Die, deren Name nicht genannt werden darf

von - Leela -
GeschichteAllgemein / P12
Eddie Futura Jake Jessica Tracy
01.12.2015
01.12.2015
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Die Regeln des Spiels

Die kleine Gesellschaft saß erwartungsvoll um den Kaffeetisch herum, vor dem Futura mit einem Dokument stand und ihre Aufmerksamkeit forderte.
      „So, paßt auf! Damit gewährleistet ist, daß mit dem Wunsch des Geburtstagskindes nicht leichtfertig umgegangen wird, gibt es ein paar Regeln für den heutigen Tag. Also, ich fasse noch einmal zusammen: An diesem heutigen Tage darf nicht über die, deren Name nicht genannt werden darf, gesprochen werden. Sie darf weder erwähnt werden, noch visuell, akustisch, geschmacklich, durch Geruch, irgendwelche Andeutungen oder anders in Erscheinung treten. Das bedeutet, es dürfen auch keine Umschreibungen wie zum Beispiel ‚Die, deren Name nicht genannt werden darf‘ Gebrauch finden, um das Ansinnen des Geburtstagskindes zu übergehen. Bei Nichtbeachtung schuldet der Verantwortliche dem Geburtstagskind: Beim ersten Vergehen einen gemeinsamen Kinobesuch mit einem Film seiner Wahl und einem Kinoaufenthalt all inclusive, nach den Wünschen des Geburtstagskindes…“
      Jake konnte nicht verhindern, die Augen zu rollen. Tasha schaute etwas verängstigt und Tracy und Jake warfen sich beunruhigte Blicke zu. Sie alle wußten, daß Kino für Eddy das größte war. Wer auch immer sich etwas zu schulden kommen ließ, würde einen teuren Kinobesuch vor sich haben!
      „… Beim zweiten Vergehen:“ fuhr Futura fort. „Einen Tag auf Coney Island, ebenfalls all-inclusive und mit Besuchen sämtlicher vom Geburtstagskind ausgewählter Fahrgeschäfte, Buden und Imbißstände, – vergeßt nicht: Zusätzlich zu dem Kinobesuch!“ Die schlanke Frau schaute bedeutungsvoll in die Runde, damit niemand dachte, die Vergehen würden zusammengefaßt werden.
      Jake starrte mißmutig an den anderen vorbei. Coney Island war mindestens genauso schlimm wie Kino, wenn nicht sogar noch schlimmer.
      Tasha hatte mittlerweile den Kopf in den verschränkten Armen auf dem Tisch vergraben. Es waren nicht so sehr die Fahrgeschäfte, die sie ängstigten – bei Eddy brauchte man da nicht allzuviel Angst zu haben, aber sie wußte, wieviel Geld er auf einem Jahrmarkt unter die Leute bringen konnte, und die Vorstellung, daß sie diejenige war, die dafür aufkam, überstieg ihre Nerven. Innerlich beschloß sie, auf ihrem Platz sitzenzubleiben, sich nicht zu bewegen und keinen Ton zu sagen, nur vorsichtshalber.
      Futura las derweil weiter: „… und ab dem dritten Vergehen je ein Bücherpaket nach Wahl des Geburtstagskindes.“ Als die anderen schon etwas entspannter guckten, erläuterte sie zu ihrem Entsetzen: „Alles, was Eddy innerhalb von 5 Minuten in einen Amazon-Einkaufwagen packen kann.“ Die entsetzten Mienen ihrer Gefährten ignorierend, die genau wußten, wie sehr ihr Kamerad das lesen spannender Bücher liebte, und sich nicht ausmalen mochten, wie effektiv er innerhalb von fünf Minuten beim Durchstöbern eines Online-Kaufhauses werden konnte, legte sie das Dokument aus der Hand. „Ihr seht, je mehr Verstöße gegen die Regeln, desto mehr erhöht sich der Einsatz!“
      Eddy grinste zufrieden.
      „Und was ist, wenn Eddy die, deren Name nicht genannt werden darf erwähnt oder in Erscheinung bringt?“ fragte Jake.
      Futura stutzte. „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht… Ich würde aber sagen, in dem Fall ist das Verbot ab dann aufgehoben!“ Tracy reichte der Zauberin einen Kugelschreiber, und sie begann, die Regeln zu ergänzen.
