handtuchbündel im Arm, aus dem leise, angestrengte Laute kamen und sich winzige, rote Händchen nach oben streckten, überzogen von gelblich-weißen Flecken. ,,Entschuldigung? Sind sie Gray Fullbuster. Die junge Dame hat ihren Namen erwähnt'', flüsterte sie, um die Trauer der Anderen nicht zu stören. Der Schwarzhaarige sah auf und nickte langsam, blickte irritiert, als ihm das kleine Bündel in die Arme gedrückt wurde, doch als er in ungewöhnlich braune Augen blickte, vergaß er alle seine Sorgen. Er hatte einmal gehört, dass es nur sehr selten vorkam, dass ein Baby nach der Geburt keine blauen Augen hatte. Ein ungewöhnliches Gefühl durchströmte ihn, während er vorsichtig lächelnd durch den samtweichen, schwarzen Flaum auf dem kleinen Köpfchen strich und dann seine Stirn gegen die des kleinen, neuen Erdenbürgers drückte. Es war ihm egal, dass Lucy vermutlich einen anderen hatte, es war in diesem Moment alles egal, außer diesem kleinen Wesen, dass ihn wie gebannt anstarrte und leise glucksende Geräusche machte. Beide waren in einer ganz kleinen Welt, die nur ihnen Beiden gehörte. Erst wurde er wieder in die reale Welt zurückgeholt, als die Schwester ihm ein Fläschen in die Hand drückte und ihn vorsichtig anlächelte. ,,Sie sieht ihnen sehr ähnlich, mein Herr'', flüsterte sie und erstaunt sah er die Anderen ihrer Aussage zustimmen. ,,Schau dir doch nur die Ohren an. Und die Form ihrer Augen. Sie sieht dir so ähnlich'', meinte Juvia leise und sah ihre ehemalige, große Liebe fragend an, auf eine Zustimmung wartend, das kleine Mädchen einmal in den Arm zu nehmen. Doch der junge Mann wollte seine Tochter garnicht erst wieder hergeben, die gerade so eifrig und gierig die leicht gelbliche Milch aus der Flasche trank oder viel eher aus der schmalen Spritze, bei der man garnicht vermuten würde, dass ein Kind davon satt wurde. Als Antwort auf diese unausgesprochene Frage gab die Schwester eine geflüsterte Antwort: ,,Da wir nicht wissen, was die Mutter möchte, haben wir ihr ein wenig Milch abgepumpt. Durch den hohen Fettanteil hat sie diese Farbe und weil der Magen sich erstmal an anders aufgenommene Nahrung gewöhnen muss und so klein ist, wird diese Menge in den ersten Tagen vollkommen ausreichend sein''. Eher abwesend nickte Gray und folgte dann ihren leisen Anweisungen, legte die Kleine über seine Schulter, die freie Hand im unteren Bereich ihres Nackens und klopfte zaghaft mit zwei Fingern auf den geradezu winzigen Rücken. ,,Wie geht es Lucy, also der Mutter'', fragte nun endlich Natsu, welcher immer noch am Boden saß und besorgt aufblickte. Die Antwort fiel erschütternd aus:,,Sie liegt erst einmal auf der Intensivstation. Sicher wird sie bald aufwachen, aber sie wird noch viel Ruhe brauchen, ehe sie wieder fit ist. Wir würden auch erst einmal sie alle nur einzeln zu ihr lassen. Jeder von ihnen nicht länger als fünf Minuten und bevor sie das Zimmer betreten, müssen sie sich die Hände desinfizieren und einen Kittel anziehen. Hygiene ist auf der Intensivstation sehr wichtig''.

