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Schattenspiele

von Riniell
GeschichteDrama, Fantasy / P16 / Gen
Emerelle OC (Own Character) Tiranu Yulivee
20.12.2015
01.12.2016
50
187.715
3
Alle Kapitel
52 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
20.12.2015 1.634
 




Kurzbeschreibung:


Fortsetzung zu ‚Keine Rose ohne Dorn‘: Der ambitionierte Aufschwung Langollions bleibt nicht lange unbeachtet. Während die Elfenkönigin einen nahenden Verrat wittert, wird am anderen Ende Albenmarks die Sorge um einen engen Freund wach. Bald beginnt ein Spiel zwischen den Mächten von Vorurteilen und Wahrheiten, Vergangenheit und Zukunft, Begierde und Zwietracht, tiefen Ängsten und dunkler Magie, fälschlicher Rechtschaffenheit und dem Verrat aus Liebe.




* * *




Vorwort


Willkommen, ihr Lieben!


Ich freue mich, euch zu meiner neuen Story begrüßen zu dürfen! ‚Schattenspiele‘ wird als direkte Fortsetzung zu ‚Keine Rose ohne Dorn‘ starten. Allerdings wird dieses Mal neben der Erweiterung der dramatis personae auch die Grundthematik erheblich geändert. So wird es dieses Mal düster und spannend, wie immer kommen aber auch Emotionen, persönliche Dispute, Politik und die Wunderwelt der Albenmark nicht zu kurz.


Tiranu wird, wie bereits angekündigt, eine zentralere Rolle einnehmen. Ebenso die Vergangenheit der Kinder Alathaias (auch jener, welche ich im Vorgänger einführte) und die Auswirkungen in die jetzige Zeit. Auch andere Vertraute aus den Büchern werden euch begegnen. Ihre Weiterentwicklung nach den Tjuredkriegen – ob nun zum Guten oder Schlechten – wird ebenso ein Thema, wie der kritische Blick auf ihre Person.


Wie immer steht an dieser Stelle der Disclaimer, welcher besagt, dass alle Charaktere und Schauplätze Bernhard Hennens Feder entspringen und ich sie aus rein nichtkommerziellen Zwecken in einer Fanfiktion wieder ‚wach‘ werden lasse.


Ihr seht also, es ist ordentlich Stoff vorhanden, um einige viele Kapitel zu füllen. Deshalb hoffe ich auf eure rege Leserschaft, Anregungen, Kritik, was immer ihr wollt. Jeden Sonntag - soweit möglich - folgt ein neues Kapitel! Weiter möchte ich auch gar nicht ausholen, sondern direkt starten mit dem Prolog, oder auch:






* * *




Die geheimen Feldzüge der Politik


Emerelle warf den Brief auf den wuchtigen Sekretär vor sich und bedachte misstrauisch die Namen, welche mit schwungvollen Lettern beinahe bedrohlich von den Pergamentseiten prangten. Sie stellte mit verkniffenen Zügen fest, nicht einen einzelnen dieser Elfen zu kennen.

Ihr missfiel, dass diese Fremden nun in ihrem Namen und im Namen der Fürsten Langollions als Baron, Graf oder Handelsleiter walten sollten. Sicher, das küstenhafte, von tiefen Wäldern überzogene Fürstentum war von den Ordenskriegen gebeutelt, wesentlich ärger, als jedes andere Reich, welches unter ihrem Schutz stand. Aber diese plötzlich so massenhaft – man würde es glatt als gönnerhaft bezeichnen – erteilten Berufungen zum Regieren, erteilt an nieder geborene Elfen, erschien ihr rätselhaft.

„Xern?“, rief sie durch die hellen Räumlichkeiten, welche ihr zugleich als private Bibliothek, Studierzimmer und Beratungssaal dienten. Aufwendig gewebte Teppiche spannten sich über das Grau der groben Felsblöcke am Boden. Ihre prächtigen Farben leuchteten im Schein der mittäglichen Sonne eines klaren Februartags, welches durch hohe Fenster strahlte. Auf ihrem Tisch herrschte ein geordnetes Chaos von Pergamentbündeln, Folianten, Federn, verschiedenfarbigen Tintenfässchen und dem minimalistisch anmutenden Falrach-Brett, welches ganz weit in eine Ecke, von zwei besonders schweren Schriftstücken flankiert, verbannt worden war.

