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Die Saat der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Harry Potter Severus Snape
24.12.2015
12.05.2016
19
77.596
105
Alle Kapitel
229 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
04.01.2016 6.701
 
Titel: Die Saat der Zeit

Autorin: KrissyNightwish

Pairing: Harry und Severus *freu*

Anmerkung: Vielen Dank für eure Kommentare und die vielen Favoriteneinträge. Es freut mich sehr, dass es noch immer Leser da draußen gibt, die "Die Saat des Bösen" nicht vergessen haben, und an der Fortsetzung interessiert sind.

Es geht auf jeden Fall weiter! :-)
Gute Unterhaltung!


Kapitel 2: Einst war es ein Zuhause

Mit einem Schlag war Frühling. Harry konnte es kaum glauben. Der Winter hatte sich so lange und so hartnäckig gehalten, dass es nun beinahe unwirklich wirkte, dass es endlich wärmer geworden war und die Natur um ihn herum explodierte.

Und mit dem Frühling erhielt Harry mal wieder Post. 10 Jahre war es inzwischen her, dass er seinen Abschluss hatte und dies sollte groß in Hogwarts gefeiert werden. Irgendwie war es ein interessanter Gedanke seine Mitschüler mal wieder zu sehen. Was ihm jedoch viel mehr Bauchschmerzen bereitete, war die Tatsache nach Hogwarts zurückzukehren. Einst hatte er sich geschworen, diesen Ort nie wieder zu betreten.

Und doch trat er einige Wochen später durch die Eingangstore. Es war surreal. Er war wieder hier.

"Harry!" Ron und Hermine gesellten sich zu ihm. Er musste lächeln, weil das Bild der beiden an diesem Ort so vertraut war; aber es war auch anders, denn beide waren deutlich älter. Sie hakten sich bei ihm ein. "Es ist schräg, oder?", begann Ron und sah hoch zu dem prachtvoll erleuchteten Schloss. Hermines und Harrys Blicke folgten ihm. Hogwarts war so schön wie Harry es in Erinnerung hatte; noch immer hatte es eine majestätische Ausstrahlung und als sie gemeinsam das erste Mal wieder durch die große Tür traten, fühlte sich Harry augenblicklich zuhause -  es war so warm und anheimelnd wie er es viele Jahre erlebt hatte.

Als dann auch noch Professor McGonagall auf sie zu kam, glich es einem Déja-vu; sie strahlte alle drei an. "Wie schön euch zu sehen." Sie schüttelte ihnen lächelnd die Hand. "Und ganz besonders dich, Harry."

"Professor!", begrüßte Harry seine ehemalige Lehrerin freundlich.

"Hast du schon mal daran gedacht, als Lehrer nach Hogwarts zurückzukehren?", fragte sie ihn direkt.

Niemals würde er das tun. "Vielen Dank für das Angebot, Professor, aber ich habe meine Berufung gefunden."

Sie nickte. "Du darfst mich ruhig Minerva nennen", fügte sie freundlich hinzu. "Aber lasst euch nicht aufhalten. In der Großen Halle ist alles angerichtet." Mit einer einladenden Geste wies sie ihnen den Weg.

Schmunzelnd gingen sie drei den vertrauten Weg in die Halle. Dort waren viele Stehtische aufgebaut worden, daneben stand ein großer Haustisch, der festlich gedeckt war. Er würde vollkommen für die rund fünfzig Gäste reichen.

"Harry!" Dumbledores Stimme richtete Harrys Aufmerksamkeit auf ihn. Er löste sich von seinen Freunden und ging auf den alten Zauberer zu, der sich gerade mit einigen ehemaligen Schülern unterhalten hatte. Sie schritten aufeinander zu; beide lächelten. Harry fiel sofort auf, dass Dumbledore noch älter aussah; doch das Funkeln in seinen Augen war eben jenes, das Harry so gut kannte. Sie umarmten sich; etwas, das sie seit einigen Jahren taten. Harry überlegte, wann sie sich das letzte Mal gesehen hatten? Dumbledore war der einzige, der jemals gewusst hatte, wo er war. Eines Tages hatte er doch wirklich vor seinem Haus in Frankreich auf ihn gewartet. Harry schüttelte die Erinnerung ab. Ihr letztes Treffen lag mindestens zehn Monate zurück. Wie schnell die Zeit doch verging!

"Wie geht es dir, mein Junge? Wie ich hörte, hast du einige alte Bekanntschaften wieder aufleben lassen." Etwas in Dumbledores Blick funkelte zu heftig für Harrys Geschmack. Dumbledore führte ihn mit einer Geste zum nächsten Stehtisch, wo sie sich ein Getränk gönnten.

"So wie in den letzten Jahren", antwortete Harry ehrlich auf die Frage, wie es ihm ging. Er hatte es schon vor langen aufgegeben, etwas vor Albus zu verheimlichen.

Traurigkeit legte sich über seine Züge; etwas, das Harry gar nicht gerne sah. "Hast du mit ihm gesprochen?"

Harry seufzte hörbar. "Wenig - und so wie du es meinst, gar nicht. Lass es gut sein!" Sie hatten diese Diskussion schon so oft geführt. Unzählige Male hatte Albus ihn überzeugen wollen nach England zurückzukehren, um wenigsten mit Severus zu reden.

"Ich werde nie aufhören für die Liebe zu kämpfen", antwortete er und Harry konnte nicht anders als zu lächeln. Albus war unverbesserlich und dafür liebte er ihn.

"Harry!" Luna kam auf ihn zu und hatte ihn im nächsten Moment stürmisch umarmt.

"Miss Lovegood", begrüßte Dumbledore sie. "Ich empfehle mich!" Und so ging der Schulleiter seines Weges.

"Es ist wunderbar, dich zu sehen", rief sie. "An Nevilles Hochzeit kam ich nicht dazu." Harry betrachtete sie lächelnd. Sie war noch immer so lebendig und fröhlich wie damals; nur wirkte sie erwachsener; sie war zu einer schönen Frau geworden. "Was machst du so?", fragte Harry ehrlich interessiert.

Luna strahlte. "Ich bin Spieleentwicklerin."

Harrys Augenbrauen schossen ungläubig nach oben. "Für Muggelkonsolen?"

Sie nickte. "Es ist einfach wunderbar."

"Wow!", entwich es Harry. Damit hatte er nicht gerechnet.

"Und du? Was hast du die letzten Jahre gemacht."

"Mich hat es nach Frankreich verschlagen." Es war seine Standardantwort, denn er hatte kein Interesse sein Privatleben auszubreiten - auch nicht vor ehemaligen Mitschülern.

"Ist ja cool", rief Luna begeistert. "Wir können später noch quatschen", sagte sie dann. "Ich sehe gerade Su, die ich unbedingt nach ihren Kindern fragen wollte." Sie zog von dannen. Harry sah ihr hinterher. Es war schön wieder hier zu sein.

Sein Blick streifte umher und blieb dann an einer Person hängen. Harry schluckte. Da stand Malfoy. Augenblicklich war seine Stimmung umgeschwungen. So lange hatte er nicht mehr daran gedacht, welche Qualen er ihm in der Schulzeit zugefügt hatte. Er hatte es versucht zu vergessen - wie so vieles andere auch. Doch wirklich gelungen war es ihm nicht.

Und als er jetzt die vertraute, wenn auch ältere Gestalt sah, war die Erinnerung wieder da, offen und wund. Und dann kreuzten stahlgraue Augen seinen Blick. Harry zwang sich hinzusehen.

Und dann war er irritiert. Draco senkte den Blick und setzte sich in Bewegung. Harry wusste überhaupt nicht, was er tun sollte. Dann war Draco bei ihm. Harry klammerte sich an seinen Drink.

"Harry!", sprach Draco ihn an, seine Stimme ganz anders, als Harry sie in Erinnerung hatte. "Könnten wir einen Moment reden?" Harry nickte stumm. Harry hörte Draco tief ein- und ausatmen. "Es tut mir leid. Ich war so ein Arsch", sagte Draco direkt heraus.

Harry starrte ihn ziemlich schockiert an. "Was ist geschehen?" Er konnte nicht glauben, was er da hörte.

Draco lachte traurig. "Ich habe zwei Jahre im Knast verbracht", gestand er freimütig. Harry wahr ehrlich schockiert. Draco schmunzelte traurig. "Muggel dulden deutlich weniger als wir", fügte er melancholisch hinzu. "Wie auch immer… ich möchte mich bei dir entschuldigen für den Schmerz und die Angst. Ich war ein Monster." Harry war nur in der Lage zu nicken. Damit hatte er nicht gerechnet.

"Alles ok, Dray?", fragte Parvati, die sich plötzlich zu ihnen gesellte. Harry konnte es kaum glauben, als sie ihren Arm um seine Taille schlang. "Ihr seid-?", fragte er vollkommen geplättet. Parvati grinste ihn offen an, während Draco leicht verlegen aussah. "Das Beste, was mir je passiert ist", sagte er und Parvati küsste ihn liebevoll auf die Wange.

"Ja, wir sind verheiratet", sagte sie.

Harry lachte. "Dann muss ich dich nun Mrs Malfoy nennen?", fragte er ungläubig glucksend.

"Nicht ganz", gab sie zurück.

"Ich heiße Patil", sagte Draco, was Harry doch tatsächlich dazu veranlasste, den Mund vor Staunen zu öffnen. Wahnsinn! Das Paar lachte.

"Wie auch immer", sagte Draco plötzlich wieder todernst. "Ich erwarte nicht, dass du mir verzeihst, ich wollte dir nur sagen, dass es mir leid tut." Harry nickte. Parvati und Draco gingen zurück zu den anderen. Harry sah ihm nachdenklich hinterher. Seine Schulzeit war ihm so präsent wie schon lange nicht mehr und doch war sie weiter weg als je zuvor. Draco hieß nun Mr Patil. Es war unglaublich, wie sich manche Dinge änderten - und andere nicht, setzte er in Gedanken hinzu, als er schon wieder an Severus denken musste.

"Du siehst gut aus!", sagte plötzlich eine Stimme und als Harry aus seinen Gedanken auftauchte, sah er Susan und Hannah an seinen Tisch treten. Sie grinsten ihn an.

"Ihr auch!", gab er zurück.

"Es ist so schön, dich zu sehen", sagte Susan. Harry bemerkte, dass sie mit Hannah Händchen hielt. "Wir spielen auch in dem Team", sagte Hannah auf seinen Blick hin. "Wie ist es dir ergangen?", fragte sie freundlich.

"Gut, ich lebe inzwischen in Frankreich."

"Das ist ja cool. Ich nehme an, es gibt viele heiße Franzosen, die auf einen Briten abfahren", äußerte Susan freimütig. Hannah gab ihr einen Klaps auf den Oberarm. "Was denn?" fragte sie an ihre Frau gewandt.

"Allerdings!", gab Harry lachend zu. Es war amüsant zu sehen, wie Paare miteinander interagierten. "Siehst du!", sagte Susan rechthaberisch. Harry lachte wieder. Ihm wurde schlagartig klar, dass es eine wunderbare Entscheidung gewesen war, herzukommen. Die Gesellschaft seiner Mitschüler war einfach herrlich.

"Ich hoffe, du hast den britischen Männern nicht ganz den Rücken gekehrt", fügte Susan dann lachend hinzu.

"Das hoffe ich auch", sprach plötzlich Oliver Rivers, ein Hufflepuff mit dem Harry in seiner Schulzeit kein Wort gewechselt hatte. Nun strahlte er ihn jedoch mit seinen herrlichen blauen Augen an; war ganz offensichtlich an ihm interessiert. Harry grinste. Es war ohne Zweifel schmeichelhaft, wenn er angemacht wurde. "Das habe ich keineswegs", gab er zurück.

