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Die Wasabi-WG

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Eddie Jack Brewer Jerry Martinez Kim Crawford Milton Krupnik
22.12.2015
22.12.2015
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~ Die Wasabi-WG ~



Kims POV

„Kim, Ki-him. Kimmy!“
Meine Augen flogen auf und ich knallte fast augenblicklich gegen meinen besten Freund, als ich mich vor Schreck im Bett aufsetzte. Ich lag also schließlich auf ihm, während er meinen Körper erschrocken umklammert hielt. Wir waren so nah beieinander, dass ich seinen Atem auf meinen Wangen spüren konnte, was mir sofort die Röte ins Gesicht trieb. Daran sollte ich mich aber so langsam gewöhnen.
„Musst du mich jeden Morgen so wecken?“, murmelte ich ihm zu, während meine Augen immer wieder von seinen Augen zu seinen Lippen und wieder zurück flogen, was natürlich nicht unbemerkt blieb. Ein spöttisches Lächeln umspielte seine Lippen, als ich es schon zum vierten Mal machte, was die Röte nur noch verstärkte. Trotzig richtete ich mein Kinn so gut es ging auf und sah auf meinen besten Freund herab. So gefiel mir das schon eher.
„Wenn du nicht anders aufstehst, hab‘ ich ja keine Wahl. Außerdem haben die drei anderen keine Lust, deinen Schlag abzubekommen, also fällt’s wohl auf mich“, seufzte er zum Schluss theatralisch, was ich mit einem Augenrollen hinnahm. Ich machte mich daran, mich hochzustemmen, doch er hielt mich weiterhin fest, weshalb ich ihn verwirrt ansah. Was sollte das denn schon wieder? „Aber was noch ein Bonus dabei ist“, fuhr er fort und zog mein Ohr zu sich herunter, bevor er hineinflüsterte: „dass wir uns so nah sind. Ich meine, näher geht’s ja gar nicht, dann wären wir schon, na ja, fast ineinander.“
Mein Mund klappte bei diesen Worten auf und ich starrte Jack, der mir nur keck entgegengrinste, sprachlos an, bevor ich schließlich den Kopf schüttelte.
„Loslassen jetzt, ich muss mich fertig machen. Wie viel Zeit hab‘ ich eigentlich noch?“
„Wenn du pünktlich ins College kommen willst, hast du noch so ungefähr eine Stunde“, lächelte mich Jack gütig an. Pah, gütig, von wegen.
„Verdammt!“, rief ich aus und sprang schließlich von Jack herunter, wobei ich ignorierte, dass er vermutlich die Hälfte meines Rückens sehen konnte, weil mir nachts immer das Shirt hochrutschte. Ich hatte eben einen sehr unruhigen Schlaf.
Schnell packte ich mir meine Klamotten, die ich – Gott sei Dank – gestern Abend schon gerichtet hatte, und stürmte aus meinem Zimmer hinaus, direkt in meine anderen Freunde, die mich bemüht anlächelten.
„Guten Morgen, Kim!“, flöteten sie. Ich warf ihnen nur einen tödlichen Blick zu, bevor ich schließlich im Bad verschwand, um mich schnell zu duschen. Eigentlich hätte ich das schon gestern Abend machen können, fiel mir schließlich in der Dusche ein, was meine Laune nicht wirklich hob.

Jacks POV

Lächelnd sah ich meiner besten Freundin hinterher, bevor ich mich schließlich ebenfalls erhob und zu meinen Freunden hinausging, die mich mit einem verwirrten Ausdruck ansahen.
„Was ist passiert, Jack? Normalerweise begrüßt sie uns wenigstens schlecht gelaunt, aber jetzt hat sie uns einfach nur mit einem Todesblick angesehen.“ Milton sah aus, als ob er einen Geist gesehen hätte und ganz ehrlich, so schlimm sah Kim morgens nicht aus.
Ich lachte über meine beste Freundin und ihre morgendlichen Schwächen, bevor ich antwortete: „Ich weiß auch nicht, was ihr über die Leber gelaufen ist. Normalerweise würde ich ja sagen, dass sie mit dem falschen Fuß aufgestanden ist, aber sie war auch so drauf, als sie noch auf mir lag.“
Moment – hatte ich das ernsthaft laut gesagt? Klasse gemacht, Jack!, dachte ich mir wütend, als ich mich zu Milton, Jerry und Eddie an den Tisch setzte. Meine Freunde wiederum grinsten mich nur wissend an.
„Dann muss es wohl oder übel damit zu tun haben, dass sie auf dir lag“, stellte Jerry fest und schob sich schließlich seinen Löffel Müsli in den Mund. Ach, ich musste Kim ja noch Frühstück richten.
„Hast du vielleicht mit ihr geflirtet?“, fragte nun auch Eddie, während ich meine Augen rollte.
„Nicht mehr als sonst auch“, gab ich zu und stand auf, um Kim eine Schüssel und einen Löffel zu holen. Als ich mich umdrehte, sahen mich meine Freunde grinsend und mit hochgezogenen Augenbrauen an. In Gedanken stöhnte ich auf, welch blöde Aussage ich schon wieder gemacht hatte.
„Jungs, ihr wisst genau, dass unsere Beziehung komisch ist, also hört auf, mich so anzuschauen, klar?“
Meine Freunde lachten mich nur aus, bevor Eddie schließlich meinte: „Du bist nicht annähernd so beängstigend wie Kim, wenn sie uns einschüchtern will.“