Der Waldgeist aus dem Süden des Herzlandes trat mit einem verhaltenen Ausdruck durch das Portal in ihr privates Studierzimmer und schaute ihr aufmerksam, für jeden Wunsch gewappnet in die Augen. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich der Würdenträger, welcher einst der Wächter des beseelten Baums Atta Aikhjarto gewesen war, nicht verändert.   Xern besaß einen drahtigen Körperbau, der jener eines Elfen sein mochte, wären da nicht die außergewöhnlichen Haarbüschel an den Ellenbogen, welche zusammen mit den Bandag-Bemalungen auf der Brust des Hofmeisters die wilde Note seines Volks repräsentierte. Seine Gesichtszüge zeigten im Vergleich zu anderen Abkömmlingen seiner Art stets einen verhaltenen, aber friedlichen Ausdruck, der durch die mandelförmigen, bernsteinfarbenen Augen bestärkt wurde. Ein weiterer markanter Kontrast zu seiner ruhigen Natur fand sich auf dem von dichten blonden Strähnen bedeckten Haupt: Ein großes, gebogenes Geweih wog sich bedrohlich in der Luft, bei jedem Schritt, den Xern tat.

Wie immer ließ ihr Hofmeister einen gebührenden Abstand zwischen ihnen den Raum füllen, als er sich verneigte: „Königin, wie kann ich dir dienen?“

„Heute, mein lieber Freund“, begann sie, den Brief wieder zu sich ziehend, „geht es nicht um den Dienst für eine Königin, sondern den für einen alten Freund.“

Der Waldgeist musterte sie, ohne dass eine Veränderung in seiner Mimik zu Tage trat. So sprach sie weiter: „Sag mir, wann hast du Jornowell, den Sohn des Alvias, das letzte Mal gesehen?“

„Das war nach der Trennung der Welten … Er erschien mir betrübt, eine ganze Welt, zwei, wenn man nach seinen Maßstäben geht, zu verlieren“, antwortete der Hofmeister pflichtbewusst, sein Ton neutral. Emerelle wusste aber, dass Jornowell und den Waldgeist eine enge Freundschaft verband, welche allerdings nach der Ernennung von Xern zum neuen Hofmeister, kurz nach dem Tode Alvias‘, einen kleinen Riss erlitten zu haben schien. „Ist ihm etwas geschehen?“

„Ich kann es nicht sagen, Xern.“ Die Königin erhob sich und ließ die verspannten Schultern kreisen. „Ich kann nicht ermessen, was in seinem Kopf vorgeht. Berechenbar war er noch nie und schon als Kind war er nicht zu halten. Ich mochte das immer sehr an ihm … seit seiner Geburt begleitet mich sein aufgewecktes Wesen und so manches Mal brachte er mich mit seinen Streichen zum Lachen, wo sein Vater nur Tadel für ihn übrig hatte. Was er nun allerdings im Begriff ist zu tun …“

„Meine Herrin, bitte, so sprich, geht es ihm gut?“

„Offensichtlich … körperlich zumindest.“ Sie hob die Brauen und hielt den Pergamentbogen hoch. „Er verfasste diesen Brief an mich, das Siegel des Fürsten Tiranu darauf. Der Inhalt erklärt die Berufung einiger Elfen in eine gehobene Position im Wirken der Krone. Drei neue Barone, eine Gräfin und mehrere neue Führungspersönlichkeiten, welche Langollions Handelskontore verwalten sollen. Ich kenne weder diese Elfen, noch traue ich diesem neugewonnenen Elan des Inselvolks. Es gibt sogar noch mehr zu berichten … Ich hörte, Aelburin soll einem Handelsabkommen  mit den Fürsten zugestimmt haben und Fürstin Valaria will ihrem Beispiel bald folgen. Langollion kam monatelang nicht aus dem stolzen Trott und nun das …“  

Xern wirkte befangen: „Was hat Jornowell damit zu schaffen?“

Die Königin wölbte eine Braue: „Er ist Tiranus neuer Hofmeister, erklärt er selbst in diesen Zeilen. Sie haben den Elfen Cirinth aus seiner Stellung entlassen – ganz ohne meine Zustimmung, nebenbei bemerkt.“

„Dein Vasall? Der Rechnungsmeister, welchen du zum Wiederaufbau nach den Schattenkriegen schicktest?“ Xern breitete seine langen Hände in einer unverständigen Geste aus. „Das alles sieht Jornowell nicht ähnlich … Seit ich ihn kenne, sträubt es ihn, seinem Vater in irgendetwas nachzueifern und nun ausgerechnet diese Position? Dazu am Hof dieser zwielichtigen Elfen... Ich kann mir nicht vorstellen, dass er etwas mit ihnen zu tun hat.“

Emerelle lächelte unecht: „Morwenna ist seine Geliebte, wenn man den Gerüchten glauben kann.“

