Merry Christmas - Maeve's Christmas Dream

GeschichteFamilie, Freundschaft / P6
Angus - Mystischer Ritter der Erde Deirdre - Mystischer Ritter der Luft Garrett - Mystischer Ritter des Waldes Ivar - Mystischer Ritter des Wassers Königin Maeve Rohan - Mystischer Ritter des Feuers
23.12.2015
23.12.2015
1
4.055
1
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
23.12.2015 4.055
 
Vorwort
Leider habe ich die OSs, die ich eigentlich vorhatte, aufgrund von Weihnachtsstress und Grippe nicht geschafft. Meine eigentliche FF wird vermutlich erst zwischen den Feiertagen oder im neuen Jahr weitergehen, verzeiht mir.
Aber ich hoffe euch gefällt diese hier dennoch ;-)
Mit dieser Weihnachtsgeschichte möchte ich danke sagen:
Vivi - für deine Reviews und die netten Gespräche per Mail. Du bist eine ganz liebe Person und ich hoffe, wir bleiben auch im neuen Jahr in regem Kontakt
Steffinchen - dir auch ein Danke für deine Reviews und deine eigene tolle Mystic Knights FanFiction. Du weißt, ich liebe deine Story und ich hoffe du schreibst noch lange weiter :-) Als Dankeschön hierfür, habe ich extra für dich ein bisschen was eingebaut ;-)
Dalaric - ebenfalls an dich ein großes Danke für deine lieben Reviews und die tollen OSs, die du für mich geschrieben hast. Du schreibst super tolle Geschichten und ich hoffe, es folgen noch viele weitere. Ebenfalls Danke, dass du mir meine Abwesenheit verziehen hast ;-)
Anima of the lost - die neuste Verfasserin eines Reviews. Ich finde es immer super toll, wenn neue Leser hinzu kommen, das ist es, was mich motiviert weiter zu schreiben :-)
Last, but not least:
Damantha - wir beide kennen uns schon eine Weile und ich hab dich in der Zeit auch ganz schön lieb gewonnen. Ich liebe deine FanFics und natürlich deine Reviews. Ich hoffe auch bei dir, dass wir noch ganz viel von dir Lesen werden. Dieser Oneshot hier ist insbesondere dir gewidmet. Ich weiß, wie gerne du Maeve hast und wie sehr du dir ein Maeve/Rohan Kapitel wünschst. Ich hoffe, es gefällt dir und muntert dich ein klein wenig auf. Ich danke dir für alles!

Euch allen wünsche ich ein fröhliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

So this is Christmas
And what have you done
Another year over
And a new one just begun
And so this is Christmas
I hope you have fun
The near and the dear one
The old and the young

A very Merry Christmas
And a happy New Year
Let's hope it's a good one
Without any fear


Es hatte angefangen zu schneien. Ungewöhnlich für diese Teile des Landes. Lange war es her, seitdem die Königin von Temra zuletzt Schnee gesehen hatte. Es musste in ihrer Kindheit gewesen sein. Sie stand an einem Fenster ihres Thronsaales und beobachtete die kleinen, weißen Flocken die sanft zur Erde fielen. Der Abend vor Weihnachten. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken bei dem Gedanken an das bevorstehende Fest. Sie hasste Weihnachten. Die Fröhlichkeit der Menschen, der Duft von Plätzchen, der überall in der Luft lag, die Tannenbäume, die sich alle in ihre Hütten stellten. Weihnachten war ein Familienfest, wie also konnte es jemand mögen, der keine Familie besaß?

Maeve seufzte. Noch vor einer Stunde hatte sie einige Soldaten zum Trainieren verdonnert, da diese es gewagt hatten, sie zu Fragen ob sie morgen frei haben durften um Weihnachten mit ihren Familien zu verdonnern. „Absoluter Humbug“, hatte sie gesagt. Der Weihnachtstag wäre ein Tag wie jeder andere auch, Temra befand sich noch immer im Krieg gegen Kells. Insgeheim plante Maeve genau an diesem Tag einen Angriff auf Conchobar's Schloss zu starten, da sie mit absoluter Sicherheit nicht damit rechnen würden. Ein Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. Das war wahrhaftig eine gute Idee. Vielleicht würde sie es diesmal schaffen, Kells zu erobern.

