"My lovestory" oder: Mein Leben, wie es nie sein wird

von Dawn16
GeschichteRomanze / P12
04.12.2015
11.02.2019
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Nach fast zwei Jahren habe ich mich wieder an meine kleine Geschichte - oder wie ich sie nenne - Therapie erinnert.

Seit dem Beginn dieses Textes, der so viele Gefühle in mir auslöst, ist so viel und doch nichts passiert.
Ich habe im Frühjahr 2017 mein Abitur gemacht, was zugleich auch das Ende meiner Schulzeit bedeutete - und den Abschied von meiner heimlichen Liebe.
Man sollte denken, ich wäre bereits über ihn hinweggekomen, hätte jemand anderes kennengelernt... Naja, das stimmt nicht so ganz.
Nach der letzten Unterrichtswoche gab es zum krönendem Abschluss noch eine große Party auf der Rennbahn in unserer Stadt. Wir alle sind als Stufe gemeinsam dorthin gegangen, alle in unseren Abiturpullis.
Der Abend war super und ich hatte viel Spaß, dennoch verließ mich die ganze Zeit diese Panik nicht, dass es der letzte Tag war. Der letzte Tag, an dem ich ihn sah. Ich habe den Blick nicht von ihm abwenden können, was er nicht bemerkte. Er trug seine Brille im Gegensatz zu üblich nicht, was mich aber nicht sonderlich störte. Ich überlegte die ganze Zeit, ob ich ihn ansprechen sollte, aber wie hätte ich das anstellen sollen, ohne dass alle Umstehenden es mitbekamen? Ich habe mich nicht getraut.
Nach den Abiturprüfungen gab es keinen Unterricht mehr, was bedeutete, dass ich niemanden aus meiner Stufe mehr sah, mit Ausnahme meiner Freundinnen. Meine Gedanken schwiffen dennoch täglich zu ihm ab, und mit jedem Tag fieberte ich unserem wahrscheinlich entgültig letztem Treffen entgegen - dem Abiball.
Am Abend, an dem es soweit war, bin ich so aufgeregt gewesen. Es war ein wunderschöner Abend und ich werde ihn nie vergessen. Gemeinsam mit meiner Mutter, meinem Bruder und meiner besten Freundin, die ich einlud, fuhr ich zu der Location, in der unsere Abschlussfeier stattfinden sollte.
Wir waren ein wenig zu früh und warteten draußen. Unter all den eintreffenden Gästen suchte ich natürlich wieder nur das eine Gesicht, dass mein Herz jedes Mal wieder zum Hüpfen bringt.
Nach einer Weile dann sah ich ihn. Oh mein Gott, er sah so gut aus... er trug dem Anlass entsprechend einen blauen Anzug und ich konnte nur schwer wegsehen.
Ich hatte, da ich mit für die Organisation verantwortlich war, gesehen, dass noch eine weibliche Person zu ihm gehörend auf der Liste stand und hielt die Augen offen. Der Gedanke, dass er vielleicht eine Freundin hat und diese mitbrachte, war schließlich nicht so abwegig. Leider habe ich es nicht herausfinden können.

Zur Übergabe der offiziellen Abiturzeugnisse wurde jeder Schüler mit einem Spruch von den Lehrern aufgerufen. Er wurde als "der perfekte Schwiegersohn" aufgerufen und ich musste mein zustimmendes Grinsen echt zurückhalten... Schließlich saß meine Mutter direkt gegenüber von mir!

So toll der Abend auch war, mit bot sich keine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Wieder habe ich ihn nur aus der Ferne beobachtet...


Ich habe ihn nicht vergessen können, auch nicht als ich im Herbst mein Studium begann. Ich sah an der Uni einige meiner ehemaligen Mitschüler, aber er war nicht unter ihnen.
Kurz vor Weihnachten gab es an meiner Schule ein Ehemaligentreffen, zu dem ich mit einer Freundin ging. Die ganze Zeit hatte ich die Hoffnung, ihn wiederzusehen, auch wenn es nur kurz wäre.
Eine Stunde verstrich, und etwa die Hälfte meiner ehemaligen Mitschüler war gekommen, er nicht.
Ich hatte mich bereits damit abgefunden, dass er nicht kommen würde, als er plötzlich doch um die Ecke bog. Den Sprung, den mein Herz machte, habe ich bis heute nicht vergessen.

Das war das letzte Mal, dass ich ihn sah, kurz vor Weihnachten 2017.
Seitdem verging kaum ein Tag, an dem ich nicht an ihn gedacht habe.
Dennoch habe ich mich zwischendurch mit anderen Kerlen getroffen, die auch wirklich nett waren. Aber wirklich verliebt habe ich mich bislang nicht noch einmal.
Ab und zu träume ich von ihm, nur um beim aufwachen festzustellen, dass es wieder nicht real war. Erst diese Nacht war es wieder so. Er saß vor mir im Raum, mit dem leuchtend blauen Rucksack, den er früher immer dabei hatte.
Mir bleibt nichts als die Erinnerung.
Ich weiß weder, ob er noch in der Umgebung wohnt, noch ob er studiert etc.

Mittlerweile bin ich selbst von zuhause ausgezogen und studiere in einer entfernten Stadt. Die Chance, ihn bald wiederzutreffen, ist verschwindend gering. Dennoch schaue ich jedes Mal in der Menge, ob ich ihn nicht doch entdecke, seine Stimme höre.
Ich kann ihn einfach nicht vergessen.
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