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Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
31.143
12
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.10.2016 556
 
großer Triggeralert

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Was hatte ich den ganzen Tag über gehabt? Warum war ich so glücklich, habe so viel gelächelt?
Ich war immer noch hier, ich war immer noch ich, im Krankenhaus, unwichtig und einsam.

Von einer Minute auf die andere ging es mir furchtbar.
Der Spiegel, auf den mein Blick noch immer gerichtet war, tat sein Übriges.

Mir wurde schlecht. Aus Reflex wollte ich mich zur Toilette umdrehen, so wie ich es hunderten Male getan hatte, als ich in der Bewegung inne hielt.

...Nein.
Mein Wille protestierte.
Mein Magen rebellierte.
Und ich wusste nicht weiter.

...Mein Magen gewann.
Mich schüttelnd beugte ich mich über die Toilette und wurde gefühlt alles los, was ich seit der Sternschnuppennacht in mich hinein gestopft hatte.

Schließlich brach ich endgültig zusammen. Heulend spülte ich meinen weggeworfenen Fortschritt weg und schleppte mich wieder ins Zimmer.

Ich brauchte gefühlt eine halbe Stunde um die wenigen Meter zu überbrücken, taumelte ich zum Bett, verwirrt von dem Konflikt zwischen Willenskraft und Krankheit, den die Krankheit schließlich doch gewonnen hatte.

Nie hatte ich zuvor damit Probleme gehabt.
Natürlich, ich hatte mich anfangs gesträubt, gewehrt dagegen, in was ich da reingerutscht war.
Aber danach war es normal für mich. Das klingt krank und das ist es eben auch, doch es wurde eben alltäglich.

Und plötzlich sträubte sich mein Verstand gegen das Verlangen, als hätte ich in den letzten Tagen einen Schalter umgelegt.

Trotzdessen, dass ich der Krankheit klein bei gegeben hatte, ging es mir immer noch schrecklich. Vielleicht war es Schuld, oder Angst, hier wirklich nie wieder rauszukommen, hatte ich doch nach den letzten Wochen wieder Hoffnung gehabt.
Das Gefühl, nichts tun zu können, erdrückte mich.

Eigentlich hatte ich mich nicht übergeben wollen. Ich wollte gesund werden.
Richtig gesund, nicht dieses wenigstens-erbricht-sie-sich-nicht-mehr-gesund, sondern dieses glücklich-sein-gesund.

Die Idee, die mir als nächstes in den Kopf schoss, war schrecklich.
Vielleicht würde es mich befreien, nur um mich danach erneut zu zerstören.
Ich hatte dieses ganzes Thema doch schon durch, verdammt.

Mein Herz schlug wie wild, pochte mir fast aus dem Brustkorb hinaus.
Die heißen Tränen, die aus meinen Augen quollen, versuchte ich zu ignorieren, wischte sie halbherzig mit meinem Jackenärmel weg.

Vielleicht sollte ich mir Hilfe suchen. Keine professionelle, Hilfe von Freunden.
Aber bei wem?
Niemand wusste es. Wie würde das bitte kommen?

'Hey, sorry für die Störung, aber ich bin seit knapp 200 Tagen clean und will mich jetzt wieder schneiden, lenk' mich mal bitte kurz ab.'

Super Idee.
Der Chat mit Olga stand noch immer offen, aber auch sie war keine wirklich Alternative.

Sie war mir wichtig, das stand außer Frage. Aber ich wusste, sie würde darauf bestehen wieder her zu kommen und ich wusste nicht, ob ich ihr das zumuten wollte.

Letztendlich schrieb ich Alex, nach Ewigkeiten des Nachdenkens, ewigem Löschen und Ändern von Worten.
Und ich schickte es trotzdem nicht ab.

Ich schloss Whatsapp einfach wieder, warf mein Handy weg von mir und ließ mich nach hinten fallen, ins kalte Kissen.
Die Tränen standen noch immer in meinen Augen, als ich diese zupresste, mein Gesicht weiter ins Kissen drückte und laut in dieses schrie.

Es half. Etwas.
Ich schrie, bis mein Hals brannte, schrie den Frust, die Schuld, die Angst aus, und alles was daraus folgte, war ein dumpfes Geräusch im Kissen.
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