Nun bekam der einstige Wächter von Atta Aikhjartos Albenstern große Augen. Er rang die Hände, die Stirn in aufrichtiger Sorge verzogen. „Jornowell … er hatte immer einen Hang, unüberlegte Dinge zu tun. Er war schon so oft verliebt. Vielleicht … Ich glaube nicht, dass es wahrhaftig ist. Nicht mit dieser Elfe. Dies ist eine Liaison von kurzer Dauer.“

„Fragt sich nur, was er bis dahin in ihrem Namen alles bewirkt“, hielt sie mit lauterer Stimme an. „Er war in dieser kurzen Zeit sehr erfolgreich … Wer weiß, was als nächstes kommt.“

„Du traust den Langollen nicht, Herrin?“

„So leichtfertig war ich nur einmal. Es gab nie eine Zeit, in der sich das Inselvolk unauffällig verhielt. Nie konnte ich ermessen, was sie im Geheimen für Spiele gegen mich üben. Nach den Schattenkriegen waren sie geschwächt, scheinbar kontrollierbar. Sollten sie nun wieder an Stärke gewinnen … Ich traue ihnen alles zu und möchte mich nie wieder blind meiner eigenen Rasse gegenüber zeigen!“ Fast schmerzlich wurde ihr bewusst, dass sie längst eine Entscheidung gefällt hatte. Nur gab es eine Sache zu beachten: „Aber auch um Jornowell sorge ich mich. Spätestens nach dem Tode seines Vaters sehe ich mich verantwortlich, über seine Schritte zu wachen. Er war immer … sprunghaft, seine Schritte unvorhersehbar … aber dem Ganzen kann ich nichts Gutes abgewinnen.“

Xern hob seine wulstig anmutenden Brauen: „Fürst Tiranu war dein Feldmeister, als Ollowain deine Warnungen in den Wind schlug und er …“

„Er versagte!“ Die Elfenkönigin schnaubte und verschränkte die in langen Ärmeln verhüllten Arme: „Der fehlende militärische Bedarf verbessert seine fragwürdige Lage nicht eben. Bedenkt man die Zeit, welche er nun übrig hat, seine Willensstärke und seine Möglichkeiten … Er könnte Gutes vollbringen, ein aufrichtiges Ziel verfolgen. Stattdessen …“

„Er ist entbehrlich, willst du sagen, Herrin“, zog Xern die Fäden zusammen. „Entbehrlich und gefährlich – und nun offensichtlich dumm genug, dir Gründe, ihm weiter zu misstrauen zu schenken. Diese Informationen … Du hast sie von dem Elfen Cirinth, habe ich Recht?“ Xerns Tonfall hatte sich geändert, auch er sorgte sich um Jornowell, das merkte sie. „Bitte, Herrin, ziehe Jornowell nicht in diese geheimen Feldzüge von Politik und Machttrieb hinein.“

Emerelle seufzte. „Jornowell suchte sich seine Position aus freien Stücken heraus, soweit ich das beurteilen kann. Er ist nicht dumm: Er wusste sehr wohl, dass er offen gegen die Interessen der Krone gehandelt hat.“ Xern senkte den Blick, ehe Emerelle fortfuhr: „Und Tiranu hat sich seine Chance mehr als nur einmal verspielt. Sein Wille, ein dauerhafter Bestandteil der neuen Gesellschaft zu sein, lässt bisweilen zu wünschen übrig. Man sagte mir, dass er sich lieber in seinem Turmgemach verbirgt, als seinem hungernden Volk gegenüber zu treten.  Wer weiß, was er dort ausheckt? Die Silberschale vermochte noch nie, mir zu offenbaren, was im Rosenturm geschieht. Cirinths Absetzung könnte nur der Anfang gewesen sein.“

Ihr Hofmeister schaute auf: „Langollions Pflicht, Ausgleichszahlungen an die anderen Fürstentümer auszurichten, endete vor vielen Jahren. Ihre Wiedergutmachung ist geleistet, damit liegt es in ihrem freien Verfügen, wer den Hof leiten soll, an dem sie leben.“

„Danke, mein Freund, für diese ehrlichen Worte“, raunte Emerelle nun kühler. Ihre Entscheidung war gefallen, das musste auch Xern bemerken, dessen Blick schattig wurde. „Ich werde mein Bestes tun, den Sohn meines alten Vertrauten zu schützen.“

Xerns imposante Kopfzierde schwenkte hin und her. Der Waldgeist senkte allerdings erneut den Kopf – wohl vordergründig, um seine Mimik zu verbergen: „Nach wem soll ich schicken, Königin?“
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