„Tja, Jack, nimm dir mal ein Beispiel an mir“, sagte Kim hinter mir und ich konnte schon das Grinsen aus ihrer Stimme hören. Ich drehte mich um, nachdem ich meine Augen gerollt hatte, und stand auf. Als ich schließlich hinter ihr stand, schob ich sie zum Tisch, während ich flüsterte: „Vielleicht doch nicht, sonst hättest du jetzt kein Frühstück. Schon wieder.“
Kim blieb stehen, bevor sie sich umdrehte und lächelnd zu mir aufsah. „Du hast mir wirklich Frühstück gerichtet?“
Ich grinste und nickte, als sie mich schon umarmte und mir einen kurzen Kuss auf die Wange gab. „Danke!“

Ich lachte und zog sie an mich, wogegen sie ankämpfte.
„Jack, du weißt, ich mag deine Umarmungen, aber ich muss mich beeilen. Du weißt ja auch, wie langsam ich esse!“
Okay, da hatte sie Recht. Widerwillig ließ ich sie also los, was sie belächelte, und setzte mich schließlich neben sie.
„Wisst ihr, was wir brauchen?“, fragte sie, bevor sie den ersten Löffel Müsli in den Mund schob. Wir Jungs sahen sie erwartungsvoll an. Sie schluckte und meinte dann: „Ein zweites Bad, damit wir uns nicht nacheinander fertig machen müssen.“

Jerrys POV

Wir kamen noch rechtzeitig ins College, das war die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht wurde kurz daraufhin von unserem Lehrer verkündet, während wir hektisch unsere Utensilien herauskramten.
„Alle mal hergehört“, begann er und hatte schon die ungeteilte Aufmerksamkeit der Studenten im Raum, was immerhin mindestens zwanzig Personen waren. Auch ich hörte ihm zu, das hatte ich Kim versprochen. Sie hatte mir gesagt, dass sie, falls ich mich nicht anstrengen würde, mir wehtun würde. Nun hatte ich Angst vor ihr und arbeitete fleißig mit – ihre Drohung musste nicht unbedingt wahr werden.
Ich bemerkte aus dem Augenwinkel, wie Kim mich zufrieden musterte und kurz zusammenzuckte, als Jacks Hand auf ihrem Oberschenkel Platz fand. Was bitte sollte das denn? Ich wusste natürlich, dass er in sie unsterblich verliebt war – und sie in ihn –, aber das musste doch echt nicht im Unterricht sein! Ich streckte meine Hand aus und patschte auf Jacks, der seine Hand überrascht wegzog und mich schließlich verwirrt ansah. Ich grinste ihn nur an und widmete meine Aufmerksamkeit wieder unserem werten – man bemerke den Sarkasmus – Mathematiklehrer, der eine Art Ansprechpartner für die neuen Studenten war.
„In ein paar Wochen wird es eine Art Ball geben, der auch den jüngeren Studenten – also Ihnen – zum Besuch offen steht. Sie dürfen also gerne mittanzen, wenn Ihnen die Lust zum Tanzbeinschwingen auch wieder hervorkommt. Natürlich gibt es dort auch eine besondere Regel; Sie dürfen nur mit einem Partner kommen, ansonsten wird Ihnen der Einlass leider nicht gewehrt werden.“
Ich schielte grinsend zu Jack und Kim. Kim hatte so ausgesehen, als ob sie sich auf den Ball freute, doch als diese ‚Partnersache‘ gesagt wurde, hatte sie es sich offensichtlich noch anders überlegt. Bei Jack war es genau anders herum. Er mochte den Paartanz nicht sonderlich gern – obwohl er gut tanzen konnte, das hatte er schon ein paar Mal mit Kim bewiesen – und schien auch nicht groß daran interessiert, einen ganzen Abend allein am Rande der Tanzfläche zu stehen, während er versuchte, sich die Mädchen vom Hals zu halten. Er schien allerdings zu wissen, dass seine beste Freundin/große Liebe/Bald-Freundin dorthin wollen würde, aber er wusste genauso gut wie ich, dass sie niemals mit irgendeinem der anderen Studenten dorthin gehen wollte. Und das machte ihn vermutlich glücklicher als mich, immerhin musste er dann keinen Jungen von ihr vertreiben.
Er hätte ihr zwar einfach seine Gefühle gestehen können, aber nein… wir redeten hier immerhin über Jack! Er zeigte seine Gefühle nur sehr selten.
„Und nun wollen wir mit dem Unterricht beginnen, also schlagen Sie bitte das Buch auf Seite…“ Ab dieser Stelle schlief ich schon fast, was von Kim jedoch nicht wahrgenommen wurde, wie ich aus dem Augenwinkel bemerkte. Sie war womöglich zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt.

