Weihnachtsball

von RoseDemon
KurzgeschichteRomanze / P12
Artemis Fowl OC (Own Character)
06.12.2015
06.12.2015
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A/N:
Ursprünglich für Valentinstag gedacht, jedoch nicht rechtzeitig fertig geworden, kommt es jetzt stattdessen zum Nikolaus. xD
Ich wünsche noch viel Spaß und einen schönen 2. Advent!



Ich zuckte zusammen, als ich meinen Namen hörte. Als ich meinen Blick vom Fenster abwandte und statt dessen der Person vor meinem Tisch zu, wurde ich regelrecht mit Blicken durchbohrt. Ups. Da war ich mal wieder in einen Tagtraum versunken und habe natürlich nicht mitgekriegt, dass mich Miss Lees etwas gefragt hat.
Die ganze Klasse starrte mich an.
»Ja?«, wagte ich es etwas zu sagen. »Würdest du deine Antwort zu den Hausaufgaben an die Tafel schreiben und uns erklären wie du auf das Ergebnis gekommen bist?«, erwiderte sie freundlich aber auch tadelnd, und obwohl sie es wie eine Frage formuliert hatte, wusste jeder, dass es eher einem Befehl gleich kam.
Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe. Wir hatten Hausaufgaben? Muss ich wohl vergessen haben. Sie warf mir einen verstehenden Blick zu, bevor sie sich an den Rest der Klasse wandte. »Hat sonst irgendjemand die Hausaufgaben verstanden oder gar erst versucht zu machen?«
Niemand meldete sich. Natürlich nicht. Weihnachten war nicht mehr lange hin und der jährliche Ball stand bevor. Jedes Mädchen hatte ihren Kopf voll mit Fragen. Was sollten sie anziehen? Oder wer würde sie wohl noch fragen mit ihm zu gehen? Und die Jungs hatten generell aufgegeben ihre Hausaufgaben zu machen, außer einem. Aber ihm wollte niemand mehr zuhören. Er war ihnen zu arrogant.
Eigentlich interessierte ich mich nicht für derartige Dinge wie ein Schulball, doch meine fehlende Konzentration lies keinen Zweifel. Ich wollte dieses Jahr auch dorthin gehen. Und ich wusste auch genau mit wem.
Doch, dass er mich fragen würde war in etwa so wahrscheinlich wie das Auslöschen der Menschheit durch Himbeeren.
Ich seufzte.
Ein prickelndes Gefühl durchflutete meinen Körper. Miss Lees hatte nun angefangen die Aufgaben an der Tafel zu lösen und der Großteil der Klasse starrte nun verständnislos an die Tafel, doch ich spürte seinen Blick immer noch auf mir. Ich wagte es kaum mich umzudrehen. Artemis Fowl saß in der hintersten Reihe. Sein Blick war fragend und irgendwie verwirrt.
Natürlich. Das wäre ich auch. Ich bin eigentlich recht gut in Mathe, oder zumindest besser als der Rest der Klasse, und ich machte immer meine Hausaufgaben, weshalb es zu 80% ich war, die bei deren Korrektur den anderen Schülern meine Lösungswege erläutern musste.
Ich zwang mich meinen Blick der Tafel zuzuwenden, um nicht in diesen blauen Augen zu versinken.
Zudem musste ich wirklich den Eindruck erweckt haben aufzupassen, denn Miss Lees Stimme riss mich erneut aus meinen Gedanken. Verständnislos und vollkommen ahnungslos was sie nun von mir wollte starrte ich sie an.
Sie seufzte. »Ein Wort nach dem Unterricht bitte, Tina.« Aha. Und weswegen? Weil ich mich ausnahmsweise wie die restliche weibliche Schülerschaft benahm?
Wenig später klingelte es. Ich ließ mir beim einpacken meiner Sachen zeit, musste ja sowieso warten bis alle das Klassenzimmer verlassen hatten.
