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Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
31.143
12
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.11.2016 1.905
 
Greetings aus der Uni.
Ich hab' mich gestern hingesetzt und dieses ganze verdammte Kapitel geschrieben.
Und ich schwöre bei Gott, ich bin 1000 Tode gestorben.
Nevermind.
Das hier ist das letzte Kapitel der FF, das nächste Mal kommt noch der Epilog und dann muss ich sie wohl oder übel auf 'fertig gestellt' schalten.
sobbs
Aber nun, viel Spaß beim Kapitel!
(Es ist sogar lang, heute!)

Reviews sind herzlich erwünscht!
(Ich finde, ich verdiene sie heute auch. Egal wie emotional ihr beim Lesen werdet, ich war beim schreiben mindestens doppelt so emotional :D)

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"Er kommt, er kommt!", verkündete Jonas hektisch, als er in den Raum reinrollte.

Die letzte Woche war vergangen wie im Flug.
Und endlich hatte ich sogar mal anhaltend das Gefühl, dass es bergauf ging.

Hektisch drückte Alex Toni den Kuchen in die Arme und zündete die letzten paar Kerzen an, bevor Leo kurz nach Jonas im Raum ankam.
Gejubel, dicht gefolgt von durcheinander geworfenen Geburtstagswünschen, ertönte.

Und Leo schien, als hätten wir ihm gerade verkündet, dass das andere Bein auch noch ab musste. Entgeistert starrte er in die Runde und hob die Arme, um uns zu bedeuten, dass wir leise sein sollten.

"Sorry", rief er aus, "Sorry, sorry, sorry... Hey, es tut mir Leid, aber ich kann das nicht", verkündete er, warf Jonas einen kalten Blick zu und fuhr rückwärts wieder raus.
Jonas fuhr ihm hinterher, rief ihm beschwichtigende Worte zu, und ließ den Rest von uns verdaddert im Raum zurück.

"Ich hab' euch gesagt, dass er nicht so reagieren wird, wie ihr gedacht habt", seufzte Emma.
"Aber warum sollte man sich denn nicht über seinen Geburtstag freuen?", fragte Toni verwirrt.
"Das ist was anderes, wenn man eine Weile im Krankenhaus ist", gab ich zurück.

"Naja, sollte man sich nicht eigentlich freuen, wenn man schon Krebs hat, dass man doch noch ein Jahr älter geworden ist?", gab Alex zum besten.
Ich knuffte ihn leicht in die Rippen.
"Das tat weh!", stieß er aus.
"Da ist mir jetzt aber der Ellenbogen ausgerutscht, verzeih' mir bitte", gab ich trocken zurück.

Emma warf mir einen vielsagenden Blick zu, den ich gekonnt ignorierte.
Wahrscheinlich ahnte sie etwas. Aber zumindest hatten wir niemandem etwas erzählt.
Alex meinte, dass er auf einen passenden Moment warten würde, und mir war es relativ egal, ob sie davon wussten oder nicht.

"Wollt ihr nicht irgendwie schauen, was mit eurem Freund los ist, oder glaubt ihr wirklich, dass Jonas das alleine gehändelt bekommt?", warf ich in den Raum und blickte Toni, Emma und Alex der Reihe nach an.
"Ich räum' etwas auf, dann könnt ihr nachschauen, was los ist", gab Toni zurück und stellte den Kuchen, den er noch immer in der Hand hielt, auf den Tisch.

Emma nickte und ging voraus, gefolgt von Alex.
Im Vorbeigehen streichte er meine Hand mit seiner und bedeutete mir, ihnen zu folgen.

Als wir Jonas einholten, sahen wir nur, wie Leo entnervt um die Ecke bog und im Gang verschwand.


"Was soll das heißen, du willst 'ne richtige Party für ihn organisieren? Reicht dir das von heute morgen nicht?", fragte Emma stirnrunzelnd an ihren Freund gewandt, einige Zeit später im Zimmer von Alex und Hugo.

"Du kennst doch Leo!"
"Eben, er ist total ausgeflippt!"
"Man wird nur einmal siebzehn, und ich find' Leo hat 'ne Party echt verdient."
"Vor allem hat er Respekt verdient, und wenn er keine Party will, dann sollten wir das respektieren."
"Ich denke, er fänd's ganz cool, wenn wir uns was überlegen würden", sagte Jonas überzeugt und schaute in die kleine Runde, "Wer hat 'ne Idee?"
"Ich versteh' überhaupt nicht, warum du so stur bist", gab Emma spitz zurück.
"Wieso bin ich denn stur? Du bist doch mindestens die ganze Zeit genauso stur."