Eddies POV

„Wie bescheuert ist das denn?! Jetzt soll ich auch noch mit irgendeinem verrückten, total hohlen Studenten zum Ball gehen, der es sowieso nur auf meinen Körper aus hat!“

Ich musste nicht erwähnen, dass Kim nicht sonderlich begeistert war, dass es Begleitungspflicht beim aufkommenden Ball gab. Mittlerweile übertrug sie das meiste ihrer Wut auf das Gericht, das sie gerade kochte, doch es gab immer noch einen Restbestand, der herausmusste.
„Kimmy, komm‘ schon. Dann gehst du eben nicht hin, es ist ja nur-“, fing Jack an, wurde jedoch von Kim aufgebracht unterbrochen.
„Nur ein Ball?! Jack, das wäre unser erster Ball im College! Und ich kann nicht hin, weil wir keinen gescheiten Jungen an unserer Schule haben! Ähm, nichts gegen euch, Leute“, fügte sie errötend hinzu, als wir sie grinsend ansahen.
„Schon gut“, antworteten wir gemeinsam, Jack ausgeschlossen. Dieser sah Kim nur verletzt an, bevor er sich umdrehte und in sein und Jerrys Zimmer ging. Kim sah ihm verwirrt nach und wandte sich schließlich an uns: „Hat er was?“

Wir konnten ihr ja schlecht sagen, dass er in sie verliebt war, sonst wären wir so gut wie tot. T.O.T. Milton und ich sahen uns schnell an, bevor ich endlich antwortete: „Er hat nur einen schlechten Tag und ist müde. Nichts, was mit dir zu tun hat“, fügte ich beruhigend lächelnd hinzu. Sie gab sich damit zufrieden und drehte sich wieder um. Puh, gerade noch Glück gehabt.

Jacks POV

Es war mittlerweile mitten in der Nacht, doch ich konnte nicht einschlafen. Mein einziges Glück war, dass das Wochenende vor der Tür stand und ich so lange schlafen konnte, wie ich wollte. Vollkommen aufgewühlt drehte ich mich immer und immer wieder im Bett herum, während ich verzweifelt versuchte, Ruhe zu finden. Meine Gedanken kreisten sich immer und immer wieder um Kim.
Meine Kimmy, die nicht wirklich meins war, weil ich zu feige war, um ihr meine Gefühle zu gestehen. Ich wusste nicht wirklich, warum ich nichts tat. Seitdem wir befreundet waren, hatte sie noch nie einen Freund gehabt und hatte auch immer wieder Andeutungen gemacht, dass sie mich mehr mochte, als nur als beste Freundin, doch die letzten Andeutungen waren schon ein paar Monate her. Was, wenn sie mich nicht mehr so mochte? Wenn sie herausgefunden hatte, dass sie nur Freundschaft empfand?
Dann gab es allerdings auch die nicht vorhandenen Freunde und die große Abneigung gegenüber jeglichen männlichen Wesen, während wir zumindest schon einmal ein „Date“ – wenn man es denn so nennen konnte – hatten und sogar auch manchmal in einem Bett schliefen. Und beides hatte ihr nichts ausgemacht. Wieso also war ich so feige?

Frustriert fuhr ich mir zuerst über mein Gesicht und anschließend durch meine Haare, bevor ich meine Decke zurückschlug und aufstand. Schlaf würde ich sowieso nicht mehr finden, also beschloss ich, in die Küche zu gehen und mir einen Kaffee zu machen. Vielleicht würde ich wenigstens wach genug werden, um normal denken zu können.
„Jack, Alter, was machst du?! Es ist mitten in der Nacht!“, drang Jerrys verpennte Stimme zu mir herüber, als ich die Tür öffnete und überraschenderweise Licht hinein ließ.
„Ich kann nicht schlafen, aber lass‘ dich nicht stören“, flüsterte ich leicht lächelnd zurück, bevor ich aus unserem Zimmer tapste und in Richtung Küche lief, wo schon eine Überraschung auf mich wartete.

Kim saß am Tisch und lächelte mich leicht schief an. „Ich wusste, dass du nicht schlafen kannst.“
Ich schnaubte, obwohl ich lächeln musste, und setzte mich an den Tisch, wobei mir die zweite Tasse auffiel und ich Kim mit einer hochgezogenen Augenbraue ansah. „Ist das dein Ernst?“
„Ja, ist es“, grinste sie und nahm einen Schluck aus ihrer Tasse. Kakao, wie sich verstand.

„Wieso kennst du mich so gut?“, fragte ich sie nach einigen Momenten der Stille. Es war nun mal verwirrend, wenn man mitten in der Nacht seine beste Freundin vorfand und schon eine Tasse Kaffee hingestellt bekam, wenn man selbst das noch nicht einmal wusste. Meine Frage brachte sie tatsächlich zum Nachdenken. Sie kaute ein wenig auf ihrer Unterlippe, bevor sie mit einem Stirnrunzeln den Mund öffnete: „Ich schätze, dass das wohl daher kommt, weil ich dich beobachten kann. Du selbst kannst dich nicht unbedingt so gut einschätzen, wie andere das können, solange sie lang und oft genug mit dir zusammen sind.“
„Woher wusstest du, dass ich mich gefragt hab‘, warum du mich besser kennst als ich mich selbst?“, fragte ich sie bewundernd. Sie lachte nur auf und meinte: „Selbe Antwort, schätze ich.“

