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Ersehnter Frieden

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Peter Parker / Spiderman
24.12.2015
24.12.2015
1
1.905
 
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24.12.2015 1.905
 
Viele sagen ja, dass in der Weihnachtsnacht Wunder geschehen, aber ich habe dieses Gefühl nicht wirklich. Gestresst von der Schule, und davon, jede Nacht und fast auch jeden Tag als Spider-Man unterwegs zu sein.
Ein ehrenhaftes und meistens auch spaßiges Hobby, aber manchmal auch einfach nur anstrengend und zermürbend, wenn ich allein an all die Nächte denke, in denen ich nicht geschlafen und stattdessen der Echse hinterhergejagt bin, lief es mir eiskalt den Rücken runter.
Hoffentlich ist wenigstens diese Nacht Ruhe, Bösewichte müssen doch auch mal ne Grenze kennen.
Aber ich bin trotzdem unterwegs, es ist einfach so langsam zur Routine geworden jede Nacht das Gebiet abzuklappern. Ich hab zum Glück Tante May überreden können dieses Jahr ohne mich zu feiern, behauptet, dass ich bei MJ penne.

Was ja mal so was von gelogen ist. Immerhin hatten wir uns erst vorgestern gestritten. Immer und immer wieder über das selbe Thema, warum kann sie es denn nicht einfach verstehen, dass es wichtig ist, dass es meine Pflicht ist!
Dass es mittlerweile irgendwie mein Leben geworden ist, wenn auch ein stressiges, und manchmal nerviges Leben.

Gedankenverloren schieße ich ein letztes Netz zum Dach einer der Wolkenkratzer und federe den Sprung beim Aufkommen mit den Füßen ab. Verdammt, beinah wär ich ausgerutscht, dieser Schnee mag ja schön sein, aber irgendwie auch ganz schön eklig.
Ungewöhnlicherweise ziemlich schlapp, wische ich mit einer trägen Handbewegung den Schnee von einem Sims, setze meinen Rucksack ab und lasse mich nieder.
Wie spät ist es eigentlich? Bestimmt längst nach null Uhr.
Im Haus unter mir kann ich die dumpfen Stimmen von Leuten hören, die laut lachen. Bestimmt eine Familie, die grade erst Geschenke auspackt und besinnlich die Weihnachtsnacht genießt.

Auf einmal spüre ich einen schmerzen Stich im Herzen. Keine Eltern, keine Freundin, die mich versteht, keiner, der überhaupt weiß, was mit mir los ist.
Auch wenn es schwer ist, sich das einzugestehen, so muss ich doch zugeben, dass ich niemanden hab. Spider-Man hat mich dazu gebracht mich von allem, was mir wichtig ist abzukapseln.
Vollkommene Isolation.
Ist es das wert? Andere Menschen retten, aber selbst dabei eingehen, und das auch noch einsam?
Natürlich ist es das du Idiot. Sei einfach einmal kein Egoist!
Aber ist eine gesunde Menge Egoismus nicht auch gut?
Das vielleicht schon, aber allein mein Gewissen lässt das nicht zu. Wie viele Menschen ohne mich sterben würden.
Wow, irgendwie klingt das so richtig selbstverliebt.
Naja, aber ich bin doch auch erstaunlich, oder? Wie viele Menschen würden es wohl schaffen mit meinem Leben klarzukommen, allein die Verantwortung.

Auf einmal kommen mir Onkel Bens Worte wieder in den Sinn und mein Herz zerreißt fast.
Und da wird mir einmal mehr klar, dass egal, wie viele Menschen ich gerettet habe oder je retten werde, nichts diesen riesen Fehler, dieses eine Opfer wieder gut machen kann.
Onkel Ben ist tot. Und egal, was ich tue nichts bringt ihn wieder zurück.
Diese Erkenntnis tut unglaublich weh, auch wenn es mir eigentlich immer bewusst war, und mir wird auf einmal richtig heiß unter der Maske, so dass ich sie abziehen muss.

Warum verausgabe ich mich denn so, wenn ich doch eigentlich zuhause sein sollte, bei Tante May und MJ, bei den Leuten, die mir geblieben sind?
Was mache ich denn überhaupt hier? Warum fällt es mir denn so schwer einfach einmal einen Tag Pause einzulegen?
Es ist doch Weihnachten, das feiert an mit Freunden und Familie und nicht allein irgendwo auf einem Hochhausdach. Spidey hin oder her. Heute mach ich mal ne Ausnahme, wenigstens einen verdammten Tag im Jahr.

