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Schicksal

von Lixel
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Alex Breidtbach Emma Wolfshagen OC (Own Character)
28.12.2015
30.11.2016
37
31.143
12
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14.10.2016 526
 
In einer Ecke meines Kopfes hatte ich den ganzen Tag über die Vorahnung, dass Alex die Aktion wirklich ernst meinte.
Abgesehen davon, wie furchtbar penetrant das wäre, ergäbe es allerdings einfach keinen Sinn.

Als wäre er so sehr interessiert daran, dieses unangenehme Stück meines Lebens zu erfahren.
Das war unrealistisch, es war schwachsinnig.

Also griff ich am Abend dieselben Utensilien wie am Vorabend.
Dazu Kopfhörer, die ich mir in die Ohren steckte und Musik von meinem Handy aus, die ich aufdrehte, bis meine Umwelt beinahe ausgeblendet war.
Sicheren Schrittes ging ich zu den Aufzügen.

Er hatte sein Versprechen gehalten.
Gelassen saß er da, als hätte er nie etwas anderes gemacht, als auf mich zu warten.
Ich rupfte die Kopfhörer aus meinen Ohren und sah zu ihm.

"Langsam wirst du gruselig", begrüßte ich ihn und drückte den Fahrstuhlknopf.
"Dir auch einen schönen Abend, Jamieboo."

Ich verdrehte die Augen und steckte mir die Kopfhörer erneut in die Ohren, während wir den Fahrstuhl betraten.
Ich versuchte seine Präsenz so weit wie möglich zu ignorieren, während ich irgendeinem Indie-Lied aus meiner Playlist zuhörte.

"...Was hörst du? Kann ich mithören?"
Ich lachte kurz auf.
"Das ist nicht deine Musik", sagte ich, nachdem ich ihn abschätzend gemustert hatte.
"Ach ja, was ist denn dann meine Musik, deiner Meinung nach?"
"Das wirst du mir mit ziemlicher Sicherheit gleich mitteilen."
"Sag' mir deinen vollen Vornamen und ich erzähle dir von meinem Musikgeschmack."

"Lass mich nachdenken...", begann ich sarkastisch, wurde aber unterbrochen, als der Fahrstuhl hielt und ich die Tür wie gestern, nur bei weitem nicht so gereizt, öffnete.
So entspannt, wie man mit eine Klinge in der Hand eben sein konnte, gewährte ich den Eintritt zum fünften Stock.
"Nein", beantworte ich den Vorschlag schließlich und schlug denselben Weg wie gestern ein.

Schweigend nahmen wir unsere jeweiligen Plätze ein.
Es fühlte sich wie eine Art Routine an, als hätten wir nie etwas anderes gemacht als in der verlassenen Etage zu sitzen und zu schweigen.
Und so schwiegen wir uns ebenso wie gestern einige Zeit an.

"...Warum hast du dieses Ding in deiner Handyhülle?", durchbrach er eben diese angenehme Stille mit einer fürchterlich unangenehmen Fragen.
Ich ließ das Buch etwas sinken und starrte ihn an.
"Vor zwei Tagen habe ich dir noch den Tod gewünscht und jetzt stellst du mir solche Fragen?", fragte ich ihn mit einem sarkastischen Unterton.
"Oh, die Antwort kann ich mir vorstellen, ich hatte mir nur ein Gespräch daraus erhofft."
"Über meine Psyche? Wer bist du, der Assistent meiner Therapeutin?"

Bissig versuchte ich die Geheimnisse, die er aus mir rauszubekommen versuchte, zu verteidigen.
Er ließ ab, zwar erst nach einiger Diskussion, aber er ließ ab.
Und eigentlich dachte ich, dass dir Fronten damit geklärt wären und dass damit ein für alle mal offensichtlich war, dass es zu nichts führte, wenn er mich ständig darauf ansprach.

Aber auch am nächsten Abend wartete er am Fahrstuhl.
Und auch am übernächsten.
Und auch den Abend danach.

Eines musste man ihm ja lassen
Hartnäckig war er allemal.
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