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Mittelerde Adventskalender 2015 - Tag 12 - "Highheels im Schnee"

GeschichtePoesie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Celeborn Celebrían Elrond Galadriel Legolas Tauriel
12.12.2015
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12.12.15 Die Highheels funktionieren im Schnee nicht ordnungsgemäß – So schöne Schuhe an einem zarten Fuß, was sollte da schon schief gehen?


Die Figuren gehören J.R.R. Tolkien und seinen Angehörigen. Ich verdiene damit kein Geld und gebe sie hinterher unbeschadet zurück *schwöre*.
Die Phantasie ist meine.


Auch dies gehört zum Mittelerde Adventskalender

************



Sie war schnell unterwegs, so schnell es die Witterung und ihr Schuhwerk eben gerade noch gestatteten, ohne die Würde zu verlieren. Dennoch würde sie nicht mehr rechtzeitig erscheinen. Dies war so sicher wie dass der neue Morgen auf eine Nacht folgte.

Wieso nur hatte sie auch auf den Menschen gehört, der ihr bei ihrem letzten Besuch in Minas Thirith, im Sommer diesen Jahres, diese neueste Mode für die Füße der Damenwelt anpries. Er erklärte vollmundig, dass jede menschliche Frau, die etwas auf sich hielt, und einen Mann beeindrucken wollte, nun solch exquisite Schuhe mit so sündhaft hohen Absätzen trug.
Damals hatte sie lange Zeit auf dieses Kunstwerk geschielt. Es war ein Meisterwerk aus schwarzem Samt, der sich wie Blütenblätter bis an die Knie der Trägerin wand. An der Vorderseite schloss sie ein ebenfalls schwarzes Band und diese Absätze, oh diese Absätze… Sicher wäre sie dann zehn Zentimeter höher, als in den Sandalen, die sie im Sommer trug. Erst eine Ewigkeit schlich sie immer wieder an diesem Stand vorbei, bevor Celebrían es wagte und die vorn offenen und durchbrochenen Stiefel anprobierte.
Als sie dann wieder sicher stand, da schob sich ihr ganzer Körper in eine neue Haltung. Sie fühlte sich verwegen, als die Elbin mit dem Silberhaar erkannte, wie sich ihre Brüste und auch ihr Hinterteil ein wenig vorteilhafter unter ihrem grünen Kleid abzeichneten.
Der Mann an dem Stand hatte anerkennend gepfiffen, sich lobend geäußert und ihm waren fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als Celebrían schließlich einige Schritte ging, oder viel mehr schwebte. Die Absätze hatten wunderbar geklackert, als sie sich zwischen den Menschen einen Weg bahnte und es war der Elbin zu diesem Zeitpunkt wie eine wirklich wunderbare Idee erschienen, dieses Machwerk schlussendlich auch zu erstehen.

Celebríans Mutter, Galadriel, hatte keinen Ton dazu gesprochen, als ihre Tochter ihre neueste Errungenschaft vorführte. Celeborn hatte nur seinen Kopf geschüttelt. Dabei war ihm das Haar, dessen Farbe er seinem Kind vererbt hatte, in die Stirn gefallen und er schob es wieder an Ort und Stelle, während er die beiden Frauen in seinem Leben miteinander sprechen hörte.

     „Ob es ihm gefallen wird, amil*?“
     „Sicher wird es seinen Zweck erfüllen, yenya**. Du wirst den Richtigen damit beeindrucken.“

Schon immer hatte Galadriel in Rätseln gesprochen, wenn sie über die Zukunft Auskünfte verteilte, doch dieses Mal waren ihre Worte es so klar ausgesprochen, dass selbst Celebrían deren Bedeutung verstand. Sie würde ihn für sich gewinnen, wenn er mit seinem Bruder in Lothlórien weilte. Sie würde den Bruder des Ringträgers von sich überzeugen, wie sie es sich seit vielen Monden schon wünschte.
Wenn sie ihn wiedersah, dann würde er erkennen, dass eine Elbin ebenso faszinierend war wie diese Menschen, denen er immer wieder half. Bald würde er ihr gehören. Wenn sie dafür Menschenschuhe und ein Menschenkleid tragen musste, dann sollte es eben so sein. Für ihn würde sie es wagen. Doch nur für ihn, nur für Elros, den Peredhil***.


* qu. Mutter
** qu. meine Tochter
*** Halbelb


*******



Wie sie es befürchtet hatte, stolperte Celebrían nun viel zu spät in den Festsaal, in dem zu Ehren der heute eingetroffenen Gäste, ein Bankett ausgerichtet wurde. Celeborn reagierte nicht auf den äußerst fragwürdigen Auftritt seiner Tochter. Galadriel ließ ihren Blick eisig über die Erscheinung Celebríans schweifen. Sie selbst wäre gern im Boden verschwunden, als sie fühlte, wie nass ihr Kleid vom vielen Schnee an seinen Rändern war.
Doch Galadriel war dies gleich. Sie wühlte etwas anderes mehr auf. Auch, wenn sie sehr… offen war, was die Auswahl der Kleidung ihres Kindes anbelangte, so war sie unerbittlich, wenn sie auf den tadellosen Umgangsformen beharrte. Dazu zählte, dass sie von Celebrían erwartete, pünktlich zu sein, wie auch immer sie dies gewährleistete. Die junge Elbin sah ihrer Mutter an, dass diese die Meinung vertrat, Celebrían hätte wohl einfach etwas eher ihre Schritte in die große Halle richten müssen.

Zu allem Überfluss war Elros noch nicht einmal auf sie Aufmerksam geworden. Sein Kopf war einer der wenigen, die sich nicht nach ihr umwendeten, als Celebrían eintrat. Er war weiterhin in das Gespräch mit Oropher vertieft, dessen Sohn sich an den Röcken seiner Mutter festhielt, während er unsicher umher sah. Sein Blick erhellte sich, als er Celebrían betrachtete.
Schon ließ der Elbling seine Mutter los und stolperte auf die Silberhaarige zu. Sein eigenes Haar sah dem von Celeborn und ihr selbst sehr ähnlich. Es war ein untrügliches Zeichen dafür, dass er ein Kind der Königsfamilie war. Beinah stolperte der kleine Elbling, als er seine Schritte immer mehr beschleunigte.

Celebrían lächelte, als der kleine Thranduil zu ihr lief, doch ehe er bei ihr ankam, lenkten sich seine Schritte ein wenig nach links. Dort stand ein weiterer Elb, der Elros bemerkenswert ähnelte.

     `Elrond, natürlich…. Ihn hat Thranduil ausgemacht und will nun seinen Geschichten lauschen. Sei es drum. Ich werde nun endlich versuchen, den Herren Elros für mich zu gewinnen.´

Die junge Herrin Lothlóriens nickte dem anderen Elb zu, ehe sie davon stöckelte. Sie war ein wenig wackelig auf den Beinen und schwankte. Doch dies war nicht weiter verwunderlich, denn die Füße der Elbin waren in diesem Moment nicht mehr, als bessere Eisklumpen. Auf ihrem Weg durch den goldenen Wald, hin zu diesem Fest geschah es, dass beständig Schnee und kleine, kalte Klümpchen in die viel zu offen gestalteten Schuhe rutschte, die dann dazu führten, dass Celebrían nun ihre Fußzehen nicht mehr fühlen konnte und kaum noch Herrin über ihre Beine war.

Als wäre dies nicht schon demütigend genug, klackerte sie nun auch noch über das Parkett, so dass sich erneut jeder Elb nach ihr umdrehte und sehen konnte, dass der Schnee und das Eis schmolzen, somit an jeder Stelle, an der sie ging und stand, kleine Pfützen hinterließen. Schon stand ihr Vater neben der jungen Frau. Sein Ausdruck verhieß nichts Gutes, als er den Blick über ihr Kleid wandern ließ.
Es hatte die Farbe ihrer Absatzschuhe und wurde mit silbernen Bändern an Ort und Stelle gehalten. Der Schnitt war menschlich, der Stoff viel zu grob für elbisches Handwerk. Celeborn rümpfte die Nase darüber. Er wollte etwas dazu sagen, als Celebrían hinter dem Rücken ihres Vaters eine Bewegung wahrnahm, die ihr die Luft zum Atmen abschnürte.

