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Opferspuk

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
26.12.2015
26.12.2015
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26.12.2015 10.007
 
Ein paar Tage nach Neujahr - Kat und Julien hatten noch Ferien - war der Teenager diesmal an einem Samstagvormittag mit ihrem höllischen Patenonkel und Mentor für Zauberei zum Lernen verabredet. Sie hatte die Zeit ausgemacht, da Julien sich heute mit Freunden von der Universität in San Francisco verabredet hatte und ihre Eltern sich einen entspannten Tag mit den Zwillingen gönnten.
Da es in Paris bereits Abend war saßen Selvaggia, Lucifer, Mathilde und Euangelion mit dem kleinen Luciano in der Küche zum Abendessen.
Kat betrat mit Seraphiel zusammen die Küche. "Hallo!" rief sie fröhlich und umarmte sofort ihren höllischen Patenonkel, seine Frau und anschließend den kleinen Luciano. "Wollt ihr mitessen? Es ist genug da." fragte die Köchin. "Danke, sehr gerne Mathilde, deinem wunderbaren Essen kann ich nicht widerstehen." antwortete Seraphiel. Sofort stellte sie zwei gefüllte Teller auf den Tisch.  "Shepherd's Pie - nach dem Rezept von Nimue..." erklärte die Köchin. Kat und Seraphiel nickten ihr dankbar zu.
"Wo ist eigentlich Metatrons, vorübergehend mein Sekretär? Ich glaub Graphiel heißt er, oder?" Der Höllenfürst lachte laut auf. "Ja, so heißt er! Nun, der traut sich nicht her ohne Metatron. Der kleine Engel hat nämlich fürchterliche Angst vor dem bösen Teufel." antwortete er belustigt. "Und vergiss nicht, Chef, furchtbare Angst nicht nur um sein, sondern auch um mein Seelenheil..." fügte Euangelion mit einem Grinsen hinzu. Seraphiel musste ebenfalls lachen. "Na das wird lustig!"  Nach ein paar Minuten brach Kat das Schweigen. "Wann kommen hier in Paris eigentlich die Nachrichten Onkel Belial?" Dieser sah sie verwundert an. "Keine Ahnung. Ich schaue kein Fernsehen, interessiert mich nicht wirklich." "Aber der Fernseher im Wohnzimmer funktioniert?" "Ja, das tut er, ich habe dort erst gestern Abend einen Film gesehen und die Nachrichten kommen in einer halben Stunde." antwortete Selvaggia. "Danke Selvi, Onkel Belial, Seraphiel ihr müsst euch dann beide etwas ansehen. Mir ist da etwas aufgefallen was mir merkwürdig erscheint."
Nach dem Essen folgten die beiden Seraphim zusammen mit Euangelion ihrer Patentochter ins Wohnzimmer und setzen sich  nebeneinander auf das Sofa gegenüber des Fernsehers, während Kat ihn einschaltete. Anschließend setzte sie sich zwischen die zwei. Es lief noch eine Reality-Show bevor die Nachrichten begannen. "Siehst du Käthchen aus diesem Grund schaue ich kein Fernsehen, auf so einen Schwachsinn kann ich echt verzichten. Ich weiß wirklich nicht was die Menschen daran finden, wenn sich andere zu Idioten machen oder vor laufender Kamera... kopulieren oder irgendwelche Dinge machen müssen vor denen sie sich ekeln!" Sie lächelte. "Ja, das schaue ich ja auch nicht, aber manchmal kommen echt gute Filme. Hast du da noch nie einen Film angeschaut?" fragte sie etwas verwundert. "Doch, das letzte Mal vor einer Weile mit Selvi, wobei sie geschaut hat und ich habe nebenher gelesen." Gab er zu. "Ich sehe schon, wir müssen mit Selvi und dir echt mal ins Kino..." murmelte zu seiner Überraschung Seraphiel. "Da den Bericht meine ich!" rief Kat.
"Weltweit häufen sich Ritualmorde. Es werden in verschiedenen Ländern der Erde Opfer bei sogenannten Opferritualen getötet. Es handelt sich nur in bisher noch in keinem der Fällen um Menschenopfer. Meistens werden Tieropfer dargebracht - neben Brot, Früchten und ähnlichem. Die Polizei ist sich nicht sicher um welche Art von Ritualen es sich handelt und warum sie ständig zunehmen. Es wird vermutet, dass es sich um satanische Rituale handelt. Die Polizei ermittelt weiter."
"Typisch - es werden Opferrituale entdeckt und gleich muss es  satanisch sein!" sagte Lucifer genervt. "Das ist ja gar nicht sicher. Wir wissen, dass du keine Opfer verlangst, beziehungsweise seit die Botschaft existiert den Praktiken der Satanisten einen energischen Riegel diesbezüglich vorgeschoben hast... aber die Menschheit denkt halt immer erst in diese Richtung." versuchte Seraphiel seinen aufgebrachten Bruder zu beruhigen. "Ja, denn so einen Quatsch brauche ich nicht. Bringt mir doch nix wenn jemand meint mir irgendein Opfer bringen zu müssen, das reicht vollkommen wenn sie einen ohnehin verkommenen Charakter haben um einen Platz in der Hölle zu kriegen!"  rief Belial empört. "Beruhige dich, wir gehen der Sache auf den Grund. Kat hat schon recht, das ist ungewöhnlich, dass sich das in letzter Zeit so häuft und dann auch noch weltweit." antwortete Seraphiel. Er wirkte nachdenklich.
Graphiel!" rief Seraphiel den Sekretär in Gedanken. "Erscheine bitte mal im Wohnzimmer!" Dieser zuckte im ersten Moment zusammen, erschien aber unverzüglich. Wobei er aber sofort zurückwich, als er merkte, dass er direkt neben dem Höllenfürst aufgetaucht war. Kat und Seraphiel konnten sich ein Lachen nicht verkneifen. Der Engel nickte dem himmlischen Seraphim und Kat freundlich zu und bedachte Lucifer mit einem ängstlichen Nicken als Gruß. "Na, weit genug weg von mir? Aber glaubst du wirklich das nutzt dir was?" fragte der süffisant. Graphiel schluckte. Seraphiel verkniff sich freundlichkeitshalber ein weiteres Lachen.
"Graphiel, du kennst mich ja schon. Ich bin Seraphiel und bin während der Abwesenheit von Metatron seine Vertretung. Ich hoffe wir arbeiten in der Zeit gut zusammen. Ich habe dich hergerufen, weil Katherine uns auf etwas Ungewöhnliches aufmerksam gemacht hat." Kat schaltete jetzt auf einen Nachrichtensender, bei dem ständig Nachrichten und politische Berichte gesendet wurden oder in einem Blog am unteren Bildschirm vorbeiliefen. "Da unten steht es nochmal solange noch keine Nachrichten kommen." erklärte der Teenager. Der Engel las und hob die Augenbrauen. "Wir haben beschlossen uns darum zu kümmern, da es sich über die ganze Welt zu verbreiten scheint." erklärte Seraphiel. Der Engel nickte mit sichtlicher Angst vor Belial, aber auch mit Erleichterung, dass Seraphiel da war. Euangelion räusperte sich. "Vielleicht könnten Graphiel und ich schon mal die Nachrichten weiterverfolgen um sofort mitzubekommen ob neue Fälle dazukommen, außerdem könnte ich mich mal bei den jeweiligen  Polizeidienststellen erkundigen, was die bereits wissen." schlug der dienstbeflissene Engel vor. "Mach das. Kat und ich... beziehungsweise Kat möchte erst mal ein wenig lernen." zwinkerte er seinem Sekretär zu. "Ich werde Kaffee, Tee und Kuchen mitbringen, wenn ich komme, Chef. Tilly hat gerade frischen Zitronenkuchen gebacken." meinte der.
Während Belial sich mit Kat in sein Arbeitszimmer zurückzog, begab sich Seraphiel in Metatrons Arbeitszimmer um nachzudenken.
"Aber das machen wir sobald wie möglich, mal mit Seraphiel ins Kino gehen. Du wirst sehen so sind Filme richtig toll! Mum und Dad passen bestimmt liebend gerne auf Luciano auf!" rief Kat plötzlich begeistert. Belial atmete einmal tief ein und sah seine Patentochter streng an. "Dass du immer beim Lernen mit irgendwelchen anderen Dingen anfangen musst. Konzentriere dich bitte auf deine Arbeit!" befahl er seiner Schülerin. "Gut, wenn du verspricht mit uns ins Kino zu gehen!" "Käthchen. Das ist keine Option für dich mich vor die Wahl zu stellen, nach dem Motto: Wenn du versprichst mit ins Kino zu gehen, dann lerne ich weiter." seine Stimme klang nach wie vor streng. Sie nickte sofort und widmete sich wieder dem Grimoire, als er sie spüren ließ, dass er sie notfalls dazu zwingen könnte und würde.
Nach dem Lernen verzog sich Kat zu ihren Freundinnen Selvaggia und Mathilde in die Küche, da Belial meinte er müsse noch etwas höllischen Papierkram erledigen, den er nicht aufschieben könne.  
