McCormick's Grocery Store

von CThomas
GeschichteRomanze, Familie / P18
11.12.2015
05.01.2016
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Dieses Kapitel
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Diese Geschichte ist für Karin, die sie sich gewünscht und meiner Muse damit den letzten Schubs gegeben hat.


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„Nun … ähm“, sagte Matthew McCormick, nickte mit dem Kinn nach links und drehte den Hut in den Händen, „zu meinem Haus geht es hier entlang. Es ist nicht weit. Geben Sie mir doch Ihren Koffer, ich … ähm … ich trage ihn für Sie.“
Julianna nickte stumm, überreichte ihm ihren Koffer und folgte ihm die Hauptstraße entlang in Richtung Süden. Sie lief einen Schritt hinter ihm, weil sie gelernt hatte, dass sich das so gehörte. Ihr Blick war auf seine rechte Schulter gerichtet, auf die braune Jacke seines einfachen Anzuges. Matthew McCormick hatte nicht viel Geld, aber er hatte in den Briefen auch niemals das Gegenteil behauptet, was einen guten Eindruck auf sie gemacht hatte. Er hatte ein kleines Haus gekauft und sparte nun so viel wie möglich, um in ein paar Jahren ein Lebensmittelgeschäft eröffnen zu können. Seit dem Ende des Bürgerkrieges vier Monate zuvor schreinerte er Särge bei einem Bestatter. Matthew McCormick war 22 Jahre alt und ein hart arbeitender, gläubiger Katholik. Er mochte Truthahn und gestampfte Kartoffeln. Viel mehr wusste sie nicht über den Mann, mit dem sie seit einer Stunde verheiratet war. Aber sie würden sich kennenlernen und sich sicherlich gut verstehen, Julianna war da zuversichtlich. Bisher war sie mit jedem gut zurechtgekommen und Mr. McCormick machte einen anständigen Eindruck.
Ein Jahr zuvor hatte Reverend Fitzgerald seine Gemeinde in Fort Worth, zu der auch Julianna gehörte, verlassen müssen und war nach Austin gekommen. Der Reverend war ein fleißiger Briefeschreiber und stellte den Kontakt zwischen ein paar jungen, unverheirateten Männern in Austin und ledigen Frauen in seiner ehemaligen Gemeinde in Fort Worth her. Julianna hatte Matthew McCormick drei Briefe geschrieben, er hatte geantwortet und in seinem vierten Brief gefragt, ob sich Julianna vorstellen könne, Mrs. McCormick zu werden. Der Reverend unterstütze das und würde sie sehr gerne trauen. Julianna hatte zwei Wochen darüber nachgedacht und dann geantwortet. In Fort Worth gab es keinen passenden Verehrer und es sah auch nicht so aus, als würde sich das ändern. Das Leben in der Hauptstadt von Texas erschien ihr aufregender als in dem kleinen, verschlafenen Fort Worth, in dem sie vermutlich versauern würde. Die Reise nach Austin, 200 Meilen nach Süden, war recht schnell und problemlos gewesen, die Schönheit der Stadt hatte sie beeindruckt, als sie gegen vier Uhr am Nachmittag aus der Kutsche gestiegen war. Doch ein Bummel durch ihre neue Heimat hatte warten müssen. Sie war zu der Adresse gegangen, die ihr Reverend Fitzgerald gegeben hatte, hatte ihr Gepäck abgestellt, sich noch ein wenig hübsch gemacht und hatte dann, vor dem Traualtar, Matthew McCormick getroffen. Die Eheschließung war weniger feierlich als zweckmäßig gewesen, doch Julianna war froh, dass es wenigstens Reverend Fitzgerald war, der sie traute, an diesem kühlen, aber sonnigen 17. Dezember 1866. Das Weihnachtsfest in der nächsten Woche würde sie nun als verheiratete Frau begehen.
Sie blieb stehen, als Mr. McCormick stehenblieb und die Tür zu einem schmalen Haus öffnete, das aussah, als hätte man es in die Lücke zwischen die beiden deutlich größeren Nachbarhäuser gequetscht. Die Tür führte direkt in einen Raum, der, so schätzte Julianna, fast das gesamte Erdgeschoss einnahm – und vollkommen leer war.
„Ja“, murmelte Matthew, „also … das ist es. Hier möchte ich ein Geschäft für Lebensmittel eröffnen. Das Hinterzimmer könnte als Kontor und Lager dienen. Dort hinten ist ein kleiner Garten, in dem Sie vielleicht Gemüse anbauen sollten, Miss Imrie. Das wäre praktisch und es ist billiger als das Gemüse zu kaufen. Aber ich denke, das sehen wir uns morgen an. Sie sind sicher müde und erschöpft und es ist schon Zeit für das Abendessen.“
Wieder nickte sie nur und folgte ihm in das Hinterzimmer, von dem aus eine Treppe nach oben in die Wohnräume ging.
Er stieg die Stufen hinauf und hielt auf dem Treppenabsatz an. Eine schmale, geschlossene Tür ging von der kleinen Plattform ab und er murmelte: „Hier ist der Aborterker, Miss Imrie.“
Julianna nickte nur und war ausgesprochen dankbar, einen Abort im Haus zu haben. Ein Häuschen im Garten wäre nicht so komfortabel gewesen. Oben angekommen legte Matthew McCormick die Hand auf die Klinke der Wohnungstür und schaute über die Schulter: „Es ist nicht viel, wie gesagt. Und sehr klein. Ich hoffe, Sie sind nicht allzu enttäuscht.“
„Es ist größer als ich gedacht habe, Mr. McCormick“, lächelte Julianna und meinte auch, was sie sagte.  
„Oh, gut.“
Er öffnete und betrat den kurzen Flur, von dem zwei Türen abgingen, Julianna folgte ihm und betrachtete den halbdunklen, fast quadratischen Vorraum, in dem es nichts zu sehen gab außer zwei Haken an der Wand neben der Tür. An einen der Haken hängte Mr. McCormick seinen Hut und seine Jacke und deutete dann auf den zweiten Haken.
„Den habe ich heute Morgen noch schnell angebracht. Für Ihre Garderobe, Miss Imrie.“
„Das ist sehr nett, Mr. McCormick, vielen Dank“, antwortete Julianna und beeilte sich, ihren leichten Mantel auszuziehen und ihn an den extra für sie angebrachten Haken zu hängen.
Er nickte nur und schob ihren Koffer mit dem Fuß ein wenig zur Seite.
„Hier links ist die Küche, sie hat ein Fenster zur Straße. Die rechte Tür führt in das Schlafzimmer. Ich habe leider nur eines.“
Matthew McCormick öffnete die linke Tür und Julianna betrat ihr zukünftiges Reich. Die Küche war spartanisch möbliert, an dem kleinen Tisch standen drei Stühle. Julianna nickte anerkennend und schenkte ihrem Ehemann ein zaghaftes Lächeln.
„Es ist sehr hübsch. Ich denke, mir wird es hier gefallen.“
„Das freut mich sehr. Ich habe noch ein wenig Brot und Soße von gestern. Möchten Sie etwas essen?“
„Ja, sehr gerne, vielen Dank.“
Matthew entzündete das Licht und wärmte das Brot und die Soße auf dem Herd. Julianna nahm auf seine Aufforderung hin Platz und schaute sich noch ein wenig um, wobei es nun wirklich nicht viel zu sehen gab. Die Küche wirkte sauber und geräumiger als sie erwartet hatte. Es dauerte nur wenige Minuten bis Matthew zwei Schüsseln mit Soße und eine Platte mit dem angewärmten Brot auf den Tisch stellte. Er setzte sich, schlug das Kreuzzeichen, faltete die Hände zum Gebet und sagte leise: „Wir danken dir, Herr, denn Du bist freundlich und Deine Güte währet ewiglich. Amen.“
„Amen“, wiederholte Julianna und bekreuzigte sich ebenfalls.
„Guten Appetit“, sagte Matthew und zum ersten Mal rang er sich ein Lächeln ab.
Sie aßen ungefähr zwei Minuten schweigend, dann legte Matthew sein Brot auf den Tisch und sagte: „Ich hoffe, es schmeckt Ihnen, Miss Imrie.“
„Danke, es ist sehr gut. Mr. McCormick, darf ich mir eine Bemerkung erlauben?“
„Ja, natürlich.“
„Eigentlich müssten Sie Mrs. McCormick zu mir sagen. Aber vielleicht könnten Sie mich auch Julianna nennen? Wir sind verheiratet und ich denke, es ist nicht ungebührlich, sich mit dem Vornamen anzusprechen, zumindest solange wir alleine sind.“
Matthew McCormick hob den Blick von seinem Teller und dieses Mal sah er sie wirklich an. Nachdenklich und lange. So, als würde ihm gerade bewusst, dass er den Rest seines Lebens mit ihr verbringen würde. Sein heller Vollbart war kurz geschnitten, akkurat gestutzt und die Haare der derzeitigen Mode entsprechend ein wenig länger und nach hinten gekämmt. Matthew McCormick hatte blaue Augen und kräftige Arme, breite Schultern und war trotz seiner nur durchschnittlichen Körpergröße ein stattlicher Mann. Wie so viele hatte auch ihn der Krieg altern lassen, so dass er älter aussah als die 22 Jahre, die er zählte. Das alles nahm Julianna wahr, während Matthew offenbar überlegte, was er antworten sollte.
„Nein, da haben Sie wohl recht, Mrs. McCormick. Julianna. Ich … ähm … heiße Matthew. Aber das … wissen Sie vermutlich schon. Bitte sagen Sie doch Matthew zu mir.“
Sie lächelte und nahm sich eine Scheibe Brot. Diese ganze Situation war seltsam und gänzlich neu, unbekanntes Gelände. Sie waren beide noch nie verheiratet gewesen und hatten beide ihre Eltern  früh verloren. Es mangelte ihnen ganz eindeutig an praktischer Erfahrung und Vorbildern. Julianna hatte tatsächlich keine Ahnung, wie Eheleute miteinander sprachen oder umgingen, wenn sie alleine waren. Und Mr. McCormick wusste das offenbar auch nicht. Sie würden also selbst einen Weg finden müssen, mit dem sie beide leben konnten und der ebenso angemessen wie gottgefällig war. Noch waren sie zwei völlig Fremde, die auf ewig miteinander verbunden waren. Das hieß: Sie hatten Zeit, sich vorsichtig einander zu nähern.
Nach dem Essen übernahm Julianna zum ersten Mal ihre Pflichten und spülte die beiden Schüsseln und den Topf, räumte ein wenig auf und kehrte die Brotkrumen auf dem Boden zusammen. Matthew saß am Tisch und starrte an die Wand. Es war bereits dunkel und er erhob sich, als Julianna den Besen in die Ecke stellte.
„Wir sollten zu Bett gehen. Es ist spät und Sie sind sicher müde von der langen Reise“, sagte er und ging zur Küchentür, hielt sie ihr auf. „Ich warte hier, bis Sie fertig sind.“
„Danke“, antwortete sie, entzündete eine Lampe und nahm sie in die linke Hand, „ich werde Sie rufen.“
Er nickte und starrte auf seine Füße, während Julianna ihren Koffer vom Boden hochnahm und durch die zweite Tür in das Schlafzimmer ging. Das Bett war unzweifelhaft neu und sie nahm an, dass er es selbst gebaut hatte, vielleicht aus Holz, dass er dem Bestatter günstig abgekauft hatte. Die Bretter waren roh und noch ganz hell, dafür war der Schrank schon älter, genau wie der Waschtisch. Das Zimmer war groß genug, um noch eine Wiege und ein Kinderbettchen aufzunehmen und Julianna fragte sich, ob sie die Wiege im nächsten Herbst bereits brauchen würde. Sie schob den Gedanken zur Seite und packte ihren Koffer aus, sortierte ihre wenigen Kleider in den Schrank – aufbügeln würde sie die Sachen am nächsten Tag. Dann verließ sie für ein paar Minuten die Wohnung und ging zum Abort auf dem Treppenabsatz. Zurück im Schlafzimmer schnürte sie ihre Stiefel auf, schlüpfte aus Kleid und Unterkleid und hängte alles ordentlich über einen Bügel an der Außenseite des Schrankes. Für ein Korsett hatte Julianna kein Geld und musste deswegen mit ihrer naturgegebenen Figur leben. Einen Spiegel gab es im Schlafzimmer nicht und sie verschwendete keine Zeit mit einem Bad in Selbstzweifeln. Immerhin hatte sie jetzt einen Ehemann und er schien nett zu sein. Alles Weitere würde sich finden. Sie nahm ein Nachthemd und zog es sich über, ging zum Waschtisch und wusch sich Gesicht und Hände. Das Handtuch, das neben der Schüssel lag, war aus grobem Stoff und sehr rau, aber es sah sauber aus. Sie löste ihre Frisur und bürstete sich die Haare, flocht sich dann für die Nacht einen Zopf, der bis zur Taille reichte. Julianna war so blond wie ein Straßenköter und zu ihrem Entsetzen fanden sich bereits die ersten grauen Haare auf ihrem Kopf, dabei war sie doch erst 20 Jahre alt.
„Mr. McCormick?“, rief sie, „Matthew? Ich bin fertig.“
Sie setzte sich auf die Bettkante, ans Fußende in die Mitte, da sie nicht wusste, auf welcher Seite sie schlafen sollte. Ihre Hände legte sie züchtig in den Schoß und blickte sie starr an, auch dann, als Matthew ins Schlafzimmer kam.
„Soll ich draußen warten?“, fragte sie und er schüttelte den Kopf: „Nein, nein, nicht nötig.“
Er zog sich aus, nutzte die Tür des Kleiderschrankes als Sichtschutz und streifte sich ein Nachtgewand über, bevor er sich ebenfalls ein wenig frisch machte. Dann setzte er sich neben sie und atmete tief ein.
„Julianna“, flüsterte er und sie hob den Kopf, blickte ihn an: „Ja, Mr. McCormick? Uhm, Matthew?“
„Sie sehen sehr hübsch aus, Mrs. McCormick.“
„Danke sehr.“ Julianna spürte, dass sie rot wurde und flüsterte: „Sie auch, Sir.“
Er hob die Hand zur der Schleife, die ihr Nachthemd am Hals zusammenhielt, und flüsterte: „Darf ich, Julianna?“
„Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich vorher unter die Decke schlüpfen würde?“
„Nein. Natürlich nicht.“
Matthew stand auf und deutete auf die linke Betthälfte.
„Danke“, murmelte sie und legte sich hin, deckte sich zu und schluckte schwer.
Er legte sich auf die andere Seite des Bettes und rutschte näher, zog ihr langsam die Schleife auf und entblößte ein kleines Stückchen Haut, nicht mehr, als er im Ausschnitt ihres Reisekleides sowieso schon gesehen hatte.
„Ich weiß nicht, wie man darüber spricht, ohne ungehörig zu sein, aber …“, Julianna brach ab und zuckte hilflos mit den Schultern.
„Ich auch nicht“, bekannte Matthew. „Aber sagen Sie ruhig, was Sie auf dem Herzen haben. Ich werde es Ihnen nicht übel nehmen.“
„Eigentlich weiß ich nicht, was heute Nacht passieren wird, nicht genau. Darf ich fragen, ob Sie schon einmal …?“
Matthew schüttelte den Kopf und sie fragte sich, ob das eine Verneinung ihrer Frage war oder eine Warnung, dass diese Frage nun doch zutiefst unangebracht und ungehörig war.
„Darf ich Sie um Geduld mit mir bitten? Und um Zärtlichkeit, sofern es Sie nicht stört?“
„Ja“, wisperte er, öffnete die Knopfleiste ihres Nachthemdes, schlug den Stoff zur Seite und zog die Decke weg, betrachtete ihre Brüste.