Meine Lehrerin setzte sich auf den Tisch vor meinem und schaute mich wissend an. Aber wieso wissend? Was glaubte sie denn zu wissen? Da setzte sie auch schon zu einer Erklärung an. »Ich lass es dir jetzt mal durchgehen so abwesend zu sein, aber nach dem Wochenende erwarte ich, dass du deine Konzentration zurück erlangt hast. Auf irgendjemanden muss ich mich ja verlassen können.« Sie warf einen vielsagenden Blick zur Tür.
Er ging gerade an dem Zimmer vorbei.
Mein Atem stockte. Mein Blick klebte immer noch an der Stelle, obwohl er schon längst nicht mehr dort war.
Ein leises Lachen löste mich aus meiner Starre. Ich löste meinen Blick von der Tür und richtete ihn statt dessen auf Miss Lees während ich versuchte das Aufleuchten meiner Wangen zu unterdrücken... vergeblich.
Ein breites Lächeln zierte die Lippen meiner Lehrerin. »Nun geh schon.« Einen Moment starrte ich sie an, dann packte ich meine Tasche und verschwand aus dem Klassenzimmer.
Wieso war er eigentlich nochmal hier gewesen? Es war die letzte Stunde, es gab keinen Grund weshalb er hätte zurück kommen sollen.
Ich ging den Flur entlang, die Treppe hinunter und einen weiteren Flur entlang zum Haupteingang. In meine Gedanken vertieft öffnete ich wie automatisch die Tür... und lief geradewegs in eine Person.
Ich trat einen Schritt zurück. »Entschuldigung.« Nicht sicher ob er das leise gemurmelte Wort überhaupt gehört hat, senkte ich meinen Blick und betrachtete meine Füße. Er hatte sich inzwischen umgedreht. Nun geh schon. Miss Lees Worte wirbelten in meinem Kopf herum. Sollte ich es wirklich wagen jetzt den Ball zu erwähnen? Ich öffnete den Mund ohne recht zu wissen was ich denn zu sagen gedachte.
Ich kam gar nicht dazu etwas zu sagen. Die Tür schwang zu und schob mich, da ich wieder im Rahmen stand, einfach nach vorne. Dieser plötzliche Stoß ließ mich nach vorne stolpern. Direkt gegen seine Brust.
Seine Nähe vernebelte mein Denkvermögen. Auf den Gedanken, wieder zurückzutreten kam ich gar nicht. Bis er seine Hände auf meine Schultern legte und mich sanft von sich schob. Blut schoss in meine Wangen und ließ diese noch stärker aufleuchten.
Ich konnte meinen Blick nicht von ihm abwenden. Ein seltenes Lächeln zierte seine Lippen. »Du solltest dich beeilen, sonst verpasst du deinen Bus.« Wa..? Ach ja. Der Schulbus, der mich kostenlos nach Hause brachte, würde bald los fahren und ich hatte kein Geld um mit dem normalen Bus zu fahren. Ich sollte mich vielleicht tatsächlich beeilen. Allerdings kam es nicht oft vor dass er irgendjemanden so anlächelte. Ich sollte diese Gelegenheit nutzen. Wofür denn nutzen? Du traust dich doch sowieso nicht, ihn zu fragen.
»Ähm...«, stammelte ich sinn frei vor mich hin. Ach ich hasste es wenn die Stimme in meinem Kopf recht hatte! »Ich sollte gehen.«
Mir entging das leichte Zucken seiner Mundwinkel nicht. War dass etwa seine Art mich auszulachen? Ich schüttelte meinen Kopf, um den Gedanken loszuwerden, sonst würde ich hier noch verglühen.
Ich zwang mich meinen Blick von ihm abzuwenden und statt dessen auf die Bushaltestelle zu richten, nur um gerade noch mitzukriegen wie mein Bus um die Ecke bog.
Innerlich fluchend begann ich in meiner Tasche nach meinem Handy zu suchen. Ich war wohl die einzige Person an dieser Schule, die es nicht dauerhaft griffbereit oder gar an hatte. Als ich es schließlich aus meiner Tasche zog und auf das Display blickte, stockte ich.
Akku leer.
Na wunderbar. Jetzt konnte ich also nach Hause laufen. Oder, meine Aufmerksamkeit schwang zurück zu Artemis, ich könnte ihn fragen.
Er stand immer noch vor mir und zog nun fragend eine Augenbraue hoch. »Ähm«, begann ich erneut. Ich schluckte. Wieso mutierte ich in seiner Gegenwart eigentlich immer zu diesem absolut schüchternen Mädchen, das vergessen hat wie man spricht? Ich war sonst nicht so! »Könnte ich...« Mein viel zu hoher Tonfall trieb mir erneut das Blut in die Wangen. Ich schluckte erneut und begann von vorne. »Könnte ich vielleicht kurz dein Handy ausleihen? Mein Akku ist leer.« Schweigend wartete ich auf eine Antwort.
Diese kam praktisch sofort, in einem, mir vor das Gesicht gehaltene, Telefon. »Danke.«
Meine Güte, was war heute mit meiner Stimme los? Zuerst ein viel zu hohes Quieken und nun ein kaum zu hörendes Flüstern.
Ich wählte die Handynummer meiner Mutter, ein Festnetztelefon hatten wir nicht.
Anrufbeantworter.
Ich stöhnte genervt auf. Wie viel Pech konnte man eigentlich an einem Tag haben? Es hat wohl irgendeinen Notfall gegeben, der meine Mutter ins Krankenhaus gerufen hatte.
Sie war Ärztin, da kam das öfter vor. Ich legte auf und gab ihm sein Handy zurück. Meinen Vater anzurufen wäre auch nutzlos gewesen. Seit der Scheidung meiner Eltern lebte er in London. Also würde ich wohl doch zu Fuß gehen müssen.
Artemis musterte mich fragend. Doch was hätte ich sagen sollen? Ich schaffte es ja kaum in seiner Gegenwart einen sinnvollen Satz zustande zubringen. »Danke, nochmals«, murmelte ich und hatte mich schon von ihm abgewandt, als seine Stimme mich zurück hielt. »Was hast du jetzt vor?« Ich seufzte. »Ich werde wohl einen schönen, langen Spaziergang unternehmen.« Ja genau. Schön lang. Zu lang.
Vielleicht könnte ich zum Krankenhaus gehen und dort meine Hausaufgaben machen, während ich auf meine Mutter wartete und dann mit ihr nach hause fahren. Allerdings könnte das noch Stunden dauern.
»Du willst den ganzen Weg zu fuß gehen?« »Mir bleibt wohl nichts anderes übrig.« Bildete ich mir das jetzt ein, oder wirkte er verlegen? »Ich könnte dich fahren.«
Mein Herz setzte einen Schlag aus, nur um dann umso heftiger in meiner Brust umher zu springen. »Ähm... Ich möchte nicht zur Last fallen. Ich kann genau so gut gehen.«
»Du fällst nicht zur Last. Außerdem kannst du nicht ernsthaft in Erwägung ziehen bei diesem Wetter mit diesen Temperaturen zu Fuß zu gehen.« Meine Knie drohten nachzugeben unter seinem Blick. Und diese schwere Schultasche war auch nicht hilfreich!
Er packte mein Handgelenk und zog mich hinter sich her über den Schulhof, durch das Tor und zu einem wartenden Auto. Er öffnete mir die hintere Tür und stieg dann nach mir ein. »Wir halten zuerst noch in der Rosenalle 24«, sagte er zum Fahrer.
Verwirrt runzelte ich meine Stirn. Woher kannte er denn meine Adresse? Doch das wurde sofort nebensächlich, als er sich mit diesem umwerfenden Lächeln wieder an mich wandte. Mir stockte der Atem.
Ich musste meinen Blick abwenden, sonst würde ich noch irgendeine dumme Bemerkung von mir geben. Sein Blick dagegen schien mich nicht für eine Sekunde zu verlassen.
»Sag mal, warum warst du heute mit deinen Gedanken so abwesend?«
Ich erstarrte. Mir hätte klar sein müssen, dass er fragen würde, auch wenn es mich etwas überraschte, dass es ihn wirklich zu interessieren schien.
»Na ja, also...« Nervös richtete ich meinen Blick auf meine Hände. Ich war mir nicht sicher ob ich es ihm sagen wollte. Er war nicht die Person, die auf einen Schulball ging. Aber immerhin brachte er mich nach Hause. Ich schuldete ihm eine Antwort.
»Ich hab über den Weihnachtsball nachgedacht.«
»Du würdest gerne hingehen?«
Etwas in seiner Stimme, das ich nicht ganz deuten konnte, lies mich aufblicken. »Nun... wenn mich die richtige Person fragen würde, dann ja.« Wieso versuchte ich eigentlich immer wieder das aufleuchten meiner Wangen zu unterdrücken? Es gelang mir doch sowieso nie.
Ich konnte in seinen Augen sehen, dass er noch etwas fragen wollte, war mir fast sicher zu wissen was es war und dass ich nicht antworten wollte. Was er dann aber tatsächlich sagte war mir nicht ein mal in den Sinn gekommen.
»Die richtige Person also. Und die wäre nicht zufällig ich?«
Ich war sprachlos. Worauf wollte er hinaus? War das seine Art mich zu fragen ob ich mit ihm auf den Ball gehen wollte? Aber diese Möglichkeit wirkte so surreal. Es war immer hin Artemis hier neben mir.
Zum ersten Mal, seit wir in das Auto eingestiegen waren, wandte er seinen Blick ab, verfolgte wie einzelne Regentropfen über die Fensterscheibe liefen.
»Meine Mutter lässt sich nicht ausreden, dass ich dieses Jahr hin gehen soll. Sie gibt es einfach nicht auf sehen zu wollen, wie ich etwas mache, dass ‘normale’ Teenager machen würden. Sie ging sogar so weit sich zum Geburtstag zu wünschen, dass ich mindestens auf einen Ball dieses Jahr gehen werde. Und das Jahr ist bald zu ende.«
Ich war mir inzwischen fast sicher, dass er mich fragte, mit ihm auf den Ball zu gehen. Doch was bedeutete das wenn er es nur tat, weil seine Mutter ihn sonst nicht in ruhe ließ?
Mein Herz hatte vor meinem Gehirn eine Antwort gefunden.
Es hieß, dass ihm seine Mutter wichtig war und dass er, selbst wenn es gar nicht zu ihm passte und er es nicht wollte, doch einiges tun würde um sie glücklich zu machen.
Ich konnte das liebevolle Lächeln nicht unterdrücken. Wenn sich mein Herz vorher nach ihm gesehnt hatte, so war es jetzt vollkommen an ihn verloren.
»Und was genau willst du damit sagen?«
Er musste die Zuneigung in meiner Stimme gehört haben. Es war nicht zu überhören. Und doch schien er nervös, als die nächsten Worte seine Lippen verließen.
»Wenn ich schon gehen muss, dann will ich mit einer Person gehen die mir wichtig ist.«
Mein Herz raste und mein Lächeln war wie festgewachsen. Ich war ihm also wichtig. Ich wusste worauf er hinaus wollte, merkte, dass er sich unwohl fühlte bei diesem Thema. Ich hätte ihm einfach meine Antwort sagen können... aber ich wollte, musste die Worte aus seinem Mund hören.
Er wandte sich wieder mir zu. Diese kristallklaren blauen Augen hatten mich sofort in ihren Bann gezogen. »Würdest du mit mir hingehen?«
Da waren sie. Die Worte. Ich griff nach seiner Hand, verschränkte meine Finger mit seinen. Ohne das zutun meines Gehirns hatte ich mich vorgebeugt und hauchte einen zarten Kuss auf seine Lippen. Die Gefühle in mir wurden einfach zu stark um sie noch bändigen zu können.
»Ich nehme das mal als Ja.« Ein kleines Lächeln schlich sich auf seine Lippen während er ebenfalls sanft mein Hand drückte.
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