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Schattenspiele

von Riniell
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Emerelle OC (Own Character) Tiranu Yulivee
20.12.2015
01.12.2016
50
187.715
3
Alle Kapitel
52 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.02.2016 1.522
 
Ja, ihr seht richtig! Diese Woche kommt das Update extrem früh. Denn ich werde am Wochenende umziehen und habe dementsprechend etwas Stress gerade – ich kann leider auch noch nicht absehen, wann das nächste Kapitel kommt. Ich versuche, so zuverlässig wie möglich nächstes Wochenende wieder eine Fortsetzung hinzubekommen. Momentan habe ich aber nicht mal Internet in der neuen Wohnung angemeldet …  

Trotzdem will ich nicht vergessen, mich ganz besonders bei Fay, Xijoria und Flammendo für eure hilfreichen, kritischen und lieben Kommentare zu danken. Auch die vielen Klicks freuen mich extrem!

Ich hoffe, das kurze Kapitel gefällt euch! Lasst mich eure Meinung hören :)




Ein Ruf aus der Vergangenheit




Die Nacht lag schwer über dem Fürstensitz von Langollion. Dickte Wolkenmauern hüllten die Spitze des Turms in einen dichten Vorhang aus Dunst und Nebel. Weit darunter, in einem rauschenden Regenschleier, zeichnete sich die Fassade des Gemäuers ab; verwinkelt in herausstehenden Erkern, angefügten Spitztürmchen und weiteren runden und kantigen Erweiterungen der Außenmauer, wirkte sie zerklüftet wie die Klippen der nahen Steilküste. In den Winterschlaf gefallene Kletterrosen und immergrüne Efeuranken wanden sich bis zu den höchstgelegenen Fenstern, direkt unter das mit anthrazitfarbenen Schindeln belegte Runddach.

Nur noch wenige Kerzen glommen weit nach Mitternacht hinter diesen Scheiben. In schräger Ansteigung folgten sie der Rundung der Turmfassade. Ihr Schein bot eine Bühne für flüchtige Schattenkreaturen und die Herrschaft des  Zwielichts. Dunkle, flatterhafte Schemen sammelten sich in jeder Ecke und krochen bis unter filigran gefertigte Möbel aus braunem Ebenholz. Sie fielen auf fein gewebte Teppiche, welche sich über aufwendig gepflegte Marmorlatten erstreckten. Über den vielzähligen Trittstufen zog sich die Dunkelheit über die verschiedenen Ebenen. Leichte Vorhänge – oftmals verwahrt in dicken Kordelaufhängungen – separierten den sanft ansteigenden Verlauf der gebogenen Räumlichkeiten. Feuerschalen, platziert auf niedrigen Steinpodesten, verbreiteten neben zusätzlichen aufregenden Lichtspielen Wärme in den hochgelegenen Gemächern des Fürsten.

Tiranu saß auf bedachte das Pergament in seiner wutstarren linken Hand, während er sich durch seine schulterlangen Strähnen strich. Sein Platz auf dem mit weinroten Seidenbahnen bespannten Divan lag direkt vor einem der bleiverglasten Fenster. Deutlich war der prassende Regen, der gegen die Scheiben klopfte zu hören. Doch er vernahm nichts – nur die Offenbarung der Botschaft in seinem Griff.

Auf dem Pergament fanden etliche verschlüsselte Geheimzeichen zu einem Bericht zusammen, welcher ganz und gar nicht zu seiner Beruhigung beitrug. Sein Instinkt hatte ihn nicht getrogen, so viel wusste er nun. Und auch seine Entscheidung war richtig gewesen.

Dieses verfluchte Gör!

Kaum fünf Tage nach dem Aufbruch von seinem unseligen Hofmeister und seinem unliebsamen Anhängsel hielt er nun den Beweis in den Händen, dass die Magierin keinesfalls wegen eines Besuchs aufgrund plötzlicher, freundschaftlicher Sehnsucht in Langollion weilte.