Sie schloss die Augen, als sie fühlte, wie eine raue, harte Handfläche auf ihrer Brust abgelegt wurde. Er rutschte näher an sie heran und seine Lippen trafen auf ihre. Sein Kuss war unbeholfen und zögerlich und sie atmete tief ein. Matthew öffnete das Nachthemd noch ein Stück weiter und streichelte über ihre Brust, runzelte die Stirn, als ihre Brustwarzen hart wurden.
„Gefalle ich Ihnen, Matthew?“, fragte sie leise und hoffte inständig, dass die Antwort positiv ausfallen würde.
„Ja, das tun Sie. Bitte, ziehen Sie doch das Nachthemd aus. Ich würde Sie gerne betrachten.“
„Natürlich, Sir.“
„Matthew. Das sollte wirklich reichen.“ Er lächelte ein kleines bisschen und Julianna fühlte sich sofort ein wenig besser.
Sie setzte sich auf und zog sich das Hemd über den Kopf, bedeckte dann ihre Blöße mit den Händen, die sie an den Handgelenken über dem Brustbein überkreuzte.
„Bitte“, flüsterte er und legte seine Hand auf ihren Unterarm, drückte ihre Hände sanft nach unten.
Er setzte sich auf und schob die Decke noch weiter weg, so dass er sie vollständig betrachten konnte. Matthew atmete tief durch den Mund und sah sie an, regungslos, vielleicht eine halbe Minute. Dann rieb er sich mit dem Handballen über den Schritt und fragte: „Würden Sie mich bitte entkleiden, Julianna?“
Sie nickte langsam und begann vorsichtig sein Hemd aufzuknöpfen, zog es ihm über den Kopf und betrachtete zum ersten Mal in ihrem Leben völlig offen eine Männerbrust. Von den Schlüsselbeinen bis hinunter zu seinen Lenden zog sich die dunkelblonde bis bronzefarbene Behaarung, die auch auf seinen Unterarmen und seinen Beinen zu sehen war.
Matthew drehte sich von ihr weg und löschte die Lampe, tastete dann im Dunkeln nach ihr und küsste sie noch einmal, diesmal ein wenig länger und ein bisschen sanfter.
„Was wissen Sie von der ehelichen Vereinigung, Julianna?“, fragte er leise und streichelte über ihre Wange.
„Mein Vormund sagte, ich möge tun, was immer Sie verlangen, weil es nun einmal zu meinen Pflichten als Ehefrau gehört, Ihnen dieses Vergnügen zu schenken. Und die Nachkommen, die daraus, so Gott will, entstehen werden, natürlich auch. Ich darf mich weder beschweren noch mich verweigern, denn das tut eine anständige Frau nicht, genauso wenig wie eine ehrbare Frau ihren Mann bitten darf, ihr beizuliegen. Der Vollzug der Ehe ist alleine Sache des Mannes und ich habe es ihm zu gestatten. Mehr weiß ich nicht.“
„Das haben Sie sehr schön gesagt. Bitte, legen Sie sich doch hin“, flüsterte er und schob sich über sie, kaum, dass sie lag.
Sie spürte seine Hände auf ihren Brüsten und seine Lippen auf ihren. Julianna hatte keine Ahnung, was sie tun sollte und beschloss, dass Nichtstun vermutlich am besten war. Damit machte man am wenigsten falsch. Sie keuchte entsetzt auf, als sie Matthews Hand zwischen ihren Beinen spürte, sein vorsichtiges Tasten, suchend, prüfend, peinlich und unangenehm.
„Ich weiß selbst nicht viel darüber“, flüsterte er an ihrem Ohr, „aber man sagt, es würde der Frau wehtun. Sie haben das vermutlich auch schon einmal gehört.“
„Ja“, antwortete sie, bemüht, ihre Stimme tapfer klingen zu lassen.
„Ich bete zu Gott, dass ich Ihnen keine Schmerzen bereite, Julianna. Sollte es doch so sein, so möchte ich, dass Sie wissen, dass es mir sehr leid tut. Ich würde Ihnen niemals böswillig Schaden zufügen.“
„Danke, Matthew“, flüsterte sie und fühlte ihren ganzen, mühsam gesammelten Mut schwinden, als er begann sich in sie hineinzudrücken.
