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Opferspuk

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
26.12.2015
26.12.2015
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26.12.2015 14.613
 
"So jetzt geht es mir besser, das tat richtig gut dem Mistkerl mal so richtig Schmerz zuzufügen." Selvaggia stimmte ihrer Freundin zu und folgte ihr gut gelaunt in die Küche um Mathilde zu helfen. Astaroth und Euangelion starrten ihre Chefs an. "Lucifer, alles in Ordnung?" fragte Euangelion seinen Chef. Dieser nickte wortlos, drehte sich um und verschwand in seinem Arbeitszimmer. Metatron folgte ihm und setzte sich ihm gegenüber an den Schreibtisch.
"Alles in Ordnung Lucifer? Ich meine ... ich bin zwar auch erschrocken wie brutal Cassie auf Graphiel losgegangen ist aber... es scheint ihr gut getan zu haben. Sie wirkte eben richtig zufrieden... wie Selvaggia auch. Aber du scheinst bedrückt zu sein, Lucifer." Der Höllenfürst seufzte. "Ach Metatron, das war vorher wieder die Seite an Selvi, die ich noch nie mochte. Ich kenne Selvi schon ewig, sie war meine Schülerin und ich muss gestehen, sie war der erste Mensch für den ich Gefühle hegte. Ich liebte sie schon damals. Ich mochte ihre liebevolles und sanftes Wesen. Aber nicht ihre finstere Seite, wenn sie wieder mal einen fiesen Zauber gegen ihren Mann aussprach. Ich... habe sie nicht daran gehindert, der Drecksack hatte es verdient. Er hat sie betrogen, war andauernd betrunken, hat sie geschlagen... Aber ich mag das Kalte und Fiese nicht an ihr was du eben mitbekommen hast... schon damals nicht. Ich habe sogar versucht sie von dem was sie zu mir in die Hölle brachte abzuhalten, aus dem Grund weil ich sie schon damals liebte. Aber sie ließ sich nicht davon abbringen. ich konnte sie nicht in die eigentliche Hölle lassen Metatron. Ich hielt Selvi wie auch die wesentlich jüngere, aber doch herzliche Mathilde in einer Art Vorhölle, denn ich wusste, dass Tilly eine gute Freundin für Selvi werden würde... und habe sie dann beide vor ein paar Jahren zur ewigen Arbeit hier im Boulevard verpflichtet um sie endgültig aus der Hölle zu holen." gestand Lucifer.
Metatron starrten seinen Bruder und Kollegen überrascht an. "Wann war das? Ich meine... das muss eine Ewigkeit her sein... und die hast Selvi schon damals geliebt? Wie konntest du das nur aushalten? Ich glaube ich wäre daran zerbrochen, an der unerfüllten Liebe." meinte der Erzengel betroffen.
"Was hätte ich denn machen sollen? Damals hätte ich es nie gewagt sie auch nur anzurühren in dieser Weise wie ich es jetzt mache. Ich bin wohl fast der einzige gefallene Engel der niemals einen Nephilim gezeugt hat. Und was Selvi und meine Kinder angeht... da hat Vater mich wohl zum glücklichsten gefallen Engel gemacht. Und Selvi so zu sehen wie eben... das hat mir nicht wirklich gefallen."
"Kann ich verstehen, aber wie ich das sehe hat es den beiden gutgetan. Sie haben das gebraucht um Genugtuung zu bekommen. Vorher hätten sie nicht mit Graphiel abschließen können, jetzt können sie es und ihr Leben wieder genießen. So sehe ich das, mein Großer." Der Höllenfürst lachte leise. "Was lachst du jetzt?" wollte Metatron wissen.  "Ich lache, weil... hättest du vor einer Weile gedacht dass wir beide mal hier zusammen sitzen... uns ganz normal unterhalten... und du versuchst MIR Trost zu spenden. VERÜCKT! Echt verrückt, aber danke, Kleiner. Ich weiß das mittlerweile echt zu schätzen, da ich gestehen muss, dass auch ich, seit ich dich von einer anderen Seite kennengelernt habe, sogar wirklich mag."
Metatron lächelte. "Ja, wir sind schon ein gutes Team geworden, beruflich wie man hier so schön sagt und privat. Ich möchte dich mittlerweile auch gar nicht mehr missen müssen." Lucifer lächelte, erhob sich und rief: "Komm mit, dann lass uns den Abend jetzt noch im Kreise der Familie genießen."
Als sie in der Küche erschienen, kamen auch gerade Hagiel und Mathilde wieder zurück. Der Engel hielt die Küchenhexe tröstend im Arm. „Tilly, du und dein mitleidiges Herz! Der kleine Widerling hat dich ohne mit der Wimper zu zucken vergiftet! Und da wunderst du dich, dass ich dafür gesorgt habe, dass der Felsvorsprung ihn nicht vor dem von Selvaggia herbei gerufenen ewigen Hagel schützt? Frau! Was ist mit dir los? Merkst du gar nicht, dass ich...?“ sagte er jedoch leicht aufgebracht. Er sah zur Seite. „Ich gehe wohl besser. Wenn du mich brauchst, Hexlein, ruf mich einfach.“ murmelte er mit leichter Verzweiflung in der Stimme. Mit einem Kopfnicken verabschiedete er sich von allen anderen Anwesenden und verschwand.
Mathilde blickte erstaunt auf die Stelle wo Hagiel gerade noch gestanden hatte. „Was war das denn?“ Selvaggia und Cassandra sahen zu ihren Ehemännern und Lucifer seufzte. „Sag mal, Tilly... hast du noch nicht gemerkt was los ist?“ fragte er die Küchenhexe. „Was sollte los sein, Lucifer? Hagiel ist ein guter Freund und nett und...“ Cassandra lachte leise. „Tilly! Hagiel, ein Engel, ein waschechter, eigentlich total netter Engel, hat die Strafe für diesen kleinen Dreckskerl Graphiel noch verschärft und regt sich darüber auf, dass du diese Mistfliege offensichtlich bemitleidet hast? Was kommt dir dabei in den Sinn?“ Mathilde sah sie verständnislos an. Selvaggia stand auf und nahm ihre Freundin in den Arm. „Ach Tilly, der Vater im Himmel, ich meine... mein Mann hat seine Gefühle und seinen freien Willen ja nie gezügelt bekommen, aber die anderen Engel schon. Und jetzt hat er die Zügel gelockert, bei Metatron, bei Sariel, der für mich inzwischen wirklich wie ein Bruder ist, so als wäre er immer mein Bruder gewesen, und sieh nur wie rührend mein Bruder für meinen kleinen Neffen Said-Angelo sorgt... und er hat sie auch bei Kerubiel und Hagiel gelockert. Die beiden können mehr empfinden als „nur“ die himmlische, alle Lebewesen umfassende Liebe.“ sagte sie freundlich. Mathildes rundlichen Wangen röteten sich. „Er… du meinst... Hagiel... er... er...?“ stotterte sie. „Tilly, er macht dir den Hof. Das hätte dir eigentlich schon klar sein müssen als er so begeistert davon war mit dir – auf Kats Vorschlag – zu dieser Backmesse zu gehen!“ tadelte Metatron sie sanft.
Mathilde sah zu Boden. Sie strich eine ihrer dicken dunkelblonden Haarsträhnen hinter ihr Ohr und schluckte sichtlich. „Das... er kann nicht... ich bin eine... eine Hexe und er ist ein Engel – und außerdem... ich... ich bin... gewöhnlich...Ich bin nicht... ich meine... seht mich doch an! Ich bin dick und schwerfällig und... und... was kann ich denn schon? Selvaggia ist schlank und schön, intelligent und sie kommt aus einer guten Familie, Cassandra klug und stark – und schön... Und ich? Dick, dumm und talentlos. Ich kann nur kochen und backen – wie es einer Dienstmagd zukommt.“ flüsterte sie.
Lucifer hob sanft ihr Kinn. „Mathilde! Das ist Unsinn! Du bist eine lustige, fröhliche und sehr schöne Frau! Und du gehörst zu einer guten Familie – oder habe ich irgendwann überhört, dass du mich als Familienoberhaupt deiner Familie zurückgewiesen hättest? Du gehörst zu Selvaggias und meiner Familie. Du bist wie Lucianos Tante – und Selvi und ich wollten dich fragen ob du die Patentante unserer kleinen Sophia-Aurora werden möchtest. Bei Luciano hatten wir schon daran gedacht, aber wir waren uns nicht sicher wie du dich gegenüber Sariel fühlen würdest... aber... wir hatten eigentlich gedacht, dass du inzwischen weißt, wie sehr wir alle dich schätzen – nicht nur Selvaggia und ich, sondern selbst Michael, der oft Grüße an dich bestellt und jedes Mal eine Tasse Tee nimmt und einen Keks wenn er hier ist. Hagiel vernachlässigt seine Schutzengelfunktion bei Kat und Julien für dich, Tilly.“ sagte er freundlich.
Metatron erhob sich. „Mathilde, Schönheit liegt im Auge des Betrachters und genau wie unser Himmlischer Vater haben wir Engel – gefallene ebenso wie nicht gefallene – die Gabe in die Herzen zu schauen. Soll ich dir sagen, was ich sehe?“ Schüchtern sah die Köchin ihn an. „Da gibt es nichts... außer... eine dumm...“ „Pst!“ unterbrach Metatron sie. „Mathilde, ich sehe eine warmherzige, freundliche, gutmütige Frau. Eine Frau die das unglaubliche Talent hat, selbst aus der armseligsten Hütte einen Palast zu machen, weil sie die Hütte mit ihrer – eigentlich immer - guten Laune,  ihrer Fröhlichkeit und ihrer menschlichen Wärme zu füllen versteht. Ich sehe eine Frau, die in der Vergangenheit tief verletzt wurde, ja, aber die dadurch Stärke gewonnen hat. Weißt du, warum viele Menschen gern hier in der Botschaft arbeiten? Weil du da bist, Tilly, du mit deiner Herzlichkeit, du, die für jeden ein gutes Wort hat, tröstet, zuhört. Du hast für jeden einen Tee oder eine Suppe, einen Keks oder einen Kräuterwickel, eine Salbe oder Tinktur. Es sind nicht Lucifer oder ich, die die Botschaft zu einem Heim machen! Uns fürchten einige der Mitarbeiter immer noch. Das sehe ich jeden Tag. Sie respektieren uns, ja, aber sie haben Angst, Tilly! Und Angst hast du nie wirklich vor uns gehabt, weder vor Lucifer noch vor mir.  Gut, vor mir... nun ja... aber ich habe auch Anlass dazu gegeben...“  
„Und für mich gehörst du ebenfalls zur Familie – und zu der gehören nicht viele, Tilly!“ fügte Cassandra hinzu. „Also wenn du Lucifer schon nicht als Familienoberhaupt haben willst, dann wirst du mit meinem Mann als Familienoberhaupt leben müssen! Du bist für mich wie eine wunderbare Schwester die für mich da ist, wenn ich sie brauche – und meine Schwester lasse ich garantiert nicht in dem wahnwitzigen Irrglauben, dass sie dumm oder dick ist! Du bist üppiger als Selvi und ich, na gut – und auch na und? Und weißt du was das Tolle ist? Metatrons und mein Kind kommt früher – und du wirst Patin! Und ein „Nein“ akzeptiere ich nicht!“ Mathilde sah sie fast entsetzt an. „Ich bin eine... eine Hexe... ich... ich...“ „Und ich bin sicher, du wirst eine Kirche betreten können – genauso wie meine Frau!“ unterbrach Belial sie. „Ich werde Vater darum ersuchen, Tilly...“ sagte Metatron leise. Er legte ihr freundschaftlich einen Arm um die Schulter. „Und ich bin sicher, dass er mir die Bitte, meiner Schwägerin Zutritt zu seinen Häusern und Vergebung zu gewähren, nicht abschlagen wird.“
„Natürlich werde ich es gewähren – die Absolution habe ich Mathilde schon längst erteilt. Und ich bin mit der Wahl meiner Söhne bisher immer zufrieden gewesen...“ erklang es in der Küche. Mathilde zuckte zusammen, Belial und Metatron grinsten einander an, senkten dann kurz den Kopf und murmelten unisono: „Hab Dank, Vater!“
Die Küchenhexe wurde blass. „Er... ich... ich habe... habe... IHN sprechen hören?“ stotterte sie und sah hilflos zu Belial. Der nickte. „Ja, Tilly. Und es hat dich nicht zu Boden geschleudert, du bist nicht getadelt worden, sondern wurdest willkommen geheißen. Denkst du immer noch, dass du es nicht wert bist, geliebt und geschätzt zu werden?“ fragte er freundlich. Mathilde sah unsicher aus. „Soll ich... ich meine... meinst du, ER... ich meine... würde er sich über Keksen oder über eine Torte freuen? Als Dank?“ Belial und Metatron lächelten – ebenso ihre Frauen. „Du könntest fragen, Tilly. Ich bin sicher, Vater wird dir antworten.“ sagte der himmlische Botschafter freundlich. „Das würde ich mich nie trauen...“ flüsterte die Küchenhexe schüchtern.
In diesem Moment tauchte Michael in der Küche auf. Er wirkte ein wenig irritiert. „Seid gegrüßt, unser Himmlischer Vater ist mit euch allen.“ sagte er. Er warf einen seltsamen Blick auf Mathilde, die sich sichtlich unwohl fühlte und sich sofort abwandte um am Herd geschäftig zu werkeln. Der Blick des Erzengels wurde weich. „Könnte ich eine Tasse Früchtetee bekommen und hast du Gebäck da, Mathilde?“ fragte er. Sie drehte sich um, nickte und machte sich sofort daran das Gewünschte zu bringen.
„Wir müssen über eure seltsame Liste reden, Lucifer, Metatron. Astaroth und Euangelion haben die Vater und somit auch mir zukommen lassen mit der kryptischen Mitteilung ihr würdet versuchen das selbst zu regeln?“ Er wandte sich dann Cassandra und Selvaggia zu. „Und euch beiden, meine Schwägerinnen, soll ich den ausdrücklichen Tadel Vaters überbringen. Er hat Verständnis für eure Wut und eure Bitterkeit, aber wenig für eure Grausamkeit. Er hatte bereits die Schmerztoleranz Graphiels durch Sariel reduzieren lassen, er hatte Lucifer alle Verantwortung überlassen, aber er möchte doch um eure Nachsicht... ersuchen... Wenn ihr dazu bereit seid...“ Belial sah seinen Bruder finster an. „Der hat versucht meine Frau, meine ungeborenen Kinder, unsere Schwägerin Cassandra und unseren ungeborenen Neffen umzubringen! Und du erwartest Gnade?“ Michael erwiderte den Blick. „Nein, keiner von uns erwartet Gnade, Lucifer! Vater möchte nur, dass Cassandra und Selvaggia irgendwann darüber nachdenken!“ „Also wenn ich ehrlich bin, bin ich stolz auf unsere Frauen... Und mal ehrlich... Cassandra hat ihm jawohl kaum irgendwo Schmerzen zugefügt wo es Graphiel tangieren könnte...“ sagte Metatron nun auch verärgert. Er wandte sich Belial zu. „Ich glaube, Lucifer, wir sollten darüber wirklich mit Vater reden. Ich für meinen Teil habe volles Verständnis für unsere Frauen und würde ihre Handlungen auch jederzeit verteidigen!“ „Dito!“ stimmte der höllische Botschafter seinem himmlischen Kollegen zu.
Michael seufzte. „Tut das...“ dann blickte er zu Mathilde, die gerade seinen Tee aufgoss. „Mathilde...ich soll Nusskekse mitbringen... - für... unseren Vater im Himmel – und ich soll dir für das Angebot danken, er würde sich von Zeit zu Zeit vom einen oder anderen Engel – oder Lucifer – gern etwas mitbringen lassen...“ meinte er jetzt hörbar verunsichert. Mathilde drehte sich hastig um und ließ das Glas mit dem Tee fallen.
Mit einer Handbewegung ließ Michael die Scherben sich wieder zum Teeglas zusammensetzen und der Tee verschwand. „Das hat mich auch überrascht, Mathilde, aber gerade Hagiel hat uns allen gegenüber stets von deinem Gebäck geschwärmt. Und ehrlich gesagt... anfangs war ich ja skeptisch und habe nichts davon angerührt... aber inzwischen freue ich mich immer auf einen Tee und Kekse... Und ich... bin froh, wenn Besprechungen in der Küche stattfinden, weil es dann immer gemütlicher ist. Übrigens: Vaters Wunsch sagt mir, dass du Nusskekse hast... die besonders leckeren mit Haselnüssen?“ Mathilde nickte schüchtern als sie die zum Ende hin fast schon verschmitzte Frage von Michael hörte. „Und ganz ehrlich, ich würde mich für Hagiel freuen. Immerhin ist er eine Art Bruder, wie jeder Engel - und auch wie Lucifer.“
Mathildes Hand zitterte als sie Michael seinen frisch aufgegossenen Tee reichte und aus dem Schrank eine Keksdose holte. „Die... die sind für... für... ich meine... ER wollte ja welche... und... ich...“ Michael und Belial legten gleichzeitig einen Arm um die Köchin. „Genau, also nicht so schüchtern, Tilly!“ meinte der Höllenfürst freundlich. „Reichen... also – ich... ist das genug? Oder soll ich schnell noch welche frisch... ich meine... ich kann auch... also... wenn das besser...“ „Nein, das ist wunderbar, danke, Vater wird sich sehr freuen.“ beruhigte Michael sie. Verlegen löste sie sich. „Ich ... also hier sind auch noch welche. Und auch Mandelkekse... Wenn... also...“ Michael lächelte. „Ich werde auch ein paar Mandelkekse für Vater mitnehmen. Aber jetzt will ich hören, wie sich die großen Jungs das hier gedacht haben mit der Tag- und Nachtgleiche...“
Er nahm sich seinen Tee, ließ sich auf einen der doch recht gemütlichen Küchenstühle fallen, griff nach einem der Kekse und sah Metatron und Belial fragend an. Der höllische Botschafter seufzte genervt auf. Statt seiner antwortete sein himmlischer Kollege. „Wir haben beschlossen, dass wir versuchen werden, die für diesen Mist verantwortlichen Ex-Gottheiten dazu zu bringen sich zu offenbaren. Astarte können wir ja ausschließen. Die Opferungen und ähnliches für sie haben aufgehört, seitdem mein Sekretär da unten im Zweistromland für Klärung gesorgt hat... Um dieses zu erreichen werden wir Marker an allen Kultstätten – egal ob alter oder neuerer Art – anbringen. Das ist mit Jophiel bereits geklärt. Dann – diese Fähigkeit haben wir alle – wird immer wenigstens einer an den entsprechenden Orten auftauchen und die Seelen der Opfer vor der Opferung erlösen.“ Michael nickte. „Ein interessanter Plan... und der könnte funktionieren... und Lucifer und du, also gemeinsam wäret ihr durchaus in der Lage es mit jedem der Typen die gern zurück wollen aufzunehmen – auch in Gruppen... und wenn Astaroth-Astarte dabei ist noch etwas leichter... Ich würde mich trotzdem  – mit zumindest einem Teil des Heeres – im Hintergrund bereit halten, falls ihr doch Hilfe benötigt.“ Belial zuckte mit den Schultern. „Damit kann ich leben...“
Seine Frau gab ihm einen kräftigen Stoß. „Ich bin sehr froh, dass da immer noch jemand ist, der Metatron und dir notfalls den Hintern rettet! Ich bin schwanger und ich wäre SEHR ungehalten, wenn dir etwas passiert! Und denk daran, dass Luciano, unsere kleine Sophia-Aurora und ihr Zwillingsbruder dich brauchen – genau wie ich!“ sagte sie energisch. Belial grinste sie an. „Wie wollen wir unseren zweiten Sohn eigentlich nennen? Lucius? Belenus?“ „Nie im Leben! Luca – wie wäre es damit? Luca Rayne und Luciano Rayne und Sophia-Aurora Rayne. Das finde ich schön!“ empörte sie sich. Belial grinste. „Hm... Ermanno... Mario... Casanova... Gia...“ „Luca!“ unterbrach Selvaggia ihn mit energisch funkelnden Augen. Michael und Metatron grinsten einander an, während Cassandra kicherte. „Ich glaube, ich würde mich auf keine Diskussion einlassen, Großer... Wenn deine Frau sich für einen Namen entschieden hat, schlag keine anderen vor. Im Zweifel sitzt sie am längeren Hebel... ich sage nur: Sehr einsame Nächte...“ „Wie wollen wir eigentlich unseren Sohn nennen?“ frage Cassandra ihren Mann. Er überlegte. „Wie wäre es mit... hm... wobei... willst du einen griechischen Namen? Oder einen französischen? Oder lieber einen englischen?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, denk dir irgendwas kurzes, hübsches aus, was weder griechisch noch französisch oder Englisch ist. Und ich will auch keinen italienischen Namen, das ist für Selvis und Lucifers Kinder reserviert.“
„Hm... wobei so italienisch ist der Name Sophia-Aurora auch nicht... Der ist eher griechisch-lateinisch...“ murmelte Belial belustigt. „Nordisch?“ fragte Metatron nachdenklich. „Klingt okay – und kurz!“ meinte seine Frau nachdenklich. „Wie wäre es mit Jan?“ schlug Michael vor. „Denn soweit ich mir vorstellen kann, bist du nicht wirklich scharf auf einen der Namen der himmlischen Paten...“ Die Frau des himmlischen Botschafters sah ihn kurz an. „Gefällt mir – aber was für himmlische Paten? Jans Pate wird Lucifer!“ Um die Mundwinkel der drei Seraphim im Raum – des gefallenen und der beiden nicht gefallenen – zuckte es. Belial räusperte sich. „Also... danke für die Ehre – und ich freue mich wirklich darüber – und werde selbstverständlich Jans Patenonkel, Cassie, aber selbst bei unserem Luciano hat Vater auf mindestens einem himmlischen Paten bestanden. Gut, wir haben Sariel gewählt, aber... ich würde also vorschlagen, da du mich gewählt hast, lass doch deinen Mann meinen „Gegenpart“ aussuchen...“
„Also ehrlich gesagt... ich hätte auch für dich votiert, Lucifer...“ murmelte Metatron und kaute verlegen auf seiner Unterlippe. Selvaggia murmelte: „Und wie wäre es mit Kat und Julien?“ Metatron seufzte auf. „Kat kann mich ebenso wenig leiden wie Julien...“ „Frag sie! Ich finde die Idee klasse! Und auch wenn sie dich nicht mag – sie mag mich!“ sagte Cassandra energisch. Ihr Mann lächelte sie an: „Dein Wille geschehe, mein Liebling...“ seufzte er ergeben.
„Gut, ich werde alles vorbereiten und verschwinde für Heute. In einer Woche, zur Tag- und Nachtgleiche komme ich nochmals kurz vorbei und kläre den Rest mit euch. Herzlichen Dank für den Tee und die Kekse, Mathilde – auch in Vaters Namen.“ sagte er freundlich, stand auf, griff zur Keksdose, nickte allen freundlich zum Abschied zu und verschwand.

Kerubiel saß in der Küche als Belial am nächsten Morgen mit seinem Sekretär Euangelion eintrat. „Tilly, kann ich einen Kaffee...?“ Der Höllenfürst sah sich um. „Wo ist denn unsere Küchenperle?“ fragte er Kerubiel überrascht, der in einem Kochbuch blätterte. „Oh, Mathilde ist mit Rachel, Kat, Cassie, Sylvie und Selvi in der Stadt. Hagiel begleitet sie. Ihr zwei seid so beschäftigt gewesen, dass sie euch nicht stören wollten und die Damen des Hauses haben irgendwas von „Ostereiern und -geschenken“ gemurmelt bevor sie weg sind.“ „„Ostern?!" murmelte der Höllenfürst etwas genervt. "Wer ist bei den Kindern? Ich vermute doch mal stark, dass Rachel die Zwillinge mitgebracht hat...“ fragte Belial misstrauisch. „Oh, Julien und Metatron glaube ich.“ „Was?!“ rief der Höllenfürst fast schon entsetzt und eilte aus der Küche. Als er an der Tür zum großen Wickelraum stand, hörte er Christina-Luciana kichern. „Nein,  Medado! Bebebube, da Windel." sagte das kleine Mädchen und grinste Metatron frech an und reichte ihm eine Windel. Der Engel sah die jüngste Tochter der Raynes erst etwas genervt an, als sie ihn aber anlächelte und nochmal sagte: "Da  Windel!" konnte er nicht anders als die kleine, niedliche Blondine anzulächeln. Er nahm die Windel an sich und begann Christinas Babypuppe zu wickeln.
"Nein! Da!" rief sie und hielt ihm ein Feuchttuch hin. "Christina Luciana - das ist ein Puppe!" "Daaaaa!" rief die kleine energisch. Metatron seufzte, nahm das Tuch und wischte die Puppe vorne und hinten ab. Anschließend wickelte er die Puppe und zog ihr den Strampelanzug wieder an. Julien der gerade mit Luciano und Lucas Lucian spielte kicherte amüsiert. Er ließ sich nichts anmerken als er Lucifer lässig am  Türrahmen lehnend erblickte, und dieser seinen Zeigefinger auf die Lippen legte. Julien nickte fast unmerklich. Metatron stand mit dem Rücken zur Tür.
Unter der strengen Beobachtungen der kleinen Luciana hob er die Babypuppe vorsichtig an und wiegte sie in den Armen.
"Sehr gut gemacht, muss ich zugeben!" Der Erzengel drehte sich um und sah seinen ältesten Bruder überrascht an. "Lucifer, ich habe deine Anwesenheit gar nicht gespürt." Kannst du auch nicht, da ich gezaubert habe." erklärte er während er seine Patentochter die mit ausgebreiten Armen auf ihn zulief, auf den Arm nahm. "Ist aber ganz schön unfair, wenn du mich fragst. Deine Gedanken verschließt du auch immer öfter. Was ist los? Vertraust du mir nicht mehr? Ich dachte eigentlich wir hätten ein Vertrauensverhältnis geschaffen und hätten mittlerweile auch ein freundschaftliches Verhältnis." Der Fürst der Hölle seufzte. "Stimmt schon. Wir haben uns ganz gut zusammengerauft und ich arbeite gern mit dir und ich vertraue dir ja inzwischen auch, aber... nun ja ... als Vater mein Vertrauen mit Kat und der Höllensache total gebrochen hat da habe ich einen schwarzen Zauber auf mich angewandt, der es euch allen unmöglich macht auch nur in irgendeiner Weise an mich heranzukommen. Ich war so wütend und maßlos enttäuscht Metatron, dass ich mich total distanziert habe. Und  da ich weiß, dass ihr den Zauber nicht brechen könnt wenn es schwarze Magie ist... und ich war... selbst sehr betroffen als Seraphiel und Sealthiel das mit den Seelen sagten. Klar weiß ich..., dass es so ist, aber... für mich ist mittlerweile der Körper ebenso wichtig wie für Kat und Julien. Wenn Derek und Rachel irgendwann ... sterben... sind sie für mich... weg, ich meine, meine besten Freunde die wie Geschwister für mich sind, sind einfach weg. Und ich ...ach überhaupt ist so vieles was mich momentan beschäftigt und... Selvi..." er schüttelte den Kopf und wandte sich scheinbar fröhlich seinen Patenkindern und seinem Sohn zu.
Julien und Metatron bemerkten jedoch dass diese Fröhlichkeit nur gespielt war. "Kann ich dich nachher in meinen Arbeitszimmer sprechen Lucifer?" fragte der Erzengel seinen ältesten Bruder. Zu einer Antwort kam der Höllenfürst jedoch nicht, da eine junge Frau in der Tür stand. "Ähm ... guten Tag... der nette Mann in der Küche hat mich zu Ihnen geschickt. Ich bin... also .. mein Name ist Bianca Berger und ich bin ... ich kenne Ihre Frauen und  wollte etwas für ihre Babys bringen."  Die beiden Engel hörten der Frau schweigend zu. Metatron nickte. "Danke." murmelte er. Der Höllenfürst sah ihn kurz an und wandte sich dann der äußerst gut aussehenden Frau zu. "Vielen Dank, wir freuen uns sehr, auch im Namen unserer Frauen. Wir  werden die Geschenke weitergeben und mit ihnen  gemeinsam auspacken."
Sie nickte. "Süß die drei Kleinen." Sie wies auf Luciano und wandte sich an den Höllenfürsten. "Ist das Ihr Kleiner?" fragte sie den höllischen Botschafter mutig. Belial nickte. "Wirklich süß! Er sieht Ihnen sehr ähnlich. Auf dem Gesicht des Höllenfürsten, formte sich ein stolzes Lächeln. "Ich geh dann mal wieder. Freut mich Sie beide auch mal kennen gelernt zu haben, ...nur schade dass Selvaggia und Cassandra nicht da sind, ich hätte gerne mal wieder mit ihnen einen kleinen Plausch gehalten." "Das lässt sich sicher mal ermöglichen, ich richte es den beiden aus." versprach Belial. Die Frau verabschiedete sich und verließ das Zimmer. "Den Kontakt mit Menschen musst du noch etwas üben, Kleiner!" stellte er belustigt fest. "Mmmh... wie machst du das denn? Bei dir sieht das so einfach aus." fragte Metatron. Der Fürst der Höllen grinste. "Sieht nur so aus. Nein, mittlerweile geht es schon, auch wenn mir manche Menschen und Unterhaltungen manchmal auch zu viel sind." Kerubiel erschien, nach dem Metatron ihn gerufen hatte. "Was gibt es denn Metatron?" fragte er höflich. “Könntest du mal zusammen mit deinem Schützling auf die Kinder aufpassen, bitte? Lucifer und ich haben etwas zu besprechen." Dieser sah ihn überrascht an. "Ach haben wir das?" Kerubiel schüttelte den Kopf. "Also manchmal bist du echt unmöglich, Lucifer." Die beiden Botschafter verschwanden, nachdem der höllische seine Patentochter abgesetzt hatte und tauchten in Metatrons Arbeitszimmer wieder auf. "Was gibt es zu besprechen, Brüderchen?" wollte der höllische Botschafter wissen.
"Wegen unseres Falles... wir müssen noch die verschiedenen Orte vor der Tag- und Nachtgleiche überwachen um im Notfall eingreifen zu können wie wir es besprochen haben. Ich denke wir sollten uns zusammensetzen und eine Liste machen, wer mit wem wohin geht." schlug Metatron vor. "Klingt vernünftig." murmelte Belial.
Sie setzten sich nebeneinander auf das Sofa in Metatrons Sitzecke. "Lucifer! Du bist ja gar nicht bei der Sache. Hast du dich mit Selvi gestritten? Du hast vorher so eine komische Andeutung gemacht und ich merke, dass dich etwas belastet. Und ich glaube, ich habe dir das Angebot schon mal gemacht, ... mit mir zu reden, wenn dich etwas bedrückt." Er sah seinen gefallen Bruder besorgt an, der traurig zu Boden blickte. Nach einer Weile hob er den Kopf. "Was würde das bringen Metatron? Wenn ich sagen wir mal... Eheprobleme hätte ... könntest du mir dabei nicht wirklich helfen, oder?" Der Erzengel zuckte mit den Schultern. "Vielleicht doch... versuch es - immerhin bin ich auch mit einer Sterblichen - oder ehemals Sterblichen verheiratet..." Belial lächelte leicht. "Sagen wir mal... momentan könnte ich Selvi... immer öfter... sie ist momentan wieder so was von zickig. Egal was ich sage oder mache... sie meckert an mir herum. Ist jetzt echt noch schlimmer wie damals bei Luciano. Derek hat mich zwar gewarnt, dass Schwangere mit einem Mädchen furchtbar zickig sein können... aber so? Entweder Sophia Aurora ist dermaßen dominant oder aber es liegt daran, dass sie Zwillinge erwartet." Metatron biss sich auf die Lippe. "Ich gebe zu Cassie und ich streiten auch öfter seit sie schwanger ist, aber es hält sich noch in Grenzen. Habt ihr euch heute Morgen also wieder gestritten du und Selvi?"
Belial nickte etwas zögernd. "Es ging um den Ostergottesdienst der Kita, ich möchte an sich nicht wirklich hingehen... Selvi hingegen schon. Sie meint da Luciano ab 1. April in die Krippe geht und außerdem wäre es... wie sagte sie ... würde es von mir erwartet werden, da ich der Träger der Kita bin. Als ich irgendwie meinte, dass mich der "Typ an dem Kreuz" reichlich wenig interessiere und es schon genug wäre, wenn ich Weihnachten in die Kirche gehe ... wurde sie wütend und ist wutschnaubend abgerauscht." Metatron sah ihn erstaunt an. "Ähm... "Typ am Kreuz" hast du dich so ausgedrückt?" Der Höllenfürst nickte. "Und vermutlich noch etwas abwertend, und da wunderst du dich dass sie in ihrem momentanen Zustand wütend wird? Deine Frau ist katholisch und... so wie ich mitbekommen habe... hält sie viel von ihrem Glauben. Belial nickte. "Aber dennoch braucht sie nicht gleich so an die Decke gehen, da sie am Ende ja doch ihren Willen bekommt und wir gemeinsam mit Luciano zu Ostern in der Kirche sitzen." Jetzt nickte Metatron. "Eben, gemeinsam mit Sariel, seinem Sohn und den Raynes. Aber ich gebe dir absolut Recht, dass Schwangere manchmal wirklich nervtötend sein können. Cassie wollte letzte Woche ständig etwas anderes essen, hatte sie das was sie gerade noch wollte... gelüstete ihr nach etwas anderem. Irgendwann war es mir dann zu blöd und ich habe sie ignoriert. Du kannst dir sicher vorstellen... wie wütende sie da auf mich war."
"Oh ja... Cassie ist schon als Pressechefin der Hölle jemand den selbst meine... Untergebenen... ungern ignorieren... Und  Paymon hat ihre letzte Kampagne für die Hölle wirklich gut gefunden und umgesetzt... Wobei... wenn Selvi die sieht... ich fürchte... na ja... sie würde Cassie wohl die Leviten lesen - aber was hätte ich statt "Typ am Kreuz" zu dem Teil Vaters der für die Sünden der Menschheit starb sonst sagen sollen? Immerhin ist der Teil wieder auferstanden - sonst wäre keine Errettung dagewesen... und wie soll ich die Auferstehung ins Kerygma erklären?" Metatron seufzte. "Lucifer, du weißt schon, dass es nicht nur eine "Auferstehung in die Erinnerung" der Menschheit war - und auch wenn ich dich echt für einen der intelligentesten und mit Sicherheit amüsantesten meiner Brüder halte... manchmal bist du auch wirklich der sarkastischste Mistkerl den ich kenne! Ganz ehrlich! Und das sage ich als Bruder, der dich wirklich mag!" Belial grinste. "Was hätte sich zum Beispiel sonst sagen sollen zu dem Kreuz mit dem Holzpüppchen dran? Lattengustl?" Metatron stöhnte leise auf. "Lucifer! Du bist unverbessserlich!" Dann sah er das Zucken um die Mundwinkel des Höllenfürsten und schüttelte belustigt den Kopf. "Du musst den Glauben deiner Frau ja nicht übernehmen, du musst ihn nicht mal  mögen - aber du solltest in deinem eigenen Interessse  ihre Überzeugungen akzeptieren. Notfalls rede mal mit Derek oder mit Pierre darüber, damit du die Grundzüge  siehst, beziehungsweise andeutungsweise weißt, was  angemessen ist. "Typ am Kreuz"  hat  Selvi schon verärgert. Ich glaube, in ihrem momentanen Zustand wäre "Lattengustl" für sie ein Grund auf getrennten Betten und getrenntem Tisch zu bestehen. In deinem eigenen Interesse, lass deine sarkastischeren  Bemerkungen über ihren Glauben. Nur weil du eine andere Meinung hast, gibt dir das nicht das Recht ihr diese aufzuzwingen oder  ihre Ansicht abwertend zu kommentieren. Selbst dir dürfte klar sein, wie abwertend und verletzend das sein kann."
Der Höllenfürst grinste, schließlich musste er lachen. "Ja, schon, aber du hättest beim "Lattengustl" dein Gesicht sehen sollen!" Metatrons Mundwinkel zucken. "Ich sagte ja schon, du bist unverbesserlich, wirklich, Lucifer! Manchmal könnte ich glatt vergessen, dass du mein älterer Bruder bist!"
Belial wurde ernst.: "Metatron - mal was anderes - fernab von meinem Problemchen mit Selvi und dem Fall...: ich habe dich ja vorher, wenn auch heimlich beobachtet wie du Lucianas... also eher Kats ehemalige Babypuppe gewickelt hast und ich muss zugeben, dass du dich ganz gut angestellt hast. Deshalb möchte ich dich fragen ob du Pate von Luca werden möchtest? Cassandra würde dann für Sophia-Aurora, Patin werden."
Metatron blickte seinen höllischen Kollegen und Bruder erstaunt und gerührt an. Da er in diesem Moment von Lucifer die Genehmigung bekommen hatte dessen Gedanken und Gefühle zu lesen, ohne Einschränkung. Metatron empfand das als großen Vertrauensbeweis von Seiten Lucifers und konnte sehen, dass er es ernst und aufrichtig meinte. "Das würde ich sehr gerne machen, Lucifer. Vielen Dank, es ist mir eine Ehre Pate deines Sohnes zu sein." antwortete er leise und gerührt. Belial nickte. "Aber was ist mit... Sandalephon?" fragte Metatron dann. "Der hat immerhin den geforderten Kurs gemacht, hat  sich glaube ich doch auch schon fast... darauf verlassen Pate zu werden..." "Der ist viel zu wenig hier, ich habe keinen Draht zu ihm und  mich widert sein Eifer an. Ich habe den Kurs verlangt, aber er hat mir auch gleich erzählt, dass er ihn macht, während ich es Sariel fast aus der Nase ziehen musste und  er immerhin auf diesem Weg zu meinem kleinen süßen Neffen Said-Angelo gekommen ist - und meine Selvi zu einem echt tollen Bruder... Und ehrlich gesagt:  Es wäre  ja nicht so, dass er uns wegstirbt... eines Tages... wie beispielsweise Derek und Rachel und die Zwillinge..." Belial sah ein wenig  nachdenklich aus dem Fenster.  "Weißt du wie seltsam es irgendwann sein wird, wenn ich irgendwann so in 40 oder 50 Jahren  die beiden frage ob sie Paten von Selvis und meinen Kindern werden? Und wie wird Luciano, wie werden unsere Zwillinge es verstehen, dass plötzlich zwei ihrer Paten weg sind während alle anderen Paten ewig leben werden...?" Metatron lächelte traurig. "Ja... ich verstehe, was du meinst, aber unsere Kinder müssen irgendwann lernen, dass es Leben und Tod gibt und sie werden immer lernen, dass sie den meisten Kindern überlegen sind - nur ihren Cousinen und Cousins oder Geschwistern nicht. Selbst gegenüber Said-Angelo werden sie immer Meilen voraus sein. Er ist ebenfalls rein sterblich. Ich hoffe, sein Tod wird Sariel nicht irgendwann zu sehr mitnehmen..."
Belials Blick wurde sehr traurig. Metatron, der ja momentan wieder Zugriff zu Lucifers Gedanken hatte, konnte darin lesen, dass auch er sich in dieser Sache Sorgen machte. Dann konnte er den Schmerz lesen den der Streit mit Selvaggia bei ihm ausgelöst hatte.
"Du solltest dich aufrichtig bei Selvaggia entschuldigen Lucifer!" Der Höllenfürst lachte bitter. "Das habe ich schon versucht, gleich kurz darauf. Woraufhin sie meinte: "Du kannst mich mal... " Metatron sah ihn bestürzt an. "Ach du Schande, das klingt nicht gut, Großer." Dann grinste er fast teuflisch. "Was gibt es da jetzt so fies zu grinsen?" wollte der höllische Botschafter wissen. “Ich wüsste da etwas was du tun könntest um sie möglicherweise wieder zu versöhnen und ihr beweisen, dass du es ernst meinst." Er sah seinen himmlischen Bruder fragend an. "Und das wäre?" fragte er dann genervt. "Verschaffe Selvi eine Audienz beim Papst, er kennt dich und wenn du ihm die Situation erklärst, wird er dir sofort einen  Termin geben. Und am besten gehst du zusammen mit ihr dorthin, wenn du nicht länger getrennt mit ihr von Tisch und Bett leben willst." Der Höllenfürst seufzte gequält. "Hast du auch nur im geringsten eine Ahnung, wie unangenehm mir seine Gegenwart eigentlich ist? Ich kann dank Vaters Erlaubnis die Gotteshäuser zwar betreten, aber unangenehm ist mir das ganze kirchliche Zeug dann schon." Metatron zuckte mit den Schultern. "Wenn dir etwas besseres einfällt." Belial schnaubte genervt. "Vermutlich hast du recht... na dann mach ich mich mal auf und spreche mit dem Oberguru im Vatikan." Plötzlich stöhnte der Höllenfürst auf vor Schmerz. "Ok, ok... ahhh... es tut mir leid Vater!" Für beide seiner Söhne hörbar sagte er: "Das war für den "Oberguru". Hör auf so abwertend über Religion zu reden. Du bist immerhin ein Engel, wenn auch gefallen, aber in meinen Augen bist du mein Sohn und ich bin sehr froh dich nach all der Zeit wieder in meiner Nähe zu wissen. Respektiere aber in Zukunft bitte den Glauben anderer, insbesondere den deiner Frau. Du tust dir damit sicherlich keinen Gefallen, wenn du versuchst Religion verächtlich zu machen. Viel Glück, mein Sohn!"
Er seufzte. Kannst du Liste mit Euangelion und Astaroth weiter erstellen? Ich würde sie aber nachher gerne sehen. Samyaza, Gadreel und Armaros stehen auch zur Verfügung wenn wir noch ein paar Engel brauchen. Und Samyaza wird’s sicher wissen, wer zusätzlich aus der Hölle noch mitkommen würde." Dann verließ er den Raum durch die Tür. "Ins Arbeitszimmer von Metatron, beide!" befahl er und lief geradewegs in sein Arbeitszimmer. Die beiden Sekretäre zuckten leicht zusammen als er die Tür zuknallte.
Er ließ sich auf seinen Chefsessel fallen, holte sein  Iphone aus der Innentasche seines schwarzen Jacketts. Er wählte die Nummer des Papstes. Er hatte den päpstlichen Sekretär am anderen Ende der Leitung. Wütend fegte er mit der Hand über seinen Schreibtisch, nachdem dieser einfach - offensichtlich sehr hastig - aufgelegt hatte, gleich nachdem er sich mit: "Hier ist Lucifer, ich würde..." gemeldet hatte.
Der Sekretär des Papstes erschrak, als er den äußerst gutaussehenden  Mann erblickte, der ihm mit seinen eisblauen Augen böse anblickte.
"Was fällt dir kleines Bürschchen von Sekretär ein, mich einfach so aus der Leitung zu kicken?! Du hast keine Ahnung mit wem du dich anlegst und ich bin heute äußerst mies gelaunt! Und ich, verlange, dass du mich mit dem Papst persönlich reden lässt, wenn ich gleich nochmal anrufe. Wenn nicht... dann mache ich dir das Leben zur Hölle!" fauchte Lucifer. "Niemand macht meinem Sekretär das Leben zur Hölle!" Er zuckte leicht zusammen als die Stimme des Papstes hinter ihm erklang, er schloss die Augen und dachte: "Nein, nicht doch." "Der Fürst der Finsternis persönlich. Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches, Dr. Rayne?" Er drehte sich langsam um und begrüßte den Papst mit einem Nicken. "D... d... der Teu... Teu... fel. Vater unser im Himmel..." begann der Sekretär und bekreuzigte sich. "Sekretärlein, denk mal nach... der himmlische Vater ist mein Vater und ich habe mittlerweile wieder ein recht gutes Verhältnis zu ihm. Hör also auf mit dem Gestotter und Gewinsele, das nervt mich!" fuhr der Höllenfürst den verängstigten Menschen an.
Der Papst lächelte seinen Sekretär ermutigend an. "Es ist in Ordnung, Pater Bataccio, immerhin habe ich den Erstgeborenen des Höllenfürsten taufen dürfen - auf Geheiß Gottes und das war doch ein sehr deutliches Zeichen, nicht wahr? Der Sekretär nickte schüchtern, wirkte aber immer noch wie erstarrt. Der Papst wandte sich an Belial: "Dr. Rayne, das ist mir lieber als Lucifer, bitte treten Sie ein und setzen sie sich. In meinem Arbeitszimmer können wir reden." Innerlich seufzend folge Belial ihm und setzte sich.  Der Papst hielt ihm ein Glas Grappa hin. Er nahm es entgegen und hob das Glas ebenfalls als der Papst es tat. "Was gibt es Dr. Rayne? Wenn Sie hier auftauchen dann aus einem sehr guten Grund." Lucifer schilderte kurz den Streit mit Selvaggia.
"... und nun ja, als Wiedergutmachung und als Beweis meiner Liebe zu ihr wollte ich  Sie bitten mir für meine Frau baldmöglichst eine Audienz zu gewähren, da sie sich sonst wohl leider nicht mehr versöhnen lässt." Das Oberhaupt der katholischen Kirche grinste leicht. "Ich gewähre Ihnen und Ihrer Frau für morgen um halb neun eine Audienz und lade sie dann beide zur anschließenden Messe im Petersdom ein." "Ähm, ich hatte eigentlich ge... dacht, dass Sie mit Selvaggia allein reden möchten und ich würde sie bringen und abholen..." murmelte er. Der Papst lachte leise. "Wohl eher gehofft, aber das ist eine Bedingung: Sie kommen mit ihrer Frau zur Audienz, Dr. Rayne und anschließend in den  Dom zur Messe. Welch besseren Beweis könnte es geben, dass Sie ihre  Religion ernst nehmen und auch "den Typen am Kreuz" in ihrer Religion akzeptieren." Er merkte, wie Belial ein wenig erschauerte. "Sie fühlen sich in den Häusern des Herrn nicht wirklich wohl, oder täusche ich mich?" Belial lächelte verhalten. "Ist nach all den Jahrhunderten nicht gerade  angenehm in einigen der Kirchen... das ist wie ein... es ist schwer zu erklären wie es sich anfühlt, aber es kommt mir vor als würde mich eine Kirche erdrücken." Der Papst nickte nachdenklich, ging jedoch nicht weiter darauf ein. Stattdessen. erkundigte er sich noch nach dem kleinen Luciano und wechselte noch ein paar persönliche Worte mit dem Höllenfürsten, bevor dieser wieder verschwand.
Als er in der Küche des Boulevards auftauchte, waren die Frauen bereits von ihrer Shoppingtour zurück und präsentierten ihre erbeuteten Kleider, Osterschmuck und Geschenke für die Kinder. Selvaggia ignorierte ihren Mann noch immer. Kat und Rachel fiel es sofort auf und auch wie traurig und deprimiert er deshalb zu sein schien. Kat umarmte ihn. Er drückte seine Patentochter ganz fest, während er Rachel in Gedanken ansprach. "Ist Derek im Legat? Ich brauche einen Freund zum reden."
Sie nickte unmerklich. "Ja er macht seinen Papierkram, aber für dich hat er immer Zeit, Brüderchen." konnte er in ihren Gedanken lesen. Er flüsterte Kat in Gedanken zu, dass er zu ihrem Vater gehen wollte und verschwand wieder wortlos.
Er klopfte an die Tür von Dereks Arbeitszimmer. "Entschuldige die Störung aber ich brauche einen Freund zum reden." Derek bemerkte sofort, dass seinen höllischen Freund etwas bedrückte. "Aber sicher Belial, für dich immer, lass uns in der Bibliothek reden." Derek reichte ihm ein Glas Wein nach dem er Platz genommen hatte. "Was hast du auf dem Herzen mein Freund?" Er schilderte auch ihm kurz den Streit. "... zu Metatron meinte ich dann nur wie ich den "Typ am Kreuz" wohl hätte sonst nennen sollen. Ich meinte schon ich hätte ja auch Lattengustel sagen können. Ich..." "Bitte was? Lattengustel?" fragte Derek amüsiert nach und brach in Lachen aus." Ich glaube wenn du das Selvi gegenüber erwähnt hättest, das hätte sehr übel geendet." Er nickte.  "Aber dennoch werde ich heute Nacht vermutlich allein verbringen, Selvi ignoriert mich total. Ich werde mich wohl nachher in mein höllisches Arbeitszimmer zurückziehen und zusammen mit Samyaza meinen Höllenkram erledigen. Und hoffe dass die Audienz Morgen früh sie wieder versöhnt. Selbst von Vater habe ich heute schon einen Rüffel bekommen."" Das wird schon wieder, Selvi liebt dich doch." ermutigte Derek seinen brüderlichen Freund. "Hast du ihr schon von der Audienz erzählt?" Belial zuckte zusammen. "Nein, sie ignoriert mich doch." "Hm... und wie soll sie dann Morgen in aller Frühe fertig sein und angezogen und bereit?" "Oh Mist, daran habe ich gar nichtgedacht..." gestand  der Höllenfürst zerknirscht. "Na, komm ich helfe dir. Nimmst du mich mit nach Paris?" "Aber klar!"
Die beiden tauchten in der Küche des Boulevards auf.
Derek gesellte sich zu seiner Frau. "Wolltest du heute nicht deinen Papierkram erledigen, Schatz?" fragte sie und küsste ihren Mann zärtlich. "Hab ich ja. Bin schon fast fertig, ich wollte auch nur schnell einen  Kaffee trinken und ich dachte den könnte ich in Gesellschaft der Familie genießen." Sie lächelte, während sie zur Tür sah, wo Belial schweigend stand und immer wieder einen traurigen Blick auf Selvaggia warf, die immer noch so tat als wäre er gar nicht hier. Kat die irgendwie Mitleid mit ihrem Lieblingspatenonkel hatte reichte ihm eine Tasse Kaffee, wie er ihn mochte. Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und lehnte sich freundschaftlich an ihn. "Danke, Käthchen." flüsterte er in ihren Gedanken.
"Schatz, stell dir vor Belial war heute in Rom, beim Papst!" Selvaggia horchte auf. "Er hat dort für Selvaggia und sich um eine Audienz gebeten und gleich für Morgen in der Frühe eine bekommen." Rachel, die die Pläne ihres Mannes durchschaut hatte, lächelte. "Oh Selvi, das ist ja toll. Erst gestern hast du mir doch erzählt wie gerne du mal wieder im Petersdom einer Messe beiwohnen möchtest und jetzt hast du sogar gleich auch eine Audienz beim Papst." Selvaggia sah ihren Mann jetzt fragend an. Dieser nickte fast scheu wie ein kleiner Schuljunge. "Wie kommst du denn dazu? Ich meine das ist toll... danke... ich komme gerne mit, Lucifer und ich liebe dich auch, aber... ich habe mich einfach so geärgert über deine Äußerungen von heute Morgen."  Er blickte seine Frau jetzt direkt an, die seinem Blick standhielt. "Entschuldigung Selvi, es tut mir ehrlich leid, das musst du mir glauben. Ich habe nicht nachgedacht. Und ich wollte dich bestimmt nicht verärgern oder verletzten.“ In seinen Augen und seinem Blick erkannte sie die Ehrlichkeit seiner Worte. "Wie gesagt ich gehe gerne mit dir dahin. Interessiert dich denn was ich mir für das Osterfest zum Anziehen gekauft habe?" fragte sie ihren Mann etwas besänftigt und liebevoll. Aber es war immer noch eine leichte Spannung zwischen den Beiden zu spüren. Er lächelte. "Natürlich gerne!" Belial war begeistert von dem neuen Kleid seiner Frau. „Meinst du, das ist Morgen zu gewagt?“ fragte sie ein wenig scheu. Belial lächelte. „Ich denke, das Kleid ist genau die richtige Wahl, meine kleine Hexe.“ flüsterte er zärtlich und schloss sie in die Arme. Er warf seinem brüderlichen Freund einen dankbaren Blick zu. "Danke Derek, du hast mir ein großes Stück weitergeholfen." sagte er in Gedanken zu seinem Freund. "Ist doch selbstverständlich! Und jetzt konnte ich mich wenigstens mal revanchieren." antwortete der Praeceptor ebenfalls in Gedanken und grinste.
„Aber was habt ihr mit dem ganzen Süßkram vor? Ihr habt ja Kiloweise Schokoladeneier und Osterhasen und ähnliches besorgt.“ wandte Belial sich lächelnd an Selvaggia. „Oh, Annegret Heller, eine von den deutschen Sekretärinnen der Botschaft hat von einem Brauch in Deutschland berichtet. Dort suchen die Kinder nach der Messe Ostereier am Ostersonntag – auch gekochte Eier, die farbig bemalt werden. Sie sagt, das wäre immer spaßig gewesen und Mathilde und ich wollten das auch für die Kindergartenkinder machen!“ berichtete Selvaggia begeistert. Belial lächelte. „Und wie ich Rachel und Kat und Sylvie kenne sind die drei auch mit dabei.“ „Aber klar!“ rief Kat lachend, während Rachel und Sylvie, die Köchin des Kindergartens nur lächelten.