"Na dann viel Spaß!", sagten Hannah und Susan und verabschiedeten sich.

Oliver und Harry sahen sich an. "Es ist schade, dass ich in meiner Schulzeit noch nicht wusste, was mir gefällt", äußerte er freimütig, während sein Blick an Harry auf und ab glitt. Dieser war von dieser offensiven Anmache gleichermaßen überrascht und amüsiert.

"Es ist ja bekanntlich nie zu spät, um einen guten Geschmack zu entwickeln", gab Harry zurück; Flirten versetzte ihn in Hochstimmung.

Olivers blaue Augen funkelten. "Das habe ich. Was ist mit dir?", fragte Oliver flirtend zurück, in seinen Augen leuchtete es.

"Auch ich weiß, was ich will, wenn es das ist, was du meinst."

Oliver lehnte sich vor und flüsterte in sein Ohr: "Schließt dieser Wille mich mit ein? Denn ich hätte heute Nacht noch nichts vor." Harry grinste.

"Oliver!", sagte plötzlich kein anderer als Sirius. "Wie schön, dich zu sehen."

"Und dich auch Harry", fügte Remus hinzu, legte einen Arm um seine Schulter und drehte ihn weg.

"Ich muss sagen, dass du dich zu einem sehr sportlichen jungen Mann entwickelt hast", hörte Harry Sirius zu Oliver sagen.

"Das ist Ihnen zu verdanken, Sir. Sie haben mich in meinem letzten Jahr ziemlich rangenommen."

Sirius lachte laut. "Das war meine Absicht. Ich wusste schon immer, dass in dir ein Spitzensportler steckt." Harry zog total verwirrt die Augenbrauen zusammen. Sirius flirtete mit Oliver. Was war hier los? Er sah zu Remus, der aber ziemlich normal aussah. "Seit wann bist du schon hier?", fragte er beiläufig.

Harry war viel zu verwirrt von den Vorgängen hinter sich, um sich auf Remus' Frage zu konzentrieren. "Danke für das Kompliment, Professor."

"Also bitte Oliver. Du bist schon lange nicht mehr mein Schüler. Nenn mich Sirius!" Harry verschluckte sich fast an seinem Drink.

"Seit einer Stunde, oder so", sagte er dann, da Remus ihn immer noch fragend ansah.

"Nat und Eve haben nach dir gefragt", sagte er dann, und lenkte damit Harrys Aufmerksamkeit endgültig auf sich. Er lächelte. "Richte ihn meine liebsten Grüße aus!" Als Remus' Blick ein wenig traurig wurde, fügte Harry hinzu: "Ich weiß noch nicht, ob ich es irgendwann ertragen kann, regelmäßig nach England zurückzukehren. Im Moment kann ich es mir nicht vorstellen."

Remus legte eine Hand an seine Schulter. "Ich bin froh, dass es die Umstände zur Zeit möglich machen, dass du da bist. Wir haben dich sehr vermisst."

Harry sah ihm in die Augen. "Ich euch auch."

"Es ist so toll, dich wiederzusehen", sagte da plötzlich Neville, der auf die beiden zukam und Harry in die Arme schloss. "Es war wunderbar, dass du bei unserer Hochzeit warst."

"Es war ein schönes Fest."

"Ich geh dann mal wieder zu Sirius", sagte Remus. Harry folgte ihm beiläufig mit dem Blick, sah dabei irritiert, dass Sirius Oliver inzwischen hatte stehen lassen und mit Remus in Richtung der anderen Lehrer ging. Was aber noch irritierender war, war dass Severus ihnen entgegensah - sein Blick seltsam offen.

"Florence lässt dich lieb grüßen." Nevilles Äußerung ließ ihn seinen Blick abwenden. "Danke, Grüß sie auch von mir."

"Kommst du eigentlich zu der großen Feier im Ministerium?", fragte er dann. Harry sah ihn fragend an. "Ich öffne meine Post nur selten."

Neville lachte. "Ich kann es dir nicht verdenken. Aber elf Jahre seit der Vernichtung Voldemorts sind ein Grund zum Feiern, auch wenn es mich ein wenig fröstelt bei dem Gedanken, was die Presse daraus machen wird, wenn "die Großen Drei" sich zusammen auf einer öffentlichen Veranstaltung zeigen."

Für einen Moment fragte sich Harry, ob Severus kommen würde. Dann verzog er das Gesicht. "Sie werden sich in ihre Höschen machen vor Freude." Neville lachte laut. "Das wäre ein Grund mehr hinzugehen. Kommst du?", fragte er dann.

"Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, aber ich denke schon. Trotz allem ist es, wie du schon sagtest, ein Grund zum Feiern."

"Das freut mich." Neville legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Wahnsinn, wie sich alles entwickelt hat, oder?", sagte er mit Blick auf ihre Mitschüler.

"Allerdings", gab Harry zu.

"Ich hätte nie gedacht, dass Draco und Parvati mal heiraten. Ja, und Dean arbeitet im Umweltministerium der Muggel. Das hat mich auch überrascht."

Harry sah ihn erstaunt an. "Und was macht Seamus? Ist er Feuerwehrmann geworden?"

Synchron lachten sie beide laut los. "Der arbeitet im Ministerium in der Abteilung für Strafverfolgung."

"Wirklich Wahnsinn, was so alles in zehn Jahren passieren kann."

"Stimmt. Allerdings bleiben einige Dinge gleich." Als Harry fragend schaute, fügte Neville murmelnd hinzu: "Da sieht dich jemand an." Harry sah auf, blickte in die Richtung, in die Neville deutete: Schwarze Augen hatten sich auf ihn geheftet und in ihnen sah er etwas, das er kaum glauben konnte: Faszination. Severus starrte ihn an als sei er das achte Weltwunder.

Irritiert senkten sie synchron ihre Blicke. Warum sah Severus ihn so an?

