Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Verhaltensauffällig

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
V
17.12.2015
17.01.2016
30
19.425
5
Alle Kapitel
35 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.01.2016 470
 
„Das Recht hat die merkwürdige Eigenschaft, dass man es behalten kann, ohne es zu haben.“
- Joseph Unger (1828 – 1913)

Die Proteste im Land wurden immer lauter und er meinte tatsächlich Mrs. Hammond als eine von den Sutler-Gegnern im Fernsehen wiedererkannt zu haben. Ihr Sohn war höchstwahrscheinlich unter den verstorbenen Kindern von St. Mary's, es war eine Tragödie.
Er selbst hatte sich an ein paar friedlichen Demonstrationen beteiligt, allerdings bekam er immer mehr das Gefühl, eigentlich gar nichts zu bewirken. Kein Wunder, denn die meisten Aufmärsche wurden direkt nach ihrer Formation wieder aufgelöst oder gewaltsam auseinander getrieben.
Creedy hatte tatsächlich keine Mühen gescheut, dem 'aufdringlichen Pöbel', wie die Demonstranten in den früheren regierungsfreundlichen Nachrichtensendungen tituliert wurden, eine Lektion zu erteilen, die sich gewaschen hatte.
Auch Sutler machte jetzt ernst, denn es gab jetzt eine 'Institution zur Überprüfung von medialem Gedankengut', kurz gesagt, eine Zensur-Stelle, die den Menschen alle Halbwahrheiten noch schön frisiert servierte.
Ein großer Erfolg und wieder ließen sich die Leute das gefallen, denn nachdem St. Mary's solch erschreckende Ausmaße hatte annehmen können, wie es nun mal geschehen war, kam wie aus dem Nichts ein Heilmittel gegen die tödliche Krankheit auf den Markt, es kam beinahe wie gerufen.
Wenn das nicht Sutler in die Hände gespielt hatte...
Dass damit etwas nicht stimmen konnte, das sah ein Blinder mit Krückstock, wie man so schön sagte. Aber die Nordfeuer-Partei hatte jetzt umso größeren Rückhalt und der Trend würde sicher noch weitergehen.
Es war erschreckend, aber all seine Versuche – sowohl die Sprengung von Gebäuden als auch die friedliche Demonstration für seine Überzeugung oder eben der neutrale Journalismus, den er seit Monaten nicht mehr betreiben konnte – hatten nichts gebracht.
Er lebte von all seinen Ersparnissen, die er sich immer für diesen Fall zurückgelegt hatte. Eine weise Entscheidung, wie er heute definitiv sagen musste. Sonst wäre er sicher schon längst auf der Straße gelandet. Allerdings wunderte er sich, dass er überhaupt ein Vermögen hatte ansparen können, denn man hatte ein paar Gerüchte über Einzelfälle gehört, die sogar vollkommen enteignet worden sein sollen.
Hauptsächlich diejenigen, die früher einer anderen Partei angehört hatten und sich bis zu dem Tag ihrer Existenzvernichtung weigerten der Nordfeuer-Partei beizutreten. Aber rein rechtlich war das alles kein Problem, die entsprechenden, sogenannten Notstandsgesetze waren schließlich schon vor Jahren für diesen Fall verabschiedet worden.
Sutler hatte also immer Recht, egal wie man es drehte und wie sehr man sich wehrte. Die gesetzliche Grundlage war leider da.
Sutler hatte also Recht, ohne Recht zu haben, weil man es einfach hinnahm und ihm das Recht gab. Man sollte also immer zuerst vor seiner eigenen Haustür kehren, bevor man andere beschuldigte. Vielleicht sollte er also seine Pläne noch einmal hinterfragen, um einen effektiveren aufstellen zu können.
Es wurde nämlich Zeit, dass etwas passierte.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast