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KHNH - Alternatives Ende - Stay here with me

Kurzbeschreibung
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Kal Ho Naa Ho
05.12.2015
05.12.2015
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1.813
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Naina hielt es nicht mehr aus, der Liebe ihres Lebens beim Sterben zuzusehen, stand ruckartig auf und wollte panisch aus dem Raum flüchten, kam aber nicht weiter, als bis zum Türrahmen. Ihre Fingerknöchel färbten die Haut darüber weißgelb, während sie sich verzweifelt mit der Hand am Türrahmen festklammerte, als könnte dieser ihr Halt geben.
"Naina ...", hörte sie Amans mittlerweile kratzige Stimme. Es war kaum mehr als ein Flüstern, das er mit letztlich vorhandener Kraft noch herausbrachte.
Naina war am Ende mit den Nerven. Sie wünschte sich, dass dies nur ein blöder Albtraum war, aus dem sie jede Sekunde erwachen konnte. Sie wollte im gemeinsamen Ehebett aufwachen, sich an ihren geliebten Aman schmiegen, seinen Duft tief einatmen und einfach nur die Nähe genießen. Stattdessen sollte sie auf all dies verzichten und morgens mit halbwegs schlechtem Gewissen in das vertraute Gesicht eines Ersatzehemannes sehen, der sie mehr liebte, als sie ihn je lieben könnte. Das Leben war so ungerecht!
Und das wiederum machte sie unglaublich wütend.
Verletzt und zornig zugleich ballte sie ihre Hände zu Fäusten und stieß ihre Fingernägel in ihre Handflächen,
um mit physischem Schmerz den psychischen zu übertrumpfen. Doch die Tränen flossen stetig weiter.
"Nein. Sag mir ... dass das hier ein Traum ist. Ein Albtraum. Ja, es ... es muss ein Albtraum sein.
Sag ... sag mir, dass das nicht wahr ist, dass das hier nicht die Wirklichkeit ist, Aman ..."
Bei Erwähnung seines Namens begann sie, noch heftiger zu schluchzen als zuvor und schlug verzweifelt mit den Fäusten auf die kahle Wand ein.
"Wieso?!", schrie sie gen Wand. Wie konnte die Welt nur so ungerecht sein?
Als sie fast keine Kraft mehr hatte, legte sie ihre Stirn an die weiße Krankenhauswand, stützte sich mit Fäusten und Unterarmen ab und flüsterte verzweifelt: "Aman ... wieso, Aman ... wieso passiert uns das nur ..?"
Stille Tränen rannen ihr übers Gesicht.
Rohit und Aman wechselten einen besorgten Blick, Aman nickte Rohit zu und dieser lief auf Naina zu, um sie zu beruhigen.
Aman betrachtete, wie Rohit langsam auf sie zu lief, seine Hände sanft nach ihren Schultern griffen und er mit ruhiger Stimme ihren Namen sagte.
"Naina, beruhig dich ... komm her." Vorsichtig drehte Rohit seine Frau zu sich herum und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht. Ihre Augen waren glasig vor Trauer und Unverständnis. Die Wangen waren rot, das restliche Gesicht blass.
Hilflos stand sie vor ihm und sah ihn hoffnungsvoll an, als hätte er eine Lösung, einen Umweg gefunden, seinen besten Freund länger am Leben zu erhalten. Doch das hatte er nicht. Er konnte es nicht. Niemand konnte es. Ihr Blick war leer, doch sie versuchte, sich dankend ein falsches Lächeln abzuringen und klammerte sich an ihn.
Naina vergrub ihren Kopf an Rohits Brust und versank in seiner tröstenden Umarmung,
während einsame Tränen ihre Wangen hinunterflossen und auf seinen Pullover tropften.
Nur leise schluchzte sie, doch er hörte es. "Shh ... shh ...", machte er beruhigend und strich ihr routiniert mit der Hand über den Rücken.
Aman kamen fast die Tränen. Er wollte das doch nicht. Sie sollte nicht so leiden. Seine geliebte Naina sollte diese Qualen nicht ertragen müssen. Das was er versucht hatte, zu verhindern, war nun doch eingetreten. Sie war mit den Nerven am Ende und es war - mehr oder weniger - seine Schuld. Ungerechtes Universum!, klagte er stumm. Doch trotz aller Traurigkeit, schaffte er es noch, die Tränen zurückzuhalten.