"Toni", begann Alex nun halblaut, "du willst doch was über Gefühle lernen. Das hier nennt man 'die erste Beziehungskrise'."
"Alex, halt die Klappe, okay?", gab Jonas bissig zurück, "Wir sind der Club der roten Bänder und wenn einer von uns Geburtstag hat, dann haben wir das zu feiern!"
"Jonas, das ist hier ein Krankenhaus! Und egal, was wir für eine Party machen, es bleibt ein Krankenhaus!"

Toni begann suchend in seinem kleinen Büchlein zu blättern, in dem er Bilder von seinem Opa mit verschiedenen Gesichtsausdrücken geklebt hatte, unter denen die zugehörige Emotion stand.
"Ja, und? 'N Krankenhaus."
Jonas sagte das so, als würde er über die Schule oder die Innenstadt reden.

"Wir haben keine Deko, wir haben keine Leute, und Geschenke gibt's auch nur im beknackten Laden im Foyer. Das ist doch bescheuert, wir sollten auf Leo hören und es einfach lassen."
Wieder beugte sich Alex zu Toni rüber.
"Und das nennt man jetzt 'die erste verschärfte Beziehungskrise'."
"Alex, wenn du nichts beizutragen hast, dann sei doch einfach ruhig", spuckte Emma ihm mit einem Blick entgegen, als würde sie ihn gleich zerfetzen wollen.

Toni hob die Hand.
"Toni, du musst dich nicht melden, wir sind nicht in der Schule, sag' einfach was immer du zu sagen hast", reagierte Jonas.
"Ich hab' nichts zu sagen. Hugo hat was zu sagen."
"Und zwar?"
Man konnte förmlich spüren, wie genervt Emma mit der Situation war.

"Wenn Leo meint, dass er nur zuhause in seinem Zimmer feiern möchte, dann sollten wir auch nur zuhause in seinem Zimmer feiern."
"Spitzen Idee. Aber wir können hier nicht raus. Ist Hugo das nicht klar?"
"Er sagt, wenn wir nicht zu Leos Zimmer kommen, dann soll Leos Zimmer eben zu uns kommen."

So formte sich die Idee, wie es denn wäre, einfach Leos Einrichtung ins Krankenhaus zu bringen und den Gemeinschaftsraum damit zu dekorieren.

"Aber alleine schaffen wir das doch nie", meinte Emma, nicht mehr ganz so abgetan von der Idee.
"Müssen wir auch gar nicht. Tabea kommt heut' zu Besuch, die hilft uns bestimmt. Die müsste eigentlich schon da sein. Kommt!", rief Jonas aus und wandte sich zum Verlassen des Zimmers.
Ich stand auf.

"Ehm... Sorry, aber ich kann nicht", meldete sich Alex plötzlich, "Ich hab' noch... Also ich muss gleich noch zu 'ner Untersuchung."
"Kannst aber später nachkommen", meinte Jonas.
"Euh, schaff' ich wahrscheinlich nicht."

"Was ist das denn für 'ne Untersuchung?", erkundigte Jonas sich nun besorgt.
Was mich übrigens ebenso interessierte. Mich wunderte vor allem, warum er mir nichts erzählt hatte.
"Ach, ihr wisst schon. Die Ärzte fummeln die ganze Zeit an mir rum, macht ihnen wohl irgendwie Spaß. Wartet nicht auf mich."

Die anderen verabschiedeten sich und verließen den Raum, um Leos Schwester zu suchen.
"Was für eine Untersuchung denn?", fragte ich und setzte mich wieder ihm gegenüber auf das Bett.

"Nichts Großes, du kannst den anderen helfen, wenn du w-"
"Alex, schau' mich bitte an."
Widerwillig hob er den Kopf und blickte direkt in mein Gesicht.
"Dich beschäftigt etwas, und ich würde gerne wissen, was es ist, oder ob ich etwas dagegen tun kann. Du bist nicht der einzige von uns beiden, dem der andere etwas bedeutet."
Er nahm einen tiefen Atemzug, ehe er wieder zu sprechen begann.