Sie hörte ein leises Poltern. Ihre Augen verengten sich. Es war doch niemand hier. Oder? Sie schüttelte den Kopf und sah wieder nach draußen. Doch da war es wieder und diesmal schien es näher zu kommen. Ein Poltern, ein klirren, es hörte sich fast an wie Ketten, die über den Boden gezogen wurden. Maeve sah sich in ihrem Thronsaal um. Sie war allein. Definitiv. Torc befand sich draußen um mit den Soldaten zu trainieren, die Mägde befanden sich in der Küche um das Abendessen vorzubereiten. Sie musste sich das einfach einbilden. Gerade als sie sich wieder dem Fenster zuwenden wollte, wurde der Thronsaal plötzlich von einem hellen, weißen Licht erfüllt. Im ersten Moment erkannte Maeve nicht, was sich hier abspielte, sie war zu sehr geblendet von dem Licht. Als es sich jedoch langsam legte, erkannte sie eine Gestalt in der Mitte des Saals. Instinktiv griff sie nach ihrem Zepter. „Wer seit ihr? Was wollt ihr?“, fragte sie. Als sie ihr Zepter schützend vor sich hielt, wurden die Konturen der Gestalt immer besser sichtbar. „Was soll das heißen, 'wer seit ihr?', erkennst du deinen eigenen Vater nicht?“ Maeve erstarrte zur Salzsäure, da war er wieder, der kalte Schauer, der ihr den Rücken hinab lief. Geschockt betrachtete sie die Person nun, die weiß und durchscheinend vor ihr stand. Ganz und gar in schwere Ketten gehüllt schwebte er nur wenige Meter vor ihr. „Oh Maeve du hast wirklich ein Problem.“, sagte er weiter. Maeve torkelte zurück und fiel auf ihren Thron. „Das ist nicht möglich du...du bist...“ „Tod. Seit mehr als 15 Jahren.“, vervollständigte er ihren Satz. „Das kann doch nicht...“, setzte sie wieder an. „Maeve, kleine Maeve. Deine Absichten, mein Vorhaben in Kells weiterzuführen in allen Ehren aber du solltest deine Pläne langsam überdenken.“ „Was meinst du damit?“

Er schwebte auf sie zu, die schweren Ketten hinter sich her ziehend. „Siehst du das? Das sind die Ketten die ich zu Lebzeiten geschmiedet habe mit meiner Habsucht, Gier und dem schlechten Umgang mit meinem Volk. Glaub es mir meine Liebe, deine sind mittlerweile noch länger als die meinen.“ „Was soll das heißen? Du hast dein Land großartig regiert und hättest es fast geschafft Kells zu erobern!“ „Und zu welchem Preis? Vor lauter Krieg sah ich nicht, was wirklich zählte. Deine Mutter, du und Nemain. Mein Volk. Euch alle habe ich vernachlässigt wegen meiner blinden Wut Conchobar gegenüber. Nächstenliebe hätte im Vordergrund stehen müssen. Verständnis, mich um mein Volk zu kümmern und um meine Familie. Das hätte ich Zeit meines Lebens tun sollen anstatt alle ins Unglück zu stürzten wegen einem Geburtsrecht, das nur meinen eigenen Zwecken diente. Kells und Temra hätten friedlich nebeneinander existieren können, wäre ich nicht gewesen. Und du machst nun den gleichen Fehler.“

Maeve knurrte wütend. „Und du kommst nun aus dem Reich der Toten zu mir um mich zu warnen? Ist das ein Trick von Cathbad damit ich zur Einsicht gelange? Hat er euch geschaffen?“ „Nein! Ich kam zu dir, um dir eine Chance zu geben, dein Leben zu ändern, meine Tochter! Du wirst heute Nacht von drei Geistern besucht werden. Erwarte den ersten um Mitternacht.“
Die Königin lachte. „Drei Geister? Im Ernst? Was soll das bringen? Niemals werde ich mein Geburtsrecht aufgeben. Kells wird mir gehören!“
Der Geist ihres Vaters schwebte ein paar Meter zurück und wurde langsam blasser. „Um Mitternacht.“, sagte er noch, ehe er verschwand.
Maeve lehnte sich zurück. Was in Dagda's Namen sollte das?

