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Die Saat der Zeit

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Harry Potter Severus Snape
24.12.2015
12.05.2016
19
77.596
102
Alle Kapitel
213 Reviews
Dieses Kapitel
27 Reviews
 
 
24.12.2015 6.449
 
Titel: Die Saat der Zeit

Autorin: KrissyNightwish

Pairing: *ggg* Wird es eines geben? ;-)

!!! Hinweis!!! : Dies ist eine direkte Fortsetzung der FF "Die Saat des Bösen". Es wird dringend empfohlen, vorher "Die Saat des Bösen" gelesen zu haben. :-) Ich werde direkt auf Ereignisse dieser Geschichte eingehen und sie zum Teil nicht näher erklären. Wer dennoch hier einfach einsteigen will, dem sei gesagt: "Du wurdest gewarnt!" ;-)

Hintergrund: Beinahe zehn Jahre sind seit Harrys Schulabschluss vergangen. Was in der Zwischenzeit alles passiert ist, wie es den beiden geht und ob es eine Zukunft für sie gibt: Hier erfahrt ihr es! :-)

Anmerkung: Könnt ihr es glauben? Harry Snape und Severus Snape sind endlich zurück! *strahl* Ich habe mir das so gewünscht - und einige von euch sicherlich auch. :-) Nach jetzigem Plan soll es alle zwei Wochen ein neues Update geben. Immer montags, wie in den alten Zeiten. *nostalgisch lächle* Vorausgesetzt natürlich irgendwer hat überhaupt Lust diese Geschichte zu lesen.

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest. Dies ist mein Geschenk an euch; die ihr so sehr mitgefiebert, mitgelacht und mitgelitten habt.
Fröhliche Weihnachten!


Kapitel 1: Nach all der Zeit

Französische Musik erklang im Hintergrund, Feuer brannte in einem Kamin. Es war Januar und noch immer eisig kalt. Ein Mann von siebenundzwanzig Jahren mit grünen Augen und verwuscheltem schwarzen Haar saß in seinem großen bequemen Sessel und öffnete seine Post. Ein edler Brief aus schwerem Papier fiel ihm dabei sofort ins Auge. Neugierig öffnete er ihn.

'Lieber Harry,
ganz herzlich laden wir dich zu unserer Hochzeit ein.
Diese findet am 15. März in der Reunion Cathedral mit anschließender Feier im Old Palace statt.
Da dies ein Fest der Liebe und Gemeinschaft ist, ist jeder Gast angehalten eine Begleitung mitzubringen.
Herzlichst,
Florence und Neville'

Darunter war eine handschriftliche Notiz und Harry musste nicht erst die Unterschrift lesen, um zu erkennen, wer es geschrieben hatte:

'Es würde mir viel bedeuten, wenn du kommst.
Neville'

Harry starrte auf die Zeilen. Neville heiratete. Er lächelte. Das war eine schöne Entwicklung. Und dann auch noch Florence. Er kannte Nevilles Braut nun schon seit einigen Jahren. Neville hatte ihn damals in Frankreich besucht und als sie über einen Wochenmarkt in Lyon geschlendert waren, waren sie ihr begegnet. Sie war eine bezaubernde junge Frau - Kinderärztin, die an einem Stand zwischen Blumen gestanden hatte. Für Neville war es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Harry schmunzelte in Erinnerung versunken. Sie war einige Zeit später mit ihm nach London gegangen, wo sie sich ein gemeinsames Leben aufgebaut hatten. Fleur schrieb ihm bis heute ein- bis zweimal im Jahr; meist zu seinem Geburtstag. Und nun würden die beiden also heiraten. Welch wunderbare Entwicklung. Harry gönnte es den ihnen von ganzem Herzen. Und natürlich würde er kommen. Nicht nur fühlte er sich beiden freundschaftlich verbunden, er hatte Neville sein Leben zu verdanken.

Harry strich sich die Haare aus dem Gesicht und seufzte, während er leicht lächelte. Es war also soweit. Seit neun Jahren lebte er nun schon in Frankreich. Aber nun - mit dieser Einladung - war die Zeit der Isolation wohl eindeutig vorbei. Sein Fuß wippte zu den harmonischen Klängen im Hintergrund. Es war an der Zeit wieder zurückzukehren.

***

Bereits am nächsten Tag konnte man es in der Zeitung lesen: "Die Hochzeit des Jahrzehnts. Neville Longbottom ehelicht Florence Mont".

Es war schon erstaunlich, dass kein böses Wort darüber verloren wurde, dass Florence Muggel war - im Gegenteil. Die Zeitungen überschlugen sich mit Formulierungen zu Nevilles Lobpreisungen wie "ein leuchtendes Beispiel an Toleranz", "sät Hoffnung in den Gemütern", "ein lang gepredigter und doch nie umgesetzter Umgang mit Muggeln - endlich wagt jemand offen diesen Schritt".

Harry schüttelte den Kopf. Es war gut, dass Neville so einen positiven Einfluss hatte, aber schließlich war er "Einer der Großen Drei", wie sie genannt wurden. Die Zaubererwelt hatte auch bis heute noch eine Vorliebe für Umschreibungen.

***

Seit so vielen Jahren lebte Harry nun schon im Ausland, dass er bei dem Gedanken nach England zurückzukehren, nervös wurde. Es war so lange her, dass er sein Heimatland betreten hatte. Damals hatte er es als gebrochener Mann verlassen. Harry schüttelte diese Gedanken ab. Es war so lange her.

Dennoch würde er den Moment, als er schließlich das erste Mal wieder englische Luft schnupperte, sein Leben lang nicht vergessen. So sehr er Frankreich auch liebte, zuhause war zuhause - und England war seine Heimat. Es war gut, dass er einen Tag zuvor hergekommen und das Angebot von Ron und Hermine bei ihnen zu übernachten, wahrgenommen hatte.

