Die Treue der Elben

GeschichteAllgemein / P16
Arwen Elrond Gandalf Legolas OC (Own Character) Thranduil
18.12.2015
02.04.2016
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Legolas und ich erreichten Eryn Lasgalen, den ehemaligen Düsterwald, bei Sonnenuntergang.

Mein Herz schlug laut in meiner Brust und ich war mir fast sicher, dass Legolas es hören konnte.
Nervös sah ich zu ihm, doch der Waldelb lächelte nur geheimnisvoll.

Wir folgten der alten Waldstraße und bald schon wurde der Wald noch dichter und das verbliebene Sonnenlicht drang kaum noch durch die Baumwipfel.
Unsere Pferde waren müde, ebenso wie ich und Legolas selbst und doch war ich viel zu aufgeregt, als dass ich an Schlaf denken konnte.

Die Waldelben, zu denen Legolas gehörte, gehörten zum Elbenvolk der Sindar, welche für ihr blondes Haar und ihre Gesangskunst bekannt waren.
Ich selbst gehörte zu den Noldor, so wie mein Onkel Elrond. Sie hatten dunkles Haar und waren größtenteils im Kampf begabt.

Als einzige Noldo unter den Sindar würde ich auffallen und ich wusste noch nicht, ob ich damit zurechtkommen würde...
Andererseits war ich auch in Minas Tirith, als einzige Elbin, aufgefallen.

Gedankenverloren achtete ich nicht mehr auf den Weg und erschrak etwas, als meine Stute Tindóme anhielt.

„Wir sind da, Melian. Willkommen in meiner Heimat, die nun auch die deine ist“, sagte Legolas und lächelte mich an.

Den Palast konnte ich erst jetzt erkennen, er war so gut in den Wald integriert, dass er von menschlichen Augen niemals bemerkt worden wäre.

Ich stieg von Tindóme ab und übergab sie Legolas, der auch sein eigenes Pferd nun zum Stallmeister führte.
Danach ergriff Legolas meine Hand und betrat mit mir den Palast seines Vaters.

Im Inneren des Palastes schien alles aus hellem Marmor gefertigt zu sein und ich sah mich interessiert um.

Diese Architektur der Waldelben war ganz anders als die von Elrond oder auch Galadriel.
Es war alles noch filigraner und naturverbunden.
Dies gefiel mir sehr gut.
Der Eingangsbereich war nur schwach erleuchtet, doch das Licht wurde heller, je weiter wir hineingingen.

Auch sämtliche Wände des Palastes waren aus dem hellen Marmor geschaffen, doch der Boden bestand aus Erde, die mit Blättern übersät war.
Der Waldboden war einfach unberührt geblieben...

Ich lächelte hierüber, aber gleichzeitig fühlte ich mich geborgen.

„Wenn wir im Thronsaal meinem Vater gegenüberstehen, wird er von mir erwarten, dass ich dich vorstelle. Er ist in der Hinsicht sehr traditionsbewusst“, erklärte Legolas mir und ich nickte verunsichert.

Würde Legolas´ Vater mich überhaupt als zukünftige Ehefrau seines einzigen Sohnes akzeptieren?
Mich, die ich unter Menschen aufgewachsen war?

Zweifel beschlichen mich, doch Legolas hielt meine Hand nur umso fester, als hätte er meine Gedanken gelesen.

„Er wird dich mögen, Melian“, sagte er und konnte mich dennoch nicht beruhigen.

Viel zu schnell waren wir vor dem Thronsaal angekommen und Legolas öffnete die großen Türen, damit wir eintreten konnten.

König Thranduil saß auf einem hölzernen Thron, der an einen Mallorn-Baum erinnerte.
An den abstehenden Zweigen zeigten sich weiße Blüten und der ganze Saal duftete nach Blumen.

Ich versuchte, nicht zu starren und hielt meinen Blick deshalb gesenkt, bis wir direkt vor dem König des Waldlandreiches standen.

Von König Thranduil hatte ich einst gelesen, doch der Bericht war von Menschen geschrieben worden, deshalb wusste ich nicht, ob er der elbischen Vorstellung entsprach.

Legolas´ Vater sah genauso aus wie sein Sohn, doch sein Blick war etwas härter, beinahe schon kalt.

„Vater, ich möchte dir Prinzessin Melian aus Minas Tirith vorstellen. Sie ist die Nichte von Fürst Elrond und Tochter von Fürstin Elerrína. Melian ist außerdem meine Verlobte.“

Ich beobachtete den König und sah ein Lächeln auf seinen Lippen. Es breitete sich bis in seine Augen aus und dann erstrahlte er förmlich.
Mit ausgebreiteten Armen ging er auf mich zu und umarmte mich dann lachend, was mich fast zurückschrecken ließ, da ich nicht damit gerechnet hatte.

„Seid willkommen, Prinzessin Melian. Mein Sohn hätte keine bessere Wahl treffen können, wie mir scheint.“

Er musterte mich förmlich und ich errötete daraufhin.

„Habt vielen Dank, mein König“, sagte ich leise und sah wieder zu Boden.