***


Der Mond stand hoch am Himmel. Mitternacht. Maeve kniff die Augen zusammen, doch es geschah nichts. Hatte sie sich die Begegnung am frühen Abend vielleicht nur eingebildet? Oder war es am Ende doch nur ein Trick des Druiden oder gar von Fin Varra? Maeve überlegte schon, einfach ins Bett zu gehen und eine Nacht drüber zu schlafen, als der Thronsaal in hell warmes Licht getaucht wurde und das klingen von Glöckchen ertönte. Sie sah sich um und erkannte ein kleines Kind. Ein Mädchen mit blonden Locken, dessen Körper ganz und gar golden Leuchtete. „Wer bist du?“, fragte sie wütend. Sie hatte doch wahrlich besseres zu tun, als sich mit irgendwelchen Geistern herumzuschlagen. „Ich bin der Geist der vergangenen Weihnacht und hier, um dich an die wahre Bedeutung von Weihnachten zu erinnern.“, sagte das Kind mit heller, klarer Stimme. „Vergangene Weihnacht? Und du denkst, wenn du mir meine Mutter zeigst, breche ich in Tränen aus? Da muss ich dich enttäuschen. Es gibt kein Weihnachtsfest, das du mir zeigen könntest damit sich mein Herz erweicht.“ „Warten wir es ab, Maeve. Komm.“ Das kleine Mädchen reichte der Königin die Hand. Widerwillig nahm Maeve die Hand des Kindes. Augenblicklich veränderte sich der Thronsaal von Temra, alles wurde neblig, so dass Maeve kaum die eigene Hand vor Augen sah. Als sich der Nebel gelichtet hatte, stand sie noch immer am selben Fleck wie vorher, nur sah diesmal alles anders aus. Der Thronsaal war hell erleuchtet, alles war festlich geschmückt und in der Mitte neben dem Kamin stand ein großer Tannenbaum, festlich geschmückt mit Plätzchen und roten Äpfeln. Davor saßen zwei kleine Mädchen. Das eine hatte schwarze, dichte Locken, das andere glattes, dunkelbraunes Haar, dass ihr in Zöpfen bis zur Hüfte reichte. Instinktiv wollte sich Maeve hinter einer der Säulen verstecken, doch der Geist hielt sie zurück. „Sei unbesorgt, Maeve. Sie können uns nicht sehen. Das sind nur die Schatten der Dinge, die einst waren. Sieh hin.“

Eine junge Frau betrat den Thronsaal. Sie hatte langes, rabenschwarzes Haar, helle Haut und blutrote Lippen. Mit sanftem Gesichtsausdruck trat sie auf die beiden Mädchen zu. „Sieh mal Mama! Ich habe eine neue Puppe bekommen!“, rief das kleine schwarzhaarige Mädchen freudestrahlend. „Und ich ein neues Schachspiel!“, sagte das andere. „Das ist schön, meine Mädchen.“, antwortete die Mutter mit sanfter Stimme. Maeve schluckte. Ihre Mutter war genauso schön, wie sie sie in Erinnerung hatte. Anmutig und sanft. Dann betrat noch jemand den Saal, es war ihr Vater, in Begleitung einiger Soldaten. „Dieser verdammte König von Kells. Es ist MEIN Geburtsrecht und wen setzt er nun als Thronerben ein? Diesen Rotzlöffel Conchobar, seinen Sohn.“, schnaubte er verächtlich. Als sein Blick zu seiner Frau und den beiden Mädchen fiel. „Was tut ihr da?“ „Maeve und Nemain packen ihre Geschenke aus, mein Liebster.“, antwortete seine Frau. Er trat auf sie zu, packte sie hart am Hals und drückte sie gegen die Wand. „Was habe ich dir gesagt wegen diesem Fest? Ich will es nicht hier im Schloss haben!“ „Es tut mir leid, mein Gemahl, aber so denkt doch an eure Töchter.“ Er ließ von ihr ab und sah auf die beiden Mädchen hinab, die sich ängstlich in den Armen lagen. Dann sah er erneut zu seiner Frau. „Das war das letzte mal, sollte ich noch einmal mitbekommen, dass ihr hinter meinem Rücken Weihnachten feiert, wo sich das Land im Krieg befindet, wirst du was erleben.“, mit diesen Worten verließ er den Thronsaal.
Die Königin rieb sich den Hals, sah dann aber sogleich zu ihren Kindern hinab und lächelte. „Hört nicht auf ihn. Weihnachten ist das Fest der Liebe und gerade in Zeiten des Krieges sollte man an seine liebsten denken.“ Die Mädchen sprangen auf und fielen ihrer Mutter um dem Hals. „Frohe Weihnachten, meine Mädchen.“, sagte sie sanft lächelnd.

Maeve spürte eine Träne über ihre Wange rollen. Ihr Vater hatte ihre Mutter so schlecht behandelt, doch sie verlor nie ihr liebevolles Wesen. Sie sah zu dem Geist hinab und wischte sich die Träne sogleich aus dem Gesicht. „Was starrst du mich so an? Ich hatte nur etwas im Auge.“ „Oh Maeve. Komm, es gibt noch etwas zu sehen.“ Erneut nahm Maeve die Hand des kleinen Mädchens. Wieder wurde alles in Nebel getaucht. Als er sich verzogen hatte bemerkte Maeve sich selbst als junge Frau wie sie neben dem Kamin stand – hoch schwanger. Sie streichelte sich lächelnd über den Bauch. „Mein kleiner Sohn. Bald schon wirst du das Licht der Welt erblicken. Niemals hätte ich gedacht, dass ich jemanden den ich noch nicht mal kenne so lieben könnte wie dich.“ Der Gesichtsausdruck der jungen Maeve veränderte sich. Tränen liefen ihr über die Wange. „Warum nur werde ich dich weg geben müssen, mein Sohn? Wieso ist es uns nicht vergönnt zusammen zu bleiben?“ Sie ließ sich auf einem Schaukelstuhl neben dem Kamin nieder. „Dafür wird Nemain büßen, das schwöre ich dir. Eines Tages werden wir wieder vereint sein.“
Maeve schluckte. Dieses Weihnachtsfest hatte sie wahrlich verdrängt. Es war Rohan, den sie da unter ihrem Herzen getragen hatte. Das kleine Mädchen nahm Maeve an der Hand und augenblicklich befanden sie sich wieder in der Gegenwart.
Schwer atmend ließ sich die Königin auf ihrem Thron nieder. „Du hast viel schlimmes erlebt, Maeve. Doch das ist noch lange kein Grund, sich nicht zu ändern.“ „Geh einfach. Ich will nichts mehr sehen. Geh.“, sagte sie wütend. Das Mädchen nickte. „Noch ist es nicht zu spät, Maeve.“ Dann war es verschwunden.
Was sollte das? Warum hatte ihr der Geist ausgerechnet diese Weihnachtsfeste gezeigt? Natürlich hatte der Anblick ihrer Mutter, Maeve’s Herz ein wenig erweicht, genauso wie die Erinnerung an ihre Schwangerschaft mit Rohan. Doch es änderte nichts daran, wer sie nun war.

