Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
31.143
12
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.11.2016 1.625
 
Hey ho!
Das ist er also. Der Epilog meiner CdrB-FF. Zumindest der erste Teil.
Der zweite Teil wird übrigens direkt an diesen hier anknüpfen. Also Verzeihung, falls jemand Fan von diesen zweigeteilten Geschichten ist, mit einem Happy-End und einem Bad-End. Ich bin keiner. :D
Zweigeteilt ist das ganze übrigens, weil es einfach zu lang war. Realtalk, ich glaube, der zweite Epilog ist länger als jedes andere Kapitel ist dieser FF.
Aber wie dem auch sei, kommen wir zur einzigen Information in diesem Vorwort, die wirklich zählt:

Upload von Epilog 2/2
Mittwoch, der 30.11
Um 20:00


Nun dann!
Viel Spaß beim lesen, fröhliches Weinen!
Und kleine Empfehlung der Autorin:
Ein Lied, was wirklich gut zu diesem Epilog passt, ist "You were supposed to be different" von Aron Wright
(Falls ihr das Lied nicht kennt, klickt auf den Link.
Vertraut mir, doch, ihr kennt es.)

Aber nun wirklich!
Viel Spaß, wir lesen uns am Mittwoch!
Vorhang auf, für das vorletzte Update dieser FF!

-----

Ich habe wahnsinnig lange darüber nachgedacht, wie ich diesen Brief beginne. Ob ich ganz klassisch "Lieber Alex", oder eher lässig "Hallo" oder "Hey" schreibe. Ich weiß nicht mal genau, weshalb ich diesen Brief jetzt schreibe.
Vielleicht, weil es so viele Dinge gibt, die ich noch gesagt haben wollte, und die keine Zeit mehr gefunden haben, als ich vor deiner Operation irgendwann einfach nur noch heulend in deinen Armen lag.

Ich fange einfach an, schätze ich.


Hey Alex.
Ich wurde entlassen. Schon vor einigen Monaten. Ich wäre zwar noch nicht ganz soweit, hatte mein Therapeut gesagt, aber ich wäre auf einem guten Weg.
Und vielleicht würde Distanz zum Krankenhaus den letzten entscheidenden Schritt bringen.
Distanz, zu dem Ort, an dem mich alles an dich erinnerte.

Dein Tod ist jetzt 156 Tage her.

Und vielleicht hatte mein Therapeut damit recht, dass ich nur Distanz brauchte, aber wahrscheinlich war es doch nur das Versprechen, was ich dir gegeben hatte.

Ich bin gesund. So gut wie. Es ist zwar nicht dieses glücklich-sein-gesund, welches ich eigentlich wollte, aber ich bin nicht mehr krank.

Zumindest nicht in dieser Hinsicht.

Ich gehe immer noch einmal die Woche zum Psychologen. Er sagt mir immer wieder dasselbe.
Ich solle "loslassen" und "begreifen, dass die Vergangenheit Vergangenheit" ist.
Loslassen, am Arsch.

Ich sollte dich eigentlich hassen. Sollte ich wirklich. Manchmal wünschte ich, wir hätten uns nie geküsst.

Wirklich. Auf einer Party haben wir 'Ich-hab-noch-nie' gespielt und bei "Ich hab' noch nie einen Kuss bereut" habe ich fast die ganze Bierflasche geext.

Aber meistens, meistens da wünsche ich mir, dass ich mich viel früher in dich verliebt hätte.
Ja, ich war verliebt. Es war tatsächlich mehr, als dieses 'sehr mögen', von dem wir immer geredet haben.
Und ich wünsche mir, dass du mich viel früher geküsst hättest. Ich weiß ja nicht mal, ob du auch in mich verliebt warst, oder ob es bei dir nur bei 'sehr mögen' geblieben ist.

Vielleicht bin ich ja auch immer noch verliebt. Ich weiß es wirklich nicht.
Ich weiß nur, dass ich nächtelang nicht schlafen kann, weil ich immer, wenn ich meine Augen schließe, dein Gesicht sehe, und anfange zu weinen.

