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Schwanengesang

von 22Maggy22
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Oz Vessalius Raven (Gilbert Nightray)
23.12.2015
01.05.2018
5
5.926
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.02.2016 942
 
Hallo!
Hier das zweite Kapitel, es wird ernster und düsterer. Dennoch hoffe ich, dass es euch gefallen wird. Rechtschreib- oder Grammatikfehler können mir sehr gerne mitgeteilt werden!

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Zusammengekauert saß sie an die Badezimmertür gelehnt, das Gesicht an den Knien versteckt, als ihre Schultern sich mit jeden Schluchzer stark hoben und wieder senkten. Die Arme fest um ihre Mitte geschlungen. Was würde sie nur dafür geben, dass das alles einfach ein böser Traum wäre? Sie hob den Kopf leicht an, ihr Blick blieb an dem kleinen weisen Streifen auf dem Boden hängen. Er zeigte zwei rosa Streifen auf seiner Anzeige an. Ein Zeichen für ein neues Leben. Viele würden in diesem Augenblick lachen, zu ihrem Partner laufen und die frohe Botschaft verkünden. Oder vielleicht doch auf den richtigen Moment warten.
Wie sie es wohl anstellen würde? Würde sie Gil ein ausgefallenes drei Gänge Menü kochen, den Tisch decken und während sie ihre Mahlzeit genossen die Worte im Raum erklingen lassen? Sie stockte. Weitere Tränen sammelten sich in ihren Augen, ein schmerzhaftes Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht. "Es gibt kein drei Gänge Menü. Es gibt kein lachen, keine Vorfreude aufs Babykleider shoppen... dumme Oz." Sie wimmerte leise auf und vergrub ihr Gesicht wieder in den Knien. Sie wusste, dass er sie nicht mehr liebte, dass er nicht mehr bei ihr sein wollte. Aber der Schmerz in ihrer Brust lies nicht nach. Sie lockerte den Griff um ihre Mitte und strich vorsichtig über ihren Unterleib. Die Tränen rollten über ihr Gesicht und fielen in ihren Schoss.
"Es tut mir so leid, kleines Wesen, aber du kannst keine Zukunft haben", sie gab einen gequälten laut von sich, als sie den Kopf langsam schüttelte. Sie wollte Gils Kind. Aber er wollte sie nicht. Also warum sollte er das Kind wollen?
Sie schüttelte wieder den Kopf, ihr Wispern brach die kalte Stille im Badezimmer. "Du würdest nie "nein" sagen, aber die Last will ich dir nicht aufbürden. Ich will nicht, dass du bei mir bleibst, weil du die Verpflichtung dazu hast. Ich will das du bei mir bleibst... weil du mich...", sie kraulte ihren Unterleib, "liebst." Ihre Sicht verschwamm aufs neue, ihr Herz schlug schmerzhaft in ihrer Brust. Sie hatten keine Zukunft. Nicht mehr.
Sie atmete schwer aus, als sie sich langsam seitlich auf den Boden legte und ihre Wange fest gegen den kalten Fliesenboden drückte. Ihr Blick nichts sehend, als ihre Gedanken zum erliegen kamen, als die Kälte aus dem Boden in ihren Körper floss und sie füllte, bis sie zitterte. Die Tränen hörten nicht auf zu fließen. Sie lag einfach da und wurde langsam in Dunkelheit gehüllt, als der Tag verstrich und das Licht, das welches durch das Fenster schien langsam verschwand. Jedoch konnte sie so etwas wie Erleichterung spüren, denn das Licht war zu blendend gewesen. Es hatte fast schon weh getan der Wärme der Sonne ausgesetzt gewesen zu sein. Sie fand ihren kalten Frieden in der Dunkelheit. Vielleicht würde sie hier jeder vergessen können. Vor allem Gil.
Sie war müde. So verdammt müde. Ihr Körper schwer, ihre Seele zerbrochen. Sie bemerkte das vibrieren ihres Handys, doch in diesem Moment, gab es für sie keinen Grund abzunehmen. Gil war nicht in ihrer gemeinsamen Wohnung. Er war unterwegs mit Vincent und Elliot, entspannen. Sie lächelte kraftlos. Es gab eine Zeit, da konnte er noch bei ihr entspannen. Da war sie die Luft, die er zum atmen gebraucht hat und es gab eine Zeit, da war er ihr Grund zu leben gewesen.

Sie schloss die Augen und erinnerte sich daran zurück, wie sie oftmals alleine im Park saß, verstoßen vom eigenen Vater und wie sie Löcher in die Luft starrte. Stundenlang einfach nur auf einer Bank. Egal ob bei Regen, Schnee oder Sonnenschein. Sie war immer da. Immer alleine. Ihre Schwester war sicher in der Umarmung ihres Vaters gewesen, Oz durfte nur von weitem beobachten, doch sie hatte sich nie beschwert. Sie war glücklich darüber, das Ada eine warme Beziehung zu ihrem Vater hatte. Nur war Oz dadurch noch einsamer, bis schließlich Gil sich eines Tages in den Park verirrt hatte und sie auf der Parkbank fand, mit leeren und trostlosem Blick. Zuerst war es eine unsichere Beziehung, geprägt durch Gils Unsicherheit und dessen geringes Selbstvertrauen, doch die Zeit erlaubte, dass zwischen ihnen eine Tiefe Bindung entstand, die schließlich zu mehr wurde. Sie waren 18 gewesen, kannten sich seit 5 Jahren, als Gil all seinen Mut zusammen gesammelt hatte und mit knallrotem Gesicht seine Liebe gestanden hatte. Sie hatte keinen Moment gezögert, ihn an sich gezogen und ihre Lippen auf die seinen gelegt. Es war ein unerfahrener und etwas schiefer Kuss, doch es war ihr erster. Er war perfekt.

Sie musste leise auflachen, ein kleines Hicksen entwich ihr. Die Erinnerung daran, wie Gil es immer wieder geschafft hatte sie zum lachen zu bringen, lies ihr Herz etwas wärmer werden, doch die Kälte war allgegenwärtig. Das Lachen verklang und sie rollte sich auf der Seite zusammen, Knie fest an die Brust gedrückt.
Er war schon immer für sie da gewesen und jetzt mit 23 lag sie auf dem Boden des Badezimmers in ihrer gemeinsamen Wohnung, während Tränen über ihr Gesicht liefen und sie sich dazu zwingen musste nicht zu vergessen, dass die Vergangenheit verloren war und die Zukunft keine Wärme mehr in sich hielt.
Sie schloss die Augen, strich und liebkoste ihren Unterleib mit sachten Berührungen, als sie leise zu dem neuen Leben in ihr wisperte:
"Hey... kleines Wesen. Wir haben keine Zukunft."
Die Worte, zittrig und in hoffnungsloser Akzeptanz, als ihr Körper einfach nachgab und sie in einen unruhigen und leichten Schlaf fiel.
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