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Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
31.143
12
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16.10.2016 420
 
Irgendwann wurde es Gewohnheit.
Gewohnheit, dass er da jeden Abend saß und wartete.
Gewohnheit, gemeinsam da zu sitzen und zu schweigen.
Eine Gewohnheit, die langsam dazu führte, dass meine Hassgefühle verschwanden.

Anscheinend konnte ich mich mit jedem irgendwie anfreunden, der freiwillig Zeit mit mir verbrachte.
Das hatte man ja auch an Emma gesehen, die ich Anfangs ebenso gehasst hatte, bis Olga mir eröffnete, dass sie doch gar nicht so übel war.
Ob wohl auch der Hass auf meine Klassenkameraden wohl verschwinden würde, würden sie aufhören sich über mich lustig zu machen? Würden vielleicht einige von ihnen anfangen, nett zu sein?

Innerlich schüttelte ich den Kopf.
Niemals. Sie waren schuld an der Esstörung, sie waren schuld an meinen vernarbten Armen.
Ich könnte ihnen nicht verzeihen, selbst würde ich wollen.
Ich verbann jegliche Gedanken an meine Klasse wieder aus meinem Kopf, packte sie in eine große Holzkiste mit der Aufschrift "Bei nächster Gelegenheit verbrennen".

Wo war ich?
Ach ja.
Alex.
Diese Gewohnheit fiel mir eigentlich erst vor einigen Tagen auf, als er mal nicht am Aufzug stand und wartete, weshalb ich selbst einige Minuten gewartet hatte, bis sich die Tür öffnete und er mich fast schon erleichtert anlächelte.

Manchmal erwischte ich mich sogar dabei, am Tag irgendeine Neuigkeit aufzugreifen und zu denken, dass ich das am Abend ja Alex erzählen konnte.
Denn beim ewigen Schweigen was es auch nicht geblieben.

An einigen Abenden wartete ich fast schon ungeduldig darauf, dass ich das Buch weglegen konnte.
Es waren meistens belanglose Sachen, alles was Krankheiten betraf waren unausgesprochene Tabu-Themen.
Er redete oft vom Club, teilte mir das mit, was ich nicht schon durch Emma und Olga mitbekam.

Ich redete über Dinge, die in Serien oder Büchen passierten, fast ist immer mit einer ironischen Bemerkung darüber verknüpft, wie traurig es doch sei, über nichts anderes reden zu können.

Ein Mal redeten wir über Dinge, die vor dem Krankenhaus passiert sind.
Ich erzählte von einigen Alkoholeskapaden aus der Vergangenheit, damals mit meiner Rauchergruppe. Über seine Geschichten als 'Alex, der coolste Typ der Schule' konnte ich nur verächtlich schnauben.

Der Abend war lustig, wir hatten sehr viel gelacht, miteinander, scherzhaft über einander.
Bis vier Uhr morgens saßen wir da im fünften Stock und redeten.

Hätte mir einige Wochen vorher jemand gesagt, dass ich mich Mal jeden Abend mit Alex treffen würde, freiwillig wohlgemerkt, hätte ich spöttisch gelacht, den Kopf geschüttelt und wäre weggegangen.

Und mit dem Wissen darüber, was noch passieren sollte, wäre ich vermutlich niemals in den fünften Stock gegangen.
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