Leise öffnete Gray die Tür, nachdem er gehört hatte, dass seine große Liebe endlich aufgewacht war. Sie war doch nicht nur wenige Stunden ohnmächtig gewsen, sie lag ganze fünf Tage im Koma, so dass man nun doch auf Flaschennahrung aus Milchpulver umgestiegen war. Auch hatte Gray ihr nun einen Namen gegeben und ließ sie nie lange aus den Augen, geschweige denn, dass jemand sie länger als wenige Minuten auf den Arm nehmen durfte. Er war glücklich darüber, dass in der Gilde alle etwas für ein kleines Kinderzimmer gespendet hatten, sei es eine Kinderwiege vom Meister, die einmal Laxus gehörte, eine Wickelkommode von Kana oder ein Kleiderschrank, den Gajeel auf einem Trödelmarkt gefunden hatte, der in der Altstadt von Magnolia stattgefunden hatte. Es war ein großer Zufall, dass alles in ein und demselben Stil war und dann auch noch aus edlem Holz. Hätte Gray alles kaufen müssen, hätte er vermutlich drei S-Rang-Missionen hinter sich bringen müssen. Alleine. (So ungefähr habe ich es mir vorgestellt :
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Statt einem Kamin jedoch einen etwa schulterhohen Kleiderschrank )
Während seine Freunde auch noch so nett waren, das Zimmer anstrichen, Vorhänge vor dem Fenster anbrachten, die Möbel vernünftig aufbauten und somit aus einem stickigen Trainingsraum ein schönes, edles Kinderzimmer machten. Unterdessen schlief die Kleine bei ihrem Vater im Bett, der dank einem Schnelltest sogar wirklich feststellen konnte, dass er der Vater dieser kleinen Prinzessin war. Diese Kleine hatte er nun auch mitgebracht und starrte geschockt auf das leere und zerwühlte Bett vor ihm. Amaya-Sayu, wie er sie genannt hatte, schlief ruhig in seinem Arm und hatte ihre kleinen Fäustchen in sein Oberteil gekrallt. Seit sie auf der Welt war, zog er sich viel seltener unabsichtlich aus, was vielleicht daran lag, dass er kaum eine Chance dazu hatte, wenn sie in seinen Armen lag. Der Schwarzhaarige hielt sie fest, während er vor ihrem Bett auf die Knie sackte. Der Umschlag darauf fiel ihm erst garnicht auf, bis eine Schwester ihn zurück holen wollte und sofort wieder herausstürmte, bis sie mit einem Arzt zurückkehrte. Hektik brach aus und Gray bekam nicht wirklich mit, wie alle möglichen, verfügbaren Leute informiert wurden. Als man ihn nun auf die Beine ziehen wollte und aus dem Raum bringen wollte, entdeckte er den Umschlag und griff nach ihm. In Lucys hübscher Schrift stand sein Name darauf geschrieben, so wie ein kleines ''Amaya''. Als die Ärzte es geschafft hatten, den jungen Vater aus dem Zimmer herauszubugsieren, setzte er sich vorsichtig auf den Stuhl und öffnete den Briefumschlag, seiner kleinen Tochter, die er festhielt, auch wenn sie in einem Tragetuch fixiert war, weiterhin liebevoll über das Köpfchen streichelnd.

Lieber Gray.
Ich weiß einfach, dass Du diesen Brief lesen wirst. Und ich hoffe, dass Du dabei meine Tochter in Deiner Nähe hast.
Ich schreibe diesen Brief, bevor ich nach Magnolia reisen werde, damit ich bis zur Geburt bei Dir bleiben kann.
Ich habe sie in Gedanken immer Amaya genannt, vielleicht ist es auch möglich, dass Du unsere Tochter so nennst.
Ja, mein liebster Gray, das ist unsere kleine Tochter. Ich wurde nach unserer letzten, gemeinsamen Nacht schwanger,
es war diese eine Nacht, bevor ich gegangen bin.
Ich weiß, dass es Dir momentan nicht möglich sein wird, mich zu verstehen,
aber ich hatte meine Gründe dafür, aus Magnolia zu fliehen und direkt nach der Geburt meiner Prinzessin wieder abzureisen.
Ich würde so wahnsinnig gerne bei euch bleiben, aber mein Leben ist in Gefahr und da möchte ich Euch beide nicht mit reinziehen.
Sobald es mir möglich ist, werde ich zu euch zurückkehren. Bitte pass auf mein kleines Töchterchen auf. Pass auf Dich auf.
Ich liebe Dich.
Deine Lucy


Ihre Unterschrift war liebevoll geschwungen und das Papier hatte Wasserflecken auf dem Papier, als hätte sie beim Schreiben geweint. Der Brief war schon etwas älter, wenn sie davon sprach, dass sie erst nach Magnolia reisen würde. Erst begann Gray zu zittern, dann fühlte er Tränen auf seinen Wangen, mal wieder, ehe er die Kleine an sich drückte, eilig das Krankenhaus verließ und dann immer weiterrannte. Lucy war in Lebensgefahr. Sie war fort und es schien so schlimm zu sein, dass sie dafür ihre Tochter alleine lassen konnte. Amaya hatte sie die Kleine genannt. Genauso wie er es selbst getan hatte. Trotz der Trauer musste er nun doch lächeln. Es funktionierte also noch immer, dass sie manchmal an das Gleiche dachten.
Kurz darauf stürmte er die Gilde und als er die Blicke der Anderen auf sich spürte, brach er in sich zusammen, Amaya wieder fest an seine Brust drückend. Lucy war in Lebensgefahr. Seine Lucy.

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