Fünfzehn Minuten später klopfte es an die Tür. "Herein." Seraphiel trat ein. "Was gibt es Seraphiel?" wollte der Höllenfürst wissen. "Ich habe nachgedacht und... ich denke wir sollten uns mal bei der Pariser Polizei erkundigen ob nicht schon irgendwo hier in der Nähe auch so Opferfälle aufgetreten sind um dort dann vor Ort mehr zu erfahren. Belial nickte nachdenklich. "Lucifer? Ist alles in Ordnung?" Er nickte noch einmal. Seraphiel lächelte ihn freundlich an. "Na komm schon, ich denke wir sind über den Punkt des Nichtvertrauens hinaus, Lucifer und ich habe dir ehrlich und aufrichtig meine Freundschaft angeboten. Und ich weiß, dass du momentan nicht ganz aufrichtig zu mir bist, Großer." Lucifer gab es zu und nickte. "Das hat jetzt nichts mit Vertrauen zu tun Seraphiel. Ich rede einfach nicht gerne über mich selbst. Und ich bin es nicht gewohnt, dass sich plötzlich... um mich gesorgt wird. Aber gut... einen Teil kann ich dir erzählen. Es ist mir manchmal ganz schön viel, so viel Kontakt zu Menschen zu haben. Vor allem seit ich mit Selvi zusammen bin. Mir war vorher eigentlich gar nicht bewusst..., dass doch so viele Menschen hier arbeiten und ich so gesehen ja ihr Chef bin. Und mir war neu, dass Selvi mit sehr vielen von denen befreundet ist. Manchmal wird mir das echt zu viel, wie zum Beispiel die Tage kurz nach Lucianos Geburt. Ich kam mir vor als säße ich in einem Taubenschlag, ständig kam jemand vorbei, es wurde etwas abgegeben oder das Telefon klingelte."
Seraphiel lächelte. "Kann ich verstehen, aber da siehst du mal wie beliebt deine Frau im Boulevard ist und auch du. Ich denke, dass du auch ganz schön an Beliebtheit gewonnen hast. Und du hast einen Vorteil Lucifer den keiner von uns in diesem Ausmaß besitzt." Er sah ihn fragend an. "Du hast viel mehr Erfahrung mit Menschen umzugehen als jeder von uns und du besitzt eine Menge Charme mit dem du jemanden ganz schön um den Finger wickeln kannst wenn du es darauf anlegst." Lucifer zwinkerte dem Erzengel etwas arrogant wirkend zu.
"Und was wäre das andere, was dich bedrückt?" Der Fürst der Hölle senkte den Kopf und rieb sich mit der Hand über die Augen. "Das kann und werde ich dir nicht erzählen. Es geht um Höllengeschäfte, die ich mit Sicherheit mit niemandem von euch teilen werde. Das wäre selbst für dich, Metatron, Michael und so weiter zu viel. Selbst Vater mischt sich nicht in meine höllischen Angelegenheiten ein, auch wenn er es ertragen kann, denn irgendwie schafft er ja alles... könnte ich es nicht ertragen in dem Wissen..., dass er mitmischt. Ihr würdet es jedoch nicht aushalten, seelisch... deshalb habe ich auch jede Hilfe von Euangelion abgelehnt. Es ist nicht leicht, Seraphiel, in dem einen Moment etwas... Schreckliches in der Hölle zu machen und im nächsten Moment umzuschalten weil ich hier bei euch bin. Und kurz bevor du kamst war es wieder so. Ich musste etwas machen was selbst für mich... schwierig war. Keinem von euch ist bewusst was dort wirklich geschieht in der Hölle, aber das ist auch gut so. Wenn ich wieder mal das Gefühl habe, dass es mir zu viel wird dann zieh ich mich in Zukunft auch gleich nach Kanada zurück um abzuschalten, versprochen."
Seraphiel wirkte nachdenklich. "Aber wenn es so schlimm ist... ich meine Vater hält immer noch sehr viel von dir und ich weiß, dass er dich... sehr liebt du bist immerhin das was man bei den Menschen den erstgeborenen Sohn nennt. Er würde dich mit Sicherheit zurücknehmen und dir eine Chance geben." Lucifer lachte laut. "Das würde nicht gutgehen, Seraphiel, auch wenn ich es wollte. Dazu bin ich schon zu lange der Fürst der Hölle. Erstens: Genieße ich es in meinem Reich das Sagen zu haben. Zweitens: Ich wäre zu hart, zu fies um wieder ein Engel zu sein. Drittens: Ich genieße zwar die Privilegien die mir Vater wieder eingeräumt hat, teilweise sind sie auch sehr von Nutzen für die Arbeit in der Botschaft, aber ich fühle mich dort nicht so ganz wohl auch wenn ich es ertragen kann." "Du meinst... die Gotteshäuser und... den Himmel?"
Er nickte. "Ja, ich fühle, dass ich zwar von Vaters Seite aufrichtig dort willkommen bin... aber... es ist nicht mehr meine Welt. Zumal ich ohnehin öfter auch im Himmel bin wenn es erforderlich ist und euch habe ich auch ständig um mich." lachte er. Seraphiel lachte ebenfalls. "Danke für dein Vertrauen Lucifer, das du mir entgegengebracht hast und mir einen Teil davon erzählt hast, das bedeutet mir sehr viel. Und ich hoffe du weißt was immer du in der Hölle machst... Wir und Vater nehmen es dir nicht übel. Und dass es so heftig ist, wusste ich nicht. Wenn  du... ich meine wenn es zu hart wird und du jemanden zum reden brauchst, in höllischen Angelegenheiten, kannst du dann..." " ...mit Samyaza und Paymon reden, ja. Beide sind mir Freunde, denen ich bedingungslos vertrauen kann. Sie wissen auch immer was in der Hölle vorgeht, seit ich ihnen sozusagen einen Großteil höllischer Aufgaben überlassen habe." Seraphiel lächelte ihn freundlich an. "Das ist gut. Wenn du also mal jemand zum reden brauchst, jetzt wo du schon sehr offen mir gegenüber warst... ich bin jederzeit für dich da, Lucifer. Oder einfach mal Spaß haben... unter Menschen gehen, was trinken... ich finde das zwischendrin ganz amüsant." zwinkerte er und verschwand.
Unterdessen sahen Selvaggia und Kat in der Küche begeistert die Zeitung durch. Kat hatte sie sofort aus dem Briefkasten geholt und ihre Eltern gefragt ob sie morgen Vormittag auf Luciano aufpassen könnten. Diese hatten sofort freudig zugestimmt. "Was lest ihr denn da so angeregt?" erkundigte sich Seraphiel als er die Küche betrat. "Wir schauen ob morgen Abend ein guter Film im Kino läuft. Selvi war von der Idee ganz begeistert und wir sind uns einig, dass wir Onkel Belial bei solchen Dingen vor vollendete Tatsachen stellen müssen. Da es morgen Vormittag hier Abend ist und bei uns Sonntagvormittag - geht das und wir können ohne Probleme gehen. Meine Eltern haben nichts dagegen wenn Julien und ich morgen mit euch fortgehen." Der Seraph lächelte. "Sehr schön, sagst du es Lucifer?" fragte er die Sechzehnjährige. "Das mache ich!" sagte Selvaggia sofort. Sie erhob sich und machte sich sofort auf den Weg zu dem Arbeitszimmer ihres Mannes.
Dieser seufzte kurz als es erneut an der Tür klopfte. "Ja!" kam die etwas gereizte Antwort. "Hallo Schatz, warum bist du so gereizt?" erkundigte sie sich besorgt. "Weil ich versuche diesen mistigen Papierkram zu erledigen und ständig gestört werde!" entfuhr es ihm ungewollt barsch. "Oh entschuldige Selvi, ich wollte dich nicht so anfahren. Es tut mir leid. Ich war schon wieder mal zu aufbrausend." entschuldigte er sich sofort als er sah dass seiner süßen Hexe ein Träne über die Wange kullerte. Er legte seinen Stift beiseite und rief sie zu sich. Er zog sie auf seinen Schoß und küsste sie zärtlich. "Hattest du deine höllischen Angelegenheiten nicht  an Samyaza und Co. abgegeben?" erkundigte sie sich. "Doch, aber ein paar Dinge muss ich selbst erledigen und da ich das die letzten Monate  ziemlich vernachlässigt habe ist auch da jetzt einiges zusammengekommen. Was wolltest du denn?"
Sie sah ihn etwas verlegen an. "Also wir wollten gerne morgen Abend ins Kino gehen mit dir, also..." Er lächelte belustigt. "Ich weiß, aber wohl eher Seraphiel. Der Vorschlag kam von ihm. Und du und Käthchen ihr stellt mich jetzt vor vollendete Tatsachen, da ich es ihr vorher nicht versprochen habe." Die Hexe kaute auf ihrer Unterlippe herum und sah verlegen zu Boden. "Also gut, gehen wir morgen Abend ins Kino. Und Luciano?" "Wird bei Derek und Rachel sein." Er umarmte die schöne Frau auf seinem Schoß liebevoll und küsste sie diesmal sehr leidenschaftlich. Er ging dabei sogar einen Schritt weiter und fuhr mit einer Hand unter ihre Bluse. Sie schob seine Hand zurück. "Nicht hier und jetzt. Lass uns das machen wenn wir alleine sind, in unserem Haus in Venedig." zwinkerte sie ihrem Mann verführerisch zu ehe sie sich aus seiner Umarmung löste um wieder in die Küche zu gehen.