Sein Herz klopfte schnell, als er an der Tür außerhalb Londons klingelte. Er war so lange nicht mehr hier gewesen. Die Tür schwang auf und Harry sah niemanden. Dann kam ein Geräusch von weiter unten und er blickte in die Gesichter von zwei kleinen Kindern.

"Harry!" Hermines Stimme hätte er immer wieder erkannt. Seine einst beste Freundin rannte auf ihn zu, und schloss ihn in seine Arme. Harry erwiderte die Umarmung ebenfalls herzlich, vergrub sein Gesicht in den langen braunen Locken, die nach Heimat rochen. Sie rückte ein Stück von ihm ab, ihre Hände noch immer an seinen Oberarmen. "Es ist so schön", rief sie mit Tränen in den Augen und küsste Harry dann auf beide Wangen.

Er lächelte. "Geht mir auch so." Dann sah er hinab. "Hallo!", sagte er freundlich. Rose und Hugo klammerten sich an die Beine ihrer Mutter. Harry lachte. Sie waren inzwischen drei und fünf Jahre alt.

"Komm rein!", bat Hermine ihn.

Und dann stand dort Ron. Harry sah ihn an, und Zuneigung schwappte durch sein Herz. Er rannte und schlang seine Arme um Ron. Er hätte nicht gedacht, dass er ihm so gefehlt hatte - auch Ron war ergriffen, denn er ließ Harry etliche Minuten nicht los.

"Wundere dich nicht!", begann Ron schließlich. "Als Mom hörte, dass du herkommst, konnte sie sich kaum halten. Sie werden heute alle noch kurz vorbeikommen, um dich zu begrüßen." Harry nickte; war froh um die Warnung.

Ron und Hermine baten ihn hinein in ein großes Wohnzimmer, wo er sich auf dem Sofa niederließ und direkt einen Cocktail in die Hand gedrückt bekam. Rose und Hugo beäugten ihn noch immer etwas skeptisch. Ron und Hermine ließen sich bei ihm nieder, begannen von ihren letzten Tagen zu berichten. Während alle dem sah er die beiden aufmerksam an. Sie hatten ihn all die Jahre mit Briefen auf dem Laufenden gehalten; etwas, das auch alle anderen gemacht hatten - angefangen bei Remus und Sirius, die ihm regelmäßig schrieben, über die Weasleys, bis hin zu Kingsley.

Doch Ron und Hermine hatten mit am häufigsten geschrieben. So hatte er von ihrer Trauung im kleinen Kreis erfahren und der Geburt ihrer Kinder; war irgendwie dabei gewesen, als Hermine ihren Abschluss in Zaubereirecht machte und Ron Auror wurde; hatte es miterlebt, wie schwierig es gewesen war, ein Haus in der Gegend zu bekommen und Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Sie nun wiederzusehen, mit ihnen zu essen, zu lachen und in Erinnerungen zu schwelgen, machte ihm erst bewusst, was er die letzten Jahre unbewusst vermisst hatte. Es war einfach schön. Ron und Hermine waren älter geworden und reifer. Sie wirkten glücklich und das machte Harry sehr froh. Der Abend wurde überraschend amüsant und kurzweilig. Harry hatte das Gefühl nicht weggewesen zu sein; alles fühlte sich so vertraut wie immer an.

Und auch als die anderen Weasleys kamen, war alles wie immer. Sie umarmten ihn alle lange, freuten sich, dass er wieder da war, hielten sich aber ansonsten mit Fragen zurück. Sie waren wirklich eine Familie.

***

Der nächste Tag kam. Es war März und doch war es noch immer eiskalt. Der Winter wollte nicht weichen; doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. Die schönen Ereignisse warfen ihre Schatten voraus und entsprechend gut gelaunt war jeder in dem Haus; die ganze Weasleyjugend hatte sich bei Ron und Hermine versammelt, um von dort gemeinsam loszuziehen. Am Nachmittag traf auch Claire, Harrys Begleitung ein. Sie war junge Hexe, die er in ihrem Urlaub in Frankreich kennengelernt hatte und die in London lebte. Sie hatten sich auf Anhieb gut verstanden, denn sie hatte eine schlimme Trennung hinter sich.

Und so hatte er sie gefragt, ob sie mit ihm zur Hochzeit wolle - schließlich war in der Einladung darum gebeten worden. Sie hatten sich in den letzten Jahren immer im Sommer gesehen, verbrachte Claire ihren Sommerurlaub noch immer in Frankreich. Sie sah reizend aus, als sie nun vor ihm stand in ihrem fliederfarbenen Kleid; passte sehr gut zu seinem grauen Anzug und dem langen dunkelgrauen Umhang.

Sie apparierten zusammen mit den anderen Weasleys zum Veranstaltungsort. Die Trauung wurde in einer riesigen Kathedrale vollzogen. Es war wirklich das gesellschaftliche Ereignis des Jahrhunderts. Hunderte Gäste waren geladen, verteilten sich in der ausladenden Halle. Harry hatte sich im rechten Block hinten an den Rand gesetzt. Er hatte so lange in Isolation gelebt, dass ihn diese Ausmaße nun eher erschreckten.

"Sie ist wunderschön", flüsterte in diesem Moment Claire; Harry hatte vollkommen vergessen, dass sie da war. Er sah zum Brautpaar, das soeben in die Kathedrale geschritten kam. Musik spielte auf. Er lächelte. Die beiden sahen so glücklich aus, während sie nach vorne schritten und schließlich vor dem Altar zum Stehen kamen.

Kingsley vollzog die Trauung. Es war eine schöne Zeremonie. Er fand die richtigen Worte, kannte er die beiden doch schon seit vielen Jahren.

Und dann kam das Gelöbnis. Neville begann, sprach die Worte: „Ich gelobe diese Frau zu meiner rechtmäßigen Ehefrau zu nehmen und alles mit ihr zu teilen: Name, Besitz, Geist und Körper.“

Harry schluckte, denn als nächstes sprach Florence jene Worte, die auch er einst gesagt hatte; und die ihm einst gesagt wurden: „Ich gelobe diesen Mann zu meinen rechtmäßigen Ehemann zu nehmen und alles mit ihm zu teilen: Name, Besitz, Geist und Körper.“

Etwas in Harrys Herzen zog sich zusammen. Es war so lange her - so verdammt lange her. Beinahe zwölf Jahre war er nun mit Severus verheiratet - keiner von beiden hatte sich je scheiden lassen. Harry schluckte, da seine Kehle trocken wurde.

Neville und Florence hielten sich noch immer bei der Hand; da war so viel Liebe in ihren Blicken. Dann trat ein junger Mann zu ihnen, reichte ihnen ein kleines Kästchen. Neville steckte Florence einen Ring an den Finger. "Mit diesem Ring nehme ich dich zu meiner Ehefrau", sagte er feierlich.

Dann war Florence dran. "Mit diesem Ring nehme ich dich zu meinem Ehemann."

Harry griff sich melancholisch lächelnd an seinen linken Ringfinger; dort war nichts; sie hatten nie Ringe ausgetauscht. Was nicht überraschend war, da es bei Zauberern nicht üblich war und es bei ihnen darüber hinaus noch als eine erzwungene Hochzeit begonnen hatte. Innerlich schüttelte Harry den Kopf, denn manchmal kam es ihm so vor als sei dies alles nicht passiert, als sei es ein Traum gewesen oder eine Geschichte, die ihm ein Fremder erzählt hatte, aber nichts, das er selbst erlebt hatte.

Das Brautpaar küsste sich und der aufkeimen Applaus riss Harry aus seinen Gedanken. Ehrlich froh erhob er sich und trug so das frisch gebackene Ehepaar mit Applaus hinaus aus der großen Kathedrale. Das eigentliche Fest wurde nebenan in einem großen altehrwürdigen Bau gefeiert. Dazu mussten die Gäste nur den Hof aus Kies überqueren.

In einem noch größeren Saal waren kleine runde Tische, die sechs Personen fassten, aufgebaut worden. Prachtvolle Gewölbe in zehn Metern Höhe gaben dem Gebäude sein ganz eigenes Ambiente. Im nächsten Gewölbe war eine riesige Tanzfläche und eine Band spielte bereits ein Willkommensständchen für die eintrudelnden Gäste. Unzählige Kellner brachten die Gäste zu ihren Tischen und nahmen erste Getränkebestellungen entgegen.

Claire hatte sich bei ihm eingehakt und beide wurden sie zu einem Tisch geführt. Nicht nur einmal hörte Harry den Namen "Potter" durch die Menge flüstern. Sein Auftauchen sorgte offenbar für Gesprächsstoff.

Und dann sah er Sirius und Remus an dem Tisch sitzen, zu dem sie geführt wurden, und sein Herz schwoll an. Er löste sich von Claire und stürzte auf die beiden zu.

"Harry!", entwich es ihnen synchron und im nächsten Moment lagen sie sich in den Armen. Es tat so gut. Sirius und Remus lösten sich von ihm und sahen ihn an, in beiden Augenpaaren schimmerten Tränen. "Das ist so schön", murmelte Sirius und wuschelte Harry dann durchs Haar, woraufhin dieser lachen musste.

"Harry!" Eine Stimme von weiter unten ließ hin dorthin blicken. Evelyn strahlte ihn an und Harry schloss sie in seine Arme. "Du bist da!", rief sie erfreut. Im nächsten Moment schlangen sich zwei weitere Arme um ihn und er erblickte den braunen Schopf von Jonathan, das jüngste Kind von Remus und Sirius. Harry kniete sich hin und drückte sie beide an sich. "Es ist schön, euch zu sehen", flüsterte er. Eve und Nat strahlten ihn an.

"Harry, magst du mir deine Freunde vorstellen?", fragte da auch schon Claire; schon wieder hatte Harry sie vollkommen vergessen. Er erhob sich. "Das sind Remus und Sirius und ihre beiden Kinder Evelyn und Jonathan", sagte er und deutete auf die Genannten. Claire schüttelte ihnen die Hände, wobei Sirius und Remus etwas skeptisch schauten.

"Das ist Claire", stellte Harry sie vor. "Meine Begleitung." Sie ließen sich nieder, wobei Eve und Claire direkt neben ihm saßen.

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", begann Sirius, während er Harry unentwegt ansah. "Es ist einfach wunderbar, dich zu sehen. Du siehst gut aus." Harry senkte den Blick. "Sirius hat recht", pflichtete Remus ihm bei. Harry hatte sich verändert, seitdem sie ihn das letzte Mal gesehen hatten. Er war ein klein wenig größer, sein Haar verstrubbelt, aber etwas länger, seine grünen Augen leuchteten und seine Gesichtszüge waren etwas markanter geworden, und seine Schultern breiter - er war erwachsen geworden.

Die Kellner brachten ihre Getränke und Jim, Nevilles Trauzeuge hielt eine Rede, an deren Ende sie alle auf das Wohl des Paares anstießen. Dann wurde das Essen serviert. Es gab ein herausragendes Menü, das schlichtundergreifend köstlich war. Immer wieder hielt Harry inne und sah sich um. Es kam ihm vor wie in einem Traum. Es war so lange her, dass er sie alle gesehen hatte, und doch war es, als sei er keinen Tag weg gewesen. Sie alle behandelten ihn wie sie es immer getan hatten - eine Tatsache, die Harry ihn hoch anrechnete.

