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Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
31.143
12
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22.10.2016 554
 
Am nächsten Morgen weckte mich mein knurrender Magen.
Vielleicht hatte Alex zumindest ein wenig dazu beigetragen, die metaphorischen Regenwolken aufzulösen.

Oder vielleicht rebellierte mein Körper auch dagegen, fast 40 Stunden keine Nährstoffe bekommen zu haben.

Zumindest ging es mir ein wenig besser, nach der tröstenden Umarmung.

Es war fast zwölf Uhr Mittags. Trotz der wenigen Stunden Schlaf, fühlte ich mich ausgeschlafener den je.
Auch wenn ich es mir selbst nicht eingestehen wollte, musste ich doch immer noch etwas lächeln, beim Gedanken daran, wie Alex versucht hatte mich zu trösten.

Es artete schließlich doch nur darin aus, dass er mich mit Ironie und Späßen wieder hoch zog und letztendlich war es doch ein wunderbarer Abend.
Die letzten Stunden alberten wir nur noch rum und als er auch noch darauf bestand, die Bücher auf seinem Schoß im Rollstuhl bis zu meinem Zimmer zu transportieren, konnte ich nicht mehr vor Lachen, darüber, wie verrückt das ganze doch geworden war.
Er ließ sich nicht davon abbringen. Und tat es schließlich auch.

"Du bist ein Idiot", hatte ich mich schließlich bei ihm verabschiedet und ihn in eine Umarmung gezogen, "Aber danke für heute Abend."

Noch immer grinsend schwang ich meine Beine aus dem Bett und ging ins Badezimmer, um mich umzuziehen.


Ich war seltsam enthusiastisch, motiviert. Auf dem Weg zum Speisesaal lächelte ich Leute an, dessen Blick ich Monate vorher gemieden hatte wie ein Vampier die Sonne.
Andere Patienten, die mich verwirrt ansahen oder das Lächeln erwiderten.
Und andere Essgestörte Mädchen, die mich verächtlich musterten, voller Bitterkeit und Zynismus.

Der Gedanke, dass ich vor einigen Wochen noch eine von ihnen war, schien furchtbar surreal.
Die musternden Blicke waren mir egal. Es ging mir so gut wie schon lange nicht mehr.

Erst als ich wieder auf meinem Zimmer war, bemerkte ich, dass das Mittagessen heute für mich etwas ganz normales war.
Kein Gedanke über Gewicht, Kalorien oder Erbrechen.

Nur Dauergrinsen.

Aber Übergeben hatte ich mich schon seit einiger Zeit nicht mehr.
Von jetzt auf gleich, gut, vielleicht auch nach einigen kleinen inneren Kämpfen, hatte ich nach den Malzeiten kein Bedürfnis mehr dazu. Seit der Sternschnuppennacht.
Vielleicht gingen Wünsche wirklich in Erfüllung, wenn man es nur wollte.

Grinste ich immer noch?
Ein Blick in den Badezimmerspiegel antwortete. Ja, ich tat es.

Das Mädchen, das eindeutige Mädchen, dort in Spiegel hatte ein breites Lächeln von einem zum anderen Ohr gespannt. Und vielleicht sah es gar nicht mal so schlecht aus, wie es immer gedacht hatte.

Mein Handy vibrierte, Olga schreib mir endlich.
Sie schrieb, dass die Ende des Sommers wieder auf ihre alte Schule gehen würde, dass sie sich bald mit einigen Freundin treffen würde und schickte mir Bilder von ihrem Zimmer, ihrem wunderbar dekorierten, großen Zimmer.

Sie war zuhause, sie war frei, sie war gesund. Sie würde wieder auf ihre alte Schule gehen können, sie würde sich mit ihrem Freunden treffen.

Ich war im Krankenhaus, eingesperrt wie eine Straftäterin, mit einem verzerrten Schönheitsideal. Krank.
Ich könnte nie wieder auf meine alte Schule. Ich würde wechseln müssen. Ich würde mich nicht mit Freunden treffen können. Ich hatte damals den Kontakt zu Alkohol, Zigaretten und ihnen abgebrochen.

Ich hatte niemanden, da draußen.
Und hier hatte ich genau eine einzige Person.

Das Mädchen im Spiegel, das hässliche, geschlechtsneutrale Etwas, starrte mich mit glasigen Augen an. Es lächelte nicht mehr.
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