Mit einen leisen Seufzen sah Belial dem anmutigen Hüftschwung seiner Frau hinterher. Sie drehte sich noch einmal mit einem aufreizenden Lächeln zu ihm um bevor sie sein Arbeitszimmer verließ. Leise fluchend warf er seine Schreibfeder auf den Schreibtisch. Seine Frau hatte sehr erotische Bedürfnisse geweckt und sich jetzt noch zu konzentrieren war reine Illusion. Frustriert atmete er durch um sich zur Disziplin zu zwingen, dann machte er sich lustlos wieder an die komplizierteren Fakten, die er an sich sonst im Schlaf erledigte – schon seit Jahrtausenden. Mit Mühe gelang es ihm diesmal wenigstens das Nötigste zu machen. Zu seinem eigenen inneren Entsetzen ertappte er sich dabei, wie er darüber nachdachte, ob er nicht doch noch ein wenig von der Arbeit, die ihm im Laufe der letzten zwei Jahre immer lästiger geworden war, auf Euangelion abwälzen könnte... Immerhin hatte der sich ja angeboten... Er klappte mit einem Seufzer die Unterlagen zu und ging in die Küche, wo Seraphiel mit Sealthiel, Julien, Kat, Mathilde, Euangelion und Selvaggia saßen, die gerade Luciano die Brust gab.
Ein kleiner Stich von Eifersucht überkam ihn, doch dann sah er, dass die beiden Seraphim und Euangelion sich gar nicht darum kümmerten und Julien ohnehin nur Augen für seine Freundin Kat hatte. Vorsichtig setzte er sich neben seine Frau und lächelte sie und seinen Sohn an.  
„So, ihr kleiner Verschwörer-Club, welcher Film ist es der auf dem morgigen Programm steht?“ fragte er beiläufig. „Der neuste James Bond, Onkel Belial. Selvi wollte etwas Romantik und du stehst wahrscheinlich mehr auf Action... wir dachten, das wäre vielleicht die ideale Mischung.“ „James Bond... aha...“ Seraphiel grinste. „Wird dir gefallen, Großer, nur Mut.“ meinte er.  
Euangelion verabschiedete sich freundlich. Er habe noch zu tun. Belial nickte ihm zu und wandte sich an Seraphiel. „Wieso wisst ihr, du und Sealthiel, eigentlich was Kino ist und alles?“ Die Seraphim grinsten ihn an. „Weil wir schon ab und zu mit Kat, Julien und deren Freunden im Kino waren.“ meinte der himmlische Interimsbotschafter. „Ich gehe als Sean Thiel, einer von Juliens Kumpels und Seraphiel als ihr Cousin väterlicherseits namens Seraphim Corrigan. Ist immer lustig mit den Kids... wir haben immer Spaß und die Eltern fragen immer schon ob wir mitkommen, denn auch wenn wir uns vom Aussehen her altersmäßig angleichen – wenn wir dabei sind wissen die Eltern, dass nichts passiert.“ „Typisch, Papas Musterknaben geben die Anstandswauwaus...“ schnaubte Belial belustigt.
Seraphiel grinste. „Wir werden echt Spaß haben, Lucifer. Ich glaube, ich freue mich auf diesen Monat in dem ich Metatron vertrete. Ich kann von dir eine Menge lernen.“ „Ach ja? Wobei... mich würde ja wirklich interessieren, wann...“ murmelte Belial. „Wann was?“ Belial grinste Seraphiel an. „Das behalte ich vorerst für mich...“
Die drei Seraphim stutzten plötzlich und sahen einander irritiert an. „Metatron?“ fragte Sealthiel überrascht. „Okay... in Kuala-Lumpur, wo die beiden gerade mit dem Kreuzfahrtschiff vor Anker liegen, ist es gerade kurz nach zwölf nachts... Cassie schläft schon, aber es gab ähnliche Ereignisse wie die, von denen in den Nachrichten berichtet wurde...“ erklärte Seraphiel. Er sah plötzlich sichtlich entsetzt aus – und Kat wusste, dass Metatron über den mentalen Pfad, der die Seraphim miteinander verband, Bilder schickte. Sie wollte versuchen sich einzuklinken, doch ihre beiden Paten hinderten sie instinktiv daran.
In den Augen der beiden Seraphim las Kat Entsetzen, während ihr Lieblingspatenonkel höchstens angewidert aussah. „Ich glaube, das muss ich mit Derek diskutieren – das ist eher ethnologisch und Ethnologie hat es mir nie so angetan... ist – ähnlich wie Theologie – eine ziemlich brotlose Kunst...“ murmelte er. „Was sollte Dad darüber wissen?“ fragte Kat überrascht. „Opferriten sind beides, Käthchen – sie haben genauso religiösen wie auch völkerkundlichen Charakter. An sich ist dein Vater damit also... ziemlich gut geeignet bei diesem Fall zu helfen... eigentlich ist er sogar ideal... Wobei ich dann wohl Satanael bitten müsste auf ihn Acht zu geben und die... richtig... hässlichen Sachen vor ihm zu verbergen...“
„Du weißt, dass Derek das nicht wollen würde...“ meinte Sealthiel. „So gut habe ich ihn schon kennen gelernt... und er ist stärker als ich anfangs dachte...“ „Wenn es in Südamerika mit diesen Opferriten anfängt... ich denke, dann sollten wir auch Nick Boyle Bescheid geben... Die Nähe zu Yolotli hat ihn sehr viel stärker gemacht, ebenso wie Derek durch die Freundschaft und die brüderliche Verbundenheit mit dir sehr viel an Stärke gewonnen hat.“ Belial nickte. „Ja, ich glaube, das wäre gut. Nick leitet schließlich die Security der Botschaft...“ meinte Seraphiel.
„Sollten wir Nachforschungen anstellen? Ich meine... die Ruinen der Maya-, Inka- und Aztekenstädte kontrollieren? Wir würden dann sehen, ob sich dort die Rituale... wiederholen...“ murmelte Julien. „Vielleicht keine schlechte Idee.“ antwortete Seraphiel nachdenklich. „Würdest du das gegebenenfalls mit Graphiel kontrollieren?“ Julien nickte. „Lucifer, würdest du auch beispielsweise Satanael oder einen deiner anderen Diener schicken um die beiden zu unterstützen?“ Belial nickte. „Gut, dann würde ich sagen, dass unser Trio in zwei Stunden „marschbereit“ sein sollte – passt das?“ Seraphiel sah in die Runde. Julien und Belial schauten einander an, dann nickten sie. „Graphiel!“ rief der Interimsbotschafter und sofort erschien der Sekretär. Als er Belial sah, quiekte er ängstlich auf und huschte an die andere Ecke der Küche. „Ihr habt mich gerufen, Fürst Seraphiel?“ sagte er unterwürfig und warf dem Höllenfürsten dabei ängstliche Blicke zu.
„Graphiel, du wirst dich mit Juliel und einem von Lucifers Dienern auf den Weg nach Südamerika machen um dort alle antiken Städte zu kontrollieren. Wir müssen wissen, ob es dort irgendwelche Vorfälle gegeben hat.“ „Mi... mi... mit einem von den Höllen... Herr, Fürst, Seraphiel, bitte nicht...“ stotterte der Engel ängstlich. „Graphiel! Reiße dich zusammen!“ fuhr Seraphiel ihn an. „Ich brauche einen Sekretär, Graphiel! Einen auf den ich mich verlassen kann und kein ängstliches Hühnchen! Nimm dir ein Beispiel an Euangelion! Der geht selbst mit Lucifer locker um!“ „Herr, Fürst... habt ihr eine Ahnung, eine Vorstellung wie nah der unselige Euangelion an der Höllenpforte steht?!“ meinte Graphiel entsetzt. „Buh!“ rief Belial und lachte, als der Sekretär des himmlischen Botschafters aufkreischte.
„Ich werde Yomyael und Jetrel mitschicken...“ sagte Belial als Seraphiel ihm einen strengen Blick zuwarf. „Das war jetzt wenig hilfreich, Lucifer!“ „Was ist? Guck dir diese Memme doch einfach an!“ verteidigte der Höllenfürst sich und stand auf. „Ich muss meine Arbeit weitermachen. Buchführung erledigt sich nicht von selbst.“ Er warf Graphiel einen verächtlichen Blick zu und verließ die Küche in der zwei Gestalten auftauchten. „Fürst Seraphiel, ich bin Yomyael, das ist Jetrel. Fürst Lucifer schickt uns. Wir sollen mit den Engeln Juliel und Graphiel Nachforschungen anstellen!“ Jetrel musterte Graphiel, der sich immer noch in der Ecke herumdrückte. „Ist das dieser Juliel? Der Name kommt mir nicht bekannt vor...“ fragte er spöttisch. „Nein, ich bin Julien-Noel Dubois – oder als Dynameis Juliel. Der Engel dort, der gerade ein paar Courage-Probleme hat ist Graphiel, der Sekretär des Himmlischen Botschafters...“ stellte Julien sich vor. „Brauchen wir irgendwas oder hat Lucifer irgendwelche Anweisungen an euch gegeben?“ Jetrel und Yomyael musterten ihn interessiert. „Julien-Noel? Oh, du bist der Verlobte von Fürstin Lucia, der Patin von Prinz Luciano?“ meinte Yomyael lächelnd. Die beiden gefallenen Engel verbeugten sich vor Selvaggia. „Herrin, zu Euren Diensten. Wann immer Ihr Hilfe mit dem kleinen Luciano braucht, ruft und wir werden kommen.“ versicherte Jetrel. Er machte eine Handbewegung und eine bunte Rassel erschien in seiner Hand.