Eines hatte sich jedoch verändert: Ein kleines Mädchen hing an seinem linken Arm und strahlten ihn unentwegt an. Evelyn war so groß geworden. Elf Jahre war sie nun alt, ihr Haar schimmerte schwarz und ihre Augen waren so bernsteinfarben wie die von Remus. Harry blickte weiter zu Nat, der mit seiner Serviette spielte. Er war sechs Jahre alt und hatte braunes Haar und blaue Augen. Auch wenn Eve von Tonks stammte, konnte man das sehr schnell vergessen; sie sahen beide aus wie die leiblichen Kinder von Sirius und Remus.

Unweigerlich glitt sein Blick zu den Eltern, Remus und Sirius waren so verliebt wie er sie in Erinnerung hatte, nur waren sie sich ihrer Liebe sicher; verhielten sich, wie ein Paar, das sich schon lange kannte und liebte. Es war ein schöner Anblick. Es tat so gut wieder in ihrer Nähe zu sein. In den letzten Jahren hatte er sich von allem abgeschottet - nur die Briefe seiner Freunde hatten nie aufgehört. Er konnte sie schon nicht mehr zählen; und auch wenn er nur selten geantwortet hatte, hatten sie nie aufgehört ihn an ihrem Leben teilhaben zu lassen.

Harry schmunzelte, als er hinab auf die schwarzen Haare sah, während Evelyn ihn mit ihren großen Augen musterte. "Glaubst du, ich komme nach Gryffindor?", fragte sie ihn neugierig.

"Es ist egal in welches Haus du kommst." Er tippte ihr auf die Nase, sie kicherte.

"Papa sagt immer, Gryffindor wäre das beste Haus."

Harry warf Sirius einen kurzen Blick zu. "Das liegt daran, dass dein Papa sich in einen Gryffindor verliebt hat."

"Ich will mich aber nicht in einen Gryffindor verlieben müssen." Sie verzog ganz entsetzt das Gesicht und Harry lachte.

"Der Sprechende Hut wird schon die richtige Entscheidung treffen", sagte er dann. Innerlich schüttelte er nur den Kopf. Wo war die Zeit hin? Seine Patentochter kam dieses Jahr in die erste Klasse. Er war stolz auf sie. Sie hatte bereits mit fünf Jahren schreiben gelernt, damit sie ihm regelmäßig Briefe schreiben konnte  - ein Umstand, der Harry schon immer gerührt hatte. So war er irgendwie immer ein Teil ihres Lebens geblieben - Eve und Remus hat mit ihren zahlreichen Briefen dafür gesorgt.

So hatte Harry miterlebt, wie Remus und Sirius sich entschlossen hatten, ein zweites Kind zu kriegen - dieses Mal von ihnen beiden; hatte den Weg dahin mit verfolgt; die Schwierigkeiten, die es mit sich gebracht hatte, bis es soweit war, dass ihr biologisches Material sich verbinden und in Sirius' Gebärmutter eingesetzt werden konnte; die Reaktionen ihres Umfelds - die Anfeindungen und die Unterstützung; die Geburt von Jonathan, der einfach nur Nat genannt wurde, und die Hilfe von ihren Freunden, allen voran den Weasleys, Hermine und Jake, Nats Patenonkel, den Harry nur aus Briefen kannte; Harry wusste um Sirius' Posten als Quidditchlehrer und Remus' Stelle als Verteidigungslehrer. Es war als wäre er nie wirklich weg gewesen.

"Kommst du uns nun öfter besuchen?", fragte Evelyn im nächsten Moment und riss ihn aus seinen Gedanken. Harry bemerkte, dass auch Remus und Sirius ihn musterten.

"Ich weiß es noch nicht, meine Kleine", sagte Harry ehrlich.

"Magst du uns nicht?", fragte sie die traurig.

Harry setzte ihr einen Kuss aufs Haar. "Natürlich mag ich euch. Es ist nur schwierig für mich hier zu sein."

Es kam die Frage, die kommen musste: "Warum?"

"Eve, du sollst Harry nicht so ausfragen", mahnte Remus.

Harry blickte ihn kurz an. "Schon gut." Er sah wieder zu Evelyn, die ihren Vater murrend anschaute. "Ich habe vor vielen Jahren schlimme Dinge hier erlebt, die mir sehr weh getan haben. Deswegen ist es schwer für mich, hier zu sein."

Nachdenklich sah Evelyn ihn an - es war ein erstaunlicher Anblick, einen jungen Menschen so zu sehen. "Tun diese Dinge immer noch weh?", fragte sie dann.

Harry blickte sie überrascht an, die vollkommen vorurteilsfrei zurückblickte. "Ich weiß es nicht genau", gestand Harry. Schmerzte ihn die Erinnerung? Oder war es nur die Erinnerung an den Schmerz?

Eve zuckte in diesem Moment mit den Schultern. "Dann solltest du es rausfinden. Es kann ja nicht sein, dass du nicht her kommst wegen etwas, das gar nicht mehr stimmt."

Harry starrte seine Patentochter an, war gar nicht in der Lage etwas zu erwidern. Sie war ein unglaubliches Kind - und hatte obendrein auch noch recht. Er sollte wirklich überprüfen, ob es ihm wehtat hier zu sein. Harry begann zu lächeln, weil Eve sich gerade anfing mit ihrem Bruder zu streiten. Er griff zum Sektglas und nahm einen Schluck, während er Sirius dabei beobachtete, den Streit zu schlichten. Es gelang ihm, woraufhin Remus ihm einen Kuss auf die Wange hauchte. Harry sah sie mit einem warmen Gefühl an. Sie waren zu einer Familie geworden und es machte ihn froh, die beiden Menschen, die ihm so viel bedeuteten, glücklich zu sehen.

