Herz über Kopf

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
24.12.2015
24.12.2015
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2016
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Diesen OS widme ich der Michelle (Michiwood). Danke für alles, ich hoffe dir gefällt dein 'Weihnachtsgeschenk'.
Frohe Weihnachten euch allen.

(Das Lied kennt wahrscheinlich jeder. 'Herz über Kopf' von Joris.
https://www.youtube.com/watch?v=oq0rrYrufYU)
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Hast mich lang nicht mehr so angesehen
hab viel zu oft versucht uns zu verstehn'


„Verdammt, so geht das nicht weiter!“, brüllte er mir entgegen. Natürlich wusste ich das, natürlich ging es nicht so weiter. Aber ich wollte und ich konnte ihn nicht gehen lassen. Und trotzdem wusste ich, wenn ich diesmal die Wohnung verließ, würde ich nie wieder zurückkommen.

die Augen treffen sich, der Wein ist schon halb leer
Oh, ich weiß ganz genau was du grad denkst


Und natürlich wusste ich, dass es auch für ihn nicht leicht war. Immerhin waren wir drei Jahre zusammen gewesen. Wir waren drei Jahre lang glücklich gewesen und dann sollte es jetzt vorbei sein? Ich sah ihn an und er schaute mich in diesem Moment ebenfalls an. Seine Augen strahlten immer, wenn ich sie sah und heute sahen sie nur leer und traurig aus. Ich nippte an meinem Wein und umklammerte das Glas, damit er nicht merkte, wie meine Hände zitterten.

der Zug ist abgefahrn' die Zeit verschenkt
fühlt sich so richtig an, doch ist so falsch


Vorsichtig stellte ich das Glas zurück auf den Tisch. Noch immer sah ich ihn an.
„Dann willst du es jetzt beenden? Ich liebe dich und das weißt du. Und eigentlich dachte ich, du liebst mich auch.“
„Natürlich liebe ich dich!“ Er atmete tief durch und durchbohrte mich weiter mit seinem eisigen Blick.                  
„Und trotzdem willst du Schluss machen?“
„Du solltest jetzt gehen.“

und immer wenn es Zeit wird zu gehn
vergess ich was mal war und bleibe stehn


Nein! Das kann er mir nicht antun! Widerwillig trank ich den letzten Schluck Wein und stand von seiner Couch auf. Und ich wusste, dass es nun Zeit war zu gehen, abzuschließen. Aber wie konnte ich? Wenn man jemanden liebt, musste man um ihn kämpfen. Doch ich würde verwundet in eine Schlacht ziehen, die ich nicht gewinnen konnte. Ich hatte verloren.
„Gut“, presste ich hervor und er stand nun ebenfalls auf. Ich versuchte in seine Augen zu blicken, doch er wich meinem Blick aus. Langsam lief ich in Richtung Haustür. Doch ehe ich sie erreichen konnte, packte er mich am Arm und zog mich in seine Arme. Nun konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Hemmungslos weinte ich gegen seine Brust und genoss ein letztes mal seinen Geruch, den ich so sehr liebte. Plötzlich drückte er mich leicht von sich und ein letztes Mal trafen seine Augen auf meine. Er beugte sich zu mir und küsste meine Stirn.                                                                                                                                  
„Ich liebe dich, vergiss das nie.“

das Herz sagt bleib
der Kopf schreit geh
Herz über Kopf
Herz über Kopf


„Ich liebe dich, vergiss das nie“, wiederholte ich seine Worte. Mittlerweile waren wir drei Monate getrennt. Drei Monate hatte ich kein Wort von ihm gehört. Und ich vermisste ihn, seine Art, seinen Geruch und vor allem vermisste ich es Zeit mit ihm zu verbringen. Er fehlte überall und ohne ihn schien alles so trist. Und jeden Tag fragte ich mich, wie es ihm wohl ging. Er wollte es so, er hatte mit mir Schluss gemacht.

