Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Verhaltensauffällig

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
V
17.12.2015
17.01.2016
30
19.425
5
Alle Kapitel
35 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.01.2016 441
 
„Vientos del pueblo me llaman
Vientos del pueblo me llevan
Me esparcen el corazón
Y me avientan la garganta.“
- Víctor Jara (1932 – 1973)

Sie wurden laut. Es war so weit. Die englische Bevölkerung hatte tatsächlich den Mut gefunden und begann kritische Stimmen laut werden zu lassen. Viele beriefen sich auf den sogenannten 'Terroristen', der mit der Guy-Fawkes-Maske ein Zeichen gesetzt hatte.
Und das wurde ihnen vielerorts zum Verhängnis. Es war von Anfang an klar gewesen, dass sie alle einen Preis zu zahlen hatten, doch war dieser hier auch besonders hoch. Er hatte ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet, dass überhaupt irgendjemand noch den Mut fasste, etwas zu sagen.
Die Medien wurden wieder freizügiger und sprachen aus, was der Großteil der Journalisten schon lange dachte. Sutlers Regierung musste sich in der hitzigen Stimmung ruhig verhalten, sie konnten kaum alle in schwarzen Säcken verhaften lassen. Selbst Creedy konnte nicht überall sein. Dieser angsteinflößende Politiker mit einem Hang zum Fanatismus hatte gerade die Oberaufsicht über die Fingermänner übernommen und erst dadurch sind die Proteste wieder aufgeflammt.
Das hätte er nie für möglich gehalten. Creedy auch nicht. Aber er musste sich zumindest für den Augenblick damit arrangieren, denn die Gefahr, dass Massen auf die Straßen strömten war im Augenblick so hoch wie nie zuvor. Er war beinahe so stolz wie er bei der vollständigen Umsetzung seiner Pläne hätte sein können. Ein Anfang war gemacht, immerhin.
Manche Gruppierungen und Gegenparteien, die sich zur Nordfeuer-Partei gegründet hatten, schrieben sich auch öffentlich auf die Fahnen, dass sie in einer nächsten Wahl – auf die sie zweifelsohne bestehen würden – die Regierung übernehmen und alle Änderungen Sutlers wieder zurücksetzen würden.
Ein gewagter Wahlspruch, aber er funktionierte. Bisher zumindest. In seiner Hochstimmung schaltete er den Fernseher ein und wartete auf die Nachrichten, in denen er Neues von den Gegnern Sutlers zu erfahren hoffte.
Doch bei der Betrachtung des Eilmeldungs-Tickers fielen ihm beinahe die Augen aus dem Kopf. Alle Gruppen gegen Sutler waren inhaftiert und verurteilt worden. Wie hatte das so schnell geschehen können?
Eine Presseerklärung Creedys wurde gerade eingeblendet: „Mit Hilfe der Fingermänner haben wir das Problem mit den landesweiten Unruhestiftern schnell beheben können. Es war nur eine Frage des richtigen Zeitpunkts, zu dem wir die Ordnung wiederherstellen könnten – und denn haben wir abgewartet. Es ist genug des Widerstandes gegen eine Regierung, die nichts Unrechtes getan hat und sich von jeglichen Vorwürfen distanziert. Falls weitere Aufbegehren geplant sind, so warne ich die Organisatoren des nun härteren Durchgreifens meiner Institution. Es wird mit äußerster Sorgfalt vorgegangen und bestraft.“
Beim Anblick des selbstgefälligen Gesichtsausdrucks Creedys hätte er beinahe kotzen können. Das durfte doch nicht wahr sein.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast