Das Ende der politischen Mitte

GeschichteAllgemein / P12
02.12.2015
02.12.2015
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Das Ende der politischen Mitte


Hiermit möchte ich jenseits von Fiktionalität und Erzähltechniken einen Gedanken anstoßen. Bei der leider häufig sehr distanzierten Betrachtung der Geschehnisse in dieser Zeit, fällt mir auf, dass unsere Gesellschaft sich immer mehr in drei Lager zu spalten droht.
Es gibt diejenigen, die hilfsbedürftigen Fremden aus einem Land, in dem unmenschliche Zustände herrschen, uneingeschränkt ihre aktive Anteilnahme und Hilfe zusichern wollen. Koste es, was es wolle.
Dann gibt es diejenigen, die eine strenge Selektion fordern und eine pauschale Meinung zu einer für sie gesichtslosen Masse haben, deren Not sie nicht sehen oder akzeptieren, da sie schlichtweg anders aussieht, einer anderen Religion angehört oder eine fremde Sprache spricht.
Zuletzt gibt es diejenigen, die sich raushalten, die sich nicht weiter von Anschlagsmeldungen und polizeilicher Präsenz im eigenen Alltag beeindrucken lassen.
Nun ist die Frage, zu welcher Gruppe man selbst gehören möchte. Welche Meinung hast du zu dem Thema?, wird man gefragt.
Die einzige Frage, die sich mir an dieser Stelle aufdrängt, ist die nach der Relevanz einer solchen Aufteilung in gesellschaftliche „Lager“, wie ich die Gruppierungen zu Beginn tituliert habe. Warum diskutieren wir öffentlich darüber, ob und wie Menschen in Not geholfen werden soll? Wieso nehmen wir uns als das große und altehrwürdige (beide Begriffe dürfen in diesem Zusammenhang vielmehr ironisch als ernst gemeint wahrgenommen werden) Europa das Recht heraus, Grenzzäune zu bauen, um verzweifelte Mütter, Väter und Kinder von unserem trauten Heim fern zu halten?
Das Trauma der Deutschen, das eben in seiner Vergangenheit als nationalsozialistischem Staat zu finden ist, sollte uns eigentlich eines Besseren belehrt haben. Doch wieso ist es noch heute möglich, für bestimmte Parteien – deren Namen nicht genannt werden müssen, denn das Problem ist weithin bekannt – einen Nährboden zu finden, um Xenophobie und sonstige Richtungen des Hasses für junge Menschen und die restliche tumbe Masse der „gebildeten Bürger“ bekannt zu machen?
Während also unsere globale Gesellschaft zu einem bürokratisierten und eingeschnürten Gebilde verkommt, machen wir uns hierzulande darüber Gedanken, ob die (post)moderne Frau sich durch das Symbol auf der Damentoilette diskriminiert fühlen könnte.
Natürlich ist Gleichberechtigung etwas, auf das wir bisher eigentlich recht stolz sein dürfen, wir sind diesbezüglich „weiter“ als andere Regionen dieser Erde, doch bleibt trotzdem immer ein fader Beigeschmack zu diesem Thema zurück. Wer möchte schon die sogenannte „Quoten-Frau“ sein, die man aufgrund der Regelung eingestellt hat und nicht wegen ihrer Leistung bzw. Intelligenz?
Ist es nicht völlig egal, wo jemand herkommt? Ist es nicht absolut gleichgültig, für wen jemand Liebe empfindet? Macht es einen Unterschied, ob jemand weiblich oder männlich ist? Sollte Liebe und insbesondere Nächstenliebe nicht vollkommen abseits von Nationalität, Sexualität, Geschlecht oder Religion stehen?
Imaginäre Grenzen erschaffen können wir ziemlich gut. Aber auch natürliche Grenzen zu überschreiten gehört zu unseren liebsten Beschäftigungen, wie mir scheint.
Wir zerstören uns gegenseitig und den Boden, auf dem wir leben. Man möchte beinahe sagen, dass wir nichts aus unserer Weltgeschichte gelernt haben. Ich selbst kann es nicht ändern, nicht alleine.
Vielen Menschen vor mir ist es bereits aufgefallen und sie haben definitiv einen bleibenderen Eindruck in der Geschichte hinterlassen, als ich es jemals im Stande sein werde. Doch wieso bleiben sie dennoch ungehört? Ihre geistreichsten Zitate verkommen in Vorworten einiger Romane zu leeren Phrasen.
Metaphorisch ist es eigentlich ziemlich treffend, leere Phrasen in den leeren Köpfen der Leser. Es bleibt nichts hängen, es bleibt nichts übrig. Nur der Hass, den einige von uns darüber empfinden, dass ein gewisser Hilfesuchender die Sprache, in der das Zitat abgedruckt ist, nicht versteht.
Woran liegt das? Genau, daran, dass sich kaum ein Mensch dafür verantwortlich fühlt, es den Fremden beizubringen.
Und an dieser Stelle sollten wir ansetzen. Uns mehr umeinander kümmern und mehr füreinander interessieren. Manche werden dieses Schriftstück als „ziemlich links“ einordnen und es vielleicht mit einem zustimmenden Nicken quittieren, vielleicht aber auch nicht.
Doch nun die letzte Frage: Ist Menschenliebe und Achtung einer Seite verpflichtet? Muss ich Meiner Überzeugung einen Namen geben, damit meine Meinung in irgendeiner Weise Aussagekraft erhält?
Das bleibt zu diskutieren.
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