Das Dessert wurde serviert, was wiederum exquisit war. Dann bat das Brautpaar zum Tanz. Und so standen alle auf, versammelten sich um die Tanzfläche herum, wo Neville und Florence einen traumhaften Tanz hinlegten. Es war schon erstaunlich, was die letzten Jahre aus Neville gemacht hatten. Er war groß und schlank, bewegte sich unglaublich elegant über die Tanzfläche. Und auch Florence sah großartig aus. Der Tanz endete und Harry stimmte mit in den Applaus ein.

Dann füllte sich die Tanzfläche mit anderen Gästen. Harry hatte kein gesteigertes Interesse zum Tanzen, nahm sich deswegen seinen Sekt vom Tisch und beobachtete das muntere Treiben. Die Paare glitten hin und her, amüsierten sich. Die Menge um ihn herum wechselte in rascher Folge, denn viele begannen ebenfalls zu tanzen oder wurden von anderen einfach auf die Tanzfläche gezogen. Schmunzelnd sah Harry sich um.

Und dann verschluckte er sich beinahe an seinem Sekt. Er sah er ihn. Severus. Auf der anderen Seite der Tanzfläche.

Harrys Herz machte einen Aussetzer und seine Augen waren unentwegt auf ihn gerichtet, den Einen, seinen Mann. Bei Merlin! Es war so lange her.

Severus stand mit verschränkten Armen in der einen Ecke des Raumes und besah sich das fröhliche Treiben mit der so wohl bekannten dunklen Miene. Harry musste lächeln, denn es war ein so vertrautes Bild und doch sah Severus anders aus; zufriedener. Er war noch immer groß und schlank, der lange schwarze Umhang umschmeichelte seine hochgewachsene Figur. Er war nun Ende vierzig und Harry konnte nicht umhin festzustellen, dass ihm dieses Alter unglaublich gut stand.

Harry spürte sein Herz wie wild schlagen; wie konnte es sein, dass dieser Anblick nach all den Jahren noch immer Herzklopfen auslöste? Aber was hatte er erwartet? Er hatte nie aufgehört, ihn zu lieben. Hatte Eve vielleicht recht? Sollte er es wagen? Harry leerte seinen Sekt und stellte das Glas beiseite. Ja! Er würde es tun.

Langsam lief er los. Er fühlte sich beinahe so als sei er ferngesteuert und doch wurde ihm mit jedem Schritt klarer, dass er dies wollte. Und dann war er bei ihm, stand seitlich hinter ihm. Harry leckte sich über die Lippen, schluckte; sein Mund war so trocken.

"Professor Snape", sagte er dann höflich; irgendwie hätte es sich falsch angefühlt ihn zu duzen; schließlich war das alles so lange her - sie waren ja im Grunde Fremde.

Severus hob seinen Kopf, wandte sich ihm zu und erblickte ihn - nur um augenblicklich zu erstarren. Der Ausdruck in den schwarzen Augen war voller Tiefe und Emotion - jedoch nur für einen Wimpernschlag. Denn wie eh und je hatte er sich gut im Griff.

"Mister Potter", entgegnete sein Gegenüber mit einem leichten Nicken seines Kopfes. Seine Stimme - so vertraut und doch so fremd. Er klang älter. Dennoch musste Harry nun etwas schmunzelte. Severus hatte ihn Potter genannt.

"Diesen Namen trage ich seit elf Jahren, acht Monaten und vier Tagen nicht mehr", erwiderte er und sah tief in die schwarzen Augen.

Snapes Augenbrauen zuckten beinahe unmerklich in die Höhe. "Wie darf ich Sie dann nennen?"

Harry lächelte. "Snape."

Severus' Augen weiteten sich ein Stück. "Also dann, Mister Snape", begrüßte er ihn erneut; ein unbeschreibliches Funkeln derweil in seinen Augen haftend.

"Eigentlich Doktor Snape, aber für gewisse Personen mache ich gerne eine Ausnahme", erwiderte Harry keck, da er es sich nicht verkneifen konnte, Severus darauf hinzuweisen, was diesen abermals dazu veranlasste überrascht zu schauen. Ihre Blicke hielten einander fest und Harry hatte mit einem Mal das Gefühl, als wäre die Zeit stehen geblieben. Bei Merlin! Wie hatte er ihn vermisst. Es war alles so vertraut und doch so fremd; wie Severus ihn ansah, wie er da stand, seine Haltung, seine Gestik und Mimik, all das kannte Harry und doch waren Züge in seinem Gesicht, die ihm unbekannt waren und auch der Ausdruck in seinen Augen hatte sich verändert.

"Ich hatte nicht damit gerechnet, Ihnen zu begegnen", sagte er leise, wandte jedoch zu keiner Zeit seinen Blick von Snape.

"Ich auch nicht mit Ihnen", gab dieser ebenso leise zurück.

"Nevilles Bitte zu kommen, konnte ich nicht ausschlagen. Dafür hat er zu viel für uns-" Harry hielt inne, sah für eine Sekunde Emotion in den dunklen Augen. "mich getan", führte Harry seinen Satz fort.

"Mir geht es ebenso", erwiderte Snape nur.

Dachten sie beide an den Moment zurück, als Neville Harry das Leben gerettet hatte? Als er ihn mit seinem Körper gegen die angreifenden Todesser geschützt hatte? Damals hatten beide Neville gesagt, dass sie ihm auf ewig dankbar waren - und das waren sie, was sie mit ihrer heutigen Anwesenheit zeigten.

