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Euer Blut in meinen Händen

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Drama / P18 / Gen
Amon / Noatak OC (Own Character) Tarrlok
12.12.2015
22.10.2016
34
82.431
16
Alle Kapitel
50 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
12.12.2015 1.235
 
Hallo, dies ist das erste Kapitel meiner neuen, längeren Story. Ich hoffe die Kurzbeschreibung hat jetzt niemanden groß abgeschreckt, und würde mir wünschen, sie gefällt euch einigermaßen. Zu sagen ist noch, dass meine andere Geschichte "Mondkind" quasi die Vorgeschichte zu dieser hier erzählt, aber im Großen und Ganzen muss sie nicht unbedingt gelesen werden, um "Euer Blut in meinen Händen" zu verstehen. Ich will jetzt keinen dazu zwingen, die Vorgeschichte zwingend lesen zu müssen, deshalb fragt ruhig, falls ihr Fragen habt. Als kleine Anmerkung wäre noch zu sagen, dass ich gerade am Anfang der Geschichte versucht habe, aus der Sicht eines Kindes zu schreiben, deswegen die manchmal komisch kurzen Sätze und simplen Formulierungen. Ich hoffe, es klingt einigermaßen realistisch, und wenn nicht, in ein paar Kapitel ändert sich es eh wieder.  Aufgrund der späteren Kapitelinhalte hat meine Geschichte auch das Rating P18, zu Beginn hingegen hätte auch P12 gereicht.
Generell freue ich mich immer sehr über Kritik und Reviews, und wünsche nun ganz viel Spaß!