"Da ist aber jemand ziemlich in dich verschossen", raunte plötzlich Hermine, die zu ihnen getreten war, in Harrys Ohr. Erschrocken sah er sie an, die einen Arm um seine Schulter schloss. "Das sieht sogar ein Blinder", fügte sie grinsend hinzu.

"Ja, sogar ich sehe es", gestand Ron selbstironisch. Neville, Ron und Hermine lachten.

"Meine lieben Schüler, es ist wunderbar, dass ihr alle erschienen seid", sagte plötzlich Dumbledore. "Bitte nehmt Platz. Ich war so frei, eine Sitzordnung festzulegen, sodass ihr die Gelegenheit habt mit alten Kameraden zu reden, die ihr nicht so oft seht."

Die ehemaligen Schüler und Lehrer gingen neugierig zum dem einzigen Haustisch und sahen sich um, wo sie sitzen würden. Harry stöhnte innerlich auf. Dumbledore hatte sie nach Nachnamen sortiert. Die knapp fünfzig Personen mussten sich alphabetisch sortieren. Ihm war klar, warum er das gemacht hatte, damit man möglichst viel mit alten Mitschülern und Lehrern sprach, mit denen man früher vielleicht nicht so viel zu tu hatte, aber das hieß für ihn, dass er neben Severus und Professor Slughorn saß. Na wunderbar!

"Harry, mein Lieber, das ist ja wunderbar, dass wir uns hier sehen." Kaum, dass er sich niedergelassen hatte, textete Slughorn ihn auch schon zu.

Innerlich rollte Harry mit den Augen. "Das Vergnügen ist ganz meinerseits", log er dreist.

"Ich wollte mich schon lange mit Ihnen mal wieder unterhalten. Sie waren in den letzten Jahren ja wie vom Erdboden verschluckt. Die britische Presse hatte Sie vollkommen aus den Augen verloren. Ich bin gespannt darauf in den nächsten Stunden von Ihren Heldentaten zu erfahren." Mit einem schalen Grinsen griff Harry zu seinem Getränk, um sich von einer Antwort abzuhalten.

Er überlegte noch einen Moment, ob er Severus vielleicht über ihre Verbindung um Hilfe bitten sollte. Doch er wagte es nicht.

Aber da schritt Severus von selbst zur Tat. "Entschuldige Horace, ich müsste noch einige Dinge mit Ihrem liebsten Schüler klären", sprang Snape in die Presche.

"Natürlich", ereiferte sich Slughorn. "Allerdings hätte ich auch gerne ein paar Worte mit Ihnen gewechselt."

'Sorgen wir dafür, dass er diese Gelegenheit nicht bekommt', murmelte Snape über ihre Verbindung. Harry wusste gar nicht, wie ihm geschah. Da war Severus. Und er war plötzlich wieder so nahe. Er schluckte und erwiderte dann ehrlich: 'Nichts lieber als das.'

Sie sahen sich an. "Wann hast du das letzte Mal auf diesen Bänken gesessen?", fragte Harry das erste, was ihm in den Sinn kam. Er hatte sich etwas zu Snape geneigt, damit Slughorn ihre Unterhaltung nicht mitbekam.

Severus verzog nachdenklich den Mund. "Ich glaube das war bei einem Weihnachtsfest, als so viele Schüler im Schloss geblieben waren, dass sich ein Haustisch anbot. Das ist allerdings bestimmt zwanzig Jahre her."

"Du bist alt", konstatierte Harry mit einem neckenden Unterton.

Snape sah ihn dunkel an. "Noch lange nicht", gab er zurück. Etwas in Snapes Tonlage war Harry vollkommen fremd; es klang irgendwie dunkel und aufregend. Er konnte es nicht richtig einordnen. Er betrachtete Snape, sah in sein Gesicht. Nein, alt war er wirklich nicht. Sein Alter stand ihm einfach gut. Er sah reifer und zufriedener aus. Als er merkte, dass er starrte, senkte er den Blick.

"Hat es sich wenigstens gelohnt?", fragte Harry dann, um die kurze Stille zu unterbrechen; nicht, dass Slughorn auf die Idee kam, diese zu nutzen. "Das Sitzen auf den Bänken bei der Weihnachtsfeier, meine ich", präzisierte Harry.

Snape zuckte mit den Schultern. "Das Übliche. Du kennst Albus' Vorstellungen von einer gelungenen Weihnachtsfeier. Jede Menge Kekse, Knallbonbons und schale Witze." Harry lächelte. Daran erinnerte er sich.

Plötzlich klatschte der Schulleiter in die Hände. "Lasst es euch schmecken!", rief er feierlich und das Essen erschien vor ihren Augen. Es war die immer herausragend. Die Hauselfen hatten sich nicht lumpen lassen und sämtliche Köstlichkeiten aufgetischt. Doch Hunger hatte Harry kaum. Die Nähe zu Severus machte ihm zu schaffen. Sie saßen so verdammt nahe beieinander.

Da half es auch nicht, dass er sich gerade angeregt mit seiner Tischnachbarin Professor Sprout unterhielt, denn es wurde recht deutlich, wie entspannt Severus war. Seine Stimme klang milder als früher; er hatte nichts von seiner Schlagfertigkeit und seinem dunklen Humor eingebüßt, nur war er noch um ein vielfaches anziehender. Justin und Kevin saßen ihnen gegenüber und machten es auch nicht besser, denn als Kevin etwas zu dem Thema zu sagen hatte, reagierte Severus äußerst höflich.

"Sie essen ja kaum etwas, lieber Harry!", sprach da auch schon Slughorn, was zu viele neugierige Blicke auf ihn lenkte. Harry rang sich ein Lächeln ab. "Ich bin nicht sonderlich hungrig."

"Also in Ihrem Alter konnte ich einen Büffel verdrücken." Slughorn lachte dröhnend. Harry aß noch einige Gabeln vom Kartoffelpürree und tat sich dann Schokopudding auf. Er erinnerte sich daran, dass er, als er unter diesen starken Unterleibsschmerzen gelitten hatte, auch am liebsten Schokolade gegessen hatte. Das war so ewig her! Und so schmerzhaft es damals auch gewesen war, er konnte jetzt nicht anders als bei dieser Erinnerung zu lächeln.

Er ließ den Blick umher schweifen. So schlimm die Ereignisse hier auch gewesen waren, er war froh jetzt hier zu sein. Hogwarts war immer sein Zuhause gewesen. Es jetzt wieder mit Leben und Lachen angefüllt zu sehen, tat gut. Die meiste Zeit, die er hier verbracht hatte, war eine schöne gewesen. Er sah hinauf zu den schwebenden Kerzen, die eine stimmungsvolle Atmosphäre verbreiteten.

Langsam begann er seinen Schokopudding zu löffeln, er schmeckte herausragend. Die Hauselfen hatten sich selbst übertroffen. Er dachte an Dobby. Ob er noch hier arbeitete? Harry schwang ein Bein über die Bank, streifte dabei aus Versehen Severus, der zu ihm sah, während Harry nun ein Bein auf jeder Seite der Bank hatte. "Entschuldige", murmelte er mit gesenktem Blick. Bei Merlin! Es war nur ein Versehen gewesen, kein Grund verlegen zu werden, und doch fühlte er Scham in sich hoch kriechen.

Dann konzentrierte er sich auf sein eigentliches Vorhaben. "Dobby?", fragte er leise in den Raum. Sofort erschien der Elf.

"Harry Snape!", rief dieser voller Begeisterung. "Was kann Dobby tun?"

Harry lächelte den Kleinen an. "Ich habe dich vermisst und wollte dir Hallo sagen." Er breitete seine Arme aus, woraufhin der Elf sich mit tränenden Augen in seine Arme warf. "Dobby hat Master Snape so vermisst", schluchzte er.

Harry sah schmunzelnd auf das kleine Wesen in seinen Armen. "Das habe ich auch." Sie drückten sich noch einen Moment, dann rückte Dobby von ihm ab, sein Blick glitt zu seinem Banknachbarn. "Und sein Ehemann!", rief Dobby begeistert. "Professor Snape! Karli spricht immer nur in den höchsten Tönen von Ihnen." Mit roten Wangen senkte Dobby den Blick. Selbst Harry musste schmunzeln bei all dieser Verlegenheit.

Doch dann sah er mit leuchtenden Augen wieder auf. "Master und Professor Snape sind wieder zusammen", ereiferte er sich. "Dobby hat alle Geschenke aufbewahrt, wenn Master und Professor wieder zurückkehren."

"Wir sind nicht-", begann Harry, doch da war Dobby schon verschwunden und kam wenige Sekunden mit einem alten Pappkarton wieder, den er kaum tragen konnte. "Dobby hat alles aufbewahrt", sagte er stolz und hielt den beiden die Kiste entgegen.

Ein Blick hinein genügte, und Harry wusste, was es war: Ihre Hochzeitsgeschenke. Severus erging es genauso. Ihre Blicke kreuzten sich. Da war Unsicherheit, Unglauben und auch Spur Humor.

Harry konnte nicht anders, denn dieser Moment war so absurd, dass er lachen musste. "Das ist ganz wunderbar, Dobby" sagte er dann leise. Wenn sie so weitermachen würden, würden es noch andere mitkriegen; bisher waren alle mit ihren Nachbarn oder dem Essen beschäftigt - bis auf Severus. "Würdest du es noch eine Weile für uns aufbewahren. Wir melden uns, sobald wir sie möchten."

Dobby nickte eifrig. "Sehr gerne. Dobby passt auf alle Liebesgeschenke gut auf." Er verschwand mit einem großen Strahlen. Kopfschüttelnd sah er an die Stelle, an der Dobby verschwunden war. Dieser Elf war doch einfach unglaublich. Es gab ihre Hochzeitsgeschenke noch.

Er wandte sich ab und begegnete den schwarzen Augen, die ihn intensiv ansahen - so intensiv, dass Harry wegsah und sein Bein wieder über die Bank schwang, wobei er schon wieder Severus berührte. Innerlich stöhnte er auf. Ihm blieb aber auch nichts erspart.

Harry versuchte sich abzulenken und sah sich am Tisch um. Am meisten schockierte ihn es wohl, dass Parvati mit Draco verheiratet war. Aber auch andere Paare gab es, bei denen er es nie vermutet hätte.

Doch lange konnte er seinen Gedanken nicht nachhängen, denn Albus sprach wieder. "Nachdem nun unsere Bäuche gefüllt sind, habe ich mir noch eine Kleinigkeit ausgedacht." Unwillkürlich kreuzen sich Harry und Snapes Blick. "Ein Satz, der uns beiden Angst einjagt", flüsterte Snape und Harry lachte. "Allerdings!"

"Um der alten Zeiten Willen darf nun jeder von euch nacheinander seine liebste Erinnerung aus der Schulzeit an den Menschen links von ihm zum Besten geben."

Harry schloss die Augen. Das durfte doch nicht wahr sein! Links von ihm saß Severus. Hatte Albus das absichtlich gemacht? Zuzutrauen wäre es ihm ja.

Und so machte Hannah den Anfang und sprach über Susan, die ihren Nachnamen angenommen hatte. Diese wiederum hatte die Möglichkeit über Sirius zu reden, der direkt neben ihr saß. "Am besten erinnere ich mich an den Tag, als Professor Black das erste Mal den Quidditch-Unterricht von Madame Hoch übernommen hat. Er begrüßte uns mit den Worten "Alles klar, ihr Waschlappen. Wer bisher dachte, er könne fliegen, wird nun auf den Boden der Tatsache zurückgebracht. Keiner ist automatisch im Quidditch-Team. Alle fangen bei Null an, denn dieses Jahr wollen wir die Slytherins so richtig platt machen. Ich brauche also Schlangenschlucker und keine Löwenbabys. Rauf auf die Besen!"

Susan gab eine beachtliche Imitation von Sirius von sich, die Harry vor lachen beinahe vom Stuhl riss. Auch die Schüler amüsierten sich prächtig. Was vielleicht auch daran lag, dass Sirius den Kopf in die Hände gestützt hatte und sein Gesicht leicht beschämt verbarg. "Nach dieser flammenden Rede waren wir mehr als nur motiviert", schloss Susan. "Professor Black hat seinen Job also mehr als nur gut gemacht." Die Schüler applaudierten.

So ging es immer weiter. Die Schüler teilten ihre Erinnerungen an ihren linken Sitznachbarn. Alan Davis sprach über Dumbledore, rief allen seine legendäre Eröffnungsrede in ihrem ersten Schuljahr "Schwachkopf, Schwabbelspeck, Krimskrams, Quieck" in Erinnerung;

Seamus erzählte über Flitwick, dass dieser ihn einst nach dem Unterricht beiseite genommen hatte, als er wieder mal was in Brand gesteckt hatte und ihn gefragt habe, ob er in seinem Stammbaum einen Feuerzauberer gebe und Seamus daraufhin nur stotternd erwidern konnte, dass seine Großmutter mal auf den Feuerinseln gewesen sei. "Im Anschluss hat er auch noch an meinem Verstand gezweifelt", fügte Seamus kopfschüttelnd hinzu;

Neville erinnerte sich bei Luna an, dass diese "Professor Telawney einmal ernsthaft darauf hingewiesen hat, dass Hellseherei durch einen Virus, der durch Erklinge übertragen wird, zustande kommt und eigentlich nichts anderes als ein Drogentrip sei. "Danach hat sie Luna nie wieder im Unterricht drangenommen.";

Draco wusste über Pansy zu berichten, dass sie ihm im fünften Schuljahr ganze acht Wochen in den Ohren gelegen habe, weil sie unbedingt tanzen mit ihm lernen wollte, obwohl sie gar kein Rhythmusgefühl hatte.

Harry wurde mit jedem Schüler, der dran kam, nervöser. Was sollte er sagen? Severus hatte es einfach, links von ihm saß Professor Sprout. Aber er? Was sollte er sagen? Schneller als ihm lieb sein konnte, war er an der Reihe.

Er erhob sich, wie alle anderen auch. "Einer meiner liebsten Erinnerungen an Professor Snape…" Sämtlich Augen waren auf ihn gerichtet, man hätte ihn diesem Moment eine Stecknadel fallen hören können. "…stammt aus meinem vierten Schuljahr. Neville und ich hatten unseren Trank vollkommen vermurkst. Er war eine Schande. Ehrlich." Erstes Gelächter ertönte.

"Uns war beiden klar, dass wir versagt hatten, und so haben wir unseren Trank verschwinden lassen. Neville hat dann etwas von Rons Trank abgeschöpft und ich von Hermines. Dann kam Professor Snape durch die Reihen. Als er bei mir stehen blieb, sagte er: "Mister Potter, zum allerersten Mal bin ich nicht sicher, ob ich Ihnen für diesen Betrugsversuch Punkte abziehen oder Ihnen zu Ihren slyhterinhaften Überlegungen gratulieren soll?"

Wieder lachten einige Schüler, als Harry fortfuhr, Snape zu imitieren: "Da Sie jedoch kein Slytherin sind, entscheide ich mich für Ersteres. Fünfzig Punkte Abzug für den peinlichen Versuch mich täuschen zu wollen." Das Lachen war dröhnend.

Selbst Harry musste schmunzeln bei der Erinnerung, als sein Blick zu Snape glitt. Dieser sah ihn wieder so voller Faszination an, doch dieses Mal hielt Harry seinen Blick. Als sich Snape nun erhob und Harry niederließ, berührten sich ihre Schultern für einen winzigen Augenblick. Ihre Blicke streiften sich, doch da alle Augen auf sie gerichtet waren, beließen sie es dabei.

"Professor Sprout ist sicherlich allen wegen ihrer Begeisterung für jegliches Grünzeug bekannt." Erste Lacher wegen der Formulierung. "Ich erinnere mich jedoch am liebsten an ein Ereignis - ich glaube es war in Ihrer aller dritten Schuljahr - da hat sie für das Lehrerkollegium eine imposante Torte gebacken. Sie war herrlich verziert mit Sahnehäubchen und Schokostücken. Albus' Augen leuchteten, ebenso die von Septima - beide hatten schon immer ein Vorliebe für Süßes. Als Pomona sie stolz hineintrug, hat sie jedoch Filius übersehen und stolperte. Sie fiel und traf mich. Wir lagen nun also zu dritt auf dem Boden übersät mit Torte. Pomona rappelte sich jedoch auf, zauberte Teller herbei und schöpfte für jeden ein Stück von mir runter. Dabei sagte sie "Wir alle wollten schließlich schon mal ein Stück von dir kosten, Severus." Sie hat daraufhin probiert und murmelte liebevoll: "Und wie nicht anders erwartet, bist du süß." Sie alle können sich mein Gesicht vorstellen", fügte er hinzu. Nun lachte wirklich jeder - nur Harry starrte Severus mit offenem Mund an.

Er hatte nicht gewusst, dass dieser so faszinierend erzählen konnte. Seinen Sinn für Humor kannte er, doch diese kleine Geschichte war einfach nur fantastisch. Severus ließ sich nieder, woraufhin Professor Sprout zu Wort kam, doch Harry hatte nur Augen für Severus. Bei Merlin! Er war so anziehend wie eh und je - vielleicht sogar noch mehr.

Erst als es wieder Gelächter gab, tauchte er aus seinen Gedanken auf. Was war nur los? Blaise Zabini, der er über die erste, Hannah Abbott, sprach. Gerade bei Mitschülern, die kaum in ihrer Schulzeit miteinander zu tun hatten, war es interessant, was sie sagten. "Hannahs Kaninchen Bob hat in unserem zweiten Schuljahr wahren Gryffindormut bewiesen. Bob hat sich nämlich gegen Traceys Schlange gestellt und sie mit einigen Schlägen ins Gesicht in die Flucht geschlagen." Die Schüler kicherten bei dieser Erzählung.

"Vielen Dank, liebe Schüler", sprach nun Dumbledore, der kräftig mitgelacht hatte. "-für diesen amüsanten Rückblick. Jetzt beginnt der gemütliche Teil. Tut das, was ihr möchtet." Mit einem Schwung seines Zauberstabes, dimmte Dumbledore das Licht und nur noch einige schwebende Kerzen brannten. Dazu kleine Lampions auf den Stehtischen und einige auf dem langen Haustisch. Es war mit einem Schlag eine beinahe romantische Atmosphäre entstanden.

Harry schluckte. Erste Schüler erhoben sich, verteilten sich im Raum. "Ich muss leider zu Bett gehen. Das Alter macht sich bemerkbar", murmelte Slughorn. Harry verabschiedete ihn.

"Darf ich mich zu Ihnen setzen, Professor Snape?", fragte plötzlich Lisa Turpin.

"Natürlich", antwortete dieser höflich.

Lisa lächelte und ließ sich nieder. "Ich würde mich gerne mit Ihnen über einige Tränke unterhalten. Ich betreibe inzwischen die Apotheke in der Winkelgasse und stelle einige Tränke selbst her. Ich muss sagen, Ihr Unterricht hat mich besser vorbereitet als das Studium. Sie sind ein echter Meister der Zaubertränke."

Snape neigte respektvoll seinen Kopf. "Was möchten Sie wissen?"

Harry war gleichermaßen fasziniert und einen Hauch eifersüchtig, dass Severus so gefragt war und sich auf eine fachliche Diskussion mit einer ehemaligen Schülerin einließ.

Er sah sich um, als plötzlich Daphne auf ihn zukam und sich neben ihn setzte. "Ich hätte ja nie gedacht, dich mal wiederzusehen." Harry sah sie etwas irritiert an. Sie hatten in ihrer Schulzeit nie etwas miteinander zu tun gehabt.

"Dir verdanke ich, dass ich den Mut hatte zu mir selbst zu stehen." Als Harry sie fragend ansah, fuhr sie fort. "Ich war immer ängstlich - schon als Kind. Immer hatte ich Angst, man könnte mich nicht mögen oder würde mich zurückweisen. Das war mein ganzes Leben so. Aber dann habe ich gesehen, wie du in unserem sechsten Schuljahr trotz aller Widerstände für deine Liebe und unsere Freiheit gekämpft hast. Dir wurden so viele Hindernisse in den Weg gestellt, und doch hast du nie aufgegeben. Du hast mich damals sehr beeindruckt und ich habe mir geschworen, es dir gleich zu tun."

Daphne hielt inne. "Ich habe mich getraut, und dem Mann, den ich liebe, gesagt, was ich empfinde. Und was soll ich sagen? Ich wurde nicht zurückgewiesen. Und selbst wenn, mir war in diesem Moment klar, dass ich keine Angst mehr hatte", schloss sie.  

Harry starrte sie an. "Danke, dass du mir das erzählt hast."

Sie legte eine Hand auf seinen Unterarm. "Sehr gerne. Schließlich habe ich dir viel zu verdanken." Sie lächelte ihn an und stand auf. Harry sah ihr hinterher, war einfach nur sprachlos, dass er das Leben eines anderen unwissentlich so beeinflusst hatte. Aber hatte er wirklich für seine Liebe gekämpft?

Ein Blick nach links zeigte ihm, dass Severus nicht mehr neben ihm saß. Er sah sich um. Nur wenige saßen noch am Haustisch, hatten sich an den Enden versammelt; viele standen an den Tischen, unterhielten sich, lachten und schwelgten in Erinnerungen. Es war ein schöner Anblick. Harry erhob sich auch, doch so recht nach Gesellschaft war ihm nicht. Er hatte so lange in Isolation gelebt, dass ihm diese Menge an Menschen noch immer etwas zu schaffen machte.

Und so wanderte er im Schloss umher. Bereits in der Eingangshalle hatte er überlegt, in den Kerker zu gehen, doch er hielt sich bewusst davon ab. Er wusste nicht, was er getan hätte, wenn er vor Severus altem Quartier gestanden hätte. Und so trugen ihn seine Füße zu einem anderen Ort, der nicht weniger symbolträchtig war; aber irgendwie hatte jeder Ort in Hogwarts seine Bedeutung. In einigen Gängen hatte er mit Severus geknutscht, die Klassenzimmer waren voller Erinnerungen, an der Wand zur Krankenstation hatte er gelehnt, als nicht klar war, ob Eve und Sirius überleben würden; nahe beim Gemeinschaftsraum hatte Minerva sie beim Knutschen erwischt; Harry löste sich von diesen Erinnerungen, als sein Fuß die erste Stufe des Astronomieturms erklomm.

Er hatte keine Ahnung, was ihn dazu verleitete an diesen Ort zurückzukehren, wo Severus ihn in einer kalten Novembernacht vor so vielen Jahren verlassen hatte. Aber er war sich sicher, dort seine Ruhe zu habe; jene Ruhe, die er gerade so dringend brauchte. Der Abend war seltsam aufwühlend gewesen. Die Blicke, die Severus ihm zugeworfen hatte, waren so verstörend betörend. Und Severus würde bestimmt nicht herkommen. Nein, Severus würde sicherlich nicht an diesen Ort zurückkehren, der mit so traurigen Erinnerungen verbunden war. Wenn überhaupt war Severus am See; an der Stelle zwischen Ahornbäumen und Büschen, die er schon als Schüler so geliebt hatte.

Harry trat hinaus auf die Platform; hier oben herrschte auch im beginnenden Sommer ein kühler Wind. Seine Hände klammerten sich an das kalte Geländer. Dann richtete er seinen Blick in die Nacht hinaus. Hier war es geschehen vor so vielen Jahren; genau hier hatte Severus ihn verlassen. Ein eisiger Windhauch erfasste sein Herz, obwohl es Sommer war. Er zitterte.