Mit eiskalten Fingern greife ich nach meinem Rucksack und hole mein Handy heraus. Widerwillig ziehe ich die Handschuhe meines Kostüms aus um MJs Nummer zu wählen. Ich muss eine Weile warten, bis es in der Leitung knackt.
„Pete?“, ihre Stimme klingt fast schon ablehnend, wie immer, wenn wir Streit hatten und ich auf sie zugehe.
„Hey MJ.“ Ich fühle mich auf einmal schrecklich müde, auch wenn ich weiß, dass es wichtig ist, jetzt mit ihr zu reden. Außerdem würde ich diese Nacht ja auch gerne mit ihr verbringen. Weihnachten war doch immerhin das Fest der Liebe, oder?
„Ich weiß ja, dass es mich eigentlich nicht interessieren sollte, aber wieso kannst du nicht mal Weihnachten zuhause bleiben? Ich wette Tante May hätte gern heut Abend mit dir zusammengesessen und geredet.“
„Ich weiß es doch“, antworte ich und kann kaum verhindern, dass sich ein genervter Unterton in meine Stimme schleicht. Wieso muss sie  mir denn immer Vorwürfe machen? Ich weiß, dass ich meine Zeit mit Tante May verbringen sollte, denn die Jüngste ist sie auch nicht mehr und Ben war auch so plötzlich weg.

„Dann komm nachhause Peter, Tante May sitzt hier ganz allein, und ich bin die Einzige, die das kümmert.“ ihre Stimme klingt  traurig und auch mich durchfährt Kummer bei dem Gedanken.
„Ich bin in zehn Minuten da, okay?“
Sie sagt nichts mehr, legt einfach auf. Kein 'Danke', kein 'Bis gleich'. Das macht mich noch trauriger, sie ist immer so nachtragen, auch wenn ich mich ein Bisschen einsichtig zeige.

Mit einem tiefen Seufzer mache ich mich zum Aufbruch bereit und schwinge mich zwischen den Dächern der Stadt entlang. Weihnachten ist anscheinend die einzige Nacht, in der diese Stadt schläft, es ist kaum jemand unterwegs, was sich irgendwie falsch anfühlt. Das vertraute Hupen der Autos und die Stimmen der Menschen fehlen einfach. Nur einzelne, einsame Seelen wandeln umher.
Okay, ich glaube ich werde ein Bisschen zu melancholisch.

Plötzlich sehe ich einen Mann, der sich an der Tür eines Juweliers zu schaffen macht.
Oh man, da ist wohl mein Einsatz gefragt, und obwohl ich weiß, dass MJ wieder ein Drama daraus machen wird, schwinge ich mich zum Boden runter und überrasche den von hinten.
„Na, da hat wohl jemand vergessen Weihnachtsgeschenke zu besorgen“, rufe ich ihm, wieder guter Laune, zu. Allein sein Gesichtsausdruck ist jeden Stress wert und ein Grinsen brennt sich auf mein Gesicht, auch wenn er es nicht sehen kann,
„Aber dafür ists doch jetzt eh zu spät.“

Nur um meine Stärke zu demonstrieren schieße ich einen Netzball in seine Richtung, dem er aber mit einem Schritt nach links ausweicht. Energiegeladen renne ich auf ihn zu und er weicht mir wieder aus.
Doch ich kann ihn mit einem Zugnetz aufhalten und er stürzt zu Boden. Innerhalb von Sekunden bin ich bei ihm und stemme meinen Fuß auf seinen Rücken. Er ist vollkommen still, atmet nur unruhig.
„Gut, ausnahmsweise weil Weihnachten ist, verzeihe ich dir, dass du so ungesprächig bist.“
„Oh wie wohlwollend“, knurrt er nur.

Ich nehme meinen Fuß von ihm herunter und bevor er sich im Schneematsch aufrappeln kann, spinne ich ein Netz und hänge ihn zwischen zwei Häuser. Trotzdem nehme ich mir nicht die Zeit, die Cops zu verständigen, immerhin wollen die ja auch in Ruhe Weihnachten feiern.
Als schwinge ich mich so schnell wie möglich zurück nach Queens. Das Ganze hat jetzt natürlich länger als zehn Minuten gedauert. MJ wird ausrasten, vor allem wenn ich ihr sage wieso.