Selvaggia lächelte. „Ich danke Ihnen, Jetrel.“ sagte sie, leicht errötend. „Herr, Fürst... Seraphiel... bitte, Ihr wollt mich doch nicht wirklich mit diesen zwei brutalen niederträchtigen Gefolgsleuten Lucifers und einem neuen, nicht wirklich hundertprozentigen Engel wie Juliel losschicken?!“ jammerte Graphiel „Oh doch, genau das will ich! Und was heißt „nicht wirklich hundertprozentigen Engel“? Jammerst du weil Juliel auch als Mensch leben kann, in seiner normalen Zeitspanne und seinen freien Willen hat? Du wirst gehorchen, Graphiel! Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie Metatron es mit dir aushält!“ antwortete Seraphiel ungewöhnlich kühl, wie Kat es von ihrem Paten und Schutzengel nicht kannte.
Belial betrat sein Arbeitszimmer und erstarrte. An seinem Schreibtisch saß Euangelion über seiner Buchführung. „Würdest du mir sagen, was du meinst gerade zu tun?“ fragte er seinen Sekretär gefährlich leise. „Dir Arbeit abnehmen, Chef und ganz nebenbei... du hast zwei Fehler in der Berechnung gemacht. Abgesehen davon... wieso berechnest du die Leistung der Fusionsgeneratoren überhaupt? Du hast den einen oder anderen ehemaligen Dynameis der dir jede Leistung magisch einstellen kann und auch du selbst bist nicht an Naturgesetze gebunden! Außerdem habe ich die „Abholliste“ für sündige Seelen und die „Entlassungsliste“ für die Fegefeuer-Seelen angelegt und schon mal die „Entlassungspapiere“ für selbige vorbereitet und die Ankunft der reuigen Sünder im Himmel ebenso.“ Belial fiel sichtlich die Kinnlade herunter. „In gerade mal 20 Minuten?!“ fragte er verblüfft. Euangelion zuckte mit den Schultern. „Ich habe nicht viele Talente, Chef, aber Buchführung und Verwaltungsarbeit ist etwas was mir liegt. Und bevor ich es vergesse: Ich habe mich mit den Aufnahmekapazitäten der einzelnen Höllenbereiche auseinandergesetzt und würde vorschlagen Bereich 1403 zu vergrößern. Die Bestrafung in diesem Bereich scheint... effektiv zu sein – zumindest den Quoten der Reuigen nach zu urteilen.“ Belial lachte leise. „Meine Güte, Euangelion, du verblüffst mich, allen Ernstes...“ murmelte er. „Wieso? Weil ich in deinem Dienst gelernt habe, dass die Welt nicht aus Schäfchenwolken und Zuckerguss besteht? Weil ich nicht mehr so ein Weichei bin wie Graphiel? Weil ich Zahlen nüchtern ohne Emotion analysieren kann?“ fragte der Sekretär herausfordernd. Belial schüttelte den Kopf. „So eine Memme wie Graphiel bist du nie gewesen, Euangelion.“
Am Abend betraten nach Lucifers "Herein." Selvaggia, Seraphiel, Sealthiel, Kat und Julien sein Arbeitszimmer. Lucifer und Euangelion saßen nebeneinander am Schreibtisch und waren in die Arbeit vertieft. "Auf geht’s Lucifer, wir müssen los, wenn wir den Film von Anfang an sehen wollen." lachte Seraphiel. "Ist es schon so spät? Ich habe über die Arbeit völlig die Zeit vergessen." Der Höllenfürst lächelte und erhob sich. Seraphiel der gut im beobachten war fiel auf dass sein höllischer Bruder nicht wirklich begeistert zu sein schien. "Chef du kannst guten Gewissens gehen, ich erledige den Rest für dich und lege dir die Unterlagen dann zur Durchsicht und zum Unterschreiben auf deinen Schreibtisch." erklärte Euangelion. Da sie zu sechst waren und in einem Auto nur fünf Personen Platz hatten, fuhren sie sehr zum Leidwesen Lucifers mit der Metro, da Selvaggia, Kat und Julien sich wünschten wie Menschen auszugehen. Lucifer fühlte sich in der Metro ziemlich unwohl. Er hasste es öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.
Im Kino angekommen, folgten Lucifer, Selvaggia und Seraphiel den beiden jungen Leuten, die sich hier offensichtlich bestens auskannten. Lucifer  bezahlte die Karten und das Popcorn und die Cola von dem Kat behauptete das gehöre zu einem Kinobesuch dazu.
"Und wie hat dir der Film gefallen, mein Schatz?" wollte Selvaggia von ihrem Mann wissen, als sie das Kino verlassen hatten. "War ganz gut. Zumindest besser als die Romantikschnulzen die du dir sonst anschaust." Sie grinste ihren Mann an. "Jedem das Seine, meinst du nicht? Und was unternehmen wir jetzt noch? Ich denke, dass Luciano lieb und brav schläft, wir sollten es also ausnutzen und noch irgendwas unternehmen." bat Selvaggia ihren Mann. "Und was schwebt dir so vor meine Süße?" Sie lächelte ihren Mann an und schmiegte sich an ihn. "Weißt du eigentlich dass ich es damals geliebt habe mit den Schlittschuhen über das Eis zu gleiten? Ich hätte das..." Lucifer unterbrach seine Frau. "Ja Selvi, das wusste ich." "Ich würde gerne in das Eisstadion gehen. Und ein paar Runden drehen, man kann dort Schlittschuhe ausleihen." "Au ja!" rief Kat begeistert. "Das macht riesig Spaß und ihr müsst alle mitfahren." freute sich die Sechzehnjährige über den Wunsch ihrer Freundin. Die drei Seraphim sahen sich an. Sie dachten alle das Gleiche, nämlich dass sie sich jetzt wohl ganz schön blamieren würden, denn keiner von ihnen hatte jemals einen  Fuß auf das Eis gesetzt.
"Na dann auf geht's zum Eislaufen, folgt mir ich weiß wo sich das schönste Eisstadion der Stadt befindet. sagte der Theologiestudent begeistert, nahm seine Freundin an der Hand und rannte zur nächsten U-Bahnstation. Belial ergriff die Hand seiner Frau. "Na dann, auf geht´s." seufzte er leise. Sie folgten den beiden jungen Leuten, ebenso Seraphiel und Sealthiel.
Die beiden Frauen bestanden darauf, dass sich alle Schlittschuhe ausliehen. So kam es, dass der Höllenfürst und seine beiden himmlischen Brüder das erste Mal auf Schlittschuhen standen.
"Na komm schon, es macht echt Spaß." lachte Selvaggia, nahm die Hand ihres Mannes und führte ihn langsam über das Eis. Sie drehten eine langsame Runde. "Dafür dass du noch nie gefahren bist machst du es schon sehr gut." Bei einer weiteren Runde stürzte er jedoch. Beim Versuch ihren Mann zu halten stürzte Selvi ebenfalls, nur dass sie weich fiel, da sie auf ihn fiel. Sie lachten beide, dann zog Lucifer sie an sich und begann sie leidenschaftlich zu küssen. "Ich liebe dich Selvi." flüsterte er. Da sie auf ihm lag konnte sie seinen Herzschlag spüren, der eindeutig zu schnell war. "Ich würde dich am liebsten auf der Stelle vernaschen." hauchte er ihr ins Ohr. Sie errötete.
"Später mein Schatz, gehen wir doch in dein Blockhaus in Kanada, wir könnten wieder vor dem Kamin... schlafen." hauchte sie ihm zärtlich ins Ohr und blickte ihn verführerisch an. "Und jetzt hoch mit dir, das Eis ist kalt und du zitterst schon vor Kälte. Vielleicht sollten wir mal einkaufen gehen und zu deinem schicken Wintermantel auch noch ein paar Handschuhe besorgen." kicherte die Hexe als sie seine kalte Hand erneut nahm um weiter zu fahren. Auch Sealthiel und Seraphiel hatten ihren Spaß, ebenso wie Julien und Kat.
Derek und Rachel schauten sich im Fernseher gerade eine Nachrichtensendung an. Die Heimkehrer begrüßten die beiden fröhlich. Derek sah seinen Freund jedoch besorgt an. „Wusstet ihr davon? In den Ruinen von Yucatan, Copán, El Petén und Tabasco wurden Nachweise für Opferungen gefunden... und auch in einigen Ecken von Mexico-Stadt – das auf den Ruinen von Tenochtitlan... gebaut wurde...“ sagte er leise. Seraphiel legte dem Praeceptor eine Hand auf die Schulter. „Derek, wir sind an dem Fall dran. Wir hatten gehofft, dass wir auf deine Mitarbeit und dein Fachwissen als Anthropologe zählen können.“ Derek räusperte sich. „Natürlich. Die Legate sind natürlich auch daran interessiert. Ich habe schon mit Dr. Meier aus Berlin geredet. Es gab offenbar ein Opferritual nach altgermanischem Vorbild im Spreewald. Er war beunruhigt – ebenso wie ich... wenn auch aus anderem Grund...“ Seraphiel lächelte freundlich. „Danke, Derek. Und du weißt, du hast nicht nur Lucifer als Stütze an deiner Seite sondern auch Sealthiel und mich.“ sagte er freundlich. Derek nickte nur. Es war deutlich zu sehen, dass ihm dieser Fall bereits jetzt nahe ging. „Du bist stärker als du glaubst, Kleiner.“ Belial klang ein wenig streng als er das sagte.
„Julien und Graphiel waren mit Lucifers Dienern Jetrel und Yomyael in sämtlichen südamerikanischen Ruinen und haben dort nachgeforscht. Metatron hat aus Kuala Lumpur Beunruhigendes gemeldet. Wir wollten uns heute Abend zusammensetzen und die Berichte zusammentragen und hatten gehofft, dass du dabei bist.“ meinte Sealthiel. Derek nickte. „Dann gehen wir wohl besser in mein Arbeitszimmer...“ murmelte Belial. „Um Graphiel in Angst und Schrecken zu versetzen?“ fragte Seraphiel fast belustigt. „Er muss es schließlich lernen! Keiner von euch beiden, Metatron und dir, kann so einen Waschlappen als Sekretär gebrauchen! Und Euangelion, den gebe ich nicht mehr her! Der Bursche ist klasse!“ Um die Lippen des Interimsbotschafters zuckte es. „Euangelion war für Gabriels Geschmack zu zahlenfixiert und zu „kleinlich“... ehrlich gesagt, darum hat er ihn dir aufs Auge gedrückt.“ sagte er belustigt. Belial zuckte mit den Schultern. „Sein Verlust ist mein Gewinn.“ meinte er. „Und Euangelion hat schon gesagt, dass er den Job bei mir mag und bleiben will. Und Graphiel, diese Memme, gewöhnt sich an mich oder Metatron muss um einen anderen Sekretär nachsuchen.“ Seraphiel grinste.
„Graphiel!“ rief er. Sofort erschien der Sekretär und mit einem leisen Wimmern versteckte er sich hinter Sealthiel. „Wir treffen uns in fünf Minuten in Lucifers Arbeitszimmer, Graphiel!“ sagte Seraphiel streng. Der Sekretär zuckte zusammen. „Ich werde Jetrel und Yomyael Bescheid geben.“ meinte Belial belustigt über die Feigheit des Engels, wandte sich dann an Rachel und Selvaggia: „Ihr entschuldigt uns?“ Die beiden Frauen nickten. „Kat, Julien, ihr kommt bitte auch! Und ich werde Nick dazu holen.“
Fünf Minuten später saßen Belial, Jetrel, Yomyael, Euangelion, Seraphiel, Sealthiel, Kat, Julien, Nick Boyle, Derek und der zitternde Graphiel in der Sitzecke im Büro des höllischen Botschafters. „Zunächst sollten wir mal berichten, was wir gefunden haben.“ meinte Julien. Seraphiel nickte. „In einem Hinterhof in Mexico-Stadt haben wir Eisenkäfige mit innen angebrachten Fesselvorrichtungen gefunden – kleine Käfige...“ Der junge Mann sah zu Derek. Belial legte seinem brüderlichen Freund sofort eine Hand auf die Schulter. Vor gut zwei Jahren hatte Derek in der Gestalt eines aztekischen Priesters namens Yaotl, der seine Seele mit Dereks vertauscht hatte, selbst Kinder in Käfige stecken lassen müssen um sie dem Regengott Tlaloc zu opfern. Damit war er nur schwer fertig geworden und hatte mit dem Thema immer noch nicht ganz abgeschlossen, zumal Yaotl versucht hatte in den Körper des Praeceptors zurückzukehren. Nick sah besorgt zu seinem alten Freund und Mentor. Er selbst war im Körper von Yaotls Bruder Yolotli gewesen und ihn verband immer noch eine tiefe seelische Freundschaft mit dem sympathischen jungen aztekischen Opferpriester, der zudem sehr hilfreich gewesen war – nicht zuletzt beim Werben um Alexandra Moreau.
Sealthiel berichtete von dem was Metatron von der Reise und den Landgängen berichtet hatte. „Auch dort waren es bisher nur Tieropfer. Ich habe auch im Spreewald nachgeforscht. Ebenfalls ein Tieropfer – ein Hammel – ist unter einer Eiche geopfert worden. In Afrika fallen Opferrituale gar nicht auf, da sie dort darüber nie wirklich hinweg gekommen sind... und auch in Südamerika wird das bisher noch ähnlich belanglos gesehen. Das ist bei vielen „zwangschristianisierten“ Völkern und Ethnien ganz normal, dass sie das Christentum zwar angenommen haben, aber trotzdem „als sichere Bank“ auch noch ihre alten heidnischen Götter verehren.“ Derek nickte bedächtig. „Ja, das kann ich als Anthropologe nur bestätigen. Die Opferrituale haben sich gewandelt, aber es gibt sie noch.“
Nick schnaubte. „Wieso geht so ein Schwachsinn jetzt wieder los? Yolotli hat sich seit mehreren Monaten nicht mehr gemeldet. Auch Itotia, seine Frau, die ja mit Alex die Seelen tauschen kann, hat sich nicht gemeldet – irgendwie. Wir haben beide ab und zu versucht die zwei zu erreichen, weil... egal... aber seit etwa vier Monaten klappt das nicht mehr.“ Er sah zu Kat. „Kannst du noch mit Icnoyotl tauschen? Oder Julien mit Itzel?“ Julien und Kat sahen einander erstaunt an. „Wir haben das seit fast zwei Jahren nicht mehr versucht.“ gestand Julien überrascht.
„In Yucatan waren Spuren von Blut – allerdings Tierblut, kein Menschenblut.“ berichtete Jetrel. „In  Tabasco ebenso wie in allen anderen ehemaligen Opferstätten. Bisher hat man noch keine Menschen geopfert, aber ich denke, die Käfige in Mexico-Stadt weisen darauf hin, dass es in Planung ist.“ „Ich könnte ja versuchen Icnoyotl zu erreichen – wobei... ich weiß nicht ob das bei mir nicht irgendwie anders geht als bei Yolotli und dir, Nick... Immerhin habe ich die... die Dolche von Itzpapalotl...“ „Eine sehr gute Idee, Fienchen – holst du sie?“ fragte Kats himmlischer Lieblingspatenonkel und nebenbei auch ihr Schutzengel. Sie nickte und sah zu ihrem Onkel Belial. „Ah ja, wir haben die ja in meinem Safe eingeschlossen... Nach dem Gespräch hole ich sie dir raus, Käthchen.“ antwortete der. Graphiels Gesichtsausdruck ließ Abscheu, Angst und Widerwillen erkennen. Yomyael grinste hinterhältig. „Uh, Memmiel, die Memme vom Dienst findet das gar nicht gut...“ meinte er. „Joah... der böse, böse Teufel macht dem kleinen Memmiel Angst.. gutschie gutschie guh!“ Ein finsterer Blick Belials traf den gefallenen Engel. „Lass den erbärmlichen Feigling in Ruhe, Yomyael! Der hat deine Aufmerksamkeit gar nicht verdient!“ meinte er verächtlich.
„Mal ehrlich, Chef, das nächste Mal nehmen wir lieber Mr. Boyle oder Fürstin Lucia...“ Jetrel nickte höflich in Kats Richtung, „mit, wenn du uns wieder auf einen solchen Auftrag schickst. Wir wissen alle, dass deine Patentochter eine Seraphe ist und Erfahrung genug hat um damit umgehen zu können! Oder deinen Sekretär Euangelion. Der Bursche ist tough! Als wir bei ihm angefragt haben, beziehungsweise in dein Vorzimmer gekommen sind, da ist er voll cool mit uns umgegangen!“ Euangelion errötete. „Ich... ähm... bin eher im Büro zu gebrauchen, trotzdem danke für das Kompliment, Jetrel.“ Seraphiel wandte sich mit einem strengen Blick an Graphiel. „Was hast du wahrgenommen?“ fragte er. „To... to... Tot... da war Blut, Fürst Seraphiel, teilweise viel Blut... und... und... und... ähm... Bö... Böses... aber das kam von den beiden finsteren Kreaturen dort!“
Er wies mit zitterndem Finger auf Jetrel und Yomyael. „Ha ha ha...“ murmelte Julien. „Ich habe die beiden ausblenden können – und den Tot kann jeder übersinnlich begabte Vollidiot wahrnehmen wenn er an eine alte Opferstätte kommt!“ „Ja, aber nicht so viel Bosheit!“ kreischte Graphiel. „Ruhe! Hier ist neutraler Boden, Graphiel! Du bist Metatrons Sekretär – und während seiner Hochzeitsreise meiner! In diesem Haus wird keiner als gut oder böse verurteilt! Selbst du solltest wissen, dass Yomyael und Jetrel ebenfalls Engel sind – gefallene, gut, aber sie sind Engel! Und Lucifer war einst einer der mächtigsten Fürsten der Seraphim! Und auch heute noch kann ihm kaum jemand von uns allein das Wasser reichen! Du wirst denen die in dieser Botschaft mitarbeiten respektvoll begegnen!“ wies Seraphiel den hysterischen Engel zurecht.
„Ich denke, wir können für heute Abend die Besprechung beenden. Ich werde mich noch mit Derek, Nick und Julien zusammensetzen und Yomyaels und Jetrels Bericht in allen Einzelheiten von Euangelion an dich schriftlich weiterleiten. Du solltest versuchen dich in die notwendigen Abläufe hier in der Botschaft hinein zu arbeiten – auch wenn es nur für einen Monat ist. Graphiel hilft dir sicher dabei... Und für das nächste Mal lassen wir deinen Sekretär wohl wirklich aussen vor.“ Belials Blick war verächtlich auf Graphiel gerichtet. Seraphiel stimmte mit leisem Seufzen zu, packte seinen Sekretär und verschwand mit ihm.