Ist das dieses unglücklich-verliebt-sein?
Ich hasse es.
Ich hasse es, wie die Pest.

In der Schule nicke ich dauernd ein, weil ich Nachts nicht schlafe, sondern Versuche gegen diesen Drang anzukämpfen.
Es ist nicht das Erbrechen, keine Sorge. Mein Versprechen halte ich.

Es ist der Wunsch danach, die ganze Scheiße zu beenden.
Meine Suizidgedanken waren noch nie so stark, wie in den letzten Monaten.
Gut, vielleicht ist 'keine Sorge' etwas untertrieben.


Die Schule habe ich gewechselt.
Die Frage, die aufkam, warum ich mitten im Schuljahr wechsele, habe ich immer mit 'aus Gründen' beantwortet. Vielleicht hat die Kälte in meinem Augen dafür gesorgt, dass niemand mehr weiter gefragt hat.

Meine neue Klasse ist in Ordnung. Alle scheinen respektvoll miteinander umzugehen, und niemand scheint irgendjemanden fertig zu machen.
Ich sollte mich glücklich schätzen.

Ich tue es nicht.

Der Grund ist der, dass ein dicklicher Junge mir in einer Gruppenarbeit mal erzählt hat, dass es gar nicht so lange her ist, dass mal ein anderer Junge in der Klasse war.
Und dass dieser Junge dann ins Krankenhaus kam, und bei einer Operation starb.

Marvin, oder wie er auch immer hieß, hatte nicht verstanden, warum ich mit verdecktem Gesicht aus dem Raum geflüchtet bin, und die Stunde heulend in der Toilette eingesperrt verbracht hatte.

Weißt du, aus allen Schulen in Köln, hatte ich ausgerechnet deine erwischt.
Und das schlimmste ist, dass es niemanden sonst zu kümmern scheint.
Niemanden in dieser Klasse, scheint es mitgenommen zu haben.

Ich weiß nicht, wie du warst, bevor du ins Krankenhaus gekommen bist. Ich kann es nur erahnen, anhand dessen, wie du dich Anfangs verhalten hast.
Aber ich wünschte, sie hätten sehen können, wie du dich verändert hast. Wie dein Herz immer sanftmütiger wurde, ehe es aufhörte zu schlagen.

Ich wünschte, sie könnten sehen, was für ein wunderbarer Mensch aus dir geworden ist.
Es wäre ihnen sicher nicht mehr so egal.

...Ich hasse sie einfach alle.


Ich hab' den Kontakt zu allen abgebrochen, als ich draußen war.
Olga hatte mir noch ein paar Mal geschrieben, als sie es durch Emma mitbekommen hatte, und bat darum, mich zu treffen.

Ich habe ihr nicht geantwortet.
Was mit den anderen ist, weiß ich nicht.

Emma hat noch ein paar Mal nachgefragt, warum ich auf deinen Tod so emotional reagiert hatte.
Hat gefragt, wie genau wir denn nun eigentlich zueinander gestanden hätten. Ob ich dich immer noch gehasst hätte, oder ob zwischen uns Freundschaft oder mehr entstanden war. Sie hatte die ganze Zeit schon diese Vermutung, schrieb sie.
Als ich nicht geantwortet habe, hat sie nur irgendetwas von 10% geschrieben, und mich ab da an in Ruhe gelassen.

Meine Ignoranz tut mir Leid. Aber momentan will ich einfach niemanden sehen, den ich mit dem Krankenhaus verbinde.


Mein ehemaliger Freundeskreis hat mich wieder aufgenommen. Keine drei Tage in Freiheit hatte ich gebraucht, um sie anzuschreiben.
Sie stellten keine Fragen, wo ich herkam, und weshalb ich weg war, sie erwarteten keine Details aus meinem Leben.
Sie boten mir nur stillschweigend Bier und Kippen an.
Vielleicht bin ich ihnen egal.

Bestimmt bin ich ihnen egal.