„Sei nicht so schüchtern, Melian! Die Hochzeit meines Sohnes mit dir wird ein freudiges Ereignis sein, nach all dem Krieg. Ich werde dir Kleidung zur Verfügung stellen, sei unbesorgt deswegen. Es wird dir hier an nichts fehlen.“

„Ihr seid zu großzügig“, antwortete ich kleinlaut.

„Bescheidenheit lag mir nie.“

Der König lächelte erneut und setzte sich dann wieder auf seinen Thron.
Seine goldene Krone, die wie Zweige geformt war, erstrahlte im Licht der Kerzen, die im Thronsaal entzündet worden waren.

„Ruht euch noch etwas aus. Eure Ankunft wird heute Abend gefeiert werden“, fuhr der König fort und Legolas nickte zustimmend.

Legolas legte mir seine Hand auf den Rücken und kehrte mit mir in den Palastgang zurück.

„Ich hätte nicht gedacht, dass-“, setzte ich an und wurde von dem Waldelben unterbrochen.

„Dass du so aufgenommen wirst? Melian, du kennst deine Wirkung auf andere noch immer nicht.“

Mit einem Kuss hinderte er mich an einer Erwiderung, doch dies ließ ich mir gefallen.

„Dein Gemach liegt neben meinem, mein Vater besteht vor unserer Vermählung auf getrennte Zimmer“, sagte Legolas lächelnd.

Aufgeregt öffnete ich die Tür meines Gemachs und war sprachlos.
Das Zimmer war so wunderschön...

Es war hell, von unzähligen Kerzen beschienen, und eine große Terasse führte auf eine kleine Lichtung, nur durch Glastüren vom Gebäude getrennt. Ein großes Bett stand in der Mitte des Raums und darauf lag ein Kleid in Hellgrün, das mit dunkelgrünen Elbenblättern bestickt war.

„Es ist unbeschreiblich schön. Das alles hier.“

Mir fehlten die Worte und ich musste meine Freudentränen mit Mühe zurückhalten.
„Dies alles wird dir gehören, Melian. Für immer.“

Diesmal war ich es, die mit einem Kuss antwortete.

Unbändige Freude kam in mir auf und Legolas an meiner Seite machte alles perfekt.

„Milin cen*“, flüsterte ich atemlos, als ich mich langsam wieder aus Legolas´ Armen löste.

„Und ich dich erst, Melian.“

Legolas verließ mein Zimmer, nicht ohne mich erneut zu küssen, damit ich mich umziehen und auf das Fest vorbereiten konnte.

Das Kleid passte mir perfekt und unterstrich meine grünen Augen.
Dazu trug ich einen goldenen Stirnreif, der mit Smaragden besetzt war.
Zum ersten mal seit meines Aufenthaltes in Imladris fühlte ich mich wieder angekommen.
Hier, in Eryn Lasgalen, würde ich nun mein restliches Leben verbringen und ich freute mich wirklich darauf.

Gutgelaunt betrat ich das Gemach von Legolas, welches nicht weniger schön war, und er besah mich mit Bewunderung.

„Melian, es gibt keine Elbin, die schöner ist.“

Ich lächelte zur Antwort und hakte mich dann an seinem linken Arm unter.
Auch Legolas trug ein hellgrünes Gewand, welches auf mein Kleid abgestimmt zu sein schien.

Im Festsaal stand ein unglaublich langer Tisch, an dem bereits etliche Elben Platz genommen hatten.

König Thranduil saß an einem Kopfende des Tisches, zu seiner linken Seite war ein Platz frei und er winkte mich zu sich.

„Mein Platz ist am anderen Ende des Tisches“, flüsterte Legolas und mein Lächeln erstarb.

„So weit weg?“, fragte ich halb verängstigt und sah ihn bittend an.

Er konnte mich doch nicht einfach so allein lassen.
Unter all diesen Elben, die mir zudem noch fremd waren.

„Wir haben den Ringkrieg überlebt, Melian. Das hier ist nichts dagegen.“

Mit einem nicht ganz überzeugtem Lächeln wandte ich mich von ihm ab und schritt zu Thranduil, der mir sogleich seine Hand darbot.
„Melian, nimm an meiner Seite Platz und genieße erst einmal das Essen. Die Reise wird anstrengend gewesen sein und ich möchte nur dein bestes.“

„Vielen Dank, mein König“, antwortete ich und ließ meinen Blick über den Tisch schweifen.

Einige der Elben sahen mich mit unverhohlener Neugier an, andere versuchten sich nichts anmerken zu lassen und blickten immer wieder nur kurz zu mir.
Ich war tatsächlich die einzige Elbin mit dunklem Haar, die einzige Noldo.
Doch dies war anscheinend kein Grund zur Ausgrenzung.

Mir wurden Fragen zu meiner Herkunft gestellt und bei der Erwähnung von Menschen wurde laut gelacht.
Jedoch nicht, da die Waldelben sich über Menschen lustig machten, sondern weil sie nicht verstehen konnten, weshalb eine Elbin freiwillig bei den Sterblichen geblieben war.


*Milin cen = Ich liebe dich (Sindarin)
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