„Na endlich!“ murmelte Yomyael. „Wo wir jetzt unter uns sind... kann ich die Dolche ja holen.“ Belial öffnete mit Magie den Wandsafe und das darin befindliche Geheimfach in dem neben dem Grimoire auch die Dolche lagen. Sie schwebten wie selbstverständlich in Kats Hände. Kat seufzte. Irgendwie waren die Dolche eine angenehme Erinnerung – eine Erinnerung an Freundschaft, die Freundschaft der aztekischen Götter allen voran Itzpapalotl, dem Obsidianschmetterling, einer Skelettgestalt mit Flügeln, bewehrt mit Obsidianklingen – und vier davon hielt Kat in den Händen. Einer war kostbar verziert – mit ihm konnte sie Seelen zwischen den Zeiten hin- und herschicken. Sie hatte diesen besonderen Dolch auf speziellen Wunsch Huitzilopochtlis bekommen um Alex und Itotia die Möglichkeit zum Tausch zu geben und auch die Verbindung zwischen Yolotlis und Yaotls sympathischer Schwester Icnoyotl zu festigen oder Itzel, deren Verlobten, mit Julien zu verbinden. Gemeinsam konnten sie so tauschen. Nick grinste. „Meinst du, damit geht es?“ fragte er interessiert. Kat zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung... ich... ähm...“ „Konzentrier dich auf Itzpapalotl oder Huitzilopochtli. Außerdem hattest du doch sehr gute Kontakte zu Xochiquetzal und Xochipilli.“ sagte Belial leise. „Ich... ich werde es in meinem Zimmer probieren, wenn ihr alle einverstanden seid. Wenn Morgen früh Icnoyotl Bericht aus Tenochtitlan erstattet hat es funktioniert.“ Belial legte ihr sanft eine Hand an die Schulter. „Geh nur, Käthchen...“ sagte er liebevoll. Derek räusperte sich und wollte offensichtlich Einwände erheben, doch Seraphiel schüttelte den Kopf. „Lass, wir brauchen ihre Hilfe!“ befahl er sanft. Mit einem fast traurigen Blick sah Kat zu ihrem Stiefvater, dann huschte sie aus dem Arbeitszimmer – Julien folgte ihr.
„So, Derek, du übernachtest hier?“ fragte Belial betont munter. Der Praeceptor nickte nur. „Yomyael, bringst du Nick bitte zu seiner Frau und seiner Tochter? Ich denke, die zwei warten schon sehnsüchtig.“ Der gefallene Engel erhob sich, deutete eine Verbeugung in Richtung seines Herrn an, legte einen Arm um Nick und verschwand mit ihm. Derek, Euangelion, Sealthiel und Belial waren zurück geblieben. „Ich werde mich dann zurückziehen um auf Julien und Kat zu achten – oder gegebenenfalls auf Icnoyotl und Itzel.“ sagte der Seraph und verschwand mit einem höflichen Nicken. „Du bist ärgerlich auf mich, oder Derek?“ fragte Belial seinen brüderlichen Freund. Derek seufzte. „Ärgerlich, ja... oder nein... ich mache mir nur Sorgen um Kat. Sie... verdammt, mein Mädchen ist erst 16!“ fluchte er leise. Belial wies Euangelion lautlos an drei Weingläser und eine Flasche Wein zu besorgen, was der dienstbeflissene Sekretär auch tat. Kurz darauf schenkte er einen Chianti in drei Gläser. „Ihre Tochter ist sehr stark, Dr. Rayne. Glauben Sie mir, jemand der es mit jemandem wie Lucifer so aufnimmt wie Katherine muss stark sein. Außerdem muss sie sich auch gegen einen Schutzengel wie Fürst Seraphiel behaupten.“ versuchte er Derek zu beruhigen als er das weingefüllte Glas vor ihm hinstellte. Derek sah den Sekretär dankbar an und sah so nicht, wie der besorgte Belial mit der Hand über das Glas strich und einen Zauber murmelte.
"Ich habe eine Bitte Derek: Wenn dir der Fall zu viel wird und dich die Erinnerungen an die Zeit in Tenochtitlan zu sehr belasten, dann komm zu mir und lass dir helfen, du weißt, dass ich dir deinen Schmerz ein wenig nehmen kann oder rede mit Seraphiel oder Sealthiel. Selbst ich habe vor kurzem mit Seraphiel geredet, wobei ..." er grinste. "... es sich so ergab, Seraphiel nutzt die Gelegenheit um näher an mich ran zukommen, auf der freundschaftlichen Ebene. Wobei ich aber zugeben muss dass er mittlerweile sehr weltoffen ist." Derek nickte und nippte an seinem Wein. Sie unterhielten sich noch über alles Mögliche, bis Derek sich zurückzog um schlafen zu gehen. "Welchen Zauber hast du denn über Dereks Wein gelegt? Ich habe das bemerkt und auch..., dass du dir große Sorgen um ihn machst." fragte Euangelion als Derek Lucifers Arbeitszimmer verlassen hatte. Der Höllenfürst nickte traurig. "Ich habe die Wirkung etwas verstärkt, damit er nicht zu viel davon trinken muss um das zu erzielen was er sich vom Alkohol erhofft. Du hast sicherlich mitbekommen, dass ich ihm sehr geholfen habe als er das Problem mit Yaotl hatte?" Euangelion nickte. "Derek hätte es nie geschafft. Ich merkte das bereits an unserem ersten Treffen. Deshalb wollte ich sein Vertrauen gewinnen, ich mochte ihn eigentlich von Anfang an..., dass sich daraus so eine Freundschaft entwickelt hätte ich zuerst nie gedacht... ebenso Selvi und  Luciano... ich hätte nicht im Traum daran gedacht jemals so viel Glück zu haben und so für Menschen empfinden zu können. Wenn Derek ... ich möchte gar nicht daran denken ... das würde ich mir nie verzeihen Euangelion."
Der Engel sah seinen Chef mitfühlend an. Er mochte ihn mittlerweile sehr und bekam mit, dass er eigentlich sehr oft gestresst war oder anderen hilfreich zur Seite stand und dabei selten auf sich achtete. Er dachte kurz zurück, wie er sich anfangs vor ihm gefürchtet hatte. Jetzt hatte er erkannt, dass Lucifer ein sehr loyaler Freund sein konnte. "Aber Chef..." Lucifer sah Euangelion fragend an. " ...denk bitte auch an dich. Du gibst und gibst... achtest aber nicht darauf wie es dir selbst geht. Ich merke, dass dir manches zu viel ist, deshalb habe ich mich auch einfach an deinen Schreibtisch gesetzt und deinen schriftlichen Höllenkram erledigt. Und ich wollte dir beweisen, dass ich es kann ohne seelischen Schaden zu nehmen. Ich bin stärker als du denkst." Der Fürst der Hölle lächelte ihn dankbar an. Er hob dem Engel sein Glas entgegen und sagte: "Auf die Freundschaft. “Er stieß mit ihm an. "Gern geschehen, wann immer du mich brauchst... egal für was... auch zum Reden? Ich bin da und... du kannst mir vertrauen." "Danke Euangelion!" antwortete er, wirkte aber immer noch sehr besorgt und nachdenklich.
Als Lucifer sich schließlich mit seiner Frau und seinem Sohn zurückzog ging Euangelion zu Metatrons Arbeitszimmer das momentan von dem stellvertretenden Botschafter benutzt wurde. Er klopfte an die Tür und trat ein nachdem er ein freundliches "Herein." vernahm.  "Fürst Seraphiel. Kann ich Sie kurz sprechen?" fragte der höllische Sekretär freundlich. "Natürlich Euangelion. Was hast du auf dem Herzen?" Er setze sich dem Seraphim gegenüber an den Schreibtisch. "Ich mache mir Sorgen wegen Lucifer. Ich mag ihn mittlerweile sehr gerne und habe festgestellt, dass es ihm nach den zwei Tagen zwar besser geht, aber Ruhe hat er eigentlich so gut wie nie, er lässt auch kaum zu, dass man ihm hilft, man muss ihn schon dazu zwingen und ihn belastet so viel. Momentan macht er sich sehr große Sorgen um Derek, dem der Fall mit den Opferungen sehr nahe geht. Und ich möchte Sie bitten in Zukunft ein Auge auf ihn zu werfen, und wenn nötig mit ihm zu reden, Sie oder Sealthiel je nachdem... auch wenn Sie dann wieder "nur" Katherines Schutzengel sind... Sie sind ja meistens anwesend und..." Der Erzengel nickte. "Das hatte ich ohnehin vor, wie auch Sealthiel. Auch wenn Metatron wieder da ist werde ich in Zukunft öfter anwesend sein und wenn nötig gerne helfen, wenn die Hilfe von mehr Engeln benötigt wird. Da auch mir die Zusammenarbeit mit Lucifer richtig Spaß macht und meine Patentocher Katherine ihn wie einen richtigen Onkel liebt ist das auch eine gewisse Neugier." "Danke Fürst Seraphiel. Ich mache mich dann wieder an die Arbeit ich habe noch einen Bericht fertig zu machen." verabschiedete sich der Engel und verließ das Büro des himmlischen Botschafters.  