„Hier hast du den Eimer, hol Wasser für die Wäsche. Aber mach ihn bitte nur halbvoll, sonst schaffst du es nachher nicht, ihn nach oben zu tragen. Und beeile dich, Yakone!“ Mit diesen Worten drückt mir meine große Schwester Li Sin einen Wassereimer in die Hand und schiebt mich aus der Haustür hinaus. Ich bin erst von der Schule nach Hause gekommen, aber es war klar, dass mich gleich wieder Aufgaben zuhause erwarten. Wahrscheinlich ist im Restaurant, das meiner Familie gehört, erneut viel los, wodurch ich auch mithelfen muss. Das ist zwar nervig, aber nicht zu ändern.
Pfeifend mache ich mich auf den Weg zum Brunnen, der auf dem Marktplatz unserer Stadt steht. Während ich so durch die Gassen laufe, begrüßen mich einige Leute freundlich. Viele kennen meinen Papa, schließlich besitzt er das größte Gasthaus in der Gegend. Darum müssen meine Mama, meine Schwestern und ich auch ganz oft mithelfen. Der Name meines Papas ist Nariaki, und meine Mama heißt Nauja. Dann habe ich auch noch zwei große Schwestern, die älteste hört auf den Namen Homare, die andere ist Li Sin. Zusammen leben wir in einem kleinen Städtchen in der Feuernation, wo mein Papa besagtes Gasthaus mitsamt Restaurant betreibt.
Ich komme am Brunnen an, lasse meinen Eimer am Seil nach unten sausen und höre, wie er auf dem Wasser aufschlägt. Nun kommt der schwierige Teil. Mühsam ziehe ich den Eimer wieder nach oben, denn jetzt ist er voller Wasser und richtig schwer. Ich ärgere mich über meine Schwester, immerhin könnte sie das viel besser als ich. Homare und Li Sin sind nämlich schon erwachsen. Als ich geboren wurde, waren sie viel älter als ich jetzt. Bald werde ich sieben Jahre alt, meine großen Schwestern sind bereits neunzehn und zwanzig Jahre. Beide sehen eher aus wie mein Papa, haben schwarze Haare und goldgelbe Augen. Ich selbst ähnele eher meiner Mama, habe wie sie braune Haare und blau-graue Augen. Das finde ich toll, denn keiner von meinen Freunden oder Schulkameraden sieht aus wie ich, darum bin ich auch was ganz Besonderes.
Endlich habe ich den Eimer nach oben gezogen, wo ich ihn vom Seil löse und zu Boden stelle. Er ist bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Eigentlich sollte ich ihn nur bis zur Hälfte füllen, erinnere ich mich. Aber dann müsste ich ja nachher noch einmal herkommen, und darauf habe ich keine Lust. Außerdem bin ich stark genug, um auch einen schweren Eimer zu tragen! Zuversichtlich mache ich mich auf den Heimweg, aber bereits nach einigen Minuten muss ich eine Pause einlegen, der Wassereimer ist doch schwerer als gedacht. Ich könnte einen Teil des Wassers auf die Straße kippen, um weniger tragen zu müssen, aber das ist mir dann doch zu dumm. Also packe ich den Eimer an und trage ihn heim.
Meine Arme und Schultern tun bereits ziemlich weh, als ich nach Hause komme, aber ich habe es ja gleich geschafft. Nur noch die Treppe hoch ins Waschzimmer, so weit ist das auch nicht mehr. Wie ich es mir dachte ist unser Restaurant sehr voll, Homare und Li Sin hetzen zwischen den Tischen umher und nehmen Bestellungen auf oder servieren Essen. Sie bemerken mich nicht einmal, während ich in das Obergeschoss wanke, den schweren Eimer noch immer in beiden Händen.
Aber kurz vorm Treppenabsatz passiert es. Ich bin schon fast oben, als ich plötzlich an der letzten Stufe hängenbleibe und der Länge nach hinfalle. Der Eimer flutscht mir aus den Händen, und überall auf dem Flur verteilt sich das Wasser. Verdammt noch mal! Fluchend betrachte ich die Bescherung, überlege, was ich jetzt machen muss, damit niemand mein Missgeschick bemerkt. Aber zu spät.
„Yakone?“ Meine Mama kommt die Treppe hoch, ein Handtuch noch in der Hand. „Alles in Ordnung? Ich habe ein Scheppern gehört und – oh!“ Sie sieht, was ich angerichtet habe, und eilt an meine Seite. „Hast du dir weh getan?“
„Nein, es geht schon“, antworte ich. „Ich bin nur gestürzt und hab den Eimer fallen lassen. Tut mit leid, Mama.“
„Ach, ist nicht so schlimm. Steh auf, ich hole Tücher, und dann wischen wir das Wasser wieder auf. Warte kurz hier.“ Sie läuft ins Badezimmer, das sich am Ende des Flurs befindet. Typisch Mama. Anstatt mit mir zu schimpfen, hilft sie mir auch noch, obwohl das alles meine Schuld war.
Ich ärgere mich über mich selbst, hocke  immer noch in der Wasserpfütze und balle meine Hände zu Fäusten. Blödes Wasser! Wenn ich es einfach nur wieder in den Eimer zurückfließen lassen könnte! Aber nein, stattdessen müssen wir nun mühsam alles aufwischen, und dann kann ich nochmal zum Brunnen laufen, schließlich brauchen wir das Wasser. Obwohl, eigentlich sogar zweimal, sonst verschütte ich am Ende wieder alles. Wütend greife ich nach dem Eimer, stutze aber, als ich meine Hand betrachte. An ihr klebt das Wasser wie Teer, es bleibt einfach so hängen! Erschrocken schüttele ich meine Hand hin und her, aber das Wasser geht einfach nicht ab, stattdessen bewegt sich der Rest auf dem Fußboden auch noch mit. Wie in Trance lasse ich meine Hand schließlich ruhen, und sogleich beruhigt sich auch das Wasser. Aber nun steigt es empor, als würde es von mir magisch angezogen.
„Was machst du da?“ Erschrocken zucke ich zusammen, das Wasser platscht von meiner Hand in die Pfütze zurück. Mama steht vor mir und macht ganz große Augen. Plötzlich packt sie meine Hand, die noch immer über dem Wasser schwebt, und schaut mich mit funkelnden Augen an. „Yakone, warst du das?“
„I-ich weiß nicht...“ Mamas Stimme hörte sich eben ziemlich verängstigt an, aber warum bloß? Außerdem graben sich ihre Finger schmerzhaft in meine Hand, aber ich kann sie nicht aus ihrem Griff befreien. „Mama, du tust mir weh...“
„Hast du das schon einmal gemacht? Hast du das schon einmal gemacht?!“
„Nein!“
„Lügst du mich auch nicht an?“
„Nein, Mama!“, antworte ich verzweifelt. „Ich habe das noch nie in meinem Leben gemacht, ich schwöre es! Und ich weiß auch gar nicht, was das eben war! Das Wasser war auf einmal lebendig!“
Mama lässt meine Hand endlich los, drückt mich dann aber an sich. Verwirrt bemerke ich, dass sie weint. Ob das meine Schuld ist?
„Warum weinst du?“, frage ich, und nach weiteren Schluchzern lässt sie mich endlich los. Tränen laufen über ihre Wangen, dennoch lächelt sie glücklich.
„Warum ich weine? Wegen dir, mein kleiner Schatz.“ Seufzend drückt sie mich erneut an sich und sagt dann: „Du bist ein Wasserbändiger, Yakone.“
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