Elros, der Mann, den sie heute Abend hatte bezaubern wollen, legte den Arm um eine schwarzhaarige Frau, die keine spitzen Ohren vorweisen konnte. Ihr Kleid schimmerte dunkelblau mit filigranen, silbrigen Mustern, die hinein gewebt waren. Der Stoff war eindeutig aus dem Waldlandreich. Als er sich dann auch noch lachend nach unten beugte, der Menschenfrau in ein Ohr flüsterte, dass sie bezaubernd aussah und keine Andere sie an Schönheit überragen würde, war es, als habe Elros Celebrían gerade eine Ohrfeige verpasst.
Vollkommen verlor sie ihre Farbe, bis die Elbin beinah durchsichtig erschien, schüttelte den Kopf und rannte davon, so schnell es diese verhexten Dinger an ihren Füßen zuließen. Nur unverständiges Kopfschütteln folgte ihr. Niemand nahm Notiz davon, dass Thranduil seinen Gesprächspartner verlor.


*******



Celebrían liefen dicke Tränen über die Wangen, als sie versuchte, schnell von dem Ort ihrer Pein zu fliehen. Doch nun rächte sich erneut, dass sie Schuhe mit Absätzen bis in den Himmel hinauf trug. Die Silberhaarige rutschte mit den glatten Stiefeln auf dem verschneiten Boden, taumelte und schlug der Länge nach hin. In dem Versuch, sich abzufangen, schürfte sie sich beide Hände auf. Dies ließ ihren Versuch, wieder auf die Füße zu kommen, darin gipfeln, dass sie schmerzhaft zischte, umknickte und nun endgültig nicht mehr in der Lage war, sich von allein aufzurichten.

Frierend und weinend saß sie in einer Schneewehe, wünschte sich weit weg von jenem Ort. Sie wusste nicht, wie lang sie hier sitzen mochte, als ein Schatten auf sie fiel. Schniefend hob sie ihren Kopf, nur um sich ein tiefes Loch zu wünschen, in das sie hinein springen würde. Jetzt, sofort.

     „Meine Herrin…“, erklang eine sanfte Stimme.
     „… habt Ihr Euch verletzt?“, fragte der Halbelb besorgt.
     „Ich sitze zu meinem Vergnügen in der Kälte“, gab sie bissig zurück.

Elrond lachte leicht, ließ sich von Celebrían durch diese Worte nicht abschrecken. Auch ging er nicht, als sie ihren Kopf wieder von ihm weg drehte. Viel mehr kniete er sich neben sie, streckte seine Hände aus und fragte vorsichtig nach, während er ihre Hände nahm.

     „Darf ich sehen, welchen Schaden Ihr davon getragen habt?“
     „Sicher. Doch wiegt er kaum im Vergleich zu der Schande, die ich über mich gebracht habe, in dem törichten Versuch Eu…“

Gerade noch rechtzeitig stoppte sich Celebrían, ehe die junge Frau verriet, dass sie hatte Elros beeindrucken wollen. Wortlos betrachtete Elrond nun ihr Gesicht, bevor er sich wieder den Händen zuwandt. Schnell hatte er ein sauberes Tuch aus seiner Robe gezogen, dass er in zwei Hälften zerriss und sie um die leicht blutenden Handflächen schlang.

     „Es ist weit weniger bedrohlich, als es aussah. Kommt, meine Herrin. Ich helfe Euch wieder auf.“
     „Ich kann nicht stehen“, erklärte sie nun kleinlaut.

Der Blick, den Elrond ihr zuwarf, hätte verwirrter nicht sein können.

     „Aus welchem Grund?“
     „Ich … ich bin umgeknickt. Mein linker Knöchel…“

Verstehend rutschte der Halbelb nun ein wenig tiefer. Behutsam schob er das schwarze Kleid ein wenig nach oben, streifte dabei Celebríans Oberschenkel sanft mit seinen Fingerkuppen, als er endlich das Ende des Schuhwerks erreichte. Sie sog erschrocken Luft in ihre Lungen, als kleine Stromstöße von den Stellen ausgingen, die Elrond berührt hatte. Wurde er dabei etwa ein wenig rot oder bildete sie sich dies nur ein?

     „Ich…“, krächzte Elrond, ehe er sich räusperte und noch einmal begann.
     „Ich muss Euch den Schuh ausziehen, um mir den Schaden zu betrachten.“

Leicht benommen nickte Celebrían nur. Schon spürte sie, wie der Peredhil sich an den Bändern zu Schaffen machte, die das filigrane Muster an ihrem Bein hielten. Erneut jagten Schauer über ihren Rücken. Sie war davon überzeugt, dass Elrond leise stöhnte, als er endlich zu Ende gebracht hatte, was er hatte tun wollen. Mit wissenden Fingern betastete er nun die geschwollene Stelle. Seine Finger waren geschickt und es fühlte sich eher wie eine Liebkosung an, denn eine Untersuchung.