***


Ihre Gedanken kreisten noch immer um das, was sie gerade gesehen hatte, als erneut ein helles Licht den Thronsaal flutete. Sie hob den Kopf und sah eine Elfe, die fröhlich in dem Saal herumtanzte. Sie hatte nicht etwa die Größe wie Aideen, nein, sie war so groß wie Maeve selbst. Blonde lange Locken, ein rosafarbenes Kleid und hellblaue, durchscheinende Flügel. In der Hand hielt sie ein Zepter mit einem funkelnden Stern am Ende. „Oh Maeve komm! Komm und Tanz mit mir! Es ist die Nacht vor Weihnachten, da muss man fröhlich sein und Tanzen!“, rief die Elfe während sie von einer Ecke zur anderen sprang. „Lass mich raten, du bist der zweite Geist?“, sagte Maeve in monotoner Stimme. „Ach Maeve, warum denn so schlecht Gelaunt? Du musst feiern! Feiere das Leben, die Liebe, die Familie!“ „Ich habe weder Liebe, noch Familie.“, grummelte sie. „Oh doch ich denke das hast du. Familie und Liebe sind eng miteinander verknüpft, du darfst sie nur nicht vergessen. Ich bin der Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Komm, flieg mit mir und ich zeige dir, welchen Spaß du gerade verpasst!“, kicherte sie. „Fliegen? Du bist wohl nicht ganz bei Trost!“ Ehe sie noch mehr Widerspruch einlegen konnte, hatte die Elfe Maeve auch schon gepackt und flog mit ihr zum Fenster hinaus. In der nächsten Sekunde befanden sie sich auch schon im Thronsaal von Kells. „Sie können uns nicht sehen, hab keine Angst. Sieh dich nur um.“ Maeve betrachtete den Thronsaal, der noch festlicher geschmückt war, als ihr eigener in ihrer Kindheit. Ihr Blick fiel auf Angus, der gerade keuchend den Tannenbaum aufgestellt hatte. „Warum hast du mich nochmal dazu gezwungen dieses verdammte Ding vom Wald bis hierher zu schleppen?“, fragte er außer Atem. Ivar trat hinter ihm hervor und grinste. „Weil du der einzig nicht-adelige hier bist.“ „Haha, du mich auch.“ Er brachte den Baum in Form ehe er zurück trat und ihn betrachtete. „So viel Aufwand für einen einzigen Tag.“ „Beschwere dich nicht andauernd. Deine Mühen werden doch auch belohnt. Garrett meinte in der Küche haben sie frische Plätzchen gebacken.“ „Ja worauf warten wir dann noch? Komm mit!“, eilig verließen die beiden den Thronsaal.
„Warum zeigst du mir das? Meinst du ernsthaft der Dieb und Ivar würden mich in Weihnachtsstimmung versetzen?“, fragte Maeve höhnisch lachend. „Nein, ich dachte eigentlich jemand anders wäre hier. Dann müssen wir wohl wo anders suchen. Komm mit.“ Der Geist packte Maeve erneut und nur wenig später befanden sie sich in Rohan's Hütte. Draganta saß auf seinem Bett und starrte ins Leere. „Armer Rohan. Alle freuen sich so auf Weihnachten nur er sitzt hier ganz alleine.“, sagte die Elfe traurig. Maeve knurrte nur und betrachtete ihren Sohn. Er hatte sich wahrlich zu einem großen Krieger entwickelt – nur leider auf der falschen Seite.

Der Vorhang, der den Ein- und Ausgang der Hütte markierte ging zur Seite und Deirdra trat herein. Sie trug ein langes, weißes Kleid mit Perlen verziert und einem Pelzkragen um den Ausschnitt. Maeve kannte dieses Kleid, sie hatte es schon einmal gesehen – an Deirdra's Mutter. „Hier steckst du also.“, sagte sie lächelnd. Maeve bemerkte, wie rot Rohan wurde, als er Deirdra erblickte. Bahnte sich hier etwa etwas an? Bitte nicht. Nicht ihr Sohn und Conchobar's Tochter. Zornesröte stieg der Königin ins Gesicht.
„Deirdra...was...“, er stoppte und betrachtete die Prinzessin lange. „Du siehst wunderschön aus.“, sagte er dann lächelnd. „Ich danke dir. Es ist ein Kleid meiner Mutter. Vater meinte es wäre genau das richtige für das Fest heute Abend. Was ist los mit dir? Warum bist du nicht mit den anderen in der Schlossküche und plünderst Plätzchen?“ Sie setzte sich neben ihn und sah ihn besorgt an. Rohan schüttelte den Kopf. „Es ist nichts. Ich...“, er seufzte. „Weihnachten ist doch ein Familienfest. Warum sollte ich es also mit euch feiern, ich habe schließlich keine Familie. Zumindest keine richtige. Mit Maeve als Mutter...“ Deirdra nahm sanft Rohan's Hand. „Es geht also immer noch darum, dass Maeve deine Mutter ist. Rohan mach dir nicht so viele Sorgen darüber. Du gehörst nach Kells. Hier sind die Menschen denen du am Herzen liegst. Die dich lieben. Und ich...“, sie brach mitten im Satz ab und sah ihm in die Augen. „Und du was?“, fragte Rohan mit erstickter Stimme. „Du bist ein Teil von Kells, auch wenn du in Temra geboren wurdest.“, sagte sie und wandte ihren Kopf von ihm ab. Rohan legte sanft seine Hand auf ihre Wange und zwang sie, ihren Kopf wieder zu ihm zu drehen. „Was wolltest du wirklich sagen?“  Die Prinzessin lächelte. „Komm, lass uns zu den anderen gehen.“ Sie stand auf und wandte sich zur Tür. Rohan sprang ebenfalls auf, packte die Prinzessin, wandte sie zu sich um, schloss sie in seine Arme und küsste sie.
Maeve stockte der Atem. Nicht weil es Conchobar's Tochter war, nein, sie erinnerte sich an eine ähnliche Situation mit Rohan's Vater.
Als der Kuss gelöst wurde, keuchten beide schwer. „Rohan ich...“ „Ja, ich dich auch.“, sagte er lächelnd. Beide grinsten über das ganze Gesicht. „Komm, Maeve. Es ist Zeit nach Hause zu gehen.“  Die Königin wollte noch protestieren, doch da befand sie sich schon wieder in ihrem Thronsaal.

***


Die Elfe war verschwunden, doch Maeve war nicht allein. In der Mitte des Saals stand eine Person, dessen Gesicht sie nicht erkannte. Sie war vollkommen in schwarz gehüllt und hielt eine lange, scharfe Sense in der Hand. „Das ist also das große Finale, ja? Du bist der Geist, den ich am Meisten gefürchtet habe, hab ich Recht? Der Geist der zukünftigen Weihnacht.“ Sie erhielt keine Antwort. „So lass es uns hinter uns bringen. Zeig mir, was du mir zu zeigen hast.“ Wieder kam keine Antwort. Der Geist hob lediglich die Hand und deutete auf eines der Fenster. Misstrauisch trat Maeve hinüber und spähte hinaus. Doch sie sah nicht, wie gedacht, Wälder und Felder und die Zinnen ihres Schlosses. Sie blickte direkt in den Thronsaal von Kells. Doch er sah anders aus als sie ihn in Erinnerung hatte. Er war zwar wieder festlich Geschmückt, keine Frage, dennoch wirkte er anders. Als Maeve die Personen die sich darin befanden bemerkte, stockte ihr der Atem. Es waren die mystischen Ritter. Doch Ivar, Garrett, Rohan und Deirdra trugen Königskronen. Es befanden sich auch noch mehr Leute dort und einige Kinder. Angus lachte und tollte mit einigen Kindern herum. „Angus, sei nicht zu wild sonst bekommen wir die Kinder heute Nacht nicht ins Bett vor lauter Aufregung!“ „Ist ja schon gut, Gini. Kinder ihr habt es gehört. Ihr müsst ja bald schlafen gehen sonst bekommt ihr morgen keine Geschenke.“ Ivar trat lachend auf seinen besten Freund zu. „Kann ich also meine Söhne langsam wieder haben? Miloh, Serdah kommt schon, ab ins Bett. Sofern ihr euch von Angus schöner Tochter Gwyn loseisen könnt.“
Garrett und Lynette betrachteten die Szene lächelnd. „Zum Glück haben wir eine wohlerzogene Tochter. Daith käme niemals auf die Idee, mit den Jungs herum zu tollen.“ Rohan prostete seinem Freund zu. „Elana zog es auch vor frühzeitig ins Bett zu gehen. Aber nicht, um dem spielen mit den Kindern zu entfliehen, sie kann es eher kaum erwarten bis es morgen ist. Wobei mir einfällt... Deirdra wo ist Tristan?“ „Auf seinem Zimmer.“, antwortete die Königin ernst. Auch Rohan senkte den Blick.
Maeve wandte sich dem Geist zu. „Die mystischen Ritter sind nun also alle verheiratet und haben Kinder. Schön und weiter?“ Der Geist zeigte auf ein anderes Fenster. Die Königin trat auf dieses zu und spähte hinaus. Sie sah direkt in eine Kammer die einem Kind zu gehören schien. Überall lag Spielzeug und im Bett lag ein kleiner Junge. Deirdra saß daneben und hielt seine Hand, während Cathbad, der Druide den kleinen untersuchte. Rohan stand hinter Deirdra und hatte seine Hände auf ihren Schultern. „Und? Cathbad, wie sieht es aus?“, fragte Deirdra nervös. „Nicht gut. Ich fürchte wir werden Tristan verlieren, meine Königin.“ Rohan wandte sich von den beiden ab. „Nein, das darf nicht sein!“, sagte er wütend. „Rohan...“ „Nein, Deirdra. Unser Sohn stirbt und das nur weil ich zu feige war Maeve um Hilfe zu bitten und nun ist es zu spät. Du weißt es, sie wäre die Einzige gewesen, die ihn hätte retten können!“

Der Königin stockte der Atem. Sie hätte Rohan's Sohn retten können? „Warum habe ich nichts getan?“, fragte sie den Geist. „Auch wenn Krieg zwischen Temra und Kells besteht so würde ich dennoch meinem Enkel helfen! Wo bin ich? Warum tue ich nichts?“, fragte sie verwirrt. Der Geist zeigte auf das dritte Fenster. Maeve schluckte. Sie hatte fast ein wenig Angst hinaus zu blicken. Doch es half nichts. Sie musste sehen, was geschehen war. Also trat sie zu dem Fenster und spähte hinaus. Sie sah den Schlossgarten von Temra. Einen Grabstein und Rohan, der davor stand und ihn anblickte. „Ist Tristan also schlussendlich gestorben? Konnte niemand etwas tun?“, fragte sie den Geist, dieser zeigte weiterhin auf das Fenster. Maeve sah genauer hin.
„So endete schließlich alles. Mutter.“, sagte Rohan in abschätzigem Ton und wandte sich schließlich von dem Grabstein ab, sodass Maeve dessen Inschrift erkennen konnte:

Maeve
Königin von Temra


Sie schwankte einige Schritte zurück. „Nein! Das kann doch nicht sein! Gibt es irgendeine Möglichkeit diese Zukunft zu ändern? Das sind doch nur die Schatten der Dinge, die sein könnten, oder?“ Die Königin lief auf den Geist zu, fiel auf die Knie und umfasste den schwarzen Saum seines Gewandes. „Bitte sag mir, dass sich dies ändern lässt, ich flehe dich an! Ich würde alles tun. Ich werde mich ändern! Ich verspreche es!“
Als Maeve aufblickte, sah sie nicht mehr den Geist, sie umklammerte den Saum eines Kissens in ihrem Bett. Verwirrt sah sie sich um. Das Licht der Morgendämmerung fiel in ihre Kammer. Sie saß in ihrem Bett. War das alles nur ein Traum? Nein, das konnte nicht sein.
Eilig sprang sie auf und begann sogleich, sich anzukleiden.

***


Im Schloss von Kells herrschte geschäftiges Treiben. Alle waren fröhlich, Lieder wurden gesungen und Geschenke ausgepackt. König Conchobar saß lächelnd auf seinem Thron und beobachtete die mystischen Ritter, die alle zusammen unter dem Tannenbaum saßen und lachend die Geschenke betrachteten. Bis einer der Wachen den Saal betrat. „Die Königin von Temra!“ Augenblicklich verstummten alle. Conchobar stand auf. Was würde Maeve wohl diesmal vor haben? Ausgerechnet an Weihnachten?
Die Königin betrat den Saal mit finsterer Miene. „Maeve, habt ihr nichts besseres zu tun, als uns auch noch an diesem Tag zu behelligen?“ „Conchobar, es ist an der Zeit einiges klar zu stellen.“ Sie hob ihre Hand. Plötzlich kamen Bedienstete herein, sie trugen festliche, leckere Dinge zu Essen, verpackte Geschenke und erlesenen Nektar. „Was hat das zu bedeuten?“, fragte Conchobar verwirrt. „Mir ist in diesen Tagen einiges klar geworden. Es soll nicht heißen, dass nun Frieden herrscht aber ich wünsche einen Waffenstillstand. Zumindest über die Feiertage.“ Dann lächelte sie.
Angus grinste. „Na sieh an, wer hat denn da sein Herz entdeckt?“
Rohan stand auf und ging zu seiner Mutter. „Was soll das alles, ist das wieder einer deiner Tricks?“ „Kein Trick mein Sohn. Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Familie. Auch wenn wir Krieg gegeneinander führen so befindet sich meine einzige Familie hier in Kells, das wurde mir nun bewusst. Auch wenn du es mir nicht glaubst aber du bist mein Sohn und ich möchte nicht dass dir etwas geschieht, auch wenn du auf der falschen Seite stehst.“
Rohan lächelte. „Diese Seite kannten wir noch gar nicht an dir.“ Auch Maeve lächelte, während sich die anderen bereits über die Köstlichkeiten her machten. „Rohan, da wäre noch eine Sache. Solltest du jemals einen Sohn haben, der meiner Hilfe bedarf, scheue dich nicht mich auch zu fragen. Trotz des Krieges ist die Familie das wichtigste.“ Der junge Ritter verstand nicht wirklich, was sie damit meinte, doch sie lächelte. „Frohe Weihnachten, mein Sohn!“
Review schreiben