Man könnte durchaus sagen, dass er die Bedingungen einheitlich gestaltet hatte, als er einen seiner besten Späher nach Larion geschickt hatte, um die Erzmagierin zu beschatten. Eine reine Vorsichtsmaßname, hatte er bis gerade eben noch gedacht. Ein heimtückisches Spiel von Yulivee hatte er auch nach Morwennas Beschwichtigungen stets in Betracht gezogen, ja sogar erwartet – aber diese kindliche Elfe und ein Erfolg in solch einem Vorhaben? Undenkbar für ihn! Unbeachtet wollte er die Situation doch nicht lassen. Nie hätte er aber ahnen können, dass ihm die Zügel derart aus der Hand glitten.

Den Späher selbst hatte er noch nicht sprechen können. Sein Falke war vor gut einer Stunde erschöpft im Hort auf der Falknerei eingetroffen, den knappen Bericht an seiner Kralle festgebunden. In dem verschlüsselten Text war von einem Gespräch zwischen der Erzmagierin und Amana, der Handelsführerin in Larion die Rede – und über alte Wunden, welche so lange vernarbt geglaubt waren…

Wie um alles in den Welten war es möglich, dass Luana eine Sammlung über Wissen in den Rosenlabyrinthen verwahrt hatte?

Der Freitod seiner Schwester so kurz nach den Schattenkriegen hatte ihn in seiner noch jungen Herrschaft lange beschäftigt. Wäre das Drama um sie und Marveen an die Öffentlichkeit gekommen, wären die wankenden Pfeiler, auf denen seine Politik beruhte, wohl bald im Wind der Schimpf und Schande eingestürzt. Amanas Schweigen zu den Vorfällen war unerlässlich gewesen. Die erhebliche Summe Geld, welches  er ihr nach Marveens Tod zum Wiederaufbau ihrer Geschäfte überlassen hatte, erschien ihm Ausgleich genug, wenn man bedachte, aus welchem Stand sie einst in seiner Familie aufgestiegen war.

Und nun, nach all den Ehren, die ihr erneut zuteilwurden, verriet sie ihn bei der erstbesten Möglichkeit. Er wusste, er hätte der Wahl der neuen Würdenträger von Jornowell und Morwenna nicht trauen dürfen! Stümper und Verräter hatte seine kleine Schwester in sein Haus geholt...

Tiranu schloss die Augen. Nach dem übermittelten Gespräch in Larion hatte sein Informant keine weiteren Geschehnisse festgehalten. So blieb ihm nur zu raten, ob Yulivee den Hinweisen Amanas tatsächlich folgte, oder sie für den Unsinn abtat, die sie tatsächlich waren.

Wenn er wetten sollte, dann …

Wenn jemand leichtfertig genug war, Amana zu glauben, dann Yulivee!

Das Labyrinth der Rosen war ein gefährlicher Ort, der mit den Ängsten und Gefühlen derer, die töricht genug waren, es zu betreten, spielte. Es gab unzählige Vermisste, welche diese Irrpfade betraten und nie wieder kehrten. Abenteurer suchten dort eine schier unbezwingbare Herausforderung –  ihre toten Körper wurden oft erst Jahrzehnte später von anderen wiedergefunden. Es war nicht nur die Gefahr, sich zu verlaufen, was oftmals das Verdursten nach sich zog, sondern der eigene Wahnsinn, der einen nach jeder – scheinbar – überwundenen Ecke mehr einzuholen drohte. Kein Ziel, kein Ausgang, keine offene Ebene, sondern immer wieder dieselben eng gewachsenen Dornbüsche zu sehen, trieb nach und nach die blanke Panik in die Knochen dieser selbsternannten ‚Abenteurer‘.

Wenn er sich Yulivee in den Irrgärten vorstellte, dann dauerten diese Vorstellungen nicht sonderlich lange an… Die impulsive Elfe würde keinen Tag in den Labyrinthen überstehen. Jedenfalls wusste er, dass ihre Magie dort nicht von großem Nutzen sein würde. Aus irgendeinem Grund befiel selbst die begabtesten Magier dort eine Ohnmacht, welche sie auf ihre blanke Körper- und Geisteskraft beschränkte.

Er selbst hatte diesen Ort – nach all den Schaudergeschichten, mit denen seine älteren Geschwister ihn erst gepiesackt und dann zu einer Mutprobe herausgefordert hatten – nur ein einziges Mal betreten. War er acht oder neun Jahre alt gewesen? Besonders weit war er nicht gekommen. Sein ältester Bruder Arien und seine ältere Schwester Selin waren ihm nach zwei Stunden hinterhergeeilt – sichtlich verwundert, ja regelrecht geschockt darüber, dass ihr kleiner Bruder tatsächlich der Angst ins Gesicht spuckte und leichtfertig immer weiter ging, statt einzusehen, dass er es nicht schaffen könnte. Sie hatten ihn sogar ‚ausgeschimpft‘, ihren Lockungen gefolgt zu sein und seinen ‚verdammten Wagemut‘ unter Beweis stellen zu wollen. Letzten Endes hätte er froh darüber sein können, von ihnen geholt worden zu sein. Denn Taktik nach Taktik hatte sich im Labyrinth als unnütz erwiesen und früher oder später hätte er sich hilflos verlaufen. Doch sein Stolz hatte nicht zugelassen, das nahende Versagen einzugestehen – irgendwann lag er maulend und strampelnd über dem Pferd seines Bruders und ereiferte sich darüber, sich nicht bewähren zu dürfen.

Arien war noch Ewigkeiten damit beschäftig, spottend von seiner ‚Heldentat‘ zu berichten, welche im Prinzip nur darin gegipfelt hatte, dass seine älteren Geschwister halb taub vom Gezeter ihres Bruders eine Standpauke ihrer Mutter über sich ergehen lassen mussten.

Die kurze Zeit im Labyrinth selbst hallte über all dem Ärger nur schwach in seinen Erinnerungen wider. Einzig die stete magische Präsenz, welche fast als Druck auf seinem Geist lastete, hatte sich in seine Gedanken geprägt. Diese Magie spielte mit den wagemutigen Wanderern, welche sich oftmals selbst überschätzten. Woher sie stammte, wusste er nicht. Es existierten nicht einmal genauere Aufzeichnungen darüber, wer überhaupt die Pläne für das umstrittene Wahrzeichen entworfen hatte.

Wenn er sich vorstellte, dass Luana einst dort allein umhergestreift war… Seine älteste Schwester war die talentierteste Magierin unter den Kindern Alathaias gewesen. Auch willensstark war sie gewesen, allerdings …

Tiranu atmete erneut tief durch.

So leichtfertig konnte selbst Yulivee nicht sein, allein in das Labyrinth hineinzugehen. Jornowell war noch immer bei ihr. Er war das einzige Albenkind, das er persönlich kannte, welches es lebend überstanden hatte. Würde der Weltenwanderer sich letzten Endes auf die Seite der Magierin stellen, um sie zu begleiten? Der Späher hatte einen Streit der Beiden erwähnt, welcher sie fast entzweit hatte. Bei diesem hatte sich der Hofmeister auf die Seite von Morwenna und ihm, Tiranu, geschlagen – überraschenderweise.

Wenn die Elfe nun aber nach diesem Disput tatsächlich gewillt genug war, allein in die verfluchten Labyrinthe zu gehen, und ihr dort bei ihrem von den Alben verliehenen ‚Geschick‘ etwas zustieß, dann hätte Emerelle tatsächlich einen Grund, seine Herrschaft offen anzuzweifeln oder Schlimmeres über ihn zu verhängen. Ganz unabhängig von dem, was Yulivee dort zu finden glaubte.

Yulivees Verhängnis wäre auch das seine…

Nie und nimmer würde er zulassen, dass ausgerechnet dieses unreife Kind ihm sein Fürstentum nahm!

Ausdruckslos erhob er sich von dem Divan und ging zu einer Kohleschale herüber, um den Bericht hinein zu werfen. Die Glut loderte kurzzeitig auf und leckende Flammen verschlangen das Schriftstück in ihrem gierigen Maul.


* * *



Als er schließlich nach einer ruhlosen Nacht in seinem Arbeitszimmer erschien, hatten sich die Wolken gelichtet und gaben den Blick in den äußeren Hof frei. Während er die neuen Briefe und Berichte sortierte, welche seine Schreiber auf dem Sekretär platziert hatten, warf er einen Blick hinunter.

Ein Reiter erschien im morgendlichen Dunstschleier.

Der Fürst fluchte.

Jornowell war allein zurückgekehrt.
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