Tatsächlich wartet sie auch schon, steht vor der Tür in der Kälte, als ich vor ihr lande, doch sie sieht komischerweise gar nicht wütend aus.
„Hey“, sagt sie liebevoll und lächelt. Ich ziehe schnell die Maske ab und sie in eine Umarmung. „Hey.“
Du bist zu spät“, flüstert sie, aber wider meiner Erwartung klingt sie auch jetzt nicht wütend.
„Tut mir leid.“
Sie fragt mich gar nicht wieso, ich glaube sie kann es sich denken. Nur komisch, dass sie auf einmal nicht mehr sauer auf mich ist.
„Schon okay, Hauptsache du bist jetzt da.“
Hoffnung strömt durch meinen Körper, darauf, dass wir uns doch noch heute Nacht versöhnen.
„Lass uns ein Stück gehen.“ Sie nickt und nebeneinander gehen wir die Straße runter.
Eine Zeit lang schweigen wir, keiner weis, was er sagen soll, uns ist beiden bewusst dass wir viel zu viel streiten. Aber genauso wissen wir, dass keiner von uns beiden seinen Standpunkt ändern wird.

Wir kommen in einem kleinen Park an, es ist komplett ruhig, keine Menschenseele ist hier und die Wiese, die Bänke und Bäume sind von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Es sieht so wunderschön aus, ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann das letzte Mal weiße Weihnachten waren, so lang ist das schon her,
Mir gefällt der Kontrast, den MJs tiefrote Haare zum reinweißen Schnee bilden und ich muss unwillkürlich lächeln. Leider bemerkt sie es nicht, weswegen ich sie vorsichtig an der Hand zurückhalte.
„Was ist?“, fragt sie verwundert und ihre smaragdgrünen Augen strahlen mir entgegen. Kaum zu glauben, dass sich dieses wunderschöne Mädchen für mich Idioten, der ihr viel zu wenig Zeit widmet, entschieden hat.

„Danke, dass du mich liebst“, rutscht es mir heraus, und es kommt mir so vor, als würden ihre Augen mit einem Mal heller leuchten.
Oh Gott, das war ja mal unglaublich kitschig, auch wenn es die Wahrheit ist. Beschämt fahre ich mir mit der Hand durch die Haare.
Plötzlich spüre ich, dass sie ihre Arme um mich legt. Ihr Blick zieht mich in seinen Bann, so dass ich meine Augen gar nicht mehr abwenden kann und mir wird ganz warm ums Herz. Ein Kribbeln zieht sich über meine Haut.
„Bedankt dich nicht, Pete. Ich muss dir danken, du bist so mutig. Du darfst mich nicht falsch verstehen. Ich möchte nur nicht, dass du weiter Spidey bist, weil ich mir Sorgen um dich mache. Ich liebe dich so sehr und hab einfach Angst dich zu verlieren.“

Ich verstehe sie, und es freut mich auch irgendwie, aber heute habe ich nicht die Kraft das mit ihr auszudiskutieren. Also lächle ich sie liebevoll an.
„Lass uns Morgen drüber reden“, bitte ich sie, auch wenn mir das schon Angst vor Morgen bereitet. Nach kurzem Zögern nickt sie, „Ich möchte jetzt einfach nur die Zeit mit dir genießen.“
Sie nickt nochmal und auch wenn ich unsicher bin, ob das nicht gerade unpassend ist, sehne ich mich danach sie zu küssen.

Zögernd, voller Angst davor, dass sie mich abweisen könnte, lege ich meine von der Kälte rauen Lippen auf ihre. Zu meiner Erleichterung erwidert sie den Kuss und ich versuche meine ganzen Gefühle für sie hineinzulegen. Er ist tief und leidenschaftlich, aber doch sanft, und schmeckt so typisch nach ihr. Immer wenn wir uns nach einem Streit küssen, fühlt es sich für mich so an, als würden wir es zum ersten Mal tun, und mir wird klar, was ich verlieren würde, wenn wir uns trennten.
„Frohe Weihnachten“, murmele ich benommen, nachdem wir uns voneinander gelöst haben.
„Frohe Weihnachten“, sagt sie und kichert leise.

In einer schnellen Bewegung gibt sie mir einen Kuss auf den Hals.
„Wow, das war sogar für meinen Spinnensinn zu schnell.“
Wir lachen zusammen und es fühlt sich einfach nur gut an, wieder Frieden mit ihr geschlossen zu haben und mit ihr, fröhlich, Zeit zu verbringen.
Wir bleiben noch eine Zeit da, unterhalten uns, bis es MJ zu kalt wird. Also gehen wir nachhause, reden endlich mal wieder über normale Dinge, und das lässt mich meinen Stress, wenigstens für diesen Abend, vergessen.

Als wir zuhause ankommen gehen wir nicht sofort schlafen. Tante May schläft schon, und so haben wir noch ein Bisschen Ruhe und Zeit für uns.

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Hallo Leute ^^
Das war nur ein kleiner, weihnachtlicher OS, ich hoffe ihr genießt den Tag und die Feiertage und verbringt ihn gesund mit Freunden und Familie.
Frohe Weihnachten, lasst mir gerne eure Meinung da und rutscht gut ins neue Jahr <3
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