Naina hatte die Augen inzwischen geschlossen. Sie konzentrierte sich auf die beruhigende Handbewegung auf ihrem Rücken und unterbewusst schlich sich die Vorstellung in ihr Gehirn, dass die Hand auf ihrem Rücken Amans warme, zarte Hand war, die sie dort sanft berührte und verführerisch die nackte Haut ihres Rückens entlangfuhr. Leise seufzend versank sie in ihrem Tagtraum, genoss die Berührung immer mehr und kuschelte sich regelrecht in die Umarmung, während Wärme sie leicht durchströmte. Naina hatte bereits ihren Kopf an seiner Brust vergraben und war drauf und dran, die braune Haut zwischen Hals und Brust zu küssen, als sie die Stimme eines anderen hörte und die Illusion wie eine Seifenblase zerplatzte und zu Boden fiel. "Shh ... nimm deine Kraft zusammen und schenke Aman einen letzten Augenblick mit der Liebe seines Lebens. Du kannst das. Ich weiß, dass du die Kraft hast, Naina. Du schaffst das. Hörst du?"
Ein leichtes Lächeln lag auf Amans Lippen, als er die verheirateten besten Freunde beobachtete. Er wusste, dass Rohit genau die richtige Wahl für Naina gewesen war. Zumindest in diesem Leben. Natürlich liebte Aman Naina auch nach all der Zeit und all den Geschehnissen noch. Das würde er immer. Doch er war froh zu wissen, dass es einen Menschen wie Rohit in Nainas Leben gab und der Gedanke, dass er selbst in all seinen nächsten Leben die Liebe seines Lebens bekommen würde, tröstete ihn auch.
Naina hob verwirrt den Kopf und blickte Rohit ausdruckslos an, während sie versuchte, ihre Enttäuschung über die Wahrheit und die Frustration über das ungerechte Universum für sich zu behalten. Als sie den Blick wieder senkte, nahm er ihren Kopf in seine Hände und zwang sie auf sanfte Art, ihn anzusehen.
"Na los. Geh schon. Schenk ihm diesen Gefallen, Naina." Sie war gerührt, dass er sie so gut verstand. "Es sollte nicht sein letzter Tag sein", erwiderte sie trocken. Dann wandte sie sich zu Aman um. "Du solltest nicht schon so früh sterben müssen. Das ist nicht fair." Stumm erwiderte er ihren Blick aus seinen traurigen, dunklen Augen.
"Ich geh jetzt raus und lasse euch zwei allein, ja. Ich warte vor der Tür auf dich, Liebling", sagte Rohit und strich sanft über Nainas Oberarm, bevor er schließlich den Raum verließ.
Die Tür fiel mit einem dumpfen, falsch klingenden Geräusch zu.
Das Klicken der sich schließenden Tür klang so unwirklich, dass es ihr einen Schauer über den Rücken jagte. Betrübt blickte sie zu Boden ... auf ihren Ring ... nur nicht in seine Richtung.
,,Naina." Es war kaum mehr als ein Flüstern. ,,Naina, komm her und sie mich an", bat er sie mit vorgespielt gefasst klingender Stimme. Langsam lief sie auf das weiß bezogene Bett zu und setzte sich dann, mit stets gesenktem Blick, zu ihm. Doch traute sie sich nicht, ihm in die Augen zu sehen.
"Naina", hörte sie seine schwache Stimme und konnte nun nicht mehr anders, als ihn anzusehen. Sein sonst so typisch indischer Hautton war verblasst, fast, als wäre er schon tot. Seine müden Rehaugen starrten sie voller Traurigkeit und Liebe an. In ihnen war das Tränenwasser kurz davor, sich in eine so starke Flut zu verwandlen, dass es den Damm brechen oder überqueren könnte. Das Wasser wartete nur auf den kleinsten Auslöser.
Er machte Anstalten, sich zu bewegen, hob den Kopf leicht an, aber Naina wollte ihn beruhigen. Sie verstand, wie nah er ihr jetzt sein wollte, doch sie wollte ihm selbst ruhig zeigen, dass sie ihn liebte. "Shh, ruhig, Aman. So viel Zeit sollten wir uns noch gönnen dürfen." Er sank kraftlos zurück ins Kissen. Naina beugte sich hinunter und küsste ihn sanft auf die Stirn, während ihr Gewand dabei sacht sein Gesicht streichelte und er von ihrem Duft eingehüllt wurde.