     „Ich werde Euch tragen müssen, Herrin.“

Die Stimme Elronds brachte sie wieder ins Hier und Jetzt. Wieso klang er so heißer? Ehe Celebrían nicken konnte, war sie schon auf starke Arme genommen worden, die sie sicher hielten.

     „Ich beschmutze Eure Festrobe, mein Herr“, versuchte sie einzuwenden.
     „Es gibt wichtigere Dinge, als meine Kleidung“, tat er ab.

Die Silberhaarige sagte kein Wort mehr, gab nur noch knappe Anweisungen, damit der Halbelb den Weg zu ihren Gemächern fand. Dabei bildete sie sich ein, dass er sie mit jedem Schritt ein wenig fester an seine Brust drückte.


*******



Die junge Elbin hatte ein paar Augenblicke, um sich wieder zu sammeln, während Elrond einige Verbände und Salben bei den Heilern der Galadhrim erbat. Was war hier geschehen? Nie war ihr dieser Zwilling so aufgefallen, wie in dem Moment, als er die nackte Haut ihres Beines berührte. Schon der Gedanke daran ließ sie erneut keuchen.

     „Herrin?“
     „Oh, Ihr seid wieder zurück“, stieß sie erschrocken aus.

Mühsam setzte sich Celebrían auf, damit Elrond ihre Hände säubern und verbinden konnte. Dann nahm er sich Zeit, den verstauchten Knöchel mit einer schmerzlindernden Salbe zu versorgen. Dabei murmelte er ein paar elbische Formeln, die die Heilung unterstützen sollten. Schließlich legte er auch dort einen stützenden Verband an.

     „Ich hoffe, Ihr ruht Euch ein wenig aus. Ich werde Euch bei der Feier entschuldigen.“
     „Bitte, macht Euch nicht diese unnötige Mühe, mein Herr Elrond. Es wird niemandem auffallen.“
     „Es ist sicher alles, nur nicht unnötig. Mir ist es wohl aufgefallen…“, sprach er aus.

Darauf wusste Celebrían keine Erwiderung. Lieber senkte sie ihren Blick, der nun auf ihre Füße fiel und ein leichtes Schnauben entwich ihr. Es ließ den Halbelben zu ihr aufsehen. Schließlich verstand er. Wie sollte sie wohl mit verbundenen Händen aus dem zweiten Schuh heraus kommen?
Erneut hob Elrond, mit einem um Erlaubnis bittenden Blick, ihr Kleid an und drapierte es oberhalb von Celebríans Knie. Wieder streichelte er dabei sanft über ihre Haut. Dieses Mal war sie sich fast sicher, dass es kein Versehen gewesen sein konnte. Nun öffnete er auch diesen Schuh bedächtig, ließ sich dafür sehr viel Zeit. Es war fast, als würde er ein kostbares Geschenk öffnen. Ihr gefiel es zunehmend.

Fast seufzte Celebrían enttäuscht auf, als Elrond in seiner Tätigkeit aufhörte und ihr das Machwerk vom Fuß streifte. Doch er stand nicht sofort auf. Viel mehr massierte er nun den geschundenen und kalten Fuß, bis er nicht mehr schmerzte. Dabei wand er seinen Blick nicht von der jungen Frau ab.
Erst, als Celebrían ganz warm wurde, erhob sich Elrond endlich. Er deckte sie sorgfältig zu, ehe er aus der Tür trat. Noch einmal betrachtete er Celebrían eindringlich. Sein Blick fiel auf die Stiefel, die er fein säuberlich an das Ende des Bettes gestellt hatte. Ein leiser Laut drang aus Elronds Kehle, den Celebrían nicht einzuordnen wusste.

     „Mein Bruder ist nicht der einzige Halbelb, der die Schönheit von menschlichen Dingen erkennen kann, wenn sie an den richtigen Füßen zu finden sind.“

Mit diesen Worten, ohne auf die Erwiderung Celebríans zu warten, schloss er ihre Tür hinter sich, doch sie war sich sicher, dass sich gerade eine andere für sie geöffnet hatte.
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