      „Kann man es nicht gegeneinander aufheben?“ fragte Jake. „Wenn Eddy die, deren Name nicht genannt werden darf, einbringt, sind einfach alle bisherigen Verstöße von uns hinfällig?“
      „Nein!“ erwiderte Futura verheißungsvoll. „Denn wenn sich niemand von uns daneben verhält - und das wollen wir ja hoffen! - würden sich für Eddy keine Konsequenzen daraus ergeben!“
      „Hm. Stimmt!“ bestätigte Jake nachdenklich.
      „Also!“ verkündete Futura. „Sollte sich das Geburtstagskind selbst nicht an die Regeln halten, gilt die Vereinbarung ab diesem Zeitpunkt sofort als aufgehoben. Das heißt, die, deren Name nicht genannt werden darf, darf dann in alles Variationen wieder ihren Einfluß auf die Gesellschaft nehmen.“
      Die vier Gäste tauschten verschlagene Blicke. Eddy nahm es gelassen. „Meinetwegen. Bei mir braucht ihr sicher keine Sorge darum zu haben, daß ich mich nicht daran halten werde.“
      Futura sah von ihrem Dokument auf. „Etwaige schon erwirtschaftete Gewinnansprüche bleiben aber bestehen und verfallen dadurch nicht. Es nützt euch also nichts, Eddy unter Druck zu setzen.“
      „Naja, doch, wenn wir uns danach wieder normal verhalten dürfen!“ In dem Moment, wo Jake ausgesprochen hatte, bereute er es. Wie er es nicht anders von seiner Freundin vermutet hatte, nahm sie den Hinweis sofort auf.
      „Provokation ist nicht erlaubt! Weder von der einen, noch von der anderen Seite, wobei ich mir bei Eddy darum wohl keine Gedanken zu machen brauche. Sonst liefert er ja seinen eigenen Wunsch an’s Messer. Niemand sonst sollte aber auf die Idee kommen, irgend jemanden dazu anzustiften, die, deren Name nicht genannt werden darf, in’s Spiel zu bringen, weder durch Bestechung, noch durch Erpressung oder irgendwelche anderen Tricks! Sollte ich das merken, wird der Teilnehmer disqualifiziert. Das bedeutet, er darf die Gesellschaft verlassen!“
      Tasha sprang plötzlich auf und flüsterte ihr etwas in’s Ohr, was alle mit einer unbestimmten Besorgnis aufnahmen, dann lächelte Futura verschlagen.
      „Tasha hat noch eine bessere Idee, der ich mich gerne anschließe. Also: Bei einem Betrugsversuch werden demjenigen drei Vergehen als Komplettpaket auf dem Konto gutgeschrieben. Das bedeutet, in dem Fall bekommt Eddy auf jeden Fall ein Rundum-Paket aus Kino, Coney Island und Büchern, und zwar für jeden Betrugsversuch, ganz unabhängig von dem üblichen Spielscore!“
      Jakes Blick traf Tasha in durchdringendem Entsetzen wie ein Blitz.
      Eddy schnappte überfordert nach Luft. „Woah…!“
      Futura sah ihn mit einem tiefgründigen Schmunzeln an. „Jeder Betrugsversuch von dir löscht den kompletten Score!“ rief sie dem molligen Ghostbuster in Erinnerung, nur vorsichtshalber, falls dieser das plötzlich für sich ausnutzen wollte. „Und sofern wir noch keinen Score haben, hebt es das Verbot auch auf! Also, ich möchte, daß das ein faires Spiel bleibt!“ erklärte sie. „Sonst macht es keinen Spaß. Und für Eddy gibt es auch Konsequenzen, wenn er sich vergreift.“
      „Bist du verrückt geworden?“ raunte Jake Tasha zu, als sie sich wieder neben ihn setzte.
