[Nebeldrabbles] Bis die Tränen im Nebel verschwinden

DrabbleDrama, Schmerz/Trost / P12
03.12.2015
03.12.2015
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Das ist mein Beitrag zum  Nebel- Drabble Wichteln von Nairalin.      
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Der Beitrag ist für Mosaikmaedchen.
Ich hoffe, es gefällt dir und entspricht deinen Vorstellungen. Tut mir leid, dass es eine FA geworden ist, aber das mit den Fandoms hat irgendiwe nicht so geklappt...
Danke auch für deine wunderbaren Vorgaben, deren Umsetzung mir zwar zuerst etwas schwer fiel, dann aber sehr inspririerend war.

Hier sind noch mal die Vorgaben von Mosaikmaedchen zum Nachlesen:
Drabbleform: Mindestens 300, maximal 500 Wörter; selbstverständlich geht auch irgendwas dazwischen – egal, welche Drabble-Kombination, Hauptsache, irgendeines dieser Wortlimits ist erfüllt.
Max. erwünschtes Rating: P16(-Slash)
Fandom: Tribute von Panem, Harry Potter, Pretty Little Liars, sonst gerne eine FA.
Sonstiges: nebelgraue Augen oder Augen in der Farbe des äschernen Tages– jedenfalls soll es um graue Augen gehen (in Harry Potter z. B. könnte es um Sirius‘ oder Regulus‘, in Panem u. a. um Gales oder Rorys Augen gehen). An diese wird der Protagonist oder die Protagonistin während einer Beerdigung im Nebel erinnert – ob schöne oder schmerzhafte Erinnerungen und um wessen Beerdigung es sich dabei handelt, bleibt dem Schreiber überlassen. Ich denke, es wäre günstig, wenn die Person mit den grauen Augen einen Bezug zum/zur Beerdigte/n hat; lasse mich aber auch gern vom Gegenteil überzeugen. Die Beispiele der potenziellen Grauäugigen ist nur ein Kann, kein Muss. Somit bleibt mir nur noch, ganz viel Spaß beim Schreiben zu wünschen. :-)

~Für Mosaikmaedchen~

Die Feuchte in der Luft durchnässt meine Kleidung und dringt mir bis auf die Knochen. Vor meinen Augen kann ich kaum etwas erkennen durch den dichten schweren Nebel, der einen beinahe schon schützend anmutenden Schleier auf die versammelte Trauergemeinschaft legt, fast so, als wolle er sie abgeschirmt vom Rest der Welt einsam weinen lassen, salzige nasse Tränen, die mit dem Nebel zu verschmelzen scheinen. Auch ich weine, die gleichen nassen Tränen wie alle anderen, sie tropfen lautlos auf den feuchten Boden und sickern langsam in die Erde. Doch die Tränen sind nicht für denjenigen bestimmt, dem diese Trauerfeier zuteil wird.

Tyler Ray, 28 Jahre alt, gestorben bei einem Autounfall. Er ist es nicht, für den ich weine. Genau genommen weiß ich nicht einmal, warum ich hier bin, auf der Beerdigung eines Mannes, den ich nicht einmal kenne, eines Fremden. Warum ich bedingungslos die Kälte ertrage, die mit der Nässe einhergeht und den schweren Stoff der Trauerkleidung, die mich niederzudrücken scheinen will. Aber dann hebe ich den Kopf, das erste Mal heute- ich bevorzuge es normalerweise- zu Boden zu blicken, und sehe das Grab, die Blumen, den Nebel, der alles in ein gespenstisches diffuses Dämmerlicht taucht, und ich weiß es wieder.

Graue Augen tauchen in meinen Gedanken auf, fast meine ich, sie mich aus dem ebenso grauen Nebel heraus anblicken sehen zu können, doch genauso schnell sind sie schon wieder weg. Es hätte auch einfach eine Lichtspiegelung sein können, hervorgerufen durch den Nebel und die dünnen Sonnestrahlen, die sich nun langsam kriechend ihren Weg durch die dichten grauen Schwaden bahnen, aber meine Gedanken sind da und ich kann nichts dagegen tun, welchen Lauf sie annehmen, und an was- an wen- ich denke, obwohl ich diese Person eigentlich für immer aus meinen Gedanken hatte verbannen wollen, einfach, weil der Gedanke weh tut.

„Es ist nicht meine Schuld!, höre ich ihn wieder und wieder rufen und ich kann nicht anders, ich presse mir eine Hand aufs Herz, als könnte ich so verhindern, dass es schmerzt, so sehr schmerzt, dass ich wünsche, der Nebel würde es verschlingen. Doch dieser Gefallen wird mir nicht getan, stattdessen stimmt die Trauergemeinde jetzt einen langsamen Singsang an und ich fühle mich genötigt mitzusingen, so sehr mir das Herz auch blutet. Die Töne strömen über meine Lippen wie eisige Kälte, ohne Gefühl. Keinen Gedanken verschwende ich an Tyler, dessen bernsteinfarbene Augen nie so faszinierend auf mich wirkten wie seine.

Lucifer Abernathy, 20 Jahre alt, so temperamentvoll wie es sein Name verspricht und die unglaublichsten grauen Augen, die ich je erblickte. So viel faszinierender als die seines Halbbruders und so viel gefühlvoller. Auch in diesem einen letzten Moment blickten sie mich so schmerzerfüllt an, ich wäre beinahe schwach geworden, doch ich bin stark, ich habe ihn trotz seiner Unschuldsbeteuerungen weggeschickt, ihn angeschrien, er solle mir aus den Augen gehen und nie wieder kommen. Jetzt, an diesem nebeligen Tag der Beerdigung seines Bruders verliere ich diese Stärke und die Tränen quellen aus mir heraus. Ich weine für Lucifer. Für den Falschen.
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