Ich lächelte sie einfach nur an und nahm einen weiteren Schluck aus meiner Tasse. „Was hat dich nicht schlafen lassen?“
Sie grinste mich an und antwortete: „Ach, du bist schon wieder in diesem Fragemodus. Ich weiß nicht, ich habe einfach keine Ruhe bekommen. Immer wieder musste ich an den Ball denken, auf den ich sowieso nicht gehen werde, obwohl ich das eigentlich wollte.“
Sie wurde traurig und schon kam mir Mitleid. Vorher hatte ich mich gefreut, weil sie dadurch auf jeden Fall von keinem Jungen belästigt wurde, zumindest nicht an dem Abend. Doch jetzt musste ich mir meine traurige Freundin ansehen, was mein Herz einfach zum Brechen brachte.
„Ist denn absolut kein Junge dabei, den du ‚benutzen‘ könntest? Oder vielleicht einer, der dir gefällt?“
Kim sah mich nachdenklich an, bevor sie leise sagte: „Naja, es gäbe schon einen, den ich mag. Ich mein, wirklich mag, aber ich glaub, der Junge interessiert sich nicht für mich.“ Ich hatte Probleme, sie zu verstehen, aber trotzdem konnte ich alles realisieren. Meine beste Freundin, die Liebe meines Lebens, war verliebt und das höchstwahrscheinlich nicht in mich.
Trotz dieser Neuigkeit setzte ich ein Lächeln auf. „Na dann werden wir dir wohl oder übel diesen Jungen beschaffen. Wenn es jemand nämlich verdient hat, glücklich zu sein, dann bist das du. Verstanden?“
Auch wenn es ohne mich sein wird, dachte ich mir niedergeschlagen. Und schon wandte ich mich – mit einem aufgesetzten Lächeln – an Kim: „Du musst mir allerdings sagen, wer es ist, wenn ich dir helfen soll, weißt du? Aber hey – du kannst mir vertrauen, ja?“

Kims Augen weiteten sich und sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich kann es di- ich muss das allein regeln. Ja, ich kann ja nicht immer nur hinter dir und deinem breiten Rücken versteckt sein, sondern muss mein Leben selbst auf die Reihe gebracht bekommen. Wenn das halt nicht anders geht, werde ich es ihm wohl oder übel sagen müssen.“
Sie lächelte mich gequält an und schon wusste ich, was das bedeutete – sie vertraute mir nicht. „Okay, dann halt nicht“, sagte ich nüchtern und stand auf, um ins Wohnzimmer zu gehen. Hauptsache weg von ihr.

Ich war schon an der Tür, als ich hinter mir Kims Stimme vernahm: „Jack, warte! Du weißt, dass es so nicht gemeint ist. Ich liebe dich wirklich… und vertraue dir auch, aber das kann ich dir einfach nicht sagen. Bitte versteh‘ das.“
Sie hatte nach dem ‚Ich liebe dich wirklich‘ gezögert, als ob sie selbst von sich überrascht gewesen sei, aber das störte mich nicht. Ich liebte sie mehr, als sie es wahrscheinlich je erfahren würde, also drehte ich mich wieder um und sah Kim mit einem gutmütigen Lächeln an. „Okay, ich verstehe es. Weißt du, ich hab‘ da ja auch dieses Mädchen, aber du musst bitte auch respektieren, dass ich es dir nicht sage.“

Es stand ein wenig Verletzung in ihren Augen, vermutlich, weil sie enttäuscht von mir war, dass sie es erst jetzt erfahren hatte. Aber egal, es war fair.
„Na schön, ich denke, das ist nur fair, nicht wahr?“, sagte sie und öffnete die Arme. Ich grinste, stellte meine Tasse auf den Küchentisch und zog sie in eine kräftige Umarmung, während ich ihren wundervollen Duft genoss.

„Und?“, unterbrach sie meine Gedanken und löste ihren Oberkörper ein wenig von meinem. „Willst du ins Bett zurück oder lieber mit mir Fernsehen?“
Sie sah mich mit einem schiefen Grinsen an, welches ich mit einem theatralischen Seufzen quittierte. „Es geht wohl nicht beides, oder?“
Kim sah mich verwirrt an und ich konnte es hinter ihren Augen arbeiten sehen. „Aber du hast doch gar keinen Ferns- Och, Jack! Nein, ich werde nicht mit dir ins Bett gehen. Und jetzt hör‘ auf zu lachen und komm‘ mit. Wir schauen jetzt zusammen Fern.“
Und damit zog sie mich mit zur Couch, während sich mein Lachen in ein dämliches Grinsen verwandelte. Normalerweise sollte ich ja am Rande eines Heulkrampfes sein, weil sie nicht mit mir ins Bett wollte, aber immerhin konnte ich auf der Couch mit ihr kuscheln, solange ich es richtig anstellte. Das war einfach eine perfekte Möglichkeit.

Kims POV

Ich wachte auf der Couch auf – neben mir mein bester Freund. Ich lächelte und kuschelte mich an ihn, während er mich im Schlaf an sich zog.
„Hey ihr Schlafmützen! Aufstehen, nicht kuscheln!“ Jerry lachte, als wir hektisch aufsprangen und ihn verwirrt ansahen. Hinter ihm standen Eddie und Milton, beide grinsend.
„Na, da ihr jetzt wach seid, können wir fernsehen. Kommt, Eddie, Jerry.“ Damit setzten sie sich hin, während wir sie noch vollkommen verwirrt ansahen.
Sie grinsten uns an und fuchelten mit den Händen herum. Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass sie uns damit bedeuten wollten, dass wir im Weg standen. Schnell sah ich Jack an, der seinen Kopf in Richtung seines und Jerrys Zimmers nickte. Ich lächelte, nickte und folgte Jack, nachdem er meine Hand ergriffen hatte.

