Kämpfen oder fliehen?

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Fiona Gallagher Ian Gallagher Liam Gallagher Mickey Milkovich OC (Own Character) Phillip "Lip" Gallagher
14.12.2015
20.01.2018
4
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Ich hoffe, ihr werdet mich informieren, was ich verbessern könnte. Bin wieder voll im Shameless- Fieber! :)





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Kapitel 1 – Isabella Schneider



„Okay, Dad. Du musst mich nicht ins Zimmer begleiten.“, versuchte ich meinen Vater abzuwimmeln. Er stand mit voller Elan mit meinem Koffer neben mir auf dem Campus und ich fürchte, wenn ich ihn nicht gleich aufhalte, wird er mit einen von meinen Dozenten essen gehen.
„Isa, das ist ein wichtiger Abschnitt…“, begann er. Ich unterbrach ihn mit einer Umarmung.
„Dad, ich schaffe das alleine.“, versprach ich ihn. Mir kamen fast die Tränen. Abschiede waren nicht so mein Ding, selbst wenn sie von kurzer Dauer sind.
„Ich weiß.“, murmelte er. Selbst meinen Vater, den ich in 18 Jahren nur selten eine traurige Emotion ablesen konnte, war sichtlich angeschlagen. Das erste und letzte Mal weinen sah ich ihn auf der Beerdigung meiner Mutter. Und da war ich gerade acht Jahre alt.
Diese Erinnerungen daran waren nur verschwommen und ich würde den Teufel tun, um diese wieder aufzufrischen.
„Okay.“, beendete mein Vater die Umarmung. Gefühle waren nicht sein Ding. Das hatte ich von ihm. „Du rufst an, wenn irgendwas ist. Haben wir uns da verstanden?“, stellte er klar und tätschelte kurz meine Wange.

„Schluss mit der Ödipus angehauchten Abschiedsszene.“, ertönte es auf einmal von der Seite. Ein schlecht gelaunter Junge mit braunen verwuschelten Haar stand plötzlich neben uns. Bewaffnet mit einem Klemmbrett räusperte sich der eben erwähnte Junge. Mit Argwohn musterte ich ihn.
„Komm, sag mir deinen Namen, dass ich dich in einem Zimmer einteilen kann.“, wurde er etwas freundlicher.
„Isabella Schneider.“  
„Komm mit! Du bist mit Amanda in einem Zimmer.“, erklärte er mir und setzte sich sofort in Bewegung.
Hastig beeilte ich mich, um seinen Schritttempo gerecht zu werden.
„Tschau Dad!“, rief ich ihn noch hinterher.
„Viel Glück!“, entgegnete er mir belustigt. Ich beobachtete wie er mit einem erloschenen Lächeln in sein Auto stieg. Nun war er alleine und ich auf mich selbst gestellt. Naja, es gab da noch diesen Jungen vor mir, der offenbar sehr in Eile ist.  

„Wo sind denn eigentlich die Fakultäten?“, fragte ich ihn interessiert.
„Da drüben.“, murmelte er desinteressiert und zeigte in eine Richtung.
Er roch nach Rauch. Ich mochte diesen Geruch eigentlich nicht, aber dieser Junge roch noch nach etwas anderem. Etwas Unverkennbaren. Trotzdem könnte ich das nicht in Worte fassen.
„Hey, wie heißt du?“, fragte ich nett. So war ich halt.
„Lip“, antwortete er mir wortkarg. Etwas verwundert war ich über sein Verhalten, denn ich dachte, er würde mir irgendeine Gegenfrage stellen.
Lip? Was war das für ein Name?
„Meinen Namen kennst du ja schon, aber du kannst mich gerne Isa nennen.“, erklärte ich ihm heiter.
Wir kamen in ein Gebäude herein und dann auf eine Treppe auf den Weg zu oben.
„Okay, Isa.“, meinte er bloß und ich bildete mir ein, dass er grinste.
„Und wie ist diese Amanda so mit der ihr auf ein Zimmer sein soll?“, fragte ich in Hoffnung, dass sich seine Zunge etwas lockern würde oder ich mehr erfahren würde.
„Ich kann dir nur sagen, dass sie gute Blowjobs gibt.“, seufzte er genervt. Geschockt sah ich zu ihm und er blieb inmitten in einem Flur voller verwirrter Studenten stehen.
„Isa, ich weiß nicht, was du hören willst, aber ich tue das schon zum hundertsten Mal heute und das mach‘ ich nur, um von meiner Familie wegzukommen. Also, ich bin nicht dein Kindermädchen. Ich zeige dir nur dein Zimmer.“, stellte er unfreundlich klar.
Etwas daran beunruhigte mich. Warum war er denn so angepisst? Ich habe ihn doch nichts getan. Noch vor dem Kopf gestoßen konnte ich nicht antworten und er setzte wieder an zu gehen.
Erneut dackelte ich ihn wieder hinterher.
„Und wie guckst du bitte, wenn ich Blowjob sage? Hast du noch nie das Wort gehört oder durfte das niemand sagen in der Gegenwart deines Vaters.“, faselte er fast schon höhnisch.
„Was ist denn Lip für idiotischer Name?“, rief ich ihm hinterher, weil er schon ziemlich weit Vorsprung hatte. Ich wollte ihm jetzt etwas ärgern und das hatte ich mir verdient in seinen frechen Sprüchen.
„Kommt von Phillipp.“, kam es von ihm und ich musste unbewusst grinsen, weil er schon wieder so angepisst war. Was für ein Idiot.
„Ödipus ist übrigens ein Typ aus einer griechischen Sage, der versehentlich seinen Vater tötet, um seine Mutter zu heiraten. Da ich weiblich bin und deine Anspielung darauf aus war zu implizieren, dass ich auf meinen Vater stehe, wäre der Elektrakomplex passender.“, berichtigte ich ihn rechthaberisch, um ihn weiter zu ärgern. Ich denke, er hat das schon verdient. Mit diesem Gelaber konnte ich ihn wenigstens dazu bewegen mir zuzuhören, auch wenn er am Ende hin sein Gesicht verständnislos verzog.
„Ist doch scheißegal.“, meinte er. „Beide ficken mit einen Elternteil herum.“
Lip nahm das Klemmbrett in die andere Hand und mit der anderen Hand fuhr er sich in sein leicht lockiges Haar. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der diese Worte einfach so benutzt und so natürlich dabei wirkt, als wären sie schon ewig in seinem Vokabular.  

Irgendwann kamen wir dann vor einem Zimmer an, wo eine Asiatin herauskam. Sie drückte abrupt ihre Lippen auf die von Lips.
„Wer ist die?“, fragte sie fast missbilligend nach dem Kuss und zeigte auf mich.
„Ich bin Isa Schneider.“, begrüßte ich sie nett.
„Deine neue Mitbewohnerin. Viel Spaß!“, erklärte er abwertend.
„Ja, du mich auch.“, murmelte ich, als er sich schon verpissen wollte.
„Bevor ich es vergesse, Isa?“, rief er noch zu mir. Ich drehte mich zu ihm. „Hast du Zugriff auf deinen Stundenplan?“, fragte er mich.
„Ja, ich denke schon.“, sagte ich und er verschwand mit einem „Alles klar.“.

„So, wir haben zwei Regeln: Wenn du eines meiner Kleidungsstücke anziehst, dann fliegst du raus! Und Zweitens: Wenn du nicht aufräumst, dann tue ich das, aber dann schmeiß ich alle deine Sachen weg.“, steckte sie zuerst die Grenzen ab. Kurz machte mir ihr Auftreten Angst, denn sie tat es mit versteinerter Miene.
„Noch etwas?“, versuchte ich so selbstbewusst wie möglich rüberzubringen.
„Ja, willkommen auf dem College.“, begrüßte sie mich und ich lächelte.
„Danke.“, sagte ich freudig. Ich konnte noch den Impuls unterdrücken kindlich vor Freude herumzuhüpfen.

Das Zimmer war nicht besonders groß, aber hell, da die Sonne hineinscheint und das war mir tatsächlich wichtig. Also, richtete ich mich ein. Ich packte aus und verstaute meine Kleider im Schrank und zog mein Bett um.
„Also, dieser Lip ist das dein Freund?“, versuchte ich mit Amanda ein Gespräch zu beginnen.
„Naja, wir ficken ab und zu miteinander.“, formulierte nicht unbedingt schonungslos.
Ich räusperte mich und widmete mich wieder meiner Bettwäsche.
„Was ist mit dir? Warst du vorher in einer Klosterschule?“, amüsierte sie mein Verhalten. „Ich bin eine Asiatin und trotzdem nicht so verklemmt.“
„Ich bin nicht verklemmt.“, widersprach ich ihr.
„Achja? Und wieso wirst du schon rot, wenn ich das Wort ficken in den Mund nehme?“
„Das ist einfach nur diese Art von Verbindung, die ich nicht verstehen kann.“, murmelte ich.
Plötzlich begann Amanda an zu lachen.
„Wir sind auf dem College. Wann sollte man diese Art von Bindungen haben, wenn nicht da? Wir sollten ausrasten und Orgien feiern. Für die große Liebe ist es noch genug Zeit, wenn wir alt und grau sind.“, hielt Amanda fast schon eine Rede. Ich antwortete darauf nichts. Denn ich denke nicht, dass wir jemals ein Kompromiss in der Hinsicht schaffen könnten. Das schien auch sie zu verstehen.
„Und gibt es bei dir einen Jungen? Die wahre Liebe?“, wollte sie neugierig wissen.
„Ich hab´ einen Freund.“, erzählte ich ihr grinsend.
„Und wie heißt er? Was macht er so? Erzähl von ihm!“, lächelte sie mir aufmunternd zu.
„Er heißt Oliver. Er wurde ins MIT aufgenommen. Alle von unserer Gegend sind richtig ausgerastet. Wir waren alle ziemlich stolz auf ihn.“
„Das ist ja gar nicht so weit weg.“, bemerkte sie. „Ja, das ist das Beste an dieser Uni.“, erklärte ich. Jetzt lächelte Amanda sogar.
„Liebst du ihn?“, diese Frage traf mich so unvorbereitet. Sie löste einen Schauer bei mir aus. Ich drehte mich zur Amanda.
„Keine Ahnung, ich denke schon.“
Amanda schmunzelte bloß und sagte nichts dazu. Es war aber nicht dieses Schmunzeln, das ich von meinen alten Freunden in meinem Viertel gewohnt war, wenn ich von Oli sprach. Es war ein herablassendes Schmunzeln. Aber das war mir egal, denn eins stand fest: Sie würde nie das in Lip finden, was ich in Oli fand.
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