Nummer 174

GeschichteDrama, Horror / P16 Slash
17.12.2015
01.02.2016
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1793
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Die Stimme eines Mannes drang durch die Lautsprecher an der Wand ihr gegenüber. ,,Du kannst jetzt aufstehen, die Tests sind für heute fertig." Man konnte ein Lächeln heraushören. Wie sehr sie ihn hasste.
Mühsam und mit schmerzverzerrtem Gesicht stand sie auf. Die Blutlache unter ihr ignorierte sie. Viel zu viel Blut wurde schon vergossen. Ihr Blut. Und das ihresgleichen.
Humpelnd durchquerte sie in kleinen Schritten den Raum. Es war dunkel. In der Mitte des Raumes hing eine spärliche Glühbirne von der Decke. Es sah alles so surreal aus, doch die gewaltigen Schmerzen in ihren Beinen, ihrem Kopf und im Nacken ließen sie daran erinnern, dass es kein Traum, sondern traurige Realität war.
Irgendwann würde sie es hier raus schaffen. Daran glaubte sie fest. Genauso sehr wie sie glaubte, dass sie über Leichen hier raus gehen würde.
Eine große Glasfront oberhalb einer der Mauern sah auf sie herab. Dahinter saßen all die Schweine, die ihr regelmäßig weh taten, um das Schmerzempfinden von Jugendlichen und Kindern zu testen. Offiziell. Inoffiziell war es ein Versuchslabor für junge Menschen, junge Dicloni, die besondere Gaben besaßen und die man genauer untersuchen wollte.
Barbarische Tests. An ihnen erforschte man die Funktionsweise der Vektoren unter starken psychischen und körperlichen Belastungen/Schmerzen.
Die Arme von Nummer 174 wurden mal mit einem Hammer zertrümmert. Oder einmal zerquetschte man ihren Fuß. Man hatte dabei die Herzfrequenz und den Puls gemessen.
Ob Adrenalin durch ihre Adern pumpte oder etwas dergleichen.

Es war nicht immer so gewesen.
Es gab auch ein paar Jahre, in denen sie ihre verdammte Ruhe hatte. Die Jahre, bevor sie entführt, verschleppt, vergewaltigt und entmenschlicht wurde.
Mit jungen 13 Jahren war sie abends noch bei einer Freundin gewesen. Auf dem nach Hause Weg hielt direkt vor ihr ein weißer Transporter.
Misstrauisch hatte sie sich umgedreht und wollte schnellstmöglich wegrennen. Doch Männer hatten sie von hinten gepackt, geschlagen und auf die Ladefläche im Inneren des Wagens geworfen.
Ab da hatte man nie wieder etwas von ihr gesehen oder gehört. Niemand wusste wo sie war. Die Polizei und unzählige Suchtrupps hatten alle möglichen Szenarien durchgesprochen und versucht, den Tatvorgang zu rekonstruieren.
Erfolglos.
Genauso wie die Suche nach einem Jahr eingestellt worden war.
Erfolglos.

Sie erkannte im schwachen Licht eine Tür, die weder Klinke noch Schlüsselloch hatte. Alles wurde mechanisch gesteuert.
Sie klopfte mit ihren Fingerknöcheln dagegen. Ein dumpfes Geräusch drang an ihre Ohren, als die Tür sich ganz langsam öffnete.
Helles Licht fiel ihr ins Gesicht und ihre Augen brannten.
Bastarde.
Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie eine Blutspur hinter lassen hatte.
Geblendet trat sie auf den Flur und wurde sofort von einem Mann im weißen Kittel, einer jungen Frau und zwei Männern, mit Pistolen bewaffnet, empfangen.
,,Ihr macht so ein Theater... nur weil ich anders bin..." Ein Grinsen legte sich auf ihre Lippen. Es tat zwar weh aber sie grinste weiter. ,,Nummer 174! Geh sofort in deine Zelle!", schrie einer der bewaffneten Männer.
Eine gewissen Panik schwang in seiner Stimme. ,,Ihr habt Angst vor einem Mädchen?" Sie ging einen Schritt nach vorne. Die Leute ihr gegenüber sprangen fluchend zurück. Einer entsicherte seine Pistole.
Abwehrend hob sie die Hände und lachte. ,,Schon gut meine Lieben... ihr könnt mich mal am Arsch." Sie drehte sich um und humpelte den Flur entlang.
Bastarde. Alle.

An ihrer Tür angekommen klopfte sie wieder dagegen.

Über die Jahre hinweg hatte sie sich einen Freund geschaffen, ohne den sie schon längst aufgegeben hatte.
Er wisperte nachts, während der Tests und manchmal auch während der Vergewaltigungen zu ihr:
Vertrau mir!
Ob es tatsächlich ein Freund war, oder etwas, dass tief in ihr schlummerte.
Keine Ahnung. Es machte sie stark.
Er machte sie stark.
Vertrau mir!
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