Als wir die Tür hinter uns geschlossen hatten, ging ich in Richtung Jerrys Bett, aber Jack zog mich zu sich. Kurze Zeit später lag ich neben ihm, während ich versuchte, meinen Herzschlag zu beruhigen.
„Hier können wir auch besser schlafen“, murmelte Jack und zog die Bettdecke über uns.
„Aber eigentlich habe ich doch gestern gesagt, dass ich nicht mit dir ins Bett gehe.“ Um meine Aussage unwillentlich zu untergraben, legte ich einen Arm um Jacks – verdammt heiße – Brust und schob mich näher an ihn. Schließlich lag mein Kopf auf seiner Brust und vibrierte leicht, als er flüsterte: „Tja, das war gestern. Und jetzt pscht!“

Jerrys POV

„Denkt ihr, sie tun etwas Blödes?“ Milton sah abwechselnd Eddie und mich an. Eddie schüttelte mit einem sanften Lächeln den Kopf, bevor ich einen Lachflash bekam.
„Du denkst ernsthaft, sie würden sowas machen? Wenn sie sich seit über vier Jahren ihre Liebe zueinander verschwiegen haben? Garantiert nicht“, bekam ich schließlich glucksend heraus. Milton und Eddie mussten nach dieser Aussage beide grinsen, aber mein Gott – es stimmte.

Plötzlich hörten wir eine Tür aufgehen und schon hörten wir Schritte, bevor eine weitere Tür auf- und zuging.
„Entweder Kim oder Jack holen sich gerade ein Verhütungsmittel-“
„oder Kim wurde es zu viel sexuelle Spannung mit Jack“, vervollständigte Milton meinen Satz, ehe wir alle lachten.
„Oder aber Kim wurde Jacks Geschnarche zu viel“, schnaubte unsere Freundin hinter uns. Wir fuhren herum und starrten sie an. Sie hatte ihre Arme vor ihrer Brust verschränkt und lehnte missmutig am Türrahmen.
„Wie lange stehst du schon da?“, fragte Eddie schockiert. Kims Gesicht verzog sich zu einem Lächeln. „Lange genug. Oh, und wenn wir ‚Verhütungsmittel‘ bräuchten, würde ich sicherlich nicht in mein Zimmer müssen. Jerry, euer Zimmer ist sicherlich voll damit.“
Sie grinste mich triumphierend an, bevor Jack hinter ihr auftauchte. „Voll mit was?“
Kim schrie auf und sprang in die Höhe, bevor sie sich Jack vorknöpfte. „Wieso musst du mich so erschrecken?“
Jack grinste einfach nur und sah mich dann fragend an. Ich erwiderte sein Grinsen. „Voll mit Verhütungsmitteln.“

Er sah erst verwirrt aus, realisierte dann aber doch schnell, was er zu sagen hatte. „Kim.“ Besagtes Mädchen blickte verwirrt zu ihm auf, als er sich ein wenig herunterbeugte. „Du hast uns erwischt.“
Wir Jungs lachten laut los, während Kim einer Tomate ähnelte und Jack sie anzüglich angrinste. Nach einigen Sekunden – oder Minuten, aber wer kümmerte sich schon am Wochenende um sowas? – kriegten wir uns wieder ein.
„Ihr seid blöd“, murmelte Kim und ging in die Küche – wir Jungs lachten.

~*~*~*~*~


Kims POV

Ich wusste ja schon seitdem wir zusammengezogen waren, dass meine Freunde nicht gerade die hilfsbereitesten Mitbewohner waren, doch nun toppten meine Freunde tatsächlich alles; sie ließen mich heute komplett alleine kochen. Ihre Begründung, wie Jerry so schön gesagt hatte: „Irgendwann wirst du mal für deine gesamte Familie kochen müssen. Warum also nicht schon jetzt?“
Hätte Jack nicht beruhigend seinen Arm um mich gelegt, hätte Jerry nun wahrscheinlich keine Kinder mehr bekommen können. Sehr wahrscheinlich.

„Kim, wann ist das Essen fertig?“ Mittlerweile kochte ich genauso stark wie die Spaghetti im Topf, wenn nicht sogar stärker.
„Weißt du was?“ Ich wirbelte herum und stand nun wenige Zentimeter vor Jerry. „Mach’s selbst!“
Ich drückte Jerry den Kochlöffel in die Hand und stürmte aus der Küche direkt in mein Zimmer. Nun konnte er selbst schauen, wie er kochen würde. Länger machte ich das nun doch nicht mit.
Ich ließ die Tür hinter mir zuknallen, fiel sofort auf mein Bett und schloss gestresst die Augen. Im College zu sein, war anstrengender als ich anfangs gedacht hatte.
Kochen, Haushalt machen und dann noch lernen, war nicht ganz einfach.

Mitten in meinen Gedanken öffnete sich sanft die Tür.
„Geh weg“, brummte ich. Vermutlich war das Jack, der versuchen würde, mich zu beruhigen. Darauf hatte ich nun wirklich keine Lust.
„Ich bin’s.“ Na, was hatte ich gesagt?
„Weiß ich. Geh trotzdem weg, momentan will ich niemanden sehen.“
„Wie gut dass ich ein Niemand bin, nicht wahr?“ Jack konnte mich manchmal wirklich aufregen – sehr stark aufregen.
„Jack, bitte. Ich fühl‘ mich gerade nicht so gut, also bitte, bitte lass‘ mich einfach in Ruhe, ja?“ Ich sah meinen besten Freund bittend an – dieser Hundeblick hätte jeden Hund neidisch gemacht. Aber half er etwas bei Jack? Nein, absolut nichts. Jack blieb hart wie ein Stein. Herzloser Idiot.
„Stimmt nicht.“
„Was?“, fragte ich ihn verwirrt. Das vorher war nun nicht wirklich eine Frage, auf die er hätte antworten können.
„Ich bin kein herzloser Idiot. Weißt du, du bedeutest mir etwas und deshalb möchte ich, dass es dir gut geht. Das hat rein gar nichts mit herzlos zu tun.“ Jack kam nun weiter auf mein Bett zu und setzte sich neben mich. Ich richtete mich auf, um ebenfalls zu sitzen. „Hab‘ ich das gerade laut gesagt?“
Jack nickte nur grinsend, als ich stöhnte. Hoffentlich sprach ich nicht irgendwann einmal etwas aus, was er nicht hören sollte.
„Uhhh… du hast Geheimnisse vor mir? Ich bin doch aber dein bester Freund!“ Nun war es Jack, der mich mit einem Hundeblick ansah, welchen ich mit einem Augenrollen quittierte.
„Erstens kann ich es nicht fassen, dass ich das schon wieder laut gesagt habe“,  daraufhin lachte Jack ein wenig, „und zweitens nennt man so etwas Privatsphäre. Im Gegensatz zu dir und Jerry muss ich nicht jedem sagen, wenn ich mit irgendwem geschlafen hab.“
Jack machte ein geschocktes Gesicht. „Kimberly, ich hätte nie von dir erwartet, dass du mich als Herzensbrecher darstellst…“
„Du brichst schon jedem Mädchen das Herz, wenn du an ihnen lächelnd vorbeigehst und anschließend nie wieder mit ihnen redest.“
„Dann ist dein Herz wohl nicht gebrochen.“

Ich sah ihn nur mit hochgezogenen Augenbrauen an, woraufhin er mit einem Lächeln reagierte.
„Du Blödmann.“
„Du Zicke.“
„Du Idiot.“
„Du Tusse.“
„Du-du… Jack!“
„Du hast nichts Besseres drauf?“, lachte Jack und sah mich belustigt an.
„Hey, das ist die schwerste Beleidigung, die mir einfällt“, verteidigte ich mich mit einem Lächeln, bevor ich mich dazu aufraffen konnte, Jack zu umarmen und schließlich auf das Bett fiel – gemeinsam mit Jack.

„Warum bist du eigentlich hergekommen?“, fragte ich nach einigen Momenten der Stille.
„Wie gesagt, ich will nur, dass es dir gut geht.“ Jack lächelte mich an, bevor ich ihm einen Kuss auf seine Wange gab, weshalb dort ein leichter Rotschimmer auftauchte. Ich grinste ihn an. „Danke, Jack.“
„Oh, und dann hätte ich eine Bitte…“ Jack schwieg kurz, während ich den Kopf schief legte. In dieser Pause stand er auf und fiel schließlich theatralisch auf ein Knie vor mich. „Bitte koch‘ für uns!“
Das brachte ich doch tatsächlich zum Lachen und ich sagte „Ja“, als die Tür aufging. Milton, Jerry und Eddie standen dort und fanden uns in einer sehr unpassenden Position vor. „Hast du ihr einen Antrag gemacht oder was?“, lachte Eddie.
Jack und ich sahen uns an und kamen wortlos darüber ein, dass wir mit ihnen spielen würden. „Ja und stellt euch das vor – ich hab‘ ihn angenommen.“
„Dadurch wird sich jetzt alles ändern, wisst ihr? Uns wird es viel besser gehen“, fügte Jack träumend hinzu, was mich zum Grinsen brachte.
„Definitiv. So gut ist es uns noch nie gegangen“, schwärmte auch ich und starrte in einen undefinierten Punkt im Raum. Sofort stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn Jack mir tatsächlich einen Antrag gemacht hätte… Fokussiere dich, Kim!

Jerry, Milton und Eddies Gesichtsausdrücke waren unbezahlbar. Alle drei schwankten zwischen ‚vor Freude schreien‘ und ‚vor Freude zusammenbrechen‘.
„Es ging übrigens darum, dass ich kochen soll.“

Alle drei Kiefer flogen nach unten und schon fing ich an zu lachen, bevor ich schließlich in die Küche ging. Die Blicke würde ich trotzdem nie vergessen – als ob sie sich freuen würden, wenn wir heiraten würden.

~*~*~*~*~


Jacks POV

Wir saßen in vollkommener Stille beim Abendessen. Nur das Geschirr machte Geräusche, wenn das Besteck darauf traf.
Ich sah meine Freunde an, welche mir nachahmten. Es war sehr offensichtlich, dass wir irgendein Gesprächsthema brauchten. Kim saß mir gegenüber und hatte gerade die Gabel halb zum Mund geschoben und den Mund schon geöffnet, als wir alle stoppten.
Meine Mundwinkel zuckten dadurch nach oben und irgendwann fing ich das Lachen an. Kims Mundwinkel wanderten auch nach oben und als sie lachte, senkte sie die Gabel auf den Teller.

„Okay, was war das?“, fragte Milton grinsend, als wir uns beruhigt hatten.
Kim und ich sahen uns an und ich wusste, dass wir dasselbe dachten. Schon grinste ich wieder. „Kim und ich beginnen gerade nur, Gedanken zu lesen, schätze ich.“
Das brachte Kim zum Lachen, bevor sie den Kopf schüttelte und die Frage beantwortete: „Es war eigentlich nur ein Lachanfall, weil ich eine echt blöde Position hatte, als wir alle gestoppt haben.“
Milton, Jerry und Eddie grinsten einfach nur und aßen weiter, mit ihnen Kim. Wieder diese unerträgliche Stille.