Kurz, nur ganz kurz schloss er die Augen und seufzte kaum hörbar.
Auch Nainas Augen waren geschlossen, als ihre Lippen seine Stirn berührten, um den Moment der Nähe vollkommen auszukosten. Jedoch kamen die Tränen langsam wieder.
Sie löste sich vom ihm und bewegte sich, immer nur über ihn gebeugt, ein wenig zurück, bis der Stoff auf seiner Brust lag und sie intuitiv ungefähr über seinem Gesicht war. Beide öffneten schließlich zeitgleich die Augen.
"Naina, ich-", wollte er beginnen, doch sie merkte, dass das Sprechen ihm schwerfiel und unterbrach ihn. Sie wusste was er sagen wollte. Sie sah es in seinen liebevoll dreinblickenden Augen.
"Ich weiß."
"Aber ... du sollst es ... noch einmal hören. Ich muss es dir sagen." Als sie ihn nur stumm anblickte, ergänzte er: "Bitte."
Er streichelte mit seiner rechten Hand zärtlich ihre Wange entlang.
"Ich ... ich liebe dich, Naina. Naina Catherine Kapur. Und ich verspreche dir ... dass du", er hustete, "dass du in allen ... folgenden Leben ... mir gehörst. Zukünftige Naina Catherine Kapur-Mathur." Er lächelte leicht, bis ihn wieder ein Hustenanfall überkam, wodurch der Damm brach und die Tränen fließen konnten.
Als er wieder zurück ins Kissen fiel, streichelte Naina mit der rechten Hand seine Wange entlang, ganz vorsichtig und langsam, als wär er zerbrechlich und beugte sich hinunter und lehnte ihre Stirn an seine. Genoss ein letztes Mal mit geschlossenen Augen das Gefühl der Nähe.
"Ich liebe dich, Aman. Aman Mathur. Ich verspreche dir, dass ich dich immer lieben werde.
In jedem unserer gemeinsamen Leben. Mein Aman..." Eine Träne löste sich aus ihrem Auge, woraufhin sie beide aufschlug.
Panische befürchtete sie schon,  er wäre tot, wie er da lag, so ruhig und mit geschlossenen Augen.
Doch dann bemerkte sie erleichtert, wie seine Brust sich leicht hob und senkte. Ganz leicht.
Die Träne, die sie vergossen hatte, fiel hinunter zu Amans Auge und vermischte sich mit seinen eigenen. Wie als ob er spürte, dass sie ihn beobachtete, öffnete er die Augen. Naina jedoch ertrug die Traurigkeit seiner Seelenspiegel nicht und verfolgte wachsamen Blickes die Träne, die seine blasse Wange entlangfloss, bis sie bei seinen Lippen angekommen war und dann dort spurlos verschwand.
Ihr Blick haftete an seinen Lippen, sein Atem wurde langsamer. Aman wusste, wo Naina hinsah und am liebsten hätte er sie gepackt, leidenschaftlich geküsst, unter sich vergraben und verführt, doch dazu war er nicht mehr in der Lage. Sie war vergeben und er lag in seinem Sterbebett.
"Du bist verheiratet.", sagte er.
"Das spielt keine Rolle. Ich bin schließlich deinetwegen an ihn gebunden. Er versteht mich. Rohit wird es verstehen."
"Nein, Naina ... ich denke nicht, dass er das verdient hätte."
"Es geht nicht um ihn. Sondern um dich. Sieh es nicht als Betrug. Sieh es als liebevolles Abschiedsgeschenk."
Wo sie recht hatte ...
"Mach ihn glücklich. Er wird dich ... nur einmal haben."
"Ja. Und danach werde ich für immer dir gehören."
Er lächelte.
"Ja. Sowie ich dir."
"Ich liebe dich."
"Und ich liebe dich."
Kurz versanken sie in den Augen des jeweils Anderen, dann senkte Naina sich herab und ihrer beider Lippen berührten sich ein erstes und allerletztes Mal. Es war der beste Kuss, den jemals jemand hätte erleben können. Denn er berührte nicht nur die Lippen, sondern auch Herz und Seele. Amans Herz raste noch einmal und pumpte Blut und Glück und Liebe so schnell wie noch nie durch seinen Körper, während in seinem Herzen ein Feuerwerk explodierte und Wärme ihn durchströmte, bevor sein krankes, schwaches Herz endgültig aufhörte zu schlagen und er friedlich in der Anwesenheit seiner Geliebten starb.
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