An diesem Ort war die Erinnerung so frisch, so schmerzhaft. Über zehn Jahre war es her und doch fühlte es sich an, als wäre es gestern gewesen. So zittrig hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt; hatte die Gefühle des Schmerzes, der Wut und Verzweiflung doch schon so lange hinter sich gelassen. Harry spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte, sein Griff ums Geländer verstärkte sich und er zwang sich in den Himmel zu schauen; betrachtete die Sternenkonstellationen.

Er hörte, wie sich die Tür des Turmes öffnete. Harry riss sich zusammen, es konnte schließlich jeder sein.

"Ich dachte, du wärst am See", erklang plötzlich die vertraute Stimme.

Harry wandte sich ihm zu; sah kurz in die dunklen Augen. "Das dachte ich in Bezug auf dich auch."

Synchron sahen sie beide hinaus auf die weite, dunkle Landschaft. Der Mond war heute nicht zu sehen, umso heller leuchteten die Sterne. "Warum bist du an diesen Ort zurückgekehrt?", fragte Severus irgendwann sanft.

Harry ließ ein trauriges Lachen hören. Er zuckte mit den Schultern. "Um festzustellen, ob ich es überwunden habe? Um mir darüber klar zu werden, dass es Vergangenheit ist?", bot Harry an, war sich selbst nicht sicher. "Ich weiß es nicht", fügte er dann hinzu und starrte wieder hinaus in die Dunkelheit. An diesem Ort war alles so lebendig. Dieser ganze Abend, so schön er auch gewesen war, hatte Erinnerungen hervorgerufen; Erinnerungen, die Harry lange in sich vergraben hatte.

"War es richtig von mir, was ich damals getan habe?", fragte Severus irgendwann leise, seine Stimme einen Hauch gequält.

Harry schluckte. Was sollte er erwidern? War es richtig gewesen? Er wusste es nicht. Er wusste nur eines: "Wir wären nun nicht hier, wenn du anders entschieden hättest."

Severus nickte leicht, stimmte ihm schweigend zu. "Geht es dir denn gut?", fragte er. Harry blieb für einige Atemzüge still, dachte ernsthaft über die Frage nach - im Grund kannte er die Antwort vom ersten Moment an. Es ging ihm gut, doch etwas, eher gesagt jemand fehlte in seinem Leben. Daher flüsterte er: "Ja." Er hielt inne. "Bis auf eine Sache", fügte er hinzu.

"Dir?", fragte er dann, seine Hände klammerten sich an die Brüstung.

"Ja, mir geht es auch gut", antwortete Severus und setzte dann hinzu: "Bis auf eine Sache."

Harry fühlte sicher innerlich erschauern. Vermisste Severus ihn auch? Hatte er in den letzten Wochen auch so oft an ihn gedacht?

Harry schluckte. Er durfte sich nicht von diesen kindlichen Gefühlen leiten lassen. Sie starrten über die Brüstung hinaus. Es war alles so lange her, und doch waren die Geschehnisse mit einem Mal präsenter. Hier hatte Severus ihm gesagt, dass es für sie keine Zukunft gab. Hier hatte er ihm das Versprechen abgerungen, andere Männer kennenzulernen und ein erfülltes Leben zu führen. Und hier hatte er Severus versprechen lassen, glücklich zu werden. War Severus glücklich? Er konnte sich nicht überwinden zu fragen.

Harry presste die Lippen aufeinander, sah hinaus in die Nacht, spürte den Schmerz der Vergangenheit so deutlich wie schon lange nicht mehr; brachte dieser Ort doch die Erlebnisse mit aller Macht zurück. Er konnte nicht mehr hier bleiben. Es riss ihn entzwei wieder hier zu sein. Harry wandte sich ab, ging zur Tür.

"Harry?" Severus flüsternde Stimme hielt ihn zurück.

"Ja?", fragte er zurück, wandte sich leicht um. Harrys Herz machte einen Aussetzer, als Severus auf ihn zukam und direkt vor ihm stehen blieb.

"Ich hätte es mir nicht verziehen, wenn ich nicht wenigstens versucht hätte, dich aufzuhalten", sagte er dann mit leiser Stimme. Sie sahen sich für etliche Atemzüge in die Augen. Wie sehr er diesen Mann liebte. Aber er durfte sich nicht noch mal so in Gefahr begeben. Das würde er nicht überleben.

Und doch hielt ihn etwas hier. War es die Tatsache, dass Severus plötzlich näher kam, sein Gesicht auf seines zubewegte? Wollte er ihn küssen?

Und dann war Severus' Gesicht bei ihm, so nah, er konnte ihn riechen. Severus streifte mit seinen Lippen Harrys Wange - es war eine flüchtige Berührung; kaum mehr ein Hauch. Severus' Nähe, der vertraute Geruch; die damit einhergehende überschwappende Sehnsucht. Harry schlug es beinahe nieder. Er ertrug es nicht.

Er flüchtete regelrecht, ließ Severus auf der Spitze des Turmes zurück und rannte die Stufen hinab; sein Herz hämmerte schmerzhaft in seiner Brust. Er musste hier weg.

Als Severus am nächsten Morgen zum Frühstück erschien, war von Harry keine Spur mehr. Er hörte zufälligerweise, dass Harry noch in der Nacht abgereist war. Er hatte Hogwarts wieder verlassen und Severus war sich sicher, dass er es nicht mehr so schnell betreten würde.

***

Fortsetzung folgt…

Wie hat es euch gefallen?
Ich freue mich auf eure Eindrücke. :-)

Bis Montag in zwei Wochen!
Eure KrissyNightwish

PS: Für alle, die sich die Wartezeit amüsant verkürzen wollen und sie noch nicht kennen, erwähne ich hier mal meine andere aktuelle Snarry-FF: "Eine lange Weile Langeweile". Eine Geschichte, die kein Trübsal zulässt. ;-) Lest selbst!
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