Die Treue eines Wolfes

GeschichteAllgemein / P12
Balto Jenna OC (Own Character)
16.12.2015
16.12.2015
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Es war ein verschneiter Tag, als Zuri durch die Wälder Alaskas stapfte. Die Wölfin streifte schon einige Zeit ziellos umher. Eigentlich war sie ein recht hübsches Wesen – hellgrau, mit einer weißen Unterseite, wobei diese sich vom Kinn über den Hals und Bauch zog. Ihre Oberseite war von schwarzen Fellstrichen gekennzeichnet. Zwei entsprangen in der Nähe ihrer Schnauze, zogen sich unter den Augen entlang und verliefen im Halsgrau. Ein weiterer Fellstrich verlief genau über ihre Wirbelsäule, wobei der Anfang langsam im Nacken begann und erst an der Schwanzspitze endete.
Und dennoch.. Sie war aus dem Rudel geflogen. Ihr Anführer war kein netter Rüde gewesen. Cedric, ein rein schwarzer Wolf, machte sich die hübschen Wölfinnen seines Rudels gerne unterwürfig. Er duldete es nicht, dass sich andere des Rudels mit ihnen vereinten. Dass sie sich liebten. Cedric hatte schon immer das Schöne für sich gewollt. Auf der Jagd, in der Höhle und ebenso im Rudel.
Nur Zuri hatte da nicht mitspielen wollen. Sie war jung. Ihrer Meinung nach viel zu jung für den weitaus älteren Cedric. Und sie war noch nicht bereit für eine Beziehung oder sogar Welpen. Schon immer hatte die Wölfin die Welt entdecken wollen.
Anfangs war sie ja froh gewesen, dass Cedric sie aus dem Rudel verbannt hatte. Doch mittlerweile.. Sie hatte Hunger, war müde und fror. Und dennoch trieb es sie weiter. Zuri wusste, dass Cedric kurzen Prozess mit ihr machte, wenn er sie in seinem Revier fand.

Ein Wimmern ließ die Ohren der Verbannten in die Höhe steigen und langsam erhob sich auch ihr Kopf. Weinte da jemand? Schrie da nicht jemand um Hilfe? Zuri war sich nicht sicher. Sie kannte dieses Geräusch nicht. Aber sie erkannte, dass die Rufe von Schmerz erfüllt waren.
Vorsichtig folgte sie dem Geräusch zu dessen Quelle und war überrascht, als sie ein Menschenkind vorfand. Neben dem Mädchen lag ein umgekippter Schlitten und im tiefen Schnee erkannte die Vierbeinerin Karibuspuren.
Noch immer von dem Szenario verwirrt legte sie den Kopf schief und betrachtete alles. Das Kind weinte, erkannte die Wölfin und fing an, noch mehr zu weinen. Hatte sie das Kind tatsächlich erschreckt? Zuri kannte keine Menschen. Zumindest nicht vom Sehen her. Langsam ging sie auf das menschliche Wesen zu, welches versuchte, weg zu laufen. Doch weit kam es nicht. Anscheinend hatte es sich am Knöchel verletzt. Zuri schloss einfach aus den Gegebenheiten, dass es beim Spielen heimlich einem Karibu gefolgt war. Möglicherweise war es dann einfach tiefer in den Wald gelaufen, um auf den höheren Hügeln Schlitten zu fahren. Wie naiv und dumm das doch gewesen war.
Einen Moment lauschte Zuri, ob jemand nach dem Kind suchte, doch die Umgebung war still. Einzig das Schluchzen des Kindes durchdrang die Stille und weckte Mitleid in der Wölfin. Das Mädchen war hier genau so einsam wie sie und musste gerade ums Überleben kämpfen. Doch anders als sie selbst würde das Kind nicht einmal den nächsten Sonnenaufgang sehen, wenn sie jetzt ging. Ein Rudel Wölfe – vielleicht sogar ihr ehemaliges – oder ein Bär würde sie töten. Oder ein Elch trampelte sie einfach tot. Zuri schüttelte eilig den Kopf. Das konnte sie nicht zulassen. Bei einem Jäger wäre es etwas anderes. Bei diesen war die Hoffnung verloren, dass sie einen Wolf verschonten. Aber vielleicht konnte das Mädchen ihre Freundin werden. Zumindest saßen sie mehr oder minder im selben Boot. Und das machte sie doch zu so etwas wie Verbündeten.
Zuri trat noch einen Schritt auf das Menschenkind zu und stupste ihren Arm mit der Schnauze an, woraufhin es schrie. Entsetzt sprang sie einen Schritt zurück und blickte das Kind an. Schließlich endete der Schrei und auch das Kind sah die Wölfin an, welche den Kopf leicht schräg legte. Und aus irgendeinem Grund fing das Mädchen an, zu lachen. Es war ein klares, wenn auch leises Lachen und plötzlich fühlte Zuri eine tiefere Verbindung zu diesem Mädchen. Eine solche Verbindung hatte sie noch nie zuvor gespürt. Dieses Band, es sagte ihr, dass dies der Ort war, an den sie gehörte. An die Seite dieses Kindes.
Zuri verstand nicht, wieso sie als Wölfin sich ausgerechnet zu einem Menschen hingezogen fühlte, aber es war so. Ebenso wenig verstand sie, warum sie plötzlich wusste, was zu tun war. Doch zum Nachdenken hatte sie jetzt keine Zeit. Es würde bald dunkel werden und bis dahin sollten das Mädchen und sie lieber in einer geschützten Höhle sein. Sie stemmte den Schlitten wieder auf seine Kufen und zog ihn zum Mädchen heran. Dieses verstand, was ihre neue Gefährtin von ihr wollte, und zog sich mit Hilfe dieser auf das Holzgestell hinauf. Es war eine Verständigung ohne Worte, eben eine tiefe Verbundenheit, die seit dem Moment entstanden war, als sich ihre Blicke so intensiv getroffen hatten.
Entschlossen nahm Zuri sich das Seil, welches am Schlitten befestigt war, und ließ es sich von ihrer Verbündeten umbinden. Cedric und die anderen Jäger des Rudels hatten oft von Hunden erzählt, die auf diese Weise größere Schlitten zogen. Und sie hatten auch mal erwähnt, in welche Richtung ein Dorf lag. Mit Sicherheit stammte das Mädchen aus eben jenem.
Schon während sie los lief, überschlug Zuri im Kopf alles. Es wurde bald dunkel, also würden sie es heute nicht mehr schaffen. Bei dem heutigen Wetter würde bald ein Schneesturm herein brechen. Gott, war das Kind weit gelaufen. Aber okay. Wenn man natürlich einen Schlitten dabei hatte und unbedacht in die Wälder lief.. Hoffentlich würden die morgigen Wetterumstände gut sein. Dann schafften sie die Strecke bestimmt an einem Stück. Aber jetzt würden sie erst einmal einen guten Unterschlupf für die Nacht suchen müssen..
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