Am nächsten Morgen war Selvaggia ganz aufgeregt. Sie strich ihr neues Kleid glatt. „Und kann ich wirklich so gehen?“ fragte sie zweifelnd. „Du bist wunderschön, meine Liebe!“ beruhigte Lucifer sie und erschien mit ihr und dem wieder schlafenden Luciano auf dem Arm fünf Minuten vor halb Neun im Vorzimmer des Papstes. Der Sekretär zuckte zusammen, doch bevor er etwas sagen konnte, kam der Papst herein. „Herzlich willkommen, Mrs. Rayne, Dr. Rayne – oh, und der kleine Luciano ist auch dabei. Kommen Sie doch in mein Arbeitszimmer.“
Er bot den beiden eine Tasse Tee an, die Selvaggia dankend annahm, ihr Mann jedoch erst nach einem mahnenden Blick von ihr. „Meine liebe Mrs. Rayne, wie schön Sie bei guter Gesundheit zu sehen – und wenn ich mir die kleine...Indiskretion erlauben darf... mit einem Geschwisterchen für Luciano gesegnet?“ Selvaggia lächelte. „Ähm... mit Zwillingen... Luci... mein Mann und ich wollten selbst entscheiden und dann hat der himmlische Vater doch noch eingegriffen... Wir freuen uns schon sehr.“ Sie griff nach Belials Hand. Der Papst lächelte. „Und ich bin sicher, die Kinder können sich auch freuen auf Eltern die sie lieben und die einander zugetan sind. Ihr Mann hat meinem Sekretär gestern einen großen Schreck eingejagt. Erst hat er angerufen und sich mit „Lucifer“ gemeldet – soweit ich Pater Bataccio verstanden habe, worauf mein Sekretär erschrocken aufgelegt hat. Gleich darauf stand er etwas ungehalten vor dem armen Mann.“ „Und dann sind zu seinem Glück Sie aufgetaucht.“ murmelte Belial. Er wand sich ein wenig unbehaglich auf seinem Stuhl. „Mrs. Rayne, Sie müssen wissen, dass Ihr Mann sich in Kirchen nicht sehr wohl fühlt – und auch mein Arbeitszimmer für ihn eher unbehaglich ist. Es hat ihn ziemliche Überwindung gekostet hierher zu kommen – und auch die Kardinalsweihe von Pierre Pasquieu oder die Taufe Ihres Sohnes Luciano oder die Hochzeit des Himmlischen Botschafters hier im Petersdom, all das war mehr ein Entgegenkommen an Sie und ihre Freunde als irgendwie freiwillig oder gar gern. Außerdem hat er, allen dadurch, dass er der... Teufel ist, natürlich einen ganz anderen Blickwinkel auf Religion und ehrlich gesagt, würde ich irgendwann sehr gern einmal mit ihm und seinem himmlischen Kollegen ein sicher sehr erbauliches – für alle Seiten – Gespräch über Religion, Dogmatik und ähnliches führen.“
„Das können wir gern machen – allerdings nicht hier.“ murmelte Belial ein wenig unbehaglich. Seine Frau sah ihn liebevoll an. „Ich wusste gar nicht, dass du dich in einer Kirche nicht wohl fühlst, Lucifer... es tut mir leid, ich... ähm...“ Er lächelte ihr zärtlich zu. „Für dich ertrage ich es gern, mein Hexlein.“ Der Papst lächelte zufrieden. Lucifer konzentrierte sich kurz auf Metatron und  berichtete ihm von dem Wunsch des Papstes, worauf ein hörbar belustigtes: „Wenn er Zeit und Lust hat bringe ihn doch nach der Messe zum Mittagessen mit. Unsere Tilly übertrifft sich gerade wieder.“ Belial grinste den Papst unvermittelt an. „Schönen Gruß von Metatron – oder Merlin Tyronne – wenn Sie Lust und Zeit haben, dann würde ich Sie heute zum Mittagessen einladen.“ Der Papst wirkte überrascht, dann nickte er jedoch. „Gern. Ich hätte zwar noch eine Predigt für meine Reise nach Südamerika nächste Woche zu schreiben, aber vielleicht wird das auch sehr anregend.“ Belial lächelte. „Moment mal...“ Er zog sein Iphone und rief im Vorzimmer der Botschafter an. „Höllisch-Himmlische Botschaft, Vorzimmer der Botschafter Fürst Lucifer und Fürst Metatron, Astarte, himmlische Sekretärin am Apparat.“ meldete der gefallene Engel sich in seiner Göttinnengestalt. „Hallo Astaroth-Astarte, hier ist Lucifer – gibst du mir mal Euangelion?“ Gleich darauf meldete sich sein Sekretär. „Hallo Chef – was gibt es?“ „Hast du Lust mal eine Predigt zu schreiben? Der Papst kommt nach der Messe mit nach Paris zum Mittagessen und eigentlich müsste er noch Predigten schreiben. Ich dachte, das wäre mal eine Abwechslung für dich.“ Er wusste, dass die beiden Sekretäre einander zweifellos gerade angrinsten. „Klar, geht in Ordnung. Er kann mir dann nachher  auch in Grundzügen erklären worüber er reden wollte.“ „Danke, Euangelion...“ „Gern, Chef.“ Belial legte auf. „Sie können sich nachher vertrauensvoll an meinen Sekretär Euangelion wenden. Der ist ein Engel, eigentlich aus Gabriels Büro und einer der tüchtigsten Sekretäre die ein Mann sich wünschen kann.“    
Es klopfte. „Heiliger Vater, Ihr müsst Euch für die Heilige Messe bereit machen!“ rief der Sekretär. Der Papst seufzte. „Ich wünschte manchmal er wäre nicht so unterwürfig. Demut ist ja schön und gut, aber... nun ja...“ Er räusperte sich und rief: „Kommen Sie herein, Pater Bataccio!“ Der kleine Geistliche erschien ein wenig schüchtern.„Bringen Sie die Raynes bitte zu den Plätzen im Petersdom?“ bat er. Der Mann wurde ein wenig blass, nickte jedoch tapfer. Belial lächelte ihn an. „Wissen Sie, Pater, ein wenig erinnern Sie mich an meinen Sekretär Euangelion. Zuerst war er auch ein wenig schüchtern und wir hätten ihn fast als unbrauchbar irgendwo hin versetzt – aber inzwischen ist er selbstbewusst und alle in der Botschaft mögen ihn – sogar mein Stellvertreter Samyaza meinte mal, dass er richtig „cool“ geworden sei. Vielleicht möchten Sie nachher ja mit dem Heiligen Vater und uns nach Paris kommen und ihn kennen lernen?“ Der Pater errötete. „Einen... einen Engel? In Ihren Diensten?“ fragte er überrascht. „Hm... ja... er findet den Dienst bei mir abwechslungsreicher als den in irgendeinem Sekretariat im Himmel. Metatron, mein Kollege hat übrigens Astaroth als Sekretär. Die beiden teilen sich ein Vorzimmer und sind innerhalb kürzester Zeit ein richtig gutes Team geworden.“ „Es ist... ich bin nicht würdig und...“ „Ach, Unsinn! Richten Sie sich auf eine interessante Unterhaltung und ein richtig gutes Mittagessen ein. Unsere Mathilde ist eine ausgezeichnete Köchin. Und sie können Euangelion sicher helfen wenn es um die Predigt für Ihren Chef geht, Pater Bataccio.“ unterbrach Belial ihn. Der Papst warf ihm einen überraschten Blick zu. „Wenn der Heilige Vater erlaubt, nun ja..., dann... ähm...“ „Sie sind von  Dr. Rayne eingeladen worden und es wäre sicher für uns beide eine interessante Erfahrung.“ Der Pater deutete eine Verbeugung an und nickte.
Luciano wurde ein wenig unruhig. „Würde er sich vielleicht im von Schwester Mary-Luke geleiteten Kindergottesdienst wohler fühlen?“ fragte Pater Bataccio. „Wir könnten es versuchen.“ meinte Belial zweifelnd, wandte sich aber seinem Sohn zu. „Und, wie sieht es aus, Sohn? Willst du in den Kindergottesdienst? Du weißt ja, dass du Papa und Mama jederzeit erreichen kannst.“ Luciano überlegte, dann nickte er.„ Tinderdottesdienst.“ sagte er. „Oh, er ist sehr weit für sein Alter, oder?“ meinte der Pater überrascht. „Wundert Sie das? Bei dem Großvater? Und außerdem bin ich ein Seraph...“ Der Pater schluckte. „Natürlich, bitte verzeihen Sie meine unangemessene Äußerung.“ „Ach, unangemessen, nein, ist sie doch gar nicht gewesen. Sie haben nur gesagt was Sie denken, das ist für mich okay.“ Der Blick des Paters fiel auf das Shirt, das Luciano trug und er bemühte sich sichtlich sein Grinsen zu verstecken, denn Belial hatte an diesem Morgen seinen Sohn angekleidet und ihm demonstrativ das Geschenk von Metatron und Cassandra angezogen auf dem stand: „Als Großvater mich schuf, wollte er Papa beeindrucken“. „Interessante Aussage auf dem Shirt Ihres Sohnes...“ Selvaggia kicherte. „Ja, das hat er von Metatron und Cassandra. Die beiden meinten, das würde zweifellos stimmen.“
Der Pater lächelte schüchtern. Er brachte sie in einen netten kleinen Raum nahe des Petersdomes, wo zwei Nonnen mit einigen kleinen Kindern waren. „Schwester Mary-Luke, Schwester Agnes, Luciano Rayne würde heute gern an Ihrem Kindergottesdienst teilnehmen, während seine Eltern in der Messe sind.“ Die ältere, fröhliche Nonne kam auf sie zu. „Sehr schön, herzlich Willkommen. Hallo Luciano, ich bin Schwester Mary-Luke.“ Der kleine Junge sah sie einen Moment an, sah zu seinen Eltern und ließ sich von seinem Vater auf den Boden setzen. Die Nonne sah überrascht auf  Luciano, der hochsah und meinte: „Is Tinderdottesdienst lustig?“ Dabei fiel ihr Blick auf die Schrift auf seinem Shirt. „Oh, Dr. Rayne, der höllische... Botschafter?“ fragte sie überrascht. Belial schmunzelte. „Genau der, Schwester... ich hoffe, Sie werden unseren kleinen Schatz aber nicht anders behandeln als die anderen Kinder.“ Die Nonne lächelte. „Nein, natürlich nicht!“
Selvaggia gab ihrem Sohn einen Kuss. „Sei schön brav, Mama und Papa sind bald wieder da.“ Die Nonne nahm ihn bei der Hand. „Aber natürlich ist Kindergottesdienst lustig, mein kleiner Engel. Wir lesen heute eine Geschichte darüber was dein... ähm... Großvater mit einem Mann namens Abraham gemacht hat. Und dann basteln wir etwas.“ Belial und Selvaggia winkten ihm zum Abschied zu und betraten kurz darauf den Petersdom. Mit leisem Aufseufzen nahm Belial zur Kenntnis, dass der Papst wieder Plätze in vorderster Reihe für sie vorgesehen hatte – noch dazu zwischen den Bischöfen. Belial fand sich neben Erzbischof Boch wieder. „Dr. Rayne! Wie schön Sie hier zu sehen – und die Frau Gemahlin, Signora Rayne.“ flüsternd unterhielten die beiden sich, bis die Messe begann.
Als das Abendmahl begann, rief der Papst ausdrücklich auch Belial und Selvaggia nach vorn. Der Höllenfürst stellte sich hinter seine Frau, doch auch er bekam nachdrücklich eine der Hostien gereicht. Mit leichtem Stirnrunzeln nahm er sie und würgte sie hinunter.
Nach der Messe holten sie mit Pater Bataccio Luciano aus dem Kindergottesdienst. Der kleine Junge zeigte ihnen stolz ein selbstgemaltes Bild und ein gebasteltes Schaf. „Das hast du gemacht, mein kleiner Schatz?“ fragte Selvaggia sichtlich stolz. Er nickte. Schwester Mary-Luke kam auf sie zu. „Er war so ein Sonnenschein, der kleine Luciano. Wenn Sie hier in Rom sind, bringen Sie ihn bitte jederzeit zum Kindergottesdienst. Agnes und ich würden uns sehr freuen.“ Belial schluckte. „Mal sehen... wenn er möchte, ich denke drüber nach...“ Sie verabschiedeten sich von den Nonnen und kehrten ins Arbeitszimmer des Papstes zurück.
„Der heilige Vater zieht sich noch kurz um und ist sofort wieder da. Darf ich Ihnen noch einen Tee anbieten während Sie warten?“ „Oh, gern!“ sagte Selvaggia erfreut, während ihr Mann dankend ablehnte. „Ah, Sie bevorzugen an sich einen Kaffee, wie der Heilige Vater, Exzellenz?“ fragte der Sekretär. Belial räusperte sich. „Ehrlich gesagt, ja. Und wieso trinkt der Papst diesen Tee wenn er Kaffee lieber mag?“ „Schwester Maria-Elisabeth ist der Überzeugung, dass ein Tee am Morgen besser ist – zumal in der Fastenzeit, in der wir uns ja gerade befinden - und er ist zu gutmütig um auf den Tisch zu hauen...“ Belial grinste. „Ich glaube, ich sollte ihm mal Kaffee von einer meiner Plantagen liefern lassen... ja, ich glaube, zu Ostern...“ Kurz darauf servierte der Sekretär ihnen Kaffee und Tee.
Eine Viertelstunde später kam der Papst – überraschend weltlich gekleidet – in sein Arbeitszimmer. „So, wenn Sie soweit sind, können wir aufbrechen.“ sagte er fröhlich. Belial nahm seine Frau in den Arm, die ihren Sohn hielt, griff nach den Händen der beiden Männer und tauchte mit ihnen allen im Boulevard in seinem Vorzimmer auf. „Herzlich willkommen in meinem Vorzimmer. Das ist Euangelion, das Astaroth, Metatrons schweigsamerer Sekretär, der ab und zu mal zu Astarte wird und dann sehr charmant plaudert. Jungs: Das ist der Papst und dies sein Sekretär Pater Bataccio.“ Die Tür zu Metatrons Arbeitszimmer öffnete sich und der himmlische Botschafter trat heraus. „Herzlich willkommen in der Botschaft, Eure Heiligkeit, Pater. Ich habe auch Pierre Kardinal Pasquieu und die Raynes aus San Francisco zum Essen eingeladen. Ich denke, das dürfte das Gespräch doch sehr bereichern. Aber jetzt sollten wir uns alle ins Esszimmer begeben. Wir nutzen es zwar nicht so oft, aber angesichts Ihres Besuches fanden Mathilde und Sylvie es angemessener. Übrigens hat Hagiel Erzbischof Boch abgeholt. Vater meinte, du hättest eine sehr interessante Unterhaltung mit ihm unterbrechen müssen, weil die Messe begonnen habe.“
„Hagiel ist auch hier? Und wieso hat Vater ausgerechnet ihn geschickt um Erzbischof Boch abzuholen?“ fragte Belial Metatron stirnrunzelnd. „Weil Hagiel eh in Rom war und während des Kindergottesdienstes auf Luciano geachtet hat. Ab und zu hat er mal in die Messe geschaut und da gesehen, dass du mit dem Erzbischof geplaudert hast.“ „Okay... weiß Tilly, dass er da ist?“ Metatron schüttelte den Kopf. „Sie ist schon ein kleiner Sturkopf, unsere Küchenhexe, entweder will oder kann sie sich nicht vorstellen, dass er in sie verliebt ist.“
„Hm... also unsere liebe Tilly war ja katholisch – und an sich ist sie es immer noch... vielleicht könnte der Papst uns helfen...“ raunte Belial seinem himmlischen Kollegen zu, während sie Euangelion und ihren Gästen folgten. Die Drei unterhielten sich angeregt über die Predigt, die Euangelion schreiben würde. Astaroth schritt schweigend wie immer neben seinem Chef. „Was schwebt Ihnen da vor, Fürst Lucifer?“ fragte er in Gedanken. Belial grinste. Auf dem Weg der Seraphim meinte er: „Ich werde nachher mal andeuten, dass einer der nettesten Kyriotes die ich kenne eine scheue nette Hexe kennen- und lieben gelernt hat und ob er die beiden vielleicht trauen würde..., wenn sie sich geeinigt haben...“ Astaroth und Metatron grinsten. „Du bist schon ein Schlitzohr, Lucifer!“ meinte der himmlische Botschafter.
Im Esszimmer trafen sie auf Derek und Rachel mit Kat und Julien, Pierre Pasquieu, Erzbischof Boch aber auch auf Hagiel, der sich dezent im Hintergrund hielt, im Gegensatz zu Kerubiel, der sich lachend mit seiner Patentocher unterhielt. Auch Sariel war anwesend. Sein Sohn spielte mit den Zwillingen und auch Luciano wollte gleich zu seinen Freunden. Christina-Luciana gab ihrem „Cousin“ einen Kuss auf die Wange und er umarmte sie. „Ichglaube, das wird ein süßes Pärchen...“ murmelte Metatron belustigt.
„Oh, übrigens, Heiliger Vater: Das ist Dr. Derek Rayne, seine Frau Rachel Corrigan Rayne, Katherine, die Tochter der beiden und Kardinal Pasquieus Neffe Julien Noel Dubois, das ist Hagiel, einer von Katherines Patenonkeln und Kerubiel – ein anderer ihrer Patenonkel, Dr. Sandro-Ariel... ach, Unsinn, Sariel ist zwar Leiter der Chirurgie an der Gemelli-Klinik aber das Dr. Sandro-Ariel Bragi können wir uns glaube ich hier schenken.“ stellte Metatron die anderen Anwesenden vor, die der Papst und sein Sekretär nicht kannten.
In diesem Moment trat Mathilde ein. „Wenn Sie bitte Platz nehmen würden... dann können Sylvie und ich auftragen.“ Sie knickste ehrerbietig vor dem Papst, der sie mit einer segnenden Geste bedachte. „Ich helfe euch!“ bot Hagiel an. Mathilde nickte schüchtern und huschte aus dem Raum, gefolgt von Hagiel.
„Papst...“ „Bitte, Dr... hm...wobei wir ja jetzt zwei Dr. Raynes am Tisch haben, nicht wahr? Also ich würde vorschlagen, dass wir die Titel hier außer Acht lassen, denn das wäre viel Exzellenz und Eminenz und ähnliches. Ich bin als Papst zwar Franziskus II. aber weltlich, wie die Meisten von Ihnen sicher wissen, Rodrigo Ortiz Ruiz. Rodrigo wäre für mich daher in Ordnung.“ Metatron sah ihn überrascht an. „Gut, ich bin Metatron, oder Merlin...“ „Ich bin  Cassandra.“ schloss die hübsche – ebenfalls sichtlich schwangere Brünette sich an. Bald schon war Rodrigo mit Hilfe seines Sekretärs Mario sichtlich begeistert in ein theologisches Streitgespräch mit den Raynes, dem Kardinal und dem Berliner Erzbischof vertieft.
Hagiel und Mathilde servierten gerade den Fischgang als der himmlische Botschafter mit einem Zwinkern zu seinem Kollegen meinte: „Wie ist das, Rodrigo, meinst du, dass man von vornherein ausschließen sollte, dass ein Engel, ein echt sympathischer Bursche, sich in eine Hexe verlieben kann die eine herzensgute Frau ist und die der Vater im Himmel auch sehr schätzt?“ Der Papst schüttelte den Kopf. „Wenn sie reuig ist und – entschuldige Lucian – abgeschworen hat vom Teufelswerk, wieso nicht?“ Belial nickte grinsend. „Hat sie... sie sieht mich zwar immer noch als ihren Herrn... irgendwie... aber sie kann, wie meine Frau, Kirchen betreten und ist im Herzen an sich immer katholisch gewesen... und eigentlich auch nie mit dem Herzen eine Hexe.“ „Ich würde diese erstaunlichen Geschöpfe gern kennen lernen.“ meinte der Papst. „Hast du schon – Tilly ist die sympathische Hexe und Hagiel ist über beide Ohren in sie verknallt.“ kicherte Kat.
Mathilde errötete und wollte aus dem Esszimmer laufen, doch Hagiel hielt sie zurück und gab ihr einen Kuss. „Wäre es so schlimm?“ fragte er sie liebevoll. „Das ist erstaunlich! Wenn ihr möchtet, würde ich euch gerne nach Ostern im Petersdom trauen!“ Dankbar nickte Hagiel dem Papst zu, kniete vor Mathilde nieder und sagte: „Tilly, süße kleine Küchenhexe, du weißt spätestens seit Vater sich von deinen Keksen von Michael und einigen anderen Engeln mitbringen lässt, dass du Gnade vor seinen Augen gefunden hast. Ich liebe dich, meine üppige Schönheit, und ich möchte die Ewigkeit mit dir verbringen. Würdest du meine Frau werden, meine Backfee?“ Über Mathildes Wangen liefen Tränen der Freude. Sie nickte.
Sylvie lächelte. „Ich glaube, wenn einer der Herren mir dann behilflich ist, kriege ich das Servieren der restlichen Gänge ganz gut hin. Dann können Tilly und Hagiel mit den anderen die Hochzeit besprechen.“ Kerubiel erhob sich lachend. „Eine gute Idee, Sylvie. Ich helfe dir.“ Er zog Mathilde zu seinem Platz, schnippte mit den Fingern und schon erschien ein weiteres Gedeck neben seinem Platz für Hagiel.
Nach dem Dessert verabschiedeten sich die drei Sekretäre um die Predigt zu schreiben und als sie zwei Stunden später mit einer ganzen Sammlung für die Rundreise des Papstes durch Südamerika zurück kamen war bereits die gesamte Hochzeit von Hagiel und Mathilde geplant. Cassandra grinste gerade.„Irgendwie ist es fast beruhigend, dass es jetzt noch eine Schwiegertochter gibt...“ Metatron lachte. „Du meinst wegen der Drillinge?“ Sie nickte. „Drillinge?“ fragte Mathilde irritiert. Und als Cassandra und Selvaggia ihr erklärten, was es damit auf sich hatte, lächelte sie schüchtern. „Ich glaube, das wäre für Hagiel und mich kein Problem. Ich liebe Kinder und ich bin sicher, er auch.“ „Aber natürlich, meine Schöne.“ flüsterte der Engel zärtlich.
Astaroth verwandelte sich in Astarte. „Ich denke, Rodrigo, so ist es angenehmer mit mir zu reden...“schnurrte die begehrenswerte schwarzhaarige orientalische Schönheit. „Aber Mario meinte, die Predigten seien für dich vielleicht ein wenig ungewöhnlich und vielleicht solltest du sie nochmal mit ihm durchgehen, denn Euangelion und ich haben da vielleicht doch hier und da ein wenig progressivere Gedankengänge gehabt als Mario.“ Der Papst sah Astarte irritiert an, während Cassandra ihr einen Rippenstoß gab. „Süße, der Mann muss standhaft bleiben, also hör auf ihn zu verführen!“ Mit einem entschuldigenden Lächeln sagte sie: „Das liegt in meiner Natur, aber die Aussage mit der Überprüfung der Predigten ist schon ernst gemeint.“ Der Papst dankte der orientalischen Schönheit. „Und glauben Sie mir, wenn ich meine Eide nicht geleistet hätte, Miss Astarte, wäre ich zweifellos schwach geworden.“ Astarte grinste mit einem Zwinkern. Der Papst schaute auf die Uhr. „Oh, wie man sich verplaudern kann. Aber ich glaube, wir sollten langsam gehen. Es ist schon spät und ich habe nachher noch einen Termin mit dem Vorsitzenden der Kongregation.“ Der Pater nickte. Kerubiel bot an die beiden zurück zu bringen.
„Ich finde, wir sollten so ein nettes Mittagessen durchaus mal wiederholen. Also wann immer du Zeit hast, Rodrigo, bist du Lucifer, mir und uns allen herzlich willkommen.“ sagte Metatron zum Abschied. Auch Derek sprach eine herzliche Einladung für Angel Island aus. Der Berliner Erzbischof verabschiedete sich mit seinem Pariser Kollegen. "Es wäre nur nett, wenn mich nachher einer von euch nach Rom zurückbringen könnte - oder sogar nach Berlin. Ich war nur noch wegen der Messe geblieben und wollte Morgen in aller Frühe nach Berlin zurück." "Kein Problem. Sag einfach Bescheid, dann hole ich dich." versicherte Hagiel.
Am Abend kehrten Selvaggia und Lucifer zusammen mit Luciano zurück nach Venedig. Nachdem sie ihren kleinen Sohn ins Bett gebracht hatten, setzte sich die Hexe zu ihrem Mann vor den Kamin. Dieser reichte ihr schweigend ein Glas mit weinähnlichem Saft, während er ein Glas Wein trank. Sie nahm es an und setzte sich ihrem Mann gegenüber. "Danke Lucifer, für heute... die Audienz und der Rest des Tages haben mir sehr viel bedeutet." Er nickte. "Freut mich, ich hatte einen großen Fehler wieder gut zu machen. Ich liebe dich Selvi! Und wollte dich..." Sie unterbrach ihn. "Ist schon gut, Lucifer. Wie schlimm war das eigentlich in den Räumen des Papstes und anschließend im Petersdom, für dich? Sagen wir mal auf einer Skala von Null bis Zehn. Und bitte die Wahrheit." Er sah seine Frau schweigend an, bevor er schließlich antwortete. "Sagen wir mal eine Acht. Es ist erträglich, aber ich fühle mich schon sehr unbehaglich, wenn ich ehrlich bin." "Warum denn? Dein Vater hat dir diese Möglichkeiten bestimmt nicht nur wegen des Nutzens eingeräumt, sondern weil er dich... liebt du bist immerhin sein erster Engel, wenn auch gefallen, aber du bedeutest ihm eine Menge und er ist... er freut sich sehr darüber dass du... zum Teil wieder zurückgekehrt bist." Er lächelte. Das mag ja sein, mein süßes Hexlein. Aber es ist einfach zu lange her, ich kann mit der Kirche nichts mehr anfangen. Und in manchen Gotteshäusern, da ist alles sooo einengend, es ist ein Gefühl, das mir die Luft abdrückt. Auf deiner Skala ist der Petersdom eine Neun - die Räume des Papstes und seine ... Nähe zu mir... ebenfalls... er ist zwar so ganz okay, aber er ist der Papst. Das fühlt sich merkwürdig an. Der Teufel in des Papstes Gesellschaft... das ist irgendwie verrückt.
Im Notre Dame würde ich sagen ist es eine... Sechs - Sieben, je nach Anlass und Dauer meines Besuches in der durchaus wunderschönen Kathedrale. Diese einfach so mal zu betreten macht mir mittlerweile relativ wenig aus, was wohl auch viel mit Pierre zu tun hat. Er ist zwar mittlerweile Kardinal, aber... da war das Verhältnis von Anfang an ganz anders. Bei einer Messe bin ich zu lange drin, da wird es dann nach einer Weile schon beklemmend. Und unter einer Sechs/Sieben gibt es nichts, wenn du dich an deiner Skala orientieren willst." gestand er. Sie schluckte. "Oh! Doch so schlimm? Warum hast du denn nichts gesagt? Ich dachte, seit du die Kirchen wieder betreten kannst wäre das kein Problem, denn ich meine ich war ja auch in der Hölle und ich fühle mich dort ganz wohl." Er grinste. "Du bist ganz im Gegensatz zu mir auch eine strenggläubige Katholikin. Ich war noch nie so davon überzeugt und du vergisst - ich bin der Fürst der Hölle, ich habe über Jahrhunderte so viele grausame Dinge getan, die kannst du dir gar nicht vorstellen. Bevor ich mit der Arbeit im Boulevard begonnen habe, war ich nur eiskalt, berechnend, abgebrüht würde ich sagen. Erst durch Katherine habe ich auch meine positiven Gefühle wieder zugelassen, die ich verdrängt hatte... nachdem ich mich vor Ewigkeiten in eine Menschenfrau verliebte... mir wurde klar, ... dass ich sie niemals bekommen würde, also habe ich Gefühle wie Liebe und Freundschaft komplett unterdrückt. Und dann kam Kat, mein Käthchen, die es geschafft hat, dass ich wieder lieben lernte. Und da war auch wieder das Gefühl der Liebe zu... dieser Frau..., dass ich sie am Ende doch noch bekommen würde und mit ihr... sogar mal Kinder haben würde... hätte damals nie für möglich gehalten. Dafür bin ich Vater auf ewig dankbar." Er lächelte sie an, trank einen Schluck Wein und starrte glücklich in sein Glas.
Selvaggia saß da wie vom Donner gerührt. "Lucifer, ich hatte ja keine Ahnung... ich meine ... als du dich dann verliebt hast... in mich? Das muss damals gewesen sein als du dieses Grimoire für mich geschrieben hast und mich... die schwarze Magie gelehrt hast?" Er schloss die Augen und nickte. "So ist es meine wunderschöne Hexe." flüsterte er liebevoll. Sie stellte ihr Glas auf den Tisch und kuschelte sich neben ihn. "Oh Lucifer, das ist das schönste Liebesgeständnis das ich je bekommen habe. Wenn ich bedenke wie lange das ist, wie lange du... und als du mich dann in den Boulevard geholt hast und deine Gefühle... wie hast du das nur ausgehalten?"
"Schwer, sehr schwer, deshalb hab ich dann auch irgendwie angefangen mich zu distanzieren, in Affären mit nicht menschlichen Frauen zu stürzen. Ich wollte nur eins, nett war ich nie zu ihnen. Als Lilith mir das dann extrem übel nahm und es fast geschafft hätte mich zu... vernichten, wäre ich nicht so schlau gewesen es sofort zu bemerken... und als das Ganze vorbei war, konnte und wollte ich meine Gefühle für dich nicht länger verbergen. Ich hatte das dringende Gefühl nach Liebe, nach Geborgenheit, nach jemandem der mich wirklich liebt und gleichzeitig akzeptiert, dass ich der Teufel bin, meine Höllengeschäfte immer allein meine Angelegenheit sein lässt und mich so liebt wie ich bin. Da hab ich dann einfach den Mut gefasst dir meine Liebe zu offenbaren. Dass Vater mir dabei so entgegengekommen ist... ist ein wahrer Glücksfall für mich, wofür ich ihm auch ewig dankbar bin." "Ich auch Lucifer, ich auch!" Sie erhob sich, zog ihn sanft mit hoch. Zog ihn an sich und küsste ihn leidenschaftlich. "Lass uns schlafen gehen, es ist spät und ich... will dich... jetzt sofort." flüsterte sie ihm zärtlich ins Ohr.
Derek hatte den Engeln und Dämonen nur widerwillig Zugang zum Legat gewährt, doch sein brüderlicher Freund hatte ihn überzeugt, dass hier die Fäden zusammenlaufen mussten. „Derek, es geht auch darum, die Stellung und den Wert des Legatsystems zu beweisen!“ hatte sein brüderlicher Freund ihm erklärt. „Außerdem ist Angel Island leichter zu verteidigen als der Boulevard Haussmann! Und wir haben die Unterstützung des Himmels! Das heißt, dass auch die Kinder, Cassie und Selvi hier sicherer sind – und Mathilde ebenso! Und du weißt, dass die Engel und Dämonen nach diesem Tag das Legat erst wieder mit deinem Einverständnis betreten können – außer Hagiel, Kerubiel, und Kats anderen Paten... nicht mal Metatron könnte herkommen wenn du es ihm nicht gestattest!“ Der himmlische Botschafter hatte geseufzt. „Wobei es nett wäre, wenn ich Cassie ab und zu vorbei bringen könnte – und vielleicht auch Selvaggia und Mathilde. Die drei verstehen sich nämlich gut mit Rachel.“ Derek musste lächeln. Seit der himmlische Botschafter verheiratet war und sich Merlin Tyronne SaintCyr nannte um wie sein höllischer Kollege – Lucifer persönlich – einen nennbaren und menschlich erscheinenden Namen zuhaben, war er wesentlich sympathischer geworden. Belial – der Höllenfürst grinste. Derek musste schmunzeln. Er mochte Lucian B., wie der Teufel sich nannte – und freute sich sogar, dass der den Nachnamen Rayne gewählt hatte und sich als sein Cousin vorstellte, wo immer sie gemeinsam auftauchten und er menschlich erscheinen musste – oder wollte.
„Wir dürften übrigens auch einige Artefakte der... ungefährlicheren Art in dem Museumsflügel unterbringen können... immerhin muss die Luna-Foundation ja auch mal wieder Gesicht zeigen – und bei der Gelegenheit könntet ihr auch mal wieder einen Empfang geben.“ sagte Belial. Derek seufzte. „Ich fürchte, ja... ist vielleicht eine gute Idee... Aber lass uns darüber reden, wenn dieser ganze Mist vorbei ist.“ Er wandte sich Metatron zu: „Ich denke, dass lässt sich regeln – zumal Rachel es mir wohl übel nähme, wenn sie ihre Freundinnen nicht öfter sehen könnte. Der himmlische Botschafter lächelte und gab Derek einen – für seine wirkliche Kraft – geradezu sanften Schlag auf den Rücken, der den Legatsleiter von Angel Island allerdings auch schon aufkeuchen ließ. „'tschuldigung...“ murmelte der Seraph. „Schon gut, aber du solltest echt lernen deine Kräfte noch besser zu zügeln.“
Ein wenig unbehaglich sah Derek auf die vielen neuen Computer, die Jophiel mit Euangelion und Astaroth überwachte. Der gefallene Seraph, der sich auch in die alte Liebesgöttin Astarte verwandeln konnte, hatte zwei seiner mit Augen übersäten Flügel erscheinen lassen, was einen etwas gruseligen Eindruck vermittelte, um alle Computer im Auge zu behalten. „Noch keine Anzeichen bis jetzt. Allerdings sind wir in einer halben Stunde am Anfang des Zweistromlands. Die ersten Teams sollten sich bereitmachen! Und es wäre schön, wenn ich mitgehen könnte, Sir, da ich mich dort wohl am besten auskenne...“ Belial nickte dem himmlischen Sekretär aus der Hölle zu. „Ich werde mit Metatron die Computer überwachen – und Euangelion und Jophiel sind ja auch noch da.“ Astaroth neigte dankend den Kopf.
Zu aller Überraschung war es in Europa ruhig geblieben. Kerubiel war nur einmal kurz aufgebrochen um zwei Tieren vorab die Seelen zu entziehen, Gadreel hatte so die erfolgreiche Opferung eins Hahnes verhindert, der in Stonehenge hatte dran glauben sollen. „Ich breche auf, Kerubiel, kommst du mit?“ fragte plötzlich Astarte. Der Cherub nickte, reichte der ehemaligen Göttin die Hand und verschwand mit ihr. Auf den Bildschirmen konnten die anderen Anwesenden verfolgen was geschah. Astarte war wieder zu Astaroth geworden und nun sah man auch, dass offensichtlich nicht nur Tiere in die Flammen geworfen werden sollten, sondern auch zwei verängstigte Frauen. Kerubiel trat von den Menschen vor Ort ungesehen und unbemerkt zu ihnen und erlöste sie. Astaroth hingegen wurde mit einem Zwinkern als Astarte sichtbar und trat hüftschwingend auf einen der Priester zu. „Na mein Süßer, für wen opferst du denn hier so fleißig?“ säuselte die wunderschöne Frau. Der Mann starrte sie an. „Unserem Herrn Moloch!“ sagte er sichtlich interessiert. „Ah... verstehe...“ „Und... meine Kollegen bringen gleich Baal und Mithras ein Opfer. Und danach werden wir in drei Jungfrauen zu Ehren Astartes unseren Samen pflanzen!“ Die Augen des Mannes waren glasig vor Verlangen geworden. Um die Mundwinkel der sinnlichen Frau zuckte es. „Und will Astarte das denn?“ fragte sie. „Moloch sagt, dass sie will...“ flüsterte der Priester. Er stand unter Astartes Bann. „Ah... und wenn ich dir sagen würde, dass Moloch ein verlogener kleiner Bastard ist?“ flüsterte sie nah an seinem Ohr. „Dann... das kann nicht sein...“ ächzte der Priester. Astarte versetzte ihm einen Tritt, der ihn zu Boden schickte. „Oh doch!“ rief sie mit übermenschlicher Stimme. „Denn ich bin Astarte! Lasst mich in Frieden! Rührt die Jungfrauen an und eure Geschlechtsorgane werden verdorrt sein wenn die Erde ihre Umdrehung vollendet hat! Fahrt hier fort und die Rache meines Gebieters Lucifer wird grausam sein, denn ich bin auch Astaroth!“
Der Priester sah sie entsetzt an.
Mit einem  freundlichen Lächeln fügte sie dann mit normaler  Stimme, die jedoch immer noch einen leicht hypnotischen Unterklang hatte hinzu: „Abgesehen davon, dass auch mein Chef, Fürst Metatron, dir ordentlich den Hintern versohlen könnte... dir und deinen kleinen Freunden hier... Haben wir uns verstanden?“ Ängstlich nickte der Priester und auch die anderen Menschen um ihn herum waren erstarrt.
Im Legat musste Metatron grinsen. „Eins muss man dir lassen, Lucifer. Du hattest echt Humor als du Astarte die Möglichkeit gegeben hast sich auf die Weise mit Astaroth zu verschmelzen.“ Cassandra kicherte. „Ich würde zu gern sehen wie diese kleinen Perversen unter der Gürtellinie langsam verschrumpeln...“ Ihr Mann gab ihr einen liebevollen Klaps. „Manchmal bist du wirklich übel rachsüchtig, mein Engelchen.“
Im Zweistromland zerstreute sich die Versammlung hastig, als plötzlich aus dem Feuer drei Gestalten auftauchten. „Astarte!“ brüllte die eine. „Oh, hallo Moloch! Ich denke, es ist Zeit endgültig zu sterben, oder?“ fragte die orientalische Schönheit mit belustigter Stimme, wurde in einem Sekundenbruchteil jedoch zu Astaroth, einem Seraphen auf der dunklen Seite, der ein Schwert hielt und bevor einer der Drei reagieren konnte alle mit dem schwarzflammigen Schwert enthauptete.
„Metatron, Lucifer – wollt ihr beiden euch mit Sobek, Hathor und Anubis auseinandersetzen?“ fragte Euangelion. „Die Aktivitäten in Ägypten verstärken sich.“ Die beiden Seraphim nickten einander zu und verschwanden. Auf dem Bildschirm wurden alle Zeugen wie die beiden ohne viel Geplänkel kurzen Prozess mit den drei altägyptischen Gottheiten machten, die neuen Opferstätten einebneten und – gleichzeitig mit Astaroth, der ebenso für die Zerstörung der neuen Altäre gesorgt hatte – wieder im Legat erschienen.
Cassandra gab dem Sekretär ihres Mannes einen freundschaftlichen Klaps auf den Arm. „Reife Leistung, Schwester!“ meinte sie grinsend. Astaroth zog überrascht eine Augenbraue hoch, lächelte dann jedoch und deutete eine Verbeugung an.
„Ich denke, wir werden jetzt bis zu den amerikanischen Zeitzonen etwas weniger Action erwarten dürfen.“ meinte Euangelion, neben dem sein Kollege wieder seinen Platz eingenommen hatte. Es klopfte an der Tür der Bibliothek. Ein wenig überrascht sah Derek zu Belial. „Was will denn der Pfaffe hier?“ knurrte sein brüderlicher Freund. „Und vor allem – wie kommt der Betbruder hier her?“ fragte Metatron misstrauisch. Vor ihnen erschien Michael. „Er kam mit mir – und zwar hat er – sogar freiwillig – mit dem Priester Acactili die Seele getauscht. Acactili hat entdeckt, dass in Südamerika wesentlich mehr der Chaosgottheiten an dem Aufstand beteiligt sind als bisher angenommen. Er will helfen – Philip Callaghan, meine ich... Acactili hat sich wieder zurückgezogen, aber der Pater ist sofort in die Kapelle gelaufen und hat gebetet, dass Vater euch warnen soll – und daher habe ich ihn hergebracht.“
Mit einem zweifelnden Blick auf den Erzengel ließ Belial die Tür aufschwingen. „Na, dann komm rein, Pfaffe!“ schnauzte er den Mann an. Philip Callaghan zuckte zusammen. „Danke – und ich habe die Begrüßung sicher verdient... ich... es tut mir alles ziemlich leid...“ „Ja, ja...“ die Verachtung für den Priester klang in Belials Stimme deutlich mit. „Sag was du zu sagen hast und dann kannst du wieder in deine kleine Kirche und beten!“ „Ich will helfen! Ich will wirklich helfen! Mir ist – auch durch Acactili – bewusst geworden, wovor Sie mich bewahrt haben und daher... Ich weiß Sie können mich nicht leiden, das haben Sie mir auch klar gemacht. Ich habe Fehler gemacht und die bereue ich, ernsthaft... und...“ „Schwafle nicht rum!” unterbrach Belial ihn ungehalten. Philip seufzte leise. Dann berichtete er von dem, was er von Acactili wusste. „Zwar wurden einige der Chaosgottheiten – und da gibt es mehr als 300 bei den Azteken – schon von den mächtigeren Göttern Mexikos gebannt, aber... auch die haben sich wieder erhoben. Huitzilopochtli und Quetzacoatl versuchen bereits das einzudämmen, aber Tlaloc ist auf der Seite des Chaos und die Priester versuchen die anderen Götter auf ihre Seite zu ziehen indem sie ein großes Opferritual mit Opfern für so ziemlich jede Gottheit vorbereiten.“
„Das hört sich ernst an...“ meinte Metatron nachdenklich. „Du sagst es – sogar sehr ernst... Ich denke, wir zwei sollten uns mal in die Zwischenwelt begeben und mit Huitzilopochtli und Quetzlacoatl reden...“ murmelte Belial. Er wandte sich an Katherine: „Käthchen, Lust deine aztekischen Götterfreunde zu sehen?“ Im nächsten Moment, bevor sie antworten konnte, wurde alles nebelig um sie. Vor ihr sah sie Gestalten, neben ihr standen Metatron und ihre zwei Paten: Michael und Belial.