      Sie zog überrascht die Augenbrauen hoch. „Wieso? Hast du etwa vor zu betrügen?“ Als Jake stockte, ergänzte sie: „Eben ging es ja nur darum! Also, ich habe nicht vor, jemanden zu bestechen oder zu provozieren, von daher halte ich das für eine faire Spielregel, um denjenigen nicht nur zu bestrafen, der versucht zu betrügen, sondern auch um Eddy daraus einen Vorteil zu verschaffen. Ist nur gerecht, oder?“
      „Ähm, ja… Stimmt. Ich hatte das eben mit dem anderen vermischt. Sorry. Natürlich will ich auch ein faires Spiel.“
      Futura notierte etwas und ergänzte dann: „Okay, also, wie gesagt, für Eddy ergeben sich auch Konsequenzen, nicht nur, wenn er versucht, euch zu provozieren, sondern auch, wenn er die, deren Name nicht genannt werden darf, in’s Spiel bringt. Um es euch aber auch nicht ganz leicht und für Eddy etwas einfacher zu gestalten - immerhin ist heute sein Geburtstag! - machen wir auch hier eine Staffelung: Bei seinem ersten Vergehen muß er sich mit Tracy zusammen »Die Minions« im Kino anschauen, mit einem Kinosnack nach Tracys Wahl!“
      Der Gorilla lächelte beseelt, während Eddy etwas befremdet dreinschaute.
      „Beim zweiten Vergehen verbringt das Geburtstagskind mit uns allen zusammen einen Tag in der Ihr wißt schon wer-Plantage.“ fuhr Futura fort.
      „Das wird ja immer komplizierter!“ raunte Jake Tasha zu.
      „Das macht sie, damit das Verbot nicht sofort beim ersten Mal aufgehoben ist. Das ist doch gut, sonst hätte Eddy ja keinen Spielraum, wenn er sich einmal vertut. Ich finde das okay.“ bekannte Tasha. „Nur gut, daß sie die Sache mit dem betrügen schon geregelt hat, damit da nichts manipuliert wird.“
      „Man muß es nur geschickt genug anstellen…“ zischte Jake verbissen.
      Tasha sah den Blonden entgeistert an. „Äh… Jake? Wir reden hier von deiner Freundin, die die Aufsicht führt? Du weißt, daß sie mentale Fähigkeiten hat, mit denen sie sofort rausfindet, wenn jemand unlautere Absichten hat?“
      Jake biß die Zähne zusammen, und Tasha merkte, daß er am liebsten vor Frust irgendwo gegengeschlagen hätte. „Na gut, vergiß, was ich gesagt habe!“
      Ihr Blick sagte: ‚Recht so!‘ Dann wandte sie sich schnell wieder Futura zu, um nichts zu verpassen.
      Die war jetzt fast am Ende angekommen. „Und beim dritten Vergehen wird das Verbot von heute aufgehoben, und jeder darf die, deren Name nicht genannt werden darf, wieder voll zur Geltung bringen!“ Zufrieden schloß Futura ihre Notizen ab. „Und wie gesagt, merkt euch: Merke ich, daß irgendeiner von euch provoziert, triezt oder anderweitig versucht jemanden dazu zu bringen, die Regeln zu brechen, wird er von mir persönlich verwarnt, die Vereinbarung geht normal weiter und der Verursacher erhält zur Strafe drei Strafpunkte auf dem Score.“
      „Da brauchst du dir bei mir bestimmt keine Gedanken zu machen.“ murmelte Eddy, der froh war, daß Futura die Schiedsrichterin spielte, denn bei ihr wußte er, das Spiel würde fair bleiben, und die Chancen standen gut, daß sich sein Wunsch sogar erfüllen würde.
      „Gut. Die Regeln sind soweit klar?“ erkundigte sich die Freundin aus der Zukunft.
      Stille setzte ein. „Ich weiß nicht, es waren so viele…“ bemerkte Jake überfordert.
      Futura lächelte milde. „Eigentlich nicht. Nur zwei. Erstens: Die, deren Name nicht genannt werden darf, ist heute Tabu, und zweitens: Niemand darf von niemandem dazu angestiftet werden, Regel 1 zu brechen. Alles andere sind nur Konsequenzen, die sich daraus ergeben, und die habe ich bestens im Blick!“
      Das stimmte Jake nicht fröhlicher, nickte jetzt aber auch.
      „Gut!“ Futura atmete durch. „Damit sind die Formalitäten abgeschlossen. Die, deren Name nicht genannt werden darf, ist ab genau jetzt tabu!“ Sie schlug sich euphorisch in die Hände. „Dann würde ich sagen, auf ein gemütliches Kaffeetrinken!“
      Als sie sich setzte, wechselten Tasha, Tracy und Jake verunsicherte Blicke. Sie alle waren nicht so sicher, ob das Kaffeetrinken so gemütlich für sie werden würde…
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