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Verhaltensauffällig

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
V
17.12.2015
17.01.2016
30
19.425
5
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10.01.2016 383
 
„Mit Ochsen hab ich Mitleid, der Mensch ist schlecht. Die Menschen sind für deinen Plan nicht reif. Erst muß, bevor die Welt sich ändern kann der Mensch sich ändern.“
- aus 'Die heilige Johanna der Schlachthöfe', Bertolt Brecht

„Wieso kann ich nicht mit ihr sprechen? Gestern ging es doch noch!“ rief er empört aus, denn er hatte keine Lust sich schon wieder mit einer billigen Ausrede abspeisen zu lassen.
Seine Kollegin, die im April verhaftet worden war, war einfach verlegt worden. Die U-Haft wäre jetzt woanders untergebracht und er müsse sich an einen anderen Beamten wenden. Wer's glaubt... Er war so wütend, dass er beinahe Sterne sah.
Das konnte doch nicht deren Ernst sein!? Den Anwalt seiner Kollegin bekam er auch nicht erreicht und nun saß sie in der Scheiße, wenn er nichts unternahm. Alle Mitarbeiter der Zeitung hatten ihre Arbeit eingestellt, um nach der Verschollenen zu suchen, aber jeder war in seiner zugeteilten Behörde erfolglos geblieben.
Das hier war definitiv gegen jedes Bürgerrecht, das ihnen die englische Verfassung eigentlich immer noch zusagte, doch sah die Realität eben anders aus.
Resigniert von seinen ständigen Misserfolgen verließ er das Gebäude und trat auf die Straße. Dann klingelte sein Handy und Jeff, derjenige, der ihm damals direkt bei seiner Zeitung angeboten hatte, war am anderen Ende der Leitung.
„Ich habe sie nicht gefunden. Ihren Anwalt auch nicht. Es heißt, sie seien in Sutton untergebracht.“
Er schnaufte wütend. „Mir haben sie gesagt, sie seien in Newham. Das darf doch verdammt nochmal nicht wahr sein!“
„Die Sache stinkt bis zum Himmel, wenn du mich fragst.“
„Was du nicht sagst...“
Sie konnten nichts tun, Creedy war zu übermächtig. Einfach unbesiegbar. Er könnte noch so viele Gebäude in die Luft sprengen, es brächte ohnehin nichts, Angst hatte jetzt die Bevölkerung fest im Griff.
„Wir werden nichts unversucht lassen, ja?“ sagte Jeff am anderen Ende der Leitung und legte auf. Wenigstens ein Optimist unter ihnen. Wenn das nicht ein gutes Zeichen war.
Seufzend und brodelnd vor Wut ging er durch London und versuchte einen Plan zu entwickeln, Struktur in die Sache zu bekommen. Warum funktionierte es einfach nicht, wenn er – egal was er unternahm – sich endlich wieder ein Herz fasste und den Mut aufbrachte, den Mund aufzumachen? So schwer konnte das doch nicht sein?
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