Ihre Hände krampften sich in das Bettlaken und sie biss die Zähne zusammen, unterdrückte das schmerzgeplagte Wimmern so gut es ging.
„Jesus Christus“, keuchte Matthew und hielt ganz still, so dass sich Julianna ein paar Sekunden entspannen konnte. „Tue ich Ihnen weh, Julianna?“
„Nur … nur ein bisschen“, quetschte sie hervor, weil sie eine gute Ehefrau sein wollte.
Sie war dankbar für die Finsternis, die sie umgab, die verhinderte, dass Matthew sah, welche Schmerzen sie litt. Die Augen zusammengekniffen sprach sie stumm ein Gebet, versuchte, ganz in den Worten zu versinken, den Schmerz in ihrer Mitte auszublenden, die unangenehmen Stöße, die ihren Körper erschütterten. Weder sie noch Matthew machten auch nur ein winziges Geräusch, einzig und alleine der Bettrahmen quietschte ganz leise im Rhythmus seiner Stöße. Es war ein sehr eigentümliches Gefühl, nackt in völliger Finsternis und Stille unter einem ebenso nackten Mann zu liegen, der sich unnachgiebig in ihr Innerstes bohrte. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die nur wenige Minuten gedauert haben konnte, erstarrte Matthew über ihr und gab einen erstickten Laut von sich. Der Schmerz ließ nach und Julianna atmete tief ein, rang fast schon nach Luft, weil sie so lange nicht geatmet hatte. Sie merkte, wie er sanft aus ihr hinausglitt, spürte eine ungewohnte Feuchtigkeit zwischen den Beinen und vermutete, dass es sein Samen war. Sie tastete nach dem Nachthemd und schlüpfte hinein, merkte, dass er seine Blöße ebenfalls wieder bedeckte.
„Vielen Dank, Julianna“, flüsterte er und legte sich auf seine Betthälfte. „Das war viel schöner, als ich mir vorgestellt hatte.“
Sie zuckte zusammen, als er nach ihrer Hand griff und ihre Finger miteinander verschränkte. Julianna schwieg und schloss die Augen. Vielleicht war es nur beim ersten Mal so furchtbar schmerzhaft. Immerhin war sie nun keine Jungfrau mehr und es wäre nur logisch, dass es schrecklich wehtat, die hochgepriesene Jungfräulichkeit zu verlieren. Zur Strafe.
„Hat es Ihnen denn wehgetan?“, fragte sie leise nach ein paar Sekunden, weil sie wissen wollte, ob ihrem Mann der Verlust der Unberührtheit ebensolche Schmerzen bereitet hatte wie ihr.
Sie ging fest davon aus, dass er noch nie bei einer Frau gelegen hatte, die Dinge, die er gesagt hatte, sprachen dafür. Das bedeutete, dass sein Kopfschütteln vorhin wohl doch die direkte Verneinung ihrer Frage gewesen war.
„Nein. Überhaupt nicht. Für mich war es sehr schön, sehr befriedigend, wie gesagt.“
„Dann bin ich beruhigt, Matthew. So soll es sein“, erklärte Julianna leise und fragte sich, ob sie diese Lüge würde beichten müssen.
Musste sie überhaupt beichten, was in dieser Nacht geschehen war? Nein. Sie war verheiratet und sie hatten die Ehe gottgefällig vollzogen, da war sie sich ganz sicher.
„Ja, vermutlich. Möchten Sie noch ein Nachtgebet sprechen?“
„Sehr gerne“, flüsterte sie und sagte ihr übliches Nachtgebet auf, fühlte mehr als sie es wusste, dass er sich am Ende gemeinsam mit ihr bekreuzigte.
„Amen. Schlafen Sie gut, Julianna.“
„Danke, Matthew. Sie auch.“
Zu ihrem Erstaunen ließ er ihre Hand nicht los, hatte sie während des Gebetes nicht losgelassen und tat es auch jetzt nicht. Noch mehr erstaunte sie, dass es sie seltsam beruhigte, diese warme, feste Hand zu spüren, die sich um ihre schloss. Obwohl sie immer noch völlig Fremde waren.
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