Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
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05.01.2016 412
 
Um 15 Uhr 37, ja, ich hatte auf die Uhr geschaut, hörte der Regen auf an die Fensterscheibe zu prasseln und mein Magen begann auf Komando zu knurren.

Meine Zimmerpartnerin Marie lachte verächtlich auf.
"Zu den Essenszeiten isst du nichts und jetzt kriegst du Hunger? Entweder Hunger oder nicht, so einfach ist das" ihr Blick glitt zu mir und musterte mich herablassend "am besten keinen Hunger. In deinem Fall. In jedem Fall."

Sie hatte etwas, was von den Ärtzen zwar immer noch als Anorexia betitelten, was ich aber hasserfüllt Mode-Magersucht nannte.
...Das klang harter als es gemeint war.
Sie war davon überzeugt, dass vorstehende Rippen und Hüftknochen DAS Schönheitsideal schlecht hin waren und das obwohl sie, wie sie mal beifällig erwähnt hatte, sonst nie Probleme mit ihrem Gewicht hatte.

Schön und gut, sollte es mir egal sein, von mir aus könnte sie jetzt gleich in ihrem Bett krepieren.
Aber dass sie mich täglich abwertete, eben weil ich noch etwas aß, das war das Problem.
Insgeheim gab ich ihr auch die Schuld daran, dass sich mein Aufenthalt jetzt schon ein halbes Jahr hinzog.
Aber den Schwestern war das egal, meine Therapeutin meinte nur, dass ich übertrieb und sagte, ich sollte versuchen sie zu verstehen.

...unfähiges Miststück.

Seufzend erhob ich mich.
"Wie du meinst."
So zynisch ich in meinen Gedanken auch war; mittlerweile hatte ich es aufgegeben zum Gegenschlag anzusetzen.

Ich griff nach einer Tasche, die ich seit Monaten unter mein Bett gelegt hatte.
Meine Mutter hatte sie mir mal mitgebracht, besser gesagt hatte sie dort eine Lichterkette und Fotos reingepackt.
Ich könne damit etwas Kreativität ins Zimmer bringen.

Ich hatte gar nicht versucht, die Kette aufzuhängen oder die Fotos zu befestigen.
Als könnte irgendwas vergessen lassen, dass man in einem Krankenhaus lebt, weil man krank ist.
.
Lichterkette und Fotos lagen seit dem verbannt in meinem Nachtschrank.
Zurück zur Tasche.
Sie war nahezu perfekt für Ausflüge in Küche und zum Automaten im Besucherraum, fast so perfekt wie sich meine Zimmergenossin fühlte.
Die Tasche sah klein aus, zumindest war sie unauffällig genug um nicht aufzufallen, während genau genug für meinen... Hunger hineinpasste.

Hunger war es, ja, nur Hunger; den Fressattacken hatte ich abgeschworen, kaum dass ich das erste mal dieses Zimmer betreten hatte.

'Ein anderer Name lindert weder Probleme noch ändert es etwas am Sachverhalt', protestierte mein Unterbewusstsein.
Leicht mit dem Kopf schüttelnd verließ ich mein verhasstes Zimmer um mich zu Olgas Zimmer zu begeben.
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