"Die haben mein Problem schon gefunden."
"...Und was ist es?"
Solangsam beunruhigte mich die Geheimniskremerei.
"Eine hypertrophe Kardio- irgendwas. Doktor Wendtland meinte, dass es kompliziert sei. Und gefährlich."
Ich spürte, wie mir das Blut aus dem Kopf wich.

"Und das heißt jetzt genau was?", fragte ich mit bebender Stimme.
"Ich werde operiert."
"Wann?"
"Gleich."
"Und wie stehen die Chancen, dass es dir danach wieder gut geht?"
Er schluckte.
"50/50."

"Und wenn du in den anderen 50% bist, was passiert dann?"
"...Dann sterbe ich bei der Operation."
Entgeistert von dem, was er mir gerade eröffnet hatte, vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen.
"Seit wann weißt du von der Operation?", brachte ich mit zitternder Stimme heraus.
"Seit einer Woche."

"Und du sagst es mir nicht?"
Fassungslos senkte ich meine Hände und starrte ihn an.
"Ich wollte nicht, dass ihr euch alle Sorgen macht."
"Indem du mir eiskalt ins Gesicht lügst, jedes Mal, wenn ich dich frage, was es neues gibt?", fuhr ich ihn an und stand vom Bett auf.

"Jamie, ich-"
"Was, Jamie, du? Am Arsch, Junge, am Arsch. Weißt du eigentlich, wie es für mich war, dir vom Tag zu erzählen, an dem meine Eltern von meiner Esstörung erfahren haben? Weißt du eigentlich, wie es für mich war, dir meinen Arm zu zeigen? Ich hab' dir meine verdammte Lebensgeschichte erzählt, von meinem Namen bis zu meinem Zimmer, und du hältst es nicht mal für nötig, mir zu erzählen, dass du mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% heute stirbst? Was soll mir das bitte sagen?"

Aufgebracht lief ich im Zimmer umher und rief den ganzen Frust aus, der sich in den paar Momenten in mir gesammelt hatte.
"Ich wollte doch nur, dass du dir keine Gedanken machst!", entgegnete er entschuldigend.

"Keine Gedanken? Alter, ich mache mir nur Gedanken um dich! Du bist praktisch das einzige in meinem Kopf. Ich denk' an dich und bekomm' Herzrasen und Schmetterlinge im Bauch und du denkst, dass ich mir keine Gedanken um dich mache?"
Er starrte mich an.
"Wirklich?"

"Natürlich, du Idiot! Glaubst du, ich erzähle dir aus Spaß meine Lebensgeschichte? Glaubst du, ich küsse dich, ohne etwas zu fühlen?"
Entkräftet ließ ich mich wieder auf das Bett fallen und wischte mir über's Gesicht.

"Weißt du, es ist einfach beschissen, jemandem alles anzuvertrauen, und dann erzählst du mir so etwas wichtiges nicht. Ich hab verdammt Angst, dich zu verlieren."
Vorsichtig beäugte er mich, als würde er abschätzen wollen, ob es jetzt wieder sicher wäre, irgendetwas zu sagen.

"Ich will einfach nicht, dass es dir wieder schlecht geht", entgegnete er leise.
"Das wirst du wohl kaum verhindern können", antwortete ich in derselben Lautstärke.
Dann rückte ich einfach ein Stück weiter zu ihm und legte meine Arme um ihn.

Er erwiderte die Umarmung fest, als wäre ich der Rettungsring für einen Ertrinkenden.
"Ich schaff' das", sagte er mit überzeugendem Tonfall.
Ich wusste sehr wohl, dass er die letzte Person war, die Einfluss darauf hatte.
Also schwieg ich, verstärkte den Griff einfach nur noch mehr.
Die Tränen, die mir ins Auge stiegen, versuchte ich unauffällig weg zu blinzeln.

"Sowas nennt man also 'die erste Beziehungskrise', heh?", murmelte ich undeutlich in seine Schulter.
Er schnaubte leise.
"Versprichst du mir etwas?", fragte er nach einer kurzen Pause.
"Was denn?"

"Versprichst du mir, gesund zu werden?"
Ich zögerte einen Moment, löste die Umarmung und sah ihm fest ins Gesicht.
"Ich verspreche es."
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