Sie nehmen mich auf Partys mit, und bringen mir bei, wie man 'cool' ist.
Sie zeigen mir, was die coolen Leute anziehen und wie sie sich verhalten.

Diese hässlichen bauchfreien Oberteile, mit langen Ärmeln, deren Sinn ich nie verstanden haben. Und auf jeder Party mit mindestens einer fremden Person rumzumachen.
Diese ganze Scheiße mach' ich mit, einfach um für ein paar Stunden zu vergessen, was für ein Wrack ich eigentlich bin.

Es bedeutet mir alles nichts.
Ich will gar nicht 'cool' sein.
Eigentlich will ich nur bei dir sein.


Wie gesagt, mir geht's dreckig.
Mir geht es miserabel.
Meinen Zauberwürfel hab' ich vor fast vier Monaten verloren.

Aber ich arbeite dran. Versprochen.
Ich habe dir versprochen, gesund zu werden.
Und vielleicht bleibt es nicht nur bei diesem wenigstens-erbricht-sie-sich-nicht-mehr-gesund.
Vielleicht bin ich irgendwann ja wieder dieses glücklich-sein-gesund.

Ich weiß es nicht.
Ich weiß nicht, ob ich jemals darüber hinwegkomme, dass sie erste Person, in die ich wirklich verliebt war, mir einfach aus den Händen geglitten ist.

Oder vielleicht lebe ich in zwei, drei, vier, fünf Jahren doch ein ganz anderes Leben, mit einem anderen Freund und ohne das ständige Denken daran, was passiert wäre, wärst du unter den anderen 50% gewesen.


In unserem alten Whatsappchat haben wir ja eigentlich nie geschrieben. Immer hin haben wir uns ja meistens persönlich gesehen. Trotzdem bin ich viel zu oft in diesem Chat, starre auf die zuletzt-online-Anzeige, die viel zu weit zurück datiert ist.

Und ich starre auf diese Nachricht, die ich dir an diesem Tag geschrieben hatte, bevor wir uns geküsst haben.
Ich hatte es dir nie erzählt. Irgendwie war es mir unangenehm. Aber an diesem Tag ging's mir schrecklich.

Ich hatte mich an diesem Tag das erste Mal seit einigen Wochen wieder übergeben. Und ich weinte und wollte am liebsten dieses Ding aus meiner Handyhülle reißen.

Ich bin dann eingeschlafen, irgendwann, unter Tränen. Und dann hast du mich ja auch irgendwann geweckt.
Du wusstet von nichts. Vielleicht hast du was geahnt.

Weißt du, was ich dir geschrieben habe, als ich da so verzweifelt in meinem Bett saß, was ich trotzdem nie abgeschickt habe?

"Bitte komm' her. Ich brauche dich gerade. Bitte."

Oh Alex.
Bitte komm' her. Ich brauche dich gerade.

Bitte.


Ich male mir oft aus, was wäre, wenn du noch leben würdest.
Irgendwann wären wir beide draußen gewesen. Ich hätte dir mein Zimmer gezeigt, von dem ich dir so vorgeschwärmt hatte, und du hättest mir dein Zimmer gezeigt und ich hätte tausend Fotos ausgedruckt, um deinen weißen Wände etwas Persönliches zu geben.

Und wir hätten Olga besucht, und Emma, wenn sie rausgekommen wäre, und alle, die noch im Krankenhaus bleiben mussten, die hätten wir eben da besucht.

Und wir wären zusammen mit Toni Zug gefahren. Nach Berlin, oder Hamburg, oder von mir aus auch nur ans andere Ende der Stadt.

Und wir beide hätten alle Zeit der Welt gehabt, uns richtig kennenzulernen.
Verdammt, ich weiß nicht mal banale Sachen über dich, kenne deinen Lieblingsfilm oder deine Lieblingsband.

Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, neben dir aufzuwachen. Wie es wäre, von deinen Küssen geweckt zu werden.
Wie mein Leben wäre, wenn du nicht gestorben wärst.

Vielleicht wäre ich dann ja glücklich-sein-gesund.


In Liebe
Jamie.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast