Arbeitstitel

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Camille O'Connell Davina Claire Joshua Rosza Niklaus Mikaelson
27.12.2015
07.08.2016
16
43.418
10
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Dieses Kapitel
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27.12.2015 2.109
 
Hallo Leute, schön, dass Ihr auf meine Geschichte gestoßen seit. Ich hoffe, sie gefällt Euch.

Jedes zweite Kapitel  wird eine "Therapiestunde" behandeln.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir Eure Meinung dazu dalasst!

Viel Spaß beim Lesen!







Klaus hielt Hope im Arm. Ein sanftes Lächeln lag auf seinen Lippen. Cami schluckte. Sie wollte sich an das halten, was sie ihm, Vincent und sich selbst gesagt hatte, dass sie nur noch auf professionelle Weise mit ihm interagieren wollte, als seine Therapeutin. Sie wollte sich gefühlsmäßig von ihm distanzieren, sie wollte es wirklich. Warum machte er es ihr so schwer? Wie sollte sie sich nicht zu ihm hingezogen fühlen, wenn er, das mächtigste und gefürchtetste Wesen der Welt, sein kleines Baby so sanft im Arm hielt, so liebevoll guckte und ihr, einer einfachen, zugegeben sehr unerfahrenen Therapeutin sein Seelenheil offenbaren wollte? "Camille, ich hoffe, es macht dir nichts aus, dass ich sie mitgebracht habe. Freya war beschäftigt und Elijah schmollt nach wie vor.", sagte er. "Nein, kein Problem. Hallo Süße.", begrüßte Cami die Kleine, die glücklich gluckste, als sie Cami ansah.

"Aber um ehrlich zu sein wundert es mich doch sehr, dass du mit ihr in der Öffentlichkeit bist. Und dann auch noch mit einem Kinderwagen.", kam Camille gleich auf den Punkt und setzte sich. Sie saßen in einem niedlichen kleinen Straßencafé, eigentlich war es genau die Situation, die sie sich vorgestellt hatte, nachdem Klaus ihr gestanden hatte, dass er Aiden nicht getötet hat, stellte Cami unruhig fest. "Willst du damit sagen, dass ich mich dafür schäme, mit meiner Tochter in der Öffentlichkeit zu sein?", fragte Klaus mit einem schiefen Lächeln, doch Camille erkannte seine Unsicherheit sofort. Das war ihr erstes offizielles Treffen als Klient und Therapeutin und er schien das wohl noch etwas merkwürdig zu finden. Kein Wunder, die Situation war ja auch mehr als grotesk. Der große böse Klaus Mikaelson macht eine Therapie. Dieser Satz klang so...

Cami verdrängte den Gedanken schnell und sagte selbstsicher: "Ich will damit sagen, dass mit deiner Tochter in einem Straßenkaffee zu sitzen nicht grade dem Bild von dir entspricht, welches du nach außen hin zeigen möchtest." Klaus schluckte, dann meinte er: "Ihr Leben ist so schon verrückt genug und es wird in Zukunft wohl noch verrückter werden. Ich möchte ihr soviel Normalität geben wie möglich." Cami nickte. "Meinst du mit Normalität ihre Mutter verfluchen zu lassen, sodass sie sie nur noch einmal im Monat sehen kann?" Klaus stockte kurz, dann meinte er: "Hayley ist nicht tot und bei Elijahs Besessenheit wird es wohl nicht lange dauern, bis er einen Weg gefunden hat, den Fluch aufzuheben." "Tu das nicht.", begann Cami. "Schalte nicht auf Durchzug und tu so, als wäre alles in Ordnung, Klaus, das ist es nicht, sonst wärst du nicht hier. Wenn du nicht bereit bist, dich zu öffnen, kann das hier nichts werden.", sagte Cami sanft, aber eindringlich. Klaus wollte etwas erwidern, tat es aber nicht und senkte kurz den Blick. Als Cami weitersprach, musste sie dem Drang widerstehen, seine Hand zu greifen. "Klaus, hey, ich weiß dass das schwer für dich ist. Aber ich bin es nur. Du kannst mir vertrauen. Was wir hier besprechen, bleibt unter uns. Du kannst vollkommen offen sein." Klaus sah auf und nickte schließlich leicht.

Cami lächelte sanft. "Du hast Dahlia besiegt, Hope droht keine Gefahr mehr. Aber deine Familie ist wütend auf dich und Hayley ist weg. Sag mir, wie du dich damit fühlst.", begann Cami. "Du weißt, dass du dich gerade wie eine klischeehafte Therapeutin anhörst, oder? Fehlt nur noch die Couch und die Frage, was für Bilder ich in Tintenklecksen sehe.", meinte Klaus mit einem leichten Grinsen, doch Cami sah ihn tadelnd an. Schließlich seufzte er und begann langsam: "Ich kann nicht sagen, dass mich die Sache mit Hayley wirklich mitnimmt. Ich meine, Hope wirkt nicht so, als würde sie sie vermissen und um ehrlich zu sein habe ich sie nie wirklich gemocht." "Das glaube ich dir nicht.", meinte Cami.

Sie wusste, dass einer der häufigsten Abwehrmechanismen des Menschen Wiederstand war, und solange Klaus Widerstand leistete, würde sie nichts erreichen. Also blieb sie hartnäckig: "Bei Hopes Geburt ist Hayley gestorben. Du wusstest nicht, dass sie sich in einen Hybriden verwandelt. Wie hast du da empfunden?" Klaus seufzte auf, sah kurz zu Hope und meinte dann: "Ich hatte gehofft, dass Hope ein glückliches Leben haben würde. Dass sie Eltern hätte, die sie lieben. Ich hab Hayley von Anfang an nicht gemocht, sie war mir schon unsympathisch, als ich sie das erste Mal sah, aber dann... als sie gerade ein paar Wochen von der Schwangerschaft wusste, gab es diesen Moment... Sie wollte Hope abtreiben, aber sie hat es nicht getan. Sie hat für sie gekämpft. Und da dachte ich, es wäre egal, wie ich sie finde, solange sie Hope liebt. Solange sie eine gute Mutter ist. Als sie dann getötet wurde da war das alles auf einmal weg. Ich war unglaublich wütend auf diese Hexen, nicht wegen mir oder Elijah, sondern wegen Hope. Die Hexen hatten meiner Tochter in dem Moment due Mutter entrissen."

Cami nickte. Das war schon mal ein Fortschritt. "Was ist jetzt anders? Hayley ist nicht wirklich tot, aber eine richtige Mutter für Hope kann sie im Moment auch nicht sein.", fragte sie. "Sie wollte mit Hope davon laufen. Ich war erdolcht und sie hat die Situation sofort genutzt, um  sie mir wegzunehmen." "Was Hayley getan hat, war ganz sicher nicht richtig. Aber du hast genauso Fehler gemacht, als du Hope um jeden Preis vor Dahlia beschützen wolltest. Kannst du Hayley denn nicht bis zu einem gewissen Punkt verstehen?", fragte Cami. "Du erwartest Verständnis, dafür, dass sie mein Kind entführen wollte?!", fragte Klaus entgeistert. Cami schüttelte leicht den Kopf. "Nein, ich suche nach dem wahren Grund, warum es dich tief in deinem Inneren beruhigt, dass Hayley weg ist.", sprach Cami seelenruhig weiter.

Klaus sah auf. Cami erkannte an seinem Blick ganz genau, dass er wusste wovon sie sprach. Er zögerte, doch Cami ließ sich nicht unterkriegen. Sie sah ihn einfach erwartungsvoll an, bis er schließlich resigniert ausatmete und ganz langsam und leise sagte: "Was wenn Hope Jackson und Hayley mehr als ihre Familie ansieht als mich?" Cami seufzte. "Klaus...", sagte sie sanft, doch dann fiel ihr wieder ein, dass es nicht ihre Aufgabe war, ihn zu trösten oder durch ihre eigene Meinung aufzubauen, sondern ihm nur zu helfen, die Wahrheit selbst zu erkennen. Wieder musste sie dem Drang widerstehen, seine Hand zu nehmen. Ihr hatten schon so viele Leute gesagt, dass eine Therapie nicht gelingen kann, wenn einer Gefühle für den Anderen hat, aber was sollte sie tun? Sie wollte Klaus helfen und jemand anderem würde er nicht vertrauen. "Warum?", fragte sie also nach. "Sie können Hope so viel mehr bieten als ich. Sie sind eine Familie. Sicher wäre Jackson ein besserer Vater als ich.", sagte Klaus wütend und Cami bemerkte, wie er beinahe seine Kaffeetasse mit zwei Fingern zerdrückte. "O...Okay, vielleicht sollte ich sie lieber nehmen.", meinte Cami und deutete auf Hope. Überrascht sah Klaus auf, dann gab er Hope Cami.

"Warum denkst du, dass du ein schlechterer Vater als Jackson sein würdest?", fragte Cami weiter. "Egal was man sich vornimmt, man übernimmt doch immer etwas aus der eigenen Erziehung.", sagte Klaus düster. "Das ist nicht wahr. Aber man muss sich tatsächlich intensiv mit Erziehung beschäftigen. Und Klaus-", Cami suchte nach Augenkontakt, um dann eindringlich zusagen: "Man muss die eigene Kindheit aufarbeiten. Wenn du sie verdrängst, wird sie dich nur unbewusst weiter beeinflussen, und damit auch Hope." Cami sah ziemlich heftigen Wiederstand in seinen Augen. "Ich weiß, dass das unheimlich schwer für dich sein muss, Klaus, aber du hast selbst gesagt: Die Person, die einen großzieht, macht aus einem das, was man ist. Das ist nur teilweise richtig. Man kann sich davon befreien, aber nur, wenn man sich damit beschäftigt." Klaus sah kurz weg. "Und wie soll das aussehen?", fragte er schließlich.

