Cute, little Kitty

KurzgeschichteAllgemein / P12
Draco Malfoy Ginevra Molly "Ginny" Weasley
17.12.2015
20.01.2016
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,,Wir haben Verwandlung, bei McGonagall. Lust darauf habe ich ja nicht so wirklich'', antwortete Ginny ihrer angeblich großen Liebe Harry Potter auf seine Frage, was sie nun in der nächsten Stunde an Unterricht hatte. Die junge Rothaarige ließ ihren Blick von ihrem Teller weggleiten, den sie in den letzten Minuten zu Tode gestarrt hatte, in der Hoffnung, das Essen darauf möge von selbst verschwinden, hin zu einem anderen Tisch, einer anderen Person, einem anderen Gesicht. Dieses Gesicht hatte aristokratische Züge, die beinahe dauerhaft zu einer arroganten Miene verzogen waren, beinahe feminine, weich aussehende Lippen, von denen sie des Nachts träumte und wundervoll weißblondes Haar. Bei diesem Gesicht handelte es sich um niemand Geringeres, als um den Aristokratensohn und Reinblüter Draco Lucius Malfoy.
Ihren Freunden könnte er wohl verhasster nicht sein, hatte sich doch von Anfang an, seitdem sie sich hier auf dieser Schule kennengelernt hatten, eine Feindschaft entwickelt und sich irgendwann so festgefahren, dass vermutlich nichts Etwas daran ändern könnte.
Trotz allem kam Ginny jedoch nicht darum herum, sich eingestehen zu müssen, dass sie Gefühle für diesen eiskalten Kerl hatte, trotz dass er sie in den letzten Jahren seelisch so häufig verletzt hatte. Ihr Herz schlug schneller, sobald sie ihn nur ansah, als wollte es aus ihrer Brust herausspringen.
Nach der großen Schlacht im Kampf gegen das Böse, gegen Voldemort, hatte sich so Einiges in ihrem Leben verändert, in ihrer aller Leben. Viel zu viele Menschen waren gestorben, viele von den Überlebenden litten unter Traumata und auch auf ewig Bleibende Verletzungen blieben nicht aus. Ginny selbst, die im Krieg einen ihrer über alles geliebten Brüder verloren hatte, einen Lehrer, der ihrem besten Freund Harry sehr wichtig geworden war, sowie der ehemalige Direktor der Schule, war von vielen Dingen glücklicherweise verschont geblieben, die andere erwischt hatten. Kurz sah sie zu ihrer baldigen Schwägerin Hermione Granger, deren dunkle Locken, die sie früher lang trug, nun zu einem Kurzhaarschnitt frisiert worden waren, ihr rechter Arm war nun eine Prothese und zu Neville Longbottom, einem Mitschüler, dessen halbes Gesicht durch Narben entstellt war.
Allerdings hatte auch sie so einiges eingebüßt, neben ein paar großen Narben, die ihren Körper zierten. Seit dem Endkampf litt sie an einer Ess- und an einer Schlafstörung.

Die kleine Rothaarige hatte in dieser Schlacht und auch in der Zeit davor so viel Tod und Dunkelheit gesehen. So viel Leid. Ihren dürren Körper verbarg sie dadurch, dass sie immer weite Kleidung trug. Sie schämte sich dafür, doch konnte sie einfach nicht mehr Essen. Versuchte sie es, endete es meist damit, dass Ginny sich über der Toilette würgend einen Finger in den Hals steckte. Sie wusste nicht einmal mehr, wie es dazu gekommen war. Aber irgendwann hatte sie kaum noch Etwas herunterbekommen. Dann wurde ihr immer wieder schlecht, aber sie konnte nicht erbrechen. Schließlich führte der Weg steil bergab hin zum Finger-in-den-Hals-stecken. Sie war nicht magersüchtig, sie hatte keine Bulimie. Sie konnte einfach nicht mehr essen, ohne dass ihr schlecht wurde, obwohl sie es wollte. Keiner bemerkte, wie schlecht es ihr ging. Nicht einmal die Mädchen aus ihrem Schlafsaal sahen, wie schwach und dünn sie geworden war. Lustlos, wenn auch irgendwie hungrig stocherte sie in ihrem Rührei mit Speck herum und schloss dabei immer wieder vollkommen übermüdet ihre tief in den Höhlen liegenden Augen. Sie dachte daran, dass viele der Schüler, die letztes Jahr ihren Abschluss gemacht hätten, diesen nun nachholten und dementsprechend in ihrem Jahrgang waren. So auch Draco, Hermione, Ron, Harry und co.
Das lag nicht nur daran, dass Einige von ihnen kaum lernen konnten im letzten Jahr. Auch die Kinder von Todessern, denen das dunkle Mal aufgezwungen worden war, bekamen eine neue Chance, unter der Voraussetzung das letzte Schuljahr zu wiederholen und einen möglichst guten Abschluss zu erreichen. Und genau zu diesen Todesserkindern gehörte der weißblonde Slytherin-Eisprinz Draco Malfoy, der ihr immernoch allzu gerne das Leben zur Hölle machte, sobald er die Chance dazu bekam. Ginny war von seinem Anblick gefangen und himmelte ihn eine Zeit lang an, das Essen, was sie nebenbei noch immer mit der Gabel auf dem Teller herumschob, war nun vollständig vergessen.
,,Isst du noch auf, oder darf ich den Rest deiner Portion haben?'', riss jemand sie aus ihren romantisch-kitschigen Gedanken, die man gut mit dem Stichwort: weißes Traumkleid, beschreiben könnte, während ein Ellbogen in ihre Seite stieß. Neben wem hatte sie eigentlich Platz genommen? Mit einem Blick zur Seite wurde ihr klar, dass sie sogar direkt neben ihrem eigenen Bruder saß, der gerade ihre linke Seite mit Ellbogen und Finger penetrierte und dabei gierig auf ihren Teller blickte. Leise aufseufzend schob sie ihren Teller dem fuchtelnden Besteck des Rothaarigen entgegen und bereits kurz darauf war der Teller blitzblank leergegessen, wurde noch eilig abgeleckt, ehe der junge Mann mit den roten Haaren aufstand, die Hand seiner Verlobten ergriff und mit ihr aus der großen Halle herauseilte. Vor dem Unterricht, der in ungefähr zehn Minuten beginnen würde, verbrachten die Beiden gerne noch miteinander knutschend ihre Zeit für sich, als ob sie solche Tätigkeiten nicht schon oft genug vollziehen würden.
Nach der Ablenkung glitt Ginevras Blick wieder nach oben und in Richtung des Jungen, den sie so sehr verehrte. Seit wann tat sie das eigentlich schon, fragte sie sich gedanklich selbst und die Antwort zu finden, war nicht gerade leicht, gab es doch viele Situationen, die dazu geführt hatten, dass ihr Herz für ihn schlug. Die Gefühle an sich waren mit der Zeit eher schleichend gekommen, erst schwach ausgeprägt hatten sie ihren Kopf und ihr Herz eingenommen und waren dort immer stärker geworden. Bis sie jedoch begriffen hatte, dass sie etwas für diesen gefühlskalten Kerl empfand und sogar verliebt war, waren der Krieg und die Endschlacht vorbei gewesen und das letzte Schuljahr hatte begonnen. Was die kleine Weasley-Tochter jedoch nicht bemerkte, während sie Draco mit ihren Augen fixierte, waren die ständig auf sie fallenden Blicke vonseiten eines anderen jungen Mannes, der ebenfalls am Haustisch der Slytherins saß und das direkt neben ihrem Schwarm.

,,Heutiges Thema werden Illusionszauber sein. Der Erste, den wir gemeinsam üben werden, legt eine Tiergestalt über euch, zwingt euch zu tierähnlichen Bewegungen, bis der Zauber gelöst wird. Jemand, der sich mit dem Thema Animagi beschäftigt, kann in manchen Fällen seine Gestalt, die er dadurch annehmen würde, erkennen. Die Chance, dass das Tier, in das ihr euch verwandelt, eure Animagus-Gestalt wäre, liegt bei 47 %, wie schulinterne Statistiken zeigen. Zu Präsentationszwecken, habe ich Professor Sinistra eingeladen. Sie nutzt zuerst einfache Illusionen in drei Varianten, ehe sie uns den Schicksalsillusionszauber präsentieren wird. Erst wird dann diese abgeschwächte Version geübt, damit ihr die Aussprache des ersten Teilspruches fehlerfrei beherrscht, ehe wir zum nächsten Part des Unterrichts übergehen. Aus zuverlässiger Quelle handelt es sich bei Professor Sinistra um einen Animagus, bei dem sich Spruchgestalt und Animagusgestalt deutlich unterscheiden. Präsentieren wird sie uns jetzt eine Katze, einen Hund und einen Hamster.'' fing Professor McGonagall den Unterricht an und deutete dann auf die Astronomielehrerin. Diese setzte sich nun hin und begann nacheinander die drei vorgegebenen Illusionen über sich zu legen. ,,Animalis Speciem Katze'', fing sie an, fuhr fort mit: ,,Animalis Speciem Hund'' und endete mit: ,,Animalis Speciem Hamster''. Nun sah sie lächelnd zu Professor McGonagall, die laut den Rückzauber aussprach: ,,Falsa Finem''. Nun hockte die hübsche Lehrerin in einer etwas obszönen Pose auf dem Stuhl und kletterte daraufhin eilig hinunter. Leise kicherte sie, als sie die Blicke der Jungen sah, die beinahe sabberten und hörte ihr enttäuschtes Seufzen, als sie eilig den Klassenraum verließ, während Professor McGonagall begann die Sprüche zu erklären. Sie erklärte Gefahren und Bedeutungen der Zauber, genauestens erklärte sie den Rückzauber und die Bewegungen des Zauberstabes, die man ausführen müsste.
Während all dem döste Ginny eher, als das sie zuhörte und bekam daher kaum eine der Erklärungen mit. Sie hörte ab und an ein paar Wörter vorbeiplatschen und sah eher abgelenkt den Zauberstabbewegungen ihrer Lehrerin zu. Als sie dann jedoch angesprochen, nein viel eher angeschrien wurde, zuckte sie aus ihrem derzeitigen Zustand hoch und sah ihre Lehrerin mit nervös umherhuschenden Pupillen an. Was hatte sie verpasst? War der Unterricht zu Ende? Ging es um die Hausaufgaben?
,,Miss Weasley!'', ertönte vor ihr noch einmal die scharfe und strenge, schneidende Stimme, die nun dafür sorgte, dass einige andere Mitschüler begannen zu lachen, sorgte dafür, dass sie vollkommen wach wurde und ihre Lehrerin aufmerksam ansah.

Kritisch das Pergament vor sich ansehend, überlegte Ginevra wie der Zauberspruch noch einmal lautete, den ihr die Lehrerin für Verwandlung noch einmal beigebracht hatte. Sie hatte als Hausaufgabe einen Aufsatz über die Sprüche aufbekommen, der 1 Yard und einen Fuß lang sein sollte. Kurz ging ihr durch den Kopf, dass das in der Welt der Muggel, laut Harry, vier sogenannten Din-A4 Seiten und ein bisschen mehr entsprechen würde. Warum ihr das durch den Kopf ging, wusste sie nicht wirklich. Nun gingen ihr Worte durch den Kopf, bei denen sie sich nach kurzem Überlegen sicher war, dass es sich um den Zauber handeln musste und sie sprach aus, während sie den Zauberstab schwang: ,,Animalis Corporis Katze''. Doch irgendetwas schien schief zu laufen, auch wenn die kleine Weasley nicht wusste, was es war, sie hatte sich nur auf den Zauber konzentriert, während ein fürchterlicher Schmerz durch ihren Körper zog, ihr Körper beinahe zu brennen schien und Ginny das Gefühl hatte, einfach nur schreien zu wollen vor Pein, doch kein einziger Laut entkam ihren Lippen, während sie sich fühlte, als schrumpfte sie, bis sie endlich von samtiger und weicher Schwärze umfangen wurde, die sie in die Arme nahm und in eine sehr wohltuende Ohnmacht davontrug, Ihre Kleidung fiel neben ihr erst zu Boden, ehe sie begann sich aufzulösen und zu verschwinden.

,,Oh man, bei Salazars pink geblümten Unterhosen, du bist mir ja eine Süße'', hörte Ginny eine bekannte und normalerweise eisig kalte Stimme, als sie das nächste Mal ihre Augen aufschlug.
Was genau war passiert? Warum wirkte alles auf einmal so riesengroß? Im nächsten Moment spürte sie nur etwas Langes, schmales, was sich fünffach um ihre Körpermitte schlang. Warte, war das etwa eine Hand, dachte sie sich fragend, als sie hochgehoben wurde, direkt vor ein Gesicht, dass ihr ziemlich bekannt vorkam. Sie erstarrte, wollte etwas sagen, nachdem sie ein paarmal heftig geblinzelt hatte, doch aus ihrem Mund kam nur ein leises, eher fiependes Maunzen. Das war dann sogar noch überraschender, als die Tatsache, dass sie so klein war. Trotz, dass sie vor ihrem absoluten Traummann, in dessen Hand wohlgemerkt hing, begann sie zu strampeln, weil es sich irgendwie unangenehm anfühlte, so am Körper in die Luft gehalten zu werden. Die Hand wechselte kurz darauf und es fühlte sich trotz der nun noch merkwürdigeren Haltung, viel besser an, als sie im Nacken gepackt, vor Draco baumelte. Mit Sicherheit würde er sie erkennen, dachte sie sich, denn sie lernte immer hier. Und außerdem müssten hier doch irgendwo ihre Anziehsachen liegen, doch als sie mit ihren Augen zu Boden blickte, wurde ihr nicht nur schlecht, sondern sie entdeckte nicht einmal einen Hauch an Bekleidungsstoff. Sie wurde nun hin- und hergedreht und prüfend gemustert, ein Zeigefinger drückte leicht gegen ihren Bauch, was sie erneut zum Würgen brauchte und dadurch kamen ziemlich merkwürdige Geräusche aus ihrem Mäulchen, die ihr einen sehr besorgten Blick einbrachten. ,,Du bist viel zu leicht für ein Kätzchen. Ich vermute, du bist irgendwo abgehauen und hast seitdem weder etwas gegessen, noch genügend getrunken. Deswegen bist du dann vermutlich hier zusammengeklappt, nicht wahr? Ich nehme dich einfach mal mit, meine Kleine. Ich werde dich etwas aufpäppeln und dann werden wir zusammen deine Mami finden, in Ordnung?'', säuselte der Blondschopf vor ihr in einem Ton, den sie von ihm noch nie gehört hatte und legte sie auf seinem Arm ab, den er gegen seine Brust drückte, sie mit der Hand gleichzeitig schützend, ehe er die Bibliothek mit ihr zusammen verließ. Ginny, die glücklich war, endlich einmal so nah an ihm dran zu sein, schmiegte sich an die glatte und warme Haut und betrachtete von ihrer Position aus ihren Schwarm äußerst genau, bemerkte dabei kaum, wie Draco mit ihr den Slytherin-Gemeinschaftsraum betrat und sie dort schützend noch etwas fester an seine Brust drückte.
,,Hey Draco, hast du mal wieder etwas Kleines aufgegabelt? Letztens erst das Waldkauzküken, wo auch immer du das gefunden hattest, davor war es ein Mäuschen, das im Sterben lag und jetzt hast du wieder ein Tierchen zum Aufpäppeln? Wobei ich dir lassen muss, dass du im Tiere aufpäppeln echt gut bist'', hörte die Rothaarige, oder eher das kleine Kitten mit dem Weasleyroten Fell und versuchte sich möglichst klein in Dracos Hand zu machen, als sie plötzlich spürte, wie sich eine weitere Hand um ihren Körper schlang und von den Armen ihres Liebsten heben wollte, doch aus Angst krallte sie sich fest in die seidig glatte Haut ihres ''Retters'' von dem man nun ein schmerzvolles Keuchen hörte, ehe er sie wieder an sich zog und beruhigend über das Köpfchen streichelte. ,,Am besten lass sie in Ruhe Blaise. Sie hat mit Sicherheit Angst und schau hin, sie ist total abgemagert und nur noch Haut und Knochen. Ich hab sie eben in der Bibliothek gefunden, wo sie ohnmächtig dalag, als wäre sie schwächelnd zusammengebrochen. Vermutlich wäre sie, du weißt schon, ich wag es nicht auszusprechen, wenn ich sie nicht gefunden hätte. Und ich will nicht wissen, was Andere mit ihr gemacht hätten. Wenn ich so an einige der Eulen in der Eulerei denke, die aussehen, als würde man sie in den Ferien nicht füttern und nur gefangen halten, dann habe ich das Gefühl, dass es ihr bei mir am Besten gehen wird'', erklärte Draco seinem besten Freund leise, bevor sein Freund Blaise Zabini auch nur ansetzen konnte, sich über das Streben der kleinen Katze hinwegzusetzen. Oder sich zu beschweren.

Das Geräusch des zuschwingenden Porträts zum Gemeinschaftsraum ließ die beiden jungen Männer aufschauen und Draco drückte das kleine Kätzchen, welches sich gerade nun doch hervorgetraut hatte und neugierig seinen dunkelhäutigen, besten Freund musterte, wieder an sich, um sie zu schützen. Doch trotzdem sah klein-Ginny sich auf einmal von lauter Gesichtern umringt, als die Eingetretenen bemerkten, dass Draco ein winziges Kitten in seinen Händen hielt, und begann ängstlich zu fiepen, sie zitterte und krallte sich in die Hand des Menschen, der sie gefunden hatte, der ihre eigentliche, große Liebe war.
Slytherins fand sie an sich ja schon dann unheimlich, wenn sie selbst ihre Menschengestalt hatte, aber jetzt war sie viel kleiner. Verdammt, warum war sie überhaupt eine Katze. Sie wollte doch nur diese Illusion über sich legen, die sie lernen sollte.

,,Na, meine Kleine? Komm schon. Du bist vollkommen abgemagert, nah an der Hungertodgrenze, deshalb musst du etwas essen. Na komm schon. Mach dein Mäulchen auf'', redete der Blondschopf, der gerade vor einer klein zusammengekauerten Katze mit rotem Fell kniete und vor ihr ein Schüsselchen Milch abgestellt hatte. Er hoffte, dass sie das alleine schaffen würde. Aber Ginny wollte lieber nicht trinken. Sie hatte Angst, er wolle sie vergiften, weil er sie erkannt hatte, denn die Milch, die eigentlich total lecker roch und scheinbar angewärmt war, sah aus, als hätte man da lila Farbe reingekippt. Zusätzlich schimmerte er, wie nach einer riesigen Portion Schimmerglimmer, den manche Mädchen der Zaubererwelt auf ihrem Schminktisch stehen hatten. Seit einigen Minuten versuchte Draco jetzt schon, ihr etwas Milch zu geben, doch sie wollte einfach nicht. Sie fand, dass es einfach nur merkwürdig aussah und vielleicht gefährlich sein könnte. Doch dann blinzelte sie und betrachtete fasziniert, wie Malfoy auf einmal seinen Finger in die Schüssel tauchte, seinen so schön geformten, langen, perfekten Daumen in die Milch senkte und dann vor ihre Katzenschnauze hielt. Sie war so fixiert, wie von diesem wunderschönen, hellhäutigen Daumen ein Tropfen von oben nach unten hinabrann und von dort aus hinabtropfte, in der Matratze versickerte, in der sie bei jedem Verlagern ihres doch so geringen Gewichtes, ein kleines bisschen mehr versank, zumindest fühlte es sich für sie so an. ,,Ich weiß, dass es komisch riecht und auch nicht gerade lecker aussieht, meine Kleine, aber das wird dir gut tun. Mein Patenonkel Severus Snape ist hier Tränkemeister und hat einen stark verdünnten Stärkungstrank unter die Milch gehabt. Und du kannst darauf vertrauen, dass dir nichts dadurch passieren wird, was schlecht für dich wäre'', erklärte der dem Daumen zugehörige Kerl und lächelte sanft. Leise maunzend näherte sich die kleine Kittenginny nun doch dem Daumen und war froh, dass sie noch immer nicht erkannt worden war. Sie streckte nun ihre kleine Zunge aus, formte sie zu einer Art kleinem Kelch und leckte dann vorsichtig über Dracos Daumen. Glücklicherweise konnten Katzen ja nicht rot anlaufen, sonst gleiche sie jetzt sicher einer Tomate. Ein leises Lob vonseiten des Blonden weckte sie wieder aus ihren Gedanken. Verträumt blickte sie in seine Augen, was ihr sicher nie wieder vergönnt wäre, wenn sie wieder ein Mensch wäre, denn zu ihr in Menschengestalt spräche er nie so liebevoll und besorgt. Der Junge mit den eisgrauen Augen, in denen man bei genauerer Betrachtung ein sternengleiches Funkeln entdecken konnte, tauchte noch ein paarmal seinen Daumen in die winzige Milchschüssel, die viel eher eine Untertasse war, hielt ihn ihr hin und wartete darauf, dass sie ihn ableckte. Mit der Zeit wurde sie müde und blinzelte ihn erschöpft an, weshalb der Eisprinz von Slytherin sie auf seinen Schoß hob und durch ihr Fell strich, mit rauer Stimme ein Schlaflied singend, darauf wartend, dass sie einschlief. Als sie dann endlich die Augen schloss und schnurrend einschlief, hob er sie, vorsichtig wie ein rohes Ei, von seinem Schoß zurück auf das Bett und verließ dann, nachdem er seine Kleidung glattgestrichen hatte, den Schlafsaal.

,,Alter Leute, ich habe eben erst von Snape erfahren, dass fast die ganze Schule nach dieser kleinen Wieselschnepfe sucht!'', brüllte Goyle in den Gemeinschaftsraum der Slytherins hinein, während er ungelenk durch das gerade eben geöffnete Porträtloch stolperte und sich feist grinsend wieder aufrichtete, ehe er sich den zermatschten Muffin, den er vorher in der Hand gehalten hatte, achtlos in den Mund stopfte. Niemand bemerkte so wirklich das leichte Zusammenzucken von Blaise Zabini, während der blonde Draco begann zu lachen und sich über sie lustig zu machen, so wie er es immer tat. Hätte er in diesem Moment nur geahnt, dass eben diese gesuchte ''Weasleyschnepfe'' oben in seinem King-Size-Bett lag, eingekuschelt in sein flauschiges Kissen, tief und fest schlafend, weil sie gesättigt war von der Milch, der ihr gegeben hatte, die sie ihm von den Fingern geleckt hatte, so wären die gesprochenen Schimpfworte nicht so leicht über seine Lippen geglitten. ,,Lasst uns oben weiterreden!'', brüllte Goyle fröhlich und das ohne Lust, seine Stimme überhaupt auch nur in irgendeiner Art und Weise zu dämpfen und stürmte nach oben, wo er sich schon auf Dracos Bett werfen wollte, was dieser gerade so noch verhindern konnte, damit sein kleines Kitten nicht zerquetscht wurde von seinem vollen Gewicht. ,,Verdammt du dummer, arschgesichtiger Vollpfosten. Hast du etwa keine Augen in deinem hirnlosen Kopf? Da liegt eine kleine Babykatze auf meinem Bett. Du hättest es fast, was bitte machst du da?'', fing Draco erst eine Gardinenpredigt an, die am Ende in ein entsetztes Zischen überging, als der mollige, wenn nicht sogar dicke Kerl mit seinen fetten, kleinen Patschehänden das Kätzchen griff und sie überaus grob hochhob. ,,Du gabelst ja echt ständig so schwache Experimentierobjekte auf. Mit denen kann man doch gar nichts gescheites anstel-'', fing der ''Freund'', wenn nicht eher Bodyguard von Draco an, als es lautstark klatschte und ein roter Fleck auf der Wange des grobschlächtigen Jungen prangte, während das Kätzchen begann sich zu winden, während sie erwachte. Schon im nächsten Moment wurde sie dem Idioten entrissen und sanft wieder auf dem Bett abgesetzt, während ein liebevolles Streicheln und Kraulen die Kleine schnell wieder in einen ruhigen Schlaf beförderte. Indessen verzog Goyle sich jammernd und die Wange reibend. Das hatte es doch noch nie gegeben, dass sein, zumindest seiner Meinung nach, bester Freund ihm eine solch heftige Ohrfeige verpasst hatte. Aber Gregory dachte nun einmal, dass Draco sich die Tiere immer für irgendwelche gefährlichen Experimente mit Zaubertränken holte, wie er es in so einigen Gerüchten bereits mitbekommen hatte. Aber vielleicht wollte der Blonde es einfach nur geheim halten. Als ob es nicht schon sowieso jeder wüsste, dass er heimlich an Tieren herumexperimentierte. Der Anhänger Malfoys hockte nun unten im Gemeinschaftsraum des Hauses der Schlangen, wie ein einsames, ausgestoßenes Hündchen, während sich oben alle über die verschwundene Weasley, Verschwörungstheorien über weitere Mitschüler und Dracos neuen Schützling, bei dem es sich, wie sie nun gemeinsam feststellten, um ein weibliches Kätzchen handelte, unterhielten. Bei der Überlegung, welcher Rasse sie wohl zugehörig war, hatte sie so einige Probleme, wobei es ihnen letztendlich einfach nur egal war, da die Kleine zu putzig war und zu schön, um sich darauf zu konzentrieren, wenn man vom extremen Untergewicht des Kitten absah. Mittlerweile hatte sich auch ein Name gefunden, auch wenn Draco sich über die Wahl erst beschwert hatte, denn auch wenn das Fell der Kleinen genauso rot war, wie die Haare der jungen Weaslette Ginny und ihre Augen genauso braun, fand eigentlich nur Blaise Zabini, der Prinz von Slytherin sollte sie ''Ginny'' nennen. Langsam glaubten die Mitglieder seines Hauses, dass er sich irgendwie in sie verguckt hatte, doch wollten sie es garnicht wagen, diese Vermutungen auszusprechen.

,,Na, meine kleine Ginny?'', flüsterte eine leise Stimme an ihrem Ohr und sofort fuhr sie aufquietschend hoch. War sie eben noch vollkommen müde und verschlafen, als sie gerade am Aufwachen war, war sie nun hellwach und starrte den jungen Mann neben sich an. Hatte er sie etwa doch erkannt? Würde er sie nun herausschmeißen? Schikanieren oder sogar verletzen? Sein Gesichtsausdruck schien wirklich nicht gerade erfreut, während er sie ansah und die Arme unter der Brust verschränkt hielt. ,,Oh man, glaub mir, es gefällt mir so absolut garnicht, dich Ginny zu nennen, so heißt nämlich eigentlich ein kleines Mädchen, das wahnsinnig arm und erbärmlich ist. Und wie sie aussieht, das ist doch wirklich einfach nur furchtbar. Und glaube mir, autsch - was soll das denn jetzt?'', begann Draco sich zu beschweren, als das Kätzchen ihre winzigen Krallen ausfuhr und über seine Hand kratzte, so fest sie es nur konnte, während er vor sich wieder ein klein wenig Milch hinstellte. ,,Vermutlich hast du deine Krallen noch nicht ganz unter Kontrolle. Ich werde dich auf jeden Fall zum Frühstück mitnehmen, wobei du natürlich schon jetzt etwas zu dir nehmen solltest. Ich werde dich auch wohl öfters so nennen müssen. Muss mich daran immerhin gewöhnen, dass nicht nur die kleine Weaslette so heißt, die übrigens verschwunden ist'', flüsterte Draco erneut und küsste ihr Fell auf Höhe ihrer Stirn, während er erneut einen Finger in die lila schimmernde Milch tauchte und ihn ihr hinhielt. Hungrig, wie sie es vermutlich noch nie gewesen war, streckte das junge Mädchen, nagut jetzt wohl eher das junge Mädchen, ihre kleine, raue Zunge heraus und leckte die gut schmeckende Milch von seinem langen Daumen ab. Immer wieder, dieses Mal tat sie es sogar, bis die Schüssel vollständig leer war, auch wenn ohnehin kaum Etwas drin gewesen war, da der Eisprinz ihren Magen nicht überfordern wollte. Dafür war die Kleine mit Sicherheit noch nicht so wirklich bereit. Dann hob er sie sanft und liebevoll an ihrem Nackenfell hoch, wie eine Katzenmutter es normalerweise tat und ließ das handflächengroße Kätzchen mit dem roten Fell in die Tasche seines Umhanges gleiten, zog ihn sich über und verließ dann den Schlafsaal, ging durch den Gemeinschaftsraum, durch die Kellergänge Hogwarts, Treppen hoch, bis nach oben zur großen Halle, die er mit seinem üblichen, kalten Blick betrat, sich kurz nach links umschauend, ob das erbärmliche Weasleymädchen nicht doch aufgetaucht war, aber stattdessen war dort ein leerer Platz zwischen den Mitgliedern des goldenen Trios. Breit grinsend schlich er sich also noch kurz am Gryffindor-Tisch vorbei und beugte sich dann fies grinsend zu den Anderen hinunter und flüsterte, um die Anderen zu triezen : ,,Ist die kleine Weaslettenschlampe denn nicht wieder aufgetaucht? Ich habe gehört, sie sei beim gestrigen Quidditsch-Flugtraining vom Besen gefallen in einen sehr tiefen Schlund voller Drachen und Basilisken, wo sie qualvoll stirbt, ehe sie auch nur versuchen kann, dort herauszukommen, denn das habt ihr immerhin verdie-''. Er konnte seinen Satz nicht beenden, sondern zuckte kurz zusammen, ehe er eilig zu seinem Tisch ging und dabei seine Hand aus der Umhängetasche zog. Ginny Kitten hatte ihn gebissen. Warum bitte hatte das kleine Miniding das getan?
Er sah noch einmal kurz zurück, weil er die wütenden und stechenden Blicke des gesamten Gryffindortisches auf sich zu spüren schien, die ihm doch ein Gefühl des Wohlwollens verpassten. Er setzte sich zwischen Zabini und Parkinson, holte das kleine Kitten aus seiner Tasche raus und sah sich kurz um, denn er wollte nicht unbedingt, dass jemand sie bemerkte, der sie nicht bemerken sollte. ,,Oh Gott, die ist ja so niedlich, wie Zabini es sagte'', flüsterte Pansy neben ihm, die sich mittlerweile zu einer echten Schönheit entwickelt hatte und hielt der kleinen Ginny ihren Finger hin, an dem das Tierchen erst schnupperte und dann kurz zutraulich mit der leicht feuchten Nase dagegen stupste. Ginny hatte für sich beschlossen, dass sie das kleine neugierige Kätzchen spielen konnte, dass sich für alle interessierte und tollpatschig umhertappte, solange sie in der Nähe ihres Schwarms sein konnte, ohne geärgert zu werden. Außerdem sah aus dieser Sicht alles so anders aus, weshalb Ginevra sich doch neugierig umsah und den Tisch entlang stolperte. Und natürlich trat sie auf einmal in etwas merkwürdig und unangenehm Matschiges. Das war ja widerlich. Schnell blickte sie zu ihren Pfoten und tappte sofort zurück. Sie war in Rührei reingelaufen. In verdammtes, blödes Rührei. Wäre sie ein Menschenmädchen, hätte sie es vermutlich gegessen, aber in ihrer jetzigen Form aß man kein Rührei.
Den Kopf schief legend sah sie auf, als McGonagalls Stimme laut durch die große Halle erschallte und sie schnell von ihrer großen Liebe gepackt und auf dessen Schoß gesetzt wurde, um nicht bemerkt zu werden. Nun etwas mürrisch, war sie gezwungen die Tischplatte von unten zu betrachten und den besorgten Worten der Lehrerin und Direktorin zu hören, die von der verschwundenen Schülerin sprach, die man zuletzt in der Bibliothek gesehen hatte, wo sie mit einer Strafarbeit und weiteren Hausarbeiten beschäftigt gewesen sei. Nun wieder ein wenig verängstigt, kauerte die Kleine sich zusammen und schloss ihre kleinen, runden Augen, während ihre weichen, kurzen Krallen sich tief in die Beine des blonden Slytherins bohrten, der dadurch beinahe aufgeschrien hätte, wenn er nicht die Kontrolle behalten hätte. Vorsichtig sah er seine kleine Ginny an und strich ihr beruhigend über das Köpfchen. ,,Na komm meine Kleine. Beruhige dich. Du bist doch mein kleines, süßes Kätzchen. Ich werde auf dich aufpassen, selbst wenn diese laute Stimme dir Angst macht'', hauchte er und sie begann sich wieder zu beruhigen.
Er würde nicht herausfinden, wer sie war. Nicht einfach so.
Er dachte einfach nur, dass sie etwas Angst hätte.
Er hielt sie weiterhin für sein, ja sein kleines, süßes Kätzchen.
Und irgendwie, liebte sie ihn für diese Tatsache, für diese Tierliebe, nur noch umso mehr.
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