Frozen Hearts  [KAY ONE]

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
12.12.2015
06.02.2016
8
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Belogen. Ausgenutzt. Zerbrochen. Seit mehr als 12 Wochen hatte ich dieses kleine, triste Zimmer nicht mehr verlassen. Mein Handy war aus – ich wollte von niemanden etwas hören, wollte niemanden sehen. Die Tage zogen an mir vorbei ...doch der Schmerz verging einfach nicht.
Es tat noch genauso weh wie damals, als er mein Leben zerstörte , in dem er mir gesagt hatte das ich für ihn nur ein Mittel zum Zweck gewesen sei,Nur eine genutzte Aufstiegschance. Jetzt...jetzt brauchte er mich nicht mehr.
Ich hatte mich in Chris getäuscht, denn ich hatte immer gedacht er wär‘einer der ganz großen im Geschäft, doch in Wahrheit hatte er mich nur benutzt, um weiter nach oben zu kommen. Immer wieder spielte sich die Szene, in der er Schluss machte, in meinem Kopf ab. Ich spürte noch immer dieses brennen auf meiner Haut, als er seine Hand an meine Wange legte und mir mit seinem rauchigen Atem ins Ohr hauchte.Seine Worte hallten in meinem Inneren wieder. „Du bist noch soo jung und zu naiv wenn du glaubst das ich dich jemals, auch nur eine Sekunde geliebt habe.- Das Einzige was du für mich warst – war belangloser Zeitvertreib in meinem Bett" Es war wie ein Messerstich, welcher direkt ins Herz ging. Dass er mich außerdem noch aus unserer gemeinsamen Wohnung geschmissen hatte und mir die Kündigung als mein Chef überreicht hatte waren nur weitere Gründe warum mein Existieren keinen so großen Sinn mehr machte.
 
Ja, da lag ich also–in der Wohnung meines großen Bruders, in meinem Zimmer auf dem großen Doppelbett, welches mir so unendlich leer erschien. Jan hatte mich nach dem Chris Schluss gemacht hatte, sich rührend um mich gekümmert, mir ein Dach über den Kopf gegeben... ich wüsste nicht was ich ohne ihn getan hätte.
Ich starrte die überliegende Wand an, mein Bruder hatte sie extra in meiner Lieblingsfarbe gestrichen, damit ich mich heimischer fühlte, aber auch das munterte mich kein Stück auf. Was hat eine Farbe schon für eine Bedeutung, wenn dein Leben von einem einzigen Menschen ruiniert wurde?..Es war weniger der Liebeskummer, der mich so leiden ließ, sondern eher die Tatsache das ich aus eigener Dummheit und Blindheit nicht erkannt hatte, was für ein berechnender und falscher Mensch mein Ex doch war. 
 
Ich zog die weiße Decke, die ich bereits bis über die Nase gezogen hatte, noch ein Stück fester um mich. Sie schenkte mir Geborgenheit in dieser völlig verfahrenen Situation. Aus dem Flur hörte ich, dank des hölzernen Parkettbodens, wie jemand direkt auf meine Zimmertür zuschritt und davor stehen blieb. Ich seufzte, denn ich wusste dass es Jan war, der mir wie jeden Morgen ein Tablett mit frischen Brötchen und frisch gepressten Saft, vor die Tür stellte. Ich wusste das er sich große Sorgen um mich machte, weil ich in den letzten Wochen kaum etwas zu mir genommen hatte und wir uns nur noch dann gesehen hatten, wenn ich mal aus meinem Zimmer gekrochen kam um zu Duschen. 
Doch heute war es anders ,er stellte das Tablett nicht einfach ab und verschwand dann zur Arbeit, um mich alleine zu lassen, wie ich es mir , versunken im tiefsten Selbstmitleid , gewünscht hatte ,sondern er klopfte vorsichtig an der weiß lackierten Flügeltür der Altbauwohnung und trat dann gleich leise ein. „Hey" Jan sah mich brüderlich besorgt an und setzte sich, das Tablett in den Händen, zu mir aufs Bett. „Hey" echote ich ihn, sah ihn dabei jedoch nicht an. Er holte schwer Luft, stellte das Essen auf meinen Nachtisch ab „Ich habe dir Frühstück gemacht Livi" er nannte mich liebevoll bei meinem Spitznamen und wand sich zu mir, schob die Decke ein kleines Stück zur Seite. Als Antwort gab ich ihm nur ein entmutigendes Schulterzucken „Danke-Wäre nicht Nötig gewesen“. 
In meinen Gedanken warf ich mir vor , das ich eine ziemlich schlechte kleine Schwester war, der gar nicht bewusst war ,was sie für einen tollen großen Bruder  hatte...Jan nahm einen sehr wichtigen Part in meinem und ich in seinem Leben ein. Schon als Kinder hatten wir uns geschworen immer auf den anderen aufzupassen...was ihm wesentlich besser gelang als mir. Ich konnte mich noch genau an meinen 18 Geburtstag erinnern als er plötzlich mit einem Unterarmtattoo nach Hause kam. Er hatte sich meine aller ersten Herztöne (CTG-Kurve) auf seiner Haut verewigen lassen,darunter mein Geburtsdatum und Namen....
 „Kleine du musst endlich was essen" - Ich schüttelte den Kopf, ich hatte keinen Hunger obwohl mein Magen öfters mal geknurrt hatte. „Okay" sagte er entschlossen und sah mich streng mit seinen dunkelgrünen Augen an. Es war fast so als würde ich in die Augen unserer verstorbenen Mutter sehen. 
 
Jan drückte sich von der Bettkante auf, er ging zu meinem Bettende „Liv du musst langsam mal wieder dein Leben in die Hand nehmen ich kann es nicht mehr ertragen wie du in deinem eigenen Mitleid versinkst – der Typ ist es nicht wert das du so sehr leidest" Ich setzte mich ein Stück auf, war das was er sagte gerade wirklich sein ernst? –verstand er denn nicht das Christopher Neuenstedt mein ganzes Leben und für das was ich gearbeitete hatte, geschafft hatte, zu ruinieren?! Ungläubig blickte ich ihn an, erst jetzt war mir aufgefallen das er Sportklamotten trug. „Jan du verstehst das nicht ...ich..." noch bevor ich in verschiedenste Ausflüchte fliehen konnte, zog mein Bruder mir die Decke weg. Vergebens versuchte ich sie fest zu halten „Ich sehe dich in 20 Minuten im Flur .... bis dahin hast du was gegessen, bist aus deinem Bett gekrochen und hast Sportsachen an ... es wird Zeit das du wieder lebst!" sagte er schon fast im militärischem Ton. Ich wagte nicht ihm etwas entgegen zu setzten und machte wiederwillig das was er von mir verlangt hatte. 
 
 
 
[Liv's Outfit :http://www.polyvore.com/cgi/set?.locale=de&id=184128329
 
 
 
Ich hatte es doch tatsächlich in 20 Minuten geschafft, mich fertig zu machen. Als ich den Flur betrat lehnte mein Bruder bereits an der weißen Kommode und lächelte mich siegreich an. „Dann können wir ja jetzt los" maulig sah ich ihn an, denn das Letzte auf was ich Lust hatte war irgendeine selbstausgedachte Sporttherapie meines Bruders. 
 
Wir gingen das Treppenhaus herunter als er mir sagte dass wir jetzt zum Park joggen würden. Abrupt blieb ich stehen „ Zum Park das sind über 11km!" Jan grinste mich an „ich weiß" ich wollte sofort auf den Absatz kehrt machen, doch mein lieber Bruder hielt mich dabei auf und zwang mich mitzukommen. Als wir unten vor der Haustür standen, stöpselte er sich seine Kopfhörer in Ohr „Damit ich dein Gejammer nicht hören muss" kommentierte er ironisch lachend. Doch ich fand diese Idee ganz und gar nicht lustig, wie sollte mir das in meiner Krise schon helfen? Er kümmerte sich jedoch keine weitere Sekunde darum und fing an zu laufen. „Der hat sie nicht mehr alle" sagte ich für mich selbst und konnte mir ein ungläubiges Schnaufen nicht verdrücken. Das war doch wirklich sein ernst... ich begann ihm nach zu joggen... 
 
 
 
Mein Bruder war weit vor mir, und hampelte auf eine Stelle herum als ich nach 1 Stunde und 10 Minuten atemlos im Park an kam. Erschöpf stütze ich mich auf meinen Knien ab und rang nach Atem. „Na Livi kannst du etwa nicht mehr? Du warst auch schon mal sportlicher.“ provozierte er. Ich richtete mich schwer atmend auf „Lass das“ ich warf ihn einen meiner Blicke zu, doch Jan wäre nicht Jan wenn er tatsächlich auf mich gehört hätte „Komm du bist doch gelaufen wie eine Oma" lachte er. und stupste mir immer wieder in die Seiten „Hör auf damit" sagte ich ernster doch er hüpfte nur weiter um mich herum „Komm wehr´ dich doch" forderte er mich auf„ Nein Jan ich werde nicht..." ich versuchte wirklich ruhig zubleiben doch als er begann mich umher zu schubsen, konnte ich nicht anders, ich stieß ihn ebenfalls zurück und schrie ihn an „Verdammt , du sollst das lassen!" ... „Ja das ist meine kleine Schwester- komm las es raus !" lachte er , erst jetzt bekam ich mit das , dass es seine volle Absicht war... er kam auf mich zu schubste mich zurück , ich gab dem nach „Komm schon Liv -kämpfe, ich weiß das du stark bist" wieder schubste er mich doch diesmal ging ich in die Offensive und schlug mehrmals gegen seine durchtrainierte Brust. Vermutlich tat ich mir dabei mehr weh als ihm, aber ich spürte wie eine schwere Last von mir abfiel. 
 
Als wir beide uns völlig kaputt auf einer der Bänke niederließen, legte mein Bruder einen Arm um mich „Livi es wird Zeit das du neu Anfängst" ich nickte ... das war eines der seltenen Male wo ich meinem Bruder wirklich Recht gab. Er stand auf und sah mich an „Ich habe dir übrigens ein Bewerbungsgespräch besorgt" verdutzt sah ich ihn an "du hast was?!" er grinste sein schiefes Lächeln „Einer muss ja dafür sorgen das es weiter geht!" und begann dann wieder nach Hause zu joggen und ich folgte ihm – mal wieder!
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