„Könnt ihr mir mal sagen, warum wir heute so ruhig sind?“ Meine Freunde sahen mich erst geschockt an, ehe sie alle in Geschwätz ausbrachen.
„Ja, du hast Recht.“
„Das ist echt gruselig.“
„Aber echt.“
„Was? Ich bin verwirrt.“

Wir blickten alle Jerry an, der entschuldigend die Schultern hochzog. „Tut mir leid, Leute, ich komm‘ nicht mit.“
„Es ist okay“, sagte Kim gefühlsvoll und legte eine Hand auf Jerrys Schulter, der sie dankbar ansah. Ein wenig zu lange für meinen Geschmack. Wer wird denn da eifersüchtig?
„Klappe, Gehirn“, murmelte ich und zog damit alle Blicke, einschließlich den verwirrten meiner besten Freundin, auf mich. Ich bemerkte, dass ihre Hand noch immer auf Jerrys Schulter lag, was meine Stimmung nicht sonderlich verbesserte.
„Alles in Ordnung, ich werde nicht verrückt“, konnte ich endlich mit einem aufgesetzten Lächeln sagen und schon wandte sich jeder wieder seinem Essen zu. Jerry jedoch warf mir noch einen besorgten Blick zu, den ich allerdings gekonnt unbeachtet ließ. Fürs Erste.

~*~*~*~*~


„Alter, was war das denn beim Abendessen?“ Jerry ließ es wohl nicht auf sich beruhen. Natürlich – ich würde das auch nicht, wenn ich an seiner Stelle wäre. Und trotzdem machte es mich ein wenig sauer.
„Nichts. Rein gar nichts“, brachte ich durch meine zusammengebissene Zähne hervor. „Können wir das Licht ausmachen? Es ist schon sehr spät.“
„Morgen ist Sonntag, also lenk‘ nicht ab. Ich hab‘ gesehen, wie du Kim und mich angesehen hast, als sie mich beruhigt hat, okay? Ich weiß, dass du eifersüchtig bist, aber glaube mir eins: Kim ist für mich wie eine Schwester und genau als diese liebe ich sie auch. Ich will euch beiden nicht im Weg stehen, ja? Bitte, merke dir das. Ich möchte nicht, dass es wegen ihr Streit gibt. Besonders“, fügte er hinzu und zwinkerte mir zu, „passt ihr viel mehr zusammen. Sie braucht ja jemanden, der nicht gleich bei jedem Schlag einknickt.“
Ich lächelte ihn ein wenig an. Womit hatte ich nur so einen tollen besten Freund verdient? „Danke, Jerry.“
„Kein Problem. Dazu sind beste Freunde, oder auch Brüder, da. Und wir sind doch Brüder, oder?“ Verunsichert sah er mich an und sah mit diesem Blick wirklich klein in seinem Bett aus. Ich lächelte ihn breit an.
„Natürlich! Ich liebe dich – als Bruder – und du liebst mich genauso. Also ist alles in Ordnung, nicht wahr?“

Jerry hatte es tatsächlich geschafft, mich aufzumuntern, nur indem er mit mir sprach. Eins war für mich definitiv klar.
„Jerry? Falls ich jemals Kim heiraten sollte, bist du dann mein Trauzeuge?“

Jerrys Augen blitzten auf. „Ja, natürlich! Aber du, Jack?“
„Hm?“, fragte ich ihn glücklich und erwartete einen super tollen, aufbauenden Kommentar. Stattdessen…
„Du solltest erstmal mutig genug sein, um sie zu einem Date zu fragen. Vorher brauchst du nicht über eine Hochzeit nachdenken.“
„Danke, ich liebe dich auch“, murmelte ich in mich hinein und hörte Jerry lachen.

„Gute Nacht!“

~*~*~*~*~


Kims POV

Mittlerweile war schon ein Monat vergangen und es stand der Ball am Freitag an. Ich hatte sehr vielen Jungs freundlich absagen müssen, wobei meistens Jack dabei war, der mich dann zur Not immer gerettet hatte. Ich konnte mich einfach immer auf ihn verlassen.

Jack.

Ich würde so gern mit meinem besten Freund – oder auch meiner großen Liebe, wie man es gerne hätte – zu dem Ball gehen, aber ich würde ihn sicherlich nicht fragen. Vielleicht würde dann unsere Freundschaft komplett komisch werden. Auch wenn ich manchmal das Gefühl hatte, dass er mich genauso mochte wie ich ihn. Allerdings konnte das einfach nicht sein, das war fast unmöglich. Wieso sollte Jack sich ausgerechnet in mich verlieben, wenn er doch jedes Mädchen haben könnte?

„Kimmy?“ Mein Kopf schoss nach oben und ich blickte sofort in Jacks wundervolle Augen.
„Ja?“

Normalerweise würde ich jeden anderen umbringen, wenn derjenige mich Kimmy nennen würde, aber bei Jack war es eine Ausnahme – wenn er meinen Spitznamen sagte, klang es einfach richtig.

„Hast du eigentlich schon einen Partner für den Ball?“

Ich schüttelte meinen Kopf und wandte mich wieder dem Essen zu. Eigentlich war für mich das Gespräch beendet, weil ich genau wusste, Jack würde verstehen, dass ich leicht verletzt war, dass ich nicht hingehen konnte. Für Jack allerdings war es offenbar nicht beendet.

„Also ich – ähm – hab‘ mich gefragt, ob du“, stotterte er und ich drehte mich um, um ihm in die Augen schauen zu können. Wenn er wirklich das fragen wollte, was ich hoffte, dann würde ich seine Augen sehen wollen. Nur nebensächlich nahm ich wahr, wie die Haustür aufging und Jerry, Milton und Eddie hereinkamen. Ich nahm auch nur leicht wahr, dass ihre Stimmen verstummten, als sie uns in dieser Position sahen – wir standen wirklich sehr nah beieinander und sahen einander in die Augen, während wir nichts sagten –, und sie uns neugierig beobachten. Stattdessen lag meine ganze Aufmerksamkeit auf Jack, der gerade nochmal Luft holte und mir wieder tief in die Augen sah.
„Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du mit mir zum Ball gehen willst.“

Meine Augen weiteten sich und ich sah genau, dass Jacks Wangen rot wurden. Goldig. „Träume ich?“
Jack lachte nervös. „Ich denke nicht, wenn doch, dann haben wir wohl denselben Traum. Und wir müssen auch nicht als Paar hingehen, wenn du nicht willst, sondern einfach nur als Freunde, aber du willst ja unbedingt hin und-“
„Ich würde liebend gerne mit dir zum Ball gehen – als Paar“, sagte ich breit grinsend und unterbrach damit Jacks Blabbern.
„Wie bitte?“

„Sie geht mit dir zum Ball, du Idiot!“

Wir beide fuhren zu unseren Freunden herum, die grinsend in der Tür standen.
„Ich bring dich um, Jerry“, murmelte Jack total verlegen. Ich hingegen wurde nur knallrot und murmelte etwas von wegen „weiterkochen“. Unsere Freunde lachten uns natürlich aus. Das nannte ich mal Liebe.

Auf der anderen Seite war es mir auch egal – ich würde auf den Ball gehen. Mit Jack, meiner großen Liebe. Es war einfach perfekt. Ich lächelte also vor mich hin, während ich die Hackfleischsoße weiter umrührte.

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Perfekt war allerdings nicht unbedingt das Wort, das ich für die Vorbereitungen verwenden würde. Als einziges weibliches Wesen im Haus musste ich wohl oder übel alles alleine machen, was schließlich damit endete, dass ich mich nicht sonderlich anstrengte. Jack hatte mich schon gesehen als ich krank war und mich als schön bezeichnet – da würde ihm das hoffentlich nicht so viel ausmachen. Das war auf jeden Fall der Vorteil, wenn man mit seinem besten Freund ausging. Ob wir zusammen waren, mussten wir wohl oder übel klären, wobei die Aussage, dass wir als Paar zum Ball gingen, eigentlich stark genug war. Trotzdem hatte er mich noch nicht gefragt, seine Freundin zu sein. Aber das würde hoffentlich noch kommen.
Ich sah mich noch ein letztes Mal im Spiegel an. Mein Outfit bestand aus einem einfachen gelben, knielangen Kleid mit passenden Schuhen – Ballerinas. Dazu hatte ich meine Haare einfach offen tragen und nur wenig Make-Up auf meinem Gesicht. Ich wusste, dass Jack es nicht mochte, wenn ich zu viel Make-Up trug, also tat ich ihm – und mir – diesen Gefallen.

Plötzlich klopfte es an meiner Tür und ich wurde panisch. Sah ich gut genug aus? Würde Jack vielleicht einen Rückzieher machen, wenn er mich sah?
„Kim?“
Jacks ruhige Stimme verschaffte mir eine Gänsehaut, obwohl er noch nicht einmal im selben Raum war. Und genau das war der Moment, in dem ich etwas realisierte. Es war vollkommen egal, wie ich aussah, Jack liebte mich. Ich konnte mich glücklich schätzen, ihn zu bekommen. Also lächelte ich mich im Spiegel an und drehte mich schließlich um, bevor ich meine Zimmertür öffnete. Vor ihr stand Jack.

Er hatte einfache, schwarze Jeans und ein dunkles T-Shirt an, was ihm einfach super gut stand.
„Hey“, sagte ich und lächelte ihn an. Jack sah mich mit offenem Mund an, bevor er sich wieder fing und mich noch breiter als ich anlächelte.
„Hallo meine Schöne.“ Das brachte mich zum Kichern.
„Ich meine es ernst; du siehst wunderschön aus. Womit habe ich dich nur verdient?“

Als ich in seine Augen sah, wusste ich, dass er das nicht nur als Spaß gemeint hatte. Ich hatte ein sanftes Lächeln auf den Lippen.
„Weil ich dich liebe. Deswegen hast du mich verdient.“

Jack lächelte mich an und schon lagen seine Lippen auf meinen. Gott sei Dank waren wir alleine. Ansonsten hätten wir uns einige Sprüche von unseren Freunden anhören müssen. Und darauf konnten wir in einem so perfekten Moment definitiv verzichten.


A/N: Und damit wäre das 100.-Geschichten-Special auch hochgeladen… Ich hoffe, euch hat es gefallen… mir hat es definitiv Spaß gemacht, zu schreiben.
Ein riesiges Danke an nessi-girl, die mir die Idee hierzu geliefert hat! :D (Ich hab‘ dich lieb :*) Und genau deshalb ist auch ihr diese Geschichte gewidmet. :)
Ansonsten frohe Weihnachten :)

LG, Kara
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