trägst deine Haare immer noch wie früher
und du tanzt genau wie früher


Unsere Trennung lag nun mehr als ein Jahr zurück und ich war endlich über ihn hinweg. Und trotzdem tat jeder Gedanke an ihn weh, also hatte ich alles aus meinem Leben entfernt, was mich irgendwie an ihn erinnerte. Fast war es so, als hätte ich ihn nie gekannt, als hätte es nie ein 'wir' gegeben. Und verdammt, das war das Schlimmste an allem.
Und nun war er hier, auf dieser Party. Ich wusste, dass auch er mit der Gastgeberin befreundet war aber ich hätte nie gedacht, dass er auch hier sein würde. Ich wollte ihn nicht sehen und trotzdem konnte ich den gesamten Abend nichts anderes ansehen als ihn. Er hatte sich nicht verändert. Er war immer noch er. Der schlechteste Tänzer der Welt und gleichzeitig der beste Tanzpartner der Welt. Mit seinem 'Wu-Tang-Clan'-Pullover, den ich ihm geschenkt hatte. Es war unsere Lieblingsband. Die Haare trug er wie an unserem letzten gemeinsamen Abend und ich spürte, wie die Tränen in mir aufstiegen.

die Augen treffen sich der Raum ist schon halb leer
haben uns so oft gesagt es geht nicht mehr

                                                                                                                     
Ich hätte gehen sollen, bevor er mich bemerkt hätte. Doch ich konnte nicht und dann entdeckte er mich plötzlich. Seine Augen weiteten sich und er starrte mich an. Die meisten Leute, waren bereits gegangen und so unterbrach niemand unseren Blickkontakt. Wie oft hatte ich mir eingeredet, dass ich ihn nie mehr sehen wollte, ihn hassen wollte? Egal wie oft ich mir das gesagt hatte, ich würde mich nie daran halten können.        

das war am Anfang schwer, doch jetzt viel mehr
Musik ist aus und du kommst immer näher


Gefühlte Stunden starrten wir uns einfach an und als die Musik ausging, kam er plötzlich auf mich zu. Je näher er kam, desto wackliger wurden meine Beine.  Verdammt, warum war ich her gekommen? Warum war ich nicht zu Hause geblieben? Und wie hatte ich je denken können, dass ich mal über ihn hinweg kam?

immer wenn es Zeit wird zu gehn
verpass ich den Moment und bleibe stehn


Spätestens jetzt hätte ich gehen sollen, weglaufen. Doch sein Blick lies mich zu Eis erstarren. Ich würde nie von ihm loskommen und ich genoss es viel zu sehr endlich wieder seine Augen sehen zu können. Er stoppte mit geringem Abstand zu mir. Ich sah in seine Augen und er erwiderte meinen Blick.
„Hey...“, murmelte er. Ich atmete einmal tief durch.
„Hey.“

das Herz sagt bleib
der Kopf schreit geh
Herz über Kopf


'Hau ab! Lass ihn stehen!', wisperte die kleine Stimme in meinem Kopf, doch ich wollte nicht hören. Er hatte mich wieder völlig in seinen Bann gezogen und das obwohl gerade alle Wunden wieder aufrissen und ich würde wahrscheinlich gleich anfangen zu weinen. Doch ich unterdrückte meine Tränen, ich wollte vor ihm nicht zeigen, wie sehr er mich verletzt hatte.

immer wenn es Zeit wird zu gehn
verpass ich den Moment und bleibe stehn


„Du...ähm...siehst wirklich gut aus“, meinte er schließlich. Ich schluckte schwer.
„Und du trägst den Pullover.“
Er sah kurz an sich herab und nickte, ehe er mich wieder ansah.            
„Gehen wir eine rauchen?“
„Ich weiß nicht, besser nicht.“
„Es ist nur eine Zigarette.“
Also nickte ich und folgte meinem Exfreund nach draußen. Meine Beine zitterten und ich hatte Angst gleich umzufallen. Doch nichts geschah, wir liefen einfach nur nach draußen. Dort angekommen, zündeten wir uns jeder eine Kippe an und ich genoss kurz die kühle Nachtluft und versuchte mein Herz zu ignorieren, welches unaufhörlich gegen meine Brust hämmerte.

