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Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
31.143
12
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11.01.2016 453
 
Mein Blick glitt zum Fenster, von dem, trotz des kräftigen Regens heute Mittag, Sonne strahlend hineinschien.

Wir hatten es uns auf Olgas Bett gemütlich gemacht, ich an die Wand, die den Gang abgrenzte, gelehnt, Olga gegen das Kopfteil ihres Bettes gelehnt.

Und wir aßen.

Die Tür verschlossen hatten wir uns im Zimmer eingepfercht und plünderten den Inhalt unserer Taschen, wie wilde Tiere.
Mir wurde plötzlich schlecht bei diesem Gedanken.

Olga schien nicht zu kümmern, wie animalisch wir doch zu sein schienen, im Bann des Essens gefangen.
Sie aß weiter.
Ich hörte auf.

"...ist was?"
Olga schaute mich, nahe zu entgeistert an.
"Ich heb' mir nur etwas für später auf", lächelte ich, verschloss meine Tasche sorgfältig, aus Angst einer der Ärzte würde den Inhalt sehen, und lehnte mich wieder an die Wand.

Das mit dem Lächeln hatte ich inzwischen drauf; nicht mal meine Mutter merkte, wie dreckig es mir manchmal ging.
Olga erwähnte es nicht weiter, und ich war ihr wirklich dankbar dafür.

"...Wie ist es hier, wie ist es, so lange im Krankenhaus zu sein?", fragte sie plötzlich aus dem Nichts.
Ich zuckte die Schultern.
"Man gewöhnt sich wohl an alles.
Einige Sachen fehlen einem schon."

Ich dachte kurz nach.
"Also... Schnelles Internet fehlt einen nach einer Weile", sagte ich trocken "Krankenhaus-WLan ist schrott, nicht mal Serien kann man ohne Ruckeln streamen.
Und... Die Ausgangssperren, die stören auch.
Und..."

Ich zögerte kurz. "Um ehrlich zu sein, fehlen mir auch Kippen und Alkohol, aber damit hab' ich aufgehört bevor ich hergekommen bin. Aber jetzt, in der jetzigen Situation, würde ich locker wieder anfangen."

"Oh, klingt illegal", lachte sie.
Dass sie es so gut aufnahm, freute mich nun doch irgendwie.

"Ach, und die Essenszeiten sind nervig, aber vielleicht hast du mein merkwürdiges Essverhalten schon mitbekommen", lächelte ich milde "Aber... Die wollen uns eben gesund bekommen. Oder zumindest wollen sie denken, dass wir es sind."

"Denkst du nicht, dass du das alles irgendwann hinter dich bringen kannst?"
Ich schüttelte den Kopf.
"Nicht solange irgendjemand mich da raus zieht. Sonst wäre ich nicht hier. Also... Ich hatte schon Freunde, mit denen ich damals ja auch immer geraucht und getrunken habe, aber ich habe ihnen nie davon erzählt, und als ich mit dem Kram aufgehört habe, hab' ich den Kontakt zu ihnen verloren.
Aber sonst... Ich wüsste nicht, wer mich da rausziehen könnte."

Sie warf ihren Arm in die Luft und winkte übertrieben.
"Hallo! Hier! Ich!", rief sie euphorisch.
Ich lachte.
"Okey, dann... Versuchen wir gesund zu werden", sagte ich zögerlich.

Vielleicht würde es klappen.
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