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Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
31.143
12
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06.01.2016 381
 
Die Tür stand offen, als ich an besagter Zimmernummer ankam.
Ein gelangweilt, oder auch genervt aussehendes Mädchen, ich konnte Mimik bei mir unbekannten Menschen schlecht deuten, lag im Bett vor der Tür und las in einem Buch.
Nun gut, eigentlich lag das Buch nur vor ihr, während ihr Blick auf das Handy in ihrer Hand gerichtet war.

Hätte ich Olga nicht gesehen, als ich den Kopf durch den Türrahmen gesteckt hatte, wäre ich allein durch die Ausstrahlung des Mädchens sofort wieder gegangen.
Sie war dünn, nicht nur dünn, mager.
Soweit nichts unnormales auf der Station.
Aber sie strahlte nichts mitleideregendes oder zerbrechliches aus. Eher war es, als hätte sie ein großes Schild vor ihr Bett gehängt, auf dem mit großen Lettern "Ansprechen verboten, ich bin besser als Du" stand.

Doch sie war mir weitestgehend unbekannt, und da ich wenigstens ein Fünkchen Anstand besaß, meine Eltern hatten mich doch recht höflich erzogen, hob ich unsicher die Hand, um wenigstens den Anschein zu erregen, nett zu sein.
Ihr Blick war musternd, abschätzend und schließlich abwertend.
Man sollte sie mit Marie zusammen stecken. Sie würden sich prächtig verstehen.
Aber nun gut, ein Mensch weniger zu dem ich nett sein musste.

"Hey Jamie!", grinste Olga, bevor ihre Zimmergenossin den Mund aufmachen konnte.
"Wer bist du, etwa noch eine Esssüchtige, die sie mir ins Zimmer stecken?"
Wow. Auch wenn ich sie kaum kannte und keinen wert darauf legen sollte; der saß.

Meine recht Hand fuhr über meinen linken Jackenärmel. Hätte ich diese Jacke nicht, würde ich jetzt über vernarbte und wild verwachsene Haut fahren.
Doch, wenn auch erst nach einem kurzen Moment, hatte ich mich wieder gefangen.

"Du solltest mal was mit meiner Zimmergenossin Marie machen, ihr scheint beide voller Vorurteile und Hass gegen jeden, dessen Knochen man nicht sieht."
Ich lächelte sie überfreundlich an, ehe sie empört nach Luft schnappte und sich wieder mit ihrem Handy beschäftigte.

Olga warf mir einen anerkennenden Blick zu und stand, wie immer, grinsend auf.
"Können wir?", fragte sie und hielt mir einen Arm zum einhaken hin.
"Immer doch."

Mit einem meiner ersten Grinser, den dieses Krankenhaus gesehen hat, hakte ich mich bei ihr ein und wir verließen das Zimmer, den prüfenden Blick ihrer Zimmergenossin im Rücken.
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