Cami lächelte. Das nennt man Fortschritt. "Erziehung besteht aus drei Hauptelementen: Erziehungsstil, Erziehungsziele und Methoden. Finde das über deine eigene Erziehung raus und dann leg fest, was du dir für Hope wünscht.", meinte Cami. Klaus nickte nachdenklich. Eigentlich fiel das ja eher in den Bereich Pädagogik und es war nicht das, was Cami eigentlich vorhatte, mit ihm zu besprechen, aber sie konnte einfach nicht anders. Sie musste ihm helfen, weil sie eben nicht hundertprozentig professionell bleiben konnte. "Den Erziehungsstil, mit dem du groß geworden bist, festzulegen, dürfte nicht ganz so schwer sein.", begann sie. Klaus nickte. "Autokratisch, würde ich sagen.", meinte er. Überrascht sah Cami auf. "Ich... hab mich etwas über Erziehung informiert, allerdings ohne dabei über meine eigene Nachzudenken.", sagte Klaus. Cami nickte. "Wenn du denkst, du wurdest autokratisch erzogen, hast du doch sicher auch etwas über die Folgen im Erwachsenenalter gelesen?", fragte Cami zögerlich. Doch Klaus schüttelte den Kopf. "Ich hab nur intensiver recherchiert bei Erziehungsstilen, die ich für Hope in Betracht gezogen habe." Cami nickte.

"Menschen, die autokratisch erzogen worden sind, sind in der Regel...", Cami stockte. Wie sollte sie das angehen? "Ich will darauf hinaus, dass ich schon denke, dass du richtig liegst, Mikael hat seine Kinder, sofern ich das beurteilen kann, bestimmt autokratisch erzogen, aber das gilt nicht für dich.", sagte sie zögerlich. "Wieso denkst du das?", fragte Klaus. "Weil... du... sagen wir es anders: Menschen, die autokratisch erzogen worden, sind nicht kreativ. Ihnen wurde die Möglichkeit genommen, selbst eine Persönlichkeit zu entwickeln. Ihnen fehlt die Eigenschaft, Dinge hinreichend zu hinterfragen, sie können nicht das große Ganze sehen, wenn du verstehst was ich meine. Und das... ist nun mal das Gegenteil von dem, was du bist. Was für dich wichtig zu realisieren ist, ist dass du dich Mikaels Erziehung widersetzt hast. Dass du ausgebrochen bist, dass du angefangen hast, selbst zu denken, während normale Kinder blinden Gehorsam geleistet hätten. Das ist eine ziemlich starke Leistung, Klaus, und schon allein deshalb bist du für mich die stärkste Person, der ich je begegnet bin.", sagte Cami.

Klaus sah überrascht auf und Cami hielt inne. Das ging viel zu weit! Verdammt, warum hatte sie das gesagt? "Natürlich bin ich das, ich bin der Urhybrid.", sagte Klaus. "Es gibt kein Wesen, das stärker ist als ich." Cami schluckte und sah dann zu Klaus. Na toll. Jetzt musste sie das zu Ende bringen. "So meinte ich das nicht. Ich meine, von deiner Persönlichkeit her. Während andere Menschen schon im frühen Kindesalter aufgegeben hätten, hast du einfach weitergekämpft. Nach all dem Schmerz, den Mikael und deine Mutter dir zugefügt haben, nach eintausend Jahren des Schmerzes und dieses unglaublichen Leides sitzt du hier und... versuchst ein besserer Vater zu sein. Mikael hatte nie den Mut dazu. Er hat sich bis zur letzten Minute geweigert, darüber nachzudenken, was er falsch gemacht hat, aus Selbstschutz. Indem du dich Mikaels Überzeugungen widersetzt hast, hast du schon als Kind etwas geschafft, wozu Mikael nie im Stande gewesen ist. Die Wahrheit ist: Mikael bezeichnete dich als schwach und vielleicht warst du ihm früher körperlich unterlegen, aber in Wahrheit bist du so viel stärker als er, Klaus. Und deshalb solltest du nicht eine Minute glauben, dass du so bist wie er.", redete sich Cami in Rage.

Das waren die Sachen, die sie Klaus schon so lange mal sagen wollte. Klaus blinzelte eine Träne weg und Cami seufzte auf. Das war´s dann wohl endgültig mit der Professionalität. Um wirkliche Therapiefortschritte zu machen, hätte Klaus selbst darauf kommen sollen. Sie hätte ihn lediglich dahin führen sollen. Damit war es offiziell. Sie war die schlechteste Therapeutin überhaupt, und das nur, weil sie Klaus aufbauen wollte. Weil sie es nicht sehen konnte, wenn er so deprimiert war wie gerade eben noch. Klaus hatte sicher genug für heute. Durch ihren Überfall hatte er genug zum Nachdenken und sie sollte ihn jetzt in Ruhe lassen. Aber sie würde nicht aufgeben. Sie würde ihm weiterhin zur Seite stehen, wenn auch beim nächsten mal professionell. Klaus war nicht dumm, er wusste, dass Cami gerade eine Grenze überschritten hatte, die sie noch vor kurzem so betont hatte. Und es lag einfach in Klaus Natur, Grenzen zu überschreiten. Cami schluckte. Warum zum Teufel hatte sie sich darauf eingelassen?
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