Am nächsten Morgen traf Seraphiel in der Küche auf Tilly, Selvi und Lucifer samt Nachwuchs der gerade an Mamas Brust trank. Ebenso wie Euangelion, der mittlerweile jedes Essen und den Nachmittagstee in der Küche genoss. "Einen wunderschönen guten Morgen!" begrüßte sie der Erzengel gut gelaunt. Er wurde ebenso freundlich begrüßt nur Lucifer murmelte ein schlecht gelauntes "Morgen" wie immer. Seraphiel sah seinen höllischen Kollegen besorgt an. Er wusste ja, dass Derek sein bester Freund war und  wie sehr er sich um ihn sorgte. Ebenso war ihm bewusst, dass Lucifer seine Gedanken vor ihm und den anderen Engeln verschlossen hatte und ihn nur das sehen ließ, beziehungsweise erzählte was er zuließ, ihn aber noch einiges mehr beschäftigte. Er nahm sich vor nach und nach mehr auf seinen gefallen Bruder einzugehen und ihn zu beobachten. "Wenn du nach deinem Kaffee ansprechbar bist könnten wir dann die weitere Vorgehensweise des Falls besprechen?" fragte Seraphiel freundlich, als er sich auf eine freien Stuhl neben Selvaggia setzte. Er strich dem kleinen Luciano kurz liebevoll über das Köpfchen. "Na schmeckt’s, kleiner Mann?"  "Wenn es sein muss." murmelte der Höllenfürst.
Als Lucifer, Euangelion und Derek, das Arbeitszimmer des himmlischen Botschafters betraten saß Graphiel bereits in der Sofaecke. Er zuckte sichtlich zusammen.
"Ich denke wir sollten uns mal einige Rituale vor Ort ansehen um herauszufinden warum und vor allem wem die Ofer dargebracht werden." schlug Seraphiel vor. "Das ist doch offensichtlich." entfuhr es Graphiel der sich in Seraphiels Nähe sicher und mutiger fühlte. ""Ach ja?" fragte der Höllenfürst erwartungsvoll. "Lass uns an deinen Gedanken teilhaben Graphiel?" befahl Seraphiel ihm zu reden. "Ich... ich... meine, also... es ist doch jedem bekannt, dass solche Opferungen nur dem... Teufel... gemacht werden können und... nun ja es sind grausige Rituale... die nur satanisch sein können." sagte er ängstlich seine Meinung. "Ich verlange dich gleich als Opfer!" sagte Lucifer verärgert an Graphiel gerichtet. Dieser zuckte entsetzt zusammen, als der Höllenfürst plötzlich direkt vor ihm stand und sich zu ihm hinunter beugte, sodass der Engel ihm in seine eisblauen, kalten Augen blicken musste.
"Jetzt hör mir mal gut zu kleiner Engel. Erstens: Verlange ich schon lange keine Ofer mehr. Zweitens: Du gehst mir auf die Nerven! Drittens: Wenn du mich noch einmal derart beschuldigst, dann lernst du mich kennen und du hast einen Grund dich vor mir zu fürchten!" sagte er gefährlich leise. Der Engel zitterte vor Angst.
Lucifer wandte sich wieder freundlich an Seraphiel. "Ich halte die Idee für sehr gut, ich schlage vor, dass wir beide uns das mal selbst ansehen und Kat, Julien und Nick mitnehmen, da sie das schon gesehen haben und auch seelisch aushalten" Seraphiel stimmte zu. "Sei mir nicht böse Derek, du weißt ebenso wie ich, dass Kat schon mehrfach in Tenochtitlan war und mehrere Rituale gesehen hat und es auch verkraftet. Sie ist stark und außerdem sind wir ja dabei, ich würde niemals zulassen, dass ihr oder Julien etwas zustößt... und das weißt du auch... also vertrau mir bitte." Derek nickte. "Ich  vertraue dir Belial und ich möchte bestimmt nicht mit, aber ich würde gerne eure Beobachtungen hören wenn ihr zurück seid.
Als Belial etwa eine halbe Stunde später mit einer Tasse Kaffee in sein Arbeitszimmer wollte bekam er an der Tür des Vorzimmers folgendes Gespräch mit. "Wie kannst du nur für den Teufel arbeiten? Ist dir nicht klar, dass er von Grund auf böse ist? Ich denke er heuchelt dir Freundschaft vor, so dass du ihm vertraust und dann... wenn du nicht dran denkst bist du das Opfer. Aber wenn er dir vertraut - du könnest ihm doch mal in der Hölle nachspionieren, schauen was da so abgeht und dann... ein paar der verlorenen Seelen freilassen oder irgend was anderes." Euangelion starrte ihn erschrocken an und schüttelte den Kopf. "Nein das mache ich nicht! Lucifer ist mein Freund!" Du bist doch völlig geblendet von seiner Macht. Und merkst..." er konnte nicht mehr weiter reden, und starrte den höllischen Botschafter verängstigt an. "Schweig! Und jetzt hörst du mir mal ganz genau zu. Das ist nur ein kleiner Zauber der schwarzen Magie. Wenn ich aber noch einmal mitbekomme, dass du Euangelion anstiftest mich auszuspionieren oder sonst irgendwie versuchst ihn gegen mich aufzuhetzen, gebe ich dir eine Grund dich vor mir zu fürchten. Ich bin leicht reizbar und aufbrausend, kleiner Engel also hüte in Zukunft deine spitze Zunge wenn du denkst ich würde es nicht mitbekommen, denn sonst könntest du ganz schnell für immer schweigen und glaub mir, selbst unser Vater könnte den Zauber nicht auflösen, da er sich nicht mit schwarzer Magie auskennt." brüllte ihn der Höllenfürst an.
"Was ist denn hier los?" wollte Seraphiel wissen als er seinen großen Bruder schreien hörte. "Der... der... bedroht mich und... und... möchte mich loswerden und..."  Lucifer lachte laut. "Ach du spinnst doch! Ich habe dem kleinen Engelchen lediglich klar gemacht, dass er meinen Sekretär nicht gegen mich aufzuhetzen hat." In Gedanken übermittelte Belial das von ihm mitgehörte Gespräch an Seraphiel. "Das schafft er nicht, Chef. Ich kenn dich mittlerweile besser!" Der Höllenfürst lächelte seinen Sekretär an. "Bist du denn bescheuert? Euangelion anzustiften in der Hölle zu spionieren? Das sind ganz allein Lucifers Angelegenheiten und wenn du noch einmal versuchst ... Euangelion zu beeinflussen, oder Lucifer auch nur schief anschaust, dann wende ich mal einen Zauber bei dir an!" fuhr der Erzengel seinen Sekretär an. Dieser stand erschrocken und starr da, bis er sich schließlich vor Angst auflöste.
Er tauchte wieder auf dem Kreuzfahrtschiff in der Kabine von Metatron und Cassandra auf. Er erschrak als er sah was der Engel mit der Menschenfrau trieb und erstarrte. "Ahaaa... Metatron... da... dein Sekretär." kreischte die junge Frau. "Was?" er drehte sich um und fauchte den Engel an. "Graphiel! Verschwinde!" "A... a... aber Sie dürfen doch nicht... und... Nephilim... und Lucifer und Selva ..." Metatron brachte ihn ebenfalls zum Schweigen und atmete einmal tief ein um nicht die Beherrschung zu verlieren. "Verschwinde und klär das mit Seraphiel, ich hab noch Flitterwochen und das noch mindestens drei Wochen. Und wage es ja nicht noch einmal hier aufzutauchen." fuhr ihn der Erzengel an. Geschockt und entsetzt löste sich der Engel auf und erschien im Boulevard im Obergeschoß des Wohnbereiches in einem der unbewohnten Zimmer dort kauerte er verängstigt in einer Ecke. Er wusste nicht was er tun sollte, denn er hatte niemandem mit dem er seine Angst und seine Sorgen teilen konnte. Und er war fassungslos wie Metatron einer der mächtigsten Erzengel so etwas Schreckliches tun konnte.
"Wo ist denn eigentlich dein kleinen Sekretär?" spottete Belial. "Keine Ahnung, ich glaube ich habe ihm jetzt auch Angst eingejagt." lachte Seraphiel. "Aber eigentlich kann er einem auch leid tun... er ist nicht wirklich für die Arbeit hier geschaffen. Er ist zu... ängstlich, er hat ja selbst Gewissensbisse, beim kopieren von Akten die wir zur Ermittlung des letzten Falles brauchten. Da war er echt der Meinung, dass ich ein Verbrechen begangen habe und von Lucifer beeinflusst werde. Und irgendwie kann ich ihn ja auch verstehen... ich hatte am Anfang auch Angst vor dir, hoffe aber, dass ich mich nicht ganz so dämlich benommen habe." Euangelion sah etwas betroffen zu Boden. "Nein, du warst nicht ganz so schlimm, Euangelion." lachte Lucifer. "Graphiel!" rief Seraphiel. Der Engel erschien. "Es gibt Arbeit. Wo warst du denn?" "Ich... ich..." weiter kam er nicht mit seinem Gestotter, da der Höllenfürst ihn unterbrach indem er sich an Graphiels Kollegen wandte: „Und ganz ehrlich: Jemand der sich einfach so locker wie du in meine Buchführung hinein findet wie du, Euangelion, nötigt sogar mir Bewunderung ab! Nachdem wir unsere anfänglichen Schwierigkeiten beigelegt haben kann ich mir keinen besseren und loyaleren Sekretär wünschen!“ sagte Lucifer mit einem Grinsen – direkt vor Graphiel, der zusammenzuckte und mit entsetztem Blick Euangelion ein „Sünder! Du bist ein gefallener Engel!“ zu zischte.