Die Götter, die Kat noch erkannte waren zum Krieg gerüstet. Alles wirkte unwirklich. Die Gottheiten grüßten die beiden Botschafter und Itzpapalotl schloss Kat - um sie nicht mit ihren mit Obsidianmessern bewehrten Flügeln zu verletzen - vorsichtig in die Arme. „Willkommen meine Freundin.“ Xochipilli und Xochiquetzal, die sie ebenfalls mochten, schlossen sich an und zogen sie dann zu den anderen. Huitzilopochli legte freundschaftlich einen Arm um sie. „Herzlich willkommen, Chalchihuhnenetzin.“ sagte er sanft. „Du willst uns also im Krieg unterstützen?“ Kat schluckte, nickte jedoch tapfer. Er nickte zurück– und im nächsten Moment trug sie eine aztekische Rüstung. Michael lächelte ihr aufmunternd zu, als er merkte, das ihr doch ein wenig beklommen zumute war. „Ich werde meine Adjutanten anweisen auf dich Acht zugeben...“ hörte sie ihn beruhigend sagen – nur zu ihr, über den Pfad der Seraphim. Am Blick ihres anderen Onkels konnte sie sehen, dass auch er und Metatron die Bemerkung gehört hatten.
„Die himmlischen Heerscharen stehen bereit. Wir können jederzeit eingreifen.“ erklärte Michael gerade. Huitzilopochtli nickte nachdenklich. „Wir werden bereit sein.“ sagte der Kriegsgott und die anderen nickten bestätigend. „Wer von euch kommt mit uns um in der anderen Welt, also unserer... die Zeiten zu koordinieren?“ fragte Kat einer Eingebung folgend. Xochiquetzal nickte allen anderen zu. „Ich werde mitkommen.“ sagte sie ruhig und um Kat verschwamm die seltsame Zwischenwelt.
Im Legat tauchten sie wieder auf, Xochiquetzal stand neben ihr. Mit einem anmutigen Kopfnicken grüßte sie alle. „Also das ist...“ mit einem freundlichen Lächeln unterbrach die Göttin Kat und stellte sich selbst vor.
Julien sah bewundernd seine Freundin an. „Du siehst so... kriegerisch aus...“ Unbemerkt von den anderen – außer den Seraphim im Raum – nickten Xochipilli und Astaroth – der zu Astarte wurde – einander zu. „Tja, aber sehr... männlich... und sehr unattraktiv...“ schnurrte die babylonische Göttin und gleich darauf legte sie mit ihrem aztekischen Pendant noch ein wenig Hand an, worauf die Rüstung auch interessante antike Elemente aufwies und wesentlich weiblicher wurde.
„Ich werde mich dann zurückziehen und bleibe mit euch in Verbindung, Metatron, Lucifer, Astaroth, Katherine-Micaela...“ Michael grinste ein wenig als er sah wie Kat eine Augenbraue hochzog und verschwand, als die anderen drei ihm zugenickt hatten.  
Xochiquetzal musterte mit leiser Verachtung Philip Callaghan. „Was will dieser Feigling denn hier? Er hat der Liebe und der Lust entsagt und wegen ihm leidet ein Mann wie Acactili!“ tadelte sie. Belial erklärte ihr kurz die Lage. „Wir müssen zweifellos darüber reden, wie wir Acactili seinen Dienst vergelten...“ dabei musterte er den Priester. „Denn der ist Mademoiselle Charenne sehr zugetan und auch Philip Callaghan hat an beiden etwas gutzumachen!“ Der Priester zuckte zusammen und senkte den Kopf.  „Etwa eine Stunde noch, dann könnten die Rituale losgehen. Das erste Team, das die Opfer entseelt könnte bereits aufbrechen!“ rief Euangelion. Sariel seufzte leise, nickte jedoch Hagiel und Metatron zu und sofort brachen die drei auf.
Die Bildschirme zeigten, dass neue Kinder in den Käfigen saßen. Gerade verabreichten die Priester ihnen vorbereitend Drogen um ihre Sinne zu vernebeln als die Engel unsichtbar hinzutraten und die Seelen befreiten. Die Augen der Opfer wurden sofort glasig und leer. Der Zeiger der Uhr rückte im Legat auf Null Uhr zu. Die Engel machten sich zum Aufbruch bereit. „Katherine... halte dich bitte im Hintergrund. Du hast keine Erfahrung im Kampf mit Flammenschwertern und keiner von uns möchte, dass du dir selbst Schaden zufügst!“ ermahnte der plötzlich wieder neben ihr stehende Michael sie. „Allerdings habe ich meine Adjutanten angewiesen dir hiernach Fechtunterricht zu erteilen – falls ich das nicht selbst erledige... Die zwei werden sich gleich auf dem Schlachtfeld um dich kümmern. Keine Alleingänge, Katherine!“ Sie nickte ein wenig eingeschüchtert durch die Ernsthaftigkeit von einem der wohl mächtigsten ihrer himmlischen Paten.
„Xochiquetzal, wenn Sie dann Ihre Leute benachrichtigen würden?“ sagte der General der Himmlischen Heerscharen. Die Göttin nickte und verschwand. Gleich darauf fand Kat sich zwischen Belial und Michael wieder – und zwischen Huitzilopochtli. Mit grimmigem Gesicht reichte der Kriegsgott ihr aztekische Waffen, doch ihre Paten schüttelten den Kopf und bevor sie wusste wie ihr geschah, hielt sie zwei flammende Schwerter in der Hand – eins gleißend hell und weiß, das andere unheimlich in schwarz, blau und violett züngelnd. „Die sind nur zur Verteidigung, Katherine!“ schärfte Michael ihr energisch ein. Kat nickte. Zwei Engel traten hinzu – seine Adjutanten – denen er mit einer Handbewegung Kat zuwies. Schweigend bezogen die beiden neben ihr Stellung.
Das erste Opfer wurde zum Techcatl gezerrt und der Priester begann mit einem Opfer zu Ehren ausgerechnet Huitzilopochtlis. Wütend wurde der Kriegsgott sichtbar – in all seiner Schrecklichkeit. „Ich verweigere die Annahme dieses Opfers, Priester!“ rief er mit dröhnender Stimme. „Und mit den Heerscharen des Höchsten bin ich gekommen, die Chaosgötter zu vernichten!“ Die Menschenmenge, die sich versammelt hatte, sank zu Boden, während die ersten der Chaosgötter erschienen und lautstark nach ihren Opfern verlangten. Im nächsten Moment wurden die Engel sichtbar. Kat wusste, dass Michael nur seine Elite-Truppen mitgebracht hatte – dementsprechend war ihre Zahl übersichtlich.
Energisch drangen die Engel mit den aztekischen Göttern und den wenigen gefallenen Engeln auf die Chaosgötter ein – und gleichzeitig auf diejenigen unter den Menschen, die sie als Rädelsführer und völlig verdorben ausgemacht hatten. Einer der Chaosgötter kam drohend auf Kat zu. Sofort stellten sich jedoch Huitzilopochtli und einer der Adjutanten schützend vor sie und erledigten gemeinsam den Angreifer. Das Gemetzel kam Kat schier endlos vor.
Sie hörte etwas hinter sich und drehte sich um. Erschrocken stieß sie mit beiden Schwertern zu als sie einen der Priester erkannte, der mit wutverzerrtem Gesicht, „Stirb, Unwürdige!“ kreischend, auf sie zu stürmte. Augenblicklich zerfiel der Mann zu Staub. „Gut gemacht, Chalchihuhnenetzin!“ rief der aztekische Kriegsgott. Von ihren Paten fing Kat ein mentales Lob auf, aber von Michael gleichzeitig auch die Rüge an seine Adjutanten.
Das Feuer am Altar erlosch. Mit einem Schwerthieb zermalmte Belial den Techcatl. Der Boden um den Opferplatz war mit Leichen übersät. Mit grimmigem Gesicht warf Michael einen Blick auf die Seelen der Priester und fanatischen Anhänger der Chaosgötter, die seine Adjutanten gefangen hielten. „Walte deiner Befugnis, Lucifer. Diese Seelen gehören durch das Wort unseres Vaters dir!“ Mit einem Bannspruch verbannte der Höllenfürst sie in sein Reich.
Eine Handbewegung des Heerführers der himmlischen Heerscharen reichte und helles Feuer verzehrte die Leichen zu Staub, der von einem anschließenden leichten Wind davongetragen wurde. Michael dankte den aztekischen Göttern die verschwanden – wobei Huitzilopochtli Kat noch zuraunte: „Du weißt, der Weg zu uns und unserer Welt steht dir jederzeit offen, Chalchihuhnenetzin!“ Zwischen ihren Paten, die die Flammenschwerter verschwinden ließen, erschien sie wieder im Legat. Sie zitterte. „Ich... ich... glaube mir wird schlecht...“ stöhnte sie als ihr bewusst wurde, dass sie gerade einen Menschen getötet hatte. Sofort war Sariel bei ihr. „Katherine, ganz ruhig...“ sagte er beschwichtigend und gleich darauf standen Belial und Michael neben ihnen. „Käthchen, du hast den Willen unseres himmlischen Vaters ausgeführt.“ sagte Belial sanft. Die drei Seraphim ließen ein wenig von ihrer Stärke in sie strömen. „Dein Gewissen ist rein, Kind des Höchsten, deine Seele strahlt in seinem Licht.“ bestärkte Michael sie mit Worten. Kat spürte wie die Wahrheit des Gesagten sich in ihren Gedanken verankerte und sie innerlich zur Ruhe kommen ließ. Ihr Blick fiel auf Derek, der sie seltsam musterte.
„Dad?“ fragte sie leise. Der Praeceptor nahm sie liebevoll in den Arm. „Ach Kat, es ist unglaublich wie stark du bist...“ murmelte er. Tränen der Erleichterung rannen über ihre Wangen. Julien gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. „Ich liebe dich, meine Seraphe.“ raunte er ihr zärtlich ins Ohr. Schüchtern lächelte sie ihren Freund an, während Astaroth mit einer Handbewegung ihre martialische Kleidung gegen ein hübsches, äußerst feminines Kleid ersetzte und ihr belustigt zuzwinkerte.
Noch zwei kleinere Opferstätten mussten vernichtet werden – doch keiner der Chaosgötter war mehr am Leben und so beschränkte sich die Arbeit der Engel auf das Auslöschen der Priester und Menschen, die als Anhängerschaft den Opfern hatten beiwohnen wollen. Als die Uhr die 24 Stunden der Tag- und Nachtgleiche vollendet hatten, dankte Michael Derek Rayne für die Gastfreundschaft. „Ich würde jedoch bitten, meinen Adjutanten in Zukunft genauso wie mir Zutritt zu gewähren, damit Katherine lernt zu kämpfen.“ Derek stimmte mit einem Kopfnicken zu. Der Erzengel verschwand. Sariel nahm Kat in den Arm. „Wann immer du reden willst – und lass deine Mutter besser aus der Sache raus – bin ich für dich da. Sie ist zwar auch stark, aber es belastet sie doch ziemlich, dass du ein Engel im Rang einer Seraphe bist und wir zwei können auf Augenhöhe miteinander reden – trotzdem du sehr jung bist, Katherine, du bist die Lieblingsnichte meines Schwagers, oder Bruders, je nachdem, und ich bin ein Heiler, der auch seelischen Schmerz und seelische Verletzungen behandeln kann.“ Kat nickte ihm dankbar zu. „Ich fühle mich schon besser, danke.“ Sariel nickte sichtlich erleichtert.
„Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich brauche jetzt einen Kaffee und ein paar Bissen von Tillys frischgebackenem Bienenstich!“ rief Hagiel hörbar fröhlich. Euangelion und Kerubiel lachten leise. „Gute Idee!“ meinte Belial und Metatron stimmte ihm zu. Gemeinsam begaben sich alle Anwesenden in das Esszimmer, wo schon ein wenig ängstlich Selvaggia, Mathilde, Cassandra und Rachel mit den Kindern gewartet hatten und nun von ihren Ehemännern – oder Verlobten, im Fall der liebenswerten Köchin aus dem Boulevard – in die Arme geschlossen wurden.
 
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