das Herz sagt bleib
der Kopf schreit geh
Herz über Kopf
Herz über Kopf  
 
                                                                                                                                                                 
„Weißt du...“, begann er, „...wie das damals gelaufen ist, tut mir echt leid. Ich habe mich wie ein Idiot verhalten.“ Ja, das hatte er. Und bis heute verstand ich nicht, warum er sich nun wirklich von mir getrennt hatte. Nur wegen der Musik? Das war damals sein Grund gewesen. Wir hatten irgendwann kaum noch Zeit miteinander verbracht und trotzdem hatte ich nie ein Problem mit seiner Musik gehabt.
Er fuhr leise fort: „Das ist mir alles zu viel geworden, die Musik, du...“
"Du hast lieber alles kaputt gemacht, als mit mir zu reden?“
Und plötzlich ließen sich die Tränen nicht mehr aufhalten. Ich begann zu weinen. Ich hätte nie mit ihm reden dürfen.

Herz über Kopf, lass ich dich immer noch nicht gehn
lass ich dich immer noch nicht gehn
auch wenn es längst Zeit wär zu gehn
Herz über Kopf


„Du hättest mich nicht wählen lassen und daran wären wir kaputt gegangen.“
„Weißt du, wie es mir ging? Du bist einfach abgehauen.“
„Ich weiß und es tut mir leid.“
„Ich hasse dich so sehr“, zischte ich und wischte mir ein paar Tränen aus dem Gesicht. Dieser Arsch, er hatte alles kaputt gemacht. Er hatte mich kaputt gemacht.

immer wenn es Zeit wird zu gehen
verpass ich den Moment und bleibe stehn
das Herz sagt bleib
der Kopf schreit geh
Herz über Kopf


Und dann spürte ich plötzlich seine starken Arme, die sich um meinen Körper schlangen. 'Wie damals', dachte ich mir. Wir standen genauso wie an unserem letzten Abend da, er hielt mich im Arm und ich weinte an seiner Brust. Genau wie damals drückte er mich ein Stück zurück und sein Blick traf meinen.                          
„Ich habe Scheiße gebaut, riesige Scheiße. Weißt du noch, was zu dir gesagt habe?“
„Als könnte ich das vergessen, du Arsch.“
Er begann zu lächeln und verdammt...ich hatte sein Lächeln so sehr vermisst. Ich hatte ihn vermisst. Es würde ja doch nie einen anderen für mich geben. Und weil mir das gerade wieder bewusst wurde, musste auch ich kurz lächeln.
„Es hat sich nichts geändert. Ich liebe dich.“ Und ehe ich etwas antworten konnte, trafen seine Lippen auf meine. Und für einen Moment existierten nur er und ich. Die Zeit stand für einen Moment still. Und eigentlich wusste ich, ich hätte gehen sollen. Doch wie hätte ich gehen können? Ich brauchte ihn und verdammt, ich liebte ihn doch noch immer.
Nachdem wir uns voneinander gelöst hatten, legte er seine Stirn gegen meine. Sein Blick fixierte meinen und ich wagte es nicht mal zu blinzeln.
„Du hast mir so gefehlt“, brachte ich schließlich hervor.
„Glaubst du, du kannst einem Idioten noch eine Chance geben?“
„Ich glaube schon.“ Nun lächelten wir beide.

„Ich liebe dich, Michelle.“
Und ich liebe dich, Lance.


Und immer wenn es Zeit wird zu gehn
verpass ich den Moment und bleibe stehn
das Herz sagt bleib
der Kopf schreit geh
Herz über Kopf


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