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Verhaltensauffällig

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
V
17.12.2015
17.01.2016
30
19.425
5
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29.12.2015 509
 
„Sir, wissen Sie warum Sie hier sind?“ fragte der Polizist nüchtern und blickte von seiner Akte auf.
„Nein, das weiß ich ehrlich gesagt nicht, Detective“, antwortete er ebenso nüchtern und sah unbeirrt auf den Polizisten.
Dieser hatte sich als Detecitve Eric Finch vorgestellt und ihm war sofort der Button der Nordfeuer-Partei am Revers seines Jacketts aufgefallen. Na super, ein Problem mehr auf seiner endlosen Liste aus Problemen. Die Zeitung geriet immer mehr unter politischen Beschuss und das war das lang befürchtete Ergebnis des mangelnden Gehorsams der Regierungspartei gegenüber.
„Nun, Sie arbeiten doch bei dieser kleinen Zeitung...“, begann der Detective und er unterbrach ihn sofort:
„Wollen Sie mir damit sagen, dass ich wegen meines Berufs hier bin?“
Finch blickte auf und sah ihm ohne eine Regung ins Gesicht. Dann zuckte er die Achseln und ließ den Aktendeckel los. Er lehnte sich auf seinem Metall-Stuhl zurück und faltete seine Hände vor dem Bauch.
„Sagen Sie es mir. Sind Sie wegen Ihres Berufs hier? Was glauben Sie?“
Er spürte wie ihm die Galle aufstieg. Wie hatte es so weit kommen können? Warum widersprach niemand dieser Regierung, um sie von solchen Maßnahmen abzuhalten?
„Das ist Verletzung der Pressefreiheit. Und abgesehen davon kann ich mich nicht daran erinnern, etwas Beleidigendes, Rufmordendes oder Unwahres geschrieben zu haben. Wenn Sie Beweise haben sollten, die das Gegenteil in irgendeiner Weise behaupten, dann schlage ich vor, dass Sie sie unverzüglich vorlegen, damit ich Sie von der absichtlichen Manipulation meiner Arbeit überzeugen kann.“
Finch zog die Augenbrauen nach oben, so wie jemand, der nicht mit einer derartigen Gegenwehr seines Gegenübers gerechnet hatte. Dann atmete er hörbar aus und lehnte sich wieder nach vorne.
„Hören Sie, Sie veröffentlichen Ihre Meinung und von daher ist es kein Wunder, dass wir auf Sie gestoßen sind. Die meisten sehen Ihre Ausführungen als auffällig an und auch Sie werden als 'verhaltensauffällig' eingestuft.“
„Und woher nehmen Sie das Wissen über mein Privatleben, dass Sie mich derartig einstufen können? Werde ich überwacht, ohne dass meine Regierung mit mitteilt, dass sie es tut? Ich denke, das ist ein klarer Fall von Verletzung der Privatsphäre, der Freizügigkeit, Meinungsfreiheit und ganz nebenbei haben Sie mich einfach auf der Straße aufgeklaubt und mich hierher verfrachtet. Das nennt man allgemein Freiheitsberaubung, Detective.“
Den Dienstgrad Finchs hatte er so abwertend ausgespuckt, dass er sich so vorkam, als würde sich seine Zunge bei der bloßen Artikulierung des Wortes einen ekelhaften Belag aneignen.
„Eine Frage hätte ich noch, wer hat mich als 'verhaltensauffällig' eingestuft? Waren Sie das selbst oder glauben Sie den Aussagen von jemand anderem? Jemandem, dem meine Kollegen und ich ein Dorn im Auge sind, weil wir ehrlichen Journalismus betreiben?“
Finch sah aus, als müsste er ein Lächeln unterdrücken. Irgendwie schien er selbst nicht wirklich vom Grund für dieses Gespräch überzeugt.
„Wissen Sie was? Sie können gehen“, sagte er dann.
Er konnte es nicht fassen. Was war hier gerade passiert? Er runzelte die Stirn und erhob sich langsam.
„Guten Tag, Detective“, murmelte er noch im Hinausgehen und verließ so schnell es ging die Wache.
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