Hatte Snape bis eben seinen Blick noch gehalten, so huschten seine Augen plötzlich an Harry vorbei. Noch bevor Harry den Grund erfragen konnte, äußerte Snape ätzend: "Wie ich sehe hat sich die Wahl Ihrer Partner in den letzten Jahren noch verschlechtert." Er nickte zu Claire hin, die sich einige Meter hinter ihnen mit einer Freundin unterhielt.

Harry horchte auf. Dreierlei fiel ihm augenblicklich auf. Erstens: Snape bezeichnete sich selbst als schlechte Wahl; war er doch einst sein Partner gewesen. Zweitens: Er beleidigte seine Begleitung. Drittens: Er fragte, ob seine Begleitung Harrys Partnerin war.

Harry schmunzelte und erwiderte dann ruhig: "Das Schicksal hat mir keinerlei schlechte Partner zuteil werden lassen. Und ich bin nicht auf den Kopf gefallen und plötzlich hetero geworden. Was Claire angeht, sie ist nicht meine Partnerin; nur eine Freundin."

Snape schnaubte leicht mit einem Blick auf besagte Dame. "Ich bezweifle, dass sie dies genauso sieht." Harry drehte sich kurz um. Claire konnte offensichtlich ihre Blicke nicht von Harry lassen und strahlte ihn unentwegt an. "Ihr Blick sagt eindeutig, dass sie anderes mit Ihnen im Sinn hat als Freundschaft."

Harry wandte sich wieder Snape zu; sein Blick glitt jedoch an ihm vorbei. Dort stand ein Mann, der Snape immer wieder eindeutige Blicke zuwarf. "Wie ich sehe, sind Sie auch nicht alleine." Harry hörte ein gemurmeltes "Der verfluchte Einladungstext" und lächelte, als er weiter sprach: "und er scheint ebenfalls einen gewissen Appetit zu haben."

Snape hob die Augenbrauen. "Ich bin nicht interessiert", äußerte Snape finster.

"Gut zu wissen", sagte Harry offen und sah Snape direkt in die Augen. Dieser sah zurück, seine Mundwinkel zuckten leicht. Schon lange hatte Harry ihn nicht mehr so angesehen. Harrys Lächeln wurde breiter, sein Herz schlug wie wild und aus heiterem Himmel spürte er Verlegenheit in sich hochkriechen. Er war ein erwachsener Mann, doch in diesem Moment fühlte er sich wieder wie ein Teenager und senkte den Blick. Er ahnte nicht, wie hinreißend er in diesem Augenblick aussah. Harry sah Snape wieder an; dort war immer noch ein Lächeln auf seinen Zügen zu sehen.

"Doktor Snape. Harry!" Eine Stimme rief seinen Namen und jemand kam auf ihn zugerannt. Es war Florence, die Braut. Harry warf Snape einen Seitenblick zu, der die Augenbrauen hob, als wolle er fragen, warum diese Frau so auf ihn fliege. Als Antwort zuckte Harry lächelnd mit den Schultern.

"Wie schön, dass du gekommen bist." Florence küsste Harry auf die Wange. "Ich konnte es kaum glauben, als deine Antwort kam. Es ist so schön, dass du da bist."

"Herzlichen Glückwunsch", sagte Harry ehrlich und schüttelte Florence die Hand. "Ich freue mich sehr für dich."

"Ach, sei doch nicht so förmlich. Neville, schau mal wer hier ist." Gerufener Ehemann riss sich von einigen Gästen los und kam zu Harry und Severus. "Auch dir herzlichen Glückwunsch zu dieser wunderbaren Frau", sagte Harry aufrichtig und hielt Neville die Hand hin, der sie schüttelte, aber dann Harry in eine Umarmung riss. "Es ist so schön, dass du hier bist", flüsterte er in sein Ohr. Sie lösten sich voneinander und beide lächelten.

"Auch von mir alles Gute", sagte Snape in diesem Moment höflich.

"Professor Snape", stellte Harry ihn vor.

Florence wandte sich zu Neville um. "Der Professor Snape, der dich unterrichtet hat?" Neville nickte und Florence wandte sich interessiert zu Snape zurück. "Eine Ehre, Sir. Neville hat mir viel von Ihnen erzählt." Sie schüttelte beinahe ehrfürchtig seine Hand.

Harry verkniff sich ein Grinsen. Es war angenehm, mal nicht die Person zu sein, die alle Aufmerksamkeit auf sich zog. "Es muss seltsam gewesen sein als Schüler den gleichen Namen wie ein Lehrer zu tragen, oder Harry?" Neville senkte den Blick. Es war offensichtlich, dass er ihr nichts von ihrer Vergangenheit erzählt hatte und Harry war dankbar dafür.

Er zuckte als Antwort auf die Frage mit den Schultern. "Andere Dinge waren seltsamer", äußerte er ausweichend.

Florence sah Harry an und grinste. "Das kann ich mir vorstellen. Aber nun zu etwas anderem: Wie geht es dir?"

Harry lachte. "Das sollte ich dich fragen, du hast schließlich gerade einen Longbottom geheiratet." Harrys Tonlage war voller Humor und Freundlichkeit, als er dies sagte, und so lachten nicht nur er und Florence, sondern auch Neville. "Mir geht es gut" fügte er dann hinzu.

"Das sehe ich. Du strahlst."

"Harry?", fragte plötzlich eine Stimme von hinten. Claire winkte ihnen zu und fragte pantomimisch, ob er mit ihr tanzen würde. Harry nickte und rief "Gleich" zurück, woraufhin Claire ihm ein wunderschönes Lächeln schenkte.

"Oh, ist sie das? Deine Ehefrau?", fragte Florence entzückt.

Harry hörte deutlich das Schnauben von Snape und verkniff sich ein Grinsen. "Nein, sie ist nur eine Freundin."

"Warte nur ab, irgendwann wirst du die Richtige finden", versicherte Florence ihm.

"Das hab ich schon", rutschte es ihm heraus. Ärgern konnte er sich über seine Äußerung nicht, denn Florence quietschte förmlich. "Das ist ja toll. Wann lerne ich sie kennen?"

"Ich denke, Harry wird sie zu gegebener Zeit vorstellen", sagte Neville vorsichtig. Harry blickte ihn dankbar an. Er nickte unmerklich. "Florence, herzlichen Glückwunsch." Und schon war die Braut von anderen Gästen abgelenkt. Neville folgte seiner Gattin.

Harry atmete hörbar aus und wandte sich wieder Snape zu, doch dieser war verschwunden. Er seufzte. "Harry." Claire rief ihn erneut. Harry ging zu seiner Verabredung. Snape hatte tatsächlich recht. Nun konnte es Harry nicht mehr übersehen. Claire himmelte ihn wirklich an. Wie hatte er das übersehen können? Er fühlte sich merklich unwohl.

Langsam führte er sie über die Tanzfläche und versuchte ihre Annäherungsversuche zu ignorieren, schaute derweil über ihre Schulter im Saal umher; seine Augen ganz klar auf der Suche nach einer bestimmten Person. Er hätte nicht gedacht, dass ihn ein Wiedersehen so beschäftigen würde. Aber was hatte er erwartet? Er hatte nie aufgehört Severus zu lieben. Wie konnte er auch? Er war sein Ehemann.

Sein Blick glitt wieder suchend umher. Er drehte Claire und sich. Und dann blickte er in schwarze Augen. Snape war nur einige Meter entfernt und führte seinen Partner über die Tanzfläche. Snape tanzte?  

Er sah in die schwarzen Augen und konnte nicht anders als festzustellen, dass Severus noch immer unglaublich attraktiv war. Snape drehte sich und seinen Partner und Harry verspürt einen Stich, als er sich abwandte. Doch im nächsten Moment waren die schwarzen Augen wieder bei ihm, sahen ihn unentwegt an. Harry hielt dem Blick stand und spürte mit ihm ein sehnsuchtsvolles Ziehen. Er hatte Severus vermisst. Bei Merlin! Wie sehr hatte er ihn vermisst.

Er wollte ihm nahe sein. War es möglich, ihn noch zu erreichen? Harry schloss die Augen, konzentrierte sich, suchte nach dem Eingang zu der alten Verbindung, die noch immer in ihm schlummerte. Er fand den Weg und wusste, dass dies der Zugang war. Er hatte ihn so lange nicht mehr benutzt. Er sah wieder auf und blickte erneut in schwarze Augen, die keinen Moment von ihm abgelassen hatten.

'Severus?', fragte er vorsichtig über die Verbindung in seinem Kopf. Snapes Augen weiteten sich ein Stück und Harry wusste, dass er ihn gehört hatte. Die Sekunden verstrichen und sie starrten sich an; dann drehte Snape seinen Partner weg und Harry spürte, wie ihm das Herz schwer wurde. Er sah zu Boden. Dann wieder auf und erblickte erneut die schwarzen Augen.

'Harry', kam die alles erlösende Antwort. Harry spürte pure Erleichterung durch seine Adern fließen.

'Sei vorsichtig', hörte er plötzlich wieder Severus' Stimme. 'Du schickst eine Flut von Gefühlen zu mir. Die Verbindung könnte das nach all der Zeit nicht verkraften.'

'Du hast recht. Entschuldige' erwiderte Harry. Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht und er sah Severus an, der nur noch zwei Meter von ihm entfernt war. Das Lächeln wurde kurz erwidert. Und plötzlich spürte Harry Freude und ebenfalls Erleichterung, die nicht seine Gefühle waren. Harry lächelte. Severus erging es genauso wie ihm. 'Du solltest dich an deine eigenen Ratschläge halten', neckte er lächelnd. Auch aus Severus' Augen wich das Funkeln nicht.

"Hörst du mir zu?", fragte plötzlich Claire und ihre leicht schrille Tonlage verriet, dass sie verärgert war.

'Oh, das gibt Ärger', spottete Severus in seinem Kopf.

"Entschuldige, ich war in Gedanken", rechtfertige sich Harry.

"Das habe ich bemerkt", entgegnete Claire säuerlich. "Wo starrst du die ganze Zeit hin?"

'Ich weiß es', kam es süffisant von Snape. Harry verdrehte die Augen. 'Sei still. Ich kann nicht zwei Unterhaltungen gleichzeitig führen.'

'Dann entschiede dich für eine', kam die direkte Antwort.

"Was soll das Harry?", fragte Claire anklagend. "Vergiss es!", sagte sie dann und ließ Harry mitten auf der Tanzfläche stehen.

"Ich brauche einen Drink", murmelte Harry und schlängelte sich seinen Weg durch die tanzenden Massen zur anderen Seite des Raumes. Der junge Barkeeper mit braunen Haaren und ebensolchen Augen sah ihn mit einem aufmerksamen Lächeln an. "Doppelter Feuerwhiskey mit einer Olive."

"So schlimm?", fragte der Barkeeper.

Harry lachte. "Kommt drauf an." Sein Blick glitt an dem anderen auf und ab. Ein heißer Körper. Der Drink wurde vor ihm abgestellt.

"Nun, Doktor Snape, bin ich mir über Ihre Sexualität wieder vollkommen im Klaren", raunte eine Stimme hinter ihm und mit einem leichten Schrecken drehte Harry sich um - so einen Satz hätte er von Snape niemals erwartet. "Das gleiche für mich", sagte Severus zum Barkeeper. Er stand unglaublich nahe; Harry meinte beinahe die Hitze seines Körpers zu spüren.

"Da bin ich aber froh", gab Harry zurück, da er immer noch ziemlich fassungslos war und stürzte den Drink hinunter. Dann schob er sich an Snape vorbei. Es war heiß geworden in dem Saal. Harry spürte einen ersten Schweißfilm auf seiner Stirn und seinen Rücken runter rinnen. Er leckte sich über die trockenen Lippen und machte sich auf den Weg in Richtung Balkon. Was geschah hier nur? Warum reichten wenige Worte mit Severus aus, um ihn so nervös zu machen? Und wieso war es Severus möglich über Harrys Sexualität zu urteilen? Und warum ließ er sich darauf ein? Genoss es auch noch dem anderen nahe zu sein?

'Möchtest du Gesellschaft?', fragte Severus über ihre Verbindung und Harry spürte Sehnsucht durch seine Adern wallen, während er die Türen zum Balkon aufschob und augenblicklich tief die kühle Winterluft einatmete.

'Sehr gerne', hörte er sich sagen. Was tat er hier?

Nur wenige Sekunden später öffnete sich die Tür erneut und Severus trat zu ihm; stand schweigend neben ihm. Beide starrten hinaus in den verschneiten Garten, sahen auf die kalte Winternacht, die ebenso angenehm auf ihrer Haut brannte, wie das Getränk noch in ihren Kehlen.

"Wird dein Partner nicht stutzig werden, wenn du ihn allein lässt?" fragte Harry, ohne den Blick von der winterlichen Pracht zu lösen.

"Ich lasse jeden stehen, wenn ich es möchte. Und flüchtige Bekannte erst recht." Harry lächelte. Es tat gut zu wissen, dass Severus keinen Freund hatte.

Doch dann erlosch Harrys Lächeln. Was tat er hier nur? Hatte er seine Lektion nicht gelernt? Es mochten zwar viele Jahre vergangen sein, aber einige Dinge änderten sich eben nicht. Wollte er schon wieder so verletzt werden?

Warum suchte er nun zwanghaft Severus' Nähe, wenn er doch wusste, dass es nur böse ausgehen konnte? Er war der Versuchung erlegen; sein Herz wollte Severus. Doch sein Verstand erinnerte ihn and die furchtbaren Jahre seit der Trennung. Er hatte sich hinreißen lassen von diesem herrlichen Gefühl, dass nach all der Zeit alles besser sein könnte; hatte sich verloren in der Euphorie des Augenblicks.

Nein, das durfte er nicht zulassen.

Harry schloss die Augen und schluckte krampfhaft. Er durfte es nicht zulassen, jetzt, wo er wieder einigermaßen ohne Severus leben konnte, sich wieder so in Gefahr zu begeben. Er spürte die Verbindung in seinem Kopf und kappte sie; fühlte damit beinahe einen körperlichen Schmerz, aber es musste sein. Er manövrierte sich hier geradewegs in sein Unglück hinein.

Er sah Severus an. Dieser blickte noch immer schweigend in den Garten. Es gab so vieles, was er ihm gerne gesagt hätte. Das Herz wurde ihm schwer; wurde umklammert von einer durchdringenden Traurigkeit. Wie gerne hätte er ihn berührt. Er sah das edle Profil, das nur halb vom Licht des Ballsaals beleuchtet wurde.

Plötzlich wandte Severus seinen Kopf; sah Harry tief in die Augen. Auch nach all den Jahren konnte er Gefühle in dem für andere so verschlossenen Blick erkennen. Er sah seine eigene Traurigkeit in ihnen.

Harry rümpfte die Nase; etwas hatte ihn gekitzelt. Er sah nach oben. Schneeflocken. Harry hätte das Schicksal am liebsten verflucht. Nun stand er hier mit seinem Ehemann, den er immer noch liebte auf einem Balkon, während eine Hochzeit gefeiert wurde, und Schneeflocken auf sie beide herniederfielen. Es war unfassbar romantisch.

Was wollte das Schicksal ihm damit sagen? Harry konnte nicht anders als lächelnd den Kopf zu schütteln, kurz sah er zu Boden und blickte dann wieder in die schwarzen Augen in denen ebenfalls eine Spur Amüsement zu sehen war.

"Harry?" Claires Stimme riss ihn aus seinen Träumereien. "Was machst du hier draußen?" Harry atmete geräuschvoll aus. Er war wirklich genervt.

"Er gräbt ältere Männer an", erwiderte Snape todernst.

Claires Augen weiteten sich, dann schimmerten Tränen in ihnen. "Ich bin fertig mit dir", sagte sie vorwurfsvoll und verließ fluchtartig den Balkon.

Harry wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Claire tat ihm schon etwas leid. Hätte er doch nur früher erkannt, dass sie auf ihn stand. Das Lächeln bekam die Oberhand.

"Charmant wie immer", sagte er zu Snape, der die Augenbrauen hob.

Aber dann erstarb auch dieses Lächeln. Er stand schon wieder viel zu nahe am Abgrund. "Es war schön, dich wiedergesehen zu haben", sagte er dann förmlich.

Severus nickte. "Ebenfalls", entgegnete er wortkarg.

Für einen Moment hielt Harry noch inne, sah noch einmal in die schwarzen Augen. Beide zögerten. Es war fast, als wollten sie noch etwas sagen, aber dann wandte sich Harry ab, verließ den Balkon, verließ Severus. Und obwohl es drinnen viel wärmer war, fühlte er sich innerlich erzittern.

***

Fortsetzung folgt… :-)

Das war der Auftakt. Wie hat es euch gefallen?

Fröhliche Weihnachten und wunderbares Jahr 2016!
Eure KrissyNightwish
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