Ein eisiger Blick des höllischen Botschafters traf ihn. "Wie - war - das?" fragte er gefährlich leise. "Habe ich dir nicht gesagt, was geschieht, wenn du noch einmal meinen Sekretär verunglimpfst, du kleiner Feigling, ein einziges Mal - und dies ist die letzte Warnung - dann werde ich ungemütlich! Du kannst mir dumm kommen, dann kriegst du eine passende Antwort, aber lass Euangelion in Ruhe!" Euangelion errötete - ob des Lobes und der Partei, die sein Chef für ihn ergriff. "Chef, Graphiel ist noch sehr gefangen in seiner Vorstellungswelt - ich bin sicher, er kann sich mit der Zeit auch ändern... ich meine..." Lucifer seufzte. "Der wird sich nicht ändern..." murmelte er.
In diesem Moment sahen Seraphiel und sein Höllischer Kollege sich erstaunt an, dann stöhnte der Seraph auf während Belial gehässig lachend zu Graphiel sah. Euangelion schaute verwundert zu den beiden Botschaftern. „Darf ich erfahren was dich zu solcher... finsterer Heiterkeit veranlasst, Chef?“ wandte er sich an den Höllenfürsten. Belial grinste. „Metatron hat sich gerade gemeldet... offenbar ist Graphiel bei ihm und Cassie in der Kabine aufgetaucht, gerade als Metatron und Cassie die „Anweisung“ Vaters befolgen wollten: „Seiet fruchtbar und mehret euch...“ und du kannst dir vorstellen, dass weder Metatron noch Cassie von seinem Besuch sehr angetan waren...“ Euangelion sah seinen Kollegen mit einer Mischung aus Entsetzen, Ungläubigkeit und Belustigung an. „Was wolltest du da denn?“ „Mit meinem Chef reden! Ihm erzählen wie ich hier missachtet, gemobbt und verspottet werde!“ antwortete der trotzig. „Gut gemacht... vermutlich hat Metatron jetzt auch endlich die Schnauze von dir voll!“ knurrte Belial spöttisch. "Mach so weiter und er zeigt dir ebenfalls was Missachtung, Mobbing und Spott auf deine Kosten ist!" warnte er den kleinen Engel gehässig.
„Graphiel! Das war unverschämt und indiskret! Das wird nicht wieder vorkommen! Cassandra und Metatron sind für diesen Monat nicht verfügbar! Falls du Probleme hast wirst du zu mir kommen!“ sagte Seraphiel barsch. Der kleine Engel zuckte zusammen. „Ja, Fürst Seraphiel.“ flüsterte er ängstlich.  
Belial grinste diabolisch: „Julien, du wirst mit Seraphiel, Yomyael, dem winselnden Dingsbums und Jetrel den einen Teil der Heiligtümer kontrollieren, ich werde mit Kat Euangelion und Samyaza den anderen übernehmen...“ Im Gesicht Graphiels konnte man seine Angst ablesen. „Gute Idee, Lucifer.“ sagte Seraphiel lächelnd. „Aber ich würde Graphiel gern mit dir persönlich losschicken und würdest du mir Kat statt Julien zugestehen?“ Belial wollte gerade protestieren, doch dann sah er die blanke Panik in Graphiels Augen. „Aber gern doch... Ich weiß schließlich, dass du auf deinen Schützling, unsere gemeinsame Patentochter aufpassen wirst... und ich werde im Gegenzug auf Julien aufpassen, denn ich denke doch, dass Sealthiel sich euch anschließen möchte...?“ Er sah zu dem zweiten Seraphen der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, nun aber auch ein wenig finster lächelte. „Da ich meinen Schützling bei dir in guten Händen weiß – immerhin ist er ja Kats Seelengefährte – jäh, ich glaube, das wird interessant...“ Graphiel wimmerte auf. „Reiß dich zusammen, du Memme!“ zischte Lucifer ihm mit süffisantem Grinsen zu, packte ihn bei der Schulter, was den kleinen Engel aufschreien ließ und verschwand mit einem diabolischen Lächeln auf dem Gesicht mit ihm.
Seraphiel, Yomyael, Jetrel, Sealthiel und Kat trafen gemeinsam in dem Hinterhof ein, in dem die beiden gefallenen Engel mit Julien und Graphiel zuvor die Käfige entdeckt hatten. Sie waren verschwunden. „Ich fürchte, das sieht übel aus. Offenbar sind die Käfige abgeholt worden um sie in Gebrauch zu nehmen, wenn sie das nicht schon sind...“ murmelte Yomyael. Er wirkte besorgt. „Fürstin Lucia, Fürst Seraphiel, ich würde kurz an den vielversprechendsten Orten nachsehen, wo die Käfige abgeblieben sind. Sollte ich sie entdecken, melde ich mich.“ Er sah dabei zu Kat, die er offensichtlich als Lucifers Patentochter als die höhere Autorität und seine Vertretung ansah. Seraphiel nahm das mit für sie fühlbarer Belustigung zur Kenntnis. „Na, dann gib ihm mal die Erlaubnis. Wir anderen sehen uns dann mal unsichtbar in der Schmiede um.“ flüsterte es in ihr. Sie sah amüsiert zu ihrem ziemlich mächtigen Schutzengel, neben Metatron war Seraphiel immerhin der Fürst der Seraphim und der Leiter des Seraphim-Chores. „Gute Idee, Yomyael...“ Der gefallene Engel deutete eine Verbeugung an, dann verschwand er. Seraphiel, Jetrel und Kat machten sich unsichtbar und betraten die Schmiede, während Sealthiel sich unsichtbar weiter draußen umsah.
Zur gleichen Zeit irgendwo in den Ruinen von Tabasco. Graphiel wimmerte und hatte sich zitternd hinter einer der Mauern zurückgezogen. Julien entdeckte ihn dort. Innerlich seufzend zwang er sich nicht mit Spott zu reagieren. „Komm schon, Lucifer ist echt in Ordnung.“ Graphiel sah ihn an. „Er ist der Teufel! Er ist ausgestoßen! Er hat einen Nephilim mit seiner Konkubine gezeugt! Er ist böse und du lässt dich von ihm einwickeln! Genauso wie Euangelion! Er ist hinterhältig, der Verführer. Schlimm genug, dass er es geschafft hat einen gläubigen Mann wie Dr. Derek Rayne so zu täuschen, dass er ihn als Bruder sieht, als... Freund... und auch Fürstin Seraphina-Micaela-Anais-Dieudonnée hat...“
„Hörst du dich eigentlich mal reden, Graphiel?“ fragte Julien möglichst sanft. „Außerdem heißt meine Freundin immer noch Katherine – und wenn du ihre gesamte Sammlung an Taufnamen aufzählen willst heißt sie Katherine-Lucia-Seraphina-Maya-Micaela-Samira-Anais-Sigrune-Dieudonnée. Wieso kannst du nicht einfach deinen Mann stehen – oder deinen Engel, wie auch immer du das sehen willst, Graphiel? Du verurteilst Euangelion weil er seinen Platz gefunden hat. Gut, vielleicht war er ja immer etwas anders, eher ein Freigeist als du. Zugegeben, er ist ein kleiner Erbsenzähler, ja, und zu Anfang hatte er auch eine verdammte Angst vor Lucifer. Als Schutzengel war er erst bei Kat und dann bei mir eine absolute Nervensäge – gut, Metatron war um Längen schlimmer, zugegeben, auf andere Art und Weise, aber bei Rachel, Kats Mutter, hat er sich echt bewährt und als er Lucifer als Sekretär geschickt worden ist haben die beiden sich ziemlich schnell zusammengerauft. Nimm dir doch einfach ein Beispiel an ihm. Außerdem bist du nicht Lucifers Sekretär sondern der des himmlischen Botschafters. Und ich denke, du willst doch, dass dein Chef – egal ob es Metatron oder – wie momentan – Seraphiel ist, stolz auf dich ist, oder?“  
Trotzig sah der Engel ihn an. „Fürst Metatron hat Unzucht mit Miss SaintCyr getrieben! Er ist ebenso gefallen wie Lucifer!“ fauchte er. „Bitte? Sag mal, was kriegst du überhaupt mit? Lucifer und Selvaggia sind – ebenso wie Cassandra und Metatron mit Gottes Einverständnis zusammen, du fanatischer Hetzer! Und Luciano ist kein Nephilim, da Selvaggia kein richtiger Mensch ist. Und Cassie ist eine Kyriotes geworden! Frag dich mal ob du dich überhaupt noch im Spiegel ansehen kannst! Ganz ehrlich, Graphiel: Du beschuldigst alle anderen Lucifer auf den Leim gegangen zu sein, du schwärzt Euangelion an und du gibst dir alle Mühe die Zusammenarbeit und auch die vom Himmlischen Vater gesegneten Verbindungen seiner Söhne zu sabotieren und zu verunglimpfen! Schäm dich!“
 
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